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Full text of "Palaeontographica"

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FORTHE PEOPLE 


FOR EDVCATION 


YOK SCIENCE 



LIBRARY 

or 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL H1ST0RY 




PALAEONTOGRAPHICA. 



5 U . O Ca (j* V^ 

BEITRÄGE 



ZUK 



NATURGESCHICHTE DER VORWELT. 



H"M7,KII>TKR BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



HEßMANN von MEYER. 



CASSEL. 

VERLAG VON THEODOR FISCHER. 
1865—1868. 



. - '• 



Ueber 

die fossilen Reste von Wirbelthieren, 

welche die Herren von Schlagintweit von ihren Reisen in Indien und Hoch -Asien 

mitgebracht haben. 

Von 
Hermann vou Meyer. ' 

Taf. I— VIII. 



Von den Herren Hermann und Robert von Schlagintweit sind mir die fossilen Reste 
vom Wirbelthieren zur Untersuchung anvertraut worden , welche dieselben mit ihrem in der 
Blüthe der Jahre, fern von der Heimath der Wissenschaft zum Opfer gefallenen Bruder 
Adolph auf den in den Jahren 1854 — 1858 unternommenen Reisen in Indien und Hoch- 
Asien gesammelt haben. Wenn auch nur ein geringer Theil der in zwei Kisten verpackt 
gewesenen , sehr fragmentarischen Gegenstände eine Untersuchung zuliess , so ist doch diese 
Ausbeute schon dadurch wichtig, dass die Reste aus sehr verschiedenen, theilweise zuvor 
für fossile Wirbelthiere unbekannt gewesenen Gegenden herrühren , und eine ausge- 
dehntere Verbreitung von Säugethieren- und Reptilien- führenden Tertiär-Gebilden, alt- bisher 
angenommen wurde, im fernen Asien bekunden. 

Die besseren Gegenstände habe ich auf Taf. I — VIII abgebildet. Die Angaben über 
die geographische Lage der Fundstätten verdanke ich der gefälligen Mittheilung der Herren 
von Schlagintweit. Unter Breite ist die nördliche Breite , unter Länge die östliche von 
Greenwich und unter Höhe sind Englische Fuss über dem Meere zu verstehen. Geflissentlich 
ist auch die Bezeichnung angegeben, womit die Stücke versehen sind, und die sich auf den 
Band , die Seite und die Nummer in den eine Reihe von Bänden umfassenden , überaus 
zweckmässig eingerichteten, handschriftlichen Catalogen beziehet. 

-r., nnml XV. 1 1 



— 2 - 

i Vorhut, den die Wissenschaft in dem Herrn Adolph von Schlagintweit beklagt, 
ist um m runlbarer, als er ea war. der sich besondere für Geologie tntereesirte , und daher 
■ach Über •!' Legen irsverhältniase der Fundstätten der Fossilen Wirbelthiere hätte genauere 
A u s kunft können. 

In ,ü. . - entlieh kein stände aus den Sivalik -Hügeln Nord- 

bxhen's enthalten. Es i»t dies gerade kein Mangel, wenn man bedenkt, welche grossarl 

.iu- letzten r id in den Sammlungen Indiens und Englands aufgehäuft sind. 

und dass diese mitunter Behr vollständigen Reste wenigstens zum Theil ha dem vonFalconei 
und Cautley erschienenen Werke : „Fauna antiqua Sivalensis" veröffentlicht vorliegen. 1> 
im Januar l- Prachtwerk war im Atlas "bis zur neunten Lieferung, im Texte 

nur zur ieferung gediehen, als eine längere Unterbrechung eintrat, der am 31. Januar 

r Tod Falconers folgte, was die Wiederaufnahme des Werkes nun noch mehr in 
teilt. 

I»ie von mir untersuchten (Jeberreste werde ich nach den Localitäten, von denen sie 
herrflhren, besprechen, weshalb ich eine EJebersicht derselben nach ihrer geographischen 
theilung voranschi« k 

A. In d i e n. 

I. Aus der Provinz. Kach (westliches Indien). 

1. Localitfit : Ins* ! Perim. 

II. Aus der Provinz Sindh (westliches Indien). 

2. Localität: Zwischen Dokri und Nari, an der Westseite des Indus. 

alität : Kapani I" i >i-\ an. 

III. Aus der Provinz Malva (Central -Indien). 

L Localität: Jhansi Ghat zwischen Jnblpur und Narsinghuur. 

IV. Aus der Provinz PiunY' , uwestliehes Indien). 
ialgarh, a. 

I tlität: h ärh, b. 

I. Jität: Kosl algäi h, 

P>. w i itl icher Himalaya. 
\ . Aus d< i Provinz Simla. 
Simla. 
\ I. Aus der Provinz < Shamba. 

t : Nuipiir. a. 

10. l tat : Fun! EngL Meilen von Kurpur, I». 

\ II Aus der Provinz Rajauri (westlicher Theil von Kashmir) 
11 I tat: Khenii I >:iki Pa 



- 3 — 

0. Westliches Tibet. 
VIII. Aus der Provinz Gnäri Khorsum (Gross -Tibet). 



12. Localität: Nicht genauer bekannt. 



A. Indien. 

I. Aus der Provinz Kach (westliches Indien). 
1. Localität: Insel Perim bei Gö^o. 



o 



Diese Insel, an der Ostseite des Meerbusens von Cambay, der Mündung der 
Nerbudda gegenüber gelegen, darf nicht mit der Insel Perim am Eingange des Rothen 
Meeres verwechselt werden. Sie ist berühmt wegen ihres Reichtimms an fossilen Resten 
verschiedenartiger Wirbelthiere. 

Baron Hügel (Jour. Asiat. Soc. of Beng. , V. p. 288. May 1836) ist der erste, der 
des Entdeckers der Knochen, Dr. Lush , erwähnt. Die von diesem gefundenen Reste 
(1. c. V. p. 767) werden dem Mastodon latidens beigelegt und sollen ausserdem in dem 
Hörn von einem Ochsen, dem Schädel von einem Schwein und in Resten von einem Nager 
bestehen. 

Bald darauf unternahm Capitän Fulljames (1. c. V. p. 289; VI. 787) ausgedehntere 
Nachforschungen, die ihn in den Besitz einer grösseren Menge fossiler Knochen brachte, 
welche in die Sammlungen der Asiatischen Gesellschaften zu Calcutta und Bombay, sowie 
in jene der geologischen Gesellschaft zu London gelangten. Unter diesen Resten werden 
Zähne von Mammuth, Mastodon, Rhinoceros, Hippopotamus, Palaeotherium und vielen 
anderen kleineren Thieren , Stosszähne von Elephanten , der Kopf eines grossen Saurus , der 
halbe Fuss von einem Hirsch-artigen Thier und Conchylien aus einem kieseligen Sandstein 
autgeführt. Prinsep (1. c. 290; VI. 1837. p. 78) gedenkt unter den durch Fulljames an 
die Asiatische Gesellschaft zu Calcutta gekommenen Gegenständen mehrerer gut erhaltenen 
Unterkiefer von Hippopotamus, Elephas, Rhinoceros (Lophiodon?), Sus, Anthracotherium (?), 
Hirsch, Ochs, Bruchstücke von Schildkröten und eines vollständigen Saurier-Schädels. 

Um dieselbe Zeit, wo Fulljames die Gegenstände, die er gesammelt hatte, der 
geologischen Gesellschaft in London verehrte, im Jahr 1840, erhielt das Britische Museum 
von der Insel Perim ein ähnliches Geschenk durch Miss Pepper. Später fand noch Bettington 
(Athenaeum, No. 923, p. 662) den Schädel von einem grossen Wiederkäuer, der nach 
Falconer (Quart. Journ. Geolog. Soc. London, 1845. I. p. 371), dem ich diese Angaben 
entlehne, dem Bramatherium Perimense angehört haben könnte, dann auch Reste anderer 
Wiederkäuer, sowie von Mastodon, Rhinoceros, Crocodil etc. 



— 4 — 

Unter den \<>n dieser Insel nach England gekommenen Ueberresten erwähnt Falconer 

idoo latidens, eine gross S cies von Rhinoceros, eine Speciea Elephas, Hippopotamus. 

mit der n Ava, im Nerbudda-Thal und in den Sivalik-Hügeln vorkommenden Hexaprotodon- 

Form Übereinstimmend, Dinotherium Indicum, Equus, Sus Hysudricus, auch den Sivalik- 

In zustehend, Camelop&rdalis Sivalensis, Bramatherium Perimense, mehrere Speciea 

Antilope, Bos, Bwei Sp »codil, worunter ein Gavial, verschiedene Süsswasser-Schild- 

ii und Fischwirbel von 2\ , bis 8 Zoll Durchmesser; wobei ausdrücklich bemerkt wird, 

.li.- Mehrsah] der Versteinerungen von der Insel Perim denselben Genera und Speciea 

. wie die aus 'l<m Sivalik-Hügeln und der Irawaddi-Ufer in Ava; nur Dinotherium 

und Bramatherium seyen in. eh nicht aus ersteren Bügeln bekannt. Die im ganzen unbe- 

oden Best von Dinotherium Indicum, Camelopardahs Sivalensis und Bramatherium 

Perimense beschreibt Falconer in einer besonderen Abhandlung (Quart. .Inurn. geulog. s.u-. 

London, L845. I. p. 356), worin er daraufhinweist, dass die Veröffentlichung der übrigen 

ner Fauna antiqua Sivalensis erfolgen werde, welche indess nur ret einige 

!. abgebildet enthält 

li dem den Knochen noch anhängenden Gebilde rühren Bie aus einem Conglo- 

• her, von den I wird, dass es kalkig eisenschüssig sej und in Knollen verhär- 

[buchen Thones, verbunden durch einen Teig aus Sand und Thon, bestehe. Die 

Se< habe von vielen dieser Knochen die Gesteinsmassc weggespült, sie seyen gewöhnlich 

mit klein- ii Serpuln und anderen lebenden Conchylien bedeckt, verkieselt, wie die meisten 

Knochen der Sivalik*Htigel und von Ava, und daher auch sehr hart. 

In der Sammlung, welche die Herren von Schlagintweil aus Asien mitbrachten, habe 

ich unter den Gegenständen von der Insel Perim eigentlich nur einen schönen Backenzahn 

tod m P< rimensis Falc. unl einen fragmentarischen Schädel von Merycopotamus dissimilis 

Kuh-. CaotL erkannt. Letzteres Thier wird wühl aus den Sivalik-Hügeln angeführt, aber 

. der Insel Perim, von der gleichwohl nach der ausdrücklichen Versicherung 

: Herrn Professor Robert von Schlagintweil dieser Schädel herrührt Die Stinke von der 

Insel Perim I ichnung: Vol. 31; p. 279; L225. 

Dinot heriu m. 

Dil Ins. i Perim war in Aden die einzige Fundstätte für Dinotherium, bis 

i Lieutenant Garnett, wie wh Behen werden, Zähne dieses Genus auch zu Attock 

im Panjab fand. Die von Schlagintweitsche Sammlung enthält von Perim nichts, 

I' m Dinotherium beigelegt werden könnte. Es wird gleichwohl passend erscheinen, 

wenn wir 'inen Blick auf die von Falconei anter Dinotherium Indicum begriffenen I 

\"n d.r ins, i Perim werfen. Das erste Stück, welches gefunden wurde, rührt ans da 

unteren Backenzahns her (Quart. Journ. Geol. So London, 1845. 1 



— D — 

p. 360. t. 14. f. 1; — besser abgebildet in Fauna antiq. Sivalensis, I. t. 3. f. 11). Bestätigt 
wurde das Vorkommen auf dieser Insel durch Auffindung eines die Reihe der Backenzähne 
umfassenden Stückes der linken Unterkieferhälfte , woran zwar die Zähne bis zum Alveolar- 
Rande weggebrochen waren , das aber nach der Abbildung ( Fauna antiqua Sivalensis , V. 
t. 35. f. 6 von oben, f. 6a von aussen in Viertels-Grosse) unbezweifelt von Dinotherium 
herrührt. In den relativen Verhältnissen der Zähne wird die grosse Aehnlichkeit mit der 
Species von Eppelsheim , Dinotherium giganteum , hervorgehoben ; die vier vorderen unteren 
Backenzähne messen aber nach Falconer in der Indischen Species einen halben Zoll mehr: 
der Unterkiefer ist in dieser Gegend höher und breiter , massiger , hinten einen kreisrunden 
Querschnitt darbietend , in der Europäischen Species verhältnismässig schwächer und flacher 
an der Innenseite. In diesen Verhältnissen bestehe im Indischen Kiefer eine so grosse Aehn- 
lichkeit mit Mastodon giganteus , dass man ihn anfangs dem Matsodon beigelegt habe. Das 
hintere Ende der Symphysis und das hintere Foramen mentale stimmen in Lage mit der 
Species von Eppelsheim , letzteres Foramen liegt nur dem Alveolar-Rande weniger nahe. 
Dieses sowie die grössere Gestalt und der dickere Schmelz der Backenzähne veranlassten 
Falconer, das in Indien gefundene Dinotherium von dem Europäischen D. gigantum als 
eine besondere Species unter der Bennenung D. Indicum zu trennen, der jedoch zu ihrer 
Haltbarkeit eine bessere Begründung um so mehr zu wünschen wäre , als , wie wir später 
sehen werden , die grössten von mir aus der v. Schlagintweit'schen Sammlung untersuchten 
Zähne von Dinotherium unter der Maximalgrösse der Zähne von Eppelsheim bleiben, andere, 
selbst dreireihige Backenzähne , mit solchen von Eppelsheim übereinstimmen , und sich 
auch Backenzähne von geringerer Grösse in dieser Sammlung vorfinden. Es ist indess 
keineswegs meine Absicht, die Möglichkeit in Abrede zu stellen, dass das Dinotherium 
Indien's von dem Europa'« verschieden sey, ich glaube nur, dass vor allem erforderlich 
ist, den Nachweis dafür genügend zu erbringen; dadurch, dass die Reste aus einem 
anderen Welttheile herrühren, müssen sie nicht nothwendig auch einer anderen Species ange- 
hören. Einen ähnlichen Fall werden wir später bei dem Tertiär-Pferde zu behandeln haben, 
das ebenfalls von dem in Europa nicht zu unterscheiden ist. 

Mastodon Perimensis. Falc. 

Von der Insel Perhn kenne ich von Mastodon nur den Taf. II. Fig. 2 von der Kau- 
fläche und Fig. 1 von der Seite abgebildeten fragmentarischen Zahn, der ein letzter gewesen 
seyn wird. Seine Querhügel stehen etwas schräg. Ausser dem letzten, stark beschädigten, 
einfach gebildeten Theil sind vier Querreihen überliefert, die vordere nur unvollständig, 
weshalb es sich auch nicht angeben lässt, wie viel solcher Reihen der Zahn enthielt. Jede 
dieser vier Reihen enthält vier Hügel, von denen der äussere und innere stark, die beiden 
mittleren kleiner sind. Die Reihen sind schwach gebogen und dabei mit der convexen 



- ß - 

S ite nach vorn gerichtet Nur der ersten dieser vier Reihen sitzt an der stärker abge- 
nutzten Hälfte hinten eine Neb nspitze an. Die folgenden Qnerreihea zeigen nur schwache 
Abnutzung. In den Querthälern liegt eine Zahnsabstanz, welche fiir Rindensubstanz etwas 

liart seyn würde: je weiter hinten das Thal liegt, um so mehr enthält es von dieser Substanz. 

Die Wurzeln sind entfernt, und wo aie sassen, ist der Zahn abgerundet; auch der 

-; stellenweit hädigt, und hie und da, meist an den beschädigten Stellen, 

•imt man Conchylien-ßrut , wie es seheint von Ostreen, die sehr festsitzt und sieh durch 

weisse Beschaffenheit auszeichnet Diese Brut konnte sieh erst festgesetzt haben, nachdem 

■ /ahn beschädigt und dein jetzigen Meer ausgesetzt war; sie stammt daher aus 

neuester /< 

Von dem /ahn ist 0,141 Länge überliefert, die Breite misst 0,066. Der /ahn ist 
. schwarz und mit dickem, stark glänzenden Schmelze versehen. 

Nach Falconer's anfänglichen Meinung (Quart. Journ. Geol. Soc. London, I. 1845. 
j>. 865) wäre der unter den Versteinerungen der Insel Perim vorwaltende Mastodon mit 
einer von den beiden unter einander ganz \ erschienenen Species identisch, welche Clift (Trans. 
-' Ser. II. [>. 371) unter Mastodon latidens begreift, nämlich mit der Species, 
deren Zähne (1. C t. 37. f. 1 — 1) sich in dem Westen von Indien und in Ava häutig, 
dagegen in den Sivalik - Hügeln selten linden. In der später erschienenen Fauna antiqua 
(IV. t. :',1. f. «1—11; V. f. 38. •".'.•. f. 1 — 3; t. 40. f. I. 5) werden jedoch 

zahlreiche Reste unter Mastodon Perimensis abgebildet, wonach es wahrscheinlich wird (der 
Text ist nur zu d.r ersten Lieferung erschienen), dass Falconer inzwischen seine Ansicht 
indert und die Mastodon - Reste der Insel Perim zu einer eigenen Speeies erhoben hat. 
Derselben Species gehört offenbar der von mir untersuchte /ahn an, er besitzt die gros 
Aehnlichkeit mit einem in genanntem Werk (IV. t. .".1. I. 11) abgebildeten Zahn, wobei sich 
herausstellt, dass er ein letzter unterer Mackenzahn ist, dem vorn ein Stück fehlt. Auch 
erkennt man an diesem, sowie au einem anderen bei Falconer (V. t. 40. f. •'> ) abgebildeten 
Zahn -ehr deutlieh, dass die Querthäler eine über dem Schmelze liegenden Zahn* 
su 1 nthalten, was an einen /ahn erinnert, der sich bei Falconer ((Juart. rlourn. Geolog. 

S . London. XIII. 1857. !. \'l I. •!. 1) aus dem ('rag von Suffölk nute]- Mastodon Arver- 

nen 'bildet findet Et wird jedoch bemerkt, dass die Abbildung nach einem Abguss 

an. die bei diesem /ahn in den Thälern auf dem Schmelz liegende Substanz 

konnte daher auch nur Gesteinsmasee seyn. hie bei Mastodon Perimensis in den Quer- 
thälern auttretende Substanz verleiht dieser Species ein,' gewisse Aehnlichkeit mit Blephas. 
■h Uberhaupl nicht in Abrede -teilen, dass ein Uebergang swischen Mastodon und 
d mau die vielen genauen Abbildungen vergleicht, die von den in Indien 
teilen Zähnen beider Genera in der Fauna Siveienaia enthalten sind. So neigen 
mentdich die Zähne von Blephas insignia (I. t 2. f. 6), anter welcher Benennung auch 



die früher von Clifft mit dem Namen Mastodon Elephantoides belegten Zähne (II. t. 20. f. 9) 
nochmals abgebildet werden, dann von E. Gansea (I. t. 3. f. 7), E. bombifrons und E. Clifti 
auffallend zu Mastodon hin, so dass es zu entschuldigen seyn wird, dass Clift die Zähne 
von Elephas Clifti mit denen von Mastodon latidens vereinigt, obschon sie von letzteren 
nicht schwer zu unterscheiden sind. 

Merycopotamus dissimilis Falc. Cautl. 

Von diesem Thier fand ich in der v. Schlagintweit'schen Sammlung einen fragmen- 
tarischen Schädel vor, den ich Taf. IV. Fig. 1 von der Gaumenseite und Fig. 2 von oben 
abgebildet habe. Das vordere Ende scheint mit Beginn der Eckzahn-Alveolen, von denen nichts 
mehr wahrgenommen wird, weggebrochen zu seyn. Es fehlt ferner gleich hinter den Backen- 
zähnen der hintere Schädeltheil ; die Gegend der vorderen Backenzähne ist an der rechten 
Seite und die obere Schädeldecke in der Gegend der hinteren Backenzähne weggebrochen. 
Die Unterseite, sowie das was von der Oberseite überliefert ist, sieht stark rissig aus. Die 
Zähne sind so sehr beschädigt, dass sich ihre Zahl nicht mit genügender Schärfe ermitteln 
lasst; nur die beiden letzten Backenzähne der linken Oberkieferhälfte verrathen deutlich den 
Charakter des Merycopotamus, der aufs Beste an einem letzten Backenzahn der rechten 
Oberkieferhälfte vorliegt, welcher, die Bezeichnung V. 31. p. 178. 2418 an sich tragend, 
aus KoshialgHrh im Pänjab herrührt und von mir Taf. IV. Fig. 3. 4 abgebildet wurde. 

Die Versteinerung ist braun, hart und schwer; innen enthält der Schädel eine grau- 
liche harte und schwere, wie es scheint eisenhaltige Substanz von mehr sinterartiger Be- 
schaffenheit. 

Es werden für die Species in einer Oberkieferhälfte sieben Backenzähne angenommen. 
In vorliegendem Schädel, der ungeachtet seines mangelhaften Zustandes zu den besten Stücken 
der v. Schlagintweit'schen Sammlung an fossilen Knochen gehört, besitzt der letzte Backen- 
zahn die Grösse des zuvor erwähnten vereinzelten, der vorletzte war nur wenig geringer und 
genauer quadratisch, der dritte von hinten wird in der Richtung von vorn nach hinten 0,015 
und von aussen nach innen nicht unter 0,02 gemessen haben. An diesem und dem Vor- 
sitzenden Zahne lässt sich die Beschaffenheit der Krone nicht mehr erkennen. Dem vierten 
Zahn von hinten möchte man von vorn nach hinten 0,013, von aussen nach innen etwa 0,015 
geben. Innen scheint er stumpf gerundet. Davor glaubt man noch fünf Stellen für "Wurzeln 
zu erkennen , welche bei der Gegenwart von sieben Backenzähnen auf drei Zähne zu ver- 
teilen wären, freilich eine schwere Aufgabe bei dem unvollkommnen Zustande der betreffenden 
Gegend. Die ganze mit Backenzähnen besetzt gewesene Strecke ergiebt 0,126 Länge. 

Hinter dem ersten Backenzahn war der Kiefer eingezogen, doch nicht so stark als es 
den Anschein hat, der Rand in dieser Gegend ist nämlich auch an der linken Seite 
weggebrochen. Von hier verbreitert sich der Schädel hinterwärts immer mehr und 



— 8 — 

it in dei Gegend des letzten Backenzahns fast 0,1, was noch einmal bo viel zu Boyn 
scheint ab dk Breite in der vorderen Gegend der Backenzähne. 

Der Zwisohenkiefer ist weggebrochen. Der Ausschnitt mir brüchigem Rande" vorn in 

\ I i r t « - der Oberseite Bcheint nicht natürlich. Gegen ihn hin spit/.t Bich nach vorn ein 

henpaar aas, das wenigstens in Beinern vorhandenen vorderen Theil schmal sich darstellt. 

□höhle und Jochbi gebrochen. Man glanbt Debjerreste von der äoss 

Mündung des Unterangenhöhlen-Canals wahrzunehmen, die aber, dem vierten Backenzahne vi n 

DO 

n entsprechend, weit hinten liegen würde, und daher auch nur auf Täuschung beruhen 
könnte, zumal diese Gegend Behr beschädigt ist. Im Schweine zwar und in Bippopotamus 
rieht diese Mündung dem vierten Backenzahn von hinten. 

l>ie Beschaffenheit der hinteren Backenzähne dieses Schädels stimmt vollkommen mit 

I Fauna antiqua Sivalensis (VII. t. •;•_'. f. 17) in natürlicher Grösse abgebildeten 

welche nur wenig Bind; sie passen daher auch besser zu den Zähnen des 

i' bildeten Oberkiefers derselben Species, welcher in einer Hälfte dicht hintei 

einander folgend vier vordere and drei hintere, zusammen sieben Backenzähne ergiebt. Die 

Stelle des vierten Zahnes ist an dem von mir untersuchten Schädel richtig angedeutet. 

• wurden zwei zweiwurzelige Zähne gesessen haben, welche nach der Fauna Sivalensis 

waren, als die hinteren Zähne, nur viel Bacher. Dem Räume, welchen die Bieben 

Zähne einnehmen, ichl der von mir am Schädel der Insel Perim gefundene. In 

unter Fauna werden Tat. <',7 Schädel und Unterkiefer abgebildet, die in zwei Variet 

ilt werden: Fig. 1 — I Merycopotamus dissimilis, var. major und Fig. 5 — 7 var. (?) 

minor, i las Bestehen letzterer Varietät heut Falconer Belbst noch einigen Zweifel. 

\ von var. major sind auch hier wieder merklich länger, als die von mir unter- 

ten, die dafür auf die Zähne in dem Schädel Fig. 5 herauskommen, der unter vai 

minoi i' n wird, welchem auch die Länge des von <Vn Backenzähnen in dem Schädel 

enommenen Raumes entspricht; wobei jedoch, wie namentlich in dem Schädel 

der Fauna, Uel vorliegen, welche eine Trennung der Species in zwei 

(rieder aufheben würdi n. 

< t he ra rm von ei n e m I ' b chy d e rm. 

Es ist um das Taf. V1L Fig. 1 * "■ von vom und Fig. 17 von innen abgebildete, sti 

schliffene untere Ende des Knochens überliefert j woran man gleichwohl 

II einem Pferde», noch Hippopotamua*, noch Schweins - artigen 

Thier, auch Dicht von Palaeotherium , Anoplotherium oder einem ihrer Verwandten herrührt, 

von Elephas oder Mastodon, wofür schon der Knochen zu klein wäre. Die 

beethende Gelenkrolle spricht gleichwohl für ein Pachyderm. 



Am Gelenkende erhält man von aussen nach innen 0,055 , von vorn nach hinten 
0,053 und 0,031, bei 0,032 Höhe der Gelenkrolle, über welcher der Knochen vorn vertieft, 
hinten mit einer tieferen Grube versehen ist. Der Knochen ist von dunklerem Braun, schwer, 
glänzend und , wie gesagt , stark abgerieben und dabei glatt. Die Grösse würde wohl dem 
Oberarm des Merycopotamus derselben Ablagerung entsprechen , doch weicht der Knochen 
in der Ausbildung davon zu sehr ab ; in Merycopotamus stellt sich , wie aus der Abbildung 
in der Fauna Sivalensis Taf. 68. Fig. 13 zu ersehen ist, dieses Ende verhältnissmässig breiter 
heraus und bietet, was man kaum glauben sollte, grössere Aehnlichkeit mit den Fleisch- 
fressern dar. 



II. Aus der Provinz Sindh (westliches Indien). 

2. Localität: Zwischen Dokri und Näri an der Westseite (dem rechten Ufer) 

des Indus. 

Die Gegenstände tragen die Bezeichnung: V. 31; p. 271; 1062. A. 

Es verdient nur der durch Abnutzung kaum angegriffene, etwas zerfressen aussehende 
Endtheil eines Backenzahnes von Mastodon , dessen Species nicht zu ermitteln war , Erwäh- 
nung. Die vorhandene Querreihe verleiht der Krone 0,06 Breite und 0,046 Höhe. Sie 
besteht aus zwei Hauptspitzen , die durch vier Nebenspitzen verbunden werden. Die eine 
Hauptspitze steht mit einem starken Ansatz in Verbindung. Das Stück eignete sich nicht 
für eine Abbildung. 

r 

3. Localität : K a p ä n i bei Sevan. 
Sevan: Breite 26" 25'; Länge 67 u 57'; Höhe 146 Fuss. 

Die Stücke sind bezeichnet: V. 31; p. 272; 1. 

Die ineisten Gegenstände waren zum Abbilden nicht geeignet. Ein grosses Land- 
säugethier, wohl unbezweifelt ein Pachyderrn , verräth sich durch einen kugelförmigen Gelenk- 
kopf eines Oberschenkels von 0,082 Durchmesser. 

Bruchstücke von mehreren , ebenfalls grösseren Knochen lassen durch ihre dichte 
Beschaffenheit auf Meer-Säugethiere schliessen. Keines dieser Stücke ist jedoch so vollständig, 
dass daraus das Genus zu erkennen wäre. Durch die Reste von fossilen Meer-Säuge- 
thieren zeichnet sich diese Localität vor allen anderen aus. 

l'alaeoniot-r., Band XV, 1. 2 



lü - 



W i e '1 1' r k ä u e r. 

1 >.is TW. I. Kg. 20. 21. 22 von drei Seiten abgebildete obere Ende von einem Schien- 

btin (Tihia) erinnert an* die Wiederkäuer. Die Beschädigungen verhindern, .seine Durch- 

r /.u nehmen; in der Richtung von aussen nach innen dürfte es 0,041 geraessen haben. 

1,063 Länge vom Knochen überliefert, an dessen Bruchfläche man von vorn nach 

28, von aussen nach innen and zwar hinten 0,017 erhält, vom schärft 

'1>t Kr hen zu. 

Die G lit im Verhältniss zur Grösse eines später zu erwähnenden Astragalus 

von der ersten Localität von Koshialgarh im Panjab; es wäre daher möglich, dass diese 

n Knochen von einer und derselben Species herrührten. Auch besitzt das röthliche Gebilde 

r Localitäten grosse Aehnlichkeit Das Thier wird ein Cervide oder Maschide etwas 

- ■•!• als das Reh gewesen Beyn. 

C r o c o d i 1. 
Von Crocodil hat sich ein Schädelbruchstück gefunden, das in dem noch mit dem 
Scheitelbein verbundenen Hauptstirnbein besteht und von mir Tal. VII. Fig. I von oben in 
natürlicher Grösse abgebildet ist Schon nach dem Verlaufe der Quernaht zwischen beiden 
Knochen können dieselben nur die von mir angegebenen darstellen. Sic ruhen aus der 
rechten Hälfte her, Bind jedoch nicht vollständig genug überliefert, um auf die Breite des 
Schädels in dieser Gegend schliessen zulassen. Noch weniger ist von der Länge derKuochen 
überliefert, wohl aber wird von der vorderen inneren Begrenzung der rechten Schläfengrube 
os so viel wahrgenommen, dass man sich überzeugen kann, dass eine Bolche Grube 
ziemlich geräumig vorhanden war. 

Dei Knochen i-t gut erhalten, fest, schwer und von hellerem Aussehen; es hängt 
ihm noch feinsandiges Gebilde an. und er ist offenbar tertiären Alter.-. 

Es wäre möglich, dass da- Stück Hautknochen Tat. \ II. Fig. •*>. »'> und die beiden 

Zahnfragmente Tat. VII. Fig. 7 — 11 von derselben Species herrührten; Bie stammen aus 

K osh i al g arh , einer Localität, die, wie wir gesehen haben, denselben Wiederkäuer zu be- 

D scheint , auf den ich zuvor hei Kamini aufmerksam ZU machen hatte. 

I'.- Bruchstück vom Schädel ist zu unbedeutend, als dass es Bich mit den vollstän- 

von Crocodil und Gavial, welche Crawford vom Irawadi in Birmanien mit- 

brachte (Trans, geol S. li. t. 18), so wie mit den Koten, welche Cautlej (Asiatic 

I.\.\. I. part., Calcutta 1836. p. 25. ■'■■!. t. ■_'. •". i au- den Sivalik-Hügeln ver- 

ntlichte, mit Erfolg vergleich« d liess. 



— 11 



III. Aus der Provinz Mälva (Oeutral-Indien). 
4. Localität: Von Jhansi Ghat, zwischen Jäblpur und Narsinghpur. 

Jhansi Ghat: Breite 23° 9'; Länge 79° 36'; Höhe 1228 Fuss. 
Die Stucke tragen die Bezeichnung: V. 31; p. 81; 1210. 

Von Jabalpur im Nerbudda-Thale führt schon Spilsbury (Jour. Asiat. Soc. of Bengal, 
II. p. 583; Jahrb. für Mineral, etc., 1847. S. 247) aus einer mit Basalt bedeckten Kalk- 
steinschichte Reste von Elephas, Hippopotamus und Equus an. Es wird dies wohl dieselbe 
Localität seyn , von der auch die Brüder von Schlagin'tweit Knochenreste mitbrachten , die 
jedoch nur in unvollständigen Kiefern von einem Ochsen-artigen Thiere bestehen, dem auch 
ein Haiswirbel angehören dürfte. 

Das eine Stück Taf. VIII. Fig. 1. 2 aus der rechten Unterkieferhälfte rührt von 
einem älteren Thier her. Die hohe Basalspitze und die starke Bekleidung der Krone der 
Backenzähne mit Rindensubstanz verrathen ein Ochsen-artiges Thier. Die Zähne übertreffen 
in Grösse die unserer gewöhnlichen Ochsen und kommen mehr auf den Zahn heraus, welchen 
Cuvier (oss. foss., 4 e ed. t. 176. f. 9) aus der Knochenbreccie von Nizza für den letzten 
hinteren Backenzahn (derniere arriere - molaire) von einem grossen Ochsen erklärt, der aber 
sicherlich der vorletzte ist, dem er auch im Kiefer von Jhansi Ghat entspricht, und zwar eben so 
gut wie dessen vorvorletzter Zahn dem Zahn aus der Knochenbreccia von Nizza, welchen Cuvier 
(f. 8) für einen vorvorletzten (premiere arriere-molaire) hält. Die Zähne des Merycotherium 
Sibiricum (Bojanus in Acta Leopold., XII. t. 21. f. 1 — 8. p. 264), welche hiebei in Betracht 
kommen könnten, sind weit grösser und weniger nach Art der Zähne in den Ochsen gebildet. 
In dem lebenden Europäischen Bison (Bojanus, 1. c. XIII. 2. t. 22. f. 7. 8) ist der letzte 
und vorletzte Zahn auffallend kleiner und dabei doch der diesen Vorsitzende Zahu von der 
Crosse desselben Zahns im Kiefer aus Central-Indien, an dem man für den letzten Zahn von 
vorn nach hinten U,049 , von aussen nach innen 0,016, für den vorletzten 0,0335 und 
0,0165, für den vorvorletzten U,0265 und 0,0185 erhält. In der der Mitte des letzten 
Backenzahns entsprechenden Gegend ergiebt der Kiefer 0,083 Höhe bei 0,038 Dicke. 

Ein anderes Taf. VII. Fi;*. 18. 19 abgebildetes Bruchstück rührt ebenfalls aus der 
rechten Unterkieferhälfte her, aber von einem jüngeren Thier. Der fast vollständig aus dem 
Kieler herausgetretene, schon starker Abnutzung unterlegene Zahn ergiebt von vorn nach 
hinten 0,03, von aussen nach innen 0,013; er ist daher flacher als der vorvorletzte Zahn 
im älteren Thier, wird aber gleichwohl den vorvorletzten darstellen. Die Krone des folgenden 
Zahns liegt noch fast ganz in der Alveole. An ihr erhält man von vorn nach hinten 0,035, 
mithin eher noch etwas mehr als an dem vorletzten Zahne des grösseren Kiefers, von aussen 



- 12 - 

n.ich innen nicht unter 0,01 1 Dahinter bemerkt man ein Stückchen von einem noch tiefer 
im Kiefer telegenen Zahne, der auch eine schrägere Lage einnahm. Vor dem ersten der 
überlieferten Zahne bemerkt man noch die hintere \\ urzel des ihm vorgesessenen Zahnes. 
Unter dam ersten überlieferten Zahne ergiebt der Kiefer 0,0575 Höhe und 0,023 Dicke, 
unter dein folgenden 0,0675 und 0,021. 

Der Kiefer des alteren Thiers ist in viele kleine, fest zusammenhängende Stückchen 
sersprungen, was beüu Kiefer des jüngeren Thiers der Fall nicht ist. Beide Stücke sind 
schwer und fest, die Zähne von weisslichem, mehr calcinirtem Aussehen. Der Eindruck, den 
rie machen, ist mehr der von Diluvial-Versteinerungen, von Versteinerungen aus Löss. Doch 
ist das Gebilde weniger hell und besteht aus harten, festen Knöllchen. 

l>er damit gefundene Halswirbel, der wohl von derselben Species herrühren wird, 
giebt dem im Europäischen Bison in Grösse nichts nach. 

Dnter den von Crawfurd von den Ufern des [rawadi mitgebrachten fossilen l'eber- 

, von liastodon, l.'hinoceros, Hippopotamus, Schwein. Crocodil und Schildkröte befinden 

rieb auch Zahne von Wiederkäuern, welche grosse Aehnlichkeit mit denen von Jhänsi Ghal 

verrathen. Einige derselben sind in den Transaktionen der geologischen Gesellschaft zu 

London, 2. Ser. II. Tai'. 40. Fig. ti — 8, abgebildet. Unter diesen scheint der Zahn Fig. 7 

Dicht von einem Ochsen, dem er beigelegt wird, herzurühren, sondern der letzte untere 

Backenzahn von einem grossen Hirsch zu seyn, während die Zähne Fig. b, die einem Hirsch 

legt werden, und der Zahn (i offenbar von Ochsen herrühren. Besonders die unteren 

Zahne Fig. 8 erinnern BO sehr an die von mir untersuchten, dass man glauben sollte, sj,- 

rührten von derselben Species her. Es dürfte indess schwer seyn, die lebenden und fossilen 

len-Species all. -in nach den Zähnen zu unterscheiden. 



IV. Au- der Provinz Pänjäb (westliches Indien). 
K o .s h i a I g ä r h i m 1' ä n j i 1.. 

Koshialgärh: Breite: :;;;" 28'; Länge 71" :>r : Höhe 970 Fuss. 

D Stii I.e. welche au- diesem Bezirke herrühren, werden drei l.ocalitaten zu>'c- 

h. dir- wir daher auch gesondert betrachten. 

•*'. I.o, alital : K u s h i algarh . a. 

hie Stucke itnd mit \. :;i : p, L78; 2418 beseichnet 

Diese Localität gehört mit der später zu betrachtenden zweiten Localität von Kürpur 
im Himalaya zu den reichsten an fossilen Knochen, unterscheidet sieh aber von ihr schon 



- 13 - 

dadurch auffallend, dass sie, wenigstens nach dem mir vorgelegenen Material zu urtheilen, 
keine Schildkröten enthält, woran letztere Localität so reich ist. 

Die grossen Pachydermen werden durch die Genera Mastodon, Dinotherium und Rhino- 
ceros reichlich vertreten, und unter ihnen behauptet Mastodon das Uebergewicht. 

M a s t o d o n. 

Mehrere Wirbel besitzen eine solche Grösse und Beschaffenheit, dass sie nur von 
Mastodon herrühren können, von dem wohl auch Zähne vorliegen, jedoch keine vollständige. 
Die Zähne zeigen einfachere Bildung, indem ihre Querreihen nur aus ein Paar Haupthügeln 
bestehen , von denen der eine mehr nach der Mitte der Krone hin an seiner Hinterseite mit 
einem Nebenhügel behaftet ist; auch sind die vor der Mündung der Querthäler liegenden 
Basalhübel nur unbedeutend. Das vollständigste Stück von einem solchen Zahn, der unbe- 
zweifelt ein unterer Backenzahn war, habe ich Taf. II. Fig. 3 von der Kaufläche abgebildet. 
Es besteht aus drei Querreihen , denen noch mehr gefolgt seyn werden , worauf die hintere 
Bruchfläche schliessen lässt. Vorn befindet sich eine seitliche Abnutzungsfläche. Die erste 
Querreihe ist mit dem hinteren Hübel zu einer gemeinschaftlichen Abnutzungsfläche ver- 
bunden. Die Haupthügel der Seite, woran der Nebenhügel liegt, sind stärker abgenutzt als 
die der anderen Seite, die der zweiten Reihe wieder stärker als die der dritten. Von diesem 
Zahn ist 0,087 Länge überliefert; an der vordem Querreihe erhält man 0,054, an der 
dritten 0,0535 Breite. Die Wurzeln sind weggebrochen , und die abgerundet aussehende 
untere Seite mit einem röthlich-grauen thonigen Gebilde bedeckt. 

Viele andere Bruchstücke von ähnlichen Zähnen sind mehr oder weniger stark abge- 
nutzt; einige lassen auf eine Breite von nicht unter 0,069 schliessen; auch befinden sich 
darunter Zähne von Thieren verschiedenen Alters. 

Ein 0,16 langes Stück von einem Stosszahn war leicht canneliert und, wie es scheint, 
rundum ohne Schmelzbedeckung, wie ich dies auch bei Stosszähnen von Eppelsheim ange- 
troffen habe. Der kleinere Durchmesser des rundlich ovalen Querschnitts misst 0,051, der 
grössere war nicht zu ermitteln, da an der einen Seite ungefähr ein Drittel von der Dicke 
des Zahnes weggebrochen ist , und zwar zu der Zeit , wo der Zahn noch nicht vom Gebilde 
aufgenommen worden war. Das Stück ist wirklich versteinert und von namhafter Schwere. 

Die erwähnten Backenzähne lassen sich weder Mastodon latidens noch M. Perimensis 
beilegen; ihre Einfachheit erinnert unter den Indischen zunächst an M. Sivalensis (Fauna 
antiq. Siv., V. t. 34) , mit dessen Zähnen jedoch eine Uebereinstimmung nicht besteht. Bei 
M. Sivalensis liegt der Nebenhügel der Querreihe mehr in der Mitte der Zahnkrone und 
liefert durch Abnutzung eine mehr dreieckig geformte Fläche, wodurch bei Verschmelzung 
derselben mit der Abnutzungsfläche des Haupthügels keilförmige oder unregelmässig rauten- 
förmige Flächen veranlasst werden , die abwechselnd von der einen und der andern Seite 



- 14 - 

- ilfbnnig in einander geschoben auf einander folgen, wie namentlich aus den Abbildungen 
der Fauna Sivalensis V. Tai. :'.7 deutlich ersehen werden kann. Die von mir untersuchten 
Zähne kommen hierin mehr auf die in Deutschland gewöhnlich anter Mastodon angustädens 
1 grifienen heraus i v:!. auch Palconer, Qoart Journ. Geol. Soc London, XIII. f. 3). Der 
. mir abgebildete Zahn wird ein vierreihiger rechter gewesen seyn; er erinnert an die 
zn Eppelsheim, Käpfhach, Geoigensgmünd, Gräfenegg bei Krems, bei Madrid und an andern 
Orten in Europa gefundenenen Zähne des M. angustidens. 

Dinotheriu m. 

Von den beiden Bruchstücken von Backenzähnen, welche ich von diesem Genus 

untersucht habe, scheint das Tat'. III. Fig. 6 abgebildete einem dreireihigen rechten oberen 

bn anzugehören; es sind nur zwei Reihen überliefert und selbst diese nicht ganz voll- 

ndig. I 1 ochene Querreihe wird die hintere gewesen seyn. Das vorhandene 

Querthal n _ - h an der einen Seite auf eine gewisse Höhe geschlossen, an der anderen 

lavor ein niedriger Wulst. Die Abnutzung war schon ziemlich weit vorgeschritten. 

Di( beiden Reiben umfassen 0,045 Länge von vorn nach hinten bei einer Breite von 0,0ö7.'>. 

inerunu' ist Bchwer und fest, von dem Gebilde wird nichts erkannt. Dir Zahn 

■ bt sehr dem dreireihigen Zahn Tat. III. Fig. .">. den ich von einer dritten Localität der 

! von Koshialgarh beschreiben werde, und würde -ein- gut ähnlichen zu Eppelsheim 

.denen Zahnen von Dinutherium giganteum entsprechen. 

l).i- andere Bruchstück Tai III. Fig. 7. 8 rührt von einem jüngeren, kleineren, wohl 

nur zweireihig und schon mit Wurzeln versehen gewesenen Zahne her. Von den Spitzen 

• Fr beiden Querjoche verläuft sehr:!- abwärts nach hinten eine geperlte Wulstkante, und an 

dem hinteren Ende lag ein Basarwulst-artiger geperlter Ansatz. Fänge und F. reite der Krone 

n nicht genau zu ermitteln. Abnutzung wird nirgends erkannt. 

K ll 'l II OC e los. 

Von Rhinoceros liegen mehrere Bruchstücke von Knochen vor, namentlich der um 
Theil d>- Oberschenkels von zwei Individuen, dk unten' Bälfte eines Oberarms und das 

enkende ainea Schulterblatts. Beschaffenheit und Gri — k men auf die in uns. reu 

l.ri.n- Gebilden gemeiniglich dem Rhinoceros (Aceratherium) incisivum beigelegten Knochen 
heraus, woraus lieh freilich nicht mit Gewissheil auf Identität der Species Bchliessen läc 
i aus Rhinoceros wird übrigens durch einen unteren Backenzahn und einen 
ren Schneidezahn für diese Localität ausser Zweifel gesetat. 

I »• r Taf. II. I -'ig. I von oben und Flg. •"> von aussen dargestellte Backenzahn rührt 
au- der linken Unterkieferhälfte her. Durch eine Stylolithen ähnliche Bildung aus faserigem 
Kalk-| • ■■ li der vordere Halbmond mit seinem Wureelantheil schräg von dem übrigen 



— 15 — 

Zahn auf eine Entfernung von 0,021 Länge getrennt und in eine etwas höhere Lage versetzt. 
Die eigentliche Länge der Krone bemisst sich auf 0,044, die Breite in der hinteren Hälfte auf 
0,03, vorn raisst sie nicht ganz so viel. Die beiden Halbmonde sind zu einer gemeinschaft- 
lichen Kaufläche vereinigt. Die Ansätze sind vorn und hinten gering. Der Zahn war über- 
haupt einfach gebildet und sieht jetzt abgerieben und zerfressen aus. In Deutschen Tertiär- 
Gebilden kommen noch grössere untere Backenzähne von Rhinoceros vor. 

Die ansehnliche Grösse des Taf. II. Fig. 6. 7 abgebildeten oberen Schneidezahns 
erinnert an die Schneidezähne von Rhinoceros Schleiermacheri und Rh. incisivus in den 
Tertiär- Gebilden unserer heimatblichen Gegenden. Das Ende der starken Wurzel und die 
vordere Spitze der Krone sind weggebrochen , der Schmelz überdies beschädigt. Die Krone 
maass von vorn nach hinten nicht unter 0,0G , soviel ist wenigstens davon vorhanden . von 
aussen nach innen erhält man 0,019. Es wird eine durch den Dienst mit dem unteren 
Schneidezahn veranlasste Abnutzungsfläche deutlich erkannt. Leber der Krone war der Zahn 
nur weni"; eingezogen. 

O OD 

In der Fauna antiqua Sivalensis finden sich wohl mehrere fossile Leberreste von 
Rhinoceros abgebildet . darunter aber kein oberer Schneidezahn. Von Rh. platyrhinus 
(VIII. t. 72. f. 4. t. 75. f. 10) zeigt der Unterkiefer am vorderen Ende ein Paar starke 
Schneidezähne, welche auf obere Schneidezähne bei dieser Species schliessen lassen, und 
zwischen den beiden grossen unteren Schneidezähnen erkennt man sogar ein Paar kleine 
stiftförmige Zähne, die auch gewisse tertiäre Rhinoceros-Arten Deutschland^ und Frankreichs 
besitzen. Der von mir dargelegte untere Backenzahn passt eben so gut zu denen von 
Rh. platyrhinus (namentlich zu denen des Kiefers t. 75. f. 10) als zu Rh. Palaeindicus 
(t. 74. f. 4), welche Species ebenfalls mit ein Paar unteren Schneidezähnen versehen war* 
die auf obere Schneidezähne schliessen lassen. Auch wäre es möglich , dass die sonst 
noch angenommenen fossilen Asiatischen Species , von denen die vordere Kiefergegend nicht 
überliefert ist, ebenfalls Schneidezähne besessen hätte ; woraus man entnehmen wird, welchen 
Schwierigkeiten es unterliegt, auch nur eine Vermuthung über die Species der von mir 
untersuchten Reste zu äussern. Hiezu tritt nun noch die Aehnlichkeit , welche diese Zähne 
mit denen der Europäischen tertiären Arten besitzen. Der obere Schneidezahn Übertrifft 
selbst jene noch au Grösse, welche von Eppelsheim dem Rhinoceros (Aceratherium) incisivus 
beigelegt werden; von derselben Grösse und auch ähnlich geformt kenne ich sie aus dem 
tertiären Süsswasser - Gebilde bei Ulm , nicht ganz so gross aus der Molasse von Heggbach. 

Sanitherium Seh lagint weiti Meyer. 

Mit diesen Pachjdermen ansehnlicher Grösse fänden sich ein Paar Bruchstücke aus 
dem Unterkiefer eines kleinen Thieres, das den Suillae oder der Familie der Schweine an- 
gehört oder doch nahe gestanden haben wird. 



— 16 - 

Das eine dieser beiden Bruchstücke, Taf. 9 Fig. 11 von aussen und Fig. L2 von 

abgebildet, rührt aus der rechten Unterkieferhälffc ber und enthält die hintere, von 

:i nach innen o.tios messende Querreihe, wie es seheint vom vorletzten Backenzahne, 

_,. : • Länge nach den Alveolen zu urtheUen 0,0105 betrug. Von dem davor gc- 
aen Zahn ist die Krone weggebrochen; an den Alveolen erhält man 0,008 Länge. 
0,005 Breite. An der überlieferten Querreihe erkennt man. dasfi der Zahn zweireihig war 
und die Reibe aus zwei jetzt zu einer gemeinschaftlichen Abnutzungsfläche verschmolzenen 
Hauptspitsen bestand, vor denen ein deutlicher Ansatz lag; aussen umgab den Zahn ein starker 
rbter Basalwulst Für den Kieferknochen erhält man unter diesem Zahn 0,02.'' Höhe 
und n. tili» Breite. 

Das andere Bruchstück, Taf. JI. Fig. 9 von oben und Fig. 10 von aussen dargestellt, 
rührt aus der linken Onterkiefer-Hälfte vielleicht desselben [ndividiums her und besteht in 
einem vollständigen, wie es scheint vorletzten Backenzahn mit der vorderen Haltte, des 
dahinter folgenden oder letzten. Ersterer ergiebt 0,011 Länge bei stark seitlich abgenutztem 
vorderen Lude, die Breite betrug 0,008, in der vorderen Hälfte kaum weniger. Bei gering 
Abnutzung erhält man besseren Aufschluss über die Beschaffenheit dieser Zähne. Von den 
beiden Haupthügeln je einer der beiden Querreihen der Krone zieht nach hinten und innen 
■•in Wulst herab, der für die äusseren Haupthügel am vorderen derselben deutlich wahrgenommen 
wird. Zwischen den beiden Querreihen lag ein mehr der hintern angehoriger Neben!' 
Es war ferner ein starker Vorder- und Hinteransatz vorhanden, an der Aussenseite ein 
starker, gekerbter Basal Wulst, und die vordere äussere Hauptspitze war wulstartig mit dem 
Vorderansatze verbunden. Diese Bildung läset sich sein- deutlich an dem hinteren Backen- 
zahn, SO weit er vorhanden ist, erkennen; hier stellen sieh auch die Haupthügel Btark 
ranzelstreifig dar. Die Breite dieses Zahns misst kaum mehr als 0,008. Die Stücke gleichen 
acht tertiären Versteinerungen, was Bie wohl auch unbezweifelt sind. 

iThier besass ungefähr nur die halbe Grösse von Sus Hysudricus (Fauna Sival., VIII. 
'• '"• >• - •"•• t. 71. f. 5 — 11), von einem Thier von Bolcher Kleinheit und Zahnbeschaffenheit 
i-t in der Fauna Sivalensu und anderen Arbeiten über Asien nichts enthalten. 

Die Zahne erinnern an jene, «reiche unter Chaeroptamus begriffen werden, die aber 

lind, und von denen man zumTheil noch gar nicht recht weiss, webin sie eigentlich 
gehören. Auch Hyracotheriura kommt in Betracht, das fast eben so gross war, von dem 
ich aber die unteren Zähne nicht kenne; ferner die Suillae mit einfacherer Zahnbildung, 
wie Pecari, Babirussa, Hyotherinm u a.. <lie aber deutlichere Nebenhügel besitzen, und 
an den im!- reu Backenzähnen der starke, gekerbte Basalwulst fehlt Es läset sich 
daher wohl tagen, da-* die Beate einer eigenen Speciee angehören, der ich mir erlaubt 
habe, den Kamen der berühmten Reisenden beizulegen, die sie aus Asien zu uns 
zur genau« en Ermittelung aber des Genus genügen die Reste nicht. Für den 



— 17 — 

wahrscheinlichen Fall, dass das Genus neu wäre, begreife ich dasselbe unter der Benennung 
Sanitheriura (Sani, eine Indische Gottheit) und die Species unter dem Namen Sanitheriutn 
Schlagintweiti. 

Equus primigenius Meyer. 

In den Abbildungen der Fauna antiqua Sivalensis (IX. t. 82. f. 13 — 18) werden 
mehrere Species Equu.s angenommen, deren Zähne denen der diluvialen und lebenden Pferde 
ähnlich sehen, dann aber auch unter der Benennung Equus (Hippotherium) antelopinum eine 
Species mit Zähnen, ähnlich jenen , die ich in dem Tertiär-Sande von Eppelsheim in Rhein- 
Hessen fand, und durch die ich mich schon im .lahr 1828 veranlasst sah, die tertiären Pferde 
von den diluvialen und lebenden unter der Benennung Equus primigenius zu trennen 
(Leonhard's Zeitschr. für Mineral, 1829. S. 152; — Nova Acta Acad. Leopold., XVI. 2. 
1832; S. 443. t. 30. 31). Wenn Quenstedt (Würtemb. Jahreshefte, K. Jahrg. S. 165. t. 1) 
glaubt, dass zuerst er die wahre Beschaffenheit der Zähne von Equus primigenius ermittelt 
und davon bessere Abbildungen geliefert habe, so beruht dies auf Selbsttäuschung. Nachdem 
Cuvier die Beschaffenheit der ihm durch Schleiermacher mitgetheilten Pferdezälme von 
Eppelsheim übersehen, ist es mir (1828) gelungen, dieselbe vollständig zu ermitteln und 
(1832) auch durch Abbildungen aufs genauste darzulegen. Später erkannte auch Kaup 
(1833; — Nova Acta Acad. Leopold., XVII. 1. 1835. S. 173. t. 12 b) die Verschiedenheit der 
zu Eppelsheim vorkommenden Pferde, die er unter Equus (Hippotherium) gracilis und Equus 
(Hippotherium) nanus begriff 1 . Bald darauf erfolgte jedoch die Vereinigung beider Species 
unter Beibehaltung der Benennung Equus (Hippotherium) gracilis, und auch ich überzeugte 
mich, dass die von mir anfangs angenommenen Trennungen bei den vollständigen Ueber- 
gängen, die sich unter ihnen herausstellten, nicht begründet seyen , ich gab sie wieder auf 
und nahm nur eine Species, Equus primigenius, au. Schon vor Kaup unterschied de Christol 
(1832. 1835) nach Resten, welche in Frankreich gefunden wurden, ein Genus Hipparion, von 
dem es sich erst im Laufe der Zeit herausstellte, dass darunter Equus primigenius oder 
Hippotherium zu verstehen sey. Diese älteren Pferde ragen eben so wenig in das eigentliche 
Diluvium herein, vor dessen Bildung sie schon nicht mehr gelebt haben konnten, als 
Zähne, die auf die der lebenden Pferde herauskommen und dem Diluvium zustehen aus rein 
tertiären Gebilden gekannt sind. Dieses Verhältniss fand ich für Europa allerwärts 
bestätigt. In der Fauna Sivalensis werden nun beide Pferdearten zusammen aufgeführt, so 
dass man vermuthen sollte, dass in Indien ein anderes Verhältniss bestünde und die beiden 
Arten gleichzeitig zusammen gelebt hätten. Von dem Text zu diesem wichtigen Werke ist nur 
die erste Lieferung erschienen, und diese enthält nichts über Equus. 

Bei der überhaupt mangelhaften Kenntniss über die Lagerungsverhältnisse, unter denen 

rnlaeontozr. , Band XV, 1. 3 



- 18 - 

die vielen fossilen Wirbelthiere in Indien angetroffen werden, war ich daher erfreut, in der 

v.>n den Herren von Sehlagintweit aus diesem Lande und lloch-A-ieti mitgebrachten >amm- 

Zähne meines Equua primigenhia aus iwei ganz verschiedenen Gegenden vorzufinden, 

nämlich von der ersten Localität von Koshialgarh im Pänjab (Nordwestliches Indien) und 

iner t'iinf Englische Meilen von Nürpur in Chamba (HimeUaya) gelegenen Gegend. Ich 

ersah nun, da-- an beiden Orten, Bowohl die anderen mit diesen Zähnen gefundenen Thier- 

luch «lie Gebilde, aus denen sie herrühren, an die Ablagerungen in Deutschland 

mit Equua primigenius erinnernd, ein rein tertiäres Gepräge an sich trugen, auch war von 

späteren Pferden nichts darunter, so da» wenigstens diese beiden Localitätec das in Europa 

gewonnene Verhältniss für Asien bestätigten. 

Von Koshialgärh kenne ich nur das Taf. I. Fig. ti von aussen und Fig. 7 von oben 
bildete Stück au- der rechten Unterkieferhälfte mit dem letzten und vorletzten Backen- 
zahn. Der an dem hinteren Ende unbedeutend beschädigte letzte Backenzahn ergiebl von 
vorn nach hinten 0,032 bei 0,013 Brate in der vorderen und ,0,0 12 in der hinteren Hälfte. 
Fol den vorletzten Backenzahn erhält man 0*029 Länge und 0,0155 Breite, unter der 
Mitte des letzten Backenzahn- missl der Kiefer aussen ().»>44, innen 0,052 Hohe bei 0,026 Picke, 
man unter dem vorletzten Zahne 0,041; 0,044 und O.025 erhält. Die Zähne stimmen 
in Grösse und Beschaffenheit vollkommen mit denen oberem, welche ich aus Eppelshehn von 
Equua primigenius kenne, was Belbst für den hinteren ovalen Ansatz am vorletzten Backen- 
zahne gilt; auch unterscheidet -ich die weissliche Rindensubstanz eben so deutlich von dem 
bräunlichen Schmelz; nur fällt die geringere. Höhe des Kiefers aus Indien auf, was den. 
»endzustande des Thi'!- beizumessen seyn wird. 

]• Versteinerung i-t von hellerer Farbe, schwer und hart; das überaus harte Gestein 
; it dem harten, (einkörnigen Molasse-Sandstein der Schweiz. 

Ich will hier gleich die Beschreibung der Reste von Equus anreihen, welche von Nurpur 

.tuen. Diese bestehen in einem unteren Backenzahn und zwei oberen, welche Ober die 

tung, von der sie herrühren, sicheren Aufsofaluss Lieben. 

\ '.11 dem unteren Backenzahne, einem mittleren, ist nur der Wurzeltheil überliefert. 

von vorn nach hinten 0,028, von aussen nach innen 0,016 ergiebt, was den Zähnen in 

Kieler von Koshialgärh entspricht. I)ie oberen Backenzähne ruhten beide au- der 

linken Kieferhälfte hei. es sind ebenfalls mittlere und zwar von verschiedenen Individuen. 

An dem Tat. I Fig. H von der Kaufläche abgebildeten einen dieser Zähne i-t die Aussen' 

Die Krone missl von vorn nach hinten 0,031, von aUSSea nach innen 

-ie kaum v\ 1 , zu haben. Sie ist ta-t bis auf die Wurzel, die weg- 

□ i-t, abgenutzt •- von der ganzen Höhe des Zahnes nur 0,009 vorliegt Auch 

re Pig. '•• von der Kaufläche abgebildete Zahn i-t stark abgenutzt, doch i-t von ihm 

noch 0,019 Höhe vorhanden. An der vorderen äusseren Ecke und an der Hinterseite 



— 19 — 

zeigt er Beschädigung. Von vorn nach hinten erhält man 0,0265, von aussen nach 
innen 0,029. 

Die Beschaffenheit dieser beiden oberen Backenzähne ist ganz dieselbe , wie ich sie 
für den typischen Equus prhnigenius von Eppelsheim nachgewiesen habe. Wenn bei den 
von mir untersuchten Zähnen aus Asien ge^en Zähne anderer Localitäten der an der Innen- 
seite befindliche Cylinder weiter innen in der Ausbuchtung des Schmelzes der Krone zu 
liegen scheint, so beruht dies lediglich auf der tieferen Abnutzung des Zahnprismas, von der 
es ferner herrührt , dass in dem Zahne Fig. 9 die ovale von Schmelz begrenzte Insel, welche der 
Cylinder der Innenseite auf der Abnutzungsfläche darstellt, an einer Stelle Neigung zeigt, sich mit 
der nächstliegenden Abnutzungsfläche zu vereinigen. Bei noch tieferer Abnutzung geht, wie ich 
öfter an Zähnen von Equus primigenius zu beobachten Gelegenheit hatte, die Vereinigung- 
wirklich vor sich , und der Zahn gleicht alsdann hierin den Zähnen der diluvialen und 
lebenden Pferde, bei denen der Cylinder der Innenseite auf der noch nicht abgenutzten 
Krone nur als eine kurze conische Spitze erscheint, deren bald eintretende Abnutzung 
die Vereinigung des Cylinders mit dem nächstgelegenen Theil der Abnutzungsfläche zur 
Folge hat. 

In den beiden in der Fauna antiqua Sivalensis (f. 13. 16. 18) abgebildeten Ober- 
kiefern von Equus (Hippotherium) antelopinum sind die Backenzähne übereinstimmend kleiner 
als die von mir aus Indien untersuchten, deren Grösse denen von Eppelsheim entspricht; 
auch die Zähne des in besagtem Werk (f. 14) dargestellten Unterkiefers von Equus (Hippo- 
theriurn) antelopinum sind etwas kleiner, dagegen der Kiefer unter ihnen auffallend höher als 
in dem von mir untersuchten Kiefer Taf. I. Fig. 6. 7 von Koshialgärh , so dass eigentlich 
nur in dieser geringeren Kieferhöhe ein auffallenderer Unterschied sowohl von Equus (Hippo- 
therium) antelopinum der Fauna Sivalensis als auch von den in Europa gefundenen tertiären 
Pferden bestehen würde , die aber , wie bereits erwähnt , von der Jugend des Thieres her- 
rühren dürfte. 

Equus primigenius war zur Tertiärzeit über Welttheile verbreitet. Für Deutschland 
ist dieses Pferd hauptsächlich von Eppelsheim, für Frankreich von Cucuron (Vaucluse), für 
Spanien von Concud, für Griechenland von Pikermi, für Nordamerika von Nebrasca bekannt. 
Es war, wie unsere gegenwärtigen Pferde, ein gesellig lebendes Thier, wie daraus erkannt 
Avird , dass an mehreren Orten , namentlich zu Eppelsheim und Pikermi Reste beisammen 
liegen, die auf Tausende von diesen Thieren schliessen lassen. Mit Hülfe dieser vielen Reste 
gelang es, das Knochenskelet fast vollständig zu ermitteln. Es stellte sich dabei heraus, dass 
das Thier ein wirkliches Pferd war, nur etwas schlanker und höher gebaut als unsere jetzigen 
Pferde, und dass die sonst vorhandenen Abweichungen kaum grösser sind als die der lebenden 
Pferde unter einander. Die Unterschiede sind so gering, dass selbst Kaup, Wagner und Blainville 
das tertiäre Pferd nur für ein Untergenus vom lebenden halten. 



3 



* 



- 20 — 

Als wesentliches Unterscheidungszeichen wird die vollkommenere Entwickelung »i*-r 
Gliedmaaasen im tertiären Pferde hervorgehoben, die Ausbildung der seitlichen Mittelhand» 
und Mittelfussknochen . in deren Folge wirkliche Finger und Zehen erscheinen und sieh auch 
in dt-r Hand- und Fusswurzel damit zusammenhängende Abweichungen ergeben. Aber selbe! 
- j Merkmal, welches allerdings im ersten Augcnblie!; auffallend -eung wäre, um eine 
Trennnna zu veranlassen, verliert Bchoc dadurch seine Bedeutuuer, dass die Gliedmaassen, auf 
be Weise wie in Equus primigenius entwickelt, sich freilich ausnahmsweise, doch 
SO gar selten nicht, auch im lebenden Pferde daisteilen (Gurlt, Goubaux), WO bekanntlich 
die seitlichen Mittelhand- und Mittelfussknochen im normalen Zustand, einer Verkümmerung 
icbend, nur in Griffelbeinen ohne Finger und Zehen bestehen. Weit eher hatte man 
Uten dürfen, dass sich bei Equus primigenius Individuen finden würden, deren Glied- 
maassen nach Art der lebenden Pferde gebildet wären, was man als eine Verkümmerung 
oder Bildunesbemmuns hatte deuten können. Wenn aber bei dem lebenden Pferd und /.war 
Öfter die in Equus primigenius normal vorliegende vollkommenere Ausbildung der Glied» 
maassen auftritt, so ist dies sicherlich keine Verkümmerung oder Missbildung, sondern eine 
Abnormität von tieferei' Bedeutung, welche augenscheinlich darthut. dass das Genus Equus 
zu einer solchen Ausbildung der Gliedmaassen wirklich befähigt ist, und dass das tertiäre 
. unbestreitbar «lern Pferdegeschlecht angehört. Die Bedeutung solcher Erscheinungen 

wird auch noch durch den Fall erläutert, dass es in Su8, dessen seitliche Finger und Zehen 

vollkommene Ausbildung besitzen, eine Species giebt, Sus labiatus, bei der. und zwar 
normal, die Süssere Zehe am Hinterfusse fehlt und der äussere Mittelfussknochen, an die 
M ttelhand- und Mittelfussknochen der lebenden Pferde erinnernd, nur in einem griffeiförmigen 
iteht, während die innere Zehe und die seitlichen Finger der vorderen Gliedmaassen 
rollkommen ausgebildet Bich darstellen (vgl. Blainville, Ostogr. Fase. XXII. Sus. t. 7. p. 139). 
Von geringerer Bedeutung i-t das in .1er Trennung des innern Cylinders von der 
übrigen Krone der oberen Backenzähne liegende, an die Basalspitze der oberen Backenzähne 
in Homer tragenden Wiederkäuern erinnernde Unterscheidungszeichen, weil, wie wir gesehen 
haben, dasselbe durch Btarke Abnutzung der Zahne verschwindet, wo alsdann die Zähne 

hierin denen lebender Pferde gleichen. 

Was min noch die Falten, welche diu Schmelzplatten auf der Kaufiäohe der oberen 
Backenzähne veranlassen, anbelangt, »o eigenen sich die hierin sich ergebenden Abweichungen 
in Zahl und Länge eben -,, wenig zur generischen Trennung des tertiären Pferdes von dem 
lebenden, ab zur Annahme von verschiedenen Species bei dem tertiären Pferde , indem ähnliche 
Abweichungen Bich bei den Zahnen eines und desselben Kiefers ergeben, und sich auch au 
Zähnen lebender I' ine grössere Anzahl von Blatten, wenn auch nicht ganz so kraus, 

darstellen. 

I. eichwohl aufzufallen, dass es bisjetzt nicht gelingen wollt.', mehi ab eine 



— 21 — 

Species tertiärer Pferde mit Sicherheit zu unterscheiden. Die Species , welche angenommen 
wurden, sind theils wieder aufgegeben, theils bestehen sie nur dem Namen nach, weil mit 
den Resten, worauf sie beruhen , noch keine genauere Untersuchungen vorgenommen werden 
konnten. Auch unter der Menge der zu Eppelsheim gefundenen Reste glaubte man mehr 
als eine Species oder verschiedene Varietäten annehmen zu künnen, und ist. schliesslich doch 
wieder darauf zurückgekommen, dass auch diese Localitat eigentlich nur eine Species beherberge. 
Es scheint sich hier wieder zu bestätigen, dass die Unterscheidung in Species um so schwerer 
fällt, je reicher an Individuen eine Gattung sich darstellt. 

Pikermi in Griechenland ist eher noch reicher an Equus primigenius als Eppelsheim. 
Mit den Resten von 'dort waren Wagner , Hensel und zuletzt Gaudry (Animaux fossiles et 
geologie de 1' Attaque, p. 218) beschäftigt. Letzterer, dem unstreitig das grösste Material 
zugänglich war, überzeugte sich ebenfalls, dass Pikermi nur eine Species beherberge und 
zwar dieselbe, welche Deutschland zustehe, glaubt aber, dass man sie in zwei Varietäten 
unterscheiden könne, und zwar nach der in den übrigen Gliedinaassenknochen sich wieder 
ausgleichenden Verschiedenheit in Länge und Stärke der Mittelhand- und Mittelfussknochen, 
welche Verschiedenheit in keinem Zusammenhange mit den Abweichungen, die sich an den 
Zahnen ergeben, steht. Aber auch diese beiden Varietäten gehen vollständig in einander 
über. Er hält es für möglich, dass auch die anderwärts gefundenen Reste derselben Species 
angehören, von der Vaucluse (Frankreich) gewöhnlich dünnere Knochen, Deutschland grössere 
Knochen und Zähne mit einer grösseren Anzahl Schmerzfalten liefere, und in Indien habe 
das Thier eine grössere Höhe erreicht; aber auch diese Thiere gingen alle in einander über. 

Hensel (Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 1860) erkennt überhaupt zwei 
Species tertiärer Pferde an, Hipparion gracile , die Reste von Mittel - Europa , nameutlich 
Eppelsheim, und aus Bohnerzen umfassend, und H. mediterraneuin , worunter die Reste von 
Süd-Europa, Pikermi, Cucuron und Concud begriffen werden. Erstere Species zeichne sich 
von letzterer durch zahlreichere und längere Schmelzfalten an den Halbmonden und gegen- 
über dem isolirten Cylinder der oteren Backenzähne, so wie durch grössere Breite der Fuss- 
knoehen aus, letzterer Unterschied sey grösser als zwischen den extremsten Racen des Haus- 
pferdes. Es sind aber, wie wir gesehen haben, weder die Abweichungen in Zahl und Länge 
der Schmelzfalten, noch die Abweichungen in der Breite der Fussknoehen geeignet, das 
tertiäre Pferd in mehr als eine Species zu trennen, und es besteht auch zwischen beiden 
Merkmalen kein solches Abhängigkeitsverhältniss, dass sie sich zur Unterscheidung von Species 
eigneten; wie denn auch Wagner Hipparion mediterraneuin nur für eine Varietät von H. gracile 
erklärt. 

Von den unter Equus (Hippotherium) antelopinum Fale. begriffenen Zähnen aus Indien 
vermuthet Hensel, dass sie von H. mediterraneuin nicht verschieden seyen, wobei er es aber 
doch nicht für überflüssig- hält, vor ihrer Verschmelzung eine genauere Untersuchung der 



— 22 — 

Indischen abzuwarten. Dies« Untersuchung habe ich nun nach den in der von Schlngintweit'seheD 
Sammlung enthaltenen Exemplaren gegeben, und es bat sich dabei herausgestellt, das* 
neb von den unter Equus primigenlus, Eipparion mediterraneum und II. gracile begriffenen 
Zähnen in nicht*, unterscheiden. 

Ich will nur noch anführen, daas ans der Zusammenstellung, welche Hensel von den 
/.u Pikermi gefundenen oberen Backenzähnen des Efipparion mediterraneum (t, 3. f. 1. 4. 5. 9), 
vun II. mediterraneum von Cucuron (f. •">. 6. 9. 11) und von 11. gracile von Eppelsheim 
(f. 2. 7. 8) giebt, zu ersehen ist, daSS die von mir aus Asien untersuchten Zähne selbst in 
Grösse denen von Eppelsheim entsprechen, sogar der von mir Taf. I. Fig. s abgebildete 
Zulm würde biefttr nicht zu gross seyn. Audi sind diese oberen Zähne von Nurpur nur 
Wenig als die eines im Tegel am Wiener Berg gefundenen Schädels, der im K. Ilof- 

Mineralienkabinet in Wien aufbewahrt wird, wo sich auch ein in der Braunkohlen-Formation 
zu Gloggnitz gefundener Unterkiefer befindet, dessen Zähne ebenfalls zu den von mir aus 
Indien untersuchten passen, nur >tellt sich auch hier wieder derselbe Unterschied in der 
Kieferhohe heraus. 

Es bedurft) •!'< »er etwas weitläufigen Erörterung, um zu erfahren, ob das in Asien 
gefundene, von Falconer unter Equus (Hippotherium) antelopinum begriffene Tertiär - Pferd 
von dem Europäischen verschieden seyn; wobei sich ergab, dass die Reste von ersterem 
solche Abweichungen von letzterem zeigen, welche zu einer Trennung berechtigten. 
K> wird dasselbe daher nach dem rechte der Priorität ebenfalls wenigstens so lange unter 
von mir zuerst für das Tertiär- Pfi ird eingeführten Benennung Equus priraigeniua zu 
n. bis durch Auffindung speeifischer Kennzeichen eine Trennung erforder- 
lich wird. 

Die Verbreitung des Tertiär-Pferdes erstreckt sich noch weiter östlich als Indien, bis 

China, von wo Wafcrhouse (Quart Journ. Geol. Soc. London, IX. 4. Nr. ."•<;. ls. r >.;. p. 354) 

; Backenzahnes gedenkt, der beträchtUch grosser seyn soll, als die in Europa 

gefundenen, weshalb er in ihm eine eigene Species vermuthet, worüber aber noch nichts 

• ilautet hat; eine Abbildung des Zahns wird nicht gegeben. Nach einem Backen* 

zahn, welchen Fischer von Waldheim dem EBppotherium gracile beilegt, würde «la- Tertiär- 

am westlichen Ural vorkommen, was der Bestätigung bedarf. Für Nordamerika werden 

von Leid% sogar drei neue Species vonHipparion aufgeführt, II. venustura aus Süd-Carolina, 

11 ipeciosum und II. occidentale vom Niobara-Flusa (Nebrasca), über die l»-i dem Mangel 

gena Angaben sich kein Urtheil abgeben lässl 

Mery copotamua dissimilis Falc. Cautl, 
II' reo fand rieh der Taf. IV. Fig, 3 von der Käufliche und Fig. 1 von vom ab 
bildet« letzte Backenzahn der rechten Oberkieferhälfte. Die Abnutzung 



— 23 — 

hatte begonnen, was den Vortheil gewahrt, dass die einzelnen Theile der Krone sich leichter 
erkennen lassen. Von vorn flach hinten erhält man für die äussere Hälfte 0,0245 , für die 
innere 0,023, von aussen nach innen am vorderen Ende 0,027, am hinteren 0.0165. Die 
Krone ist für ihre Grösse auffallend niedrig. Sie besteht aus zwei ungefähr gleich starken 
Querreihen, von denen jede zwei ungefähr gleich grosse, ziemlich spitze, mit den Spitzen 
nach innen gerichtete halbmondförmige Haupthügel enthält, die tief in einander geschoben 
sind. Das Querthal zwischen den beiden Reihen ist innen offen, aussen durch die Verbindung, 
in der die benachbarten Schenkel der Halbmonde mit einander stehen , geschlossen. Die 
Aussenseite der Halbmonde besitzt eine starke Vertiefung, worin ein starker Kiel liegt. Die 
Basis der Krone wird vorn und hinten von einem starken knotigen Wulste umgeben , worin 
sich der vordere Schenkel des vorderen inuern und der hintere Schenkel des hinteren innern 
Halbmondes verlieren. Als letzter Zahn der Reihe besitzt der hintere äussere Halbmond 
eine schräge Form , was dem Zahn an dieser Ecke ein abgestumpftes Aussehen verleiht. 
Zwischen den beiden Halbmonden einer Reihe ist die Trennung so gering dass sie bei 
stärkerer Abnutzung in den hinteren Backenzähnen zu einer gemeinschaftlichen Abnutzung 
verschmelzen , was zunächst bei der vorderen Querreihe geschieht , wie an dem vorletzten 
linken Backenzahn des Schädelfragments, welches ich Taf. IV. Fig. 1. 2 von der Insel Perim 
abgebildet habe, erkannt wird. 

Der stark runzelige Schmelz erinnert an die Zähne der Giraffe und des Sivatherium; 
es kommen aber auch in der Molasse Deutschlands Zähne von einem viel kleineren Hirsch- 
artigen Wiederkäuer vor, deren Schmelz nicht weniger stark gerunzelt ist. Die Vorderseite 
der Krone zeigt seitliche Abnutzung, wovon die Hinterseite frei ist, ein Zeichen mehr, 
dass der Zahn den letzten darstellt. Im Querthale glaubt man Spuren von Cement wahr- 
zunehmen. 

Es lässt sich nicht läugnen , dass die Zähne dieser Art an die der Wiederkäuer 
erinnern, von denen sie jedoch bei näherer Vergleichung abweichen. Der dargelegte Zahn 
entspricht dafür vollkommen, der Bildung der Zähne in Merycopotamus dissimilis, nament- 
lich den beiden in der Fauna antiqua Sivalensis, VII. Taf. 62. Fig. 17, in natürlicher Grösse 
abgebildeten, während sie in Betreff der Grösse mehr denen gleichen, welche in besagtem 
Werk unter Merycopotamus dissimilis (?) var. minor begriffen werden, worin sie mit den 
Zähnen des Schädels von der Insel Perim übereinstimmen. Es ist indess noch zweifelhaft, 
ob die Species wirklich , wie angenommen wird , in zwei Varietäten zerfalle ; wobei ich mich 
auf das beziehe, was bei der Beschreibung des Schädels von der Insel Perim (S. 8) 
gesagt wurde. 

Eine gute Abbildung von einem etwas grösseren hinteren oberen Backenzahn findet 
sich auch in Owen's Odontograph., t. 140. f. 8. 



— 24 - 

Wiederkäuer. 

Dm Tat. I. Fig. 15 von aussen, Flg. lt; von oben und* Fig. 17 von vom abgebildete 
Bruchstück HM der linken Untcrki.t. rhalt'tc mit dem .hinteren Theil des letzten Backenzahns 
wird von einem Wiederkäuer herrühren. Vom Kiefer ist nicht über 0,05 Länge überliefert : 
anter dem vorhandenen Zahnrest erhält man aussen 0,0.; i. innen 0,038 Höhe bei 0,016 Dirke. 
Der hintere Tbeil des letzten Backenzahns ergiebt von aussen nach innen 0,009; er ist halb- 
mondförmig abgenutzt und giebt in der Rauhigkeit seines Schmelzes den viel grösseren 
Wiederkäuer -artigen Backenzähnen Taf. I. Fig. 1—5, deren ich bei der zweiten Localität 
von NürpUT zu gedenken habe, nichts nach; er kann aber nieht von derselben Species her- 
rühren, da diese in Grösse der Giraffe gleich kam. in welcher der entsprechende hintere 
Tbeil des letzten Backenzahns wohl ahnlich gebildet, aber fast noch einmal so gross ist und 
man unter demselben 0,05 Kieferhöhe bei 0,026 Breite oder Picke erhält Die Versteinerung 
schwer und von tertiärem Aussehen. 

Es isi schade, dass von dem Kieler nicht mehr vorliegt. Das Bruchstück erinnert 
an einen etwas über niiitelgrossen Cerviden oder Moschiden, wie er in den Tertiär-Gebilden 
Deutschland- nicht selten sich findet Ein Hörner-tragendes Thier war es nieht, wie aus 
dem Backenzahn, so wenig auch davon vorliegt, deutlich erkannt wird. 

1 » i . - Gegenwart von Wiederkäuern in dieser Ablagerung ergiebt sich unverkennbar 

aus einem sehr gut erhaltenen, Taf, 1. Fig. 12 abgebildeten Astragalus von 0,0395 und 

oder Höhe an den beiden Seiten. 0,021 Breite der Rolle, 0,026 und 0,024 

ganzer Breite an den beiden entgegengesetzten Enden. Eis wäre möglich, dass er von dem 

Thier herrührte, dem «las zuvor beschriebene Unterkiefer-Fragment angehört. 

Der Astragalus des Rehs verhall sich zu dem fossilen in Grösse wie 3: l •. und in 
der Bildung gleichen sie -ich einander so sehr, dass man berechtig) ist. bei dem fossilen 
aut einen Cerviden oder Moschiden zu Bchliessen, den auch das Kieferfragmenl verräth. 

Von einem ähnlichen Thier scheint ein zu Kapani bei Sevan gefundenes oberes Ende 
..•n einer Tibia (Taf. I. Fig. 20r 22) herzurühren, das ich bereits (S. 10) beschrieben habe. 

1>:i- Gebilde ist ein feinsandiges, festesi durch Eisen geröthetes Gestein, 
Das Taf. I. Fig. 13. 14 nach Wiederkäuer-Arl geformte erste Zehenglied war wohl 
den Wiederkäuer dei beiden zuvor beschriebenen Stücke zu klein. Es ergiebl 0,032 I 
hinten 0,014 Höhe und 0,01 Breite, wofür man vorn 0,008 nnd 0,0095 erhält DieG 

kommt auf di< im lieh heraus. 

Cr oco d i I. 

on einem ( ocodil liegen Bruchstücke von «in Paar Zäunen und einem 

Hautknochen Di< Zähne bestehen in den Taf. VII. Fig. 7- 11 abgebildeten Mittel- 



— 25 — 

stücken aus der Krone, die zu sehr beschädigt sind, als dass sie sich ausmessen Hessen. Das 
grössere Stück Fig. 7. 8 verräth einen Zahn von etwa 0,026 Durchmesser. Er war dünn 
beschmelzt , mit Andeutungen von schwacher Streifung auf der convexen Seite , rundlich 
ovalem Querschnitt und diametralen Kanten. 

Das andere Bruchstück Fig. 9—11 scheint von einem . etwas schwächeren Zahne 
herzurühren, es stammt aus einer höher über der Basis gelegenen Gegend, weshalb es 
auch weniger hohl ist, als das zuvor erwähnte Stück. 

Von derselben Species wird auch der Hautknochen Taf. VII. Fig. 5. 6 herrühren, der 
0,014 Stärke erreicht. Nach der geraden, mit einer streifigen Gelenkfläche versehenen Rand- 
strecke zu urtheilen war der Knochen mit dem benachbarten nicht durch Ueberdeckung 
verbunden, sondern beide waren von neben in einander gefügt. An dein Knochen fällt auf, 
dass er arm an Grübchen ist, die sich mehr länglich, nicht scharf begrenzt und daher schwach 
darstellen. Doch lässt sich aus einem solchen Bruchstück nicht weiter auf die Sculptur der 
übrigen Hautknochen des Thiers schliessen. 

6. Localität: Koshialgärh, b. 

Bezeichnung der Stücke: V. 31; p. 167; 2347. 

Von dieser Localität habe ich eigentlich nur eines Bruchstückes von einem unteren 
Backenzahn von Rhinoceros zu erwähnen, das, wie die Stücke der ersten Localität in dieser 
Gegend, an die tertiären Rhinoceros-Zähne Deutschland's erinnert; einen näheren Aufschluss 
über die Species gewähren sie indess nicht. 

7. Localität: Koshialgärh, c. 

Bezeichnung der Stücke: V. 31; p. 167; 2346. 

Diese Reste haben die Herren von Schlagintweit durch den Lieutenant Garnett mit 
dem Bemerken erhalten, dass sie in der Nähe von Koshialgärh gefunden worden seyen. 

Mast odon. 

Die Reste bestehen nur in wenigen unbedeutenden Bruchstücken von Backenzähnen, 
welche nicht geeignet sind, über die Species Aufschluss zu geben. 

Dinotherium. 

Der Taf. III. Fig. 5 von der Kaufläche abgebildete schöne dreireihige Zahn wird aus 
der linken Oberkieferhälfte herrühren. Er ist stark abgenutzt und trägt auch sonst hie und 

Pnlaeontcv.'r. . Bnml XV. 1. _}. 



- 26 — 

da Beschädigungen an Bich, welche er erfahren haben musste, ehe er vom Gestein aufge- 
nommen wurde. Das durch Eisen rothbräunHche Gebilde ist von mehr thoniger Natur. Die 
Krone hesass 0,0685 Länge und nicht unter 0,055. Breite. Am breiteren Ende lag ein 
salwulst-artiger Ansatz, der auch an dem entgegengesetzten Ende vorhanden gewesen zu 
ti scheint. Der Querhügel am breitern Ende maass von vorn nach hinten, der mittlere 
Querhügel von aussen nach innen am ineisten. Zwischen diesen beiden Querhügeln oder 
Kämmen bemerkt man an der einen Seite ein Hübelchen mit abgenuteter Spitze; an der 
andern Seite scheint das Thal ebenfalls geschlossen gewesen su mvh, aber nicht durch einen 
solchen Hübel. Der mehr dunkelgraue Schmelz zeigt starken Glanz. 

Der Zahn ist nur unbedeutend breiter und stärker abgenutzt als ein durch Kann 
(osa, foss. de Darmstadt, t. 1) veröffentlichter vorderer dreireihiger Zahn des Dinotherium 
giganteom von Eppelsheim. 

Ich habe hier daran zu erinnern . dass von Lieutenant Garnett auch zu Attock im 
l'änjab. von den Srvalik-Hügeln nicht weit entfernt, in einem Gebilde desselben Alters. Zahne 
von Dinotherium gefunden wurden, welche in den 1 Jesitz des Professors ( »ldham gekommen 
sind. Ealconer (Quart. Journ. Geolog. Soc. London, XIII. 1857. [Separat-Abdruck S. 5]), 
der sie untersuchte, sagt, sie stimmten mit den Zähnen mittlerer Grösse von Dinotherium 
giganteom, reichten aber nicht bin, um zu entscheiden, ob die Species mit D. Indicum der 
I Perim identisch oder von ihr verschieden se\ . 

GrocodiL 
\ on den, Taf. VII. Eig. 12 — 15 abgebildeten Zahn sind die Spitze der Krone und 
Wurzel weggebrochen. Am unteren Ende erhält man nach den beiden sich kreuzenden 
ßichtongen hin 0,0155 und 0,014 Durchmesser. Der Querschnitt ist rundlich oval und die 
tusche, leicht gekrümmte Krone mit zwei diametralen, wie es scheint schwach gezähnelt 
gewesenen Kanten versehen.» Die hie und da weggebrochenc dünne Schmelzdecke war 
deutlich gestreut, und auch auf der darunter befindlichen Knochensubstanz wird diese Streifong 
nicht weniger deutlich wahrgenommen; gegen das obere Ende bin verliert sie sich, gegen 
- wird sie schwächer. Diese Krone dürfte 0,03 Länge besessen haben. 
1 ogeachtet der geringeren Grösse und deutlichen Streifung wäre es möglich, dass der 
Zahn derselben Species angehörte wie die Zähne, welche ich von Crocodil von der ersten 
Localhät der Gegend von Kosbialgarfa zu beschreiben hatte; ähnliche und selbst noch auf- 
fallenden Abweichungen habe ich an den Zahnen eines und desselben Schädels von lebenden 
1 odüen erkannt 



— 27 - 

B. Ans dem Westlichen Himälaya. 

V. Aus der Provinz Siinla. 

8. Localität : S i m 1 a. 

Simla: Breite 31° 6'; Länge 77° 9'; Höhe 7200 Engl. Fuss. 
Bezeichnung der Stücke: V. 31; p. 121; 2047. 

E 1 e p h a s. 

Ein mehr aus der Mitte eines Backenzahnes herrührendes Stück, sechs nirgends 
Abnutzung an sich tragende Lamellen umfassend. Von der Oberfläche lässt sich eine dünne 
Haut abziehen, die auch, schon mehr abgelöst, zwischen den Wurzeln wahrgenommen wird, 
was dem Zahn ein frisches Aussehen verleiht. Die Rindensubstanz ist zwar von mehr 
calcinirter Beschaffenheit und haftet etwas an der Zunge, wogegen die Dentine frischer 
aussieht. Auf der Krone endigt jede Lamelle mit einer aus drei Hübein bestehenden Quer- 
reihe, von denen der mittlere etwas höher liegt. Eine solche Querreihe misst von vorn 
nach hinten 0,0125. Von der hinteren Querreihe sind die Seitentheile weggebrochen und 
nur das obere Ende des mittleren Theils erhalten. 

In Elephas primigenius sind die Lamellen dünner und die Querreihen, in die sie 
oben ausgehen, bestehen aus einer grösseren Zahl von Hübein. 

Einer nachträglichen Mittheilung des Herrn Herrn, v. Schlagintweit zufolge, wurde 
der Zahn in einer oberflächlichen , Süsswasser - Conchylien enthaltenden Tuff - Ablagerung 
gefunden. Er rühre, was sein frisches Aussehen vermuthen liess, von der lebenden Species 
her, von der jedoch nicht bekannt sey, dass sie jetzt noch in dem westlichen Theile des 
Himälaya wild vorkomme. Im östlichen Himälaya dagegen habe er (Schlagintweit) sich 
überzeugt, dass der Elephant sich selbst noch in 9000 Fuss Höhe bleibend aufzuhalten 
vermöge. 

Handelt es sich hier auch nicht um einen wirklich fossilen Elephanten - Zahn , so ist 
doch unverkennbar sein Vorkommen für die wirklich fossilen Elephanten -Reste, deren es in 
verschiedenen Theilen Asien's eine Menge giebt, nicht ganz ohne Interesse; weshalb ich 
glaubte, des Zahnes erwähnen zu sollen. 

VI. Aus der Provinz Chämba. 
Nurpur. 
Nürpur: Breite 32° 18'; Länge 75° 52'; Höhe 1900 Engl. Fus.. 
Von Nürpur werden zwei Localitäten unterschieden. 



- 2* - 

9. Localität: In der Nähe von Nur pur, a. 

Bezeichnung: V. 32; p. 17:»; 100. 

Wie sich aus der bräunlichen Farbe and der mürben Beschaffenheit der Reste ergiebt, 
wird «las Gebilde von Braunkohlen-artiger Natur seyn. 

Die an dieser Stelle gesammelten Reste gehören nur Dinotherium an, von drin vier 
Backenzähne vorliegen, unter denen der vollständigere sieh auch durch ansehnlichere Grösse 
auszeichnet Diesen habe ich Taf. III. Fig. -' von der Krone abgebildet. Das eine Ende 
und die- eine S und weggebrochen. Der Zahn maass nicht unter 0,08 Länge, 0,077 Breite 
und 0,05 Höht . erreichte also die Grösse nicht, welche ich an den zu Eppelsheim von 
Dinotherium giganteum gefundenen Zähnen beobachtet habe. Er ist zweireihig, noch nicht 
abgenutzt, aber schon mit ausgebildeten Wurzeln versehen. Die Querjoche zeigen schwache 
Kerbung. An den überlieferten Enden ist eine Art geperlter Ansatz, vorhanden, dessen 
Knötchen sieh in die schwache Einbuchtung ziehen, welche der Querhügel an dieser Seite 
darbietet Vor dem Querthal liegt eine schwache Unebenheit. Es wäre möglich, dass der 
Zahn dun letzten Backenzahn darstellte. 

Von den übrigen Zähnen habe ich Taf. III. Fig. 3. 1 noch einen halben Querhügel 
abgebildet Die Krone ergiebt 0,045 Höhe, sie konnte überhaupt nicht grosse] gewesen 
Beim als die zuvor beschriebene. Die Abnutzung des Querjoches hatte begonnen. Es 
war ein deutlicher geperlter Ansatz, vorhanden, der sich als Basalwulst um die Ecke zog. 

in. Localität: Fünf Englische Meilen von Nur pur, b. 
Bezeichnung: V. 32; p. 175; 98. 

Von dieser Localität, Bowie von der bereits betrachteten ersten von Koshialgärh im 
l'änjab (S. 12) rühren die meisten fossilen Knochen der von mir untersuchten Sammlung 
her. Sie zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie theilweise Schildkröten angehören, 
die ich in letzterer Localität nicbl vertreten fand. 

Das (iebilde i.-t von d m der ersten Localitäl von Nurpui auffallend verschieden, es 
iit nicht in euer an Braunkohle erinnernden, sondern in einer festen, zusammen- 
geführten Masse, aus kleinen, meist abgerundeten Gesteinstrümmern von graulichem Aussehen 
zusammengesetzt Ein Bruchstück von einem länglich geformten Körper von 0,0125 Stärke 
einen Koprolithen von einem Säugethier vermuthen. Von Mastodon habe ich nichts 
vorgefunden. 

Dinotheri u m 
Di< G ms wird unverkennbar durch ein kleines Bruchstück von dem Schmelz eines 
Querkamme« verrathen; freilich der einzige üeberrest, der vorlii 



- 29 — 

Khinoceros. 

An dem Taf. II. Fig. 8 abgebildeteten oberen Schneidezahn ist die eine Seite grössten- 
theils weggebrochen, auch fehlt vorn und hinten, doch nur wenig an der Krone, von der 
0,04 Länj>e von vorn nach hinten überliefert ist. Für die kränze Höhe des Zahns erhalt 
man 0,04, für die in die ungefähre Mitte fallende stärkste Gegend der Wurzel von aussen 
nach innen 0,0155. Die Krone ist stark abgenutzt, woher ihre geringe Hohe und die grosse 
Ausdehnung der Kaufläche rührt. Der Zahn misst ungefähr zwei Drittel von der Grösse 
des von mir aus Koshialgarh (S. 15. t. 2. f. 6. 7) beschrieben; er könnte daher von einer 
anderen Species herrühren, wofür auch in so fern Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, als Indien 
mehr als eine fossile Rhinoceros-Species mit unteren Schneidezähnen, die auf obere Schneide- 
zähne schliessen lassen , liefert. Der Schneidezahn aus der Gegend von Niirpur besitzt 
Aehnlichkeit mit den oberen Schneidezähnen aus den Tertiär- Gebilden von Eppelsheim, die 
Rh. Schleiermacheri beigelegt werden , so wie mit Zähnen von Georgensginünd in Bayern 
und von Ehingen bei Ulm 

Der obere Theil einer Tibia kommt auf die Tibien von Koshialgarh heraus. Ein 
seitliches Zehenglied könnte derselben Species angehören ; es ergiebt 0,029 Breite , und 
scheint nicht über 0,023 Länge besessen zu haben. 

Equus primigenius Meyer. 

Die Reste bestehen in einem unteren Backenzahn und in den von mir Taf. I. Fig. 8. 9 
von der Kaufläche abgebildeten beiden oberen Backenzähne, welche ich bereits (S. 18) 
Gelegenheit genommen habe , mit den Zähnen von Equus primigenius der ersten Localität 
von Koshialgarh im Pänjäb genauer darzulegen. 

C a m e 1 o p a r d a 1 i s ? 

Diese Localität von Nurpur ist auch wichtig wegen eines grossen Wiederkäuer-artigen 
Thieres, von dem drei untere Backenzähne vorliegen. 

Der Zahn Taf. I. Fig. 2 ist ein rechter vorderer von oben, Fig. 1 von aussen und 
Fig. 3 von innen dargestellt. Er misst von vorn nach hinten 0,0305 , von aussen nach 
innen hinten 0,021, nach vorn nimmt er allmählich an Breite ab. Die Bildungsweise erinnert 
zunächst an die Zähne der Cerviden. Von den vier eingebogenen Falten der Innenseite 
sind die beiden mittleren die stärkeren, die hinteren durch Abnutzung auf der Krone mit einer 
kleinen, ovalen, mit Schmelz eingefässten Insel versehen. Von Ansätzen oder Wülsten wird nichts 
erkannt. Der Schmelz ist, zumal an der Aussenseite, stark runzelig. Der Zahn war zweiwurzelig. 

Der Fig. 4 von aussen und Fig. 5 von der Kaufläche abgebildete Zahn ist ein hinterer 
der rechten Kieferhälfte, wie es scheint von demselben Individuum. Die Runzelung des 



— 80 — 

S bmebna ist gani dieselbe. l»i der Beschädigung der Krone lässl sich ihre Länge nicht 

iiflini. n . ich schätze sie mit 0,088, voransgesetat, dass der Zahn Dicht der letzte war. was 

bei dein beschädigten hin« reo Ende sieh nicht beartheilen läset Für die Breite erhält man 

0,028. Ein Baealwnlsl oder Basalspitze bestand eben so wenig als bei dem zuvor beschrie- 

Zahn; auch erkennt man keine Nebensphaen an der Innenseite, die zwischen den 

len Haaptspitaen nur wenig eingedrückt erscheint, was hauptsächlich von der schwachen 

Wölbung «Irr Innenseite dieser Spitzen herrührt Die Krone zeichnet sich daher gegen die 

r gewöhnlichen Wiederkäuer durch einfachere Bildung aus; sie ist stark abgenutzt, in 

F«.'. . neu Mi- auf der Abnutaungsfiäche zwei anregelmässig ovale Inseln darbietet 

Es li'-^rt mir noch ein weniger vollständiges Stück von einem anderen hinteren rechten 
unteren Backenzahn vor, der noch stärker abgenutzt war: auch dieser könnte von demselben 
Individuum herrühren. I'" i seiner önvollstandi^keit eignete er sich weder zum Ausmessen 

DOCfa Zlllll Alil'ildell. 

Zahn das Gepräge eines acht tertiären Alters. 

Die rauhe Beschaffenheit des Schmelzes erinnert bei diesen Ziilincn an Sivatherium, 
tmatherium, Camelopardalis und Merycopotamus. Für die beiden ersten Thiere sind die 
Zähne ungeachtet ihrer Grosse doch noch zu klein. Von Bramatherium sind nur erst ob 
B kenzähne genauer dargelegt (Falconer in Qnart Journ. Geol. soc. London. 1845. I. 
}■. 363, t 11. f. •".. 1 i -. von unteren Backenzähnen des Sivatherium ist bei Owen (Odonto- 
iphy, t. abgebildet der ebenfalls ein grösseres Thier verräth, im übrigen 

einige Aehnlichkeit besitzen würde. Von Merycopotamus können diese Zähne Bchon deshalb 
ihren, weil dessen Backenzahn« auffallend an Anthracotherinm Velaunum erinnern; 
die oben n unterscheiden sich aber von denen der Anthracotherien überhaupt dadurch, dass 
in die vordere Querreihe aus dreien Spitzen zusammengesetzt ist. in Merycopotamus 

nur au- au! die Wiederkäuer herauskommt, <>lme dass das Thier ein Wieder- 

- 

'• Vchnlicbkeit zeigen die /ahne der zweiten Localität von Nürpur mit denen 

iteraatischen Namen Camelopardalis könnte man veranlasst werden, 

glauben, die /.ahne der Giraffe besässen Aehnlichkeit mit denen des Camels, was i 1 1 . 1 ■ 

keil dei Fall i-t. I * I - - Backenzähne in Camel wie in Auchenia gleichen in dir pria- 

malischen Bildung ihrer Krone and deren Bedeckung mit Cement, das im Camel besonders 

deutlich auftritt, den gehörnten Wiederkäuern, während die Krone der Backenzähne in der 

ii ich schon öfter aufmerksam gemacht habe, durch ihre pyramidale Bildung 

den /ahnen .i enden Wiederkäuer oder den Cerviden, sowi< den Moschiden 

•eli habt Zähne von mehreren lebenden Giraffen mit den Zähnen von Nürpur 

1 timmung wahrzunehmen, welche berechtigte, die fossilen 

G • it beizulegen, her 1 je. I abgebildete Zahn winde der 



— 31 — 

zweite von den sechs, die der Unterkiefer zählt, seyn, da der dritte, mehr auf den in Cervus 
Alces herauskommend, in der vordem Hälfte schon ganz so gebildet ist, wie bei den hinteren 
Zähnen, und die hintere Hälfte auffallend geringer als die vordere sich darstellt ; er ergiebt 
0,024 Länge und 0,019 Breite, ist also viel kürzer und auch weniger breit. Der zweite 
Backenzahn in der Giraffe zeigt an der Innenseite eine Falte weniger und ist nur 0,021 lang 
und 0,018 breit, also auch auffallend kürzer als der vordere fossile Zahn. 

In Betreff des hinteren fossilen Zahns Fig. 4. 5 bemerke ich, dass der vierte Backen- 
zahn oder vorvorletzte in der Giraffe 0,029 Länge und 0,0225 Breite ergiebt und der vor- 
letzte bei derselben Breite nur unbedeutend länger ist. Bei tieferer Abnutzung der Krone 
werden auch an den Zähnen der Giraffe keine Nebenspitzen , die überhaupt nicht auffallend 
entwickelt sind, mehr erkannt, und es erscheint alsdann auch die Innenseite der Krone mehr 
gleichförmig gewölbt. Von Basal -Unebenheiten habe ich nur am vorvorletzten Backenzahn 
der Giraffe Andeutungen von einer Basalspitze. denen in den Cerviden ähnlich, wahrgenommen. 

Für Asien werden zwei fossile Species von Giraffe angenommen. Von der einen 
Species, < Jamelopardalis affinis Falc. (Proceed. Geol. Soc. London, 1843. IV. p. 244. t. 2. 
f. 3 — 7), von der Grösse der lebenden, liegen wohl Zähne vor, darunter aber keiner, der 
darüber Aufschluss geben könnte, ob der vordere von mir untersuchte ihr angehört, die 
hinteren würden nicht zu gross seyn , wenn man bedenkt , dass sie kaum , dagegen die von 
mir untersuchten stark abgenutzt und überdies beschädigt sind. Von der anderen Species, 
Camelopardalis Sivalensis Falc. (Proceed. Geol. Soc. London, IV, p. 241. t. 3 ; — Quart. 
Journ. Geol. Soc. London, I. 1845. p. 362. t. 14. f . 5 ) kenne ich nur die Abbildungen 
von ein Paar Halswirbeln. Die Fauna antiqua Sivalensis war selbst in den Abbildungen 
noch nicht bis zu Camelopardalis gediehen, als ihr Erscheinen unterbrochen wurde. 

Unter diesen Umständen ist es daher nicht wohl möglich, jetzt schon darüber zu 
entscheiden , ob die von mir untersuchten Zähne wirklich von Camelopardalis herrühren, 
und wenn es wäre, ob sie einer der beiden für Asien bereits angenommenen fossilen Species 
entstammen. 

Wiederkäuer. 

Die Beschaffenheit einer nach Art der Wiederkäuer gebildeten Kniescheibe wird aus 
der von mir Taf. I. Fig. 10. 1 1 gegebenen Abbildung ersichtlich seyn. An dem unteren 
Ende scheint nur wenig zu fehlen. Der Knochen ergiebt 0,032 Länge, 0,0215 Breite und 
0,017 Dicke von vorn nach hinten. Er geht abwärts weniger spitz zu als im Reh und 
verhält sich zu ihm wie 3:2. 

Das Taf. I. Fig. 18. 19 abgebildete vordere Ende eines, wie es scheint ersten Zahn- 
glieds steht zum Reh in ungefähr demselben Grösseverhältniss , wie die damit gefundene 
Kniescheibe, und könnte daher wohl von derselben Species herrühren. 



- n - 

Schildkröten, 
unter den Schildkröten, welche diese /w. it. LocalitiU von Ndrpur auszeichnen, machen 
sich durch die Grübchen auf den Hatten Trionyciden bemerkbar Ich zählte elf Platten mit 
solchen Kidwerk, darunter nur «.ine- vollständige Wirbelplatte Tat. Y. Fi 7 -. :». ein 
Stink v.ui dem vorderen unpaarigen Theil oder der Nackenplatte Fig. 1. 2. •">. eine anvoll- 
ständige letste ünke Rippenplatte I i_. I. ■".. •;. sechs von andern Rippenplatten herrührende 
Bruchstücke, von denen ich Fig. 10 19 drei ebenfalls von verschiedenen Seiten abgebildet 
habe, and zwei Bruchstücke, welche von Platten des Bauchpanzers herrühren werden, aber 
gering Bind, dass sie ober dessen Beschaffenheil keine weitere Aufschlüsse geben. 

Diese Bruchstücke sind der Art, dass Bie Behr wohl nur einer und derselben Species 
angehören könnten, aber sicherlich von mehreren Individuen herrühren. In Grösse und Be- 
schaffenheit gleichen Bie den in Kuropa. namentlich in Deutschland und England gefundenen 
n Trionyciden, was der Ermittelung der Species gerade nicht förderlich ist. Diese Aehn- 
lichkeit besteht namentlich mit Trionyx (Gymnopus) Styriacua Peters (in v. Hauers Beitr. 
/. Pa graphie Oesterreich's, I. 2. S. 60. t. 2) aus dem tertiären Süsswasser-Mergel von 

Wies, südwestlich von Graz; Belbsl » 1 i * - grosse Rippenplatte Fig. 17. 18 1!' würde für diese 
Europäische Species nicht zu g d und auch die Wirbelplatte Fig. 7. 8. 9, eine der 

vorderen, in Grösse und Form passen; Bie zeigt aber eine regelmässiger grubige Sculptur, 
.M- Art eine krausere. Doch theilt Peters (Denkschr. d S.Akademie in Wien, 
IX. In').') v . 12. t. 6) auch ein Panzerstück von einem fast nur halb so grossen Individuum 
mit. woraus, so wie aus einem andern Bruchstück (t. I. l. li zu ersehen ist, dass zwischen 
Individuen derselben Species nicht immer vollständige Uebereinstimmung in der Sculptur 
der Platten besteht. In Trionyx Styriacus scheint übrigens die letzte Rippenplatte sich spitzer 
nach aussen zu verlängern und auch die Nackenplatte, von der li-eilieli aus Asien nur ein 
geringes Stück vorliegt, Abweichungen zu zeigen. Auf annliche Weise würde Trionyx 
(Gymnopus) Vindobonensis Peters (Denkschr. d. K. Akademie in Wien, IX. S. ■">. t. 1. 2) 
gel von Hernais bei Wien verschieden Beyn. T. (Gymnopus) Austriacus Peters (in 
%. Hauer's Beitr. z. Palaeontogr. Oesterr., I. 2. S, 61. t. 8) aus der Braunkohle von 
rieb (Monte Promina) i Dahnatien war nur balb so gross, and deutlicher als eine eigene 
bi< di n. 
Dk re Rippenplatte aus Asien Fig. 17. 18. 19 ist noch einmal so dick als in 

dem mph mir au- dem Tertiär - Mergel von Hechtsheim bei Main/ unterschiedenen Trionyx 
Aspidom G ensi, an den sie sonst erinnert; Bie ist etwas grösser aU in Trionyx 

Barbarae und T. Henrici Owen (Brit foss. Rept. Chelonians, p. . r ><>. t. .'>. 6) aus demE 
von Hordwell und weniger deutlich querstreifig. Besser würde die andere Rippenplatte aus 
Asten passen, auch die Wirbelplatte, die aber zu regelmässig grubig sieh darstellt. Die Reste 
Ndrpur erinnern mehr an T incraasatns < »w. il. o. p. 51. t. 27) aus dem Bocen der 



- 33 — 

Insel Wight durch Grösse und, wie es scheint auch in der Sculptur; doch ist die "Wirbel- 
platte für diese Species zu klein und zu rundgrubig. Trionyx rivosus Ow. (1. c. p. 56. t. 19) 
von Hordwell ist nur halb so gross und zeigt verhältnissmässig grössere Gruben. T. niarginatus 
Ow. (1. c. p. 55. t. 30) von Hordwell würde in Grösse wohl passen, ist aber durch den 
glatten Rand zwischen je zwei Rippenplatten verschieden. Weniger kommt T. planus ( )w. 
(1. c. p. 58. t. 32) von Hordwell in Betracht, obgleich auch diese Schildkröte ähnliche 
Grösse besitzt. 

Eis wäre zwecklos, wollte ich die Vergleichung der von mir von Nurpur untersuchten 
Reste von Trionyx mit den in Europa gefundenen noch weiter fortsetzen ; bei der Gering- 
fügigkeit ersterer würde sich doch kein anderes Ergebniss heraustellen, als das grosser Aehn- 
lichkeit und Ungewissheit darüber, ob die in Asien gefundenen Reste von den aus Europa 
bekannten wirklich verschieden sind. Es liegt sonach auch keine Berechtigung vor , jetzt 
schon die in Asien gefundenen Reste eigenen Species beizulegen. 

In der Fauna antiqua Sivalensis ist von Trionyx , wie von Schildkröten überhaupt 
nichts enthalten. Wohl aber werden unter den von Crawfurd vom Irawadi mitgebrachten, 
freilich nur sehr unvollständigen Plattenresten nicht weniger als drei Species von Trionyx 
vermuthet. Das deutlichste dieser Stücke ist das äussere oder Randstück einer Rippenplatte 
(Trans. Geol. Soc. London, 2. Ser. IL t. 42. f. 7. 8), von deren Breite die von mir unter- 
suchten breitesten nur zwei Drittel messen, was selbst bei der Aehnlichkeit in dem äusseren 
Bildwerk berechtigen würde, auf eine andere Species zu schliessen. Die übrigen Platten sind 
für eine Vergleichung wenig geeignet. 

Die Ueberreste der nicht zu den Trionyciden gehörigen Schildkröten verrathen drei 
Species, sämmtlich mit glatten Platten , die wohl die Eindrücke der Schuppengrenzen , aber, 
wenigstens zwei derselben, nicht einmal eine Andeutung von Streifung parallel dieser Schuppen- 
grenzen wahrnehmen lassen. 

Die Reste der einen dieser Schildkröten sind schon an ihrer grauen Färbung zu 
erkennen. Ich fand davon drei Wirbelplatten, zwei Randplatten, drei Rippenplatten und zwei 
Plattenstücke vor, deren fragmentarischer Zustand nicht erkennen lässt, ob sie aus dem 
Rücken- oder Bauchpanzer herrühren. Ausser der glatten Oberfläche, die öfter mit einer 
harten, nicht zu entfernen gewesenen, offenbar eisenhaltigen (wie auch an dem röthlichen 
Strich erkannt wird) Gesteinsmasse überrindet sich darstellt, ist für die Platten dieser Schild- 
kröte hervorzuheben, dass sie nur schwache Grenzeindrücke zur Aufnahme der Schuppen- 
ränder besitzen. 

Die Wirbelplatte Taf. VI. Fig. 3. 4 könnte die erste der Reihe seyn ; ihre mehr ovale 
Form , die geringere T am vorderen Ende , sowie die Gegenwart eines quer laufenden 

Grenzeindrucks auf der hinteren Hälfte würde diese Ansicht unterstützen, wenn nicht, wie 
ich gefunden habe , gerade bei den fossilen Schildkröten hierin Abweichungen vorkämen, 

Palttontogr., Bunil XV, I. 5 



— 34 — 

welche den rieb am 4 die Beobachtungen an lebenden Schildkröten Btiitzenden Folgerungen 
nicht immer günstig rind. Die Platte ist 0,045 lang, in der vorderen Hallte 0,029 breit, 
in der hinteren weniger, daa hintere Ende, wo die Dicke der eigentlichen Platte l>i> zu 0,01 
.„ 1V . s schön gerundet, daa vordere nur unmerklich anageschnitten. Der Grenzeindruck 
der hinteren Haiti« ist Behr fein und eigentlich nur an der linken Seite u verfolgen; 
ang es nicht hinlänglich zu reinigen. 
Die Wirbelplatte 1 ig. I. - wird wohl die zweite oder dritte seyn; dii zuvor beschriebene 
st rieh sehr gut, aber doch nichl ganz schliessend vorn in Bie einfügen. In der Mitte 
wird sie von einem Grenzeindruck durchzogen, der in den lebenden Schildkröten normal der 
dritten Wirbelplatte zusteht, weshalb auch die fossile Platte eher die dritte seyn dürft 
i.., i iUl »eckig, hinten gerundet, vorn entsprechend ausgeschnitten. Ihre ganze l.ai 

„,;.. .,-,. i n der Mitte o,<)51. die «rrösste Breite fällt an das Ende des vorderen Viertels 

,,,;• Breite am hinteren Ende 0,021. Vorn und hinten bemerkt man in der Mitte 

einen kurzen Längeneindruck, wohl /.uv Aufnahme eines Bandes bestimmt. Der Grenzeindruck 
i-t in der Mitte hinterwärts etwa- convex. Die Dicke der eigentlichen Platte beträgt vom 
0,018, hinten kaum mehr. 

Die Wirbelplatte Fig. 5. 6 ist schon wegen ihrer Kürze eine hintere und hei dem Man, 
eine- Grenzeindrucks vielleicht di< sechste. Sie ist sechseckig, »».dl'.", lan- . vom 0.01'.'. 
I,-,,- 215 breit; die in die Hälfte lallende grösste Breite misst 0,035. Dicke 

«ler eigentlichen Platte vorn ".i>'.<. hinten 0,0085. 

. In Btelll den innern, bei 0,00!) grös-te, Dicke von vorn nach hinten 0,036 
Breite messenden Theil einer Rippenplatte dar, welche «li«' fünfte linke gewesen seyn wird, 
u bemerkt auf ihr wohl Andeutungen von einem Grenzeindruck zwischen den Rücken* 
und Seitenschuppen, allein weder etwas von einem Grenzeindruck /wischen Rückenschupp 
noch von einem Grenzeindruck zwischen Seitenschuppen. IM«' Oberfläche war von der 
dünnen fest G teinsrinde nicht eu reinigen. 

I»i«- Rippenplatten Fig. 7. 8. 11 12 scheinen «li« entsprechenden Platten der beiden 

- ■ .-,. vielleicht von einem und demselben Individuum. Fig 7. B die linke, Fig. 11. IS 

l,t.-. wo »gut an die Wirbelplatte Fig. 1 passen, dass, sollte «lies«- die dritte 

zweite Rippenplatte darstellen würden. Diese Ansieht gewinnt noch dadurch 

an Wahrscheinlichkeit, dass aui den Rippenplatten kein Grenzeindruck zwischen Rücken« 

nppen wahrgenommen wird, wohl aber, freilich nur schwach angedeutet, auf Platte 

• II ein Grenzeindruck zwischen Seitenschuppen, und «las- der (irenzeindruck zwischen 

den Rücken- und Seit nschuppen nach aussen convex verläuft. Am innern Ende erhält man 

lux «li« "."1 .'.'> dicken Platten eine Breite von "."in. 

Dii Sandplatte Tai VII. Pig. I. -. •"■ rührt aus der linken Seite des Thiers her. 
I »er Grenzeindruck iwiaoben den Randschuppen ist nach «hin Rande hm und auch innen 



— 35 — 

(unten) deutlich zu verfolgen. Es ist eine ganz vollständige mittlere Platte. Im Rand 
erhält man 0,048, oben 0,039, vorn 0,029, hinten 0,032 Höhe. 

Die Randplatte Taf. VI. Fig. 13. 14. 15 könnte auf der anderen Seite des Panzers 
weiter vorn oder weiter hinten gesessen haben. Länge unten 0,055 , oben 0,045 , Höhe in 
der Mitte 0,039. Durch dünne Beschaffenheit ausgezeichnet, wird sie demungeachtet von 
derselben Species herrühren. 

Nach der Lage zu urtheilen, welche die Grenzeindrücke auf diesen Platten einnehmen, 
zeichneten sich die Rückenschuppen nicht durch Breite aus, und es kamen die Grenzeindrücke 
zwischen den Seiten- und Randschuppen nicht auf die Randplatten; letzteres würde gegen 
Emys sprechen. Die Ermittelung des Genus ist dadurch erschwort. Ich wiisste keine 
Schildkröte der fossilen zu vergleichen, und begreife sie daher bis zur genauem Ermittelung 
des Genus unter Testudo? Nurpurensis. 

Von einer zweiten damit vorkommenden Schildkröte liegen 19 Plattenfragmente vor, 
welche sich schon durch ihr weissliches Aussehen verrathen. Sie scheinen grösstentheils 
aus dem Bauchpanzer herzurühren , ein Paar derselben von Randplatten , welche jedoch zu 
geringfügig sind , um über die Beschaffenheit der Schildkröte weiteren Aufschluss zu "-eben. 
Die Aussenseite der Platten hat gegen die der anderen Schildkröten - Reste aus dieser Ab- 
lagerung eine mehr kalkige , erdige , weniger feste Beschaffenheit. Dabei sind die Platten 
dick, eine über 0,018, andere messen 0,014, die meisten 0,012, oder auch etwas weniger. 

Drei dieser Plattenstücke habe ich Taf. VI. Fig. 16 — 21 abgebildet, sie bedürfen 
keiner Erläuterung. Selten sind sie mit einem Grenzeindruck versehen, der, wie bei Platte 
Fig. 16, sehr deutlich, ziemlich breit und etwas scharfrandig begrenzt ist. Schon diese 
Beschaffenheit der Grenzeindrücke würde gegen eine Vereinigung mit der zuvor beschriebenen 
Species seyn. 

Emys crassus aus dem Eocen-Sande von Hordwell (Owen, Brit. foss. Rept., Chelonians, 
t. 38) besitzt im Ganzen noch dickere Platten , und auch in Deutschland finden sich 
von Schildkröten dicke Platten; bei dem fragmentarischen Zustande der Platten von Niirpur 
kann aber an eine genauere Vergleichung mit diesen nicht gedacht werden. 

Von der dritten Schildkröte liegt nur ein unbedeutendes Bruchstück von einer Platte 
aus dem Rückenpanzer vor, woraus zu entnehmen ist, dass die Schildkröte kleiner und von 
den beiden anderen zweifellos verschieden war. Die Platte ist nur 0,005 dick, fest und mit 
Andeutungen einer schwachen Streifung versehen , die parallel den Rändern der Schuppen 
gegangen seyn wird. Zum Abbilden war das Bruchstück nicht geeignet. 



- :<6 



\ II. A a t d e i 1' r o v i n /. II a j a u r i- 

11. Localität: Kherni Daki I'ass. 

Kluriii I >aki Pass, westlich von Islamabad und südwestlich von Kotti in der Himalaya- 
Provina Rajauri (westlicher Theil von Kashmir): Breite 33° 24'; Länge ' '■ 35'; Höhe 
zwischen 1000 and 6000 Engl. Fuss. 

r, seichnung: V. 31 ; p. 185; B. 

Von dieser Localität ist eines Backenzahnes von Dinotherium von ausgezeichneter 
'i gedenken, den ich Tat III. Fig. 1 von der riaafläche abgebildet habe. Er isl 
stellenweise stark beschädigt, war zweireihig und zeij^t auf der convexeren Seite wohl A 1 >- 
nutzung, die jedoch noch nicht sc. weit gegangen war. dass der überaus stärkt- Schmelz 
erheblich durchbrochen worden wäre. An der Wurzelseite erscheint der Zahn mehr ab- 
gerundet An den beschädigten Enden der Krone wird ein kurzer, mehr Basalwulst- artiger 
Ansatz vorhanden gewesen zu seyn. Die Krone maass von vom nach hinten 0,077, von 
aussen nach innen 0,084. Der Zahn ist Bchwer und fest, der Schmelz mehr graulich; das 
in, woraus er herrührt, scheint ein grauer fester Thon zu Beyn. 

seichnel dieser Zahn an Grösse ist, bo habe ich doch unter den zu Eppelsheim 
vorkommenden Zainen von Dinotherium eiganteum noch untersucht, in einem 

Oberkieferfragmen4 einen Zahn, der von vorn nach hinten 0,093 Länge und von aussen 
nach innen 0,082 Breite ergab; dreireihige Zähne Bind noch länger. Es hegt daher auch 
in die-, ni Zahn kein Grund vor. die Species, der er angehört, von der Europäischen für 
den zu halten. 



C. Westliches Tibet. 
\ III An- der Provinz Gnari Khdrsutn (Gross-Tibet). 

I _'. Localität: Der Fundort ist nicht gi nauer ermittelt. 
I'm /• ichnung : V. •'. I : p. 50; 10. 

Au- dies« G nd rührt ein. der beiden Enden beraubte rechte Dnterkieferhälfte 
'• h. auf ein EUppopotamas-artiges Thier schliessen lässt, Wegen Beschädigung und 
.starker Abnutzung der sechs Backenzähne, welohe der von einem alten Thiere herrührende 
dii Beschaffenheit der Zahnkronen nicht mehr genau wiederzuerkennen 
Vom let kenzahn fehlt ein hinteres Stück. 



— 39 — 

Vor dem ersten Backenzahn ist eine zahnlose Strecke von 0,053 Länge überliefert, 
an deren vorderen Bruchfläche keine Andeutung von einer Wurzel oder Alveole wahrgenommen 
wird; die Wurzel des Eckzahns führte daher nicht bis in die dem ersten Backenzahn ent- 
sprechende Gegend zurück. Die zahnlose Strecke zeigt in halber Kieferhöhe an der Aussen- 
seite ein geräumiges , längs ovales Foramen mentale , dessen vorderes Ende in die Bruch- 
fläche fällt. 

Der erste Backenzahn war einwurzelig, quer oval und von vorn nach hinten schwach 
eingezogen; nach dieser Richtung maass er 0,009, nach der entgegengesetzten 0,013. Der 
Zahn scheint einfach gebildet ; die Krone ist weggebrochen, man glaubt noch etwas von der 
Einfassung mit starkem Schmelz wahrzunehmen. 

Der zweite Zahn schliesst sich nicht unmittelbar an, sondern ist 0,002 vom ersten 
entfernt. Er ergiebt 0,0235, und wird in der vorderen Hälfte 0,011, in der hinteren 
0,0175 Breite besessen haben. Die Krone bestand offenbar aus zwei Hälften, von denen 
die vordere mehr rundlich und selbst schmäler war als der erste Backenzahn , die hintere 
Hälfte dagegen durch ihre quer ovale Form mehr auf den ersten Zahn herausgekommen seyn 
wird, der sie an Grösse übertraf. Beide Hälften waren von starkem Schmelz umgeben, der 
auf der Kaufläche wenigstens hinten etwas eingezogen gewesen zu seyn scheint. 

Vom dritten Backenzahn ist die innere Hälfte der Krone stark beschädigt auch vorn 
zeigt er Beschädigung. Zwischen ihm und dem zweiten Zahn hat sich ein Kiesel eingeklemmt. 
Die Entfernung beider Zähne beträgt 0,004. Der dritte Zahn scheint nicht länger als der 
zweite gewesen zu seyn. In der hinteren Hälfte erhält man 0,02 Breite , in der vorderen 
war er weniger breit. Der Zahn wird dem Vorsitzenden geglichen haben. An ihm glaubt 
man deutlich zu erkennen, dass jede der beiden Hälften vorn und hinten schwach eino-ezo"-en 
und daher etwas Biscuit-förmig gestaltet war. Die Abnutzung ist stark. 

Von dem vierten Zahn steht nur das sehr beschädigte hintere Ende aus der Alveole 
heraus, die sonst mit hartem Gestein angefüllt ist. Dieser Zahn scheint noch etwas läno-er 
als der folgende gewesen zu seyn, da er, selbst bei der Annahme, dass er dem dritten nicht 
unmittelbar angesessen, 0,046 Länge eingenommen haben würde; die Breite wird sich auf 
0,025 belaufen haben. Ueber die Beschaffenheit seiner Krone lässt sich nichts angeben. 
In der Mitte scheint er schwach seitlich eingezogen, was auch für den fünften Zahn gilt. 
Dieser ist zwar besser erhalten, aber auf der Krone so stark abgenutzt und beschädigt, dass 
seine Zusammensetzung nicht mehr erkannt wird. Die Krone war 0,039 lang und 0,028 
breit, hinten wenigstens, vorn nicht ganz so breit. 

Von dem sechsten Zahn ist 0,035 Länge überliefert, was nicht die ganze Länge seyn 
wird ; er ist noch stärker beschädigt als der Vorsitzende und wird ähnlich beschaffen gewesen 
seyn. Unmittelbar dahinter ist der Kiefer weggebrochen. 



— 38 - 

Unter a.ni Mehrten Zahn erhält man 0,097 Kieferhöhe bei 0,04 Dieke, unter dem 

dritten unten 0,079, innen 0,084, was auch die ungefähre Böhe unter dem vierten ist; 

unter dem zweiten würde sie eher wieder annehmen. Unter dem vierten Zahn ist die Aussen- 

seite von Natur etwas abgedrückt I >i* Symphysis. Bcheinl gerade vor dem eisten Zahn 

odigl /u hal 

Die Versteinerung i-t Bchwer und hart, wie verkieselt; das Gestein gleicht feinem, 
testen Molaano Sandstein. 

< »luie die Eck- und Schneidezähne zu kennen ist es nicht möglich, sich über die 
aspreehea. Die Versteinerung ist schon desshalb wichtig, weil, meines Wissens, 
noch kein Ueberrest von Bippopotamua aus Tibet vorliegt. 

Unter den acht Provinzen angehörigen zwölf Localitiiten Asiens, welche die von mir 
untersuchten Beete geliefert haben, befindet sich nur eine, die achte. Simla im westlichen 
Himalava. von der die Fossilität der in Elephas bestehenden, in 7200 Fusa Böhe gefundenen 
zn bezweifeln ist. Dieses Vorkommen ist gleichwohl von palaebntologischem Interesse. 
Alle übrige Wirhehhierreste sind wirklich Fossil; die liest, von Ochsen -artigen Thieren der 
vierten Localitiit. Jhanai Ghat, einer Indischen, in 1228 Böhe gefunden, sind möglicherweise 
nur diluvial, die übrigen, wie es Bcheint, ein und desselben tertiären Alters, das durch die 

awart von Mastodon, Dinotherium, Rhinoceroa mit oberen Schneidezähnen und Equus 
primigenius (Hippotherium) genauer bezeichnet wird; sie erinnern dabei an die mittel- 
tertiären Molasse-Gebilde unsere Welttheils, mit denen auch der petrographische Charakter der 

ine, aus denen die Reste in Asien herrühren, wenigstens theilweise unverkennbare Aehnlich- 

(Jnter der Beschäftigung mit diesen Resten hat der fremdartige Eindruck, den zuvor 

Aeien'i fossile Wirbelthier-Fanna nach den darüber vorhandenen Veröffentlichungei aüber 

Europa machte, immer mehr nachgelassen und der Ueberzeugung Raumgegeben, dasa /wischen 

u beiden Welttheilen die vermuthetc autlallend ltos», Verschiedenheit gar nicht besteht. 

Für Dinotherium, welches Genus, meines Wissens, in Asien zuvor nur von der Insel 

Perim und von Attock im Panjab bekannt war, stellt sich eine ausgedehntere Verbreitung 

beraus; indem nach unsere] luseinandersetaung noch fünf Localitäten , bis zu 4000 — 6000 

1 » * — (Kberni Daki Pass) Böhe über dem Meere liegend, hinzuzufügen sind. Falconer wie 

Ansicht zugethan, class alle Proboscidia Indien'a von denen in Europa Bpecifiach 

hieden seyen, unterscheidet dieses Dinotherium unter dem Namen D. (ndicum von dem 

i Europa'a, während die davon vorliegenden Reste i n Abweichungen 

welch« sich bei verschiedenen Individuen von Dinotherium giganteum heraus« 

-teilen, s., .|;,ss em l ml 1 1 » ji i > • r Grund für eine wiche Trennung eigentlich Dicht bestellt. Ein 



— 39 - 

Blick in die lebende Schöpfung wird genügen , um sich zu überzeugen , mit wie wenig 
Gewissheit sich aus dem Vorkommen in grossen gegenseitigen Entfernungen und mit Ge- 
schöpfen ganz verschiedener Art auf Species- Verschiedenheit schliessen lasse. 

Sehr verbreitet und zahlreich ist Mastodon auch in Asien. Es unterliegt keinem 
Zweifel, dass dort mehrere von den Europäischen verschiedene Species angetroffen werden. 
ZU denen Mastodon Perimensis gehört; was indess nicht ausschliesst , dass sich auch Zähne 
darunter vorfinden , welche , wie wir gesehen haben , von den in Europa unter Mastodon 
angustidens begriffenen nicht zu unterscheiden sind. 

Aehnliches gilt für Khinoceros , wovon selbst obere Schneidezähne sich finden , die 
auffallend an die Europäischen Species Rh. Schleiermacheri und Rh. incisivus erinnern. 

Eine andere auffallende Aehnlichkeit zwischen dem tertiären Europa und dem tertiären 
Asien besteht in dem Vorkommen von Equus primigenius ; die Zähne aus Indien und dem 
Himalaya sind von denen der Europäischen Species nicht mehr verschieden, als die Zähne 
zwischen den Individuen letzterer Species unter einander. 

Hiezu kommt noch die aus der Fauna antiqua Sivalensis ersichtliche Gegenwart von 
Chalicotherium, sowie von Formen fossiler Schweins-artigen Thiere in Asien, die ebenso lebhaft 
an Eppelsheim erinnern. 

Selbst der exclusive Charakter , welchen die Genera Sivatherium und Bramatherium 
der fossilen Fauna Indien's verleihen , würde verschwinden , wenn es sich bestätigen sollte, 
dass der in Indien gefundene, einem weiblichen Sivatherium giganteum beigelegte Schädel 
dem zu Pikermi in Griechenland vorkommenden Helladotherium Duvernoyi (Gaudry, aniinaux 
foss. de lAttique, p. Ü60) angehört, zu welcher Ansicht selbst Falconer hinneigt Weniger 
Wahrscheinlichkeit besteht dafür, dass auch die Kieferreste des Indischen Bramatherium 
Perimense zu Helladotherium gehören, an das sie ebenfalls erinnern. 

Sivatherium und Bramatherium werden den Camelopardaliden beigezählt, und es 
werden ausserdem für Indien zwei Species Camelopardalis angenommen. Dieses Genus war 
bisher für Europa zweifelhaft. Agassiz ;:nd Duvernoy glaubten ihm einen in der Tertiär- 
formation zu la Cbaux-de-fonds in der Schweiz gefundenen Zahn beilegen zu können, der 
aber von meinem Pachydermen- Genus Listriodon (L. splendens Meyer) herrührt. Sonst 
kannte man nur noch den unter Camelopardalis Biturigum Duvernoy begriffenen , von der 
lebenden Giraffe kaum zu unterscheidenden Unterkiefer , der in dem Schuttboden eines alten 
Brunnens zu Issoudun im Französischen Indre - Departement mit Artefacten gefunden wurde, 
und daher von sehr ungewissem Alter ist. In der Ablagerung von Pikermi sind jedoch 
fossile Reste gefunden worden , welche gestatten, zu den fossilen Thieren Europa's jetzt auch 
die Giraffe zu zählen. 



— 40 - 

Zwischen den fossilen Allen Indien.» und denen Etaropa'e besteht in so fern Verwandt- 
schaft, als sie den lebenden der alten Welt' entsprechen, gleichwie die fossilen Affen 
Amerika'fl den lebenden der neuen Welt. 

lud wenn die Ablagerangen der Sivalik - Hügel , des Irawadi in Ava und der Insel 

, eine Colossochelyfl Atlas oder Sivalenais von 18 Fuss Länge enthalten, so hat die 

llolaase von Ober-Kirchberg für Deutschland eine Macrochelv» mira (Jahrb. f. Mineral., 1858. 

S 296) geliefert, welche, wenn auch nur ungefähr halb so gros-, sich gleichwohl, zumal 

in Betracht zur Grösse des Welttheils, eignet, der Asiatischen Riesen -Schildkröte gegenüber 

llt zu werden. 



Zu 

Chelydra Decheni 

aus der Braunkohle des Siebengebirges. 

Von 

Hermann von Meyer. 
Taf. IX. 

Die fossile Chelydra Decheni errichtete ich zuerst nach einem aus der tertiären Braun- 
kohle des Siebengebirges herrührenden , ausgebildeten Exemplar (Palaeontogr. , II. S. 242. 
t. 28), worauf ich Gelegenheit erhielt, den frühen Zustand dieser Schildkröte kennen zu 
lernen (Palaeontogr., IV. S. 56. t. 9. f. 4. 5). Beide Versteinerungen stammen aus der Grube 
„Krautgarten" bei Rott im Siebengebirge. Es fand sich nun noch ein drittes, sehr 
vollständiges Exemplar, das in Grösse genau das Mittel zwischen den beiden zuvor bekannt 
gewesenen hält, was mich bestimmen musste, es ebenfalls zu veröffentlichen. Unterlag auch 
schon gleich bei Auffindung des ersten Exemplars die Selbstständigkeit der Species keinem 
Zweifel, so wird es doch, namentlich bei einer fossilen Species, erwünscht seyn, dieselbe durch 
drei verschiedene Grössen oder Alterszustände fester begründet zu sehen. Dieses dritte 
Exemplar rührt aus derselben Braunkohle, der sogenannten Blätter- oder Paraffin-Kohle, und 
zwar von der Grube „Johanna Fundgrube" bei Rott her. Es sind beide sich einander gut 
ergänzende Gegenplatten erhalten, von denen die eine Taf. IX. Fig. 1, welche die Schildkröte 
auf dem Rücken liegend darstellt, dem Herrn Dr. Krantz, die andere Fig. 2 das Thier mehr 
von der Innen- und Unterseite in aufgebrochenem Zustande zeigend, der Sammlung des 
naturhistorischen Vereins von Rheinland und Westphalen gehört; erstere wurde mir von 
ihrem Besitzer, letztere von dem Herrn wirklichen Geheimerath Dr. von Dechen gütigst mitgetheilt. 

Palaeontosrr., Banil XV, 1. Ct 



— 4t — 

Schildkröte kam zwar vollständig, aber offenbar erst einige Zeil nach dem 
Absterben sur Ablagerung, wie daraus erkannt wird, daas an einigen Stellen die Skelettheile 
sieli getrennt und verschoben darstellen. 1 Kr Kopf, die rechte Gliedmaasse und derRticken- 
panser haben am wenigsten gelitten; an letzterem ist. die eine hintere Randhälfte erst neuer- 
lich rochen, welche sich aber roh Hülfe der Gegenplatte ergänzen lässl 

Wir beginnen die Darlegung am besten mit dem Rückenpanzer. Er ist plattgedrückt, 

demungeachtel kaum verändert, wonach der Rücken der Schildkröte nicht stai ilbt 

, konnte. l>i' Breite ergiebt gegenwärtig 0,07!t und fällt in die ungefähre M 

der I. . für die man 0,086 erhält Die Form ist bei der ungefähr gleichen Breite, welche 

beide Haltten besitzen, nicht sowohl rundlich oval als vielmehr elliptisch, dabei vorn 

oneav abgestumpft Zwischen Länge und Breit* des Rückenpanzers i-r auch bei 

n Exemplar wenig Unterschied, und wenn das ganz kleine sich etwas breiter als 

i darstellt, s<> rührt dies offenbar von Verschiebung her. 

Die Verknöcherung der Randplatten war so weil vorgeschritten, da— -!• den Rücken- 
panzer mit einem geschlossenen Kranz umgaben. Dagegen Bind die zwischen den Rand- und 
Rippenplatten bestehenden knochenlosen Räume, die Jugend des Thieres verrathend, noch 
\ uii Belang, indem sie di<- Hälfte der von der .Mittellinie des Panzers bis zu den Randplatten 
Sl ■ ke einnehmen. 
Der vordere und hintere unpaarige Theil, bo wie die acht Rippenplatten auf jeder 
te mit ihren Rippenfortsätzen und elf Randplatten bieten keine auffallende Abweichungen 
von den früher veröffentlichten Exemplaren dar. 

I >' i vordere unpaarige Theil oder die Nackenplatte war breiter al< lang, seitlich j 

d einen sich t: t ~t I . J — zur Grenze zwischen der zweiten und dritten Randplatte ausdehnenden 

/ aus. Die erste bis vierte Wirbelplatte sind fast gleich lang; die erste, mein- oval 

• rundet länglich viereckig, grifl vorn in die Nackenplatte ein. Die folgenden Wirbel- 

platt rbreiterten sich vorn nur wenig, ihre vorderen Ecken waren kurz abgestumpft zur 

(nähme der auf gleiche Weise abgestumpften hinteren Ecken der Vorsitzenden Rippenplatten 

Di< fünfte bis achte Wirbelplatte sind kürzer, neigen aber auch zum Sechseckigen hin. Der 

hintere unpaarige Theil scheint aus drei hinter einander folgenden Stücken bestanden ra 

haben, von denen das Randstück vollständig überliefert ist. Während dieses in dem grossen 

Exemplar niedriger i-t ala die benachbarten Randplatten, besitzt es hier deren Höhe, woraus 

»ich -'-in Wacbsthum, wenigstens in einem gewissen Alter, langsamer vor sich 

ab da- i Ratten. Das Mittelstuck ähnelt sehr dem im grösseren Exemplar 

II • 29), indem i d gerundete ^.ussenseiten zeigt und breiter ist als 

hinten; in den emplar wird es von den benachbarten Randplatten auf die Hallte 

I berührt, hier, wo die Randplatten noch nicht ausgewachsen sind, findet eine 



— 43 - 

Berührung gar nicht statt. Die Form des vorderen Stückes dieses unpaarigen Theils Hess 
sich nicht ermitteln. 

Der Rand in der hinteren Gegend des Kückenpanzers ist auf dieselbe Weise wie in 
Chelydra Decheni beschaffen , bei der fossilen Ch. Murchisoni ist er tiefer und runder ein- 
gebuchtet, bei der lebenden Ch. Serpentina noch flacher als in Ch. Decheni, wie aus der 
Zusammenstellung ersichtlich ist, die ich (Palaeontogr., II. t. 30) von den Panzern dieser drei 
Species gegeben habe. Der Einschnitt beginnt sehr schwach mit der neunten Platte und 
nimmt bis zum Kandstiick des unpaarigen Theils zu, der daher auch am tiefsten eingeschnitten 
sich darstellt. 

Auf diesen hinteren Randplatten lassen sich noch die Grenzeindrücke zwischen den 
Randschuppen erkennen, deutlicher fast lassen sich, ungeachtet der Schild nicht oben entblösst 
ist, sondern aufgebrochen mit der Oberseite dem Gestein aufliegt, die Grenzeindrücke zwischen 
den Rücken- und Seitenscliuppen verfolgen, welche denen in Chelydra Decheni schon dadurch 
entsprechen , dass sie keine so breite Rinnen wie in Ch. Murchisoni darstellen , und dass die 
durch sie begrenzten Rückenschuppen im Jüngern wie im grösseren Exemplar schmaler sind 
als das mittlere Drittel der Panzerbreite, das sie in Ch. Murchisoni und der lebenden Species 
einnehmen (Palaeontogr., II. t. 30). Es finden sich auch Andeutungen von den Grenz- 
eindrücken zwischen den Seitenscliuppen, weniger deutlich zwischen den Rückenschuppen voi ; 
in beiden Fällen kommen sie auf dieselben Platten wie in Ch. Decheni zu liegen. 

Von dem Bauchpauzer sind besonders die Platten der -rechten Hälfte in ihrem 
Zusammenhang gelöst und verschoben. Dieser Panzer stimmt mit Ch. Decheni namentlich 
auch in der stärkeren Ausbuchtung der zweiten und dritten Platte an der Aussenseite 
(Palaeontogr., II. t. 30) überein. Die unpaarige Platte war nicht zu unterscheiden und vom eisten 
Plattenpaar kaum eine Spur zu sehen ; dagegen liegt das zweite und dritte Paar deutlich vor, 
das recht in die vordere Hälfte des Rückenpanzers geschoben , wobei die dritte Platte um- 
geschlagen wurde, wie daraus erkannt wird, dass von beiden Platten die concave Seite nach 
vorn gerichtet ist. Die eine dieser Platten , wie es scheint die zweite , kam durch Ver- 
schiebung fast ganz über den vom Rückenpanzer umschriebenen Raum hinaus zu liegen. Die 
geradlinige Berührung beider Platten geschieht auf eine Länge von 0,018. Von den Platten 
des vierten Paars scheint die linke noch mit der dritten Platte verbunden. 

Beim Spalten der Kohle wurden die Schädelknochen aufgebrochen. Auf der Platte Fig. 1 
liegt der Schädel mit der oberen Seite dein Gestein auf. Das hinterwärts zu einem Furtsatze 
des Hinterhauptskamnis sich verlängernde Scheitelbein , davor das Hauptstirnbein , an den 
Seiten beider Knochen das Hinterstirnbein und aussen von diesem das Jochbein lassen sich 
im Abdruck verfolgen, auch die Naht zwischen Hinterstirnbein und Schläfenbein. Der Abdruck 
der vorderen Schädelgegend ist weniger deutlich, doch sind die Augenhöhlen begrenzt. In 
der hinteren Schädelgegend erkennt man Andeutungen vom Zungenbein und aussen vom 

6* 



— 44 — 

Ziuenbein. Aul der Platte Fig. 2 lenkt der Unterkiefer noch in den Schädel ein. Die 
Gaumenseite des Schädels ist zu sehr zerdrückt und aufgebrochen, als dass ihre Zusammen- 
u erkennen wäre. Der Kopl scheint vorn etwas stumpfer als in der lebenden 
Chelydra zu seyn, was zum Tlicil dem Druck, "dem er unterlag, beizumessen seyn 
wird. An dem kleinern Exemplar der Chelydra Decheni ist der Kopf nicht überliefert, das 
- rc enthalt davon mir wenig und Beibat dieses Wenige zu vollständig, um eine Ver* 
gleichung damit anstellen zu können. In Ch. Murehisoni scheint der Kopf spitzer gestaltet. 
Von den Wirbeln werden nur Schwanzwirbel erkannt. Innerhalb des vom Rücken- 
panzer eingenommenen Raumes bemerkt man vier zwischen den Darmbeinen liegende Wirbel, 
die ersten Schwanzwirbel seyn werden. Sie nehmen zusammen 0,011 Länge ein, die 
hintere Gelenkfläche war convex, die vordere coneav. Schräg nach rechts Betzt ausserhalb 
• i:. Panzer umschriebenen Raumes der Schwanz fort; er i>t zwar nicht vollständig 
überliefert, doch genügt das was vorliegt, um sich zu überzeugen, dass er der Species 
Chelydra Decheni entspricht (Palaeontogr. , II. t. 28. 29). In der Nähe des Panzerrandes 
en die Wirbel 0,025 Länge und etwa- mehr Höhe, ihre Gelenkflächen sind vorn 
convex, hinten coneav, und zwischen je zwei Wirbeln tritt ein kurzer, stumpfer unterer 
Bogen auf. 

Die linke Schulter mit der dazugehörigen Giiedmaaase unterlag nur geringer Störung. 
Schulterblatt beschreibt mit seiner Grätenecke (Acromion) einen sehr offenen stumpfen 

Winkel, worin Aehnlichkeit mit dem kleinen Exemplar derselben Species (Patau togr. , IV. 

t. 19) besteht, vom grösseren ist dieser Winkel nicht Eiberlieferl und in Chelydra Murchisoni 
kommt er auf einen Rechten heran-. Der nach vorn gerichtete Theil wird das Schulterblatt 
seyn »chmal leistenf örmiger , am Ende kaum breiter werdenden Gestalt; der hintere 

Knochen liegt mit seinem Endtheil mit <lei zweiten Bauchpanzerplatte auf eine Weise zusammen, 
sich das Längenverhältniss zwischen Schulterblatt und Acromion nicht beurtheilen lässt. 
I >• r quei über diesei Schulter befindliche Knochen ist offenbar das Bakenschlüsselbein 
in natürliche: Lag ui Pfanne, zu deren Bildung es beitrug; eine festere Verwachsung mit 
dem von dem Schulterblatt ausgehenden Pfannenantheil war noch nicht eingetreten. Das 

\»i hliisselbein besuss die ungefähre Länge des Schulterblatts und war am freien I 
theil ungefähr noch einmal -o breit (0,003) als an dei schmälsten Stelle, daher nicht stark 
di< Verbreiterung in Ch. Murchisoni (Palaeontogr., II. t. :.'") ist stärker, doch 
as damil verglichene Exemplar etwas aller, wovon vielleicht diese Verschiedenheit her- 
rührt. I' ilterblatl und Acromion der anderen Seite ist in ähnlicher Lag durch die 
1 |i nkpfani deutet. 

I >• Oberarm ist ausgelenkt, befindet sich aber noch in der Nahe der Gelenkpfanne 

man erhält 0,016 Länge, am unteren Ende 0, '■•'> Breite, in 



— 45 — 

der schwächsten Gegend halb so viel , das theilweise von der zweiten Bauchpanzerplatte 
verdeckte obere Ende gestattet keine Ausmessung. 

Der Oberarm der anderen Seite wird der mit der siebenten rechten Randplatte unter 
Bildung eines Andreas-Kreuzes zusammenliegende Knochen seyn ; Grösse und Stärke stimmen, 
die darüber und darunter liegenden Fingerglieder, so wie ein darüber weiter innen liegender 
Knochen, der dem Vorarm angehören könnte, bestärken in dieser Vermuthung; auch ist 
sonst kein Knochen vorhanden , der diesem Oberarm beizulegen wäre. Der Knochen nimmt 
auf der Platte Fig. 2 eine solche Lage ein , dass der Gelenkkopf von dem Gestein auf- 
genommen wurde, dessen Knochenmasse aber bei ihrer mürben Beschaffenheit fast ganz 
herausfiel , weshalb man jetzt nur die der starken Wölbung entsprechende Vertiefung 
erkennt. 

Der linke Vorderarm befindet sich last noch in Berührung mit dem Oberarm. Die 
Länge des stärkeren Knochens, der Ellenbogenröhre (Cubitus) nach Cuvier, ir.isst fast 0,0105, 
an den Enden erhält man etwas über 0,003 und in der Mitte, wo er am schmälsten, 0,002. 
Der schmälere Knochen oder die Speiche (Radius) scheint etwas kürzer gewesen zu seyn 
bei kaum mehr als 0,002 Breite an den Enden. 

Vorderann und Hand , sowie deren Tlieile hängen noch zusammen. Ohne ihre 
Wurzel ergiebt die Hand die Länge des stärkeren Vorderarmknochens. Sie besteht aus 
fünf Fingern , deren Glieder ohne die Mittelhand, mit dem Daumen beginnend, folgende 
Reihe bilden : 2. 3. 3. 3. 3 , was mit Chelys fimbriata (Matamata) und Trionyx stimmt und 
ein Glied im kleinen Finger weniger ergiebt als Emys und deren Verwandten, die hierin, was 
man kaum glauben sollte , auf die Meer- und Land - Schildkröten herauskommen. An der 
grösseren Chelydra Decheni ist wohl die Hand überliefert , doch auf eine so unvollkommene 
Weise, dass die Zahl der Fingerglieder nicht zu ermitteln war. Von dem kleinsten Exemplar 
liegt die Hand nicht vor. In der grossen Chelydra Murchisoni (vgl. mein Werk : „Fossile 
Säugethiere, Vögel und Reptilien aus dem Molasse-Mergel von Oeningen", 1845. S. 14. t. 12) 
habe ich dieselben Zahlen wie in Ch. Decheni erhalten, an dem kleinen Exemplar der 
Murchisoni war die Gliederzahl nicht zu ermitteln. 

In der grösseren Chelydra Decheni konnte ich sieben Handwurzelknochen unterscheiden 
(Palaeontogr., II. t. 28. S. 245), an der vorliegenden glaubt man acht zu erkennen, in beiden 
Reihen je vier; mit den stärkeren Vorderarmknochen würden drei zusammenliegen, von 
denen zwei sich so nahe berühren , dass sie vielleicht nur ein grösseres Knöchelchen aus- 
machen , wo alsdann die Zahl auch nur sieben betrüge. Mit dem schmaleren Vorderarm- 
knochen liegt theilweise das eine der genannten Knöchelchen und noch ein anderes zusammen, 
an das auch der Daumen einlenkt, der zugleich an ein Knöchelchen zweiter Reihe gestossen 
zu haben scheint. Die Knöchelchen zweiter Reihe, der auch das zuletzt genannte angehört 
haben könnte, vertheilen sich auf die anderen Finger; nur lässt sich nicht mehr erkennen. 



• — 46 — 

wie der fünft« 1 ngei eingelenkt hat, der gegenwärtig zwischen dem dritten und vierten 

rt, was Veranlassung geben könnte zu glauben, die Hand bestfinde nur aus vier Fingern. 

Weniger deutlich auf der Hatte Flg. '2 als aufFig, 1 ist der kleine Finger in der angegebenen 

. erkennen. 

Die Hand war kmv. und breit. Nach dem Daumen ist der kleine Finger der kürzere, 
der längste i-t der dritte, und der vierte war nur wenig länger als der zweite. Sämmtliche 
Finger waren mit Bpitzen, kaum gekrümmten und auch in Grösse kaum verschiedenen 
i versehen. 

Von den Mittelhandknochen zeichnet sich der des Daumens dadurch aus, dass er 

etwas kiir/.er und an dem oberen linde, mit dem er in die Handwurzel einlenkte, etwas 

ker war. besonders aber dadurch, dass er Bich gegen letzteres Ende hin verbreiterte. 

Die beiden Daumenglieder sind kaum kurzer und das Nagelglied nicht starker als in den 

anderen Fingern. 

Die Mittelhandknochen d^v beiden mittleren Finger messen je 0,003 Lange, die des 
zweiten und fünften Fingers unbedeutend weniger. Von den Fingergliedern ist das ei 
unmerklich kürzer als das folgende und das Nagelglied nur unbedeutend länger als das Glied, 
woran es ritzt In dem älteren Exemplar (Palaeontogr. , II. t. 28) stellen sich die Nagel- 
glieder verhältnis8m twas länger dar. 

Das Becken bat wenig Störung erlitten. Die Darmbeine sind Btark leistenförmig und 

m 0,014 1. Mir dem rechten Darmbein liegt, nach dem Abdruck zu urtheilen, ein 

mehr beilförmigei Knochen auf eine Weise zusammen, dass man ihn für «las Sitzbein halten 

möchte. E I jedoch auch ein nach dem Abdruck ebenfalls beilförmig ausgebreiteter 

Knochen mehr nach innen gerichtet an das Pfannenende des Darmbeins, der fast eher das 

D könnte, wo alsdann der nach vorn gerichtete Knochen das Schambein w;ire. 

In der rechten Hälfte des Panzers der Schildkröte (Fig. 2 vom Becken links) erkennt 

man den Abdruck eines besonders aufwärts Bich vorschmälernden Knochens von 0,012 Län 

der unbezweifelt den Bchmäleren Unterschenkelknochen oder das Wadenbein (Fibula) darstellt, 

an dem breiteren Ende erhalt mau <).<»<> i.»r» . Dieser Knochen beschreibt mit einem aussen 

enen, unbezweifelt dem Schienbein (Tibia), einen Behr Bpitzen Winkel-, letzterer 

Knochen ergiel tärksten, oberen Ende 0,0035, in der Mim u<> er am Bchmälsten kaum 

0,002. Gegen die Deutung dii den Knochen wird umsoweniger etwas zu erinnern Beyn, als 

in und I. hältnisa den [Jnterschenkelknochen im grösseren Exemplar von Chelydra 

l 1 eni entsprechen. Zum 1 eberflussi Knochen an den etwas zerfallenen, mehr 

ii innen gerichteten Fuss, der keim' weiten Auseinandersetzung zulässt, und woran man nur 

erkennen kann. <l. fünfzehig war; eim rheile wann etwas Btärker als die der Hand. 

[ffkllende Verschiedenheit der beiden [Interschenkelknochen in Stärke von Chelydra 

Murchisoni wird durch diesi Exemplar bestätigt. 



- 47 — 

Mit dem nach vorn gerichteten, oberen Ende des dünneren Unterschenkelknochen* 
liegt unter Bildung eines .spitzen Winkels ein stärkerer Knochen hinterwärts gerichtet, und 
mit dem anderen Ende die Gegend der Beckenpfanne treffend , zusammen , der zwar jetzt 
nur noch in einem unvollständigen Abdruck besteht, aber unbestreitbar der zu dieser Glied- 
maasse gehörige Oberschenkel seyn wird; er ist, was seyn muss , ein wenig länger als der 
Oberarm, indem er 0,0175 ergiebt , und war überhaupt etwas schlanker als letzterer. Für 
die Breite des mit dem Unterschenkel zusammenliegenden Endes erhält man 0,0045 , am 
entgegengesetzten Ende war die Breite nicht zu ermitteln. Von der Gliedmaasse der anderen 
Seite lässt sich nichts verfolgen. 

Bei der Jugend des Thieres erkennt man noch deutlich das Gefüge der Knochen. 
Die Ossifications-Centra der einzelnen Platten lassen sich gut verfolgen. Man überzeugt sich 
auch , dass der Rückenpanzer schwache Erhöhungen , mehr oder weniger den Felder der 
Schuppen entsprechend , besass. Einzelne schwärzere Flecken innerhalb des vom Panzer 
eingenommenen Raumes werden Theile von Schuppen verrathen , über die sich keine weitere 
Angaben machen lassen. 

Gebilde und Beschaffenheit der Knochen entsprechen der Rheinischen Braunkohle. 



Homoeosaurus Maximiliani 

aus dem 

lithographischen Schiefer von Kelheim. 

Von 

Hermann von .VI e y e r. 
Taf. X. 



Zuerst in einer von mir im Jahr 1847 herausgegebenen Schrift, betitelt: ..Homoeosaurus 
Maximilian! und Eharnphorhychus (Pterodactylus) longicaudus" etc. (S. 3. t. 1), und hierauf 
in meinem grössern Werke: „die Reptilien aus dem lithographischen Schiefer in Deutschland 
und Frankreich" (S. 101. t. 11. f. 4) habe ich aus dem Jurasischen lithographischen Schiefer 
in Bayern eine den lebenden Lacerten täuschend ähnliche, aber gleichwohl typisch von ihnen 
verschiedene kleine Gattung von Lacerten beschrieben, welche später mit der Sammlung des 
Herzogs Maximilian von Leuchtenberg zu Eichstett, aus der sie mir mitgetheilt worden war, 
in die paläontologische Sammlung des Staats zu München übergegangen ist; ein /.weites 
Exemplar derselben Species, welches ich von Herrn Dr. Oberndorfer aus dein lithographischen 
Schiefer von Kelheim mitgetheilt erhielt, ist von mir in dem zuletzt genannten grössern Werke 
(S. 102. t. 11. f. 1—3) ebenfalls ausführlich dargelegt; und ein drittes, auch zu Kelheim 
gefundenes Exemplar wurde mir im Januar 18G5 von Herrn Dr. Oberndorfer zur Untersuchung 
anvertraut. Da dem Vernehmen nach die Sammlung des Dr. Oberndorfer für die paliionto- 
logisehe Sammlung des Staats angekauft worden ist, so ist zu vennuthen, dass nunmehr die 
drei Exemplare, welche man von Homoeosaurus Maximilian] kennt, in Letzterer Sammlung zu 
München vereinigt sind. 

PaUeontogr., Band XV, •.'. 7 



50 — 

Bei Geschöpfen von solcher Wichtigkeil wie das vorliegende wird die Darlegung 
molare so lange erwünachl kommen, als sie zu neuen Aufschlüssen führt. Es 
i-t dies wieder bei dem zutatst aufgefundenen Ex< miliar von Homoeosaurus Maximilian] der 
Fall, das ichTaf. X in natürlicher Grösse abgebildet habe. Mit dem Bauch auf dem Gesteine 
hegend, ist das Thier von der Rückenseite entblüsst. Es zeichnet sich durch Vollständigkeit 
aas; nur das Endtheil vom Schwanz und e 1 nige mittlere Rückenwirbel Bind weggebrochen 
und zwar erst in neuester Zeit . su dass o- keinem Zweifel unterliegt . dass das Skelet 
in vollständigem Zustand vom Gestein aufgenommen wurde. Die Skelettheile behaupten 
noch ihren natürlichen Zusammenhang, nur die Gliedmaassen hängen schlaff am Etumpi 
und verrathen dadurch, dass das Thier todt vom Gestein umschlossen wurde: zugleich geben 
aber auch der gute Zusammenhang des Knochenskelets und die Uebcrlieferung von knorpeligen 
Theilen zu erkennen, dass es bei seiner Umhüllung noch nicht stark in Faulniss überge- 
_n war. 

In der Lage, welche das Thier einnimmt, besteht auffallende Aelmlichkeit mit dein 
vormals Leuchtenberg'schen Exemplar, in der Münchener Sammlung (Reptilien aus dem litho- 
graphischen Schiefer etc., t. 11. f. 4), das ebenfalls eine Bauchlage zeigt, nur ist sein 
Kopf in demselben gerade nach rechts statt nach links gewendet, die rechte vordere Glied- 
maaSBO hängt statt der linken gerader am Körper herab und die linke ist mehr nach auSSi D 
lie Theili der hinteren Gliedmaassen beschreiben unter einander in beiden Exem- 
plaren ahnliche Winkel, so dass man wirklich versucht werden könnte, die beiden Verstei- 
nerungen für Gegenplatten eines und desselben Thiers zu halten, nähmen nicht beide die 
Bau ein, und waren nicht die Skelete in Grösse etwas verschieden. 

D Gegenplatte scheint nicht vorhanden, sie würde werthlos se\n. da heim Spalten 

ut wie alle Theile vom Thier auf vorliegende Platte gekommen sind, und 

PI ilnil- erst durch mich vom überdeckenden Gesteine gereinigt wurden. 

l>i. tiberlieferte Länge misst 0,151. Wenn man annimmt, dass vom Schwänze, wie 

es scheint, nicht mehr als die Hälfte vorliegt, so ergiebt sieh für die ganz« Länge des Thiers 

nicht unter 0,307. Davon misst der birnförmige oder schwach gerundete gleiohschenkelig 

dreieckige Kopf 0,0235 I bei 0,0185 grüsstcr l'.reite und 0,01t! l'-asalbreite. Der 

aauern Ermittelung der Zusammensetzung des Kopfes trenn die Veränderungen störend 

!i. welche derselbe durch Druck erlitten: er Ist offenbar jetzt etwas platter, als er 

uiapiüngüch war. wobei die Knochen weniger in ihrer Lage gestört als EerstUckelt wurden 
und aufbrachen. Bei Anfsnchung der Grenzen der einzelnen Kopfknochen stören auch noch 

die Ausscheidungen von spMthigem Kalk.-. 

An dem vordem Ende der Schnautze gelang es mir, eine paarige Naseniiffnung zu 

entblöasen, welche an Bomoeoeaurus macrodaetylus aus demselben Schiefer (a. a. (>. t. 11, 

Di( beiden Löcher sind schmal oval, je 0,045 lang und wenig mehr als 



& 



— 51 - 

0,001 breit. Nach der linken Hälfte des Schädels sollte man eine etwas in die hintere 
Hälfte sich erstreckende ovale Augenhöhle von 0,0075 Länge und 0,004 Breite oder Höhe 
vermuthen, was ebenfalls auf Homoeosaurus tnacrodactylus herauskäme, dessen Augenhöhlen 
aber ungeachtet des länglicheren Schädels eine rundlichere Form besitzen würden. Zwischen 
Augenhöhle und Nasenloch scheint eine geringere Trennung bestanden zu haben , als in 
letzterer Species, wogegen die Trennung zwischen Augenhöhle und der dahinter folgenden 
Schläfengrube beträchtlicher war ; dabei würde , nach der linken Schädelhälfte zu urtheilen, 
in H. Maximilian! die Schläfengrube queroval, in H. macrodaetylus längsoval nach oben 
münden und von vorn nach hinten 0,0025, von aussen nach innen 0,0035 messen. 

Man glaubt ein deutliches, gleichseitig dreieckiges Scheitelloch, dessen nach vorn 
gerichtete Spitze nur wenig in die Zone des hinteren Augenhöhlenwinkels hineinragt, zu 
erkennen ; ich habe wenigstens ein solches Loch bei der von mir selbst vorgenommenen 
Entblössung tief in den Schädel hinein verfolgt, und kann dasselbe nicht wohl für eine Be- 
schädigung halten, theils aus dem Grunde nicht, weil seine Ränder sich gerundet und aufge- 
worfen darstellen, theils aber auch desshalb nicht, weil es symmetrisch geformt ist und in 
einer Gegend liegt, wo gewisse lebende Lacerten wirklich ein Scheitelloch darbieten. Nur 
ist es auffallend, dass ich an dem Schädel von Homoeosaurus macrodaetylus (a. a. O. t. 11. 
f. 5) , ungeachtet an ihm die betreffende Gegend besser erhalten ist , nichts von einem 
solchen Loche wahrnehmen konnte , wohl aber die Grenze zwischen Hauptstirnbein und 
Scheitelbein, welche ich in dem Schädel vorliegenden Thieres zu ermitteln ausser Stande war. 
Es wäre daher denkbar , dass diese Stelle der hinteren Nasenöffnung angehörte , was indess 
sicherer nachgewiesen werden müsste. 

Der in der linken Augenhöhle liegende Knochen kann nicht wohl das Thränenbein 
seyn, das in der Gegend des vorderen Augenhöhlenwinkels auftreten müsste ; eher sollte man 
ihn für das in gewissen Lacerten, wie in Monitor etc., sich darstellende Oberaugenhöhlenbein 
halten , das freilich auch weiter vorn liegt , dem er aber in Form besser entspricht. Für 
eine Abtrennung vom Jochbein liegt der Knochen schon zu weit vorn. 

Das Hauptstirnbein scheint unpaarig und eine in die ungefähre Mitte der Augenhöhlen 
fallende geringste Breite von 0,003 besessen zu haben. Ueber die Zusammensetzung der 
hinteren Schädelhälfte war nichts zu ermitteln. 

Der Unterkiefer ward mit dem Kopfe zusammengedrückt. Von den Zähnen wird 
nirgends eine Spur wahrgenommen. 

Durch dieses Exemplar gewinnt die Vermuthung an Wahrscheinlichkeit, dass Homoeo- 
saurus vier Halswirbel besessen habe , von denen der erste unmerklich kürzer war als die 
übrigen. Der zweite Halswirbel ist unvollständig überliefert. Der erste Wirbel ist 0,0045 
breit und 0,003 lang; die folgenden waren jedenfalls breiter als lang. 

Die Lücke in der Reihe der Rückenwirbel wird von sechs Wirbeln ausgefüllt gewesen 



am 



9 



seyn; es bestanden alsdann 19 Rückenwirbel, denen bei dem Mangel an Lendenwirbeln - 
Becken wirbeln folgten, was die andern frühem Oberndorfer'schen Exemplar gefundene Zahl 23 
für die Wirbel bis /uu. Becken bestätigt. Mit den deutlich entwickelten Gelenkfortsätzen 
11 die Rückenwirbel 0,005 Breite, «li< Länge beträgt nicht ganz so viel, die vorderen 
Rückenwirbel wann ein wenig kürzer. Ueber die BeschafFenheil der Gelenkflächen am Wirbel« 
- d sich ki-iiH- Beobachtungen anstellen. Der obere Stachelfortsatz bestand bei 
sämmtlichen W irbeln in einer überaus geringen Erhöhung. 

!'• Rückenrippen waren einköpfig; ausser ihnen wann noch Brust-, Bauch- und seit- 
lich« Rippen vorhanden, von denen einige knorpeliger Natur waren, was an ihrem enge and 
ten Aussehen, eine Folge vom Zusammenziehen oder Einschrumpfen des Knorpels, 
erkannt wird 

Die Leiden Beckcnwirhcl waren nicht durch Verwachsung in ihren Körpern V< 
schmolzen, auch waren sie nicht grösser als <lie davorsitzenden , wohl aber, besonders der 
zweite, mit aufhallend stärkeren, platten Querförtsätzen zur Aufnahme des Darmbeins versehen. 
Der /weite Beckenwirbel erinnert in diesen Theilcii an den Kreuzwirbel gewisser Frösche. 
Sein linker Querfortsatz breitet .-ich einfach nach aussen au>. wo er von vorn nach hinten 
t, fast mehr als ein und eine halbe Wirbellänge. Der rechte Querfortaatz i-t 
/.war auf ähnliche Weise verbreitert, dabei aber durch einen Einschnitt in der hintern G< 
etwas gegabelt, an den rechten Querfortsatz des früher gefundenen Oberndorfer'schen Exemplars 
erinnernd (a. a. <>. t. 11. t. 1 1. Die» ungleiche Bildung der beiden Querfortsätze an 
einem und demselben Wirbel zeigt, dass auf solche Abweichung eigentlich kein Gewicht 

st. I Ix it 1 hat in seinem Aufsatze , Ueber Wirbelassimilation bei Amphibien" (Sitzungsb 
d Akad. \N" i --. in Wim. math. naiurw. ('1.. XI. IX. i. Ahth. L864. S. 264. t.) no.h auffal- 
lenden Abweichungen in der Beckengegend nachgewiesen. An unserem Homoeosauru 
der Querfortsatz des ersten Beckenwirbels weniger ausgebreitet und gegen den Körper hin 
stärker eingezogen, wodurch mit dem zweiten Beckenwirbel ein kleines Kreuzbeinloch be- 
schrieben wird. 

Die Überlieferte vordere Streckt' des Schwanzes umfasst L 6 Wirbel, von denen der erste 
0,0025 I 35 Breil bt und daher nicht ganz so lang war als die Rücken- 

wirbel, deren Länge wohl die der folgenden Schwanewirbel einhalten, wofür sie sich aber auf 
fallend schmäler oder schlanker darstellen Die vorderen 15 Schwanzwirbel nehmen 0,053 

e ebenfalls von oben entblösst dar und besitzen gut entwickelt) Gelenk- 
während die Stachelfortsätze womöglich noch schwächer angedeutet sind als in den 
• nw irln In. Von den acht vorderen Schwanzwirbeln lassen sich die Querfortsätze \m- 
ind platt dornartig, die vorderen etwas schräg nach aussen und hinten gerichtet 
Dieses Exemplar zeichnet sich durch gute Erhaltung der Beckengegend aus. Bei 
un- den I hii ra von oben liegt das Sitzbein im Gestein verborgen, und kann 



- 53 - 

daher nicht wahrgenommen werden. Das Darmbein besteht aus einem schmäleren , mehr 
kastenförmigen Knochen von 0,0095 Länge und nicht über 0,002 Breite. Die ßeckenpfänne 
scheint auf die vordere Hälfte dieses Knochens zu kommen, der etwas nach aussen gebogen 
ist, während die hintere Hälfte einen mehr geraden, hinterwärts gerichteten Fortsatz beschreibt, 
welcher mit den Querfortsätzen der beiden Beckenwirbel in Verbindung steht. Das Scham- 
bein liegt vorn innen an dem nach aussen gebogenen Theil des Darmbeins mit dem mehr 
quadratisch verstärkten, nach vorn einen kurzen Fortsatz abgebenden Ende zusammen, wobei 
es nach innen und unmerklich nach vorn gerichtet ist. Die. Ueberdeckung durch die Wirbel- 
säule verhindert, sich zu überzeugen , wie das innere Ende der Schambeine beschaffen war. 
Nach Homoeosaurus macrodactylus <a. a. O. t. 11. f. 5) berührten sich die beiden Beine 
mit dem etwas ausgebreiteten innern Ende, und waren in der oberen, äusseren Gegend vor 
der Pfanne mit einem kleinen Loche versehen , von dem ich an der neugefundenen Ver- 
steinerung nichts bemerken konnte. Auch würde nach H. macrodactylus das Schambein, an 
den Typus in Lacerte erinnernd, an der Bildung der Beckenpfanne Theil genommen haben. 

Die vorderen Rückenwirbel liegen vom ersten an auf einer Platte spätigen Kalkes, 
der man es ansieht . dass sie knorpeliger Natur war. Es ist dies die rhomboidale Brust- 
knorpelplatte, an der wie in den lebenden Lacerten so auch hier knorpelige Rippen einlenkten, 
wie ich dies schon an dem früheren Oberndorfer'schen Exemplar (a. a. 0. S. 103. t. 11. 
f. 1. 3) nachgewiesen habe; an dem zuletzt gefundenen Exemplar liegt diese Platte mit 
ihrem stumpfen vordem Ende deutlicher vor. Die hintere Fortsetzung dieses Brustknorpels 
ist mit den Wirbeln der betreffenden Gegend weggebrochen , daher seine Form nicht voll- 
ständig zu ermitteln war ; der Seitenrand ist zwischen je zwei Rippen etwas ausgeschnitten. 

Die Gliedmaassen lenken noch an den betreffenden Stellen ein. Das obere Ende des 
Oberarms stösst , wie deutlicher an der rechten Seite erkannt wird , oben an einen 0,006 
langen, nach vorn in einen dünneren Fortsatz ausgehenden Knochen . der das Schulterblatt, 
oder wenigstens dessen knöcherer Theil seyn wird; sonst wird von der Schultervorrichtung 
nichts erkannt. 

Für den Oberarm erhält man 0,019 Länge, an beiden Enden 0,005 Breite und an 
der schmälsten , mittleren Gegend kaum 0,0015 Stärke. Von dem randlichen Loch über 
dem unteren Ende wird wohl deshalb nichts wahrgenommen, weil die Gegend, wo es auftritt, 
beschädigt ist. 

Für den Vorderarm erhält man 0,015 Länge. Die von seinen beiden Knochen etwas 
stärkere Ellenbogenröhre ergiebt mit dem in den Oberarm eingreifenden Fortsatz 0,017 Länge. 
Am linken Knochen der Art wird deutlich erkannt, dass der Ellenbogenfortsatz in einem 
eigenen Knochenstück besteht. Die Enden beider Knochen messen oben wie unten 0,004 ; 
der Knochenkörper an der dünnsten Stelle ergiebt bei der Ellenbogenrölu- 0,0015, bei der 
Speiche nicht über 0,001. 



— 54 - 

Von der Fusswurzcl erkennt man nur, dass sie knöchern und zweireihig war: die 
Grenzen der einzelnen Wurselknöchelchen wann nicht zu verfolgen. 

Dagegen gelang es mir die rechte Hand vollständig zu entblössen, was weniger für 
die linke möglich war, denn Finger sich überdecken und anfingen, den Zusammenhang ihrer 
Glieder einzulassen, wobei die rechte Hand eine solche Drehung erfuhr, da<s der Daumen 
aussen zu liegen kam. Die Zahlen für die Glieder der ein/einen Finger bilden ohne die 
Mittelhand, mit dem Daumen beginnend, folgende, den Lacerten entsprechende Reihe: 
.1.5.3. Her vierte Finger ist der längste, v«»n der Länge des Vorderarmes, den 
Ellenbogenfortsatz abgerechnet; der Daumen ist der kürzeste' Pinger, nur halb bo lang als 
d«r vierte, der dritte etwas kürzer als der vierte und der zweite und fünfte last gleich lang 
oder doch der fünfte kaum kürzer, der dabei mit einem kürzeren, in Länge mehr auf den 
<ic s Daumens herauskommenden Mittelhandknochen versehen ist. Im fünften "der kleinen 
Finger sind Mittelhandknochen und die beiden ersten Glieder tust gleich lang. Die Klatieii- 
glieder sind im Ganzen gering. 

Von den m.ch in das Becken einlenkenden hintern Gliedmaassen ergiebl der nach hinten 
und aussen gerichtete Oberschenkel 0,0235 Länge, an den Enden 0,0035 und in der unteren 
Haltte, wo er am schwächsten, 0,002 Breite; bei seiner Schwäche ist er deutlich gekrümmt. 
Ueber den Gelenkkopf lässl sich keine Angabe machen. 

Mit seinem Oberschenkel beschreibt der rechte Unterschenkel einen etwas stumpfen 
Wink« 1. der linke mehr einen rechten, wahrend die Füsse schlaff hinterwärts gerichtet sind. 
Für den aussen liegenden stärkeren Unterschenkelknochen, das Schienbein, erhält man 0,021 
Fange, am unteren Ende 0,0025 Breite, die am nicht recht zugänglichen oberen kaum weniger 
und in der schwächsten Gegend des Knochens 0,0015 betrug. Der schwächere Unterschenkel- 
knochen, das Wadenbein, war kaum kürzer; er erreichte au den Enden 0,002 Breite, sonst 
kaum die Haltte und war in der oberen Hälfte .schwach gebogen. 

Von dir Fusswurzel wird Behr gut das wie in den lebenden Facerten zu einer \cr- 
ticalen Platte verbundene Knochenpaar erster Reihe erkannt, an welches der Unterschenkel 
t, auch dass kleine Knöchelchen zweiter Reihe war vorhanden, wiewohl die Zahl und 
renzung der übrigen Knöchelchen /weiter Reihe Bich nicht mehr ermitteln lassen. 

In den beiden fünfzehigen Füssen liegt die kürzeste oder sogenannte grosse Zehe jetzt 
n. Die von den Zehengliedern ohne den Mittelfuss gebildete Zahlenreihe i^t. den lebenden 
! rten entsprechend, folgend« : 2.3.4.5.4. Der Fuss ist ohne die Wurzel etwas 
länger als der unter- oder Oberschenkel. Hie längste Zehe ist die vierte, sie misst mehr 
all die doppelte Länge der grossen. Nach ihr kommt in Länge die dritte Zehe, dann die 
fünfte, mit der die /weite ungefähr gleich lang ist. Die tüttelfussknochen und Glieder der 
/ ■■ zeichnen Bich eicht durch Stärke aus. wohl aber der Klittelfussknochen der 
fünften oder kleinen Zeh ; der zugleich mit einer Krümmung .am oberen Ende verseht n 



— 55 - 

Die dritte, vierte und fünfte linke Zehe werden theilweise vom Schwänze bedeckt 
gehalten. Neben dem rechten Unterschenkel, ihm dicht anliegend, bemerkt man einen Körper 
von seiner Länge und 0,003 Breite, welcher ein Coprolith mit unverdauten Knochenresten 
zu seyn scheint, der für Homoeosaurus aber zu stark wäre. 

Die Versteinerung liegt auf der Abnutzungsfläche eines etwas weicheren Schiefers von 
weisslich gelber Farbe. 

Homoeosaurus Maximiliani. H. macrodaetylus. 

T~ " u. mT~ 

Länge des Oberarms 0,015 0,016 0,0iy 0,0145 

„ des Vorderarms ohne Fortsatz . . 0,013 0,0135 0,015 0,011 

„ des Oberschenkels 0,02 0,021 0,0235 0,021 

„ des Unterschenkels 0,0165 0,0195 0,021 0,0185 

In dieser Zusammenstellung der Ausmessungen der langen Gliedmaassen-Knochen bedeutet 
I das vormals Leuchtenbcrgische , II das zuerst gefundene und III das später gefundene 
Oberndorfer'sche Exemplar von Homoeosaurus. 

Es ist hienach auffallend , dass in den Längen dieser Knochen zwischen den drei 
Kxemplaren von Homoeosaurus Maximiliani , namentlich zwischen I und II einer- und III 
andererseits , grössere Abweichungen bestehen als zwischen den beiden ersten Exemplaren 
und dem gleichfalls zu Kehlheim gefundenen H. macrodaetylus. Dabei gehört doch unzweifel- 
haft das dritte, oder das von mir so eben genauer dargelegte Exemplar zu H. Maximiliani. 
Mit diesem Exemplar erweitert sich daher der Kreis der bei dieser Species vorkommenden 
individuellen Abweichungen, indem es zeigt, dass die langen Gliedmaassen-Knochen sich im 
Vergleich zu M. macrodaetylus noch länger darstellen können, als man bisher zu vermuthen 
berechtigt war. Dabei ist der Fuss dieses dritten Homoeosaurus Maximiliani zwar länger als 
in den beiden anderen , aber nicht so lang als im H. macrodaetylus , der auch stärkere 
Klauenglieder besitzt. In den drei Exemplaren ersterer Species ist die Hand ohne Wurzel 
so lang wie der Vorderarm, in H. macrodaetylus länger, selbst noch etwas länger als der 
Oberarm , und der Fuss nur wenig , in H. macrodaetylus auffallend länger als der Unter- 
oder Oberschenkel. Die Zahlen der Glieder in den Fingern und Zehen stimmen in beiden 
Species überein, was sogar mit den lebenden Lacerten der Fall ist. In H. Maximiliani zählt 
man nur 19, in H. macrodaetylus 21 Rückenwirbel, der Schwanz letzterer Species ist stärker, 
der Kopf schlanker und gleichförmiger breit als in H. Maximiliani. Beide Species von Homoe- 
osaurus sind daher als hinreichend begründet zu erachten. 



Die 

Neuropt er a 
des lithographischen Schieters in Bayern. 

Von 

Dr. Med. H. Hagen. 

Pars I : Tarsophlebia, Isophlebia, Stenophlebia, Anax. 
Taf. XI — XIV. 

Ein längerer Aufenthalt in München im Jahr 1861 lehrte mich die reichen Schätze 
kennen , welche die paläontologische Sammlung des Staats daselbst an fossilen Insecten aus 
dem lithographischen Schiefer in Bayern besitzt. Der zuvorkommenden Güte des ver- 
storbenen Prof. A. Wagner verdankte ich die Erlaubniss, diese Versteinerungen studiren zu 
dürfen. Ein vorläufiger Bericht (Palaeontogr., X. S. 96) enthält die Ergebnisse jener Unter- 
suchungen. Den Wunsch, eine umfassende Bearbeitung und Abbildung der Neuroptera des 
lithographischen Schiefers zu liefern, hat Wagners Nachfolger, der inzwischen ebenfalls ver- 
storbene Prof. Oppel auf eine Weise unterstützt, die mich zum höchsten Danke verpflichtet. 
Die von mir zur Bearbeitung als besonders brauchbar bezeichneten Stücke hat er mir 
üütigst übersendet und auf längere Zeit anvertraut. Herr Dr. Krantz in Bonn hat aus seiner 
Sammlung gleichfalls eine beträchtliche Zahl zum Theil sehr schöner Stücke mir zur 
Bearbeitung überwiesen, wofür ich meinen herzlichen Dank ausspreche. 

Das Zeichnen und genaue Beschreiben eines so reichen Materials lieferte Resultate, 
die von den früheren mitunter sehr verschieden sind. Ueber die Schwierigkeiten der Arbeit 
und ihr langsames Vorrücken , das durch Verhältnisse bedingt wurde , die ausser meinem 
Willen lagen , enthalte ich mich weiterer Mittheilungen. Ich habe gearbeitet so sorgfältig, 
als ich es vermochte, und gebe was ich kann. Dass späteres Auffinden noch besserer 
Stücke mannigfache Berichtigungen bringen wird, ist unzweifelhaft. 

PslaeoDtog r., Bond XV , 2. g 



X - 

Es schien wünschenswert!! und vortheilhatt, die sämmtlichen Odonaten durchzuarbeitei . 
und erst dann ihre \ eröffentiichung zu unternehmen. Eine solche Arbeit ist jedoch so 
anfassend und weh einsehend, dass ihre Vollendung doreb mich wenigstens sehr gweifelhafl 
.-•\n würde. Die Schwierigkeit der Arbeit, das Angreifende derselben für die Augen und 
enderweite Verhältnisse haben mir mir mit beträchtlichen Unterbrechungen zuarbeiten erlaubt. 
Ich zk-li< es daher vor, dir Monographien einzelner Gattungen zu geben, und behalte mir, 
Kalls ich das Ende erreiche, den allgemeinen Theil zum Schlosse vor. Gegenwärtig erscheinen 
von Calopteryginen die Gattungen Taraophlebia und Isophlcbia, von Gomphinen die Gattung 
lophlebia, von Aeschninen die Gattung Anas. 

Königsberg, den 30. August lsii.Y 



Tarsophlebia Hagen. 
Taraoruni articulo bnsali longo, seeundo tertioque brevibus. 

Der Kopf ist bei einem Stücke (coli. Kraut/. Nr. 56) gul erhalten; einige andere zeig< n 
• inzelnc Theile; meistens bildet er ein anförmliches kristallinisches Gemenge. 

Dei Kopf ist fast so lang als breit; den grössten Theil desselben bilden die Augen. 
lind fast gleichseitig dreieckig, es ist aber nicht anmöglich, dass ihre Form durch die 
Pressung verändert ist. und dass sie, den Gomphus-Augea ähnlich, halbkugelig vorspringen. 
Zwischen den getrennten Augen ist der die Nebenaugen tragende Scheitel sehr deutlich; er 
ist tti uig. Dach vorn erweitert, etwas breiter als lang, hinten begränzt durch das eine 

scharf Leiste bildende Occiput, vorn durch eine scharfe Nahl von der Stirne getrennt. 
Nebenaugen erfüllen diesen Kaum last ganz; die hinteren sind kreisrund und 
berühren sich und die Augen. Pas vordere ist oval und berührt fast die Stirnlinie ; jederseits 
davon ii« 1..M di m Rande der Augen deuten zwei Sache Eindrücke die Basis der Fühler an, 
doch laset sich über ihn Lunge, Form und Gliederung nichts ermitteln. Hinter dem Occiput 
(iillt derKopi wulstig ab. I ►< r Wuls( isri nur als schmaler Saum am Binterrande der Augen 
richtbar, und gegenüber der Mitte and den beiden Enden des Occiput eingezogen. Hie 

Stirn liegt Doch gani BWischen den Augen (vielleicht nur weil denn \ orderwinkt I durch 
mng zu Mark vortreten), ist quer oblong, DOCh einmal BO breit als lang, vorn leicht aus 

geb u c ht et, die Vorderecken seh,. itutzt; vom Hinterrande aus wird sie durch eine kurze 

vertiefte Kinne getheilt; daneben liegt jedenfalls eine seichte Vertiefung. Vorn Bcheinl die 
Stirn eine icharte Konto n bilden. Der weiter nach vom gelegene trapesförmige Theil des 
Kopfes ist •! com. Line s ohm a l e , ooefa weiter vom liegende Platte bildet die Oberlippe, 

Dach • nein vertieften Punkt in dar Mitte ihrer l'.asis zu urtheilen. Hei einem andern Stück 



- 59 - 

meine ich die Unterlippe zusammen mit den Tastern zu sehen ; sie ist etwa so lang als breit, 
die grösste Breite fast in der Mitte liegend, nach vorn und hinten verschmälert; am Vorder- 
rande sehe ich sehr undeutlich eine beginnende Spaltung zwischen den stumpfen Endlappen ; 
das zweite Glied der Lippentaster würde dann etwa so breit als die halbe Unterlippe seyn, 
und mit seinem gestutzten Ende dieselbe nicht überragen. Der Kopf muss im Verhältniss zum 
Thiere klein genannt werden. Eine Seitenansicht des Kopfes kenne ich bis jetzt nicht. 

Prothorax klein, quer oblong , in der Mitte durch eine Längsleiste getheilt , vorn abge- 
rundet. Thorax verhältnissmässig klein , schmal , etwa halb mal länger als breit ; Rücken 
nach, leicht quer gerieft; die Rückennaht wenig erhaben, vorn und hinten fast unter rechtem 
Winkel gespalten ; an den Seitenflächen ist die zweite Naht sichtbar. 

Beine auffällig lang und dünn ; die Hinterfüsse haben fast die halbe Körperlänge und 
reichen bis über die Mitte des fünften Hinterleibsgliedes ; der Ansatzpunkt der Füsse liegt weit 
nach vorn ; die vorderen und mittleren Füsse sind etwas kürzer als die hinteren. Die Schenkel 
sind fast so lang als der übrige Theil des Fusses, an der Basis stark gekrümmt, sonst gerade, 
sehr dünn, wohl kantig; wenigstens sehe ich zwei Längsriefen. Die Schienen haben etwas 
über zwei Drittel der Länge des Schenkels , sind noch dünner , gerade und gerieft. Die 
Tarsen haben etwa zwei Drittel der Länge der Schiene, sind dünn und gerade. Das erste 
Glied ist fast so lang als die beiden andern zusammen ; letztere sind von gleicher Länge. 
Die Klauen sind halb so lang als das letzte Glied des Tarsus, leicht gekrümmt und spitz; 
einen Innenzahn vermag ich nicht nachzuweisen. Die Füsse sind aussen mit einer Reihe 
kurzer, dicht stehender Dornen besetzt. 

Die Flügel reichen beim Männchen fast bis zum Ende des sechsten Hinterleibsgliedes ; 
sie sind lang und schmal, fünfmal so lang als breit. Die Hinterflügel sind bei sonst gleicher 
Form und Bildung im Basaltheil etwas breiter, der Hinterrand mehr gerundet. Diese Ver- 
schiedenheit bedingt einen etwas mehr gekrümmten Lauf der Adern in jenem Theile ; die 
grösste Breite der Flügel ist am Nodus. Der Vorderrand ist fast gerade; der Nodus theilt 
ihn beinahe genau in die Hälfte; der Theil vom Nodus zur Basis ist dreieckig. Der Hinter- 
rand bildet im Vorderflügel fast eine gerade Linie, im Hinterflügel ist er leicht gerundet; 
der Theil vom Nodus zur Spitze ist fast bis zur elliptischen Spitze von gleicher Breite. 
Randfeld schmal, nahe der Basis etwas breiter Pterostigma gross, breit, oblong, etwas mehr 
als einmal so lang als breit, gegen die Spitze sichtlich schmäler, die Seiten schräge, die 
innere das darunter liegende Feld durchsetzend; der untere Aussenwinkel flach gerundet. 
Subcosta und Mediana der Costa nahe und parallel verlaufend. Der Arculus steht etwa 
nach dem ersten Siebentel des Flügels, hat etwas weniger als die Länge der halben Flügel- 
breite, im Hinterflügel weniger, und geht schräge nach unten und aussen zur Submediana. 
Der Sector principalis entspringt mit leicht nach oben gekrümmter Wurzel ziemlich nahe der 
Mediana, und verläuft ihr parallel. Aus ihm entspringt etwas hinter der Mitte zwischen 



60 — 

Arculus uiul N'odus der Seetor inedius und geht gegen den Vorderrand des Flügels leicht 
krümmt zum Hinterrande, fast der Mitte des Fterostigma gegenüber. Aus dem Sect<>r 
inedius entspringt gleich nach leinem Beginn der Sector subnodalis und geht zuerst rast 
ade, dann, leicht gegen den Hinterrand geschwungen, gegenüber der Spitze des Pterostigma 
zum Hinterrande. Der Sector nodalis entspringt vom Nodos, krümmt sieh zuerst stark nach 
unten, verlauft zuerst dem Sector subnodalis genähert, später mehr von ihm entfernt und 
leicht gegen den Hinterrand geschwungen zur Flügelspitze. Der Sector brevis entspringt vom 
S tor principalifl getrennt aus dein Arculns und geht in sehr flachem Bogen, in der Mitte 
[über der Mitte swiachen Nodos und Pterostignia zum Hinterrande. Die 
Sobmediana verläuft zuerst der Mediana parallel, wird aber dann plötzlich im stumpfen 
Winkel nach unten gebrochen, verbindet sieh mit dem untern Ende des Arculus, und geht 
von dort ab als Sector trigonali superior in sehr flach gegen den Hinterrand gekrümmtem 
Bogen, das Ende Esst ganz gerade, kurz vor dem Sector brevis zum Hinterrande ; im unter- 
tiügel macht der Basaltheil des Sector trig. sup. einen kurzen Bogen gegen den Vorderrand 
Durch die Brechnnng der Snbmediana erhalt das Spatium basilarc eine ganz ausserge wohn- 
liche Su'efel-fbrmige Gestalt Das Spatium discoidale zwischen Sector brevis und trigonali 
superior ist in der Mitu verengt '"' Onterflügel durch den erwähnten Basal-Bogen des S< 
trig. sup. kolbig erweitert Die Postcosta verläuft der Submediana parallel und in gleicher 
Art gebrochen, und geht vom Arculus ab als Sector trigonali inferior in stärker gekrümmtem 
Bogen di-in Xodus gegenüber zum Hinterrande. Das Spatium posteostale ist in der Mitte 
Lieht v< im Hinterflügel sichtlich breiter als im Vorderflügel. 

Das Geäder ist ziemlich dicht und besteht aus viereckigen Zellen in einfacher Reihe; 
nur die Spitze und das unten Drittel längs dem Hinterrande besteht aus kleinen fünf- und 
bseckigen Zellen in vielfachen Reihen. Zwischen -Sectoren sehe ich vier, her erste, 
tor internodalis, zwischen Sector prineipahs und oodalis, entspringt dem eisten nahe am 
Rügelrande und geht in Bachern Bogen schräge zum Seetor nodal!-; er endet gegenüber 
dem Orte, wo dei ä snm Hinterrande geht Aehnliche Zwischen -Sectoren, vom 

Hinterrande entspringend, finden rieb anter dem Sector Bubnodahs, brevis und trigonali 
inferior Die Ante- und Postcubitales alterniren mit denen des darunter liegenden Spatium-. 
Die Queradern im zweiten Spitzen-Randfelde gehen bis dicht an den Nodos; das erste Spitzen* 
Randfeld hat vom Pterostigms ab mitunter eine doppelte Zellenreihe. Das spatium basilare 

i-t her; das darunter liegende Spatium medianum hat an der Stelle, an welcher Seine Ad« in 

gebrochen sind, eine Querader. Im spatium discoidale folgen auf eine kurze Doppelreihe 

füti! Zellen einfache oblonge Zellen bis zum Spkaendrittel, dann das erwähnte reinere 

der. Das Spatium posteostale hat in der Spitzenhälfte drei gekrümmte Eokenreihen, in 

Baaalhälfte zwei Reihen, im Vorderflügel nur eine. Die Hinterrandsader geht etwas vor 

det Basis laicht gekrümmt zur PoStOOSta, laue Membrana accessoria fehlt. 



— 61 - 

Der Hinterleib ist lang, dünn, gleich breit, oben wohl convex, unten flach mit scharfer 
Seitenkante. Beim Männchen sind die Glieder 3 bis 6 am längsten und von gleicher Länge ; 
Glied 7 ist etwas kürzer, Glied 2 und 8 etwas kürzer und gleich lang, Glied 9 etwas kürzer 
als die vorigen, Glied 1 und 10 am Kürzesten und gleich lang. Die Glieder 3 bis 6 bilden 
5/9 der ganzen Länge des Hinterleibes. Es sind zwei obere und zwei untere hakenförmige 
Appendices anales vorhanden ; sie haben die Länge des letzten Gliedes. Zwei längliche ovale 
Platten verschliessen auf der Unterseite des 9ten Gliedes die Mündung des Samenganges. 
Die Geschlechtstheile auf der Unterseite des zweiten Gliedes scheinen ähnlich denen von 
Calopteryx geformt zu seyn ; die Theile sind nicht ganz deutlich, doch meine ich eine vier- 
eckige Platte und näher der Spitze die Enden des zweiten Hakenpaares zu sehen. Eine birn- 
förmige Blase an der Verbindungsstelle des zweiten und dritten Gliedes ist deutlich. 

Der Leib der Weibchen ist etwas kürzer, die letzten Glieder etwas kolbig; die Ver- 
hältnisse der Glieder sind dieselben ; das letzte Glied und die Appendices sind nicht deutlich ; 
sie scheinen kurz, gerade, cylindrisch zu seyn ; zwischen denselben tritt ein stumpfer Höcker 
vor ; Legeklappen sind noch undeutlicher, scheinen aber wie bei Calopteryx gebildet zu seyn. 

Gehen wir, um die Stellung der Gattung im System zu ermitteln, die einzelnen 
Körpertheile durch, so stellt sich Folgendes heraus. Der Kopf hat in seiner Form mehr 
Aehnlichkeit mit den Gomphiden als mit den Calopterygiden ; besonders fällt dabei ins Gewicht, 
dass die Augen näher zusammentreten , und weniger getrennt sind , als ihre Breite 
beträgt, ferner die geschärfte Leiste des Occiput, drittens die schräge Divergenz der Augen 
gegen den Mund hin, viertens die scharfe Trennungslinie des die Nebenaugeu tragenden 
Scheitels von der Stirn. Theilweise finden sich aber diese Merkmale bei Rhinocypha, Micro- 
merus und Libellago vor; namentlich stehen die Augen dort gleich nahe bei einander, aller- 
dings ohne die schräge Divergenz ; doch könnte letztere zum Theil durch die Pressung 
bewirkt seyn. Eine scharfe Occiputleiste , allerdings nicht so Meissel-artig , findet sich auch 
bei Epallage , und die Trennungslinie zwischen Scheitel und Stirn ist bei Micromerus ange- 
deutet. Die Mundtheile, besonders die Unterlippe, sind nicht deutlich genug, um einen Schluss 
zu erlauben ; immerhin ist die Unterlippe mehr zu Calopteryx als zu Gomphus zu ziehen, 
da der mittlere Lappen oder die eigentliche Unterlippe sichtlich gespalten ist und die Rippen- 
taster nicht so weit trennt , als dies bei Gomphus gewöhnlich ist. Der kleine , vom Kopie 
nicht bedeckte Prothorax erinnert mehr an Calopteryx, und der schmale lange Thorax muss 
unbedenklich dahin gestellt werden. Der lange dünne Hinterleib ist wie bei Calopteryx, die 
Geschlechtstheile im zweiten Hinterleibsgliede des Männchen gleichfalls, und die Appendices, 
besonders die Gegenwart von zwei unteren getrennten Appendices, schliessen jeden Gedanken 
an die Gomphiden sofort aus. Die langen, dünnen Beine finden ihre Analogie bei Heliocharis, 
die Verhältnisse der Tarsenglieder sind aber so aussergewöhnlich , dass die fossile Gattung 
dadurch von allen bekannten lebenden Odonaten abweicht. Es ist nämlich überall in den 



- 62 — 

drei ElOSOOTl Fnteifamilicn den I.ihclluliden, Aeschnidcn und Agrioniden stets das erste Glied 
klein und selir kurz, die beiden folgenden beträchtlich länger und von gleicher Grösse. Bei 
»ler fossilen Gattung ist aber das erste Glied das längste und fast so lang als die beiden 
folgenden zusammengenommen. Die Flügel haben in> Allgemeinen die schmale, lang gestreckte 
Form von Oalopteryx; dass die EGnterflttgel, sonst im Ben den Vorderflügeln ganz ähnlich, 
durch beträchtlichere Entwickelang des Hinterfeldes etwas breiter werden, ist wieder anomal. 
Wo bei Calopteryj eine derartige kleine Differenz auttritt, sind gerade die Vorderflügel 
breiter. Die Anordnung des Geäders weicht von Calopteryx eigentlich nur in einem Tunkte 
ireeentlicb ab; ich meine in der Stiefel>förmigen Gestalt des Spatium basilare, die durch den 
Bruch der Submediana bewirkt wird. Eine derartige Bildung, die zugleich die Verlängerung 
und Schiefetellnng des Arcolus bedingt, ist ohne Analogie bei den lebenden Arten. 

Dnter den beschriebenen fossilen Arten steht Heterophlebia dislocata in der Form, 
Grosse und Aderung der Flügel der Solenhofener Art T. ezimia so nahe, dass ich trüber 
geäussert habe, es Bey ein genügender Beweiss der Verschiedenheit beider Arten erforderlich. 
Leider habe ich keine Gelegenheil gehabt, die Typen der abgebildeten Stücke oder andere 
Exemplare von 11. dislocata in England zu vergleichen. Der Güte des Herrn Dr. Kraut/. 
verdanke ich die .Mittheilung eines Flügels, den ich genau abgezeichnet habe, und hier naher 
beschreibe. Obwohl der zur Bestimmung so wichtige Basaltheil fehlt, scheint der Flügel zu 
H. dislocata sagehören. Er stammt, wie die von Westwood abgebildete Type, aus Cheltenham, 
und liegt in einein Steine von ähnlicher Farbe. (The outer surface is soft and of a vellow 
colour, bat towards the inferior it becomes hard and assuines a lilue tinge.) 

Heterophlebia dislocata Westw. Tat. XII. Fig. 7- !t. 

Die Länge des Fragments beträgt SO Mm., die Basis isl schlage allgebrochen. Die 

Spitzenhälfte isl mit Ausnahme einer Bruchstelle, welche das Pterostigma undeutlich macht, 

völlig erhalten und misst vom Nodos bis rar Spitze i } <> Mm.-, die Flügelbreite am Nodos 

betragt 8 Mm.: die Länge des ganzen Flügels dürfte -"nach 40 Mm. betragen haben, also 

1 ( mehr als das typische Stück, während die Breite übereinstimmt Der erhaltene Theil 

Basalhälfte beträgt am Vorderrand 10 Kim.; von dort geht der Brach schräge durch 

den Flügel bis fast dem Nodus gegenüber. Costa, Subcosta und Mediana lauten bis zum 

Nodos gerade and nahe beisammen; im Randfelde sind 10 Qoeradern (Antecabitales) deutlich ; 

in dem darunter liegenden Felde M Qaeradern, die mit jenen alterniren. Die Abbildung 

Westwood'a (Quarterlj geoL Joarn., V. (. II) weicht insofern davon al>, als bei ihr das 

Randfeld in allen vier Flügeln leer, also ohne Qaeradern, erscheint Vielleicht sind sie 

nur zufällig in jenem Stück undeutlich. Der Flügel bei BrodÜe (fossil [nseot, t. 8. f. i), 

den Westwood ausdrücklich für identisch mit II. dislocata erklart, hat die von nur angegebene 






- 63 - 

Zahl von Queradern. Vom Nodus ab laufen die Randader, Mediana und Sector principalis 
parallel und nahe beisammen zur Flügelspitze, zu welcher sie sich erst vom Pterostigma ab 
leicht herabkrümmen. Das Pterostigma ist schwarz, 3 Mm. lang, oblong, kräftig, die Seiten- 
adern nur wenig schräge gestellt, die innere liegt 12 Mm. vom Nodus, die äussere 5 Mm. 
von der Flügelspitze entfernt; die untere Hälfte des Pterostigma ist theilweise verletzt, doch 
sieht man, dass daselbe in der Mitte leicht erweitert war, und zwei oder drei Zellen darunter 
liegen. Vom Pterostigma bis zur Flügelspitze steht im Randfeld eine einfächere Reihe 
schräger Adern; vom Nodus bis zum Pterostigma stehen etwa 16 Queradern (Postcubitales), 
14 sind durchaus deutlich. In dem darunter liegenden Felde befindet sich eine ansehnliche 
Zahl zum Theil alternirender Queradern, die dicht bis an den Nodus herantreten. Dieses 
Merkmal entfernt Heterophlebia dislocata durchaus von Diplax und den Libelluliden über- 
haupt , da bei denselben , d. h. bei den lebenden bekannten Arten mit einziger Ausnahme 
einiger Macroinia, dies Fehl vom Nodus ab in grösserer oder geringerer Weite leer bleibt, 
während bei allen Aeschniden und Agrioniden die Queradern bis dicht an den Nodus gehen. 
Der Sector nodalis geht vom Nodus schräge nach unten und aussen , und in sehr wenig 
gekrümmtem Bogen kurz vor der Flügelspitze zum Hinterrande; übrigens ist der unterhalb 
des Sector principalis gelegene Theil nicht eine directe Fortsetzung des schrägen Anfanges, 
sondern entspringt (vielleicht nur individuell) getrennt davon, etwas mehr nach aussen. Das 
breite Feld zwischen Sector principalis und nodalis ist in der inneren Hälfte von geraden 
Queradern durchsetzt ; dann kommen Reihen sechseckiger Zellen , die gegen die Spitze in 
fünf Reihen kleiner viereckiger Zellen übergehen. Die Trennungslinie der beiden untersten 
Reihen bildet den Sector internodalis , der al s o am Rande des Flügels dem Sector nodalis 
zunächst liegt und sich in seinem kurzen Verlaufe nur wenig davon entfernt; er endet etwa 
in der Mitte des Feldes. Wesentlich davon verschieden ist die Bildung des Sector inter- 
nodalis bei T. eximia ; er bildet dort die Trennungslinie der beiden obersten Reihen , liegt 
am Rande dem Sector principalis zunächst und endet, das Feld schräge durchsetzend, nahe 
dem Sector nodalis. Der Sector subnodalis entspringt 4 Mm. vor dem Nodus mit einfacher 
Wurzel aus dem Sector nodalis und geht in wenig gekrümmtein Bogen dem Sector nodalis 
nahe und parallel zum Hinterrande. Zwischen beiden stehen einfache Queradern ; erst unter 
dem Pterostigma findet sich eine doppelte Zellenreihe, die nahe dem Rand in eine dreifache 
übergeht. Es stimmt diese Bildung mit der in den Hintertiügeln von H. dislocata iiberein ; 
in den Vorderflügeln erweitert sich (der Abbildung zufolge) das Feld gegen den Rand hin 
beträchtlich, und ist weit hinauf mit zahlreichen kleineren Zellen erfüllt. Der Sector medius 
entspringt 5 Mm. vor dem Nodus und der Sector principalis verläuft fast gerade, unter dem 
Nodus kaum merklich nach unten gekrümmt, und geht 5 Mm. vor der Flügelspitze zum 
Hinterrande; das Feld zwischen ihm und dem Sector subnodalis hat in der inneren Hälfte 
einfache Zellen , in der äusseren, breiteren Hälfte mehrfache Reihen sechseckiger Zellen, die 



- 64 - 

gegen den Rand hin länger ausgezogen sind. Dir Seetor brevis, sein Ursprung ist nicht 
erhalten, verlauft, vom Sector niedius getrennt, in sein- flach. OD Bogen 8 Mm. vor der Flügel- 
spitze zum Hinten amlc: unter ilem Nodus ist < IT ziemlich Stark nach unten eingebogen, und 
unterscheidet .-ich dadureh sogleich von T. eximia. Das schmale Feld /.wischen beiden 
enthält eine einlache /ellenreihc , die sich erst nahe dem Jlinterrand in mehrfache Reihen 
(»regelmässiger, zum Theil lang gezogener Zellen auflöst. Der Sector trigonali BUperior, sein 
Ursprung ist Dicht erhallen, geht in sehr Bachern Bogen, fast '1 Mm. vom Sector brevis 
entfernt, LS Mm. vor der Flttgelspitse zum Hinterrande. Das leid zwischen beiden (Dis- 
ooidalfeld) hat swei Reihen langer, fünfeckiger Zellen ; im etwas erweiterten Spitzentheil stehen 
mehrfache Reihen lang gesogener Zellen, die gerade zum Hinterrande herablaufen. Das 

lidalfeld von T. eximia unterscheidet sich Bogleich dadurch, dass sein mittleres Drittel 
eine einfache Zellenreihe enthalt. Das Feld unterhalb des Sector trigonali Buperior enthält 
vielfache Reihen lan| gener Zellen, die sum Hinterrand herablaufen; vom Sector trigonali 

inferior ist nichts erhalten, er muss also etwas vor dem Nodus zum Hinterrande gehen. 
Bei H. cüslocata mündet er nach den Abbildungen im Hintei'fliigcl gegenüber dem Nodus, 
im Vorderflügel weiter gegen die Spitze hin. Der Unterschied ist also wenig beträchtlich 
zwischen dem von mir beschriebenen Stück und den von Westwood abgebildeten Flügeln. 
Dies ist Alles, was sich aus dem einzigen mir vorliegenden Stück ermitteln liisst : 
es erscheint jedoch genügend, um die Identität desselben mit dem abgebildeten lliuterfiügel 
von EL dislocata anzunehmen, und andererseits die Verschiedenheit von der so nahe Stehenden 
T. eximia fe (zustellen, [mmmerhin würde die Verschiedenheit nicht Mi gross seyn, um die 
Abtrennung eina besonderen Gattung zu rechtfertigen, wenn man nicht «las Geäder der 
Flügelbasis, die dem von mir beschriebenen Stücki Leider fehlt, in Betracht ziehen wollte. 
Nach Westv l's Abbildungen und Angeben ist aber die Bildung des Basaltheils so ver- 
schieden, das.- an ein Zusammengehören nicht zu denken ist Des leichteren \ eistamlnisses 
halber habe ich Westwood's Abbildung jener Theile copirt l>ie Deutung jener Basaladern 
un>l besonders der Dreiecke durch Westwood halt« ich aber in einigen Punkten für unrichtig, 
um! habe meine verschiedene Meinung (Stett. Entom. Zeit., X. S. 226) zu motiviren 

icht 

Vergleicht man die Basaladern von T. eximia mit jenen des Vorderflügels von II. 
•IM.,. , findet man beide identisch, sobald man aus Letzterem die Verbindungs- 

ader a fbrtlässt. Diese findet sioh aber in allen von Westwood abgebildeten FlUgelu •<> 
deutlich angegeben, daas ih G enwart /weilellos bleibt. Ausserdem wird sie noch wahr- 
icheinlich durch <üc Bildung der HinterflUgel , denn während dieselben l"i T. eximia jener 

Vorderflügel durchaus analog ist, tritt im ElinterflUgel von H. dislocata eine ganz 
dufarantc Bildung auf. - s ic baben fast durchaus 'la- Geäder einer Gomphide. 

Ohne micli gegenwärtig auf eint weiter« detaillirte Erklärung der Basaladern ein/u- 



— 65 - 

lassen, die ich später und hoffentlich nach Autopsie der Originale zu liefern gedenke, mag 
ich noch der Verschiedenheit gedenken, die den Körper von H. dislocata nach der Abbildung 
von dem Körper von T. eximia trennen. Hieher gehören der gedrungene Thorax , der 
dickere, gegen die Basis hin aufgetriebene Leib, und vor allem die kurzen Füsse. 

In Brodie's fossil Insects, Taf. 10. Fig. 8 hat Westwood den Basaltheil eiues Flügels 
abgebildet, welchen ich in Fig. 10 copirt habe. Im Texte (p. 127) sagt Westwood, er wisse 
nicht wohin er diesen Neuropteren-Flügel stellen solle. Später (Quart, geolog. Journ , V) 
erklärt er ihn, als zu einer gigantischen, 7 Zoll spannenden und Heterophlebia dislocata nahe 
stehenden Art gehörig. Giebel (Fauna d. Vorwelt, S. 288) hat die Art H. Westwoodi 
genannt. Nun ist aber durch Fehlen der früher erwähnten Verbindungsader a (in Fig. 8) 
dieser Flügel von Heterophlebia durchaus verschieden, und dem von T. eximia genau ähnlich. 
Ich ziehe ihn deshalb zur Gattung Tarsophlebja als T. Westwoodi. 

Schliesslich bemerke ich nochmals, dass die Verschiedenheit der Anordnung der Basal- 
adern bei Heterophlebia sich wesentlich geringer herausstellen würde, wenn die Angaben bei 
Westwood nicht völlig genau wären. 



Tarsophlebia eximia Hagen. 


Taf. 


XII. 


Fig. 1-6. 11 


Mas. 








Fem. 


Long. tot. . . . 


57—60 Mm 






53—60 Mm. 


abdom. . . 


42—48 






42—45 


alae sup. . 


31—34 






38—39 


alae inf. 


30—33 






37—38 


pterostig. . 


2»/»-3 






— 


app. sup. . 


2 






— 


tibiae post. 


9 






— 


Lat. cap. . . . 


4% 






— 


alae . . . 


6-7*/, 






7% 


Exp. alar. inf. 


"63-68 






76—78. 



Männchen. Ein herrlich in beiden Platten erhaltenes Männchen (Mus. Monac. Nr. 60) 
mit ausgebreiteten Flügeln (die Zeichnung Taf. XII. Fig. 1 zeigt nur die Flügel der linken 
Seite) ist fast gar nicht über den Stein erhaben , und einer lithographischen Zeichnung in 
rother Farbe sehr ähnlich. Seine Grösse hält die Mitte der angegebenen Dimensionen. Long, 
tot. 59 Mm., Long, alae inf. 32 Mm. Die Beschreibung der Gatt«ng ist nach diesem Stücke 
gemacht. Ich führe daher nur das an, was zur Beschreibung der Art gehört, und diesem 
Stücke speciell entnommen ist. Diejenigen Merkmale, welche andere Stücke deutlicher oder 
abweichend zeigen, sollen später berührt werden. 

Vorderfliigel 33 Mm. lang; beim Nodus 6Y 2 , an der Basis 2 Mm. breit; Nodus 
16 Mm. von der Basis entfernt; Randfeld im Basaldrittel 5 / 4 Mm. breit: Zahl der Antecu- 



Pnlaeuntopr., Band XV. i 



hitalcs nicht gani sieher, etwa 17. bis /uiii Arculus wohl nur S; Pterostigma 12 Mm. vom 
Nodu.> entfernt; Postcubitalee etwa 16; Pterostigma nicht durchaus deutlich, 3 Mm. lang; 
Arculus l" , Mm. Lang, 5 Min. von dir Basis entfernt: das Spatium basilare bildet einen 
Stiefel-förmigen Raum ohne Queradern ; das Spatium dfacoidale hat zuerst etwa fünf Doppel- 
sellen . dann bis .um Nodus eine einfache Zellenreihe : daa S|iatium postOOStale ist unterlialb 
llufl BChmal mit einlacher Zellenreihe. 

HmterflfigeJ 32 Mm. lang, beim Nodus 7'., Mm. breit; dem Vorderflügel ähnlich, 

nur etwas breiter; der Hinterland gekrümmt; ArculllS etwas kürzer; Sector trigonali BUperior 

und inferior dicht beim Arculus in kurzen Bogen nach unten gekrümmt : Spatium discoidale 

an d- B Ufl kolbig erweitert mit etwa drei Doppelzellen ; Spatium postCOStale breiter, unter 

. Arculus zwei Zellenreihen; etwa 11 Antecuhitales und 16 Postcubital- 

Kopt andeutlich; die umrisse der Unterlippe sichtbar; Thorax jederseits mit einer 
schmalen hellen Binde neben der Sutura humeralis und vielleicht eine ähnliche noch 
schmälere in der Mitte. 

Die Länge der Füsse beträgt für die Schenkel 9, 11. 13 Mm.; für die Schienen 8, 
LO Min.: für die Tarsen 5 1 /,, 6, 7 Mm. 

Der Spitzenrand des letzten Einterleibsgliedes ist in der Mitte stumpfwinkelig vorgezogen; 
die Appendices anal, sind zangenförmig gekrümmt, blattartig, von der Länge des Leuten 

Gliedes; die oberen sind schmal, die Spitze plötzlich nach innen und unten gebrochen; die 
unteren sind \un gleicher Länge, leicht gekrümmt, das Basaldrittel erweitert, mit scharfem, 

langen tnnenzahn. 

Hin Manuellen in beiden Platten (Mus. Monac. Nr. 62) ist last auf gleiche W ■ 
erhalten. 

in beiden Platten ahnlich erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. 64) enthält den Thorax 

in halber - | liege, \om Hinterleib Spuren des Basaltheils, den linken Yordcrlliigcl ganz, 

rechten bis zum Nodos (letzterer ist in der Figur Tal. XII. Fig. 3 nicht gezeichnet). 

Hie Seite des Thorax ist bis zur zweiten SutUT hell gefärbt; unterhalb derselben und oben 

der Sutura humcialis eine schmale dunkele Binde. Man könnte die Seiten auch als 

dunkel mit breiter, heller. Kinde beschreiben. Der Leib scheint oben jederseita 

■•ine dunkele Längsbinde EU haben. Der Vorderflügel ist etwas kürzer, -'>1 Mm. laue und 

6 Mm. breit; im Discoidalfelde sind neben dem Arculus nur drei Doppelzellen. Daa 

tna ist deutlich, dreimal so lang als breit, oblong, gegen die Spitze schmäler, der 

nwinkel leicht gerundet; die i [nnenader durchsetzt das darunter liegende 

iien etw /.eilen unter dem Pterostisrma. 

Kin in beiden Platten (coli. Krauts Nr. 66. '»7) erhaltene« Männchen zeigt Kopf und 

Tnors sitener Deutlichkeit. I'as Thiei bat genau du Dimensionen des zuerst besebrie- 

Männchen; 'Us Geädei ist undeutheh, die Appendices gteichJalls. 



- 67 — 

Der Kopf (Taf. XII. Fig. 4. 5) ist beinahe 4 Mm. lang und etwas über 4 Mm. breit; 
der Thorax ist 6 Mm. lang und 3 Mm. breit. Ich habe die Beschreibung dieser Theile der 
Gattungsbeschreibung einverleibt, und weiss selbst nichts Weiteres beizufügen. Die Ausren 
scheinen zerquetscht zu seyn , und reichen vielleicht nur bis zu der in Fig. 5 angedeuteten 
punktirten Linie. 

Zwei in beiden Platten (coli. Krantz Nr. 23. 25) erhaltene Männchen von genau gleicher 
Grösse zeigen die Appendices ziemlich deutlich : denselben ähnlich ist ein anderes Männchen 
(coli. Krantz Nr. 46 und 37) in beiden Platten; gleichfalls ein undeutliches in beiden Platten (Mus. 
Monac. Nr. 63). Ein mangelhaftes Stück (coli. Krantz Nr. 4) in beiden Platten zeigt nur Flügel und 
Füsse; ein ähnliches (coli. Krantz Nr. 52) in einer Platte, eine Doppelplatte (coli. Krantz) mit 
ziemlich deutlichem Geäder; eine einfache Platte (coli. Krantz Nr. 66) undeutlich; eine einfache 
Platte (coli. Krantz Nr. 47) undeutlich; ein sehr kleines Männchen (coli. Krantz Nr. 11), von 
55 Mm. Körperlänge und 30 Mm. Länge der Oberflügel, vermag ich nicht von dieser Art zu 
trennen, das Stück ist aber sehr undeutlich. 

Es liegt mir jetzt die Doppelplatte (coli, Kranta Nr. 10) zu der von mir in den Palaeonto- 
graphicis, X. Taf. 13. Fig. 7. 8. S. 121 abgebildeten und beschriebenen Euphaea longiventris vor. Sie 
erlaubt durch etwas mehr Deutlichkeit als die andere Platte mir mit Bestimmtheit zu erklären, 
dass es ein Männchen von Tarsophlebia eximia ist. Die Art E. longiventris ist auf irrige 
Annahmen basirt und deshalb wieder einzuziehen. Das Geäder der 36 Mm. langen Ober- 
Hügel ist mit dem von T. eximia identisch , daher meine gemachten abweichenden Angaben 
und besonders Fig. 2 als irrig zu streichen. Das ganze Thier ist 59 und der Leib 45 Mm. 
lang ; einige rauhe Erhabenheiten haben mich ihn früher irrthümlich länger sehen lassen. 

Weibchen. Der Kopf ist dem des Männchen gleich ; die Form der Unterlippe in der 
Gattungsbeschreibung ist einem Weibchen (coli. Krantz Nr. 81) entnommen; die übrigen Verhält- 
nisse des Kopfes zeigt ein Weibchen (coli. Krantz Nr. 80) gut; sie stimmen mit den in der 
Gattungsbeschreibung gegebenen durchaus überein; ein kleiner, in der Mitte des Occiput be- 
ginnender und gegen den Prothorax gehender linienförmiger Eindruck, der als einem Zahn- 
fortsatz entsprechend gedeutet werden könnte, scheint mir doch mehr zufällig zu seyn, da 
ich ihn sonst nirgends nachzuweisen vermag. Immerhin wäre es nicht unmöglich . dass T. 
eximia, ähnlich vielen Gomphiden, in .der Bildung des Hinterkopfes Geschlechtsunterschiede 
darböte. Eine Verschiedenheit des Prothorax und Thorax ist nicht nachweisbar, doch ist 
namentlich ersterer nirgends so deutlich, um darüber sicher zu seyn. Der Hinterleib ist treten 
die Basis hin sichtlich , wenn auch nicht bedeutend verbreitert , und auf der Unterseite mehr 
abgeflacht ; das zweite Glied ist fast so lang als das dritte. Diese Längenverhältnisse erlauben 
leicht die Männchen von den Weibchen zu sondern ; bei jenen ist das zweite Glied etwas 
kürzer als 4 Mm., mit dem ersten zusammen 5 Mm. lang; bei den Weibchen ist das zweite 
etwas über 5 Mm. und mit dem ersten zusammen 7 Mm. lang; Glied 3 bis 6 sind je 6 1 /. Mm. 

9« 



— m — 

lang. Glied 7 kaum etwas kürzer: Glied 8 bis 10 sind zusammen K'/ 2 Mm. lang und etwas 
kolbig verdickt: Glied 8 ist '! Mm. lang, Glied 9 etwas kürzer, Glied 10 sehr kurz; der 
Spitzenrand des neunten Gliedes Bcheinl rundlich ausgeschnitten; der Spitzenrand des sehnten 
Gliedes ist nirgend ganz deutlich, scheint aber gerade. Hie Appendices bilden kurze, gerade 
Lappen mit Stampfer Spitze, vielleicht oben abgeflacht; sie sind kaum 1 Mm. lang, wenig 
kürzer als das letzte Glied, und so wie der zwischen denselben vortretende stumpfe Bocket 
nirgends ganz deutlich. So weit ersichtlich haben die undeutlichen Legeklappen die bei den 

uiden gewöhnliche Form gehabt . und ilen Leib nicht überragt. Eine scharte einge- 
grabene Linie, die von der Mitte der Binterleibsspitze bei einem Stück ausläuft (coli. 
Kraut/. Nr. 82), scheint mir durch eine Bewegung des Thieres kurz vor dem Tode verursacht, 
und würde dann beweisen, dass die Legeklappen dieselbe Stellung gehabt haben, wie bei 

jetzt lebenden Agrioniden. Die Füsse zeigen genau die beim .Männchen beschriebenen 
Verhältnisse. Die Flügel Bind etwas länger und breiter als beim Männchen; eine Differenz 
des Geäders kann ich nicht linden. 

Die Beschreibung i>t vorzugsweise nach coli. Krantz Nr. 80 gemacht, und dabei coli. 
Kraut/. N'r. 81 und 82 für einzelne Theile benutzt; coli. Kraut/ Nr. 30 u. Mus. Monac. Nr. 98 
sind weniger deutlich; das Geäder zeigt vortrefflich Mus. Ifonac. Nr. ti8. 

V on T. exhnia habe ich 34 Stücke gesehen, 23 haben mir bei der Beschreibung vorgelegen, 

Isophlebia Hagen. 

I>ie Beschreibung der Arten enthält das genaue Detail des Geäder; da ich demselben 
nichts mehr beizufügen habe, ist es der Kürze halber hier nicht wiederholt. Die Gattung 
Isophlebia, deren eine Art der Kiese aller lebenden und fossilen Odonaten ist. bietet des 

abnormen und Anomalen viel. Dem allgemeinen Habitus nach wird sie Jeder wie Germav 
dersl fttr eine gigantische Aeschnide halten; der grosse Kopf, der massige kurze Thorax, 
die langen kräftigen Beine, der lange, nmde. starke Leib mit blattartigen langen Appendices, 
der ganze Schnitt der grossen Flügel und selbst der Verlauf der Längsadern spreche M 
-ehr tür eme Aeschnide, dass man genauer zusehen muss, um über die Unterschiede klar zu 

verden. Lbider i-t der Körper /u unvollständig erhalten, um irgendwie den Ausschlag 
geben. Vom Kopf wissen wir nichts sls die seitliche Grösse des tages, nicht aber ob dieselben 

:mt sind. Der Thorax bietet nichts \>.n Werlh, und von den Beinen läast sich nur 
sagen, das, dir Verhältnisse der dicken Schenkel denen der Aesclmidcn und Gomphiden 
ähneln. Der I.eib und iek>c Gliederung bietet nichts Bestimmtes, nur von den Appendices 
kann man behaupten, data derartige Blattform bis jetzt nur bei Aeeohniden bekannt ist, and 
auch der darunter gelegene Tbeil an den unteren Appendn vieler Aeschnidec erinnert. 

!»!• form der langen. In «if.i, Flügel spricht um s<> mehr für eine AeSOhnide, als die 



Hinterflügel an der Basis breiter gerundet sind. Das bekannte Merkmal , dass im zweiten 
Randfelde die Queradern dicht bis an den Nodus treten , schliesst sogleich die Libelluliden 
aus, da sich jenes Merkmal nur bei Aeschniden und Agrioniden findet. Den Ausschlag giebt 
jedoch die Anordnung des Geaders im Basaltheil der Flügel. Das Fehlen eines oberen Astes 
der Submediana, der zur Bildung des Flügeldreiecks dient, schliesst die Gomphiden aus, und 
stellt Isophlebia zu den Agrioniden. Die zahlreichen Queradern oder Antecubitales stellen 
sie zu den Calopteryginen. Sehen wir uns nach der Stellung um, die Isophlebia im System 
einzunehmen hat, so fällt zunächst ein Merkmal in die Augen, das sich bei keiner bekannten 
Calopterygine vorfindet Es geht nämlich die Postcosta dem absteigenden Aste des Sector 
trigonali inferior parallel zum Hinterrande, ohne mit ihm anders als durch Zellenadern ver- 
bunden zu seyn, während sie sich bei allen bekannten Calopterygineu direct an die untere Bruch- 
stelle des Sect. trigonali setzt, so dass man denselben als eine Verlängerung der Postcosta 
betrachten könnte. Ferner bildet bei keiner Calopterygine der Sector trigonali inferior einen 
geraden absteigenden Ast von so ansehnlicher Länge wie bei Isophlebia. Von den fünf 
Gruppen , in welche die Calopteryginen zerfallen . unterscheiden sich drei durch schmale 
gestielte Flügel, mit einfachem Geäder Euphaea, Libellago und Amphipteryx, die vierte, Thore, 
durch die eigenthümliche Stellung des Spatium quadrangulare , welches mit seiner hinteren 
Ecke dicht an die Mediana herangeht. Es bleibt also nur die Gattung Calopteryx im engeren 
Sinn übrig , in der sich Gattungen mit grossen Flügeln und ähnlich zahlreichem feinen 
Geäder, bewirkt durch supplementäre Sectoren, vorfinden. Ein unvollständiges, von Adern 
durchsetztes Pterostigma ist gerade für Calopteryx characteristisch , und selbst dass bei der 
zweiten Art, J. Helle, die Queradern fehlen, spräche nicht dagegen, da einige Gattungen wie 
Phaon und Hetärina ähnliche Anomalien allerdings in viel geringerem Grade zeigen. Die 
Verengung des Randfeldes durch die plötzliche Krümmung des S. trigonali superior, und die 
Verbreiterung des Feldes unter dem Pterostigma zur Aufnahme ganz unregelinässiü gebildeter 
Zellen finden sich bei keiner Calopterygine, aber auch überhaupt bei keiner lebenden Odonate 
wieder. Auch der Umstand, dass der Arculus und das Spatium quadrangulare im Vorderflügel 
der Basis näher, die Krümmung des Sect. trigonali superior aber weiter davon abliegen als 
im Hinterflügel, ist meines Wissens ohne Analogie. Das Verhalten des Sector principalis und 
seiner Zweige ist gleichfalls ein durchaus differentes, ähnlich wie bei Libellago und Thore. 
Ein ähnlich feines und complicirtes Geäder findet sich bei M. basilaris. 

Uebersehen wir nochmals das Erwähnte, und setzen wir voraus, dass der übrige uns 
nicht genügend bekannte Körperbau dem nicht geradezu widerspricht, namentlich sich getrennte 
Augen und ein getrennter unterer Appendix vorfindet, so kommen wir zu dem Schluss, 
Isophlebia den Calopteryginen einzureihen, und für dieselbe eine neue sechste Gruppe zu bilden, 
welche der Gruppe Calopteryx nahe zu stellen ist. Für die Bildung einer eigenen Gruppe 
sprechen namentlich auch die abnorme Form der Füsse und die Appendices. 



- 70 - 

Alis magnis , posticis basi latioribus, densisaime reticularis, pterostigmate longissimo 
interdum retkulato, Bectore prineipali baai reoto, spatio quadrangulari breviori, apice oblique 
tnmcato, spatio discoidali dhnidio coarctato, Bectore trigonali inferiori longo, recto, posteosta 
übers. 

Petliluis validis, longis; appendicibus Buperioribua longis, foliaceis. 

Isophlcbia Aspasia Hagen. Tat. XII. Fig. 12. Taf. XIV. Rg. 1 -3. 
I >;i> !"■-, 1 i i i l l • 1 1 1 < ■ schöne Stück Mus. Monac. Nr. 27 ist in beiden Platten erhalten; 
die vertiefte, gut aasgearbeitete Platte ist abgebildet. Der Körper ist undeutlich; Kopf und 
Thorax von Krystallen erfüllt ; der Leib liegt auf dem Bauche. Die Lage der Flügel ist ver- 
dreht; der linke Vorderflügel zeigt die Oberseite; er bedeckt zum Tlieil die beiden Hintei- 
fliigel; bangen an der Basis zusammen und zeigen auch die Oberseite; der rechte 

Vorderflügel ist hinabgedrückt, dem Leibe nahe' und zeigt die Unterseite. 

Dimensionen aller Stücke. 

Long. tot. 1 18 Mm 140—155 Mm. 

abd. 100 (ohne Appcnd.) .... fl7 K>!» 

alae ant '.»:» 93—102 

alae post. 94 87—'.'". 

pterost. 15? 16? 

app. anal. 15 (12 Min. sind erhalten) 15 

hat. alae ant lü 18—22 

Bsp. alae post. 194 180—196. 

Vorderflügel etwa 99 Mm. lang; 96 Bim. erhalten: die äusserste Basis undeutlich; 
etwas mehr als fünfmal bo lang als breit. Die erösste Breite beim Nodus 19 Mm., von da 
ab i-t der Hügel gegen die parabolische Spitze hin langsam und gleichmässis. verschmälert. 
Der Basaltheil des Hinterrandes ist undeutlich; nach den Umrissen zu urtheilen, verschmälert 
neb der Flügel langsam gegen die Basis. Der Vorderrand i--t gerade, beim Nodus leicht 
eingezogen, die Spitze berabgebogen ; «1er Hinterrand bildet bis zum Nodus einen Bachen 
Bogen, und verlauf) von dort bis zur Spitze, di< dem Hinterrande näher liegt, fast gerade. 
Der Modui Mm. von der Spitze entfernt und 4.". von der Basis, liegt also etwas vor 

I der Nodus i>t schräg nach innen abgeschnitten, die Bandader daselbst erweitert. 

Di e Band der Costa i-t nicht ganz deutlich; an der Basis Bcheint sie breit /u Beyn. 

bmale Bandfeld wird gegen dir Basis bin breiter; dicht gestellte Antecubitales sind 
darin deutlich, doch läset lieh ihre Zahl nicht angeben; ''im' stärkere gerade Querader a 
it etwa li Mm von dir Basis, und durchsetzt das darunter liegende Feld, in welchem 
ich die Queradern ähnlich «lieht zu sehen glaube. Vom Nodus ah i-t dei Vorderrand nur 
theflweise deutlich; i-t der Theil, den ich seiner gelben Färbung (dir aber theilweise in du 
darunter liegende Feld hinübergeht) wegen dafür halte, das Pterostigma, >■> beginnt es etwa 



- 71 — 






28 Mui. vom Nodus und ist 15 Mm. lang und sehr schmal. Die Postcubitales sind so dicht 
gestellt wie die Antecubitales ; hinter dem Pterostigma sehe ich deutlich Queradern, und glaube 
dieselben aber auch im Pterostigma zu sehen. In dem darunter liegenden Felde treten die Quer- 
adern bis an den Nodus heran. Der Arculus ist nicht deutlich. Die Subcosta läuft gerade 
zum Nodus; die Mediana läuft der vorigen nahe, und vom Nodus ab der Randader nahe 
und parallel. Der Sector principalis ist bis 36 Mm. vom Nodus ab gerechuet deutlich , und 
der Mediana nahe gelegen; vom Nodus ab bis zum Pterostigma läuft er der Mediana nahe, 
so dass zwischen beiden einfache Queradern stehen. Dann entfernt er sich aber in flacherem 
Bogen weiter von ihr, und tritt in der Spitze des Flügels wieder nahe an sie heran. In dem 
weiteren Räume befinden sich drei Zellenreihen ; zunächst der Mediana eine einfache Reihe 
kleiner viereckiger Zellen, unten durch einen kurzen supplementären Sector begränzt; darunter 
zwei Reihen grösserer, unregelmässiger Zellen. Der S. medius entspringt aus ihm etwa 
20 Mm. vor dem Nodus und geht in gleichmässig flachem Bogen 25 Mm. vor der Flügel- 
spitze zum Hinterrande. Der S. subnodalis entspringt etwa 17 Mm. vor dem Nodus, wie es 
scheint mit doppelter Wurzel aus dein S. principalis und medius. möglicher Weise nur aus 
letzterem; er geht in ähnlichem Bogen wie der S. medius 17 Mm. vor der Flügelspit/.e zum 
Hiuterrande. Der S. uodalis entspringt am Nodus und geht in ähnlichem Bogen 11 Mm. 
vor der Flügelspitze zum Hinterrande. Der S. internodalis beginnt etwa 10 Mm. vom Nodus, 
läuft dem S. principalis parallel, und theilt das Feld zwischen ihm und dem S. nodalis gegen die 
Spitze hin derartig, dass ein Drittel über ihm, zwei Drittel unter ihm liegen. Dicht unter 
dem S. internodalis und ihm parallel verlauf f ein zweiter supplementärer Sector, der fast 
gleich weit bis an den Nodus geht. Der Theil des Flügels zwischen Sector principalis und 
medius zeigt ein sehr feines engmaschiges Geäder; zahlreiche supplementäre Sectoren laufen 
in ähnlichem Bogen zwischen den Hauptadern, etwa 15 zwischen S. internodalis und nodalis, 
12 bis 14 zwischen S. nodalis und subnodalis> eine ähnliche Zahl zwischcnjS. subnodalis und 
medius. Die Zellen sind quadratisch, oder gegen den Flügelrand hin fünfeckig, wie die ver- 
grösserte Figur der Stelle p sie zeigt. Ihre Zahl ist sehr beträchtlich. Der Ursprung des 
S. brevis ist nicht sichtbar; zuerst geht er 3 Mm. bis zur Spitze des darunter liegenden Spatium 
tjuadraugulare gerade und etwas abwärts ; sein Ursprung kann nur wenig früher liegen. 
Dann geht er in flachem Bogen etwas aufwärts, und endet 35 Mm. vor der Flügel- 
spitze am Hinterrande ; im Spitzendrittel ist sein Bogen oben etwas flach gedrückt. Das Feld 
zwischen S. medius und brevis hat bis zum Nodus einfache Queradern, später die beschriebenen 
engmaschigen Zellen. Die Submediana ist an der Basis sehr undeutlich, und scheint an die 
Querader, die aussen das undeutliche Spatium quadrangulare begränzt, im spitzen Winkel 
zu treten. Der an diesem Punkt entspringende S. trigonali superior verläuft zuerst gerade in 
23 Mm. Länge, schlägt dann plötzlich einen kurzen Bogen nach oben. uud,.geht von da ab 
dem Sect. brevis näher in ähnlichem Bogen 40 Mm. vor der Flügelspitze zum Hinterrande. 



— 72 — 

Im Räume iwisohen S. brevia und trigonali superior, dum Spatium discoidale, lindet sich Ina 
zur verengten SttlU- eine Doppelreihe oblonger Zollen, die in gebrochener Linie auf einander 
tfehttl, dann an der verengten Stelle eine einlache Zellenreihe, spater die engmaschigen 
bandzcllen. Oer S. trigonali inferior bildet die Fortsetzung der äusseren Seite des Spatium 
quadrangulare, eine gerade kräftige Ader, etwas schräg gegen den Hinterrand gestellt; etwa 
7 Mm. vom S. brevia schwingt er sich in flachem Bogen nach oben, und geht mit mehr- 
fachen unregelmüssigen Bogenzweigen /.um Binterrande; sein Ende ist fein und verliert sich 
unt.:r den Randzellen. Der Raum zwischen ihm und dem Sect. trigonali BUperior hat zuerst 
ziemlich gleichmä&sige Reihen länglicher Zellen, die neben der geraden Wurzel des Sect. 
trigonali inferior BO gerade sind, daaa ich zuerst hier ein kleines, bis an den S. bre\ is heran* 
reichendes Flügeldreieck zu sehen glaubte; letzteres ist aber nach öfter wiederholter Prüfung 
nicht vorhanden. Der ganze übrige Raum, auch der darunter liegende bis zum Flügelrande, 
ist mit dem engmaschigen Zellennetz ausgefüllt. Das Spatium medianum und die übrigen 
Adern aus der Flügelbasis sind undeutlich; die Postcosta tritt nicht ganz an den Sect. trigo- 
nali inferior heran, sondern schlägt einen parallelen Ast nach unten; zwischen beiden linden 
sich verbindende Queradern. Von der PostCOSta gehen einige schräge Adern gegen den 
Hinterrand 

Hinterflügel etwa 9 1 Mm. lang, wovon 90 Mm. erhalten Bind; die Breite beimNodus 
betragt l!t Mm., der Nodos ist 56 Mm. von ihr Spitze entfernt. Die Form der Spitzenhälfte 
ist die des VorderHügels ; die sehr undeutliche Rasalhälfte scheint gegen die Ra.sis hin breiter 
zu Beyn, etwa 1!» Mm. Der Vorderrand, besonders das Pterostigtna, sind undeutlich. Dir 
Ursprung und Verlauf der Randadern und der Sectoren principalis, brevis, raedius, Bobnodahs, 
nodalis, internodalis und das zwischen denselben liegende Zellennetz ist wie im \ orderfiügeL 
I)er zwischen den beiden Vorderflügeln liegende Hintertiügel zeigt den Arculus und si im 
Umgebung. Der Axculua liegt 31 Mm. vor demNodus, und bildet eine kurze, schräge Ader, 
von der der Sect. principalis und brevis getrennt entspringen. Das unter dem letztern liegende 
Spatium quadrangulare ist t Mm. lang, schmal, und scheint drei Queradern zu hallen. Seine 
schräge Aussenseite setzt sich 7 Mm. lang in eine kräftige Ader fort, den S. trig. inferior. 
/kosten neben ihm sehe ich wie beim Vorderflügel einen schmalen vertieften Raum, dem 
dortigen Dreieck ähnlich Das untere Ende desSector trigonali inferior ist noch etwa 8 Mm. 
n Hmterrand entfernt, während es beim Vorderflügel nahe heran tritt; dann schlägt sieh 
derSeotot nach oben und geht wie dort mehrfach gebrochen und verzweigt »um Hinterrande. 
Da Sector trig. superior seheint zum Theil sichtbar, und geht dann fast bis zum Nodos 

(also langer ab im Vorderflügel) «lein Sector brevis nahe und parallel, alles I fahrige ist nicht 

M'htbar. Dos fisine Geäder der Spitzenhälfte habe ich nicht gezeichnet, da es sieh von dem 
\ orderflttgele nicht unterscheidet 

l\opi und Thorax liegen vertieft . sind durch Krystalh entstellt . und so undeutlich, 



— 73 — 

dass sich nicht einmal entscheiden lässt, ob sie auf der Seite liegen, oder von obenher 
gesehen werden. Der Kopf bildet einen stumpfen Kegel von 12 Mm. Länge und Breite; 
es machen jedoch die Umrisse auf der anderen erhabenen Platte es wahrscheinlicher, dass 
der Kopf ganz fehle , und die angedeuteten Umrisse den kurzen Vorderbeinen angehören. 
Der undeutliche Thorax stellt eine Höhlung dar von etwa 17 Mm. Länge und 12 Mm. Breite. 
Sonstige Andeutungen von Füssen fehlen. Der Leib ist in seinen Umrissen und der 
Gliederung undeutlich; er hat etwa 100 Mm. Länge bis zu den Appendices, ist walzig 
und 7 bis 8 Mm. breit; die stumpf abgerundete Spitze 6 Mm. breit. Die Appendices bilden 
zwei platte, 3 Mm. breite, und wohl 15 Mm. lange Blätter mit vertiefter Längsrinne; ihre 
Spitze ist abgebrochen. Ein vertiefter Eindruck zwischen denselben deutet auf untere Appen- 
dices oder weibliche Legeklappen hin. 

Das Insect, welches Germar als zu seiner Aeschna gigantea gehörig in Act. Leopold., 
XIX. Taf. 23. Fig. 14 a in halber Grösse abgebildet hat (Mus. Monac. Nr. 28) gehört, 
bestimmt zu I. Aspasia, Maasse , Form, Geäder stimmen durchaus, der Leib ist etwas länger, 
nämlich 105 Mm. Das Thier liegt auf der linken Seite und ist nicht besonders deutlich; 
ich habe deshalb in Taf. XII. Fig. 12 auch nur einen Theil abgebildet. Der Kopf ist rundlich, etwa 
12 Mm. lang, aber kaum in den allgemeinen Umrissen deutlich. Der Thorax ist kurz und 
kräftig, fast viereckig, 16 Mm. hoch und eben so lang. Die Umrisse der Nähte und Erhaben- 
heiten sind so undeutlich , dass sich nichts mit Sicherheit darüber sagen lässt. Von den 
Füssen sind Theile vorhanden, namentlich von den Hinter- und Mittelfüssen. Die sehr kräf- 
tigen spindelförmigen Schenkel der Hinterfüsse sind etwa 20 Mm. lang, die geraden Schienen 
etwa 14 Mm., der Tarsus gegen 8 Mm. lang gewesen. Die ganz erhaltenen Flügel vervoll- 
ständigen die Kenntniss dieser Art in Betreff des Basaltheils der Hinterflügel. Der schräge 
Arculus liegt 1 1 Mm. von der Basis ; das Spatium quadrangulare ist fast 6 Mm. lang, gegen 
die schräge abgeschnittene Spitze etwas erweitert, mit drei Queradern. Im Spatium basale 
scheinen Queradern zu fehlen. Der S. brevis geht in flachem Bogen etwa 40 Mm. vor der 
Plügelspitze , also früher als im Vorderflügel , zum Hinterrande. Der S. trigonali superior 
verläuft ihm nahe, macht aber schon 13 Mm. vom Spat, quadrangulare den kurzen Bogen 
nach oben, also wesentlich früher als im Vorderflügel. Der S. trigonali inferior geht schräge 
nach unten, und bricht sich, etwa 6 Mm. vom Hinterrand entfernt, unter fast rechtem Winkel, 
läuft zuerst gerade, und scheint dann mit mehrfachen Bogenästen zum Hinterrande zu 
gehen. Vom Brechungspunkte sendet er einen schrägen, kräftigen Gabelast gegen die Basis 
des Hinterrandes. Die Postcosta läuft der Submediana parallel und biegt sich , ohue sich 
mit ihr zu vereinen , nach unten parallel dem Sect. trigonali inferior zum Hinterrande. 
Zwischen dem S. trigonali superior und inferior, und zwischen dem letzten und dem Hinter- 
rand , auch unter der Postcosta liegen Kettenreihen fünfeckiger langer Zellen ; zwischen 
Submediana und Postcosta eine einfache Zellenreihe. Der Hinterrand ist bald von der Basis 

P»laeonlogr.. B»ml XV , 7. 10 



- 74 - 

ah erweitert und gekrümmt , so dass der Flügel an der Spitze des Spatium quadrangulan- 
M Mm. breit ist. Per Lei!» ist 6 Ins 7 Mm. breit An der Stelle, wo die Append'n •• - 
liegen, sehe ich zahlreiche, unrcgclmiissig durch einander lautende Längsstreifen Es hat, wenn 
- die Appendices wirkliefa Bind, den Anschein, als. ob sie gereift oder gar stark behaart 
gewesen wären. Vielleicht gehört aber die ganze Bildung gar nicht zum Thier. In dem 
Pt. : . der Vorder' und Hinterflügel sehe ich auf eine Länge von etwa IS Mm. keine 

Queradern; doch ist dieser Theil nicht ganz deutlich. 

Kin Stück (coli. Krantz Nr. <s.')) ist in beiden Platten erhalten, zeigt aber nicht mehr 
als das vorige. DieMaaase Bind etwas kleiner; Kong. tot. 140 Mm.; Long, abdom. 97 Mm.; 
Long, alae rap. üti. ahn- infer. '.»1 Mm. Das Stück liegt auf der Seite. An der Unterseite 
dir ersten Hiuterleibsglieder findet sieh eine Ausbuchtang, ähnlich den männlichen Geschlechts- 
theilen der Odonaten. Efl ist aber nicht ganz zweifellos. * »1 > dieselben nicht vielleicht durch dort 
liegende Theile der Küsse gebildet wird. Die Küsse sind kräftig, und mit Seitendornen versehen. 
Km Stiiek (Mus. Monac. Nr. 26) in beiden Platten zeigt auf der vertieften ausgearbeiteten 
Platte das Geäder recht deutlich. Bei einer Körperlänge von 145 Mm. sind die Pittgel 
etwas kurzer, nämlich die Hinterflüge] 87 Mm., die Vorderfiüg !. Boweit die abgebrochene 
Spitze urtheilen läset, 98 Mm.; Flügelbreite beim Xo.lus ls Mm. Das Stück liegt auf der 
Seite, gl den Basaltheil der Oberflügel deutlicher als alle übrigen; leider liegen aber 

auch hier beide Pittgel über einander, und verwirren die Theile BO, dass sich der Lauf der 
Adern mehr vermuthen als sehen läset. Ji denfaus ist der Arculus 7 Mm. von der Basis entfernt, 
und das Spatium basale Bcheint ohne Queradern zu sevn. Auch hier sehe ich am Anfange 
d- * Abdomen unten einen Wulst . wie er den Männchen eigen ist Die Appendices sind 
. le, w lnnal, Bpita und 15 Mm. lai 

Kin sehr grosses Stück (coli. Krantz Nr. 6) ist nur in der vertieften Platte erhalten. 

Long. t'.t. löö Mm ; Long, abdom. 109 Mm ; Long, append, 1"> Mm.: Long, alae 

-up. 102 Mm ; alae int. !> 1 Min.; bat. alae inl. •_'_' Mm. Das Stück liegt auf der Seite; 

die Längsadern dir Pittgel sind deutlich genug, um die Identität zu beweisen; im Oberflügel 

liegt d. i Arculus 7 Mm. von der Basis, und das Spatium <|uadrangulare Bcheint etwa ."> Mm. 

lang gewesen zu seyn. Der Kopf ist ganz eingedrückt, und ein Oval von \- Mm. Länge 

und '.• Mm. Breite scheint <1 - Auge zu bezeichnen. Thorax und Küsse lassen der 

chreibung nichts Neues hinzufügen. Die Gliederung des Abdomen ist zum Theil an. 

nau wie hei dem gleich eu beschreibenden besseren Stticke. Die Appendices 

bilden spitz* d 3 Mm. Breite in der .Mitte. 

I ata Nr. 7) ist nur in der erhabenen Platt.' vorhanden; 

I -.1111111111. ■ Abdomen beweist, d nicht die Gegenplatte des vorigen Stückes seyn 

kann, obwohl nau d i es elben grossen Dimensionen seigt; es liegt auf der Seit.. Die 

I noch roi dem Nodos weggebrochen. Der Kopf i*t auch hier gans unkenntlich; 



- 75 - 

der Thorax ist 19 Mm. hoch und 20 Mm. lang; die Schulternaht und der darüher liegende 
Theil bis zur Mittelnaht sind angedeutet; die Seitenhöhe dürfte 15 Mm. betragen haben; die 
zweite Sutur ist angedeutet, und der darüber liegende Theil gegen den Kopf hin wulstig 
aufgetrieben. Der Leib ist besser als bei den anderen erhalten ; seine seitliche Breite beträgt 
an der Basis 10 Mm., in der Mitte 7 Mm., am Ende wenig über 5 Mm. Die Länge der 
Glieder der 10 Segmente ist folgende von der Basis aus gerechnet: 7, 10, 12, 16, 16, 15, 
13, 10, 6, 5 Mm., es sind dabei die starken und sichtlich gedehnten Zwischenhäute der 
Segmente mitgemessen ; unten ist die Bauchhaut bei jedem Segment etwas blasig vorgetrieben ; 
das letzte Segment ist an der Spitze scharf abgeschnitten. -Unter den oberen , ziemlich 
undeutlichen Appendiccs liegt an der Basis ein 4 Mm. langer, viereckiger Theil, entweder 
untere Appendices, oder weibliche Geschlechtstheile. Der untere Band des zweiten Segments 
ist nicht deutlich, zeigt aber allerdings die Möglichkeit, dass männliche Genitalien hier vor- 
handen sind. Das Geäder im ßasaltheil der Unterflügel ist recht deutlich , ohne jedoch 
Neues zu bieten. Die Füsse zeigen folgende Dimensionen von den Vorderfüssen an gerechet: 
die Schenkel 15, 18, 21 Mm.; die Schienen 11, 13, 15 Mm.; Tarsus 8 bis 10 Mm. Die 
Schienen sind kräftig, spindelförmig, in der Mitte etwa 3 Mm. dick, aussen mit erhabenen 
Leisten. Die Schienen sind gerade, kantig, mit äusserer erhabener Leiste. Die Tarsen sind 
kräftig, aussen und innen bedornt, ihre Klauen 2 Mm. lang, wenig gekrümmt, spitz. Ueber 
die Zahl und Länge der Fussglieder vermag ich leider keinen Aufschluss zu geben. Die 
Hinterfüsse erreichen nicht das Ende des vierten Hinterleibsgliedes. 

Endlich habe ich noch einen Unterflügel (Mus. Monac. Nr. 59) abgezeichnet; er ist 
schön in beiden Platten erhalten und reicht bis zur Mitte zwischen Basis und Nodus. Das 
deutliche Geäder zeigt in der ganzen Länge, wo das Pterostigma seyn sollte, Queradern, so 
dass ein eigentliches Pterostigma dieser Art fehlt. 

Sechs Stücke sind aus Eichstätt, nur die Type Germar's ist mit Solenhofen bezeichnet. 

I. Helle steht unbedingt dieser Art sehr nahe, unterscheidet sich aber durch wesentlich 
geringere Grösse, sichere Anwesenheit eines Pterostigma, endlich durch den Bogen, welchen 
der Sector trigonali superior nach oben sehlägt und dadurch das Discoidal-Feld verengt. 
Dieser Bogen ist bei I. Aspasia in beiden Flügeln sehr kurz und deutlich ; bei I. Helle ist er 
in den Vorderflügeln sehr flach, in den Hinterflügeln eigentlich gar nicht vorhanden. Auch 
geht der Sect. trigonuli inferior bei I. Helle in einem kurzen, stark gekrümmten Bogen zum 
Hinterrande, während er bei I. Aspasia in mehrfach gebrochenem Bogen sich unter das feine 
Geäder fast verliert. Endlich entfernt sich bei I. Helle der S. principalis in ähnlicher Weise 
wie bei I. Aspasia von der Mediana unterhalb des Pterostigma, doch finden wir hier nur 
zwei Reihen unregelmässiger Zellen in diesem Räume, der bei I. Aspasia daneben noch 
eine dritte Reihe viereckiger Zellen enthält. 

1. Aspasia ist der Riese unter allen bekannten fossilen und lebenden Odonaten. 

Hi* 



r« — 



Isophlebiu Helle Hagen. Taf. XI. Flg. 1 

l'.in Stück von .seltener Schönheit (Nr. 82 Mus. Uonac.); 68 ist nur eine I'latte mit 

dem Abdruck vorhanden ; der Körper des Thieres liegt beträchtlich vertieft auf der Baoch- 

, wodurch die Basis der Flügel und ihr innerer Karnl mehr herabgezogen sind. Das 

Tliier macht den Eindruck, als wenn es mit aufrecht Btehenden Flügeln in die Blasse gekommen 



und dann ein stärkerer Druck von oben her die Flügel halb auseinander gebreitet habe. 
1 »as Stock ist /.um Thcil sehr geschickt ausgemeisselt. Pterostigma und. das herrlich erhaltene 
Geäder sind hell ochergelb. Da sich die Flügel jeder Seite mehr als zur Hälfte decken, so 
habe ich der Deutlichkeit wegen nur den rechten HinterHügel ganz ausgeführt, bei den übrigen 
meist nur den Verlauf der Längsadern angegeben. Der Hasaltheil des Vorderrandes bis 
_..n den Nodos hin ist nur bei den Vorderflügeln deutlieh, bei den Hinterflügcln liegt er 
tiefer im Steine begraben. Die Vorderflügel sind etwas länger als die Hinterflügel, sonst in 
1 orm, Breite und Geäder ihnen gleich, mit wenigen zu erwähnenden Ausnahmen. 

-'. tot 100 Mm. 



, unvollständig 

:il"lii|l) 7.") 

ahn- -ii[> 74 

alae int. . . . . 71'.' 
pteroaüg, ... 8' ., 

Exp. al.ir. inf. . . . . 146? 

Lat, eap 12? 

Long, alar 14' r 

HinterflügeL Long. 71 Mm., «loch ist die Mark herabg nicht sichtbar, 

wahrscheinlich also die Länge etwas bedeutender; fünfmal so lang als breit; die gröst 
Breite beim Nodos II 1 ,.Mm. ; von da gegen die parabolische Spitze hin langsam und gleich- 
massig verschmäleii en die Basis hin verschmälert sich der Flügel langsamer, da aber 
hier der nach unten gebogene Binterrand der Flügel nahe zusammentritt, bleibt dieser Theil 
undeutlich. I >. r Vorderrand ist gegen den Nodos bin leicht eingezogen; der Hinterrand bis 
zum Nodos flach g . von dort bis zur Spitze fast gerade; die Flügelspitze liegt dem 
Hinterrande naher. Der Nodos liegt 31 Mm. von der Basis, 10 Mm. von der Spitze des 
Hügels entfernt, also etwas vor der Haltte. Der Nodos der VorderflUsel liest 13 Mm von 
der Fingelspitze entfernt Der Nodos scheint gerade abgeschnitten, doch sind die Randadern 
daaelhfl rbreitert Die Costa ist aofiällig breit, an der Basis fast 1 Mm., und ver- 
schmälert sich gegen den Nodos bis '/, Mm. Auf der Costa Bind die erhabenen Funkte 
und . ine Längsriefe theilweise deutlich. Subcosts und Mediana sind kräftig, aber viel schwächer, 
schmale anter äV ae Randfeld erweitert sich im Basaldrittel bis 2 Mm. 
lind sehr fein, und ihre Zahl nicht deutlich, mit Ausnahme sweier Btarker 



- 77 — 

Adern, die auch das zunächst liegende Feld durchsetzen und bis zur Mediana gehen. Die 
erste, 5 Mm. von der Basis, geht schräge nach innen, die andere, 12 Mm. von der Basis, 
gerade durch beide Felder. Auch die Queradern in dem zunächst liegenden schmalen Felde 
sind fein und undeutlich ; ich glaube mich aber versichert zu haben, dass in beiden Feldern 
Queradern existiren, ungefähr in ähnlichen Abständen wie die Postcubitales ; es würde ihre 
Zahl nach einer ungefähren Schätzung 18 bis 20 seyn. (Die bisher beschriebenen Theile 
sind meistens dem Vorderflügel entnommen.) Das Pterostigma ist 21 Mm. vom Nodus ent- 
fernt; im schmalen Randfelde 13 Postcubitales, die mit den darunter liegenden nicht corres- 
pondiren ; zwischen Pterostigma und Flügelspitze 15 Queradern. Das Pterostigma sehr lang 
und schmal, wohl 16 mal so lang als breit; die äussere Querader gerade, die innere schräge, 
nicht das darunter liegende Feld durchsetzend- In letzterem beginnen die Queradern dicht 
am Nodus; zuerst kommen etwa 13 kleine Zellen, dann vor dem Pterostigma beginnen einige 
lange, unter der Aussenhälfte des Pterostigma stehen wieder kleine Zellen, und von dem 
Aussenrande des Pterostigma bis fast zur Flügelspitze eine doppelte Zellenreihe. Es tritt 
daselbst der Stctor principalis etwas weiter von der Mediana zurück , wodurch das Feld 
sichtlich verbreitert wird. Der Arculus liegt 6 Mm. von der Basis entfernt, gleich hinter 
der schrägen erwähnten Antecubitalis ; er ist entgegengesetzt schräge und ungebrochen. Vom 
Arculus entspringen getrennt der Sector principalis und brevis ; im Spatium basilare sehe ich 
keine Querader. Es sind jedoch diese Theile nicht ganz deutlich; sie liegen im Stein halb 
vertieft, und die Zeichnung giebt sie etwas zu breit an. Die natürliche Verkürzung, in 
welcher sie auf dem Steine gesehen werden, liess sich in der Zeichnung der Deutlichkeit 
halber nicht darstellen. Der Sector principalis scheint mit gerader Wurzel aus dem oberen 
Theile des Arculus zu entspringen, und verläuft der Mediana nahe und parallel zur Flügel- 
spitze; nur hinter dem Pterostigma entfernt er sich, wie schon erwähnt, etwas weiter von 
ihr, um einer doppelten Zellcnreihe Platz zu schaffen. Aus dein Sect. principalis entspringt 
unter spitzem Winkel der Sector medius 15 Mm. vor dem Nodus und 9 Mm. vom Arculus 
entfernt. Er verläuft fast gerade, ist nur an der Spitze leicht gekrümmt und geht 18 Mm. 
vor der Flügelspitze, dem Beginn des Pterostigma gegenüber, zum Hinterrande. Der Sector 
subnodalis entspringt 11 Mm. vor dem Nodus aus dem Sector principalis, vielleicht mit einer 
/weiten stärkeren Wurzel auch aus dem Sector medius. Er verläuft dem Sector medius 
ähnlich und nahe, entfernt sich allmählich mehr von ihm, und geht 12 Mm. vor der Flügel- 
spite, dem Ende des Pterostigma fast gegenüber, zum Hinterrande. Der Sector nodalis ent- 
springt vom Nodus , verläuft dem Sector subnodalis ähnlich und genähert ; an der Spitze 
mehr entfernt, geht er 9 Mm. vor der Flügelspitze zum Hinterrande. Der Sector internodalis 
entspringt 7 Mm. hinter dem Nodus; sein Anfang ist dem Sector nodalis stark genähert, 
dann entfernt er sich mehr von ihm und theilt später das Feld zwischen Sector principalis 
und nodalis in gleiche Hälften ; er geht 3 Mm. vor der Flügelspitze zum Hinterrande. Der 



— 78 - 

S etor brevis entspringt, rä et Boheint, mit gerader Wursel, aus der .Mitte des Arculus, 
und verläuft dm» Sector medius Bhnlich 25 Mm. vor der Flügelspitae zum Hinterrande. Er 
\-t leicht nach unten gezogen und verdickt an der Stelle, in welcher das unter ihm liegende 
S|.atium quadrangulare endet. Die Subinediana geht, an der Spitze leicht nach unten ge- 
krümmt, zur Qaerader, die das Spatium quadrangnlare aussen begränzt, 5 Mm. hinter dem 
Arculus. Aus diesem Punkt entspringt der Seetor trig. superior (oder bildet eine Fortsetzung 
der Subinediana). verlauf) dem Sector brevis ähnlich und geht 32 Mm. vor der Flügelspitae 
zum Hinterrande. Etwas vor seiner Hälfte ist er leicht nach unten geschwungen, und giebt 
daselbst noch vor dem Xodus einen stärker gekrümmten Gabelast zum Hinterrande. Das 
Spatinm quadrangnlare ist oben 6, unten ö Mm. lang, an der Spitze 1 Mm. breit, an der 
Basis etwas schmäler. Es entlädt etwa drei Queradern ; seine obere Seite bildet der Sector 
brevis, seine untere die Subinediana, seine innere der schräge Arculus, seine äussere eine 

ade starke Querader, die sich nach unten jn den Sector trig. inferior fortsetzt. Letzerer 
geht zuerst fast 4 Mm. lang gerade nach unten, und gabelt sich dann. Der Ramus recurrens 
i.-t nur im Anfange sichtbar, der andere Zweig geht in stark gekrümmtem Bogen vor dem 
N las zum Hinterrande. Unter dem Spatium quadrangnlare liegt das Spatium medianum. 

mu untere Seite die Postcosta bildet; dieselbe tritt aber nicht ganz bis an den Scct. trig. 
inferior heran, sondern ist durch einige unregelmässige Zellen von ihm getrennt. Ob im 
Spatium medianum Adern stehen, ist nicht ganz sicher, ein Paar glaube ich zu sehen. Der 
Basalthei] des Hinterrandes ist nicht sichtbar. 

Das Geäder der Flügel ist fein, und die Anzahl der Zellen sehr beträchtlich. Denkt 
man sich eine Linie vom Anfange des Pterostigma zur unteren Spitze des Spatium quadran- 
gulare gelegt, so hat der darüber liegende Theil (also längs dem Vorderrande) einfache 

eckige Zellenreihen, der darunter liegende längs dem Hinterrande zahlreiche BUpple- 
mentäre Sectoren, die den beschriebenen Sectoren ähnlich sich krümmen, und dicht am 
Hinterrand immer häufiger werden. Sie sind leicht gebrochen, und fassen sehr zahl- 
reiche und ziemlich regelmässige, kleine sechseckige Zellen zwischen sich. Die Reihen, welche 
den Hanptsectoren zunächst liegen, führen meistens etwas grossere viereckige Zellen. Eine 
Ausnahme macht das Feld zwischen Sector principalis und internodalis, das anter dem Ptero- 
stigma mehrere anregelmässige Zellenreihen enthält, und im Spitzentheil supplementäre s 

toren, die da-, Feld schräge durchsetzen. Im Discoidal-Fclde (der Fortsetzung des Spatium 
quadrangnlare) Stehen bis zum Xodus zuerst eine, dann zwei und zuletzt drei Reihen vier- 
eckiger Zillen; von da ab wird die Zahl viel grosser, l'er Kaum unterhalb des Sector trig. 
ml. rior enthalt mehrfache Zellenreihen , die besonders zwischen Basis und Ramus recurrens 
Dnregelmäarig werden. 

Kopf m.. 1 Thorax sind mit Krysteilen gefüllt und entstellt; von der Flügelbasis bis 
zur SpHse des Kopfes mite! da- 'I hier 89 Mm. Der Thorax ist nicht über 7 Mm . der Kopf 









— 79 — 

vielleicht etwas breiter gewesen. Ein Vorderfuss zeigt einen Schenkel von 9 und eine Schiene 
von 8 Mm., mit erhabener Längsriefe. Der erhaltene Theil des Leibes ist cylindrisch, 75 Min. 
lang, und 4 Mm. breit; die Verbindung der Segmente ist nicht deutlich. 

Das Geäder der Vorderflügel ist zum Theil deutlich durch das Geäder der Hinterflügel 
sichtbar, und diesem bis auf einige gleich zu erwähnende Punkte durchaus analog. Ich habe 
deshalb, um die Finger nicht undeutlich zu machen, nur die Längsadern eingezeichnet. Der 
Sector trigonali superior, der beim Hinterflügel an einer erwiihnten Stelle nur leicht nach unten 
geschwungen ist, bildet im Vorderflügel an der analogen Stelle (a) einen deutlichen, aber flachen 
Bogen. Seit ich das Geäder von I. Aspasia kenne, kann ich auch bei I. Helle die Adern im 
Vorderflügel bis zur Basis verfolgen. Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, dass die Anord- 
nuno- genau wie dort ist. Die lange , schräge Querader , welche die Fortsetzung der äusseren 
Seite des Spatium quadrangulare bildet, steht 7 Mm. von der Basis entfernt. Ich habe diesen 
Theil nicht eingezeichnet, um die Abbildung nicht zu verwirren; auch sind die Adern nicht 
so deutlich sichtbar, um die Zweifel endgültig zu lösen, welche gerade hier bei I. Aspasia 
obwalten. Man kann eben nur sagen, dass die Bildung bei beiden Arten gleich erscheint. 

Ich habe von I. Helle nur das eine beschriebene Stück gesehen. Die beiden andern 
in meinem Katalog erwähnten Stücke gehören nicht zu dieser Art. 



Steno phlebia Hagen. 

Der Kopf ist meist nur in den Umrissen erhalten; seine Oberseite ist nur bei einem 
Stücke von St. aequalis (coli. Krantz Nr. 86) deutlich. Er ist etwas breiter als lang; die 
Netzaugen sind durch ein Meissel- artiges Occiput, das etwa l / 7 der Kopfbreite und */, der 
Breite des Netzauges hat, getrennt. Die Netzaugen gehen nach vorn hin stark divergirend 
aus einander, sind elliptisch, und überragen nach hinten den Kopf beträchtlich. Vor dem 
Occiput und von ihm durch einen kleinen Querwulst getrennt, liegen nahe beisammen in einer 
leichten Curve die ziemlich grossen Netzaugen. Andeutungen der Fühler, und zwar wo sie 
liegen müssen, vorn am Innenrande der Netzaugen, glaube ich in einem ziemlich grossen 
Basalgliede oder zweiten Gliede zu sehen; immerhin sind sie so undeutlich, dass sie keine 
Schlüsse erlauben. Die Stirn ist undeutlich; nach dem Räume zu urtheilen, in welchem sie 
gelegen hat, war sie kurz und breit; die Stirnleiste, falls sie ausgeprägt war, hat etwa in 
der Vereinigungslinie der vorderen Augenwinkel gelegen , und war bestimmt in der Mitte 
etwas wulstförmig aufgetrieben ; der vordere, noch kürzere Theil der Stirn hat jederseits neben 
den Augen einen elliptischen Lappen gebildet. Das Epistoin ist durch den jederseits aus- 
geschweiften , scharf vortretenden unteren Rand deutlich begränzt ; es ist kurz und breit 
gewesen, jederseits läuft es in eine scharfe Spitze aus. An dasselbe fügt sich das kurze 
breite Rhinarium. Die Oberlippe ist nicht sehr gross, etwa dreimal so breit als lang, flach 



— HO — 

abgerundet; in der Mitte ihrer Basis scheint der gewöhnliche Eindruck zu stellen; ihr Seiten- 
rand ist uneben und gewimpert Die Oberkiefer stehen seitlieh in gewöhnlicher Art und 
üherragen auch vorn etwas die Oberlippe. Die Unterlippe ist nur in einer Platte eines 
Stückes von St. Phryne (coli. Krauts Nr. 87) deutlieh; sie ist im Verhältniss /.um Kopte 
klein, elliptisch gewanden, hinten gerade abgeschnitten und noch einmal so breit als lang, 
vorn an der Spitze wahrscheinlich ausgekerbt. Von den Tastern ist das /.weite . aussen 
Bach gerundete Glied schmaler als die halbe Lippe und kürzer. Das mehr gekrümmte End- 
glied ist fast gänzlich von der Lippe verdeckt. 

Der Prothorax ist nirgends deutlich sichtbar; bei St. aequalis scheint er kurz und 
breit gewesen ra Beyn; der Hinterlappen gross und abgerundet. Der Thorax i>t mehrfach 
in einzelnen Parthien deutlich; er ist schmal, etwa noch einmal so lang als breit, von 
gleicher Breite; der Kücken ist oben wohl flach gewesen, die Mittelnaht erhaben; die Sinus 
lauten vom spitz zu. und sind noch etwas weiter in die Mittelnaht hinein gespalten; die 
Eindrücke und Erhabenheiten zwischen den Wurzeln der Flügel haben die bei lebenden 
• Odonaten gewöhnliche Form. 

I 1 ( Leib hat mein- als 3 / t der Körperlänge; er ist also recht lang und auffallig 
dünn, an der Basis und Spitze verbreitert. Die kolbige Erweiterung der Basis i>t stärker 
in senkrechter Richtung als der Quere nach, und betrifft eigentlich nur die beiden Basaiglieder. 
Erweiterung im Spitzentheil betriff! die drei vorletzten Segmente, ist im achten am 
beträchtlichsten, und nimmt im siebenten gegen die Basis hin, im neunten gegen die Spitze 
hin rasch ab. Sie scheint vorzugsweise dem Qaerdurchmesser anzugehören, und ist zum 
Th.il wohl durch seitliche lappenartige Erweiterung der betreffenden Segmente veranlasst 
Möglicher Weise betrifft sie aber auch zum Theil den senkrechten Durchmesser, wenigstens 
erklärt sich nur dadurch (wenn man nicht wesentlich mehr Arten annehmen will) die Diffe- 
renz >\>v Erweiterung bei sonst gleichen Stücken. Hat nämlich auch eine Erweiterung im 
^rechten Durchmesser stattgehabt, so wird durch gsö sere oder geringere Pressung von 
•i und auch durch die Stellung und Lage der seitlichen Erweiterung eine verschiedene Bn 
rvorgebrachl werden. Die Glieder •"■ bis 7 Bind lang und fasf von gleicher Länge, die 

8 und '.i kürzer, aber von gleicher Länge, das Glied - ist wenig kürzer, die Glieder 

1 und in sehr kurz. 1 'er Leib hat auf dem Rücken eine erhabene Längsnaht gehabt, die 

; bestimmt !>i> zum Ende dea neunten Segments verfolgen lässt, und füllt -zu beiden 

hförmig ab; unten tnunt eine tiefe eingedrückte Längsfurche die Segmente auf 

die gewöhnliche Weis,-. Der Leib der Weibchen unterscheidet sieh durch grössere Breite in 

'■'. • und geringere Verbreiterung an beiden Enden, i-t also gleichmiissigcr. Auch hier 

einzelne Stücke, besonders im Spitzentheil, eine grössere Breite. Die Anhänge der 
Männchen lind nirgends ganz deutlich; die obern scheinen platte, sangenförmig gekrümmte 
Hacken so bilden; ob untere vorhanden lind, lässt sich nicht entscheiden. Die tahän 



— 81 - 

der Weibchen scheinen kurz und gerade gewesen zu seyu. Die männlichen Genitalien im 
zweiten Segment sind kaum in Andeutungen sieher. Ob seitlich äussere Ohren vorhanden 
waren , ist nicht ersichtlich. Bei den Weibchen scheint das achte Segment unten eine aus- 
geschnittene Legeklappe zu besitzen; die Bauchplatte des neunten Segments ist mit einem 
erhaltenen Längskiel versehen. Der Leib ist etwas länger als die Flügel , welche das achte 
Segment nur wenig überragen. 

Die Fiisse sind lang und dünn ; die Hinterfüsse sind länger als die übrigen, erreich' n 
aber wohl kaum die Spitze des dritten Segments. Die Schenkel sind etwas länger als 
Schienen und Tarsen zusammen , kantig , innen mit einer Reihe kurzer Zähne , aussen mit 
dichten Wimpern, deren Länge die Dicke des Schenkels nicht übertrifft. Die Schienen sind 
kürzer, dünner, und leicht auf die Schneide gekrümmt, aussen mit kurzem Haarsaum. Die 
Tarsen sind nirgends ganz deutlich; sie sind wohl kürzer als die halbe Schiene; ihre Glie- 
derung ist unsicher, doch meine ich ein kurzes ßasalglied, und zwei darauf folgende längere 
Glieder zu sehen. 

Die langen und schmalen Flügel sind etwas kürzer als der Leib , fast sechsmal so 
lang als breit; Vorder- und Hinterflügel sind von fast genau gleicher Bildung und Form, 
nur ist der Basaltheil der Hinterflügel etwas breiter, der Hinterrand stärker gerundet. Sexuelle 
Differenzen , besonders im Basaltheil der Hinterflügel, vermag ich nicht wahrzunehmen. Der 
Vorderrand ist fast gerade und fällt erst hinter dem Pterostigma stark herab; der Hinter- 
rand bis zum Nodus divergirt mit dem Yorderrande , von dort ab geht er ihm parallel, 
gerade oder leicht ausgeschweift; die elliptische Spitze liegt dem Ilinterrande näher. Der 
gerade, wenig markirte Nodus liegt in der .Mitte des Vorderrandes, und zeigt einen eigen- 
tümlichen Bau. Während sonst das zweite Randfeld beim Nodus aufhört, und die Subcosta 
von dort ab Costa wird, überragt hier das zweite Randfeld mit spitzem Ende etwas den 
Nodus, und die Subcosta scheint das darunterliegende Feld zu durchsetzen und am Sector 
principalis zu enden. Während nun dem gewöhnlichen Verlaufe gemäss der Sector nodalis 
die Fortsetzung bilden sollte, entspringt er hier abgesondert und früher, genau dem Nodus 
gegenüber. Allerdings wird diese Abnormität durch eine supplementäre Ader, oder vielmehr 
eine Fortsetzung des schrägen scheinbaren Endes der Subcosta bis zum S. nodalis bei St. 
Amphitrite und zuweilen bei einzelnen Stücken der anderen Arten ausgeglichen. Das oblonge, 
kräftige Pterostigma ist etwa sechsmal so lang als breit, und der Spitze ziemlich nahe. Der 
s<:hräge Arculus liegt der Basis nahe; aus ihm entspringen mit getrennten Wurzeln die 
beiden Sectoren. Der S. principalis bildet wie gewöhnlich mit seinen drei Arten Gabeln, 
von denen die erste und letzte, also mit S. medius und S. nodalis, eine eigentümliche, unter 
sich ähnliche Form annehmen , und zwar so, als wenn die Gabel bald nach ihrem Winkel 
plötzlich zusammengedrückt wäre, wodurch beide Schenkel an der betreffenden Stelle einen 

Pklaeontogr., n«nd xv, ?. 






— 82 - 

hwungenen Verlaul annehmen. DerS. medius entspringt etwa- hinter der Mitte ■wischen 
Nod us um] Arcnlus, der S. Bubnodalie bald darauf. Letzterer verläuft wie gewöhnlich dem 
S. uodalis nahe; bei St. Amphitrite gabelt er Bicb jedoch, und giebt noch einen unteren, dem 
v . medius nahe verlaufenden A>t ab. Bald hinter dem Arculua befindet sieh das Dreieck; 

ist klein. Behr Bchmal und so sehnig gestellt, dass der darüber liedende Raum ein Trapei 
bildet 1 >a^ selunale Discoidal-Feld i-i gegen die Spitze hin stark erweitert, da der S. tri_ 
nah* Buperior einen mehr gekrümmten Bogen bildet als der S. brevis. Die Postcosta geht 
unter dem Winkel des Dreieckes fort, BO dass ein inneres Dreieck sieh Dicht bildet, und 
endet dann als S. trigonali inferior in mehrfachen, etwas unregelmässigen (iahein. Sämmt- 
liche Sectoren sind an ihrer Spitze ehe sie zum Hinterrande lauten plötzlich und starker 

.riimmt. Sämmtliche Felder zwischen den Längsadern zeigen eine grosse Zahl supplemen- 
täre S reu, die vom Hinterrand ausgehen und die .Mitte der Flügel erreichen. Es hat 
dadurch die hintere Hälfte des Flügels wesentlich kleinere und zahlreichere Zellen, als die 
vordere Haltte. Di< Zellen sind fast durchweg viereckig, oft sogar quadratisch; nur unter- 
halb des S. trigonali posterior und am Anfang des Discoidal-Feldes linden sich Zellen, die in 

rochener Linie auf einander Blossen, und daher Fünfeckig und mein- oder minder unregel- 

u _ Bind. Die Merabranula accessoria ist ziemlich gross. 

In Betreff der Stellung der Gattung Stenopblebia im System weisen zuvörderst die 
ennten Augen und die Gegenwart eines durch (inen oberen Ast der Submediana gebildeten 
Flügeldreieckee sie bestimml in die Familie der Gomphinen. Auch die fast identische Form 
und Bildung der Vorder- und Hinterflügel hält sich in den bei einigen Gattungen festgestellten 
Grenzen. Die Unterlippe ist cur bei einem Stücke deutlich; ihre Bildung, obwohl Bie an 
der Spitze ein wenig ausgerandet i>t . zeigt bestimmt, dass Stenopblebia nicht in di< 
Divisio II Fissilabiees , Bondern in die Divisio 1 Integrilabiees Selys zu stellen Bey; di< 
durch Queradern getheilten Flügeldreiecke weisen Bie siclier in die Abtheilung der Divisio 1, 
in welch« von der lebenden Fauna die Legionen Gomphoides und Lindenia mit 6 Gattungen 
-hören. Von diesem Funkt an hört aber die Vergleichung mit der lebenden Fauna 
eigentlich auf: nur bei der anomalen Gattung Chlorogomphus aus Sumatra (die aber einer 
andern Division angehört und Cordulegaster nahe zu stellen ist) finden wir drei Hauptcharacl 
wieder, dir allen übrigen lebenden Gomphinen fehlen. Ich meine die Gegenwart von Qucr- 

■ rn im Spatium basale, der .Mangel eines inneren Dreieckes, und die Kleinheit und Bchiefe 

iimi: des Flügeldreieckes. Et wird also, da Chlorogomphus an die Spitae der zweiten 
Drvinoa Ih ist. Stenopblebia am Schlüsse dei ersten Division ihre passende Stelle finden 

und zwnr als eigene. Gomphoides und Lindenia zu coordinirende Legion. 

Dophlebia (Legio «' Genus): Alis angustis, i>n aequalibus; triangulo parvo, 
to, obliquo, diviso; triangulo interno oullo; nodo retracto; reticulatione densa, quadraa« 



- 83 - 

gulari; spatio basali diviso; meinbranula accessoria raediocri; abdominu gracili elongato, basi 
inflato, apice dilatato ; pedibus longis. 

Die Stenophlebia- Alten übertreffen in Grösse und Flügelspannung die Kiesen der 
lebenden Gomphinen (Petalura) oder konnnen ihnen fast gleich. Die Sonderung der Arten 
ist unsicher; gerade die Merkmale, welche bei den lebenden Arten die Speciesdifferenzen 
liefern, also Farbe und Zeichnung, Appendices anales, Forin und Anhänge der letzten Glieder 
des Abdomen, fallen hier ganz aus. 

Man kann sich daher nur an die Grösse halten, und an die relativen Dimensionen 
der einzelnen Theile, also an Merkmale, die jedenfalls in weiteren Grunzen unbeständiger Bind, 
als die oben erwähnten. Nehmen wir hinzu, dass bei sonst durchaus ähnlichen Stücken die 
Erweiterung der letzten Hinterleibsglieder (allerdings vielleicht nur accidentell) recht ver- 
schieden ist, so wird die Unsicherheit dadurch noch vermehrt. Ich habe deshalb mehr dem 
Gefühl und der bei lebenden Arten gemachten Erfahrung folgen müssen. So sind die 
Männchen von St. aequalis und Phryne offenbar schwerer zu trennen als die Weibchen, 
bei welchen augenblicklich gesagt werden kann, dies müssen verschiedene Arten seyn. St. 
Amphitrite ist durch bedeutendere Grösse und andere bei der Beschreibung erwähnte Merk. 
male sicher verschieden. Ob aber die vorhandenen Zwischenstufen, die eigentlich mit 
gleichem Rechte zu immer je zwei von den erwähnten drei Arten gezogen werden können, 
von mir richtig gedeutet sind, ist eine Frage, deren Lösung besser erhaltene Stücke erfordert. 
( Janz deutliche und vollständige Stücke kenne ich von keiner Art ; so ist es namentlich 
unmöglich gewesen, die Tarsen und Appendices zu ermitteln. Die letzteren scheinen die bei 
einigen Gomphoides vorkommende Form grosser platt gedrückter Zangen zu besitzen. Der 
Leib, besonders seine Gliederung, ist fast immer undeutlich, und meist nur in Umriss 
erhalten. Von den Flügeln ist das feine Geäder nur bei drei Stücken gut erhalten , eben 
seiner Feinheit halber in so seltenen Fällen ; die Längsadern sind häufiger sichtbar. Der 
Kopf ist nur von einem Stücke brauchbar. 

Der Umstand, dass alle Verhältnisse identisch, nur die Grösse etwas different ist, 
hat mich davon abstehen lassen , mehr Zeichnungen der verschiedenen Stücke zu liefern, da 
sich nicht absehen lässt, dass dieselben zur künftigen besseren Bestimmung der einzelnen 
Arten einen Anhalt geben können. 



Stenophlebia Amphitrite Hagen. Taf. XIII. Fig. 1. 

Beschreibung und Zeichnung sind einem in beiden Platten gut erhaltenen Stück 
(Mus. Monac. Nr. 30) entnommen, und zwar der vertieften Platte. Das Stück liegt mit 
ausgebreiteten Flügeln vor; das feine Geäder der linken Flügel habe ich nicht eingezeichnet. 

11* 



- 84 — 

Long, tot. . . . 1 » >» > Mm 
abdom. . 
alae ant. . 

post. . T> 

pterostig. . 7 

;i|i]p. anal, . — 

Lat. cap. ... — 

alae ant. . 13 

Exp. alar. poet. . 160, 

Vorderflügel. Länge BO Mm.; grösste Breite am Xodus 13 Mm ; Breite am Arculua 
Mm., am Ende des Pterostigma 9 Mm. Der ganze Hau des Flügels ist dein von St. 
[ualis so ähnlich, dass eine Angabe der Unterschiede genügt. Der Flügel ist relativ etwas 
schmäler, besonders die Spitze; der Hinterrand ist im Spitzentheil leicht ausgeschweift, wo- 
durch der Umriss des Flügels verschieden erscheint. Der Nodua liegt l" Mm. vor der 
Basis , also in «In- Mitte des Flügels. Im Randfelde stehen ;'>•• bis 39 Antecubitales näher 
als bei St aequalis; vomNodus bis zum Pterostigma etwa 33 Postcubitales. Das Pterostigma 
rinnt 24 Mm. vm Nodus, ist 7 Mm. lang; darunter liegen etwa 9 Zellen. Der Arculua 
ist 8 Mm, von der Basis entfernt; der S. medius entspringt 1"' , Mm., der S. subnodalia 
im vor dem Nodus; der erste geht 20 Mm., der andere 15 Mm. vor der Flügelspitze 
zum Hinterrande; beide Sectoren entspringen näher beisammen, als in St aequalis; überdies 
gabelt sich der S. subnodaiis in der (legend des Nodus; der untere Ast geht dem S. medius, 
dei dem S. nodalis nahe und parallel zum Hinterrande. Bei St aequalis findet eine 

solche Gabelung nicht statt; es ist zwar auch hier ein derartiger unterer supplementärer 
toi vorhanden; er erreicht aber nicht den S. subnodaiis. Der Ursprung des S. nodalis 
i-t wie bei ' |ualis; jedoch wird derselbe durch eine Verbindungsader, die dort fehlt, 

auf die gewöhnliche Art zurückgeführt. Ich habe deshalb den betreffenden Theil stark ver- 
ubgebildet Die Subcosta reicht über ihn Nodus bis a hinaus, und kreuzt in b den 
S. principalis. Matt dass mm wie gewöhnlich der S, nodalis eine Fortsetzung von a b ist, 
St. aequalis früher, nämlich in c. Bei St. Amphitrite entspringt er gleich- 
falls in <-. ah<T eine supplementäre Ader b d führt zum S. nodalis vom Punkte b aus, und 
reducirt so das ganze Verhältniss auf die gewöhnliche Norm. Der S. nodalis endet in Mm., 
der S. internodalis •';' , Mm., der S, brevis 26 .Mm. vor der Rügelspitze. Der innei ober« 
Winkel des Dreiecks liegl 1») Mm. von der Basis; das Dreieck selbst ist etwas weni 

/. als bei St aequalis, und enthält zwei Queradern, vielleicht sogar drei; im Spatium 
basale vor dem Arculua Btehen drei Queradern. Der S. trigonali superior endet 3s Mm., 
der onali inferior 17 Mm. vor der Flügelspitze am Hinterrande. Im Spatium medianum 

ii vor dem Arculua fünl Queradern. 

I ' i ■ speeifischen Unterschiede des Vorderflügels von St aequalis und Amphitrite 



— 85 — 

beschränken sich darauf, dass bei letzterer Art der Flügel wesentlich grösser, relatif etwas 
schmäler, der Hinterrand an der Spitze ausgeschweift ist, die Antecubitales dichter stehen, 
der S. subnodalis sich gabelt, der S. nodalis durch eine supplementäre Ader mit dem Nodus 
verbunden ist. 

Hinterflügel. Länge 78 Mm., grösste Breite am Nodus 13 '/., Mm.; Hinterrand wie 
bei St. aequalis an der Basis stärker gekrümmt, 5 Mm. von der Basis an der Postcosta 
beginnend. Der Nodus liegt 38 Min. von der Basis; Pterostigma wie im Vorderflügel ; Post 
costalcs zähle ich 31, Antecubitales werden einige mehr seyn. Der S. medius entspringt 
10 Mm., der S. subnodalis 8 Mm. vor dem Nodus. Das Dreieck ist etwas länger, i 1 2 Mm., 
und hat drei Queradern. Das Feld unter dem S. trigonali inferior ist breiter und kürzer. 
Die Unterschiede von St. aequalis sind dieselben wie im Vorderflügel. 

Der Kopf, falls er überhaupt vorhanden ist, Thorax und Beine sind ganz undeutlich, 
durch Krystalle verhüllt, und nur in allgemeinen Umrissen vorhanden. Zwischen den Hinter- 
flügeln zeigt der Metathorax Eindrücke, die von den gewöhnlich vorhandenen nicht ab- 
weichen. Der schlanke Hinterleib ist, obwohl einzelne Stellen besser ausgeprägt sind, auch 
nur der Form nach sichtbar. Er ist 83 Mm., vielleicht nur 79 Mm. lang, meist 3 Mm. 
breit, am Anfang und vor dem Ende bis 4 Mm. oder etwas' mehr erweitert. Es will mir 
nicht gelingen, die Segmente deutlich zu sehen, und ich fürchte, dass einige der von mir 
angegebenen Quertheilungen unrichtig seyn werden ; ich gebe deshalb die speciellen Maasse 
nicht an. Das erste Segment hat einen viereckigen Eindruck in der Mitte dir Basis; die 
Länge des zweiten Segments und die Verhältnisse der folgenden sind undeutlich; später 
sieht man , dass der Leib unten platt und die Bauchsegmente durch eine gegen die Spitze 
erweiterte Rinne getrennt waren; die Seite des vorletzten Segments scheint einen schmalen 
Blattanhang zu besitzen; das letzte sehr kurze Segment ist gerade gestutzt, die dreieckigen 
Analplatten meine ich zu sehen. Die ganze Form des Leibes macht den Eindruck, wie 
wenn das Thier ein Weibchen wäre. 

Ein nur in einer Platte erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. <SG) hat genau dieselben 
Dimensionen. Es liegt mit ausgebreiteten Flügeln vor, deren l'mriss und Längsadern mit Be- 
stimmtheit behaupten lassen , dass das Thier mit dein eben beschriebenen identisch ist. Au 
und für sich ist das Geäder jedoch undeutlich. Der undeutliche Kopf seheint etwa 14 Mm. 
breit zu seyn, ist aber vielleicht zerdrückt; die ovalen Augen sind etwa 5 bis 6 Mm. breit. 
Der Thorax ist undeutlich, aber kräftig gewesen. Von den Beinen ist das linke Hinterbein 
kenntlich; es ist lang und dünn gewesen; der Schenkel etwa 17 Mm. lang, die dünnere 
gerade Schiene 13 Mm., der Tarsus (! Min.; doch sind auch hier nur die allgemeinen 
Umrisse sichtbar. Der Leib scheint etwas breit gedrückt auf der Seite zu liegen ; die 
Segmente sind nicht sichtbar; er ist gerade, an der Basis ö Mm., später t .Mm. breit, und 
kurz vor der Spitze auf (> Mm. erweitert. Sonst giebt er keinen weiteren Aufschluss. 



— NI - 

Kin in beiden Platten vorhandenes Stink (Mos. Monac. Nr. 81) zeigt den Thorax 
mit den Füssen, die Basis des Leibes und einen HinterflügeL Das Stück ist andeutlich. Im 
1 lügel liat genau die Dimensionen der vorigen Stücke und die Läugsadern in gleicher An« 
ordnong. Vom Kopt ist nichts Bestimmtes sichtbar. Die Beine sind angedeutet; die 

enkd haben (von vorn an gezählt) eine Länge von 15, 17 und 20 Mm.; die Schienen 
der Vorder- und Mittelfüsse Bind etwa 13 Mm. lang: alles Uebrige ist undeutlich. Der 
Leib i»t an der Basis 7 Mm. breit . verjüngt sich aber .10 Mm. von der Basis schon auf 
3 Mm. Das erste Segment ist l Mm., da» /.weite 9 Mm., das dritte wahrscheinlich 15 Mm. lang. 
Ein in beiden Platten vorhandene» Stück (Mus. Monac. Nr. 29) liegt mit ausge- 
breiteten Flügeln; die Dimensionen sind etwas grösser. Long, alae ant. BS Mm., Long. 
alae post ».: Mm. Von den Queradern Bind kaum Andeutungen vorhanden; jedoch stimmen 
die Umrisse der Flügel und die Längsadern genau mit der obigen Beschreibung von St. 
Amphitrite. Soweit ich zu sehen vermag, ist auch der Basaltheil des Hinterrandes der 
Binterflügel nicht verschieden. Die Spuren der Fasse sind ganz undeutlich; der Kopf ist 

reder d und mit den Füssen weit nach vorn (etwa 17 Mm.) geschoben, oder 

fehlt gänslich; von Thorax und Leib Bind nur die allgemeinen Umrisse vorhanden. Long, 
t-.t. etwa 107 Mm.; Long, abdom. etwa 83 Mm. Kurz nach der undeutlichen, wie es 
scheint, erweiterten Basis ist der Leib nur 1 bis •"> Mm. breit, erweitert sich aber 2o Mm. 
vor d«.r Spitze plötzlich auf ö Mm., so dass die ganze Hinterleibsspitze ein längliches Oval 
bildet Di' Segmentirung ißt nicht sichtbar. Spuren zweier divergirenden Appendices sind 
vorhanden; in gewisser BichtUDg glaube ich ZU seilen, dass sie breite und ."> Mm. lange 
Hacken bilden; die ganze Form isl aber bo andeutlich, dass ich ihre Zeichnung nicht zu 

• n wage. Ich halte dieses Stück des längeren, an der Spitze mehr erweiterten Leibes halber 
in Männchen. 



St( nophlebia aequalie Hagen. Tal. XI. Fig. 2. S. I. 

Heterophlebia neqoalu Hag, Palaeontogr., X. S. 124. t, 18. i. I— 6. 

tchreibung und Zeichnung Bind nach einem in beiden Platten Für das feine Geäder 

tön erhaltenen Stück (coli. Kraut/. Nr. 86), und zwar nach der vertieften Platte gefertigt. 
Die linken. -l<i<L gut erhaltenen Flügel Bind nicht abgebildet. Das Lude des Leibe.» fehlt, 
-uz unsicheren Umrissen nach rechts gebrochen. 

Dimensionen aller untersuchten StUok 

toi 88 Mm. Long, app, snal. . . 2' . t 

abdom. ... Lat oap 7' 2 

ant . . . *>7 alai ant. ... in 

il;n poat. . | ■. alar. poat 114. 
■ . . . 



- 87 — 

Vorderflügel. Länge 57 Mm., grösste Breite am Nodus 10 Mm., Breite am Arculua 
5'/. 2 Mm., am Ende des Pterostigma 7 1 /., Mm. Der Vorderrand bis zum Pterostigma bildet 
eine ziemlich gerade Linie, die nur gegen den Nodus bin leicht eingebogen ist; vom Ptero- 
stigma an geht der Vorderrand in leichtem Bogen nach unten, so dass die schmale, elliptisch 
gerundete Spitze neben dem Hinterrande liegt; die Basis des Flügels ist schmal und erweitert 
sich langsam , bis der Flügel am Nodus seine grösste Breite erhalt ; von dort bis zum 
Pterostigma ist er gleich breit; der Hinterrand geht also zuerst etwas schräge nach unten, bildet 
dem Nodus gegenüber einen sehr flachen Bogen, und verläuft von da parallel dem Vorder- 
rand gerade zur Spitze. Die Costa verläuft mit flacher Basalkrümmung. Der Nodus isl 
28 Mm. von der Basis entfernt, bildet also die Mitte des Flügels: er steht fast senkrecht, 
ist nicht sehr breit, und überhaupt wenig ausgeprägt. Die Subcosta verläuft der Costa 
parallel und wenig über 1 Mm. von ihr entfernt, an der Basis ist das Randfeld nur wenig 
breiter als beim Nodus. Der Subcosta sehr nahe und parallel läuft die kräftige Mediana ; 
vom Nodus ab läuft sie dem Vorderrande noch mehr genähert und parallel. Das Ptero- 
stigma beginnt 15 Mm. vom Nodus. ist b*/ 2 Mm. lang, oblong, gross, oben und unten mit 
stärkeren Adern eingefasst ; die Seiten sind sehr schräge , die innere durchsetzt nicht das 
darunter liegende Feld; unter dem Pterostigma liegen (i bis 7 Zellen. Im Randfelde bis 
zum Nodus stehen, nicht sehr enge, etwa 27 Antecubitales . vom Nodus bis Pterostigma 
etwa 21 Postcubitales ; hinter dem Pterostigma schräge Queradern, alle durchsetzen nicht 
das darunter liegende Feld. Der Arculus ist 6 Mm. von der Basis entfernt, leicht gebrochen, 
schräge, der kleinere Theil unterhalb des S. brevis senkrecht : die beiden Sectoren entspringen, 
durch sein mittleres Drittel getrennt, mit gerader Wurzel. Der S. principalis läuft 14 Mm. 
der Mediana parallel , woselbst der S. medius entspringt ; dann schwingt er sich in leichtem 
Bogen nach oben, und bleibt der Mediana noch mehr genähert bis zur Spitze parallel; nur 
kurz vor dem Pterostigma entfernt er sich durch eine leichte Krümmung nach unten etwas 
mehr von ihr. Der S. principalis macht mit dem S. medius, und später mit dem S. nodalis 
zwei Winkel von gleicher Bildung; beide sind spitz, und bald hinter dem Ausgangspunkt der 
Sectoren wie zusammengedrückt, um sich gleich darauf desto weiter von einander zu ent- 
fernen. Der S. medius entspringt unter spitzem Winkel 8 Mm. vor dem Nodus, und geht 
in flachem, bald hinter dem Nodus sogar etwas nach unten geschwungenen Bogen 15 Mm. 
vor der Flügelspitze zum Hinterrande. Der S. subnodalis entspringt 5 Mm. vor dem Nodus 
gleichfalls in spitzem Winkel , verläuft bis gegen das Pterostigma hin fast horizontal , und 
geht dann unter flachem, vor seinem Ende etwas abgeplatten Bogen 9 Mm. vor der Flügel- 
spitze zum Hinterrande. Der Ursprung des Sector nodalis ist aussergewöhnlich ; es hört 
Dämlich die Subcosta nicht wie sonst am Nodus auf, sondern geht weiter und durchsetzt 
sogar noch schräge das Feld zwischen Mediana und S. principalis, woselbst sie endet. Dadurch 
bedingt sich, dass das zweite Randfeld zwischen Subcosta und Mediana nicht wie sonst beim 



— 88 — 

sondern 1 Mm. lang spitz darüber hinaus geht. Der S. nodalia entspringt nun 

■ nicht ans dem schrägen Ende der Subcosta, Bondern etwas früher, Gast dem Modus 

. er bildet daher nicht eine directe Fortsetzung dus. Der SL nodalis geht 

in einem ahnlichen Bogen dem S. Bubnodalia nahe, und entfernt sich nur zuletzt von ihm, 

w.i er ,; Mui. vor der Fliigelspitze zum Hinterrande geht. Der S. internodalis entspringt 

• am Nodos, theilt das Feld zwischen S. prineipalia und nodalia in der Mitte, und geht 

mit einem dein letzteren ähnlichen Bogen 2 Mm. vor der Spitze zum Hinterrande. Der S. 

verbindet sieh zuerst in Leichtem Bogen 2 1 /, Mm. vom Arculus mit der Spitze 
Dreieck.-, und läuft dann dem S. inedius nahe in flachem Bogen 1 ^ Min. vor der Flügel- 
-pitze zum Hinterrande, dort etwas mehr von ihm entfernt. Diu Suhmudiana geht gerade 
Li- zum unteren Ende des Arculus, krümmt sich dann leicht abwärts und geht zum inneren 
-.leren Winkel des Dreiecks, der 8 Mm. von der Flügelbasis entfernt liegt. Diu innere 
Dreiecks, eine Fortsetzung der Submediana, ist L 1 /, Mm. vom Arculus entlernt, 
2'/, Mm. lang, sehr schräge, am unteren Winkel etwas gekrümmt; die äussere Seite 
venig kürzer, aber nicht so schräge: diu obere kürzeste Seite ist 1 Mm. lang; der obere 
äussere Winkel ist etwas Btumpfer als ein rechter, die beiden audern sind spitz. Das Dreieck 
i>t also klein, schmal und schräge gestellt; sein unterer Winkel ist durch die Krümmung 
der inneren Seite etWi schnitten, 80 dass es fest die Form eines Trapezes erhält; 

hat in der Mitte eine Querader. Im Spatium basale vor dem Arculus Bteht eine, vielleicht 
sogar drei Queradern. Der S. trigonali SUperior geht vom untern Winkel des Dreiecke- aus, 
i. S. > parallel, dann, sich von ihm entfernend, in stärkerem Bogen 27 Mm. 

der Flügelspitze, dem Nodus beinahe gegenüber, zum Hinterrande. Da- Discoidal-Feld 
erwi ich daher beträchtlich gegen den Hinterrand ; -•■ine erste schmälere Hälfte ist gleich 

vom Dreieck an durch eine dem S. trigonali SUperior parallel lautende Ader in dvv Mitte 

heilt, und hat zwei Reihen viereckiger, ziemlich grosser Zellen; die obere Reihe ist etwas 

iter. D 1 eht zuerst de, dann nach unten geschwungen, ohne den untern 

Dreii • zu berühren, gleich in den S. trigonali inferior über; dieser verläuft dem 

nah su| Imlich, aber in stärkerem Bogen und geht 35 Mm. vor der Fliigelspitze 

zum Hinterrande, nach dem er zuvor zwei Bo e dahin abgegeben bat Im Spatium 

hen vor dem Arculus fünf und an der Hinterseite des Dreiecke- drei Quer* 

::. Di ! mal und zeigt bis zum Dreieck zwei Reihen pentagonaler 

len. Di< Hinterrandsader geht nicht ganz bis zur lla>i-; in dem fehlenden Räume Bcheint 

mbranula stehen. In der ganzen vorderen Hallte des Flügels 

nicht -< lu dicht, und stets zu i-dieii je zwei I lern nur eine einlache 

/ vorhanden; in der ganzen hinteren Hälfte und der Spitze t heilen 

di< Felder zwischen den Längsadern in ählicher Krümmung, 

n vier« Zellen gebildet wird Nur unterhalb und 



- 69 — 

zwischen den Bogenresten des S. trigonali inferior finden sich schräge Reihen etwas grösserer 
pentagonaler Zellen. 

Hinterflügel. Länge 55 Mm., grösste Breite am Nodos 107 2 Mm., Breite am Arculus 
5'/ 2 , am Ende des Pterostigma 7 1 / 2 Mm.; die Form der Basallnilfte des Hinterrandes ist 
etwas verschieden. Es beginnt nämlich die Hinterrandsader aus der Postcosta weiter von 
der Basis entfernt, 3 Min., und bildet einen stärker gekrümmten Bogen, wodurch der Flügel 
breiter wird; an den freien Raum der Postcosta scheint sich eine grössere dreieckige Mem- 
branula accessoria anzusetzen. Der Nodus liegt 25 Mm. von der Basis entfernt, also etwas 
vor der Mitte des Vorderrandes. Das Pterostigma beginnt 17 Min. vom Nodus und ist 57 2 Mm. 
lang. Antecubitales zähle ich ungefähr 23, Postcubitales 19. Der Sector medius entspringt 7 Mm., 
der S. subnodalis fast 6 Min. vor dem Nodus, also etwas näher daran als im Vorderflügel. 
Das Dreieck ist etwas länger, 3 Min., das Feld unter dem S. trigonali inferior etwas breiter. 
Sonst finde ich Alles wie im Vorderflügel. 

Der Kopf ist nicht recht deutlich; 7 1 / 2 Mm. breit, und wenig kürzer. Die grossen, 
vorn schräge aus einander weichenden Augen sind durch ein Meissel-artiges Occiput getrennt; 
seine obere scharfe Kante ist 1 Mm. lang, gerade; die Vorderseite ist schmal, oblong, die 
I Unterseite trapezartig; die Augen überragen das Occiput nach hinten ziemlich beträchtlich. 
Ob die grossen Augen, die natürlich platt gedrückt sind, im Leben diese elliptische Form 
hatten, oder mehr kugelicht waren, ist nicht sicher; doch macht der ganze, leicht gewölbte 
Kopf den Eindruck , als wenn die Umrisse und Theile ihre natürliche Lage hätten. Dicht 
vor dem Occiput liegt ein kleiner Querwulst' in der Mitte durch eine eingedrückte Linie 
getheilt; vor demselben jederseits ein längliches Nebenauge; das dritte vordere Xebenauge 
ist länglich oval. Die Nebenaugen sind nicht durchaus deutlich, doch meine ich mich ver- 
gewissert zu haben , dass sie so stehen, wie ich sie gezeichnet habe. Die Fühler dagegen 
sind ganz undeutlich ; ich habe sie in der vergrösserten Figur angegeben , auch müssen sie 
an dieser Stelle sich befinden; ich gestehe aber, dass mir nach nochmaliger genauer Unter- 
suchung es nicht gelingen wollte, sie in der angegebenen Weise wieder zu sehen. Die Stirn- 
leiste ist angedeutet, und scheint die Vorderwinkel der Augen zu verbinden; die vordere 
Seite der Stirn bildet jederseits vor den Augen einen stumpfen Lappen. Vom Epistoin ist 
besonders der untere, jederseits ausgeschweifte Rand deutlich; seitlich bildet es spitze Winkel; 
vorn ist das kurze Rhinarium deutlich, an welches sich die quer eiförmige grosse Oberlippe 
ansetzt. Dieselbe überragen vorn und seitlich etwas die Mandibeln. Der Prothorax ist 
Bchmal; sein hinterer, ziemlich breit abgerundeter Lappen ist deutlich; das breitere Mittel- 
stück gleichfalls. Der Thorax ist wenig deutlich, die Mittelnaht erhaben und 8 Mm. lang; 
der Raum oben zwischen den Schulternähten höchstens 4 Mm. breit. Die gekrümmten, 
fein gezahnten Sinus vor den Flügeln, und der Beginn einer Seitennaht sind sichtbar. 

Die langen dünnen Beine sind nur zum Theil sichtbar. Die Schenkel der Vorderbeine 

Palaeontocr., Band XV, 2 12 



- 90 - 

sind 8 lfm. lang, gerade, dünn, innen mit einer dichten Reihe von Güien, deren Länge die 
te des Schenkels nicht übertrifft. Die Schienen sind 7 Mm. lang, gerade, etwas dünner 
alt die Sehenkel, aussen kurz, bewimpert, Die ganz undeutlichen Tarsen scheinen etwa die 
halhe Länge der Schienen zu ha! ich. Die Mittel- und Hinterheine sind noch undeutlicher. 
I>ie Schenkel der Mittelbeinc scheinen 12 Mm., die der Hinterbeine 15 Mm. lang gewesen zu 
sejn; der ganze Hinterfuss hat etwa 3U Mm. Länge gehallt. 

Der Leib ist 34 Mm. von der Basis abgebrochen; ob, wie in der Zeichnung ange- 
deutet ist, .-eine Fortsetzung nach rechts im Stein liegt, bleibt .-ehr unsicher, die kolbig auf 
getriebene Basis ist 5 Mm. breit, weiterhin dürfte er 3 bis 4 Mm. breit seyn. Die Begren- 
zung der Segmente ist ganz undeutlich; ich habe sie gezeichnet, wie ich sie zu sehen glaub 
ebenso einige Partien auf der Unterseite des zweiten Segments, die auf männliche Genitalien 
deuten würden. Eine eingedrückte Längslinic auf der Mitte des Bauches ist deutlich. 

Ein in beiden Platten schön erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. 36) zeigt für die 
Flügel genau dieselben Dimensionen und dasselbe Geäder; Kopf, Thorax und Beine sind nur 
in groben Umrissen enthalten ; dagegen ist der Leib deutlich und von mir Fig. 4 abgebildet. 
Long. tot. 88 ihn., Long, abdom. 65 Mm., Long. app. 2 1 / i Mm. Die beiden ersten und 
drei vorletzten Glieder sind stark erweitert; das zweite Segment ist 5, das achte 7 Mm., der 
Leib dazwischen 3 Mm. breit, die Segmente 3 bis 7 sind fast gleich lang, 8 bis 10 Mm.. 
die folgenden kürzer, das letzte klein. Die Mittellinie des Leibes ist erhöht, und fällt seit- 
lich dachförmig ab. Ob die hakenförmigen Appendices wirklich die von mir gezeichnete 
Form haben, ist nicht durchaus sicher. Das Thier macht den Eindruck, als wenn das Ende 
des Leibes besonders breit gequetscht wäre. Ich halte das Thier für ein Männchen. 

Bin nur in der vertieften Platte erhaltenes Stück (Mus. Monac. Xr. 89) liegt mit 
ausgebreiteten Flügeln vor; es hat genau die Dimensionen der vorigen, doch ist das achte 
Segment nur '"> Mm. erweitert. Die Appendices sind undeutlich; das zweite Segment hat 
Eindrücke, die auf die Gegenwart männlicher Greschlechtstheile hindeuten. Unterhalb des 
rechten Ilinterflügels enden die Beine, und ich sehe dort die kräftigen, massig gekrümmten. 
1 Mm. langen Klauen ; über die Verhältnisse der Tarsenglieder kann ich leider nichts 
ermitteln. 

D in beiden Platten erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. 41) halte ich für ein 
Weihchen, die Flügel haben genau dieselben Dimensionen; Long. tot. 88; Long. abd. 65 Mm. 
Dei Leib ist fast gleich breit, die Basil etwas stärker und nach unten hin kolbig erweitert; 
die Spitze wenig breiter als die .Mitte des Leibes, last t Mm. Die Mittellinie ist auf der 
Bauchseite stark vertieft; die Segmente unten flach. Die Spitze des Hinterleibes ist 
undeutlich. 



— »1 - 



Steno phlebia Phryne Hagen. Taf. XL Fig. 5. 

Ich habe unter diesem Namen eine Zahl von Stücken vereinigt, die sich von St. aequalis 
vorläufig nur durch kleinere Dimensionen und schlankeren Leib, besonders der Weibchen, 
unterscheiden. Da die Artunterschiede bei so nahe stehenden Arten derselben Gattung 
lebender Odonaten meist in den Appendices, in der Färbung und Zeichnung zu suchen sind, 
drei Momente, die bei den fossilen Arten gar nicht oder doch sehr unvollkommen zur 
Geltung gelangen , so ist meine Vermuthung , dass St. Phryne eine eigene Art bilde , wahr- 
scheinlich richtig. Anderenfalls könnte man diese Stücke als kleinere Varietäten zu St. 
aequalis ziehen. 









Mas. 


Fem. 




80 








5ii— 58 


60 








55 59 


57 


al. post. 






54—58 


55 








5'o 


»Vi 


app. anal. 






2' 8 


1 


Lat. cap. . . 






7', 


?V 2 


al. ant. . . 






10 


10 


Exp. al. post. 






112—120 


114. 



Männchen. Ein in beiden Platten gut erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. 38). 

Das Geäder der Flügel ist gut sichtbar und genau wie bei St. aequalis; der kürzere, 
dünne Leib (2 Mm.) erweitert sich gegen die Spitze bis fast 6 Mm. Von den Füssen und 
den übrigen Körpern sind nur Theile oder Umrisse vorhanden. 

Ein in beiden Platten gut erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. 37) liegt mit aus- 
gebreiteten Flügeln im Steine ; das Geäder ist in dem einen Hinterflügel vortrefflich erhalten und 
durchaus identisch mit dem von St. aequalis. Long. tot. 80 Mm., Long. abd. 58 Mm., Long, 
al. ant. 59 Mm. , Long. al. post. 58 Mm. Der dünne , oben dachförmige Leib hat genau 
die Dimensionen des vorigen Stückes. Die Füsse zeigen ähnliche Dimensionen wie bei 
St. aequalis. 

Ein in beiden Platten undeutlich erhaltenes Stück (Mus. Monac. Nr. 88) zeigt dieselben 
Dimensionen ; die Spitze des Hinterleibes ist nur fast 5 Mm. erweitert ; möglicher Weise ist 
dies Stück ein Weibchen. 

Weibchen. Ein in beiden Platten ziemlich undeutlich erhaltenes Stück (coli. Krantz 
Nr. 21), dem vorigen durchaus ähnlich; die Spitze des wenig über 2'/ 2 Mm. breiten Leibes 
ist nur bis 4 Mm. erweitert. 

Genau mit dem vorigen überein stimmt ein Stück auf einer Platte (coli. Krantz Nr. 51), 
ferner ein ziemlich undeutliches Stück (Mus. Monac. Nr. 43); von dem nur 52 Mm. langen 

12* 



- »2 — 

Leibe fehlt wohl tue Spitze. Die Sinus, die Rücken-Mittelnaht, der Thorax und die Gegend 
zwischen den Flügeln ist deutlich erhalten. Die Sinns laufen vorn spitz zn . und sind noch 
iter in die Naht hinein gespalten. 

Endlich gehört hieher ein Stück in beiden Platten (Mus. Monac. Nr. 87) von schlechter 
Erhaltung, und ein noch undeutlicheres (Mus. Monac. Nr. 40). 

Min in beiden Platten (coli. Kraut/. Nr. 87) schön erhaltenes Stück von gleichen 
Dimensionen liegt mit ausgebreiteten Flügeln im Stein. Das Geäder ist nur in den Längs- 
adern deutlich und von St. aequalis nicht verschieden. Der Leih ist recht kenntlich und 
Tat. XI. Fig. 5 abgebildet; er erweitert sich gegen die Spitze massig bis t Mm.: das achte 
Segment hat unten an der Spitze eine ausgeschnittene, vielleicht zweilappige Lcgeklappe : das 
neunte Segment ist von gleicher Länge, unten mit einem stark erhabenen Längskiele, der 
auch bei einigen Stücken angedeutet ist; das zehnte Segment ist sehr kurz; ich meine 
daselhst zwei kleine, 1 Mm. lange cylindrische Appendices zu sehen, doch ist ihre Form und 
Grösse sehr unsicher. Die Schenkel der Hinterfüsse haben unten jederseits eine scharfe 
Kante und sind 15 Mm. lang: die etwas auf die Schneide gekrümmten Schienen sind 
10 Mm. lang; von den Tarsen sehe ich nur den Anfang, ohne die Länge der Grundglieder 
bestimmen zu können. Eine der Platten zeigt die Unterlippe recht deutlich; sie ist 
elliptisch, etwas breiter als lang, die Spitze leicht ausgeschnitten; von den Tarsen ist das 
Mittelirlied schmaler als die halbe Lippe, und kürzer, aussen sehr abgeschrägt Das (Jebrige 
ist undeutlich. 

Während alle bis jetzt erwähnten Stücke ohne zu grossen Zwang zu St. aequalis 
rächt werden könnten, denn es handelt sich stets nur um eine Längendifferenz des etwas 
schmäleren Leibes von 10 bis f> Mm., hat ein in beiden Platten erhaltenes Stück (Mus. Monac. 
Nr. 1 .' i noch kleinere Dimensionen. Es liegt mit ausgebreiteten Flügeln vor und scheint im 
Geäder identisch. Long. tot. 75 Mm., Long. abd. . r >ii Mm., Long, alae ant. 50 Mm., Lon^. 
alae post. 19 Mm. Der sehr dünne, 1 '/. 2 Mm. breite Leib erweitert sich gegen die Spitze 
zu kaum 3 Mm., den erhabenen Längskiel sehe ich wie hei dem vorigen Stücke. Ich finde 
sonst kein Merkmal, welche- berechtigt, dies Stück als eigene Art abzutrennen. 

in beiden Platten erhaltener Flügel (coli. Crantz Nr. 84) zeigl dieselben Dimen- 

mil dem vorhergehenden Stücke. 



Anas Buchi. Tat. XIII. Fig. ~l. 

Der freundlichen Zuvorkommenheil des Herrn Professor Beyrich verdanke ich die 

Erlaubnis*, die dem Berliner Museum gehörige Type der von L. von Buch abgebildeten An 

imals genau zu untersuchen. Bs lind beide Platten vorhanden, jedoch fehlt bei der 

hte Rand mit dem Aussenthefle der Flügel. Die Abbildung bei 



- 93 — 

L. v. Buch ist, sowie die meine, der vertieften Platte entnommen. Das Thier liegt mit aus- 
gebreiteten Flügeln auf dem Rücken: der Basaltheil der Vorderflügel ist am Vorderrande 
stark herabgedrückt, und undeutlich ; vom Geäder sind nur die Längsadern, und selbst diese 
nur theihveise deutlich ; das dazwischen liegende Adernetz ist nur angedeutet ; ich vermuthe, 
dass eine vorsichtige Bearbeitung der vertieften Platte wesentlich mehr sehen lassen wird. 
Der Kopf ist nur angedeutet, der übrige Körper gut erhalten. 



Long 


, tot. . . . 


103 Mm 




ab dorn. . . 


70 




alae sup. . 


78 




alae inf. 


74 




pterostig. . 


10 




app. anal. . 


9 


Exp. 


alar. inf. 


150 


Lat. 


alae inf. 


20. 



Vorderflügel. Der Theil des Vorderrandes bis zum Nodus undeutlich ; der Nodus 
40 Mm. von der Basis entfernt, also fast genau in der Mitte des Flügels, der hier 16 Mm. 
Breite hat; gegen die dem Hinterrand nahe liegende Spitze verschmälert sich der Flügel 
allmählich. Der Nodus ist schräge nach innen gebrochen , und die Felder daselbst nicht 
erweitert, doch sind auch diese Verhältnisse nicht durchaus sicher. Die Randader, die 
Mediana und der S. principalis laufen in gleichen Abständen nahe bei einander zur Flügel- 
spitze. Queradern im Randfeld und die Begränzung des Pterostigma kann ich nicht sicher 
sehen, doch sind Andeutungen besonders auf der erhabenen Platte vorhanden. Ich glaube 
hier das Pterostigma, wie es in der Zeichnung angegeben ist, zu sehen; es beginnt 18 Mm, 
vom Nodus, ist 10 Mm. lang, schmal, die Seiten schräge. Sector nodalis und subnodalis ver- 
laufen nahe beisammen und parallel mit sanfter Krümmung und enden 10 Mm. vor der 
Flügelspitze am Hinterrande; S. subnodalis entspringt 6 Mm. vor dem Nodus mit spitzem 
Winkel aus dem S. principalis. Kurz vorher scheint der S. medius zu entspringen, und geht 
vom Nodus ab, dem S. brevis nahe, 25 Mm. vor der Flügelspitze zum Hinterrande; der 
leichte Bogen, den beide bilden, ist in seiner Mitte nach innen gebrochen; ob sie nahe dem 
Hinterrand etwas divergiren, wie in der Zeichnung, ist nicht durchaus sicher. Die wichtigen 
Theile des Geäders , der Ursprung des S. brevis , das Flügeldreieck , die darüber und die 
näher der Basis gelegenen Adern sind ganz undeutlich; doch scheint das schmale, wohl 
7 Mm. lange Flügeldreieck etwa 20 Mm. vor dem Nodus zu endigen. Das anfangs schmale 
Discoidal-Feld verbreitert sich beträchtlich gegen den Hinterrand hin. Der Sector trianguli superior 
und inferior verlaufen im flachen Bogen nahe beisammen und enden 35 Mm. vor der Flügel- 
spitze . doch sind auch sie nicht deutlich ; ein rückläufiger Ast geht 6 Mm. lang von der 
Spitze des Dreiecks schräge nach unten. Vor dem Adernetz des Flügels sind eine beträcht- 



- 94 - 

liehe Anzahl supplementärer Seetoren, besonders nahe dem Hintterrand angedeutet; sie 
laufen den Längsaden] parallel, sind also leicht gekrümmt In dein Felde unter dem S. 
triangoli inferior sind sie zahlreicher und dem rückläufigen schrägen Aste parallel. 

Hintertlügel. Sie sind in ihrem ganzen Umfange sichtbar, etwas kürzer und breiter 
als die Oberfliigel: der Xodus 35 Mm. von der Basis entfernt, also etwas vor der Mitte des 
Flügels gelegen. Der Basaltheil des Flügels ist bis zum Nodus 2<» Mm. breit; dann ver- 
schmälert sich der Flügel gegen die Spitze hin. Der Anal -Winkel ist leicht gerundet und 
impf, ohne Ausschnitt Das Randfeld ist bald hinter der Basis 2 Mm. breit und ver- 
schmälert sich gegen den Modus bin um die Hälfte. Die Mediana läuft bis zum Xodus der 
Subcosta stark genähert; der Xodus ist nach innen gebrochen. 

Queradern sind hier und da angedeutet; das Pterostigma ist ganz undeutlich, doch 
finde ich an der Stelle, die es analog den Oberflügeln einnehmen müsste, die Längsadern 
dickt. Sector nodalis und subnodalis, S. medius und brevis, und die beiden Sectoren des 
Dreiecks verlaufen ganz ähnlich wie im Oberflügel, nur bedingt die beträchtlichere Breite der 
Flügel ein wesentlich grösseres Hinterrandfeld. S. subnodalis entspringt 10 Mm. vor dem 
\'"dus , S. medius um einige Millimeter früher. Das Dreieck und die umliegenden Theile 
sind wenig sicher. Der schräge Arculus liegt 27 Mm. vor dem Xodus; ob die Sectoren 
(wie ich in der Zeichnung angedeutet habe) daselbst getrennt entspringen, bleibt zweifelhaft. 
I 1 .- spitze, lange Dreieck endet 19 Mm. vor dem Xodus, und ist höchstens 6 Mm. lang; 
-'ine Innenseite ist nicht deutlich, etwa 2 Mm. lang; über dem Dreieck liegt der schmale, 
durch den S. brevis begrenzte Raum. Das grosse Hinterrandfeld hat bis /um rückläufigen 
te des S. trianguli inferior am Innenrande lange, gerade herunterlaufende Zellenreihen. 
Das Adernetz ist ganz undeutlich, scheint aber fein gewesen zu -evn. Ob eine Membrana 

ria vorhanden ist, bleibt zweifelhaft; an einer Stelle meine ich eine Andeutung 
zu sehen. 

Der Kopf ist nur angedeutet, und klein; vielleicht ist was ich sehe nur Umriss von der 
I Qterlippe. Der Thorax ist kräftig, 20 Mm. lang und halb so breit. Die Vorderfüsse liegen 

dem Prothorax; die breiten Schenkel Bind 10 Mm. lang, die kantigen Schienen etwas 
kürzer, der Anfang des Tarsus ist nur angedeutet. Die andern Füsse liegen eingeschlagen 
neben dem Thorax; die Knie der Mittelfüsse reichen bis /um Beginn des Leibes, die der 
Hinl bis zum Beginn des zweiten Hinterleibsgliedes. Die Schenkel sind höchstens 

l •'» Mm. tan Schienen und Tarsus zusammen bo lang als die Schenkel. 

Leib i-t dick, 7" Mm. lau-, oben 6 Mm. breit, gegen das Ende hin langsam 

und wenig verschmälert. Dir Hinterleibsglieder sind etwa '•• Mm. lang, die beiden ersten 
und drei letzten etwas kürzer; das erste Glied Bcheinl an der spitze auf der Unterseite 
n stärker gewölbten Wulst zu haben; die Bohmalen Längsplatten in der Mitte der Bauch- 
deutlich. Da- zweite Glied ist BO breit wie die folgenden, und nur wenig 



- 95 — 

kürzer. Das letzte Glied ist fast so lang als breit, 4 Mm., das vorletzte wenig Länger. Der 
Aussenrand der Legeklappen ist seitlich neben den beiden letzten etwas schräge liegenden 
Gliedern angedeutet ; diese können nur klein gewesen seyn. Die Appendices anales sind 9 Mm. 
lang, blattförmig, mit tief eingedrückter Längsfurche. 

Die Abbildung dieser Versteinerung zeigt nur die allgemeinen Umrisse; nach ihr ist 
meine frühere Beschreibung von Anax Buchi entworfen. Die angeblichen vier App. anales 
sind durch die tiefe Längsfurche auf die gewöhnliche Zahl zurückgeführt. Meine frühere 
Angabe (Palaeontogr., X. S. 144), dass die Type zu den Calopteryginen gehöre, ist irrig. 

Das von mir Palaeontogr. , X. S. 140 als Anax Charpentieri beschriebene und 
Taf. XIV. Fig. 1 abgebildete Thier halte ich für das Männchen von A. Buchi. Es liegt 
mir gegenwärtig aus der Sammlung des Herrn Dr. Krantz (Nr. 8) die Gegenplatte vor, die 
einige Verhältnisse deutlicher zeigt, und eine Berichtigung meiner Beschreibung und Abbil- 
dung gestattet. Der Körper des Thieres liegt auf der linken Seite , und die Basis der 
darüber liegenden Flügel reicht daher weiter als ich glaubte. Die Flügel sind 80 Mm. lang, 
beim Beginn des Dreiecks 22, am Nodus 20 Mm. breit; der Nodus liegt 38 Mm. von der 
Basis etwas vor der Mitte des Flügels. Der einzige Fehler von Belang, den meine Abbil- 
dung zeigt , betrifft das Dreieck ; es beginnt nicht am Arculus (überhaupt niemals bei 
Aeschniden und Libelluliden), sondern etwas dahinter. Ganz deutlich sind diese Theile auch 
hier nicht sichtbar, doch meine ich die Adern so zu sehen. Das Pterostigma scheint die 
Form und Lage wie im Vorderflügel zu haben. Die übrigen Arten sind wie bei dem be- 
schriebenen Weibchen , namentlich lässt sich hier noch deutlicher nachweisen , dass der 
Sector nodalis dem subnodalis durchaus parallel verläuft ; dies Verhalten ist bei den lebenden 
Aeschniden nicht vorhanden , er ist bei ihnen stets vor seinem Ende stärker nach oben 
gekrümmt und nähert sich erst gegen den Hinterrand dem S. subnodalis. Der Anal -Rand 
ist deutlich ausgeschnitten, der Anal-Winkel gerundet. Vom feineren Adernet z sehe ich hier 
noch weniger als auf der früher beschriebenen Platte. 

Der 80 Mm. lange Leib ist an der Basis kaum verdickt; die 9 Mm. langen App. 
anales sind hier noch undeutlicher. 

Gleichfalls und als Männchen gehört hieher ein in beiden Platten erhaltenes Stück 
aus der Sammlung des Herrn Dr. Krantz (Nr. 22). Leider sind beide Platten in Betreff 
des feineren Details ganz undeutlich und nur durch die Umrisse beweisend. 

Die Körperlänge beträgt 115 Mm. Der Kopf ist sehr undeutlich und klein, 11 Mm. 
breit, die Umrisse würden für kleine, getrennte, seitliche Augen sprechen. Die Vorderflügel 
sind 85 Mm. lang. Der Leib scheint bald hinter der Basis leicht verengt, dann gleich 
breit und flach mit einem erhabenen Mittelkiel ; die Spitze abgeflacht. Die Appendices anales 
scheinen gerade, mit beilförmig verdickter Spitze. In Betreff des Geäders lässt sich nur 



- 9(5 - 

sagen, dasa die allein sichtbaren starkes Längsadern der angenommenen Identität nicht 
widersprecht n. 

Der Habitus and die allgemeinen Körperverhältnisse sind der Gattung Anax änssersl 

almlich, oamentlich Thorax, Beine, die Form des Leibes; die weiblichen Anax zeigen einen 

Wobt auf der ersten Seite des Hinterleibes | wie bei der beschriebenen Ttype v. Buche, 

die männlichen einen ähnlichen Leib mit leichtem Mittelkiel und abgeflachter Spitze, Die 

Appendieee sind in beiden Geschlechtern Anax ahnlieh. Der allerdings sehr andeutliche 

Koni' würde allein widersprechen. Der Fimiss und die Grösse der Flügel, die Lage des 

ius, Bildung und Form des Dreiecks sprechen für Anax; das grosse Pterostigma ist nicht 

/. sicher. In der Anordnung des Übrigen Geäders linden sich jedoch .Momente, die dem 

der der lebenden Arten schroff entgegen treten. Es läuft bei den lebenden Alt' n 

nodalis dem subnodalis bis zum Lude des Pterostigma parallel, macht dann einen 

ziemlich schart' geknickten Bogen und geht stark convergirend neben dem S. Bubnodalis zum 

Hinterrande. Bei der fossilen Art lauten beide in flachem Bogen durchweg parallel zum 

Hinterrande. Ferner ist bei den lebenden Arten das Feld zwischen S. principalis und nodalis 

sehr schmal mit einer Zellenreihe, und erweitert sich erst hinter dem Pterostigma, woselbst 

unbedeutende supplementäre Sectoren stehen. Bei der fossilen Art ist dies Feld viel breiter 

unl zeigt einen starken supplementären Sector , der weit über den Anfang des Pterostigma 

hin L S. medius und brevifl sind in ihrem Verlauf, namentlich an ihrem Lude gleichfalls 

abweichend. S. brevis ist zwar auch bei den lebenden Arten vor seinem Ende nach innen 

iitlich verliert er sich zwischen unregelmässigen Zellen), jedoch nicht in so 

flachem Bogen; dagegen endet S. medius bei den Lebenden Arten Btets in stark gekrümmtem 

während er bei der fossilen Art die doppelte Krümmung des S. brevifl nachahmt 

:. Verhältnisse sind von geringerer Bedeutung, ausgenommen dass der S. trianguli 

inferior bei dl I D Art dem superior von Anfang an nahe und parallel verläuft, während 

bei den lebenden Arten beide anfangs weit getrennt sind und erst später nahe zusammentreten. 

Von Petalia longialata, die sonst in Form. Grosse und Geäder sein- nahe stellt, unter- 

s Buchi sogleich durch ihn Verlauf des Sector nodalis und Bubnodahs. 
laufen in einlachem flachen Bogen bei A. Buchi, mehr getrennt und doppelt 
I bei Petalia longialata. 

Anax Buchi nach dem Habitus, nach der Form der männlichen und weiblichen 

Apj . Bildung ö cks (im Vorderflügel allerdings nicht .sicher) zu den Aeschniden, 

I die frU .almteii Details des Geäders für die Familie derGomphiden sprechen. 



Reptilien 

aus dem Kupfer-Sandstein des West-Uralischen Gouvernements Orenburg. 

Von 

H e r m a n n v o n M e y e r. 
Taf. XV— XXI. 

Schon den frühesten Bewohnern Russland's war der Kupfer -Reichthura des im Ural 
und Altai anstehenden Sandsteins nicht entgangen, wie aus den von den Scythen und Tschuden 
hinterlassenen Schürfen ersichtlich ist. In diesen Schürfen finden sich noch die Werkzeuge 
vor, deren sich diese alten Völker bei Gewinnung des Kupfers bedienten. Diese bestehen 
aus steinernen Keilen, Beilen und Hämmern, welche die grösste Aelmlichkeit mit den steinernen 
Werkzeugen aus der sogenannten Steinperiode Dänemark's und anderer Länder, so wie aus 
der Periode der Pfahlbauten in den Seen beider Abfalle unseres Alpen -Gebirges besitzen, 
und sich daher auf eiu ähnliches Alter zurückführen lassen. 

Die Ausbeutung dieses Sandsteins auf Kupfer hat sich bis in neueste Zeit erhalten, 
wo sie von einem unerwarteten Gewinn für die Paläontologie begleitet ist. Derselbe Sand- 
stein nämlich, welcher das Kupfer führt, hat am westlichen Abfall des Ural, im Gouvernement 
Orenburg, wegen seines Gehaltes an Ueberresten von fossilen Pflanzen und Reptilien Berühmt- 
heit erlangt. Um die Auffindung dieser Reste besitzt der im July 1864 auf seinem Gut in 
Liefland verstorbene Russisch Kaiserliche Major Wangenheim von Qualen, welcher eine längere 
Reihe von Jahren als Director der Kupferhütten in dortiger Gegend zubrachte, grosso Verdienste. 

Von diesen seltenen Versteinerungen sind die wichtigeren Reste von Reptilien durch 
ihren Entdecker in die Sammlungen des Herzogs von Leuchtenberg, des Kaiserlichen Berg- 
Corps und der K. Mineralogischen Gesellschaft in St. Petersburg, sowie in das Museum der 
K. naturforschenden Gesellschaft in Moscau und in die Königliche Mineralien-Sammlung zu 

P(il*«ontoer.. Bnn.l XV, 3 13 



— 98 - 

rhu Bekommen. Aber auch ich verdanke Bern Wangenheim von Qualen ein schönes 
ichenk . welches er mir vor einigen Jahren mit dem Reste der ihm verbliebenen fossilen 
Knochen a m Sandstein des Ural gemacht hat. Diese Stücke sind es, welche die Abfas- 

sung vorliegender Arbeit veranlasst haben. 

Was das Alter der Formation anbelangt, woraus die Reptilien-Reste im Gouvernement 
Orenborg herrühren, >-<> unterliegt dessen Bestimmung eigenen Schwierigkeiten. Murchison 
hält ikn Kupfer-Sandstein der Gegend des Ural überhaupt für Permisch, für ein Gebilde jener 
Gruppe, deren Hauptformationen man später anfing unter dem Namen der Dyas*) zu begreifen, 
hwald (Jahrb. für Mineral., 1844. S. 147) glaubte, dass dieser Sandstein eine Verbindung 
in und buntem Sandstein darstelle, wollte sich aber später (Naturhist. Bemerkungen 
auf einer Reise durch die Eifel etc., Moskau, 1851. S. 20-1) überzeugt haben, das- er auch 
Thiere des Muschelkalkes and des Keupers enthalte, wesshalb er ihn als eine an die Schichten 
von St Caasan grenzende Formation ansieht, was sicherlich zu jung ist. So unvollständig 
und gering an Zahl dir Reptilien-Reste auch sind, so liessen sie mich doch vermuthen, dass 
das Sandstein-Gebilde, woraus sie herrühren, nicht zur Gruppe des Rothliegenden und Zech- 
steins mit seinem Kupferschiefer gehöre, sondern eher jünger, triasich sey (vgl. mein Werk 
über die Saurier aus dem Kupferschiefer der Zechstein-Formation, 1856. S. 2). Diese Ver- 
muthung erhielt eine Bestätigung durch die Untersuchungen, welche später L. Ludwig (in 
Bull. soc. hist. nat. Moscou 1861. p. 332; — in v. Meyers Palaeontographica, X. S. 271; 
— in Geinitz Dyas, II. S. 282. 290. 300. 304) während seiner Reise im Ural anstellte. 
Ihm zufolg«; ist der Kupfer- Sandstein des Gouvernements Perm von dem im Gouvernement 
Orenburg im Alter verschieden; ersterer gehört, das Sohlengestcin des Zechsteins darstellend, 
den ol hichten des Rothliegenden an, letzterer, der Orenburger, aus welchem die 



•) Der Name Dyas wurde zuerst von Marcou (Dyas et Trias, Gencve 185Ü) eingerührt. Geinitz 

(Dyas oder die Zechstein- Formation und das Rothlicgende, 1861. 18t>- ) versteh! darunter die jüngste 

9 ichtengruppe der paläozoischen Periode, Dämlich dir Zechstein-Formation (Kupferschiefer-Gebirge Freies- 

lebcn's, 1807: M- gn< -ian-limcstonc der Engländer) und das Rothlicgende (Todtliegcndcs, Iower new red 

aan^. las Hangende der Gruppe bildet der bonte Sandstein der Trias, das liegende die Steinkohlen« 

I Omalins d'Halloy begriff die Dyas and Trias anfangs unter dem Namen -Formation <lu gris 

ronge*, später unter „terrain p^ncen", worunter er, als Alberti die Trias bildete, nur noch <len Zeohsl 

und das Rothliegende verstanden wissen wollte. Audi Kittel (1840; Naumann, Lchrb. der Qeognosie, 

2. .'. '. II. 8. 591) hielt eine Treammg des Zechateins vom Rothliegenden ftir widernatürlich, 

nforchison (1841) fäsatc das Bothliegende, die Zechstein -Formation und den unteren Thefl des bunten 

.n- in dem dem ' tnenl Perm entlehnten Namen der Permischen Gruppe (Permian-System) 

tmmen. I die Aufnahme eines Theili des bunten Sandsteins stritt Geinitz, auf dem Namen der 

- beharrend, Hanamann (1860) schlagt den Namen „Thüringer Formation*, Marcou Rlr <l<-n Kall 

I. ilnamens »terraia Sazonien', »a- auf Deutschland wie England passe, \>>r. Geinita 

glaubt aber, <!.-- ili.- (ini|ipi- dir paläozoischen Zeil angehOre und an diese gebunden sey. 



- 99 - 

Reptilien-Reste herrühren, den auch viele Landpflanzen und Unionen enthaltenden Süsswasser- 
bildungen, welche der oberen Gruppe des marinen Zechsteins, dessen Dachgestiin sie bilden, 
folgen. Er glaubt, dass diese Bildungen zwischen die paläozoischen und mesozoischen For- 
mationen, in die untere Gruppe der Trias verlegen und dem Vogesen-Sandstein von Sulzbad 
oder dem bunten Sandstein vergleichen zu sollen. Die beiden durch eine marine Zwischen- 
lage getrennten Kupfer-Sandsteine enthalten nach Ludwig verschiedene Floren. Zu bedauern 
ist nur, dass die Schichten, woraus Brongniart und andere von dort Pflanzen beschrieben haben, 
nicht genauer ermittelt sind. Geinitz schliesst die Reptilien-Reste des Gouvernements Orenburg 
von seinem Werk aus, und giebt dadurch zu erkennen, dass auch er den Orenburger 
Kupfer-Sandstein für eine Formation hält, die nicht zur Dyas gehört. Gleichwohl dürften 
die Untersuchungen über das Alter dieses Kupfer -Saudsteins noch nicht für geschlossen zu 
erachten seyn. 

Mit den Reptilien-Resten aus dein Kupfer-Sandstein des Gouvernements Orenburg waren 
Kutorga, Owen, Wangenheim von Qualen , Fischer von Waldheim , Eichwald und ich selbst 
schon früher beschäftigt. 

Am frühesten scheint Stephan Kutorga auf diese Knochen aufmerksam gewesen zu 
seyn. In seinem von der Mineralogischen Gesellschaft zu St. Petersburg herausgegebenen 
„Beitrag zur Kenntniss der organischen Ueberreste des Kupfer-Sandsteins am westlichen Ab- 
hänge des Ural" (St. Petersb. 1838, mit 7 Steindrucktafeln, 8°), worin auch wirbellose 
Thiere und Pflanzen beschrieben werden, legt er die Knochen dreien eigenthümlichen Säuge- 
thieren bei, was in Anbetracht des Alters des Gebildes nicht verfehlen konnte, Aufsehen zu 
erregen. Diese Thiere sind 

1) Brithopus priscus (a. a. O. S. 9. t. 1), eine zwischen Bradypus und Dasypus 
stehende, mehr ersterem verwandte Gattung, auf Grund eines von Demidoff der Mineralogischen 
Gesellschaft in St. Petersburg mitgetheilten unteren Theils von einem Oberarm; 

2) Orthopus primaevus (a. a. 0. S. 15. t. 2), ein den Edentaten verwandtes Thier, 
nach einem unteren Theil eines Oberarmes in der Sammlung des Herrn v. Rosenberg; 

3) Syodon biarmicum (a. a. 0. S. 19. t. 3. f. 3), ein den Schweinen am nächsten 
stehender Dickhäuter, auf Grund eines Zahnes in der Sammlung des Capitains v. Sobolewsky. 

Von Säugethieren kann freilich bei diesen Resten nicht die Rede seyn ; sie rühren 
vielmehr, wie zu erwarten war, von Reptilien her. Der der Errichtung des Orthopus zu 
Grund liegende untere Theil eines Oberarms ist kein unterer, sondern, wie wir sehen werden, 
der obere Theil und zwar von einem Oberarm, welchem der untere Theil angehört, worauf 
Kutorga sein Genus Brithopus gründet ; die beiden Genera sind daher nach Theilen eines Knochens 
derselben Species aufgestellt. Der vereinzelte Zahl, welcher zur Annahme des Syodon führte, 
ist von einer bei sehr verschiedenen Thieren vorkommenden einfach conischen Form , und 
kann daher unmöglich als Beweis für die Gegenwart eines Säugethiers in einer Formation von 

13* 



- 1«0 - 

dem Alter .lfsKin.tei-Sainlst.iii> dienen; weil eher ist bu vennuthen, dass der Zahn ebenfalls 
von einem Reptil herrtihre. Die späteren Beiträge Kutorga's zur Palaeontologie Ruasland's 
enthalten überhaupt nichts von Wirbelthieren. 

ii. < »wen vergleicht die Knochen dos Kupfer-Sandsteins von < Nienburg denen des Palaeo- 

:us und Thecodontosaurua aus dem Dolomit-Conglomeral beiBistol, einem Gebilde, welches 

anfangs furPermiach, nämlich für Zechstein galt, bis man sich übereengte, dass es triasisohen 

\1,, Qwen's Qnterauchungen sind in einem Brief an Murchison enthalten, den der- 

e dem in Gemeinschaft mit v. Verneuil und Graf Keyserling berauagegebenen Werk: 
Lussia in Europe and the Onral raountains" (I. 1845. p, 637) einverleibt hat. 
Einer von diesen Knochen wird dem Rhopalodon Fisch, beigelegt, einem Genus, das 
dem Theco urus Riley Stutch, aus dem Dolomit -Conglomerat von Bristol nahe ver- 

wandt sey. Auch die zu Menselinsk und Kargala bei Bielebei im Gouvernemenl Orenburg 
gefundenen Knochen, in Oberarmknochen bestehend, besitzen nach Owen genau dieselbe 

LCtur, wie die bei Bristol gefundenen. Ein von Wangenheim und Kutorga (VerhandL der 
Mineral. Gesellschaft zu St Petersb., 1844) erwähntes Stück Wirbelsäule lag Owen in einem 
Abgüsse vor. Nach ihm besteht es in einer Reihe von 1 ■-' Rippen- und 2 Beckenwirbeln 
eines zu den Crocodiliern gehörigen Reptils, was aus den starken, kurzen, Rippen ähnlichen 

rsätzen an den Seiten der zwei verwachsenen Beckenwirbel geschlossen wird. l>i 
Bildung, welche sich in den Enaüosauriem nicht vorfinde, habe dazu gedient, den hinteren 
Gliedtnaaasen der höher organisirten Saurier beim Gehen auf trockenem band als Stütze zu 
dienen. Die Gelenkenden der Kückenwirbel sind verdeckt, aus der Beschaffenheit ihrer Ränder 
wird vennuthet, dass sie schwach biconcav waren. Je näher dem Heiligenbein die Wirbel 
auftreten, um so kürzer und breiter werden sie, und zwar in stärkerem Ycrhältniss als bei 
irgend einem später auftretenden Crocodilier. Die vorderen Wirbel sollen in dem zusammen- 

[rückten Körper und den starken Querförtsätzen den Wirbeln von Palaeosaurus aus «lein 
('..n.loin.rat von Bristol (Riley und Stutchbury, GeoL Tuns. London. ■_». V, t. 29. f. 6. 7), 
.Liehen, letztere jedoch unten coneaver als die Russischen, wenigstens nach dem Abguas, 
■ich darstellen. 

Einen aus zwei Stücken bestehenden Kim. -hin hall Owen ftir den Oberarm eines 
Crocodiliers , <ler durch das breite und Hache obere Ende dem Thecodonten-Typus in der 

Inung d. i Crocodilier am ähnlichsten .ehe, und kürzer und breiter sey als der vonPalaeo- 

(GeoL Iran-. 1. c, p. 854. t. 80. f. 1. 2) aus ihm < longlomerat von Bristol. Kin 

anderer Knochen wird für das unten Ende eines Oberschenkels ausgegeben, der durch den 

mehr dreieckigen Querschnitt seines Schaftes ebenfalls thecodontische Bildung verrathe und 

nolicfa genau mit dem Oberschenkel von Palaeosaurus (1. c. t. 80. f. 4. 4a) übereinstimme, 
:n Oberarm an- Russland entsprechend, stärk« 

halt die ihm von Ifurchieon zur Begutachtung vorgelegten Reste nicht für 



— 101 — 

genügend, um aus ihnen die Crocodilier-Fainilie genau zu erkennen. Er sagte nur, sie ent- 
sprächen nicht dem Charakter, welchen die Saurier von dem Lias aufwärts zeigten, wofür 
sich denen aus dem Conglomerat von Bristol auf eine Weise anschlössen, wonach zu 
veriuuthen wäre, dass auch die Ziihne des Russischen Thiers, wenn sie gefunden werden 
sollten, denselben Thecodonten-Charakter besässen wie die von Bristol. 

Weitere Angaben werden nicht gemacht, und es werden auch keine Abbildungen von 
den Resten gegeben, die Owen nur einer Species beizulegen scheint. Die von mir unter- 
suchten Knochen entsprechen weder denen aus dem Conglomerat von Bristol noch dem 
Typus in den Crocodilen. 

Ich lasse nun Eichwald folgen , weil er in der von ihm herausgegebenen Lethaea 
Rossica bestrebt war, alles was er und andere über die Knochen aus dem Kupfer-Sandstein 
des Ural untersucht haben, zusammen zu fassen. Er sieht sich dabei zur Annahme folgender 
Reptilien-Genera in besagter Formation geführt: 

I. Familie der Thecodontosaurier. 

1. Deuterosaurus Eich. 

2. Rhopalodon Fisch. 

II. Familie der Labyrinthodonten. 

3. Eurosaurus Fisch. 

4. Zygosaurus Eichw. 

5. Archegosaurus Goldf. 

Von Deuterosaurus wird die Species D. biarmicus Eichw. angenommen, dem ein 
grosses Schädelstiick (Leth, Rossica, I. p. 1609. t. 58. f. 13), ein Stück Wirbelsäule 
(t. 59. f. 1. 2) und Rippen (F. 3) aus den Erzgruben Kljutschefsk, Menselinsk und Kargala 
im Belebei'schen Kreise des Orenburger Gouvernements beigelegt werden. Von dem durch 
Grösse ausgezeichneten Schädel ist nur das seitlich starck zusammengedrückte Vordertheil 
verbanden, das sich im Besitze der K. Mineralogischen Gesellschaft zu St. Petersburg befindet. 
Es zeigt oben wie unten starke, spitz conische, nicht dicht an einander anschliessende Zähne, 
die für Hunds- und Schneidezähne gehalten werden. Von den vier Hundszähnen (Schneide- 
zähne?) in jedem Kiefer seyen die zwei mittleren die stärkeren. Der Oberkiefer enthalte 
fünf Hundszähne, von denen die ersten, welche den Schneidezähnen folgen, länger seyen. 
der dritte nur ungefähr halb so lang, der vierte, den ich für den eigentlichen Hundszahn 
halten möchte, viel grösser als der zweite. In einiger Entfernung folgt hinter dem vierten 
ein kleiner Zahn, der für einen Milchzahn gehalten wird. Dem Unterkiefer werden 12 Zähne 
beigelegt, von denen die vier ersten den Schneidezähnen entsprechen; die folgenden, die für 
die Hundszähne ausgegeben werden , seyen ungleich in Länge und Stärke . der dritte oder 
vorletzte, wohl richtiger der eigentliche Hundszahn, sey der grösste , der erste nach den 
Schneidezähnen nur halb so lang und der vierte oder letzte sehr klein, kaum halb so gross 



- 102 

als der zweite. Die Zähne Btecken, etwas schiel nach vorn gerichtet, mit langen Wurzeln 
in Alveolen. Ihre Zahl seheine oben grosser gewesen zu seyn als unten. Die Aussenseite 
der Krone .-t'\ L'latt und gewölbt, die Innenseite concav und mit vier m der Spitze zusammen- 
laufenden Runzeln versehen. Gegen die Basis hin scheine wenigstens innen der Zahn auf- 
ri.-n. namentlich im Vergleich zu der schwächeren Wurzel. 

Die kurze, stumpfe und hohe, mithin plumpe Form dieses vorderen Schädeltheils 
erinnert, meiner Ansicht nach, zunächst an Bathygnathus Borealis Leidy (Journ. Acad. nat. 
sc. Philad., 2. Ser. II. p. 327. t. 22) aus einem wahrscheinlich triasischen Sandstein der 
Prinz Eduard's Insel in Nordamerika, von dem nur der Unterkiefer vorliegt, der wohl von 
ähnlicher Grösse, dabei aber eher noch höher und Btumpfer war. am vorderen Ende mehr 
nach vom und unten abfiel, und flachere, mit gezähnelten Kanten versehene Zähne besass, 
so dass Bicfa annehmen läset , dass zwischen beiden Thieren eine weitere Aehnlichkeit nicht 
standen habe. Mein Teratosaurus (Palaeontogr., VI. S. 25s. t. 45) aus dem oberen Keuper 
Württembergs besass grössere und flachere Zähne, und einen kürzern Gesichtstheil. der ihm 
ein anderes Profil verlieh. 

Die Wirbelsäule , welche Eichwald einem anderen Individuum von Deuterosaurus 

biarmieus beilegt, scheint dieselbe zu seyn. welche Owen aus einem Abgüsse kannte. Der 

ädel seheint indess für sie etwas gross. Die 14 Wirbel, woraus sie besteht, hält Owen, 

wie wir gesehen haben, für 12 Rücken- und 2 Beckenwirbel, Eichwald dagegen für 11 

Rücken-, 2 Hecken- und einen nur theilweise überlieferten Sehwanzwirbel, zusammen nehmen 

1 l Zoll ein. Ob und wie viel Rückenwirbel fehlen, lässt sieh nicht angeben. Der eilte 

von den überlieferten Wirbeln, einer der breitesten, nimmt Bchon, nach der Abbildung bei 

Eichwald, wenigstens hinten an der Bildung des Kreuzbeins Theil, Bcheint aber mit dem 

folgenden. Gast nur halb so breiten und mehr quadratischen Wirbel nicht fest verschmolzen. 

Hauptsächlich an diesen kleineren Wirbel, dann auch an den Vorsitzenden und den fester 

rschmolzenen folgenden stösst auf jeder Seite ein starker Querfortsatz , der zur Aufnahme 

des Beckens bestimmt gewesen seyn wird. Letzterer Wirbel ist wieder breiter, und der li i 

überlieferte Wirbel seheint weniger dem Schwänze, dem ihn Eichwald zurechnet, als noch 

dem Kreuzbein anzugehören, das hienach wenigstens 3 Wirbel gezähll haben würde. Die 

vorderen Rückenwirbel sind länger als breit, die folgenden werden allmählich kürzer und 

daas die hinteren breiter als laue sind. Her Körper ist nach der Mute hin ein« 

-gen und an den Gelenkflächen aufgeworfen. !>ie Gelenkflächen sollen eher eben als 

conca\ zu seyn. Die Gelenkförtsätze werden aus der Abbildung deutlich erkannt. l>ie 

Stachelförtsätze scheinen nicht höher all der Körper zu seyn. Es sind zur Aufnahme der 

beiden Köpfe an jeder Rippe zwei Querfortsätze auf jeder Seite vorhanden , die unter sich 

und mit den Querfi n verschmolzen wären. 

Von den Rippen, welche Eichwald derselben Specics beilegt, sind elf QOCh in einem 



— 103 — 

Stück Gestein enthalten. Diese sind schmal, lang, nicht stark gebogen, und der beiden Enden 
beraubt. Sie passen zur Wirbelsäule. Nach der Länge, welche noch die letzten dieser Rippen 
besitzen, zählte das Thier deren mehr als elf. 

Die Aehnlichkeit der Wirbel mit denen aus dem Conglomerat von Bristol ist nicht 
so gross, dass man daraus auf dasselbe Genus zu schliessen berechtigt wäre. Eichwald findet 
die Wirbelsäule der Wirbelsäule des Palaeosaurus aus dem Kupferschiefer von Mansfeld 
(Geinitz, Verst. d. Deutschen Zechsteingebirges, 1848. S. 3. t. 2) sehr ähnlich. Ihm scheint 
entgangen zu seyn, dass ich in meinem Werke : „Saurier aus dem Kupferschiefer der Zechstein- 
Forraation" (1856. S. 21. t. 6) von derselben Versteinerung eine genauere Abbildung gegeben 
und das Thier, indem ich es von Palaeosaurus zu trennen genöthigt war, unter Protorosaurus 
und hierauf unter Parasaurus Geinitzi (Jahrb. für Mineral. , 1857. S. 103) begriffen habe. 
Mit der Wirbelsäule aus dem Ural besteht eigentlich nur die Aehnlichkeit eines durch Ver- 
wachsung mehrerer Wirbel gebildeten Kreuzbeins , das sogar bei Thieren von ganz ver- 
schiedenen Familien vorkommt, und woraus daher nicht auf ein bestimmtes Genus 
geschlossen werden kann. 

Mit dem Deuterosaurus biarmicus vereinigte Eichwald früher wenigstens (Bul. soc. nat. 
de Moscou, 1857. IV. p. 351) auch die Gliedmaassenknochen, welche Kutorga Säugethieren 
beigelegt hatte. Er schliesst sich jedoch in seiner Lethaea Rossica (p. 1613) der Ansicht 
Fischer's an, der diese Knochen unter einem eigenen Genus, dem Eurosaurus, begreift. 

Das von Fischer (Bull. soc. nat. de Moscou, 1841. III. p. 463. t. 7. f. 1) einge- 
führte Genus Rhopalodon wurde von Eichwald (Bull. etc. Moscou, 1857. IV. p. 354) zeit- 
weise für die älteste Gattung der Labyrinthodonten erklärt, jedoch ohne Grund. Es erinnert 
dieses Genus vielmehr an die eigenthümliche Familie der Dicynodonten im weiteren Sinn 
aus einem triasischen Sandstein Südafrika's, namentlich an jene Formen, in denen, wie in 
Galesaurus (Owen, in Quart. Journ. Geol. Soc. London, Febr. 1860. p. 58. t. 1. f. 1 — 5), 
ausser den grossen Hunds- oder Eckzähnen noch andere Zähne auftreten. Nach Eichwald's 
(Leth. Rossica, I. p. 1615) Meinung würde der von Kutorga unter Syodon biarmicum begriffene 
Eckzahn von Rhopalodon herrühren. 

Von diesem Genus werden drei Species unterschieden, Rhapalodou Wangenheimi 
Fisch., Rh. Fischeri Eichw. und Rh. Murchisoni Pand. 

Rhopalodon Wangenheimi Fisch. (Bull. soc. nat. Moscou, 1841. III. p. 463. t. 7. f . 1 ; 
— Eichwald, Leth. Rossica, Lp. 1615. t. 58. f. 9—11) beruht auf einem Unterkiefer- 
Fragment mit 9 Zähnen aus dem Sandstein der Kupfergrube Kljutschefsk jenseits der Dioma 
im Orenburger Gouvernement, das sich in der Sammlung der K. naturforschenden Gesellschaft 
zu Moskau befindet. Die Zähne sind flach keulenförmig, mit zwei scharfen gezähnelten Kanten ver- 
sehen, der Schmelz nach der Spitze hin ist fein und enge längsstreifig. An dem erweiterten Ende 
des mit einem vorstehenden Kinn versehenen Unterkiefers steckt in einer tiefen Alveole, 



1i»4 — 

htet, ein erosser flacher Hundszahn. Audi die 9 Zähne waren nicht mit dem 
Kieferrand verschmolzen, sondern mit einfachen Wurzeln in Alveolen eingekeilt, wobei sie eine 
dem 1 Linien von ihnen entfernten grossen Zahn en zte schiefe Richtung einhielten. 

Dieses Unterkiefer -Fragment isl "2 Zoll ö Linien lang«, hinten 1<» Linien, vorn l Zoll > sine 
Linie hoch. Der Eckzahn misst von vorn nach hinten 7. von aussen muh innen I Linien. 
Die Backenzähne sind von ungleicher Grösse, die drei ersten allmählich länger, der erste •">. 
der dritte l Linien lang, der vierte wie der /.weite 3 1 /.,. der Fünfte -i Linien, der sechste 
und siebente nehmen allmählich an Länge ab und sind am w< it - en getrennt ; der achte und 
neunte Zahn leiden. 

m Rhopalodon Fischeri Eichwald (Lethaea Rossica, 1. p. 1619. t. .'>7. f. 24. a.b. c) 
liegt ein aus der Durasof sehen Erzgrube bei Sterlitamak im Orenburs'schen Gouvernement 
herrührendes Bruchstück von einem Unterkiefer mit (> Backenzähnen und einem Eckzahne 
zu Grunde, das in der Sammlung des K. Berginstituts zu St. Petersburg aufbewahrt wird. 
1 >a~ Stück ist über - Zoll lang. Die flach keulenförmigen Zähne sind grösser als in Rh. 
Wangenheimi und stecken nicht wie in den beiden anderen Species schief, sondern gerade 
im Kiefer. Sie haben scharfe, wie es seheint gezähnelte Diametral - Kanten. Der gr» 
Eckzahn ist fast dreimal so stark als die Backenzähne und steckt schief im Kiefer, dessen 
Kinn abwärts in einen starken, am unteren Lude etwas eingezogenen Fortsatz ausgeht 

Es wird nur die Abbildung von einem grossen Stosszahne gegeben, von dem Eichwald 
glaubt, • derselben Species angehöre. Dieser ist gekrümmt konisch, mit einer g - 

Markhöhle versehen, auf der Oberfläche längs gefurcht, und die Lurchen werden durch deut- 
lich« Kiel getrennt und enthalten kleine Querstriche, besonders gegen die Basis bin, wo *Vv 
Zahn >■> Linien Breite einnimmt. 

Lilien Knochen in derselben Sammlung hält Eichwald, da er für Eurosaurus zu klein 
ist, für den Femur von Rh. Fischeri. Er missl •"> Zoll ■"> Linien Länge, an den beiden Enden 
1 Zoll B Linien und 1 Zoll 2 Linien, an der schmälsten Stelle in der ungefähren Mitte etwa 
n Zoll. Abbildung wird von diesem Knochen nichl gegeben. 

Rhopalodon Murchisoni Land., die dritte Species, beruht auf einem ansehnlichen 
Bruchstück vom Schädel, das, wie der Unterkiefer von Rh. Wangenheimi, im Sandstein der 
ibe Kljutschefek gefunden wurde und durch Wangenheim von Qualen in die Sammlung des 
Il<; n Leuchtenberg zu St Petersburg gelangte. Erst zwei Jahre später erhielt Herr 

Wangenheim von Qualen die dazugehörige rechte Schädelhälfte mit «lern oberen Eckzahn, 
weicht di( Ite von dem andern Stück getrennt hatten, um sich einer nochmaligen 

lohnung zu versichern. L- ist dies diesell Versteinerung, welche Fischer untei Dinosaurus 
Murchisoni fl (Bull, boc, natur. Moscou, 1817. III. p, 268. t 7) Von diesem Schädel 

h Gelegenh« ' mchen. Bei Eichwald (Leth. Lossica, I. p. 1(516. 

i ist eine ziemlich gute Abbildung davon enthalten. Die linke Anssenseite des 



— 105 - 

Schädels und der Unterkiefer sind aufgebrochen. Von dem grossen oberen Eckzahn ist nur 
ein Stück Wurzel überliefert; das Ende der Wurzel und die Krone sind weggebrochen. 
Auch fehlt das hintere Ende am Unterkiefer. Von dem rechten Eckzahn liegt der obere 
Theil der Wurzel mit der Alveole vor, der übrige Zahn ist aufgebrochen; von der in die 
Wurzel allmählich übergehenden Krone erkennt man die hintere Hälfte und diese nur als 
Abdruck, aus dem deutlich zu ersehen ist, dass eine Kante vorhanden war, die die Krone 
in eine grössere äussere und in eine kleinere innere Hälfte theilte. Eichwald glaubt , dass 
der Zahn vorn gerundet gewesen sey. Nach ihm misst die Länge über 4 Zoll 5 Linien, 
die Dicke an der über 2 Zoll tiefen Alveole 8 Linien. Die Markhöhle ist geräumig. Die 
Krone erinnert an die Eckzähne in den Fleischfressern, verliert sich aber allmählich in die 
Wurzel; sie war glatt und schwach nach hinten und, wie es scheint, nach innen gekrümmt. 
Hei geschlossenem Maule hing ihre Spitze noch weiter herab als der Unterkiefer. Eichwald 
glaubt, dass dieser obere Eckzahn nach Art der Zähne der Labyrinthodonten gebaut gewesen 
sey, die Backenzähne nach Art der Crocodile, was nicht wohl vorauszusetzen ist. Ich glaube 
vielmehr, dass diese Zähne mit den Labyrinthodonten gar nichts gemein haben. 

Die Zahl der Backenzähne war nicht genau zu ermitteln ; für eine Oberkieferhälfte 
erhält man 8, von denen der erste in ein Zoll Entfernung vom Eckzahn auftritt. Die oberen 
Backenzähne hingen bei geschlossenem Maul aussen an den unteren herunter, wenigstens 
in vorliegender Versteinerung, welche freilich dem Druck unterlag. Die unteren Backenzähne 
waren stärker hinterwärts gerichtet als die oberen ; sie sind nach Eichwald's Angabe flach, 
aussen convex, concentrisch gestreift, der Vorderrand ist an ihnen scharf und glatt, der Hinter- 
rand gerade oder schwach concav und gezähnelt; sie sind dabei an der runden Basis etwas 
eingezogen und auf der Oberfläche glatt beschmelzt. Für den ersten Backenzahn wird 8 
Linien Länge angegeben, die folgenden werden unmerklich kleiner. N cm dem vordem, 
stumpfen und hohen Ende des Unterkiefers wird nicht gesagt, dass es bezahnt gewesen. 

Die obere Schädeldecke ist weggebrochen , was die Entblössung der Innenseite der 
Gaumenplatte zur Folge hatte, deren Zusammensetzung jedoch an den von mir untersuchten 
Abgüssen nicht zu ermitteln war. Eichwald will an der Versteinerung Nähte vorgefunden 
haben. An dem einen hinteren Ende der Gaumenplatte erkennt man eine äussere Reihe von 
kleinen , spitz conischen , etwas getrennt stehenden Zähnchen , welche den Flügelbein-Fort- 
siit/.en anzugehören scheinen. 

Dieser Schädel war wenigstens noch einmal so gross als der von Rh. Wangenheimi. 

Der Name Eurosaurus rührt von Fischer von Waldheim her, welcher von dem Thiere 
sagt (Bull. soc. nat. Moscou, 1842. p. 462): „Ein hervorstechender Charakter ist die breite 
Ausdehnung der Gelenkköple, besonders im Vergleiche der unbedeutenden Länge. Zuweilen 
ist der Gelenkkopf mit einem Flügel versehen Wir wagen es, diese Knochenstücke, bis 
bestimmtere Kennzeichen hinzukommen, einem neuen Saurier, Eurosaurus, zuzuschreiben. 

PalMOIltOgr., Hand XV, 3. 14 



— 106 — 

Diese Knoehenstücke sind in der Dujasöf'scben Engrube, 38 Arschinen tief, im Niveau der 
Köpfen landen worden. Auch Bind dieselben oft mit Kupferoxyd durchdrangen. Kleine 

OooglomemtB, eine Menge mit Kupferoxyd darchdrangene Bolzstfimme, oft ganze Bfiame von 
Ifi bis 10 Arschinen Lange, sind Begleiter derselben Diese Knpfergrube liegt zwischen der 
Bebra und Dieme, zwischen den Rlüsschen Tiäter und Osfik, zehn Werste von der Klüt- 
Bchofkischen Erzgrube, wo der Unterkiefer des BhopsJodon gefunden wurde. Ein merk- 
würdiger Bumerus. ausgezeichnet doreh Beine breiten Fortsätze und die durchbohrte Gelenk- 
Bäche zur Anfhahme der LJlna, ist in derselben Gegend gefanden worden, und scheint dem 
Rhopalodon anzugehören." 

Ich habe Fischer's Woi te geflissentlich wiedergegi ben, um darüber keinen Zweifei zu lassen, 
was er unter Eurosaurus eigentlich verstanden wissen will. Es Bind dies dieselben Knochen, 
woraus Kutorga, wie wir gesehen haben, die beiden Säugethier-Genera Brithopus und Orthopus 
bildete. Der Ansicht Fischer's ist auch Eichwald (Leth. Rossica, I. p. lt'>".'l. t. 67. t. "_'•'> -30. 
3. •. 59. f. 4 — 7) sogethan, wobei er aber glaubt, daas der von mir unter Melosauros 
(Jralensis begriffene Schädel derselben Species angehöre, die er desshalb Eurosaurus Uralenais 
nennt, und dass das Thier ein Labyrinthodonte Bey, dem er, wie wir sehen werden, noch 
andere Knochen beilegt Für <.in>- Bolehe Verschmelzung ist aber auch nicht die gering 
Wahrscheinlichkeit vorhanden. Der Schädel von Melosauros (and sich im Sterlitamak'schen 
Kreise nicht in den» Kupfer-Sandstein , sondern in dem Lebermergel desselben, und aus den 
Graben, welche die Knochen mit breiten Gelenkköpfen geliefert haben, ist weder Melosauros 
noch ein anderer Labyrinthodonte bekannt, was bei der Bäufigkeit der Knochen mit breiten 
Enden auffallen muss. Der eigentliche Zygosaurus, der ein Labyrinthodonte Beyn wird. 
mmt zwar aas den Gruben der Kupferwerke von Kljutechefsk, im District von Belebet, 
und /war au< dem dichten Kalkmergel des Sandsteins. Bierin läge freilich kein Grund zu 

ten, dass die Gliedmaassen-Knochen von Labyrinthodonten herrührten, wenn nur dii 
Ansicht durch andere Gründe unterstützt würde, was wenigstens bis jetzt der Fall nicht ist. 

Zu derselben : rechnet Eichwald ferner einen Wirbel (1. c. t. 69. f. 6. 7) aus 

dem Kupfer-Sandstein der Grube Douraaof bei Sterlitamak, auf den ich bei der Beschreibung 
eines ähnlichen von mir untersachten Wirbels zurückkommen werde. Es wäre wohl möglich, 
lieser Wirbel derselben Species angehörte, \<>n dei die Gliedmaassenknochen herrühren, 
aber es ist keines wiss, dass er, wie Eichwald glaubt, von Melosaurus, einem, wie es 

icheint, mit einer embryonalen Wirbelsäule versehenen labyrinthodonten, Btamrot 

1 werden ferner immer derselben Species mehrere Knochen aus dem Kalkstein in 

den Kupfergruben von Sredny Santagoulowsk, am Ufer der Diomi im District von Belebei 

beigeaählt, namentlich das untere Ende eines Femux (t. 69. t. I). wohl dasselbe Stück, dessen 

it/ ich dem Herrn Major Wangen beim von Qualen verdanke, und das ich Taf. \I\ 

bildet habe [eh begreife indess nicht, wie man diesen Knochen mit den 



— 107 — 

schon Kutorga bekannt gewesenen Oberannknochen zu einer Species vereinigen kann; er verriith 
ja ein viel grösseres Thier und ist auch viel zu plump dafür. Der Knochen ist selbst für 
einen andern gleichfalls hieher gerechneten Knochen (t. 59. f. 5) , für welchen 6 Zoll 4 
Linien Länge und am unteren Ende 2 Zoll 4 Linien Breite angegeben wird, noch zu gross; 
letzterer wird von Eichwald für den Oberarm dieser Species gehalten, während er doch von 
ganz anderer Bildung als die bekannten Oberarmknochen ist . die Fischer zur Annahme 
des Eurosaurus veranlassten. 

Ein anderer Knochen (t. 57. f. 28) von 10 Zoll Länge, und an den beiden nicht 
ganz vollständigen Enden von 2 Zoll 10 Linien und 3 Zoll 3 Linien Breite wird für die 
Tibia des Eurosaurus gehalten , ist aber für das bereits erwähnte untere Ende einer Tibia, 
welches Eichwald (t. 59. f. 4) der nämlichen Species beilegt, zu gering, dagegen zu gross, 
als dass er zu dem Oberarm des eigentlichen Eurosaurus passen könnte. 

In einem in der Mitte stark eingezogeneu Knochen von ein Zoll Länge und 7 Linien 
Breite findet Eichwald (t. 58. f. 12) Aehnlichkeit mit den in dem von Phininger und 
mir über die Paläontologie Würtemberg's herausgegebenen Werk abgebildeten Zehengliedern 
von Mastodonsaurus Jägeri ; diese Aehnlichkeit geht aber noch viel weiter, indem sie auf einer 
Form beruht, die sich in ganz verschiedenen Thieren wiederholt. 

Den Knochen, welchen Kutorga (a. a. 0. t. 1. f. 1 — 3) richtig für den unteren Theil 
eines Humerus hält , aber irrthümlich einem Säugethier , seinem Brithopus , beilegt , glaubt 
Eichwald als das Coracoideum deuten zu sollen, und wird dadurch verleitet, einen Knochen 
seiner eigenen Sammlung (t. 57. f. 27) dem Knochen bei Kutorga zu vergleichen , mit dem 
er gar keine Aehnlichkeit besitzt. Dieser Knochen könnte eher aus dem Schulter-Brustgürtel 
eines grösseren Thiers herrühren. Fichwald untersuchte aus demselben Gebilde des Oren- 
burger Gouvernements einen noch grösseren, fast dreieckigen, platten Knochen (t. 57. f. 26) 
von 11 Zoll Länge und 1 Zoll 6 Linien innerer, 10'/ 2 Zoll äusserer Breite, den er als 
Schulterblatt deutet. Dasselbe geschieht sogar mit dein nur das Drittel von dem zuvor 
erwähnten messenden, ganz anders gestalteten Knochen, den Kutorga (S. 15. t. 2. f. 1 — 3) 
für den unteren Theil des Oberarms seines Orthopus erklärt, der aber offenbar das obere 
Ende eines Humerus darstellt, wie wir später sehen werden. 

Die bei Eichwald (t. 57. f. 30) abgebildete Beckenpfanne scheint dasselbe oder doch 
ein ähnliches Stück zu seyn , wie das , welches ich Taf. XVII. Fig. 3. 4 abgebildet habe 
und später noch näher beschreiben werde. Es befand sich unter den mir von Herrn Major 
Wangenheim von Qualen verehrten Stücken. 

Eichwald (1. c. p. 1630) sieht sich nun durch seine Untersuchungen zu folgendem 

Ergebniss geführt : Eurosaurus war nach dem Kopfe zu urtheilen ein wahrer Labyrinthodonte,. 

seine Wirbel, Rippen und Phalangen glichen denen in den Mastodonsauriern, während Femur, 

Tibia, Coracoideum und Schulterblatt grosse Aehnlichkeit mit Pelorosaurus und Hylaeosaurus 

14* 






— 108 — 

besassen; was unmöglich richtig scyn kann, wenn man bedenkt. data Fichwald's Ansieht auf 
lösten von Thieren sehr verschiedener Art und GrtiBM beruhen und dass Knochen mitunter 
Kl llen im Skclet angewiesen werden, die sie unmöglich eingenommen haben konnten. Aul 
den VOM mir unter Melosaurus Uraleusis beschriebenen Schädel sieh stützend, wird Eurosaurus 
mit» r die Lahyriuthodoutcn verwiesen, am Sch'usse seiner Untersuchungen aber von Eichwald 
■ lli.-t bekannt, dass er et DOch nicht für ausgemacht halte, dass ditser Schüdel und die 
Knochen zusammen gehören. Ware es nicht der Fall, so behielte der Schädel Beinen Namen 
Meloaanras bei, und der Eurosaurus bestünde nur aus den übrigen Knochen. Aber auch di< ee 
übrigen Knochen lassen sich schon nach Grösse und Form wenigstens zweien verschiedenen 
Thieren suweisen, wie wir dies im Verlauf unserer Untersuchungen sehen werden 

Was den Zygosaurus (Zygosaurus Lucius Bichwald, Urwelt Rnsaland'e, 11. \, S. "24. 
• _' — i betrifft, so vereinigt darin Eichwald die Schädel zweier verschiedenen Thiere. Den 
später bekannt gewordenen Schädel habe ich davon unter Melosaurus Uraleusis (Jahrb. für 
.Mineral.. 1858. S. 298) getrennt Für Zygosaurus Lucios bleibt nur der zuerst unter diesem 
Namen begriff ne Schädel übrig« 

Den von mir unter Melosaurus Uraleusis begriffenen Schädel mit Unterkiefer, eine aus- 
ichnete Versteinerung, habe ich in meinen Palaeontographicis (VH. S. DO. t. 10) aus- 
fUhriicb beschrieben und abgebildet. Er wurde in dem Lebermergel des Kupfer-Sandsteins 
im Steriitamah'schen Kreise des Orenburger Gouvernements gefunden und von Herrn 
Wangenheim von Qualen dem K. Mineralien-Kabinet in Berlin verehrt, aus welchem ich ihn 
im Jahr 1858 cur Untersuchung erhielt. Bichwald giebt in seiner Lethaea Kossica (I. p. 16:22. 
t. .')7. t. •!■)) eine Abbildung, die der meinigen an Genauigkeit nachsteht und nicht im 
Spiegel übertragen ist. wobei er auf die von mir gelieferte Beschreibung Besug nimmt und 
jagt, dass diess der Schädel Bey, den er früher mit Zygosaurus Lucius vereinigl habe. 
Nach diesem Schädel war Melosaurus ein Labyrinthodonte , vielleicht ein embryonaler, was 
nicht mit Sicherheil ermittelt werden konnte. 

I>en ans einem dichten Balkmergel des grauen feinkörnigen Kupfer-Sandsteins der 
Kupl "ii Kljutacheffk im Districte ronßelebei herrührenden Schädel des eigentlichen 

irus Lucius kenne ich aus dem, was Eichwald darüber, von Abbildungeu begleitet, 

Bffentlichl hat, bo wie aus dem in der Sammlung bu Berlin befindlichen Abguss, Eichwald 

war Anfangs der Ansicht, dass Zygosaurus die Labyrintbodonten mit den Enalioeauriern und 

liliern namentlich durch die grossen, an Nothosaurus und Simosaurus erinnernden 

läfengruben verbinde, später aber erkennt er ihm gross« Aehulichkeh mit ArohegosaurUB 

/u und glaubt, <las» auch <i ein« embryonale Wirbelsäule, die ich für letzteren nachgewiesen, 

Ii vermuthef ferner, dass die von Fischer (Nouv, Mein. SoCi nat. MoseoQt 

1. p. 297, t. 20. i. 1. 2) unter Chelonia radiata (Chelonia Fischen lit/.i begriffenen löste 

Thon in Sibirien seinem Zygosaurus Lucios angehören, was jedoch 



- 1«» — 

nach den wiederholten Untersuchungen Fischer's der Fall nicht ist. Diese Reste rühren 
vielmehr von einem eigenen, Ommatolampes Eichwaldi (Fischer de Waldheim, Ommatolampes 
et Trachelacanthus, genera piscium fossilium nova, etc. Mosquae, 1851. p. 3. t.) genannten 
Fische her. 

Ehe ich meine Betrachtungen über die bereits veröffentlichten Arbeiten , welche die 
im Ural gefundenen fossilen Reptilien-Reste zum Gegenstand haben , schliesse, will ich noch 
erwähnen, dass Eichwald unter Achegosaurus Decheni Goldf. äff. (Leth Rossica, 1. p. 1633) 
eines in dem Sandstein der Steinkohleugrube von Artinsk im Ural gefundenen Knochen- 
fragments gedenkt, das er dem Arm beilegt, von dem er sagt, er gleiche sehr einem 
von mir (Palaeontogr., VI. 2. S. 169. t. 22. f. 15) abgebildeten Knochen und besitze auch 
diesselbe Grösse. Weitere Nachforschungen zu Artinsk hätten darüber Aufschluss zu geben, 
ob der Knochen wirklich von Archegosaurus oder von einem noch unbekannten Reptilien- 
Genus herrühre. Eine Abbildung wird nicht beigefügt. Es wäre möglich , dass sich auf 
diese Versteinerung eine frühere Nachricht bezöge, worin Eichwald (Bull. soc. etc. de Museou, 
1857. IV. S. 351) von einem kleinen Fussknochen aus dem Bergkalke von Artinsk spricht, 
der nur einem Reptil angehört haben könne. 

Ich wende mich nunmehr zur Darlegung der Reptilien-Reste aus dem Kupfer-Sandstein 
des Gouvernements Orenburg, deren Besitz ich dein Herrn Major Wangenheim von Qualen 
verdanke , und von denen ich bereits vor einiger Zeit eine vorläufige Nachricht gegeben habe 
(Jahrb. für Mineral, etc. 1857. S. 539 543). Der Sendung war die Bemerkung beigefügt, 
dass die Gegenstände alle , wie die Reste von Zygosaurus und Rhopalodon Murehisoni 
(Dinosaurus) aus dem Kupfer-Sandstein der zahlreichen Erzgruben der Belebey'schen und 
Sterlitamak'schen Kreise des Orenburger Gouvernements in der Nähe des Flusses Dioma 
herrühren , und dass diese Gruben besonders reich an Gliedinaassenknochen seyen , während 
Schädel zu den grössten Seltenheiten gehören. 

Von den mit der Bestimmung vereinzelter Knochen verbundenen Schwierigkeiten mag 
es herrühren, dass dieselben bisher weniger beachtet wurden. Wenn ich es wage, mich 
daran zu versuchen, so geschieht es nicht sowohl in der Ueberzeugung, dass es mir gelingen 
werde, diese schwierige Aufgabe zu lösen, als vielmehr deshalb, weil ich glaube, dass nur 
durch A'eröffentlichung genauer Abbildungen und Beschreibungen es möglich wird, auch 
diese Skelettheile ihrer Entzifferung näher zu führen. 

Diese Knochen sind mehr oder weniger von Kupfergrün und Kupferblau durchdrungen, 
was auch für das Gestein gilt, dessen Kupiergehalt sich durch diese Karben verräth. Alle 
von mir untersuchten Reste rühren aus einem < igenthümlichen Sandstein-artigen Gebilde her, 
das sieh oft in demselben Handstüek sehr verschieden darstellt , ganz feinkörnig , grau und 
mit Thon untermengt, oder reiner feinkörnig, mehr fest, kieselig und Thongallen einschliessend. 



— 110 — 

besonders an den Stellen, wo das Gestein ein gröberes Korn annimmt und unter der Lupe 
als ein Gemenge von etwas abgerundeten Gesteinsstückcheu verschiedener Natur und Farbe 
erscheint. Stellenweise wird dieses Gestein weicher und enthält weissliche , graue oder auch 
mehr röthliche Thongallen oder Bröckchen von verschiedener Grösse und Form, von denen 
man bisweilen nicht weiss, ob man sie für Einschlüsse oder für Theile halten soll, die sich 
später in dem Gestein ausgebildet haben. Die Knochen sind schwer, dicht, fest, braun, 
weisslich, röthlich oder grünlich, auch öfter von der Farbe des Gesteins nicht viel unter- 
schieden. 

Dem Schädel vermag ich unter diesen Resten nur ein als Steinkern überliefertes, 
für eine Abbildung nicht geeignetes Stück zuzuweisen, das aus der Gegend des Scheitelbeins 
herzurühren scheint. Es scheint unpaarig und von einem Loche durchsetzt gewesen zu seyn. 
In dieser Gegend erscheint der Knochen etwas eingedrückt und mehr in Folge dieser Ein- 
senkung zu beiden Seiten stärker gewölbt. An das Scheitelbein stiess wahrscheinlich hinten 
ein paariger Knochen, der nur das obere Hinterhauptsbein seyn konnte, das alsdann auch 
auf der oberen Schädeldecke auftrat. Der Schädel, deji dieses Stück Steinkern verräth, 
möchte wohl die Grösse des Schädels von Deuterosaurus , nach dem davon vorliegenden 
Vordertheil (Eichwald, Leth. Rossica, I. t. 58. f. 1—3) zu urtheilen , erreicht haben, das 
Genus aber, von dem das Stück Steinkern herrührt, lässt sich nicht angeben. 

Von Zähnen erhielt ich nur ein Stück aus der Mitte eines Eckzahns , welches sein 
früherer Besitzer sehr in Ehren hielt. Es rührt entweder von einem linken oberen oder 
von einem rechten unteren Eckzahn her. Deuterosaurus besass überhaupt keine Eckzähne 
von solcher Länge, Stärke und einfach conischen Beschaffenheit, wohl aber Rhopalodon und 
zwar nur im Oberkiefer, doch war der Eckzahn von Rh. Murchisoni nicht von dieser Stärke, 
indem seine Dicke über der Alveole nur zu 8 Linien angegeben wird ; von den beiden andern 
Species von Rh. kann der Zahn noch weniger herrühren , da diese noch geringer waren. 
Es gilt dies namentlich von dem Zahn, welchen Eichwald (Leth. Rossica, I. t. 57. f. 24) 
dem Rh. Fischeri beilegt, der überdies mit einer weiten Markhöhle versehen ist und dessen 
Oberfläche, wie angegeben wird, Längsfurchen besitzt, welche durch deutliche Kiele getrennt 
werden und kleine Querstriche enthalten. Hievon wird an dem in meinem Besitz befindlichen 
Zahne nichts wahrgenommen. Das von mir untersuchte Bruchstück habe ich Taf. XXI. 
Fig. 5 von aussen, Fig. 6 von hinten , Fig. 7 im untern und Fig. 8 im obern Querschnitt 
dargestellt; es ist 0,038 lang, die Querschnitte beider Bruchenden sind oval, am oberen 
erhält man von vorn nach hinten 0,024, von aussen nach innen 0,0191, am unteren bemessen 
sich diese Durchmesser auf 0,035 und 0,025 , und ungeachtet dieser fast noch einmal so 
viel als im Eckzahn von Rhopalodon Murchisoni betragenden Stärke, scheint der stärkste 
Theil des Zahns gar nicht überliefert zu seyn, was sich dadurch verräth, dass an dem Bruch- 
stücke noch kein Zeichen von der Nähe der Wurzel wahrgenommen wird und nirgends 



IN - 

eine Markröhre im Innern sich kund gieht. Der Zahn besteht aus fester Dentin«, welche 
concentrisehe Lagen , den Jahresringen in den Bäumen vergleichbar , bildet , und ist mit 
braunem, nicht sonderlich dickem Schmelz bedeckt, der unter der Lupe enge längsrunzelig 
erscheint und auch schwache Andeutungen von Querringen zeigt. An der Innenseite der 
Krone ist der Schmelz geglättet, was wohl unbezweif'elt vom Anstreifen an der Ausseuseit« 
des Kiefers herrührt. Diese conische Krone, welche nur schwach gekrümmt Beyn konnte, 
besass zwei diametrale Kanten, von denen die nur ein wenig »ach innen (Belesene vordere 
glatt, stumpfer und daher weniger bemerkbar als die hintere war, welche, zumal nach unten, 
deutlicher abwärts sich zuschärfte und schwache Zähnelung zeigt. Zwischen den einzelnen 
Lagen von Dentine und den Bruchflächen findet sich Kupfergrün dendritenförmig ausge- 
schieden, das auch die Dentin-Masse selbst stellenweise färbt. 

Der Zahn, welchen Kutorga unter Syodon biannicum begreift und von Eichwald zu 
Rhopalodon gezählt wird, ist viel kleiner als der von mir untersuchte , der daher von einer 
grösseren Species von Rhopalodon oder von einer eigenen Reptilien-Gattung herrühren wird. 

Das Tai. XXI. Fig 2. 3 von den beiden entgegengesetzten Seiten abgebildete Stück 
erinnert zunächst an eine Schädelbasis oder den aus dem oberen und den seitlichen I iim< r- 
hauptsbeinen zusammengesetzten Theil von dem Schädel eines Dicyuodonren, \.i. 1». Murrayi 
(Huxley, Quart. Journ. Geol. Soc. London, XV. 1859. t. 23. f. 2), D. lacertieeps (Owen, Geol. 
Trans. London, 2. 8er. VII. t. 4. f. 2) und Dicynodon (Ptychognathus) declivis (Owen. Quart. 
Journ. Geol. Soc. London, XVI. 1860. p. 51. t. f. 4; — l'hilus. Trans. London, 1862, 
|i. 156. t. 21. f. 2), doch ohne eine so weit gehende Aehnlichkeit darzubieten, dass man 
berechtigt wäre, auf ein Thier aus dieser Familie mit Sicherheit zu schliessen. Deutliche 
Knochennähte habe ich nicht wahrgenommen. Es ist Schade, dass die Versteinerung nicht 
vollständiger vorliegt. Ich habe sie zum Theil selbst erst vom Gestein befreit Die lang 
ovale Grube ist keine Mündung eines Loches und nicht tiefer als die Abbildung sie angiebt. 
lieber ihr befindet sich ein mit Gestein ausgefülltes Loch, dessen Begrenzung nicht g< Dauer 
zu ermitteln war. Führte dies zum Rückenmark, so fragte es sieh, oh der Knochen nicht 
herumgedreht werden müsste, was in der Abhildung unten ist nach oben. Der Hinterhaupts- 
Fortsatz konnte auf der Fig. 3 dargestellten Seite gelegen haben und weggebrochen seyn. 
Was hauptsächlich an die Schädelbasis in den Dicynodonten erinnert sind die beiden flügel- 
förmigen Fortsätze auf jeder Seite. Die Abbildungen sind in natürlicher Grösse angefertigt 
und wohl so genau und verständlich, dass ich einer weiteren Beschreibung , die nur schwer 
zu geben wäre, überhoben zu Beyn glaube. 

Das Tat'. XVII. Fig. 5. 6 in natürlicher (irösse abgebildete eigentbütnliche Knochen- 
stück kann aus dem Schädel, dem Unterkiefer, der Brust- Vorrichtung oder dem Lecken 
herrühren; seine Unvollständigkeit lässt eine Entscheidung kaum zu. Es verrätb einen 
Mittelknochen, durch innige Verschmelzung eines starken, Bachen Knochenpaars unter Bildung 



112 

eines sptizon , schwach kamniartig sich erbt ibendl n Winkels entstanden. l>er Knoclien ist 
durchaus ficht und schwer. Von Zähnen oder Stellen, wo Zähne hätten sitzen können, 
wird nichts wahrgenommen. Die kurzen vom Rand überlieferten Strecken sind glatt und 
gerundet Die beiden Theilc, aus denen der Knochen «ursprünglich Instand, verlaufen, deut- 
licher unter dem glatten Rande , etwas strahlenförmig nach der Gegend ihrer Vereinigung 
hin. Man könnte an den Bahnlosen Unterkiefer in den Dicynodonten erinnert werden, zu 
dein gleichwohl das Stück nicht recht passen will. Auch will es besonders beim Anblick 
der Innenseite bisweilen scheinen, als sey die Vereinigung der beiden Theile durch eine 
Art Zwickelbein von 0,03 ungefährer Breite vermittelt, was an das das Brustbein vertretende 
Zwickelbein in den triasischen Macrotrachelen erinnern würde, mit denen jedoch keine weiter. 
A> bnlichkeit besteht. Schon seiner eigentümlichen Form wegen durfte ich diesen Knochen 
nicht ganz unerwähnt lassen. 

Von dreien Wirbeln, «reiche ich besitze , i>t der Tai'. XV. Fig. 1 von vorn . Fig. •_' 
hinten. Fig. 3 von der linken Seite und Fig. 4 von unten mit dem Durchschnitt des Körpers 
abgebildete der vollständigste und wirklich gut erhalten. Fr gleicht, so sehr dem Wirbel, 
von welchem Fichwald (Lethaea Rossica, I. t. 59. Fig. 6. 7) eine Abbildung mittheilt, dass 
man glauben sollte, es sey dasselbe Stück. Die hoch ovale Gelenkfläehe des Wirbelkörpers 
und das quer ovale Rückenmarksloeha n letzterem Wirbel könnten von einer falschen Autrassimg 
Zeichners herrühren, An dem Eichwald'schen Wirbel ist aber die Rippe der einen Seite 
viel länger überliefert als an dem meinigen, wo sie nicht später erst abgebrochen Beyn kann, 
da sich deutlich erkennen liisst, dass die Rippen in diesem verstümmelten Zustande von der 
insmasse umschlossen wurden. 

Eichwald .rechnet den von ihm untersuchten Wirbel, der aus der Grube Durasof 
bei Steriitamak herrührt, dem Furosaurus zu, worunter jedoch , wie wir (S. 106) gesehen 
habin. von ihm Reste von Thieren sehr verschiedener Art begriffen werden. 

An dem Wirbel, den ich besitze, sind ausser der Verlängerung der Rippen, di>' 
Gelenkfortsätze und der obere Stachelfortsatz weenebrochen, welche schon bei Aufnahme des 

■ ■ 

übrigen Wirbels vom Gestein gefehlt hatten. Nach der Abbildung bei Fichwald besassen 

die Wirbel dieser Art einen nach oben stumpfwinkelig dachförmig zugehenden oberen 

belfoitsatz von solcher Kürze, dass er kaum Anspruch auf einen Fortsatz machen 

kann. F.s ist jedoch bei den in der Abbildung sonst noch vorhandenen Ungenauigkeiten 

gewiss, ob eine solche Bildung, die wenig Wahrscheinlichkeit für sieh hat, wirklich 

inden hali". 

An dem Wirbel in meinem Besitz ergiebl die Gelenkfläehe des Körpers 0,08 25 Hohe 

und tast ebenso viel Breite; die untere Hallte ist schön gerundet, während die obere weniger 

chförmig an Breite abnimmt , wobei das obere Ende der Fläche stumpfer erscheint , che 

vordere Gelenkfläche ist oben schwach ausgeschnitten, die hintere oben mit einem rlübelchen 






— 113 — 

versehen. Für die Länge des Körpers erhält man 0,0225. Der Gelenknächenrand ist scharf 
und etwas aufgeworfen; die Gelenkfläche stellt sich von dem Rande an erst etwas gewölbt, 
dann aber stark trichterförmig vertieft dar. Bei der erst von mir selbst vorgenommenen Ent- 
blössung vom Gestein habe ich nicht finden können, dass, wie die Abbildung bei Eichwald 
angiebt (t. 59. f. 6. 7 a), der Wirbel, den Wirbeln des Ichthyosaurus ähnlich , in der Mitte 
durchbohrt war. 

Der Körper ist eingezogen, seitlich stärker als unten, Zwischen Körper und oberem 
Bogen besteht eine so innige Verschmelzung, dass von einer Naht zwischen beiden Theilen 
nichts wahrgenommen wird. Der Querfortsatz gehört zur Hälfte dem Körper, an dessen 
ungefährem oberen Drittel er liegt, und zur andern Hälfte dem oben) Bogen an. Er ist 
sehr kurz, 0,021 hoch und ebenso breit von vorn nach hinten, wenigstens in dem auf den 
Körper kommenden Theil, oben schmäler. Mit seiner unregelmässig dreieckigen Gelenkfläche 
ist eine Rippe fest verwachsen, deren Kopf so beschaffen ist, dass man ihn für die Fort- 
setzung des Querfortsatzes halten könnte, wenn nicht die Naht zwischen beiden, namentlich 
an der Unterseite, deutlich zu verfolgen wäre. Diese Art der Verbindung des Querfortsatzes 
mit der Rippe erinnert an die in dem Muschelkalke vorkommenden Beckenwirbel von 
Nothosaurus mirabilis (vgl. mein Werk über die Saurier des Muschelkalkes, S. 38. 41. t. 27. 
f. 1 — 5), die jedoch weiter keinen Vergleich aushalten. In dein Wirbel aus dem Ural ist 
der gemeinschaftlich von dem Querfortsatz und dem Rippenkopfe gebildete Theil hinten und 
unten eingedrückt und überdies mit einem Grübchen versehen. In 0,019 Entfernung vom 
Rande des Wirbelkörpers ist zu beiden Seiten die Rippe weggebrochen. Diese Rippe ver- 
schmälerte sich nach aussen so schnell, dass das unregelmässig dreieckige Bruchende bei der 
kurzen Entfernung von der Einlenkungsstelle nur noch 0,009 Durchmesser ergiebt. Nach 
der Abbildung bei Eichwald (t. 59. f. 6) verlängerte sich die Rippe unter fortwährender Ver- 
schmälerung weiter nach aussen, womit auch eine mir von Eichwald früher schon von einem 
solchen Wirbel mitgetheilte Zeichnung übereinstimmt. Diese Art von Wirbeln stellen, unge- 
achtet ihrer verwachsenen einköpfigen Rippen, keine Beckenwirbel, sondern ächte Rücken- 
wirbel dar. Das hoch ovale Rückenmarksloch ergiebt 0,012 Höhe und fast 0,01 Breite. 

Ich besitze noch einen Wirbel der Art, der weniger vollständig ist, und woran der 
mit dem Rippenkopfe verwachsene Querfortsatz die halbe Höhe des Wirbelkörpers einnimmt. 
Auch ergiebt der Körper etwas mehr Länge , nämlich 0,0255 , und ist namentlich an den 
Seiten weniger stark eingezogen. 

Ich besitze endlich noch einen unvollständigen, für eine Abbildung nicht geeigneten 
Wirbel , der offenbar von einem ganz andern Thier herrührt. Der Körper dieses Wirbels 
ist grösser, länger, höher und zeigt Hinneigung zum Sechseckigen, dadurch nämlich, dass 
er sich unten auf eine geringe Breite platt und an den Aussenseiten schwach gekielt darstellt. 
Für die Länge des Körpers erhalte ich 0,038, auch ungefähr ebenso viel für die Breite und 

Palaenntagr., Bd. XV, 3. 15 



— 114 - 

Höhe. Beide Gelenkflächen waren concav. Der obere Bogen war nicht mit überliefert. Es 
wäre möglich, dass dieser Wirbel zu denen gehörte, welche Eichwald (Leth. Rossica, I. t. 59. 
£ 1. 2j dein Deuterosaurus beilegt. 

Vielleicht gehören zu diesen Wirbeln zweiter Art die Rippen . von denen ich eine 
noch mit I llstandigem Köpft Tal'. XXI. Fig. I abgebildet habe. Der Kopf zeichnet 

sich durch grosse Breite aus, die nicht unter 0,046 betrug; er war dabei flach und sicherlich 
so beschaffen . dass er mit zwei Hübein am Wirbel einlenkte. Von dieser Rippe ist 0,122 
Lange überliefert, ihr Körper misst am mehr gerundet viereckigen Bruchende noch 0,0105 
rke. Das Gestein, worin diese Rippe liegt, beherbergt noch ein Paar Rippen der Art. 
denen aber die Köpfe fehlen , die überhaupt selten vorkommen. Selbst die noch in ihrer 
ursprünglichen Lage hinter einander folgenden elf Rippen (Eichwald, 1. c. t. 59. f. 3) sind 
aämmtlicfa der Gclenkküpte beraubt. Die Entfernung, in der diese Rippen, welche dem 
Deuterosaurus beigelegt werden, von einander auftreten, entspricht der Länge des von mir 
zuletzt beschriebenen Wirbels. 

Unter der gewiss ansehnlichen Menge von Wirbeln , welche ich Gelegenkeit fand, au.- 
triasischen Gebilden, namentlich aus dem Muschelkalke zu untersuchen , und von denen ich 
eine grosse Zahl in meinem Werk über die Saurier des Muschelkalkes abgebildet habe, befindet 
sich keiner, der mir den Wirbeln aus dem Kupfer-Sandstein Russland's übereinstimmte: 
-clbc gilt von den Wirbeln aus dem Magncsicn-( 'onulomerat bei Biatol ( Geol. Trans. 
London, 1840. 2. ser. V. t. 29. f. 6. 7), weiche schon dadurch auffallend abweichen, daas 
sie verhältni.-smäs.-ig langer und viel stärker eingezogen sind. 

In dem T al. XVII. Flg. 1. 2 von den beiden entgegengesetzten Seiten abgebildeten 
Stück erkannte ich nach dessen vollständiger Entblössung die Schultergelenkgruhe zur Auf- 
nahme des Oberarms, gewiss ein selbst bei seiner UnVollständigkeit werthvollc- Stück. Die 
Knochen, welche diese Grube bilden, sind so innig in der überlieferten Gelenkgegend 
mit ei n and er verwachsen . <-la-s ihre Grenzen sich schwer verfolgen lassen. Die eigentliche 
Grube wird nur von dem Schulterblatt und dem Hakenschlttsselbein gebildet. Es i-t aber schwer 
anzugeben, welche- von beiden das Schulterblatt und welches das Hakenschlüsselbein ist. Einer 
der Knochen liegt zwar sonst noch in fast vollständigen Exemplaren vor. so lange man 
nicht weiss, wie der andere beschaffen war. wird es schwer fallen sich EU entscheiden, 
Und zwar au- dem Grunde, weil der vollständiger gekannte Knochen eine Form besitzt, die 
.-ich eben so wohl tnr das Schulterblatt wie für das Hakenschlüsselbein eignet. Den \ »»II- 
Knochen habe ich Tai. .Will. Fig. 1. 2 von zwei Seiten abgebildet. 

•zt die längere, lohlankere Form, die im lebenden Crocodil dem Schulterblatt wie dem 

II ensc h lüse e lbein fast übereinstimmend zusteht; während in dm lebenden I certen der 

blankere Knochen das Schulterblatt darstellt und das Hakenschlüsselbein in einem 

teren, mehr scheibenförmigen Knochen besteht In Belodon, einem Saurier aus 



- 115 — 

dem oberen Keuper, ist ein dem Crocodil ahnliches Schulterblatt mit einem auf die Lacerten 
herauskommenden Hakenschlüsselbein vereinigt und gleichwohl das Thier, was man kaum 
hätte vermuthen sollen , mit einem eben so starken Hauptknochenpanzer wie die wirklichen 
Crocodile versehen. Ich führe dies an, um zu zeigen, wie unsicher die auf Analogien 
beruhenden Schlüsse sind. Aus dem Kupfer-Sandstein kenne ich keine nach Art der Crocodile 
gebildete Hautknochen , und doch besitzt der vollständiger gekannte Knochen der Schulter 
Aehnlichkeit mit dem Schulterblatt von Belodon und von Crocodil. In den Macrotrachelen, 
einer triasichen Saurier-Familie, deren Brust- Schultergürtel mir vollständig darzulegen gelang 
(vgl. mein Werk über die Saurier des Muschelkalkes, S. 44. t. 34. f. 1 — 3), besteht das 
Schulterblatt nur in einem kleinern klotzförmigen Körper mit einem kurzen stielförmigen, 
schräg nach oben und hinten gerichteten Fortsatz, das Hakenschlüsselbein dagegen, der grösste 
und stärkste Knochen im Brust-Schultergürtel , ist an den Enden verbreitert und gegen die 
Mitte stark eingezogen. 

Der vollständiger überlieferte Knochen der Schulter aus dein Kupfer-Sandstein ist ebenfalls 
ein längerer und breiterer Knochen, aber verhältnissmässig länger, schmäler und von gleich- 
förmigerer Breite als das Hakenschlüsselbein in Nothosaurus, worin er mehr auf das Haken- 
schlüsselbein und Schulterblatt in Crocodil und auf das Schulterblatt in Belodon herauskommt, 
auch gleicht selbst seine der Wölbung einer Schulter entsprechende Biegung mehr der des 
Schulterblatts in Belodon (Palaeontogr. , VII. S. 325. t. 35. f. 2. 3); was mich bestimmen 
inusste, meine anfängliche Ansicht, der Knochen stelle das Hakenschlüsselbein dar. zu verlassen, 
und ihn für das Schulterblatt zu halten. Es ist alsdann der andere Knochen das Haken- 
schlüsselbein, das mit einem breiten oberen Gelenkende versehen war, welches zum Theil die 
Gelenkgrube für den Oberarm bilden half, andern Theils mit dem Schulterblatt verwachsen 
war. Nicht weit von letzterer Gegend wird der Knochen schräg von aussen nach innen und 
oben von einem Loche durchsetzt, dessen äussere Mündung schön oval begrenzt ist und hier 
die beiden Durchmesser 0,011 und 0,0075 ergiebt ; die innere Mündung verläuft aufwärts 
kurz rinnenförmig an der Innenseite auf dem Schulterblatt. Es erinnert dies an ein ähnliches 
Loch in dem Hakenschlüsselbein der lebenden Lacerten, wo es an ungefähr derselben Stelle 
angetroffen wird; in Scincus (Cuvier, oss. foss., 4eed. t. 245. f. 37) scheint es in die Naht 
zwischen Hakenschlüsselbein und Schulterblatt zu fallen. Im Hakenschlüsselbein des Belodon 
(Palaeontogr., VII. t. 39. f. 1 — 4; XIV. t. 27. f. 10. 11) ist kein Loch der Art vorhanden, 
dagegen ein starker randlicher Ausschnitt. Den Knochen, der hienach das Schulterblatt wäre, 
besitze ich von 6 Individuen, woraus sich zugleich ergiebt, wie sehr das Thier, dem er ange- 
hört, in dem Kupfer-Sandstein vorherrscht. Die 6 Exemplare vertheilen sich in zwei der 
rechten und vier der linken Seite. Die aufgefundene Schultergelenkgrube war alsdann die 
rechte, und ist von mir Taf. XVII. Fig. 1 von aussen und Fig. 2 von innen dargestellt. 
An das an dieser Versteinerung auftretende Schulterblatt lässt sich noch ein mittleres Stück 

15* 



- 116 — 

anfügen. l>as iweite rechte Exemplar besteht in der flachen, breiten oberen Endstreeke 
mit unvollständigem Rande, die ich Ta£ XX. Flg. 1 von innen und Fig. 2 von aussen mit 

den Querschnitten an den Enden abgebildet habe. Unter den vier linken Knochen befinden 
; i zwei ähnliehe innere Entlthcile, die keine weitere Aufschlüsse liefern ; die beiden andern 
dagegen sind bis auf diese Endtheile vollständig, und von diesen habe ich den besseren 
Taf. XVIII. Flg. 1 von aussen und Fig. 2 auf seine stumpfe hintere Kante gesehen dal 

lt. um auch einen Begriff von der Biegung des Knochens zu geben und diese mit der 
Biegung des Schulterblatts in Belodon ( Palaeontogr., VII. t. 35. f. 2. 3) vergleichen zu 
können. Ganz vollständig kenne ich den Knochen nicht ; seine Länge belief sich jedenfalls 
auf nicht unter 0,2, so viel Nr vorbanden. Von der Breite ist am Schultergelenke 0,062 
überliefert; die I »icke dieses Endes beträgt 0,043. Der stumpfe Hinterland (Taf. XYI1I. 
_ I, 2 ist in seinem unteren Theil concav, im oberen mehr geradeläufig ; nach vor schärft 
sich der Knochen zu , in der unteren Hälfte behauptet er eine fast gleichförmige Breite von 
_efähr 0,0t>7 , worauf er sich durch einen Ausschnitt am Vorderrand bis zu 0,052 ver- 
sehtnälert, und dann gegen das obere Ende allmählich bis zu 0,09 an Breite zunimmt. Für 
die dickste Stelle dieses Endes erhält man 0.14. 

Die Schultergelenkgrube besteht aus ein Paar nicht ganz regelmässig ovalen Con- 
cavitäten . die etwas verschoben und verschmolzen mit den Fangseiten in der Weise neben 
einander liegen, dass sie eine schräge, in der .Mitte eingezogene Grube von 0,058 Läl 

•■.•bleiben, deren nur wenig grössere, auf das Schulterblatt kommende Hälfte 0,0475, die 
andere, vom Ilakcnschlüsselbein gebildete Hälfte 0,045 Höhe ergiebt, welche an der einge- 

genen Stelle in der Mitte nur 0,028 beträgt. An dieser Stelle befindet sich ein geril 
randlicher Einschnitt, welcher die Grenze zwischen den beiden die Grube bildenden Knochen 
; deutlicher verräth, als das was von der Naht sich noch zu verfolgen lässt 

In Betreff des Loches im Ilakenschlüsselbein, das wenigstens innen theilweise auch 
auf das Schulterblatt kommt, wollte ich noch bemerken, dass dasselbe an den in dem äusseren 
Ende des Hakenschltisselbeina von Nothosaurus befindlichen, dieses Fmk in den Gelenktheil 
und einen nach innen und vorn gerichteten, flachen, stumpfen Fortsatz trennenden Einschnitt 
erinnert, der in den kleinen Macrotrachelen Bus dem Muschelkalk in der Nähe der Gelenk- 
I h dadurch veranlasste, dass das Schulterblatt ausser -einer Verwachsung mit 
• Haken elbein noch mit dem von letzterem nach vorn und unten ausgehenden Fort- 

in Berührung stand, was daran- erkannt wird, dass auch das Schulterblatt in der beb 
end einen kleinen Einschnitt darbietet, der den auf diesen Knochen kommenden 
, Loche darstellt Der durch diesen Einschnitt gebildete kleine, kurze Fortsatz am 
tulterblatt ist daher auch mit einer deutll lelenkfläche zur Aufnahme di Fort 

am I! chl sehen (vgl mein Werk: Saurier des Muschelkalkes, S 121. t. 6 



,i''- J 
T CENTRAL P, 



V^ NEWY 



- 117 - 

Unter den aus dein Dolomit -Conglomerat der Gegend von Bristol herrührenden 
Knochen wird ein Bruchstück ( Geol. Trans. London, 2. ser. V. 1840. t. 29. f. 11) dem 
Hakenschlüsselbein beigelegt, das von einem Knochen der Art gar nicht herzurühren scheint; 
eine Aehnlichkeit besteht wenigstens nicht : und doch hat man geglaubt , die Saurier-Beste 
aus dem Russischen Kupfer -Sandstein denen besagten Dolomit -Conglomerats vergleichen zu 
können. 

Wie die Taf. XVII. Fig. 1. 2 abgebildete Versteinerung die Gelenkgrube zur Auf- 
nahme des Oberarms, so wird das auf derselben Tafel Fig. 3 und 4 dargestellte Stück die 
Beckenpfanne zur Aufnahme des Oberschenkels sehr wahrscheinlich von derselben Species 
darstellen. Ein ähnliches Stück, möglicherweise dasselbe, welches icli besitze, findet sich bei 
Eichwald (Leth. Rossica, I. t. 57. Fig. 30. p. 1G21) abgebildet, der es für das Becken eines 
kleinen Individuums von Eurosaurus hält, worunter, wie üben erwähnt, Reste sehr verschiedener 
Thiere begriffen werden, und überdies wird dabei bemerkt, dass dieses Becken auch dem 
Rhopalodon angehört haben könnte. Die in meinem Besitz befindliche Pfanne wurde erst 
durch mich nicht ohne Mühe vom anhängenden Gestein befreit. Die Verwachsung ihrer Theile 
ist so innig, dass es schwer hält zu ermitteln, ob sie aus zwei oder drei Knochen zusammen- 
gesetzt ist. Die Schwierigkeit wird noch dadurch vermehrt , dass von den Knochen kaum 
mehr als gerade diese Enden überliefert sind und von den an der Beckenbilduntj theilneh- 
inenden Knochen sonst keine Exemplare vorliegen. Eichwald sagt, das Becken bestehe wie 
gewöhnlich aus drei Knochen, dem Sitzbein, dem Darmbein und dem Querfortsatz des 
Becken wiibels; die beiden ersten lägen neben einander über dem Kopf des Oberschenkels 
und der Querfortsatz nähme statt der ursprünglich schrägen Lage jetzt eine mehr horizontale 
ein. Ich bekenne offen, dass ich diese Stelle eben so wenig verstehe als die darauffolgende 
Deutung der einzelnen Theile des Beckens, und dass ich mich auch aus den Abbildungen 
nicht recht herauszufinden vermag. 

In Crocodil wird die mehr offene Beckenpfanne nur von dem Darmbein und dem 
Sitzbein gebildet, in den Lacerten dagegen theilen sich Darmbein, Sitzbein und Schambein in 
die Bildung der geschlossen begrenzten Pfanne, die auch sonst der fossilen ähnlicher ist; 
es liegt daher die Vermuthung nahe . dass auch an der Bildung letzterer diese drei Becken- 
knochen Theil nehmen. Ich habe indess nur Spuren einer stark verwachsenen , stumpf- 
winkeligen Naht auf der glatten Innenseite verfolgen können. Durch diese Naht wird ein 
ungefähr die Hälfte der Pfanne einnehmender Knochen abgetrennt , der die grösstc Aehn- 
lichkeit mit dem Knochen hat, dessen Deutung mir unter der grossen Menge versteinerter 
Knochen aus dum Muschelkalk am schwersten gefallen ist, nämlich mit dem immer nur 
vereinzelt gefundenen Darmbein in den Macrotrachelen, er gleicht auffallend den kleineren 
Darmbeinen, welche ich meinem Werk über d'e Saurier des Muschelkalkes. Taf. 32. Fig. 20. 
Taf. 66. Fig. 2G— 2b, abgebildet habe, und besitzt selbst keinen längeren hinterwärts gerichteten 



- 118 - 

Fortsatz als letztere, nur ist der Knochen aus dein Li al viel grösser und dabei fester mit 
den Anderen Knochen der Pfanne verwachsen. Dass die andere Hälfte der Pfanne aus zwei 
Knochen bestehen müsse, wird, ungeachtet keine Spur von der Naht zwischen denselben 
sich auffinden liisst, daran erkannt, dass das Gefüge oder die Kristallisation des 
Knochens nach zwei verschiedenen Richtungen hin verläuft , was DOthwendig zwei selbst- 
Ständige Knochen voraussetzt. Der eine dieser Knochen war nicht weit von der Pfanne 
von einem von innen schräg nach aussen und unten führenden Loche mit ovaler Mündung 
durchbohrt, wie dies beim Schambein der lebenden Lacerten, namentlich bei Monitor, vor- 
kommt, dem der Knochen in seiner Lage zum Darmbein auch entsprechen würde. Auch 
im Schambein des Beckens von Dicynodon tigrieeps (Owen, Philos. Trans. London. 1862. 
t. MO. f. 1) ist dieses Loch nachgewiesen; dieses Becken ist aber schon durch die Grösse 
seine- Darmbeins von dem Becken aus Russland verschieden. Es ergiebt sich nun von 
selbst, dass der dritte unten und hinten seine Stelle einnehmende Knochen in letzterem 
Becken nichts anders seyn wird, als das Sitzbein. An der Richtigkeit der DeutiniL r dieser 
Theile möchte ich kaum zweifeln. Das Darmbein, so gut wie vollständig überliefert, war 
der kleinste, das Sitzbein wahrscheinlich der grösste der drei Knochen; von diesem und dem 
Schambein ist so wenig überliefert, dass man sich von ihrer Form keine Vorstellung machen 
kann. Aus der Aehnlichkeit des Darmbeins mit dem in den Macrotrachelen liisst sich auf 
keine weitere Aehnlichkeit der anderen Beckenknochen ödes der Thiere sonst schliesscn. 

Die von mir abgebildete Beckenpfanne war hienach die der rechten Seite. Hinterwärts 

_i sie sich mehr geöffnet. Der Lage des kurzen Fortsatzes des Darmbeins entsprechend. 

zeigt die Pfanne eine stärkere Erhöhung des Randes, was auch an den Darmbeinen aus dem 

Muschelkalke wahrgenommen wird. Der Durchmesser der Pfanne betrug ungefähr 0,05; 

würde dies der Schultergelenkgrube entsprechen; die Tiefe der Grube ergiebt ungefähr 0,03. 

Tal. XV habe ich, Fig. 5 von vorn, Fig. von hinten und Fig. 7 von unten gesehen, 
den unteren Theil eines Knochens abgebildet, den ich für den Oberarm halte. Diesen Knochen 
besitze ich noch einmal aus derselben und einmal aus der andern Seite des Thiers. Die 
beiden letzten Exemplare Beben auch in Färbung einander bo ähnlich, dass sie von demselben 
Thier herzurühren scheinen; es sind daher wenigstens zwei Individuen durch diese Art von 
Knochen angedeutet, was schon für ein häufigeres Vorkommen der Species spricht. 

Es sind dies dieselben Knochen, welche Kutorga (Beitrag zurKenntniss der organischen 
Deberrestc des Kupfer-Sandsteins am westlichen Abhänge <\cs Ural, 1838. S. !•. t. 1), der 

zuerst auf sie aufmerksam macht, zwar richtig als den unteren Theil des Oberarms deutet, 
aber einem zwischen liradvpus und DasvpUS stehenden Säugethier, VOU ihm Brithopuß prisens 

sannt) beilegt. Das bei Kutorga nicht gerade deutlieh abgebildete Stück rührt, wie das 

■, mir v ebene, vom linken Oberarm her. Von letzterem ist 0,095 Länge über- 

liefert v " viel misst auch die Breite am unteren Ende, welches ans zwei nicht auffallend 



— 119 - 

starken Gelenk-Convexitäten besteht , von denen die äussere von vorn nach hinten 0,034, 
die innere nur 0,031 ergiebt; sie werden durch eine flache Convexität getrennt, an der man 
nach derselben Richtung hin 0,026 erhält. Die Gelenkrolle ist daher nicht auffallend stark 
entwickelt; auch ist die über ihr liegende vordere Grube nur gering; dasselbe gilt von der 
hinteren Grube, die mehr einem leichten , aufwärts sich verlierenden Verticaleindruck gleicht 
als einer wirklichen Grube. Ueber der innern Gelenk-G'onvexität tritt in einer gewissen Höhe 
und vom Innenrande wenig entfernt ein durch Grösse ausgezeichnetes lang ovales, schräg von 
hinten innen nach aussen vorn und unten fühlendes Loch zum Durchgang der Ellenbogen- 
Arterie auf, was Kutorga veranlasst haben mag, den Knochen einem Säugethier beizulegen, 
in dessen Oberarm dieses Loch häufig erscheint, Ich habe indess schon vor längerer Zeit 
nachgewiesen, dass dieses Loch auch gewissen fossilen Reptilien zusteht, und mich seiner 
mit vielem Vortheil bedient, um namentlich unter den vereinzelten Knochen triasischer Saurier 
den Oberarm herauszufinden (vgl. mein Werk über die Saurier des Muschelkalkes). Die 
höhere Lage dieses Loches und das breite flache Gelenkende waren hauptsächlich die Gründe, 
welche Kutorga veranlassten, diesem Thier zwischen den Bradypodiden und den Dasypodiden 
eine Stelle einzuräumen. 

Der Oberarm zeichnet sich noch dadurch aus, dass er in fast derselben Höhe auch 
über der äusseren Gelenk-Convexität, nahe der ziemlich scharf entwickelten äusseren Kante 
in der Richtung von hinten nach vorn und unten mit einem den Knochen durchsetzenden 
Loche versehen ist, das sich zwar rundlich und viel kleiner als das äussere Loch darstellt, 
aber nicht weniger deutlich wahrgenommen wird. Dieses Loch, welches mir von keinem 
andern Thier bekannt ist, wird zum Durchgang der Arterie der Speiche bestimmt gewesen seyn. 

Der Knochenkörper ist gegen die Breite des Gelenkendes auffallend dünn ; an der 
unregelmässig rundlichen Bruchfläche ergiebt sich ungefähr 0,034 Durchmesser , der nach 
einem andern , sonst w r eniger gut erhaltenen Knochen der Art nur wenig weiter oben in der 
Richtung von aussen nach innen noch etwas abzunehmen scheint, wofür er von hinten nach 
vorn, auffallend stärker nach vorn, zunimmt. 

Während Kutorga diese Knochen richtig als den unteren Theil des Oberarms deutet, 
ist es unbegreiflich, wie Eichwald später in seiner Lethaea Rossica glauben kann, dass Kutorga 
geirrt habe und dass der Knochen eher das Coracoidium des Schulterblatts von Eurosaurus 
darstelle. 

Der bei Riley und Stutchbury (1. c. t. 30. f. 1. l a ) aus dem Dolomit -Cnglomerat 
von Bristol abgebildete Oberarm ist ein viel schlankerer Knochen von ganz anderer Bildung, 
bei dem Löcher zum Durchgange von Arterien nicht angegeben werden. 

Taf. XVI habe ich Fi£. 1—4 einen und Fi£. 5 noch einen anderen von den Knochen 
abgebildet, welche Kutorga (a. a. O. S. 15. t. 2) ebenfalls für den unteren Theil des Ober- 
arms eines eigenthümlichen Säugethiers erklärt, das er Orthopus primaevus nennt und 



— 120 — 

den Ed . verwandt h;»lr . Von diesen Knochen besitze ich drei Exemplare, alle aus 

derselb S - Tlucrs, wie es scheint der linken, eben so viel Individuen vcrrathend. Der 

eine der beiden von mir abgebildeten Knochen ist der vollständigste, der andere der grösste von 
ihnen. Das Vorkommen dieser Knochen (aast vermuthen, von derselben Species, 

wie der suvor beschriebene Knochen herrühren, dem >ie auch in Grösse entsprechen. .Sic können 
alsdann unmöglich auch den unteren Theil des Oberarms darstellen, und sind Überhaupt gar 
nicht wie ein solcher Theil gebildet; so sehr auch Kutorga sich abmüht, dieses nachzuweisen. 
Den dünnen Knochenkörper und die breite flache Bildung des Gelenkendes theilt di< 
Knochen allerdings mit dem zuvor beschriebenen, wobei er aber mein- den Bndruck des 
dazu gehörigen oberen Theils macht. Es ist mir nicht gelungen, mit den vorliegenden End- 
tbeilen einen vollständigeren Knochen zusammenzusetzen ; es fehlt immer ein Stück der 
Mitte, das jedoch nicht von Belang seyn kann. Die Aehnlichkeit des oberen Theils mit dem 
eines Oberarms lasst sich nicht verkennen; er erinnert mehr an .Monitor als an Crocodil ; 
in letzterem ist das obere Ende flacher, stumpfwinkeliger zugeschnitten, im fossilen Knochen 
endigt es fast spitzwinkelig. Die Seite, welche abwärts, der Axe des Knochenkür[>ers last 
parallel läuft, wird den wie in Monitor (Cuvier, oss. foss., 4. ed. t. 245. f. li*. 1". i mehr 
leistentöl niig gebildeten Höker darstellen. Auf das obere Gelenkende gesehen, ist der Bogen, 
den dasselbe beschreibt, noch flacher als in Monitor. In der Art, wie dieses Ende zuge- 
schnitten ist, liegt auch einige Aehnlichkeit mit dem Oberarm des Salamanders. 

Der Tat". XVI. Fig. 1 — 4 abgebildete Knochen ergiebt 0,097 Breite, und an der 
dicksten Stelle des Gelenkendes, ohne Zweifel der Stelle, mit der die Einlenkung hauptsächlich 
geschah, 0,2. S. Von dem Knochen ist 0,11 Länge überliefert. Am Bruchende des Körpers 
erhalt man von aussen nach innen 0,0315, von vorn nach hinten liess sich der Durchmesser 

Bi - bädigung nicht genau nehmen. An der seitlich weggebrochenen Stelle dieses 

Endes wird ein Stück von einem von aussen schräg nach innen und unten verlaufenden, 

• i aufgebrochenen Kanal von etwa 0,005 Breite wahrgenommen , der seine Erklärung ersl 

von dem vollständigen Oberarm erwartet und wohl mit dazu beigetragen haben wird, dass der 

Knochen gewöhnlich an dieser Gegend seines überhaupt «hinnen und schwachen Körpt 

icheint. 

Da- nicht allgebildete Exemplar ist von derselben Grösse, es ist nur nicht ganz so viel 
inem Körper überliefert. Ein w< nig grösser und stärker war der dritte Knochen der 
Art. der aal dei coneaven Seite, von der er Fig. 5 dargestelh ist, in der Nähe des Gelenkendes 
.■■kielt erscheint, und aoi dieser Erhöhung eine Stelle seigt, cli<- zur Anheftung eines 
Muskels oder Bands bestimmt gev \n wird. Die entgegensetzte Seite isl Bach maschei- 

förmig vertieft. Dies« Knochen sind, wie die suvor beschriebenen untern Theile, ohne Mark* 
röhre, 'hin haus dicht von Mai 

Dei von mir Tai. XIX. Fig. l —8 abgebildete Knochen ist dem bei Eichwald (Leth. 



- 121 - 

Rossica, I. t. 59. f. 4) enthalten so ähnlieh, dass ich ihn für dasselbe Stück halten möchte. 
Die Ausmessungen stimmen ebenfalls überein. Er stellt das untere Ende eines Ober- 
schenkels dar, den Eichwald wiederum dem Eurosaurus zuerkennt, ungeachtet er selbst 
für den Deuterosaurus zu gross seyn würde. Der Gelenkkopf besteht aus zwei in Stärke 
fast übereinstimmenden , nur wenig schräge liegenden Convexitäten , welche von einer Con- 
cavität getrennt werden, die mit dem Eindruck, den das Knochenende vorn und hinten dar- 
bietet, in Zusammenhang steht. Für die ganze Breite dieses Gelenkendes erhält man 0,124, 
von vorn nach hinten an den Convexitäten fast gleichförmig 0,08 , an der sie trennenden 
Concavität nur 0,049. Von dem Knochen ist 0,008 Länge vorhanden. An dem nur wenig 
verschoben gerundet viereckigen Querschnitt, welchen das Bruchende darbietet, erhält man 
von aussen nach innen 0,069 , von vorn nach hinten 0,047. Hier ist der Knochen ohne 
alle Markröhre, woraus man auf ein Thier des Meeres zu schliessen berechtigt wäre. 

Die colossale, einförmige Beschaffenheit dieses Knochens erinnert unter den Sauriern 
an meine Abtheilung der Pachypoden, namentlich an den riesenmässigen Oberschenkel , den 
ich von Plateosaurus Engelharti aus dem oberen Keuper von Heroldsberg (Saurier des Muschel- 
kalkes, S. 154. t. 69. f. 4. 5) veröffentlicht habe, der sich aber schon durch die geräumige 
Markhöhle wesentlich unterscheidet und ein Geschöpf des Landes zu erkennen giebt ; er 
ist dabei weit stärker, überhaupt anders gebildet und bietet eigentlich nur von der Seite 
gesehen einige Aehnlichkeit dar. 

Später erst gelang es mir , zwei Bruchstücke zu einem vollständigen , wie es scheint, 
rechten Oberschenkelknochen zu vereinigen, den ich Taf. XVIII. Fig. 4 — 8 von verschiedenen 
Seiten dargestellt habe. Wie das zuvor beschriebene Gelcnkcnde das grösste Reptil, so 
verräth dieser vollständige Knochen das kleinste nach den bis jetzt bekannten Resten aus dem 
Kupfer-Sandstein des Ural. 

Dieser Knochen besitzt auffallende Aehnlichkeit mit einem Knochen, den Huxley von 
Dicynodon Murrayi (Quart. Journ. Gcol. Soc. London, XV. 1859. p. 657. t. 23. f. 3) aus 
Süd-Afrika veröffentlicht und für den linken Oberarm erklärt. Die Verbreiterung an den 
Enden und die Verschmälerung gegen die Mitte ist in beiden Knochen gleich auffallend, 
nur misst der Knochen aus Russland kaum mehr als zwei Drittel von dem in Afrika ge- 
fundenen. Den Russischen Knochen kann ich , zumal im Hinblick auf die Beschaffenheit 
der aus demselben Gebilde herrührenden grösseren Oberarmknochen Taf. XV. Fig. 5 — 7. 
Taf. XVI. Fig. 1 — 5 , weniger mit einem Knochen der Art als mit einem Oberschenkel in 
Einklang bringen. Er ergiebt 0,062 Länge , am oberen , flach bogig geschnittenen Ende 
0,024 Breite bei nur 0,008 Dicke an der Seite wo die Einlenkung statt fand. Unter dieser 
Seite seheint ein grosser, flügelförmiger Trochanter gelegen zu haben , der sich abwärts bis 
in das zweite Drittel der Knochenlänge zog, jetzt aber grösstentheils weggebrochen ist. Der 
obere Theil zeichnet sich sonst durch eine flach muschelförmige Vertiefung aus. Am unteren 

Palaeontocr.. Band XV. 3. 16 



- 122 — 

Ende erhält man 0,025 Breite. Dieses besteht aus zwei Convexitiiten von sehr ungleicher 

ke. indem die eine von vorn nach hinten 0,0165, die andern 0,01 misst . die concaye 
S ile dazwischen nur 0,0065 ; darüber befindet sich , wie in dein grossen Oberschenkel 
Tat. XIX. Fig. 1 — 3, an der einen Seite eine Grube, an der andern ein aufwärts sich ver- 
lierender rinnenförmiger Eindruck. In der mehr in die untere Hüllte der Knochenlänge 
fallenden schwächsten Gegend erhalt man 0,011 Stärke bei einem unregelmässig gerundeten 
Querschnitt, und selbst an dieser Stelle ist der Knochen nur mit einer schwachen Andeutung 

r Markröhre versehen. 

Qntei den Knochen aus dem Dolomit- Conglomerat von Bristol weiden zwei für 

rann ausgegeben (Geol. 'Irans. London, V. 2. Ser. 1840, t. 30. f. 3. 4), die beide 
schlanker, länger und auch anders gebildet sind, und daher offenbar von ganz andern Thieren 
herrühren. Der kleine Oberschenkel aus Russland misst kaum ein Drittel, von dem kleineren 
zu Bristol gefundenen, und der grosse Oberschenkel rührt von einem wenigstens noch einmal 
so grossen Thier her. 

- Tat. XXI. Fig. 9—11 abgebildete Stück verräth typische Aehnlichkeit mit dem 
oberen Theil des Oberschenkels in den Macrotrachelen, namentlich in Nothosaurus (vgl. mein 
Werk über die Saurier des Muschelkalkes, t. ;ii». 1". 15-17. t. 48. f. 1. t. 50. f. 2—4. 
8 — 11. t. 51. f. 17. t. 57. f. 2). Völlige [Jebereinstimmung besteht indess nicht: di 

k weicht sogar von den Oberschenkelknochen der Macrotrachelen mehr ab. als letztere 
unti reinander, ungeachtet diese verschiedenen Genera angehören. Eine auffallende Abweichung 
•cht darin, dass der Knochen sich vom Gelenkende geg< D 'lic .Mitte schneller verschmälert. 
1 - ist 0,075 Länge vorhanden, am Gelenkende erhält man nach den beiden Riebtungen hin 
0,058 und 0,017.'.. am Bruchende 0,023 und 0,015). Eine Markröhre giebt sich nicht zu 
erkennen. 

Auf ähnliche Weise erinnert das Stück Tat. XX. Fig. 3 — 5 an den unteren Theil des < >ber- 
schenkels in den .Macrotrachelen (a. a. O. t. 32. f. 16. 17. t. 50. f. 4. 10— 18. t. 57. f. I. 
und auch hier wird wieder eine schnellere Verschmälerung hei dem Knochen aus Russland 
bemerkt. Fs wäre daher möglich, dass die beiden Knochen von einem Oberschenkel der- 
selben S herrührten, von verschiedenen Individuen jedenfalls; und wenn der Knochen 
wirklich den Oberschenkel darstellt, wie auffallend verschieden war er alsdann von den beiden 
zuvor beschriebenen Knochen, zwischen denen er in Grösse ungefähr das Mittel hält. Am 
erhält man nach den beiden entgegengesetzten Richtungen 0.01:5 und o.o.u, am 
Bruchende 0,022 und 0,026; letztere Durchmesser Bind von denen des zuvor beschriebenen 
Knochens nur wenig verschieden, auch läset es sich nicht läugnen, dass die Querschnitte an 
den Bruchenden einen gewissen Grad von Aehnlichkeit besitzen. 

Mit dem zuletzt beschriebenen Knochen zeigt das Knochenstück Tat'. \\. Fig. 6 8 
Aehnlichkeit; • - 'leint aber nicht \ lerselben Knochenart herzurühren Abgesehen von 



- 123 - 

der Beschädigung, verschmälert sich der Knochenkörper mehr, und auch der Querschnitt des 
Gelenkkopfs ist verschieden. Dabei gleicht aber doch der Knochen durch seine grünliche 
Färbung mehr dem Taf. XXI. Fig. 9-11 abgebildeten, so dass man an ihre Zusammenge- 
hörigkeit glauben möchte. Die beiden Durchmesser am nur schwach gewölbten Gelenkende 
ergeben 0,042 und 0,031, am Bruchende 0,023 und 0,01G5; es ist 0,068 Länge überliefert. 
Der Knochen war mit einer unvollkommenen , mit Kalkspath ausgefüllten Markröhre 
versehen. 

Auch das Taf. XX. Fig. 9 — 11 abgebildete Endstück zeigt eine so allgemeine Form, 
dass selbst bei vollständiger Ueberliefeiung des Knochens es schwer halten würde , ihm die 
richtige Stelle im Skelet anzuweisen. Es liegt hierin indess kein Grund, ihn unbeachtet zu lassen ; 
es ist schon wichtig zu wissen , dass auch in dem Kupfer - Sandstein solche einförmiger ge- 
bildete Knochen vorkommen. Sie können aus dem Vorderarm oder dem Unterschenkel, wie 
aus der Mittelhand oder dem Mittelfuss herrühren. Von diesem kleineren Knochen ist 0,039 
Länge vorhanden ; an dem breiteren Ende, wohl dem Gelenkende, ergeben die Durchmesser 
0,028 und 0,023, an dem Bruchende 0,017 und 0,0125. 

Den Taf. XVI. Fig. 6. 7. Taf. XIX. Fig. 4. 5 von vier verschiedenen Seiten abge- 
bildeten Knochen besitze ich zweimal, eben so viel Individuen verrathend. Er ist von ganz 
eisrenthümlicher Form. Ich halte ihn für den einen Knochen eines äusseren , sich nicht 
aecenseitig berührenden Paars, dem aussen kein anderer Knochen an<>'ele2:en haben wird. Seine 
Enträthselung wollte nicht gelingen. Er kann weder aus dem Kreuzbein noch aus einer 
andern Gegend des Rumpfes herrühren, eher aus der hinteren Gegend des Schädels, doch hält 
es auch hier schwer, ihn unterzubringen. 

Der Knochen besitzt nur an der einen längeren Seite und an einer Stelle der beiden kurzen 
Seiten natürliche Begrenzung, welche jedoch so beschaffen ist, dass man sich überzeugt, dass 
er auch an dieser Stelle mit keinem andern Knochen in Verbindung gestanden haben konnte. 
Wäre die Form des Knochens vollständig erhalten, so gelänge seine EntziiFerung wohl eher. 
Auf der einen Seite ist er diametral kammartig erhöht. Gegen das eine Ende dieser Er- 
höhung hin bemerkt man eine lang ovale, und davor in der ungefähren Mitte der überlieferten 
Länge eine runde Oeffnung, welche beide mit einer starken Längsgrube auf der entgegen- 
gesetzten Seite in Verbindung stehen, und daher den Knochen durchsetzen. Zwischen den 
beiden Oeffnungen liegt seitlich an der Erhöhung des Knochens eine unrcgelmässig S förmige 
Fläche, welche unverkennbar zur Aufnahme eines andern Knochens diente. Sie ist so ent- 
schieden und in beiden Exemplaren so übereinstimmend ausgeprägt, dass man glauben sollte, 
schon durch ihre Eigenthümliehkeit die Ermittelung des Knochens erleichtert zu sehen, 
was indess keineswegs der Fall ist. Es wäre möglich , dass der Knochen dem Paukenbein 
angehörte. 

Aus dem Gestein, worin der eine von diesen Knochen lag, gelang es mir, das Taf. XVI. 

16* 



- 124 - 

Fi". 8 abgebildete kleine Knochenstüok zu gewinnen , dessen Oberfläche mit Grübeben i 
seben ist, diu an die Labyrinthodonten und Croeodile, oder die Hautkiiochcn anderer Saurier 
erinnern. Das Stück ist wohl des Krwähnens wertb, aber doch zu gering, um eine weitere 
Vermuthung darauf zu gründen. 

Chalcosaurus Rossicus. 

Am Südrande der Obschtij - Syi t , 50 Werste NW. von Orenburg. wurde in einem 
dankelgelben Rupfer-Sandstein ein Schädel gefunden, von dem Herr Mezger, Berg-Ingenieur 
des v. Paschkoffschen Kupferbergwerkes in der Kargalinski'scben Steppe bei Orenburg*), 
eine photographische Abbildung in ein Drittel natürlicher Grösse dem Herrn Professor 
Dr. C. Fr. Naumann nach Leipzig sandte, welcher die Güte hatte, sie mir mitZUtheilen, 
Schon bei dem ersten Anblick erkennt man in diesem Schädel den Labyrinlhudontcn J eine 
Luert Bestimmung Bchien aber kaum möglich, weil in der Photographie die Unterscheidung 
der einzelnen Theile nicht recht gelingen wollte. Die Original -Versteinerung war nicht zu 
erhalten. Ich bin daher bei meinen Untersuchungen lediglich auf die Photographie angewiesen, 
von der ich Tat*. XXI. Fig. 1 eine Skizze gebe. 

Der Schädel wird von fast gleicher Länge und Breite seyn, die 0,150, nicht gans 
einen halben Fusa Par., betragen werden. Die hintere Gegend sieht beschädigt aus, die 
stumpf parabolisch abgerundete vordere Endstrecke ist gut erhalten. Die schön ovalen Augen- 
höhlen kommen auf die Mitte der vordem Hallte, scheinen 0,02!) Länge und 0,02 Breite zu 
messen und kaum weiter auseinander zu liegen als das Maass ihrer Länge. Der Kieferrand 
war mit einer einfachen [leihe kleiner Zähne beset/.t. Es sind Andeutungen von Nähten 
vorhanden, welche jedoch nicht genügen, um die Zusammensetzung des Schädels zu 
ermitteln. 

Der Schädel von Zygosaurus Lucius [Eichwald, die Urwelt Russland's, l. tieft. S. 24. 
t. 2) aus derselben Formation besitzt ähnliche Länge, aber weniger Breite, gehl vorn etwas 
spitzer zu und bat die Augenhöhlen weiter hinten, in der ungefähren Mitte der Schädellän 
u, auch Bcheint er weniger Zähne, die grösser waren, zu besitzen. Der Schädel vom 
rande der Obscbtij-Syrt kann daher unmöglich Zvgosaurus angehören. 

Noch V( rschil denheil giebt sich zwischen ihm und dein Schädel meines 

Melosaurus Uralensis (Palaeontogr., VII. S 90, t. 10), einem Labyrinthodonten aus derselben 

tnation, zu erkennen. Letzterer ist grösser, länger als breil und mit einer kurzen, ver- 



•) CJeber * 1 « « - Kapfera Le et der Earkslinaki'aehen Steppe im Rne«iechen Gouvernement Oren- 
iben in Berg- und Hüttenmänn Ztg., 1868, Nr. 1" S. 80; - such Jahrb. i Min. eto, 



— 125 - 

schmälerten Schnautze versehen, die Augenhöhlen sind zwar auch schön oval , aber verhält- 
nissmässig kleiner, gerader nach vorn gerichtet, und treten in der hinteren Schädelhälfte auf. 

Für die Formation des Kupfer -Sandsteins ist daher der Schädel neu, und es giebt 
sich in ihm der dritte Labyrinthodonte vom Ural zu erkennen. Wir wollen nun sehen, wie 
er sich zu den übrigen Labyrinthodonten verhält. 

Der Schädel von Osteophorus Römeri (v. Meyer, Palaeontogr., VII. S. 99. t. 11) aus 
dem Rothliegenden von Klein -Neundorf in Schlesien ist kaum grösser, auch von ungefähr 
gleicher Länge und Breite, stellt sich aber in der Gegend der Nasenlöcher etwas eingezogen 
dar, wodurch ihm eine Andeutung von einem kurzen Schnäutzchen verliehen wird, das dem 
neu aufgefundenen Schädel gänzlich mangelt, der sich dafür in dieser vorderen Gegend rein 
parabolisch darstellt. Auch sind in Osteophorus die Augenhöhlen von mehr runder Form 
und in der hinteren Schädelhälfte o-elegen. 

Archegosaurus (v. Meyer, Reptilien aus der Steinkohlen-Formation in Deutschland, 
1858) kommt schon deshalb nicht weiter in Betracht, weil in diesem Genus die Augenhöhlen 
nicht in der vorderen Schädelliälfte liegen, sondern je nach der Species und dem Alter des 
Individuums entweder ganz oder theilweise in der hinteren Hälfte; auch ist selbst in Arche- 
gosaurus latirostis der Schädel länger und nur in der frühesten Jugend von gleicher Länge 
oder eher breiter als lang (a. a. 0. S. 126). Selbst Sclerosaurus Häuseri (a. a. 0. S. 120. 
t. 7. f. 9) ans dem Schieferthon über dem Steinkohlenlager von Heimkirehen hat die Augen- 
höhlen , welche verhältnissmassig kleiner und runder sind, gröstentheils in der hinteren 
Schädelhälfte liegen, und der etwas kleinere Schädel ist zwar fast so breit als lang, dabei 
aber am äussersten vordem Ende etwas spit/.er. 

Von den in derSteinkohlen-Formation von Neu-Schottland in Nordamerika entdeckten 
Labyrinthodonten kommen Dendrerpeton, Hylonomus und Baphetes in Betracht. Dendrerpeton 
Acadianum (Owen, Quart. Journ. Geol. Soc. London, XVIII. 1862. p. 242. t. 5. f. 5. — 
Dawson, Air-Breathers of the Coal-Period of Nova Scotia, Montreal, 1863. p. 3U. t. 3. f. 1. 
t 6, die äussere von den beiden unter 54 begriffenen Figuren) ist fast nur ein Drittel so 
gross, sein Schädel endigt vorn eher stumpfer, scheint etwas länger und hat die Augenhöhlen 
in der ungefähren Mitte liegen. Von Hylonomus (Dawson, 1. c. p. 61. t. 6, die innere 
von den beiden unter 54 begriffenen Figuren) misst der Schädel weniger als ein Drittel von 
der Länge des Russischen, er ist dabei länger als breit, geht vorn spitzer zu und hat die 
Augenhöhlen bei grösserem gegenseitigen Abstand in der hinteren Schädelhälfte liegen. 
"Was Baphetes planiceps (Owen, 1. c. X. 1854. p. 207. t. 9. — Dawson, 1. c. p. 10. t. 2. 
f. 1) anbelangt, so ist davon nur der vordere Schädeltheil überliefert, der von einem viel 
grösseren Thier herrührt, das zwar die Augenhöhlen auch in der vorderen Schädelhälfte 
liegen hat , doch sind diese Oeffnungen anders geformt ; das Schädelbruchstück reicht hin, 
um sich zu überzeugen, dass das Thier, von dem es herrührt, auch sonst verschieden war. 



- 126 - 

Raniceps Lyelli (Wyman, SUliman Jörn., X.W. 1858. p. 156. I 1 ) aus der Stein- 
kohlen-Fonnation des Ohio-Staats war nach den davon aufgefundenen ziemlich vollständigen, 
von unten entblössten Deberreeten ebenfalls verschieden und dabei ein auffallend klein' 
Tliier. 

beiden Labyrinthodonten, «reiche Huxley aus der Steinkohlen-Formation bei Kdiu- 
burg veröffentlicht hat, sind ebenfalls andere Thiere. Von diesen besass Loxomma Alhnanni 
(Huxley, Quart. Jonr. Geol. Soc. London, XYIII. 1862, p. 291. t. 11. f. 1) einen grösseren, 
nach vorn Bphzer zugehenden Schädel und hatte die Augenhöhlen hinten liegen; und von 
Pholidoga ter pisciformis (Huxley, 1. c. p. 29-1. t. 11. f. 3) ist der Schädel hinlänglich 
deutlich überliefert, um sich zu überzeugen, dass er von ^anz anderer Beschaffenheit war. 

Von dem Schädel des Anthracosauru* Russelli (Huxley, 1. c. XIX. 1862. p. 56. f.) 
aus der Steinkohle von Lanarshire ist nur die Unterseite vorhanden und daher die Lage der 
Augenhöhlen nicht bekannt; der Schädel ^ar weit grösser, ging nach vorn spitzer zu und 
- ISS stärkere Zähne. 

Dasyceps Bueklandi (Huxley in Howell's Mein, on the Warwickshire Coal-field. 1859 

(in Mein, of the Geol. Surv. of Great Britain) p. 52. f. 12) aus dem Permischen (bunten?) 

dstein bei Kenilworth in "Warwickshire besitzt einen grösseren Schädel, der länger als 

breit i-:. spitzer zugeht und in der hinteren Hälfte kleine runde Augenhöhlen liegen hat. 

mithin ganz verschieden ist. 

Ebenso wenig lässt sich Brachyops latieeps (Owen, 1. c. XI. 1855. p. 37. t. 2) ans 
dem (triasischen?) Sandstein von Mangali in Central-Indien vergleichen. Dieser besitzt einen 
kleinern Schädel, die Augenhöhlen liegen zwar auch in der vordem Hälfte, der Schädel war 
aber kleiner, breiter als lang, endigte vorn nicht auf dieselbe Weise and war auch Bonsl von 

bädel aus dem Ural verschieden. 

- den Dicynodonten-Schichten .Süd - Afrikas beschreibt Huxlej (Quart. Jour. Geol. 

mdon, XV. 1859. p. <'>I2. t. 21) den Schädel eines Labyrinthodonten, Micropholis 
vi, der kaum über 1' , Zoll misst, länger als breit ist, nach vorn etwas spitzer zugeht, 
und bei dem die in der vorderen Hälfte auftretenden Augenhöhlen nicht so weit vorn liegen 
als in d. in Schädel aus Russland. 

Auch der fünfte Welttheil, Australien, hat Beine Labyrinthodonten geliefert. Unter 
Australi ifl Huxley (1. e. XV. 1859. p. 647. t. 22. i. l. 2) einen Schade] 

: gleicher Länge und Breite, 1 Zoll Engl, messend, der jedoch nach vorn -ich mehr 
zuspitzt und dessen Augenhöhlen an die Min. des Schädels grenzen oder noch etwas in die 
hintere Hall selben hineinragen. Das Gebilde, woraus diese Versteinerung herrührt, ist 

nicht bekannt 

Die Schädel ..Her dieser Thien besitzen entweder gleichet Alter mit dem am Südrande 
K:htij-Syrt gefundenen Schädel oder sind im Alter nicht viel verschieden, während sie in 



— 127 — 

ihrer sonstigen Beschaffenheit von letzterem so sehr abweichen , dass sie eine Vereini«unsr 
nicht zulassen. Eher noch auffallender sind diese Abweichungen zwischen diesem Schädel 
und dem der unbezweifelt triasischen Labyrinthodonten, wie denn überhaupt aus der typischen 
Trias Deutschlands oder anderer Länder Europa's kein Reptil bekannt ist, das mit denen 
aus dem Kupfer-Sandstein Russland's übereinstimmte, woraus indess nicht nothwendig folgt, 
dass der Kupfer-Sandstein des Orenburger Gouvernements nicht triasisch seyn könne. 

Die Schädel der im Keuper vorkommenden Genera Mastodonsaurus, Capitosaurus und 
Metopias, welche ich in meinem grösseren Werke über die Saurier des Muschelkalkes etc. 
genauer dargelegt habe, sind auffallend gross und länger als breit ; am grössten ist der Schädel 
von Mastodosaurus , bei dem die Augenhöhlen in die Mitte der Länge fallen, dieser spitzt 
sich nach vorn mehr zu. In Capitosaurus, der auch dem bunten Sandstein zusteht (vgl. 
Palaeontogr., VI. S. 222. t. 24—26. 28. f. 1), ist der Schädel zwar auch länger, aber gleich- 
wohl stumpfer am vordem Ende als bei dem weit kleinern Schädel aus Russland , und die 
Augenhöhlen fallen in die hintere Hälfte. Bei Metopias verschmälert sich der Schädel nach 
vorn zwar mehr, endigt aber gleichwohl auch etwas stumpfer; die Augenhöhlen fallen in 
die vordere Hälfte, doch nicht so weit nach vorn und liegen weiter von einander entfernt. 
In Trematosaurus , dem bunten Sandstein zustehend (Palaeontogr., VI. S. 236. t. 27. 28. 
f . 3 - 6), ist der Schädel nur wenig grösser, aber länger, geht nach vorn schmäler zu und 
es fallen bei ihm die Augenhöhlen wie bei Mastodonsaurus in die Mitte. 

Aus diesen Betrachtungen ist ersichtlich , dass an dem zuletzt im Kupfer-Sandstein 
des Südrandes der Obschtij-Syrt in Russland gefundenen Schädel die Grösse, die allgemeine 
Umrissform und die Lage der Augenhöhlen mit keinem der bekannten Labyrinthodonten 
übereinstimmen. Es liegt hierin Grund genug, um ihn einem eigenen Labyrinthodonten 
zuzuweisen, den ich unter Chalcosaurus Rossicus begreife. 

Aus meinen Untersuchungen über die im Kupfer - Sandstein Russland's gefundenen 
Reptilien-Rest ergiebt sich nun folgendes. 

Die Aehnlichkeit, welche die Reptilien vom Ural mit denen besitzen sollen, die Riley 
und Stutchbury aus dem Dolomit-Conglomerat zu Redland bei Bristol unter Thecodontosaurus 
und Palaeosaurus begreifen, bestätigt sich nicht. Es steht dies im Einklang mit der Alters- 
verschiedenheit der Gebilde, woraus die Reptilien-Reste herrühren. Das Dolomit-Conglomerat 
von Bristol galt anfangs für Permisch, bis es W. Sanders (Brit. Assoc. Birmingham, 1819) 
gelang, nachzuweisen, dass es dem jüngsten Gliede des Neu-rothen-Sandstcins , worunter 
Keuper verstanden wird, angehört. Es sind mir aber auch aus dem Keuper keine Reptilien 
bekannt, welche sich denen von Bristol, oder denen aus dem Ural vergleichen Hessen. 

Unter den mich noch immer viel beschäftigenden Reptilien aus den verschiedenen 
Formationen der Trias kenne ich überhaupt nichts, was eine Uebereinstinnnung mit den 



— 128 — 

Reptil!« n-Ki Bten aus dem Kupfer-Sandstein des < >r< nburger Gouvernements verriethe ; namentlich 
fehlen erster«! Gebilden die kurzen, an den Enden Btark verbreiterten und imKörper ebenso 
auffallend verdünnten Oberarmknochen , welche unter den Reptilien-Resten dea Kupfer-Sand- 
m vorwalten; und wenn die Knochen, welche ich für Hakenschlüsselbein, Darmbein und 
benkel halte, an triasische Reptilien erinnern, so ist dies doch nur in geringem Grade 
der Fall und mit Abweichungen verbunden, wetche auf andere Genera schliessen lassen, 

Unter den aus ficht Permischen Gebilden herrührenden Reptilien kenne ich nichts, 
was den Resten aus drin Orenburger Gouvernement zu vergleichen wäre. Protorosaurus und 
ParaaauruB sind kleinere Thiere mit anderer Wirbelbildung ; in dem Oberarm von Protorosaurus 
sind die beiden Enden zwar auch stark verbreitert und der eigentliche Knochenkörper dünn 
J. in meinem Werk über die Saurier aus dein Kupferschiefer besonders t. 7. i. 2), allein 
nicht so auffallend; der Knochen ist dabei länger und der untere Gelenkkopf nicht von zwei 
Arterien -Löchern durchsetzt. Sphenosaurus (v. .Meyer. Saurier des Museheikalkes. S. 141. 
t. 70), jetzt von der Dyas in Anspruch genommen, kommt schon wegen der [ntervertebal- 
Keile nicht in Betracht, und die von Phanerosaurus (v. Meyer, Palaeontogr., VII. S. 248. t. ~T. 
t •_' — 5) gefundenen Wirbel sind anders gebildet, als die aus dem Kupfer -Sandstein. Die 
Labyrinthodonten sind, so weit sie bekannt sind, verschieden, der Zahn aber, welcher unter 
Onchiodon labyrinthicus (Geinitz, Dyas, S. S. t. 9. f. -2) begriffen wird, ist zu einer Vergleichung 
nick aet. 

I 1 r Verwandtschaft des Rhopalodon mit den Dicynodonten, welche in einem Sandstein 
am Südost-Ende Afrika'a mit Labyrinthodonten (Micropbolis Stowi Huxl.) und andern Reptilien 
znaammenvorkommen , stehen die Backenzähne, welche ersterer besitzt, nicht mehr störend 
entgegen, da man anfangs wohl zu den Dicynodonten nur solche Saurier rechnete, deren Be- 
zahlung aui ein Paar lange, starke Eckzähne im Oberkiefer beschrankt war. jetzt aber auch 
Tbl' uns (Owen, Quart Journ. Geol. Soc. London, XVI. 1860. p. 58. t. 2, 

t. 1—5) darunter I isen kleiner, platter Schädel die auffallend langen Eckzähne nicht 

nur oben, b lern auch unten zeigt, und überdies oben und unten Schneidezähne und Backen- 
zähne besitzt. l>ie andere extreme Form unter d«i Dicynodonten ist in dem aus lemselben 

in Afrika's herrührenden Oudenodon Bain (Owen, 1. c. p. .">.'>. t. l. t. l) gegeben, der 
ozlich zahnlos war. Rhopalodon mit seinen langen oberen Eckzähnen und den Backenzähnen 
im ober- und Unterkiefer könnte daher sein- wohl zu den Dicynodonten gehören, wodurch 
inoV - Alter des Kupfer-Sandsteins von Orenburg, der seine löste umschliesst, keinesv 

einer nähern Bestimmung zugeführt wäre, da der Dicynodonten-Sandstein Süd-Afrika's aufsein 
Alter ebenfalls ooefa nicht genau ermittelt werden konnte, und nur vermuthungsweise ihr 
triasisch ^'ilt. 

Aus dem Kupfer-Sandstein des Rassischen Gouvernements Orenburg sind nunmehr 
adi R ptüten bekannt 



- 129 — 

I. Labyrinthodonten. 
Melosaurus Meyer. 

1. Melosaurus Uralensis Meyer. 

Syn. Zygosaurus Lucius Eichw., zum Theil. 
Eurosaurus Uralensis Eichw., zum Theil. 
Schädel mit Unterkiefer (v. Meyer in Palaeontogr. , VII. 1860. 
S. 90. t. 10). 
Zygosaurus Eichw. 

2. Zygosaurus Lucius Eichw., zum Theil. 

Schädel (Eichwald, Urwelt Russland's, 4. H. S. 24. t. 2—4). 
Chalcosaurus Meyer. 

3. Chalcosaurus Rossicus Meyer. 

Schädel (v. Meyer in Palaeontogr., XV. 1866. S. 124. t. 21. f. 1). 

IL Andere Saurier. 
Rhopalodon Fisch. 

4. Rhopalodon Wangenheimi Fisch. 

Unterkiefer (Fischer in Bull. soc. nat. Moscou, 1841. p. 463. t. 7. 
f. 1; - Eichwald, Leth. Rossica, I. p. 1615. t. 58. f. 9-11). 

5. — Murchisoni Pand. 

Syn. Dinosaurus Murchisoni Fisch. 
Schädel mit Unterkiefer (Eichwald, Leth. Rossica, I. p. 1616. t. 58. 
f. 4—8). 

6. — Fischeri Eichw. 

Unterkiefer (Eichwald, Leth. Rossica, I. p. 1619. t. 57. f. 24). 
Deuterosaurus Eichw. 

7. Deuterosaurus biarmicus Eichw. 

Schädel (Eichwald, Leth. Rossica, I. p. 1609. t. 58. f. 1-3). 
Eurosaurus Fisch. 

8. Eurosaurus verus Meyer (v. Meyer in Palaeontogr., XV. S. 112). 

Syn. Eurosaurus Uralensis Eichw., zum Theil. 
Britopus priscus Kutorga. 
Orthopus primaevua Kutorga. 
Oberarm (S 118. t. 15. f. 5 — 7. t. 16. f. 1-5), Schultergelenkgrube 
(S. 114. t. 17. f. 1. 2), Schulterblatt (S. 114. t. 18. f. 1-3), 
Beckenpfanne (S. 117. t. 17. f. 3. 4), Wirbel (S. 112. t. 15. 
f. 1-4). 

Palaeontogr., Band XV, 3. 17 



— 130 - 

Es ist ausserdem wahrscheinlich, dass der Zahn (S. 110. t. 21. f. 5 — 8), der grosse 
Oberschenkel (S. 120. t. 19. f. 1-3) und der kleine Oberschenkel (S. 121. t. 18. f. 4-8), 
welche ich in dieser Abhandlung veröffentlicht habe, noch drei verschiedenen Species ange- 
hören, über deren Beschaffenheit sich noch keine gcna.ueren Angaben machen lassen; so 
dass anzunehmen ist, dass Ucberreste von gegen einem Dutzend Reptüien-Species aus der 
Formation des Kupfer-Sandsteins Kussland's vorliegen. 

Welcher Familie oder Gruppe die unter der Ueberschrift „Andere Saurier" aufge- 
führten Species angehören, liisst sich aus den von ihnen bis jetzt vorhandenen Ucberrcsten 
noch nicht ersehen , selbst aus den Kieferfragmenten nicht , da ich gefunden habe , dass die 
Beschaffenheit und Befestigungsweise der Zähne bei der Eintheilung der Saurier der Beschaf- 
fenheit der Gliedmaassen und der Gelenkflächen am Wirbelkörper nachsteht. Die Eintheilung 
der Saurier mit Ausschluss der eigentümlichen Labyrinthodonten , wie ich sie nach der 
Beschaffenheit der Gliedmaassen schon im Jahr 1829 (in Oken's Isis, V. VI. VII. 1830. 
v . 518; — v.Meyer, Palaeologica, 1832. S. 201) versucht habe, und nachmals unter Beach- 
tung der Beschaffenheit der Gelenkflächen des Wirbelkörpers (in Bronn's, Index Palacontolo- 
giens, Enumerator, IM'.'. S. esc.) weiter zu führen bemüht war. ist noch immer die zweck- 
en ässigste. 



Käfer und Polypen 
aus der Braunkohle des Siebengebirges. 

Von 

Carl und Lucas von Hey den. 
Taf. XXII— XXIV. 



K ä f e r. 



Wenn auch eine Anzahl tertiärer Insekten mit noch jetzt lebenden nahe verwandt 
sind, so besitzen doch alle von uns aus der Rheinischen Braunkohle untersuchte, gut erhal- 
tene Arten sichere Kennzeichen ihrer Verschiedenheit. Es ist daher kein Grund vorhanden, 
Arten, die weniger gut erhalten sind und sich daher nicht mehr genauer untersuchen lassen, 
für identisch mit jetzt noch lebenden anzunehmen. 

Offenbar standen aber die Insekten von Oeningen und Rott in sehr naher Verwandt- 
schaft mit den noch jetzt im mittleren Europa lebenden Arten, und nur einzelne gehören 
zu Gattungen, die mehr im Süden leben. Nur sehr wenige Arten verrathen Gattungen, die 
jetzt nur den Tropen eigenthümlieh sind. 

Noch ist der auffallenden Erscheinung zu gedenken, dass die zahlreichen, durch Heer 
von Oeningen beschriebenen fossilen Insekten-Arten, wie es scheint, alle von den von uns 
aus der Rheinischen Braunkohle beschriebenen Arten verschieden sind. Wir glauben jetzt, 
dass keine gleiche Art an beiden Lokalitäten vorgekommen ist. 

Ausser den hier gelieferten Käfern liegen uns noch viele Insekten aus anderen Ord- 
nungen aus der Rheinischen Braunkohle vor, deren Veröffentlichung später folgen soll. 

17* 






- 132 — 

Uebrigens bemerken wir zugleich, dass wir Verbesserungen in der Stellung der Arten 
in andere Gattungen dankbar entgegensehen. 

Die von uns untersuchten Exemplare verdanken wir der gefälligen Mitteilung des 
Hirn Dr. A. Kraut/, in Bonn. Sie gehören alle der bekannten Braunkohle von Rott im 
Siebcngebirg an. 

1. Harpalus abolitus Heyd. Tat'. XXII. Fig. 1. 
Körperlänge 5'/ 3 '"; Breite einer Flügeldecke I ' .'". 

Der Kopi i^- 1 länglich, balb so breit als das Halsschild; der Unke Fühler ist sichtbar, 
aber undeutlich erhalten. Das Halsschild ist nach vorn verschmälert; die Vorderecken sind 
ziemlich spitz. Der hintere Theil des llalsschildes ist durch die ausgebreiteten, an ihrer 

twae verschobenen Flügeldecken verdeckt. 
Flügeldecken sind deutlich gestreift. 

Der Kater ist mit II. Stierlini Heer nahe verwandt. Kopf und Halsschild sind bei 
ihm etwas breiter und dir Vorderecken des Halsschildes mehr zugespitzt. 

2. Pelobius Cretzschinari Heyd. Tat'. XXII. Fig. 2. 

Körperlänge mit dem Kopf etwa <>'/./"; Länge des Halsschildes 1"'; Länge der 
Flügeldecken -1' ,'" ; Breite derselben hinter dir Basis 3'"; Länge des rechten Hinter- 
beines 5"'. 

Der Kopf ist undeutlich erhalten. 

Das Halsschild ist vom verschmälert] ausgebuchtet, hinten sehr schwach doppelt 
ausgebuchtet; die Vorder- und Hinterecken spitz. Es ist an der linken Seite zerbrochen, 
an der rechten Seite fmden ßich anliegende loste des Vorderbein) -. 

- Schill': ' kl' in 

Die Flüf ldccken sind gross, breiter als das Halsschild, eiförmig; die untern Ecken 
der Nal tz. 

Die Beine sind auffallend lang und Bchlank. Auf der rechten Seite ist das Hinter- 
■ erhalten Der /.um Theil durch die Flügeldecken durchscheinende Schenkel 
'..;. Die Schienen sind fast ebenso lang, dünn, fast gleich breit, am Ober- 
rande ! . an der Spitze unten mit zwei Borsten, Die Tarsen sind länger als die 
:i, dünn, unten gewimpert, deutlich aus .'> Gliedern bestellend. Da- erst« and dritte 
Glied sind b lang; da ierte gleich lang, kürzer; das fünfte 

. nach der Spitze verdickt, mit zwei zurUckgekrümmten Krallen. 
Aul der lii ind die drei Beine mein- oder weniger zerbrochen Bichtbar; unter der 

nkels liegt eine unvollständige Tai 
der Spitze d eidecken Bcheint auf jeder Seite der Naht ein schmaler, 

dunkler Körpertheil durch, dem zur Seite eine hellere, länglich eiförmige Bildung lieg! 1 - 



— 133 — 

sind dieses vielleicht die etwas verschobenen Scheiden des männlichen Penis mit ihren 
seitlichen Hornplatten. 

Die Gattung Pelobius enthielt bis jetzt nur die einzige in Europa lebende Art, 
Pelobius Hennanni F. Obgleich der fossile Käfer sich durch eine verschiedene P>ildung seiner 
Tarsen-Glieder auszeichnet, so ist er doch nur bei Pelobius, oder in einer neu zu gründenden, 
damit verwandten Gattung unterzubringen. 

Benannt ist dieser Käfer nach dem verstorbenen , um die Naturwissenschaften ver- 
dienten Dr. med. Phil. Jac. Cretzschmar, einem der Stifter der Senckenbergischen naturfor- 
sehenden Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 

3. Laccobius excitatus Heyd. Tat. XXII. Fig. 3. 
Länge 1 »/,'". 

Eirund. Der Kopf ist gross, vorn abgerundet und, wie es scheint, gelandet. Vom 
linken Auge und linken Fühler, der etwa die Länge des Halsschildes hatte, sind Spuren 
sichtbar. 

Das etwas verschobene Halsschild ist so lang und vorn wenig breiter als der Kopf. 
Seine Ecken sind ziemlich spitz. 

Das Schildchen ist dreieckig, wohl halb so lang als das Halsschild. 

Die Flügeldecken eirund, hinten etwas abgerundet. 

Auf der rechten Seite zeigen sich Reste von den Beinen. 

4. Agabus reduetus Heyd. Taf. XXII. Fig. 4. 
Körperlänge 2 2 / 3 '"; Breite an der Basis der Flügeldecken l l / a '". 

Der Käfer scheint auf dem Rücken zu liegen. Er ist länglich eirund , in der Nahe 
der Basis der Flügeldecken am breitesten. 

Der Kopf ist vorn gerundet. Die Fühler dünn, etwas länger als das Halsschild. 
Das Halsschild so lang als der Kopf, an der Basis so breit als die Flügeldecken, nach vorn 
verschmälert, mit spitzen Vorderecken. Die Flügel lang eiförmig. 

Deutlich erhalten ist an der Basis der Hinterschenkel, das ziemlich lange , vorn 
erweiterte, hinten in zwei runde Lappen getheilte Hinterbrustbein. Die Farbe des Käfers 
scheint bräunlichgelb, und der äussere, von einem schwachen Längskiel eingefasste Rand 
scheint heller gelb gewesen zu seyn. 

5. HydrousNeptunus Heyd. Taf. XXII. Fig. 5. 
Nur Kopf, Halsschild und Schildchen sind vorhanden. 

Halsschild 2 1 /./" lang; 4'/ 3 breit; Schildchen V" lang; an der Basis 1 '/ 4 '" breit. 

Der Kopf ist wenig länger als breit, vorn abgerundet, das erste und zweite Glied 
der Palpen dünn, nach der Spitze zu kaum verdickt, so lang als der Kopf. Vom dritten 
Glied ist nur ein Bruchstück vorhanden. 



— 134 - 

Daa Halsschild i>t breit, an den Seiten schwach gerundet, vorn ausgelmehtet. hinten 
: schwach doppelt ausgebuchtet: die Ecken schwach gerundet. 
Das Schildchen ist dreieckig, etwas zugespitzt. 

Der Käfer bat die Grösse von II. Rehmanni Heer, aber der Kopf ist im Verhält- 
nun Halsschild schiuider. 

Es scheint als habe Heer mehrere Arten unter seinem II. Rehmanni abgebildet, was 
um so eher möglich ist, als viele Hydrous-Arten siel» sehr nahe stehen. 

6. Philydrus ? morticinus Ileyd. Taf. XXII. Fig. b\ 7. 
Körperlänge i" ," bis 2 8 / 4 "'. 

Es Bind vier Exemplare vorhanden, wovon eins in Gegenplatten. Alle scheinen aut 
dem Klicken zu liegen. 

Auffallend lang steht der \ ordere Theil des Kopfes vor. 

Der Käfer ist eiförmig, in der Mitte der Elügeldeckcn am breitesten. 

Die Beine sind gelb. 

7. Ochthebius Plutonia Heyd. Taf. XXII. Fig. 8. 9. 
Körperlänge l 1 ,'" ; Breite der Flügeldecken '/,'". 

1 »• i Kopf ist bo lang als das Halsschild, dreieckig, der Mund etwas rüsselartig vorge- 
ekt. vorn mit zwei kleinen Spitzen (c^); die Palpen endigen in eine kleine Spitze. Augen 
beiderseits an der Basis des Kopfes; 

Das Halsschild ist so lang als der Kopf, doppelt so breit, vorn doppelt ausgebuchtet, 
die Seiten etwa- gerundet. 

Das Schildchen ist klein, dreieckig. 

Die Flügeldecken sind mindestens doppelt so breit als das Halsschild und doppelt so 
lang al.s Kopf und Halsschild zusammen. - s ie klaffen hinten, sind breiter als der mit seinen 
gmenten durscheinende Hinterleib, und zeigen an der Achsel «-inen Längsstreif, der si< h 
etwas Ubei der Mitte in den Seitenrand verlit 

I übler und Beine fehlen. 

Die Farbe war wahrscheinlich gelblich. 

In i regenplatten vorhandi 

Tachyporus Bepultus Heyd. Taf. XXII. l'iv,. 10. 

aut dei und ein Theil d. s Hinteil, il„ .. fehlt. 

Kopf, Halsschild und Flügeldecken wann wahrscheinlich gelb oder roth, der Hin 

lind um die Hallte länger als da II Isschild, die Fühler 
da Kopf und Halsschild, dünn, nach der Spitze zu etwas verdickt, 



- 135 - 

9. Philonthus bituminosus Heycl. Taf. XXII. Fig. 1 1. 
Körperlänge 6 1 /.,'". 

Ein robuster Käfer, an dem leider das Halsschild und die Flügeldecken sich nicht 
mehr in der richigen Lage befinden. 

Das Halsschild ist wenig breiter als der Kopf, vorn gerade abgeschnitten , hinten 
gerundet. 

Die Reste der Flügeldecken zeigen noch deutlich grünen Metallschimmer. 

Der Kopf ist gerundet und etwas schmäler als der Hinterleib. 

Der linke vorstehende Flügel zeigt zwar einige Längsadern , ist aber an der Spitze 
zerbrochen. 

Es sind sechs deutliche Hinterleibs-Segmente sichtbar, wovon das letzte mit 2 dorn- 
artigen Fortsätzen versehen ist. 

Die vorderen Beine sind kürzer und dicker als die folgenden, und alle dunkelbraun. 

10. Sunius demersus Heyd. Taf. XXII. Fig. 12. 

Kürperlänge 2"'. 

Sehr schmal, schwarz. 

Der Kopf ist wenig länger und breiter als das Halsschild. Die Fühler sind dünn, 
etwas länger als Kopf und Halsschild zusammen. 

Die Flügeldecken sind kaum länger und breiter als das Halsschild. 

Der Hinterleib ist so breit als die Flügeldecken , hinten gerundet ; vier gelbliche 
Binden sind sichtbar. Das Halsschild ist am Vorderrand schmal gelb. Die Ueberreste der 
Beine scheinen gelb gewesen zu seyn. Auf der rechten Seite steht ein Flügel vor. 

11. Stenus Scribai Heyd. Taf. XXII. Fig. 13. 
Kürperlänge 9Y 2 '". 

Der Kopf ist wenig schmäler als das Halsschild, gerundet. Die Augen sind wenig 
vorstehend; die Pulpen so lang als der Kopf; die Fühler wenig kürzer als Kopf und 
Halsschild. 

Das Halsschild ist so lang, aber etwas breiter als der Kopf. 

Die Flügeldecken sind um die Hälfte länger und etwas breiter als das Halsschild. 

Der Hinterleib ist nach hinten verschmälert; mit sieben deutlichen Segmenten. Die 
Beine sind verstümmelt; die Schenkel gelb mit schwarzen Spitzen. 

Wir haben diesen Käfer nach dem um die Entomologie sehr verdienten Herrn Pfarrer 
W. Scriba zu Ober-Lais in Ober-Hessen benannt. 

12. Oxyporus Vulcanus Heyd. Taf. XXII. Fig. 14. 
Körperlänge S 1 /^"; Breite der Flügeldecken l 1 /.,'"- 

Robust. Der Kopf ist breit, dunkel, vorn gelb, abgebrochen. 



— 136 — 

Das HalsschUd ist schmäler and kürzer als 'ler Kopf, vorn gerade, hintan abgerundet, 
hmälert, gelb mit zwei dunkeln Recken. 

Die Flügeldecken sind doppelt so breit und mehr als doppelt so hing als das Hals- 
schild, dunkel: die Schultern und eine beiderseits abgekürzte breite Binde vor der 
Spitze gelb. 

Der Hinterleib ist '/. länger als die Flügeldecken, sehr wenig schmäler als dieselben 
und nach hinten nur wenig verschmälert Das letzte Segment ist abgerundet. Die drei ersten 
ente sind dunkel, etwas gelb gefleckt ; die drei letzten gelb. 

Die Meine sind ziemlich lang, schlank, gelb. 

Wir haben diesen Küfer in die Gattung Oxvporus gestellt, wohin er nach seinem 
Habitus von den bekannten Gattungen noch am ersten zu gehören scheint. 

13. Anthophagus Giebeli Heyd. Tai'. XXII. Fig. 15. 

Körperlänge 2 I / 4 / ". 

Der Kopf ist klein, länglich und zeigt noch den rechten Fühler, der dünn und etwa 
so lang als Kopf und Halsschild ist. 

Das Halsschild ist länglich, fast doppelt so breit als der Kopf, vorn abgerundet, in 
der Mitte mit zwei dunkleren Fleckchen. 

Die Rügeldecken sind kurz, wenig länger als das Halsschild, hinten gerade abgeschnitten. 

Der Hinterleib ist, lang, sehr breit, in der Mitte doppelt so breit als die Flügeldecken, 
hinten etwas zugespitzt Die sechs deutlichen Segmente sind an ihrer Basis heller. 

Nach dem kleinen Kopf zu urtheilen ist das vorliegende Thier ein Weibchen. 

Nach I' Dr. < '. <i. Giebel in Halle benannt. 

11. Staphvlinus (larva). Tal. XXII. Fig. 16. 
Körper! ,'"; Länge de, Kopfes l 1 /,'"; Breite l 1 //". 

Dm Kopt i-t gross, breit, eiförmig, hinten abgeschnitten, mit schmalen, an der Basis 

as breiteren, gekrümmten Fresszangen. Zwischen den Fress^angen ist die kleine, breite. 

< tberli] pe sichtbar 

Das Balsschüd und der Hinterleib liegen etwas auf der linken Seite. Die drei Hals 

iOd-Abschnitte sind breit, was länger; alle drei zusammen wenig länger als 

der Kopf; der dritte in d< r Mitte mit eini m schildförmigen, dunkeln blecken. 

D ! Hinterleib ist dick, und die acht Sejm, nie verschmälern sieh nach hinten. Die 
n haben auf dem Rücken und an den Seilen eine Reihe viereckiger, schwai 
Flecken und zwischen di i Reiben kleiner Recken, «rovon die eine vielleicht 

Das ach klein, am linde gerundet, mit einem eben so brei 

aber I: i Spitze gespaltenen Griffel, und oben mh zwei dickeren Borsten, die 

- kürzer als der Griff I sind 



— 137 — 

Die Beine nicht lang; die Schienen wenig länger als die Schenkel, unten kurz geborstet, 
mit einfachen Klauen. 

Die Larve ist in Gegenplatten vorhanden. 

15. Seniaulus Heyd. (nov. genus). 

Es scheint dieses Genus, das wir Seniaulus, altes Männlein, genannt haben, zu den 
Scaphidien zu gehören und nahe bei Scaphium Kirby zu stehen. Es zeichnet sich dadurch 
aus, dass der Kopf rüsselartig verlängert ist; an der Basis dieses Rüssels sitzen die kleinen 
runden Augen und von diesen nach vorn etwas entfernt die Fühler. 

Seniaulus scaphioides Heyd. Taf. XXII. Fig. 17. 

Der Käfer liegt etwas nach der rechten Seite hin , ist oben ziemlich gewölbt , nach 
hinten zugespitzt, jedoch nur undeutlich erhalten. 

Körperlänge S 2 /.,'". 

Der Kopf ist gerundet und zu einem verschmälerten, gleich breiten, etwas nach unten 
gerichteten, verdickten Rüssel verlängert. Die Augen sind klein, rund, sie stehen zu beiden 
Seiten an der Basis des Rüssels, der der Länge nach einige Furchen zeigt. 

Die Fühler, von der Länge des Kopfes und Rüssels, sind an der Basis desselben 
eingefügt, schnurförmig. Nur zehn Glieder sind sichtbar, da das erste wahrscheinlich durch 
den Rüssel verdeckt ist. Die vier letzten Glieder sind etwas dicker, fast keulenförmig; das 
unterste Glied der Keule fast knopfförmig, das zweite breiter, quer, das dritte etwas breiter 
als das zweite, quer , das letzte länglich eiförmig , die übrigen Fiililerglieder lang, nach hinten 
verschmälert, länger als breit; nach der Basis werden die Glieder länger. Die Glieder sind 
nach der Spitze zu aussen mit ziemlich langen Borsten besetzt. 

Das Halsschild ist schmal , so breit als der Kopf ohne Rüssel. Das Schildchen ist 
nicht sichtbar. 

Die Flügeldecken sind einhalbmal länger als der Kopf mit Rüssel und Halsschild, 
anliegend, hinten zugespitzt ; sie sind schlecht erhalten. Der Hinterleib ist gleichfalls zugespitzt, 
länger als die Flügeldecken, und ebenfalls schlecht erhalten. 

Nur die beiden linken Vorderbeine sind überliefert. Die Schenkel sind dick, so lang 
als die Schienen ; die Tarsen sind undeutlich. 

16. Byrrhus exan'imatus Heyd. Taf. XXIV. Fig. 22. 
Körperlänge 3 2 / 3 "' ; Breite an der Basis der Flügeldecken 2'". 
Der Körper ist ziemlich breit, eiförmig. 

Der vorgestreckte Kopf ist gerundet, vorn etwas abgestutzt, hinten verschmälert. 
Die kleinen Augen sind rund. Zwei kurze Palpen, sowie der verdickte linke Fühler, von 
der Länge des Halsschildes, mit undeutlicher Gliederung, sind sichtbar. 

Pnlacontogr., Bd. XV, 3. |g 



- 138 — 

I >as Halsschild i-t sehr kurz, vorn gerundet, an den Seiten etwas eingedrückt, hinten 
schwach doppelt ausgebuchtet. Die Hinterecken erscheinen lang zugespitzt. 

I I LS Schildchen ist klein, last dreieckig. 

Die Flügeldecken sind an der linken Seite und hinten zerbrochen, wenig breiter als 
der hintere Theil des Halsschildes und etwa viermal länger als dasselbe. Sie sind nach 
aussen sanft gewölbt, mit gerader Naht und deutlichem Xahtstreifen. Auf der linken Seite 
bemerkt man die Reste ziemlich breiter Beine. 

Nachdem diese sehr gut überliefert gewesene Art abgebildet und beschrieben war, 
entstanden Krystalle, welche sie fast völlig unkenntlich machten. 

17. Aphodius Krantzi Heyd. Taf. XXII. Fig. 24. 
Körperlänge 2'". 

Der Käfer liegt auf dem Rücken, ist länglich eirund, tief schwarz und zeichnet sich 
durch seinen vorn ausgebuchteten, sehr grossen, breiten Kopf aus. Die Vorderschienen haben 
drei Zähne, die hinteren am Ende zwei Borsten. 

18. Anomala tumulata Heyd. Taf. XXIII. Fig. 18. 19. 
Länge 3'" ; Breite einer Flügeldecke 1 1 / 2 '". 

Der Käfer Fig. 18 liegt auf dem Bauch mit geöffneter linker Flügeldecke. 

Der Kopf ist etwa so lang als das Halsschild, nach vorn etwas verschmälert und an 
der Spitze, wie es scheint, etwas ausgebuchtet. Der linke Fühler ist gut erhalten und der 
Zusammengelegte Fächer lang. 

OD O 

Das Halsschild ist kurz, an den Seiten stark gerundet, mit vorspringenden, breiten 
Vorderecken. 

Die einzelnen Flügeldecken sind eiförmig, im Verhältniss zur Breite des Körpers sehr 
breit und auch an der Naht stark abgerundet. Es ist dabei anzunehmen , dass sie nieder- 
gedrückt sind und der Käfer sehr stark gewölbt war. Auch die Spitze der Flügeldecken 
erscheint abgerundet. Hin eingedrückter Randstreifen ist sichtbar. Durch die geöffnete Flügel- 
decke ist der etwas schmälere Hinterleib mit seinen Segmenten zu erkennen. 

Ein zweites, mehr verstümmeltes Exemplar, Fig. 19, liegt mit ausgebreiteten Flügel- 
decken auf dem Bauch. An den beschädigten Stellen sind die fehlenden Theile im Umriss 
noch zu erkennen. Zwischen den Flügeldecken ist ein breiter, nach der Spitze zu nicht 
yj entfalteter Flügel sichtbar. Fühler und Beine fehlen. 

19. Anomala primigenia Heyd. Taf. XXII. Fig. 18. 19. 
Körperliinge 4 1 /,'"; Länge einer Flügeldecke 8'/"'j Breite einer Flügeldecke l 1 /,'". 

1 zwei Exemplare vorhanden, die beide auf dem Rücken liegen. 



- 139 — 

Der Kopf von Fig. 19 ist etwas kürzer als das Halsschild, fast so lang als breit, 
vorn stark abgerundet. Auf der rechten Seite ist ein Fühler sichtbar, dessen geschlossener 
Fächer die halbe Länge des Kopfes hat. 

Das Halsschild ist vorn von der Breite des Kopfes, ausgebuchtet, hinten aber doppelt 
so breit, gerundet. Die Seiten sind gerade; die sichtbaren Vorderwinkel spitz. 

Das Schildchen ist nicht deutlich. 

Die Flügeldecken sind weit geöffnet, lang, eiförmig, hinten gerundet, und an der 
linken derselben zeigt sich deutlich ein Randstreifen. 

Der Hinterleib mit seinen fast gleich breiten Segmenten ist zum grösseren Theil 
sichtbar, und das letzte breitere Segment abgerundet. 

Nur Reste eines linken Vorderbeines finden sich vor. Ein Theil des linken Flügels 
steht ausgebreitet unter der linken Flügeldecke vor. Der Käfer ist in den Gegen platten vorhanden. 

Ein zweites Exemplar dieser Art Fig. 18 stimmt völlig mit dem beschriebenen überein, 
nur ist zwischen den gleichfalls geöffneten Flügeldecken nichts vom Hinterleib zu sehen. 
Vom rechten Hinterbein zeigt sich eine Spur. Auch ein Theil des linken Flügels tritt unter 
den Flügeldecken vor. 

Die Fühler fehlen völlig. 

Nachdem beide Exemplare gezeichnet und beschrieben waren , haben sich auf den 
Platten Krystalle angesetzt, wodurch sie sehr an Deutlichkeit verloren. 

20. Anomala Thetis Heyd. Taf. XXIV. Fig. 12. 

Körperlänge 5'"; Länge des Halsschildes V" ; Breite der Flügeldecken au der Basis 
27,'" i Länge der Flügeldecken B 1 /^". 

Der Kopf ist halb so lang als das Halsschild, viereckig, vorn gerade abgeschnitten. 
Die Augen etwas vorspringend. 

Das Halsschild ist lang, breit, vorn etwas verschmälert, hinten so breit als die Flügel- 
decken ; die Seiten wenig gerundet. 

Das Schildchen klein, dreieckig. 

Die Flügeldecken sind breit eiförmig, die Seiten bis über die Mitte ziemlich gerade, 
am Ende wenig zugespitzt. 

Die Beine fehlen. 

21. Pentodon Bellerophon Heyd. Taf. XXIII. Fig. 1. 
Körperlänge 5 l / 3 '"; Breite der Flügeldecken an der Basis 2'/ ;5 '". 
Der Käfer liegt auf dem Rücken. 

Der Kopf ist breit, halb so lang als das Halsschild, vorn gerundet. Die Augen sind 

gross, vorspringend. 

18* 



— 140 — 

Dm Halsschild ist vorn verschmälert, s<> breit als der Kopf, hinten bat doppelt so 
breit als vorn; die Seiten schwach gerundet, die Hinterecken etwas vorspringend, Btump£ 

Die Flügeldecken sind breit eiförmig, wenig breiter als das Halsschild, etwas länger 
i\\- der Hinterleib, von dem ziemlich gleich hinge, aber nach hinten schmaler werdende 
S gmente sichtbar sind. 

Die Schenkel sind breit, kurz; aber nur die rechte Mittelschiene mit Tarse ist vor- 
banden. Ersten seigt wie bei den lebenden Arten /.ahnartige, mit kurzen Horsten versehene 

Die noch lebenden Arten der Gattung Fentodon gehören jetzt nur den mehr südlichen 
1. indem an. 

22 Telephorus carbonarius Heyd. Tat. XXIII. Fig. 2. 
Körperlänge 5' .'": Breite der Flügeldecken l 1 .,'". 

Der Käfer liegt auf dem Rücken, 

Der Kopf ist länglich eirund, schmäler als das Halsschild; die Fühler nur in den 
Basalgliedern vorhanden Die Taster sind kurz, das Endglied beilförmig. 

Das Halsschild ist unvollständig, wenig schmäler als die Flügeldecken, gelblich mit 

. schwarzem Mittelflecken. 

\ "ii den dunkeln Flügeldecken liegt die eine vom Körper getrennt nebst einem Flügel 
auf der Seite. Der Rüge] i-t etwa zur Hälfte sichtbar und zeigt einen L ngsnerven , der 
sich nach der Spitze zu gabelartig in vier Theile tlieilt. Der Flügel ist schwärzlich . mil- 
der innere Theil und der Kaum zwischen dem zweiten und dritten Nerven vor der Flügelspitze 
i»t heller. 

Die Bauchseite war wahrscheinlich dunkel gefleckt. Die acht S Dte sind gleich 

breit, nur das letzte ist klein und abgerundet. 

Die sechs Deine sind noch an ihren richtigen Stellen eingefügt, schmal, ziemlich lang, 
gelblich. 

23. Telephorus ezauctaratus Heyd. Taf. XXIII. Fig. 3. 
Körperlänge h 1 " •. Breite der Flügeldecken 1' 2 "': Kopf und Halsschild 1' ..'" \a 
Der Käfer lie^'t auf der üntt 

Kopf i-t länglich, etwas langer und wenig schmäler als das Halsschild. \ "ii den 
Fühlern sind nur einig Basalglieder vorhanden; die Taster sind kurz, mit beflfönnigem 
Endgliede. 

Das Halsschild ist schmäler als die Rügeldecken, an den Seiten schwach gerundet, 
roth mit einem ichwarzen, in der Mitte unterbrochenen LängsmakeL 

I 1 Flügel lind parallel, hinten abgerundet, wenig kürzer all der Leib, dicht mit 
t>ehr feinen Querstreifen. Die Flügeldecken sind etwas auf die Seite geschoben, und es seigt 



- 141 - 

sich daher der breite Hinterleib mit sechs, an der Basis heller schmal gesäumten Segmenten. 
Das letzte Segment ist abgerundet. Es steht auch ein kleiner Theil der Flügelspitzen vor. 

Die Beine sind ziemlich schlank ; die Tarsen schmal, ihr viertes Glied zweilappig. 

Der Käfer erscheint tief schwarz und ist in den Gegenplatten vorhanden. 

24. Telephorus caducus Heyd. Taf. XXII. Fig. 20. 
Körperlänge 4'"; Breite der Flügeldecken l 1 /.'". 

Der ziemlich schlanke Käfer liegt auf dem Bauch. 

Der Kopf ist länglich, halb so breit als das Halsschild ; der vollständig erhaltene linke 
Fühler ist dünn, länger als die halbe Körperlänge. Die Taster sind kurz, ziemlich dick. 

Das Halsschild ist länger als der Kopf, schmäler als die Flügeldecken, mit parallelen 
Seiten, blass, vorn mit einem dunkeln zweilappigen Flecken, hinten mit einein dunkeln Querflecken. 

Von den Flügeldecken ist die hintere Hälfte abgebrochen, doch lässt der hinterblieben« 
Eindruck deutlich ihre Gestalt erkennen. Sie klaffen hinten und lassen die zwei letzten 
Segmente frei. Das letzte, schmälere, abgerundete Segment, zeigt an der Spitze einen vor- 
stehenden, stumpfen Griffel. 

Die Beine sind schlank; die Schenkel so lang als die Schienen; die Tarsen kürzer. 

25. Telephorus Brodiei Heyd. Taf. XXII. Fig. 25. 
Körperlänge 3 3 / 4 '"; Breite der Flügeldecken l 1 /,/". 

Der durch seine Breite ausgezeichnete Käfer liegt auf dem Kücken. 

Der undeutlich erhaltene Kopf ist halb so lang und halb so breit als das Halsschild, 
und liegt etwas auf der Seite. Ein dünner Fühler ist auf der Seite des Körpers sichtbar. 

Das Halsschild ist gleichfalls etwas auf die Seite geschoben, schmäler als die Flügel- 
decken ; die Seiten sind etwas gerundet, schmal heller durchscheinend. 

Die Flügeldecken sind etwas breiter und länger als der Körper und scheinen dunkler 
als dieser gewesen zu seyn. Sie sind hinten abgerundet. Auf dem Hinterleib sind sechs 
Segmente sichtbar. 

Die Beine haben etwas verdickte Schenkel. 

Wir haben diesen Käfer nach P. B. Brodie, dem Verfasser des Werkes über die 
fossilen Insekten von England, benannt. 

26. Ptinus primordialis Heyd. Taf. XXIII. Fig. 4. 
Körperlänge 1 1 / 3 '". 

Der Käfer liegt etwas auf der Seite. 

Der Kopf ist klein; die Fühler sind länger als der Kopf und das Halsschild; letzteres 
gerundet, hoch gewölbt. 



- 142 - 

Die Flügeldecke*, etwas vom Halsschild gelrennt, sind 2' "' langer aU das Hals- 
schild, länglich eirund, mit deutlichen Punktstreifen. 

Die Beine, von denen nur Reste vorhanden sind, scheinen nicht lang gewesen zu seyn. 

2 7. X\letinites tumbicola Ileyd. Taf. XXII. Fig. 21. 

Länge 37 2 '" ; Breite in der Mitte 2'". 

Der Kater ist zwar sehr defect, läs.-t sich alier nach seinen Umrissen noch ziemlich 
deuten. Seine Gestalt ist eirund. Der Kopf ist nicht sichtbar. 

Das Halsschfld ist breiter als lang, vorn und an den Seiten gerundet, hinten doppelt 
schwach ausgebuchtet. Die Hinterecken sind etwas stumpf zugespitzt. Die rechte Flügeldecke 
i-t vom Körper getrennt und deckt mit ihrem Vordertheil die rechte Seite de- Halsschildes. 
Die linke Hinterecke des Halsschildcs fehlt zwar, doch ist ihr Umriss noch als Abdruck 
sichtbar. 

Die zerbrochnen Flügeldecken sind über dreimal länger als das Halsschild, nach hinten 
abgerundet. 

Der Hinterleib und vielleicht Reste der Flügel sind auf der rechten Seite, da wo die 
Flügeldecke fehlt, an ihrer richtigen Stelle vorhanden. 

Die Fühler und Beine fehlen. 

Der Käfer kommt in seiner Gestalt ziemlich gut mit einem Xyletinus überein , doch 
bleibt seine Stellung allerdings noch zweifelhaft. 

28. Cis Kraut zi Ileyd. Taf. XXII. Fig. 26. 
Körperlänge l'/j'". 

Der Käfer ist oben gewölbt, und liegt mehr auf der rechten Seite. 

Der Kopf ist etwas ländlich viereckig und hat vorn beiderseits einen kleinen, gekrümmten 
Zahn C. d")- Vor dem Kopie liegt eine abgebrochene Fühlerkeule, die noch einige Glieder 
erkennen lässt. 

Die Flügeldecken sind länglich eiförmig und noch einmal so lang als der Kopf und 
das Halsschild. 

Vier kurze Beine, mit kurzen, breiten Schienen sind sichtbar, aber undeutlich erhalten. 

29. Gonocephalum (Opatrum) pristinum Ileyd. Tal. XXII. Fig. 27. 
e 2'/ 2 '". 

Der Kopf ist etwas in das Halsschild eingeschoben, breit, halb so lang als das Hals- 
schild, vorn schwach ansgebochtet Neben dem Kopfe liegen die vier letzten, etwa.- ver- 
dickten Glieder eines Fühler-. 

Das Halsschilil ist breiter all der Kopf, etwa doppelt SO lang, WO -turk an 
buchtet, mit vorspringenden, ziemlich breiten Seitenspitten; nach hinten verschmälert; der 
Hinterrand gerade abgeschnitten. 



- 143 - 

Die Flügeldecken sind etwas vom Halsschild getrennt, verschoben, hinten klaffend 
und wenig zugespitzt. Sie sind dreimal länger als das Halsschild, länglich eirund, mit sieben 
starken Punktstreifen, die nach der Basis zu verlöschen. 

Ein Theil des Hinterleibes mit einigen Segmenten tritt neben der linken Flügeldecke vor. 

30. Micro zoum veteratum Heyd. Taf. XXII. Fig. 28. 
Körperlänge 2 1 / 6 / "; grösste Breite V". 

Der Kopf ist vorn ausgebuchtet, zweimal schmäler als das Halsschild. 
Das Halsschild ist kurz, doppelt so breit als lang; vorn stark ausgebuchtet ; die Seiten 
vorn etwas verengt, abgerundet. 

Die Flügeldecken sind kaum schmäler als das Halsschild, eiförmic. 

31. Bolitophagus vetustus Heyd. Taf. XXII. Fig. 23. 
Körperlänge 2 1 / 3 / ". 

Der Käfer liegt etwas auf der Seite. 

Der Kopf ist breit, vorn schwach ausgebuchtet; die vorgestreckten Taster sind 
fadenförmig. 

Das Halsschild ist nicht vollständig erhalten, jedoch ist seine Gestalt aus dem Eindruck 
auf der Platte gut zu erkennen. Es ist sehr breit, vorn stark ausgebuchtet, die Vorderecken 
sind vorspringend, abgerundet. 

Die Deckschilde sind eirund, ziemlich kurz gewölbt. 

Wir hatten diesen Käfer früher zu Opatrum gestellt, aber nach seinen fadenförmigen 
Tastern gehört er eher zu Bolitophagus. 

32. Platydema Geinitzi Heyd. Taf. XXII. Fig. 22. 
Körperlänge 3"'; Breite in der Mitte der Flügeldecken 2 I / 5 '". 

Der Kopf ist wenig kürzer als das Halsschild, kaum halb so breit als dieses, vorn 
gerundet, und es sind die Augen sichtbar. Der erhaltene linke Fühler ist wenig kürzer als das 
Halsschild. Das erste und die fünf Endglieder sind mehr verdickt; das zweite und sechste 
dünn, nicht deutlich; das siebente ist etwas länger als breit; das achte, neunte und zehnte so 
breit als lang ; das Endglied etwas grösser, eiförmig. 

Das Halsschild ist vorn verengt, ausgebuchtet , halb so breit als hinten ; der Seiten- 
rand schwach gerundet; der Hinterrand etwas winkelig vortretend. Die Vorder- und Hinter- 
ecken sind wenig spitz. 

Das Schildchen ist klein, dreieckig. 

Die etwas klaffenden Flügeldecken sind breiter als das Halsschild, eirund, an der Spitze 
abgerundet, und es ist am Saum bis zur Mitte ein eingedrückter Streifen sichtbar. 



- 144 - 

|);i^ Ende dee Hinterleibes und der vorstehende, ausgebreitete linke Flügel sind sichtbar. 
Nach Professor H. ß. Geinitz in Dresden benannt. 

33. Myodites Meyeri Heyd. Ta£ XXII. Fig. 29. 
Körperlänge l* ,'". 

Der Kater liegt mehr auf der linken Suite, scheint ein Männchen and schwarz gewesen 
in seyn. 

Der Kopf ist untergebogen, schmäler und nicht halb so lang als das Halsschild. Die 
wohl ebenso langen, gekämmten Fühler sind weniger deutlich sichtbar, da sie zum Theil 
durch die Vorderbeine gedeckt sind. 

Das Halsschild ist lang, vorn schmäler, die Oberseite flach, hinten etwas mehr 
erhaben. Die Brust ist sehr dick und breit. 

Die sehr kleinen, gerundeten, helleren Rügeldecken sind ziemlich weit von einander 
getrennt, und es liegt zwischen ihnen das etwas vom Halsschild entfernte, fast eben so lange, 
dreieckige Schildchen. 

I '• •:• Hinterleib ist nach dein Ende verschmälert, nach der Brust zu umgebogen und 
endigt in einen langen, dünnen, spitzen Penis. 

Die Flügel sind fasl doppelt so lang als der Hinterleib, schmal, hell, \<<i der Spitze 
mit einer dunkleren Binde. 

Die Beine sind lang, dünn; die Schenkel so laus; als die Schienen; die hinteren 
Beine länger und mit längeren Tarsen. 

Nach Herrn Hermann von Meyer benannt. 

34. Mylabris deflorata Heyd. Taf. XXIII. Fig. 5. 
Der Käfer liegt auf der rechten Seite und is< -"> 5 ,'" lai 

Der Kopf i-t etwas gesenkt und lang; Scheitel und Stinte sind gewölbt; die At 
sind uross, eirund. Ziemlich starke Fresszangen sind sichtbar. 

Das Halsschild ist länger und breiter als der Kopf, vorn und oben Btark gewölbt 
und unten, mehr nach hinten etwas zugespitzt. 

Die Flügeldecken sind gelblich braun, fast viermal länger als das Halsschild, nach 

hinten etwas breiter. Sie sind oben schwach gewölbt; unten fast gerade, an der Spitze 

undet. Sie klaffen etwas, und es steht am Ende die rechte etwas über die linke vor. 

Der Bauch ist der ganzen Länge der Flügeldecken nach breit, hinten abgerundet, 

und länger als diese sichtbar. 

Von den langen, dünnen Beinen sind verschiedene Reste erhalten ; am besten die über 
dem Kopf liegenden Vorderbeine, deren Schenkel etwas länger als die Schienen sind. Die 
mit diesen last gleiche Länge, und es i-t noch eine doppelte Klaue ,<u erkenn d. 
Mittelschienen sind viel länger als ihre Schenkel. 



- 145 - 

35. Choragus tertiarius Heyd. Taf. XXIII. Fig. 8. 
Körperlänge 1%'". 

Der Käfer liegt auf der rechten Seite, ist kurz, dick, gedrungen. Im Profil sind Kopf, 
Halsschild und Hinterkörper ziemlich gleich hoch gewölbt. Die Stirne ist etwas gewölbt, die 
Augen ziemlich gross, der Mund ein wenig aufgeworfen. 

Das Halsschild ist oben fast doppelt so lang, als der Kopf, am Hinterrande nach 
unten ausgebuchtet. 

Die Flügeldecken sind mehr als doppelt so lang als oben das Halsschild, breit eirund. 

Unten ist ein Theil des Hinterleibes mit einigen Segmenten sichtbar. 

Von den Beinen sind nur Reste vorhanden. Eine Hinterschiene ist wenig kürzer als 
die Breite einer Flügeldecke. Die ganze Oberfläche des Käfers ist fein punktirt. 

36. Rhynchites Hageni Heyd. Taf. XXIII. Fig. 6. 
Körperlänge ohne Rüssel l l / 2 '". 

Der Käfer liegt auf der linken Seite, mit zerbrochener, aufrechtstehender linker 
Flügeldecke. 

Der Kopf ist dick, punktirt, mit mittelgrossen runden Augen. Der Rüssel ist gesenkt, 
lang, zweimal länger als der Kopf, ziemlich dick, gerade, gleich breit, oben mit Längsstreifen. 

Die Fühler sind an der Basis des Rüssels eingefügt, halb so lang als dieser, mit drei 
deutlichen verdickten Endgliedern. 

Das Halsschild ist oben gewölbt, zweimal kürzer als die Flügeldecken, punktirt. 

Die einzelne Flügeldecke ist eiförmig, gestreift, mit einer Punktreihe zwischen den 
Streifen. 

Der Unterleib im Profil ist nur wenig niedriger als die Flügeldecke. 

Die Beine sind lang , dünn ; die Schienen sind länger als die wenig dickereu , unge- 
zahnten Schenkel ; die Tarsen nicht halb so lang wie die Schienen. 

Nach Dr. med. Hermann Hagen in Königsberg benannt. 

37. Rhynchites orcinus Heyd. Taf. XXIII. Fig. 7. 
Körperlänge ohne Rüssel l 3 / 4 '". 

Der Kopf ist zum Theil nur in seinen Umrissen erhalten , ziemlich dick. Der Rüssel, 
etwa so lang wie der Kopf, ist gerade , nach der Spitze zu wenig verdickt , oben mit 
Längsstreifen. 

Die Fühler mit ihren verdickten Endsliedern sind um die Hälfte länger als der 



o 



Rüssel und an der Basis des Rüssels einsefiurt. 



Das Halsschild ist oben nur flach gewölbt und kaum so lang als die Flügeldecken. 

Pnlaeontogr., Band XV, 3. 19 



- 146 — 

Diese sind gewölbt, breit eiförmig, hinten abgerundet. 

Die Beine sind kurz, zum Theil verstümmelt. Ein abgesondertes längeres Bein, 
vielleicht Vorderbein, liegt neben dem Rüssel. 

38. Apion primordiale Heyd. Tai. XXIII. Fig. 9. 

Körperiänge ohne Rüssel l l / 3 '". 
Der Küfer liegt mehr auf der rechten Seite. 

Der Kopf ist halb so breit als vorn da- Halsschild. Der Rüssel ist etwa von der 
Lang- dea Kopfes, etwas breit und ahlförmig zugespitzt. 

l>.i- Halsschild ist breit, hinten fast doppelt so breit als vorn. 

Die Flügeldecken sind sehr breit , über doppelt so laug als das Halsschild , kugelig, 

gestreift. 

Die Beine sind ziemlich kurz. 

39. Brachymycterus nov. genus Heyd. 

Das Genus, von ßQaxi'e kurz und fiwmjQ Rüssel abgeleitet, gehört zu den Brachy- 
ceren, aber sicher zu einer neuen Gattung, die sich durch kaum zu einem Rüssel verlän- 
gerten Kopf, sehr kurze , am Ende kolbige Fühler , kurzes Halsschild und eiförmige, hinten 
klaffende Flügeldecken auszeichnet. 

Br. curculionoides Heyd. Tal. XXIII. Fig. 1."». 14. 15. 

Körperlänge VfJ"; Breite in der Mitte der Flügeldecken l 1 /,'". 

Fig. 13. Der Küfer lie^t auf dem Rücken. 

Der Kopf ist kurz, aber breit, theilweisc in das Halsschild zurückgezogen. Die 
Augen stehen weit nach der Mitte zu. Die Fühler sind sehr kurz, die Gliederung ist 
undeutlich, da- letzte Glied grösser, eirund. 

Das Halsschild ist etwa halb so breit als die Flügeldecken, oben etwas gewölbt, 
vom eingeschnürt. 

Die Flügeldecken sind breit, eiförmig, über viermal länger als das Halsschild, etwas 
langer als der Binterleib, hinten klaffend. Die drei letzten Hinterleibs- Segmente sind 

gleichbreit 

Di( Beim Bind ziemlich lang, robust, die verdickten Schenkel so lang wie die 
Schienen. Das dritte Tanengtied zweilappig, das letzte mit zwei Klauen. 

In Gegenplatten vorhanden. 

Fig. 11. Der Käfer liegt ani dem Bauche. 

Die Flügeldecken zeigen die Spuren entfernt stehender Punktstreifen. Die aus- 
ges- linke mittlere Schiene zeigt auf der Unterseite, etwas vor der Spitze, einea 

zahnartigen Vorsprang. 



— 147 — 

In Gegenplatten vorhanden. 

Es liegen von dieser Art 14 Exemplare vor, wovon vier in Gegen platten. 

40. Sitones venustulus Heyd. Taf. XXIII. Fig. 10. 
Körperlänge ohne Rüssel S 1 /^'". 

Der langgestreckte Käfer liegt etwas auf der rechten Seite. 

Der Kopf ist breit , mit länglichen , ziemlich grossen Augen. 

Der Rüssel ist kurz, so lang und halb so breit als der Kopf, gleich breit, vorn 
abgerundet. An den ziemlich langen , gebrochenen, dünnen Fühlern nimmt das Wurzelglied 
die halbe Länge ein. 

Das Halsschild ist wenig kürzer als Kopf und Rüssel , oben kaum gewölbt. 

Die Flügeldecken sind wenig breiter als das Halsschild , lang eirund , fein gestreift, 
hinten etwas zugespitzt. 

Die Beine sind dünn, ziemlich kurz; die Schienen sind so lang als die Schenkel. 

41. Hylobius antiquus Heyd. Taf. XXIII. Fig. 11. 12. 
Körperlänge ohne Rüssel 4 1 / 2 /// . 

Der Käfer liegt ganz verschoben auf der Platte , Kopf und Halsschild auf der Unter- 
seite, der Unterleib auf der linken Seite, die rechte Flügeldecke verstümmelt und die linke 
(Fig. 12) völlig vom Körper getrennt, auf der linken Seite des Käfers. 

Der Kopf ist breit , die Augen an der Basis des Rüssels. Dieser ist breit , fast 
gleich breit, doppelt so lang als der Kopf, vorn abgerundet. 

Das Halsschild ist so lang als der Rüssel , breit, breiter als der Kopf, vorn aus- 
gebuchtet , mit abgerundeten Vorderecken ; die Seiten wenig , der Hinterrand stärker gewölbt. 

Die Flügeldecken (Fig. 12) sind breit eiförmig, mit acht starken Punktreihen , hinten 
etwas verschmälert. 

Der Hinterleib liegt sehr breit vor, hat einen sehr starken Brustkasten und zeigt 
vier Segmente, wovon das erste und vierte am breitesten sind. 

Die beiden vorhandenen Vorderbeine und das rechte Hinterbein sind stark , die 
dickeren Schenkel etwa so lang als die etwas gebogenen Schienen. Nur die rechte Vordcr- 
tarse ist zerbrochen vorhanden , etwas breit und wenig kürzer als die halbe Schiene. 

42. Eurychirus (Otiorhyn chus) induratus Heyd. Taf. XXIII. 
Fig. 16. 17. 

Der Käfer Fig. 16 liegt auf der rechten Seite, und ist in Gegenplatten vorhanden. 
Körperlänge 3 1 / .'". 

Oben flach gewölbt. Der Kopf ist stark , gerundet , mit liinglichen Augen. Der 
Rüssel ist kurz, dick, so lang als der Kopf, vorn stumpf. 

19* 



- 148 - 

Die beiden Fühkrgeisseln , mit dreigliederigen und zugespitzten Kolben, liegen etwas 
yom Ii 'rennt. 

hild ist oben so lang als der Kopf mit Rüssel, an den Seiten versehmä- 
lert , abgerundet. 

Die Flügeldecken sind länglich eiförmig, am Aussenrand etwas ausgeschweift, mit 
sieben starken Punktreihen. 

seite ist stark vortretend, so breit als die Flügeldecken, hinter der Brust 
gewölbt Das Pygidium ist etwas länger als die Höhe des Bauches, hinten verschmälert, 
an der - dt einer kurzen, eingedrückten Linie. 

Die Beine sind massig lang, die etwas verdickten Schenkel so lang als die Schienen. 

dreilappig. 
l>cr Käfer Fig. 17 hegt auf der linken Seite. Kürperlänge 3'". 

. Exemplar ist ein Fühler völlig erhalten. Er ist an der Bi lliissels 

lang, so lang als Kopf und Baisschild, der Schalt kaum kürzer als die GeisseL 

- liegen im Gänsen vier Exemplare vor. 

Obgleich dieser Käfer mit Eorychirus ziemlich übereinstimmt, bo macht er doch 

durch seinen hohen Bauch und sein stark vortretendes Pygidium einen autfallenden Kindruck, 

und dürfte vielleicht eine neue Gattung bilden. Vielleicht gehören dann auch zu ihr Sphe- 

nophorus Naegelianus Heer und Sph. Regelianus Heer. 

43. Larinus Bronn i Heyd. Tat. .\.\1Y. Fig. 1. 

Körperlänge ohne Kopf and Rüss 1 •'•■ ,"'. 

1 » r Käfer liegt auf dem Bauch und ist in Gegenplatten vorhanden. 
Yoin Kopf ist nur eine Spur .sichtbar; vom Rüssel nur die ziemlich breite Spil 
von der Li er halben Vorderschiene. 

I ist lang, an den Seiten und vorn stark zugerundet, hinten doppelt 
ausgebuchtet, doppelt bo breit als in der Nähe des Vorderrandes. Ueber die Mitte zieht 
; i vorn ein [rückte Längslinie. 

lecken Bind zweimal länger als das Halsschild, an der Basis etwas bn 
h eirund, hinten klaffend, >t tzt; auf jeder Decke mit Bieben 

Punktstreifen. 

■ n den Flügeldecken sind drei Segmente d d Hinterleibes sichtbar. 

l>i'- ziemlich ad robust, mit verdickten Schenkeln, an der 

um er kleinen Ausbuchtung. Di< rara . sind breit, etwa 

hall» bo lang al bienen. Das dritte Glied lang zw< Klauen. 

m ineiii Freunde H, G. Bronn . Pi 

in 11 



— 14!) — 

44. Rhinocyllus iraprolus Heyd. Taf. XXIV. Fig. 2. 

Körperlänge 3 1 /,'"; Breite der Flügeldecken in der Nähe der Basis 1 '/ 2 '". 

Der Käfer liegt auf dem Bauche. 

Der Kopf nebst dem sehr kurzen Rüssel ist so lang als das Halsschild, vorn ver- 
schmälert, abgerundet, hinten breiter, mit kleinen vorstehenden Augen. 

Das Halsschild ist breit, wenig breiter als der Kopf hinten bei den vorspringenden 
Augen , hinten kaum breiter. Der Vorder- und der Hinterrand sind zweimal schwach aus- 
gebuchtet, an den Seiten schwach nach hinten ausgeschweift; die Vorderecken sind wenig, 
die hinteren mehr zugespitzt. 

Das Schildchen ist klein , dreieckig. 

Die Flügeldecken sind zweimal länger als das Halsschild , breiter als dieses , länglich 
eiförmig, mit sieben Punktstreifen und etwas erhabenen Zwischenräumen. Die Eindrücke 
der Vorder- und Hinterschenkel scheinen auf der Oberseite durch. Die. Flügeldecken klaffen 
hinten etwas , und lassen einen Theil des gleichlangen Hinterleibes sehen. 

Nur das linke Vorder- und Hinterbein sind sichtbar. Sie sind ziemlich lang, robust 
und die Tarsen wenig kürzer als die Schienen. Das dritte Glied der Tarsen ist zweilappig. 

45. Magdalinus protogenius Heyd. Taf. XXIV. Fisr. 3. 

Körperlänge ohne Rüssel 1'//". 

Der Käfer liegt etwas auf der linken Seite. 

Der Kopf ist ziemlich breit, mit grösseren eiförmigen Augen. Der Rüssel ist etwa 
zweimal länger als der Kopf, wenig gebogen , an der Basis etwas schmäler. Die Fühler 
sind wahrscheinlich nicht weit von der Spitze eingefügt; es liegt dann der Schaft in der 
nicht langen , etwas schiefen Furche und die vorstehende Geissei ist nicht länger als der 
Rüssel und zeigt eine viergliederige Keule. 

Das Halsschild ist oben länger als der Kopf. Das Schildchen ist nicht .sichtbar. 

Die Flügeldecken sind etwas verschoben und verstümmelt, eiförmig, hinten, wie es 
scheint, mit einer kleinen vorstehenden Spitze, fein gestreift. 

Von den Beinen sind nur Reste vorhanden. 

46. .Magdalinus Deucalionis Heyd. Taf. XXIV. Fig. 4. 

Körperlänge ohne Rüssel 2"'. 

Der Käfer liegt etwas auf der linken Seite und scheint rothbraun gewesen zu seyn. 

Der Kopf ist ziemlich dick, gerundet, mit runden, kleineren Augen. Der Rüssel i<t 
whr lang, wenig kürzer als eine Flügeldecke, gerade, ziemlich dick, gleich breit. Die 
Fühler sind dünn, vor der Mitte des Rüssels eingefügt; das Wurzelglied ist von der halben 
Fühlerlänge ; am Ende mit schmaler dreigliedriger Kolbe. 



— 150 - 

Das Halsschild ist nur wenig breiter als der Kopf. Kein Schildchen ist sichtbar. 

Die Flügeldecken sind sehr schmal, gleich breit, wenig länger als der Rüssel, hinten 
etwas zugespitzt. 

Die Beine sind verstümmelt , ziemlich kurz. 

Das Thier war wohl mit M. rufus Germ, nahe verwandt , hatte aber kürzere Flügel- 
decken. 

47. Tychius Man derstjernai Heyd. Taf. XXIV. Fig. 5. 
Körperlänge ohne Rüssel 3'". 

Der Käfer ist von oben sichtbar. 

Der Kopf ist vorn gerundet, k,auin halb so breit als das Halsschild. Der Rüssel ist 
doppelt so lang als der Kopf, gerade, gleich breit, mit einer Längslinie. Der rechte Fühler 
mit dreigliederiger Endkeule ist zum Theil sichtbar. 

Das Halsschild ist so lang als Kopf und Rüssel, fast doppelt so breit als lang, vorn 
ausgebuchtet, an den Seiten etwas abgerundet, hinten fast gerade. Das Schildchen ist klein. 

Die Flügeldecken sind über dreimal länger und wenig breiter als das Halsschild, 
länglich eirund. 

Die \ ordenchenkel und und ein Theil der mittleren sind mit anliegenden Schienen 
sichtbar. 

Der Käfer ist verwandt mit T. sparsutus Ol. 

Nach meinem (C v. H.) lieben Neffen, dem K. Russischen General Alexander von 
Mandeistjerna, einem .Mitstifter der Russischen entuinologischen Gesellschaft in St Peters- 
burg, benannt 

48. Acalles Icarus Heyd. Taf. XXIV. Fig. 6. 
Körperlänge ohne Rüssel 2"'. 

Der Käfer liegt auf der linken Seite, die Flügeldecken sind etwas vom Halsschild und 
dem Hinterleibe getrennt. 

Der Kopf ist gerundet, mit runden Augen und geradem, ziemlich dickem, einhalb- 
mal längerem Rüssel versehen. 

Das Halsschild ist hoch, oben so lang als Kopf und Rüssel, nach vorn oben 
ziemlich tief sattelartig Busgebuchtet 

Die Rügeldecken sind ziemlich kurz, fast so lang als Kopl mit Rüssel und Hals- 
schild, eiförmig, hinten etwa- aasgeschweift, mit sieben tiefen Punktstreifen. 

Der I Unterleib ist sehr dick. 

!'■ Beine sind verstümmelt, kurz, stark. 

Zv tnplare liegen >"i 






— 151 - 

49. Ceutorhynchus funeratus Heyd. Taf. XXIV. Fig. 7. 
Körperlänge ohne Rüssel 2'". 

Der Käfer liegt etwas auf der rechten Seite, und ist in Gegenplatten vorhanden. 

Der Kopf ist länglich rund mit runden Augen. Der Rüssel lang, so lang als Kopf 
und Halsschild , wenig gebogen , ziemlich stark und gleich breit. Die Fühler fehlen. 

Das Halsschild ist vorn so breit als der Kopf, hinten viel breiter. Der Vorderrand 
ist wulstig aufgeworfen, an der Seite gebuchtet, vor der Spitze mit tiefem Quereindruck. 

Die Flügeldecken sind etwas länger als Kopf und Halsschild, breit eiförmig, an den 
Seiten etwas ausgebuchtet, sehr fein gestreift. 

Der Bauch ist etwas stärker als die Flügeldecken. 

Die Beine sind massig lang und dünn. 

50. Nanophyes Japetus Heyd. Taf. XXIV. Fig. 8. 
Körperlänge ohne Rüssel 1'". 

Der Käfer liegt mehr auf der rechten Seite und ist oben gewölbt. 

Der Kopf ist gerundet, mit kleinen runden Augen. Der Rüssel ist V/ 2 Mal länger 
als der Kopf, ziemlich stark, gerade, gleich breit. Die Fühler sind vor der Spitze des 
Rüssels eingefügt, sehr kurz. 

Das Halsschild ist kurz, oben nicht viel breiter als der Kopf, an den Seiten stark 
verschmälert. 

Die Flügeldecken sind eiförmig, hoch gewölbt, gestreift, kürzer als der Hinterleib. 

Der ganze Bauch gewölbt, nach unten stark vortretend. 

Die Beine sind lang und dünn , die vorderen länger. 

51. Sphenophorus proluviosus Heyd. Taf. XXIV. Fig. 9. 
Körperlänge ohne Rüssel etwa 3 l / 3 "'. 

Der Käfer liegt auf dem Bauch; es fehlt etwa 1 / 3 hinten von den Flügeldecken. 

Der Kopf ist breit, vorn fast so breit als das Halsschild. Der Rüssel ist so lang 
als das Halsschild etwas vor seiner Mitte breit; gerade; 1 / a von der Basis eine Erweiterung, 
an der die Fühler sitzen. Vor dieser Erweiterung ein eingedrückter Punkt und zwei Längs- 
linien. Die Spitze ist etwas erweitert. Die Fühler sind etwas länger als der Rüssel, das 
Wurzelglied etwas kürzer als die Geissei; diese besonders nach dem Ende zu, mit grösseren, 
mehr kugelförmigen Gliedern. 

Das Halsschild ist lang, hinten breiter , die Seiten gerade , die Hinterecken abgerundet; 
die Oberfläche ist stark punktirt, an den Seiten gröber. 



— 152 — 

Die Flügeldecken sind etwa ' 3 länger als das Elalssohild, vorn kaum breiter, nach 
hinten etwas verschmälert ; mit feinen I.ängslinien und zwischen diesen punktirt. 
Von den Beinen sind nur zwei anliegende Schenkel sichtbar. 

52. Lsmia petrificata Heyd. Taf. XXIV. Fig. 10. 
Körperlänge 6' ,"'. 

Der Käfer liegt auf der linken Seite und war vielleicht rothbraun mit helleren Flü- 
geldecken und Bauch. 

Der Kopf ist etwas vom Halsschlild getrennt, gross, mit grossen eirunden Au. 
unten zerbrochen. 

Die Fühler sind langer als der Körper. Vom linken Fühler sind neun, vom rechten 
die drei Basalglieder vorhanden. Die neun Glieder des linken Fühlers sind schon bedeu- 
tend langer als der Körper (cf). Das erste Glied ist dick, länglich eiförmig, länger als das 
folgende; das dritte ist das längste; alle folgende nehmen etwas an Länge und vom fünfl 
auch an Dicke ab. Das erste Glied ist ganz, die folgenden nur an der Spitze braun. 

Das Halsschild ist etwas länger und breiter als der Kopf; oben etwas ausgebuchtet : 
beiderseits mit einem kurzen, spitzen Dorn. 

Das Schildchen ist ziemlich gross, hinten gerundet. 

Die linke Flügeldecke ist etwas zerbrochen und steht in die Höhe. Die lichte ist 
anliegend, so lang als der Hinterleib, länglich eirund, an der Seite etwas aasgebuchtet 

Der Hinterleib tritt auf der Unterseite fast von der Breite der Flügeldecken vor. Es 
zeigt sich ein starker Brustkasten, und am Hinterleib sind fünf Segmente zu unterscheiden, 
von denen das erste und letzte die längsten sind. 



.-'■ 



Auf dem Kücken der Decken sind anscheinend als Fortsetzung der Segmente sieben 
schmale dunkle Binden sichtbar. Da sich solche noch bis zur Anzahl Bieben weiter nach 
vorn fortsetzen, wo unten keine Segmente mehr sind, so scheinen es wirkliche Binden auf 
Flügeldecken gewesen zu Bevit, 

Beiie- Bind verstümmelt, stark, massig 1. 

Labidostomis Pyrrha Heyd. Tat. XXIV. Fig. 11. 
Körp rlänge 3 1 /,"'. 

Der Käfer liegt auf der rechten > 

Der Kopf as lang, länger als das Balsschild, vorn verschmälert (p). 

Oberlippe ist durch eine feine Linie abgesondert. Die kleinen runden Augen stehen vor. 

I>.i- BaUschild ist vorn so breit als der Kopf, hinten ' , mal breiter. VOIT1 tief. 

hinten zweimal schwach aasgebuchtet, die Seiten ein wenig geschweift, die Hinterecken 
voi nd. 

bildchi ii ist drei. ekig. 



— 153 — 

Die Flügeldecken sind wenig breiter als das Halsschild,. 8% mal länger, fast gleich 
breit, hinten wenig zugespitzt. 

Die Beine sind schmal, die vorderen mehr verlängert. 

54. Lina so ci ata Heyd. Taf. XXIV. Fig. 13. 

Länge 2 :} / 4 "'; Breite in der Mitte der Flügeldecken t*/ A M . 

Der Käfer hat eine etwas schiefe Lage und ist nicht gut erhalten. 

Der Kopf hatte etwa l / 3 der Breite des Halsschildes. Vom linken Fühler ist eine 
Spur vorhanden , wonach er etwa so lang als das Halsschild war. 

Das Halsschild ist nur auf der rechten Seite erhalten , und war etwa doppelt so 
breit als lang. Es ist vorn verschmälert, mit abgerundeten , hinten mit spitzeren , etwas 
vortretenden Ecken. 

Das Schildchen ist klein , hinten gerundet. 

Die Flügeldecken sind länglich eirund, hinten in eine Spitze ausgezogen. 

Auf der rechten Seite sind einige Reste der Beine und namentlich das zweilappige 
Tarsenglied sichtbar. 

Die Farbe des Käfers ist schwarz mit bläulichem Schimmer. 

55. Plagiodera novata Heyd. Taf. XXIV. Fig. 14. 

Körperlänge 3''. In Gegenplatten vorhanden. 

Breit, gerundet, grünlich schwarz. 

Der Kopf ist breit , vorn gerundet , mit vorstehenden kurzen Palpen , wovon zwei 
Glieder sichtbar sind und das letzte abgestutzt ist. 

Das Halsschild ist breit, am Kopfe weit ausgebuchtet. Die Seiten sind sehr wenig 
ausgeschweift ; die Hinterecken spitz , anliegend. 

Das Schildchen ist dreieckig. 

Die Flügeldecken sind breit eiförmig, hinten mit einer kleinen Spitze und einem 
deutlichen feinen Nahtstreifen. 

Nur von einem Bein ist ein Bruchstück vorhanden. 

Die Art scheint nahe mit P. Armoraciae L. verwandt gewesen zu seyn. 

56. Coccinella (Sospita) Haagi Heyd. Taf. XXIV. Fig. 15. 16. 

Länge 3 l / 2 '"; Breite in der Mitte der Flügeldecken 2'/./". 

Der Käfer Fig. 16 liegt auf dem Bauch und ist eirund. 

Der Kopf ist fast länger als das Halsschild , vorn abgestutzt. Die kleinen Augen 
sind sichtbar. 

Das Halsschild ist vorn stark verschmälert, mehr als doppelt so lang als hinten, 
stark ausgebuchtet; der Hinterrand ist gerundet; die Seiten sind gerade; die Hinterwinkel spitz. 

Polseontogr., Band XV, 3. 20 



— 154 - 

Das Schildcben ist klein, dreieckig. 

Die etwas klaffenden Flügeldecken sind eiförmig, hinten schwach abgerundet, an 
den Seiten deutlich gerandet. 

Der Hinterleib ist etwas sichtbar, aber keine Fühler und Beine. 

Der Käfer ist in Gegenplatten vorhanden, und hatte wohl eine dunklere Farbe mit 
heller geflecktem Aussenrande. 

Der Kater Fig. 15 liegt auf dem Rücken. Es sind sehr deutlich die Einfügung der 
Sehenkel und die für die Gattung Sospita charakteristischen Schenkellinien sichtbar. Ein 
FQhler, an dem die drei letzten Glieder nach der Spitze zu grösser werden und das vor- 
letzte vom letzten deutlich getrennt ist (Hauptkennzeichen von Sospita), ist sichtbar. 

Das vorn eingeschnürte .Mittelbrustbein mit einer eingedrückten Randlinie ist deutlich 
vorhanden. 

Nur vom linken Hinterbein ist ein Theil mit dem zweilappigen dritten Tarseuglied 
vorhanden. Sechs Bauchsegmente sind deutlich zu erkennen. 

l.s liegen fünf Exemplare vor, wovon zwei in Gegenplatten. 

Diese Art ist nach dem verdienstvollen Entomologen Dr. jur. Job. Georg Haag- 
Rutenberg in Frankfurt a. M. benannt. 

57. Coccinella Krantzi Heyd. Taf. XXIV. Fig. 17. 

Körperlänge 4'/ 4 '". 

1 >. r Käfer liegt auf dem Bauche mit abstehenden Flügeldecken und Flügeln, und war 
wohl schwarz. 

Der Kopf ist gerundet, halb .«o lang als das Halsschild und l'/ 2 mal Bchmäler. 

Das Baisschild ist breit, der Vorder- und Hinterrand gerundet, die Hinterecken 
etwas zugespitzt. 

Die Flügeldecken sind fast dreimal langer als das H&lsschild, länglich eiförmig, 
hinten zugespitzt Der rechte Flügel ist ausgebreitet, lang, grau und wird etwa noch */ 4 
von der Flügeldecke gedeckt. Nahe am Vorderrand, nach der Flügelspitze zu, eine Längt- 
ader; eine zweit.- erstreckt sich, von der Wurzel her, über die Mitte und endigt etwa l / i 
vor der Spitze in den Unterrand; eine dritte Ader entspringt nicht weit von der /weiten 
und endigt bogenförmig vor der Mitte in diu Dnterrand. An der Spitze und am unter- 
rand ist der Flügel dunkler gefärbt. Der vorstehende linke Flügel und der Hinterleib sind 
BtlTollstäodig erhalten. 

Nur der rechte Vorderschenkel mit anliegender Schiene ist sichtbar. 
Bio zweite-, sehr \ erst i lim nn i< lt es Exemplar ist in Gegenplatten vorhanden. 
h Dr. Kraut/, in Bonn benannt. 






- 155 - 

58. Coccinella bituminosa Heyd. Taf. XXIV. Fig. 18. 19. 

Körperlänge 3 l / 2 '"- 

Der Käfer liegt auf dem Bauche mit etwas abstehenden Flügeldecken. 

Fig. 18. Der Kopf ist an seinen etwas abstehenden Augen so breit als vorn das 
Halsschild, fast halb so lang als dieses, vorn abgestutzt. 

Das Halsschild ist breit , hinten um die Hälfte breiter als vorn , vorn etwas aus- 
gebuchtet , die Seiten fast gerade. 

Die Flügeldecken sind viermal so lang als das Halsschild , zusammen fast rund ; der 
Aussenrand schmal, nach der Spitze zu sich verlierend, schwarz. 

Die Flügel sind zerrissen ; in der Mitte am Vorderrande ist noch eine Längsader 
sichtbar. 

Der Hinterleib ist kürzer als die Flügel lecken. 

Nur Reste vom rechten Vorderbein sind vorhanden. 

Ein zweites, fast gleiches Exemplar liegt Fig. 19 vor. 

59. Coccinella fossilis Heyd. Taf. XXIV. Fig. 20. 

Länge 2 1 /,/"; Breite in der Mitte der Flügeldecken l 4 / 5 '"- 

Der Käfer liegt auf dem Bauch und ist eirund. 

Der Kopf ist etwas kürzer als das Halsschild , vorn gerundet. Die Augen sind 
deutlich erhalten. 

Das Halsschild ist vorn doppelt so schmal als hinten. Die Seiten sind kaum ge- 
rundet ; die Vorder- und Hinterecken ziemlich spitz. 

Das Schildchen ist klein , dreieckig. 

Die Flügeldecken sind breit , gerundet und an der Spitze ziemlich stumpf. 

Neben dem Kopf ist nur eine Tarse mit dem zweilappigen dritten Gliede sichtbar. 

60. Lasia primitiva Heyd. Taf. XXIV. Fig. 21. 

Körperlänge 2'". 

Der Käfer scheint auf dem Rücken zu liegen. 

Der Kopf ist nicht sichtbar. 

Das Halsschild ist schmal, halb so breit als lang, der Vorder- und Hinterrand 
gerundet, an den Seiten stumpf zugespitzt. 

Die Flügeldecken, vom Körper abstehend, sind stark gerundet, wahrscheinlich kugelig 
erhaben , mit schmalem schwarzem Seitenrande ; an der Schulter mit dem der Gattung Lasia 
eigenthümlichen winkelartigen Vorsprung, hinten zugespitzt. 

Der Hinterleib ist schmäler als die Flügeldecken, mit deutlichem Eindruck der 
Schenkel und Schenkellinien. 

Am Hinterleib lassen sich einige Segmente unterscheiden. 

20* 






— IM - 

Polypen. 

1. Hydra fossilis Heyd. Taf. XXIII. Fig. 21. 
Körperlänge mit den sichtbaren Armen 2 l / 4 '". 

Der Stiel ist schmal, gleich dick, so lang als die deutlich sichtbaren, durchschei- 
nenden, mit einem Längskanal versehenen Arme. Diese, vielleicht zehn an der Zahl, 
sitzen auf der Spitze des Stieles, werden nach dem Ende zu dicker und bilden eine etwas 
anliegende Dolde. Sie laufen an ihren Enden wahrscheinlich in sehr dünne Fäden aus, die 
auf der Platte nicht mehr sichtbar sind. 

Der Polyp hält mit seinen Armen die Larve eines von ihm gefangenen Cubicites 
tertiarius Heyd. (Palaeont. _m\ . X. t. 10. f. 30) umschlungen. Die Larve stimmt völlig mit 
der beschriebenen und abgebildeten überein. 

Es ist merkwürdig, dass ein ungemein zartes, und in seinen Annen retractiles. fast 
gallertartiges Thier sich so gut in fossilem Zustand erhalten konnte. Sicher würde es sich 
mehr zusammengezogen haben . war«' seine Tödtung nicht, ehe es dazu kommen konnte, mit 
Blitzesschnelle erfolgt. Hiefiir spricht auch das Zusammenhängen in < 'opula einiger Insekt« n- 
Arten . z. B. kleiner Dipteren, die im lebenden Zustande nicht so fest mit einander verbun- 
den waren , als dass sie sieh nicht vor ihrem Tode getrennt haben sollten. Bei dem Tode 
der Insekten scheint kein Todeskampf stattgefunden , und die so häufig vorkommende Tren- 
nung und Verschiebung einzelner Körpertheile scheint sich erst später ereignet zu haben. 

seile Arm- Polypen hat schon Iiüsel in seinen Insekten-Belustigungen (III. S 
t. 90. f. 1. 2. 3) im Jahre 1755 abgebildet und beschrieben, und es spricht hiebei schon 
Kleemann Beb» Verwunderung darüber aus, dass so zarte, gallertartige Thiere versteh 
konnten, und dass sie vor ihrem Tode ihre Arme nicht eingezogen. 

2. Lucernaria elegans Heyd. Taf XXIII. Fig. 20. 
Lange des Tb ..t der Hülse 1'". 

Die radförmige Scheibe hat sieben sichtbare und einen wahrscheinlich achten ver- 
deckten Strahl. Die Strahlen entspringen aus einem etw meinschaftlichea 
Mittelpunkt, und sind bis zur Spitze gleich <li< k und gleich lang. Zwi-chen den Strahlen i-t 
eine feine Membran ausgespannt, die gleichmäßig vor der Spitze > inen dreieckigen Auf- 
schnitt hat. Die Farbe der Strahlen ist bräunlieh gelb, die der Membran better. 

l>cr Polyp sitzt an einem seitlichen, in die II«'. he -teilenden, kurzen, .-cliinäl. reu 
Vorsprung eines breiten, länglich viereckigen Kiepert, der hinten etwa« ausgebuchte! 
Wahrscheinlich ist diocs eine Art Hülse oder Sack, wohin sich ier Potyp zurück/ich. -n 
konnte. Die Farbe ist gelblich. 

Da- o ff en b a r sehr hu böpf ist in G platten vorhandei 



- 157 — 



Dipteren -Larve 
aus dem Tertiär-Thon von Nieder-FIörsheim in Rhein-Hessen» 



Von 

Carl und Lucas von Heyden. 



Taf. XXill. Fig. 22. 



Herr Hermann von Meyer übergab uns diese, auch wegen des Fundortes interessante 
Larve zur Beschreibung und Abbildung. Sie gehört dem Herrn Director Ludwig. 

Auf der rechten Vorderseite und am hinteren Segment ist sie nicht vollständig 
erhalten. 

Sie gehört wahrscheinlich zu der an Gattungen und Arten reichen, aber im Larven- 
Zustande noch sehr mangelhaft gekannten Familie der Museiden ; mehr lässt sich über sie 
nicht mit Sicherheit angeben. 

Sie ist 8"' lang. Die eilf Segmente sind deutlich zu erkennen: das erste ist 1'", 
die mittleren 2'" breit. Die einzelnen Segmente sind scharf von einander gesondert , an den 
Seiten etwas abgerundet, hier, sowie besonders die vorderen Segmente am Vorderrande, 
heller gerandet. Der Kopf mit Rüssel (erstes Segment) ist sehr klein, viermal schmäler als 
vorn das zweite Segment; das zweite Segment am schmälsten, länger als das dritte, 
vorn etwas schmäler, abgerundet; das dritte ist länger als das vierte und fünfte; 
diese fast gleich lang; das sechste bis neunte etwas länger, gleich lang; das zehnte ist 
kürzer , etwa so lang wie das vierte ; das elfte scheint länger und hinten gerundet 
gewesen zu seyn, ist aber hinten zerstört und daher unkenntlich. Die Ränder der Segmente 
haben sich zum Theil blattartig abgelöst und nach oben umgeschlagen, was auch bei dem 
letzten Segment der Fall ist. 

Wir haben diese Art Muscidites deperditus benannt. 



Palaeontogr., Band XV, 3. 21 









Die 

fossilen K e s t e des Genus 
T a p i r u s. 

Von 

H e r in a ii n v o u M e y e r. 
Taf. XXV — XXXII. 



Meine Untersuchungen über die fossilen Reste des Genus Tapirus zerfallen in zwei 
Abschnitte , von denen der erste , den Leistungen meiner Vorgänger gewidmet , mehr ge- 
schichtlichen Inhalts ist , und der zweite die Beschreibung und Abbildung der Reste enthalt, 
welche ich innerhalb eines Zeitraumes von mehr als 30 Jahren Gelegenheit erhalten habe, 
selbst zu untersuchen. 

Geschichtliches. 

Die Arbeiten , welche über die im Ganzen seltenen fossilen Reste von Tapirn vor- 
liegen, haben mich wiederholt überzeugt, wie mühevoll es bisweilen ist, der Literatur über 
einen Gegenstand der Untersuchung Meister zu werden , und eine richtige Anschauung von 
dem zu erlangen, was andere glauben gefunden zu haben. In diesen Fällen sollte man 
meinen wäre es besser, die Arbeiten bestünden gar nicht, wenn sie nicht das allerdings 
nicht zu verkennende Verdienst hätten , auf Gegenstände aufmerksam zu machen , die sonst 
unbeachtet bleiben würden. 

Vom Genus Tapirus Linne werden drei lebende Species unterschieden : Tapirus 
Americanus Lin. , der gemeine Tapir, in Südamerika auf die Breite zwischen dem 12. und 
35. Grad beschränkt, T. Indiens Fr. Cuv. auf Sumatra, und T. Pinchacus Roulin (T. Roulmi 

Palacontogr., liami XV, 4. •_>•_> 



— 160 — 

Flach.) in den oberen Regionen der Anden bei Bogata zwischen dem 4. und 5. Gra<l nörd- 
licher Breite. 

1 '. r Tapir besitzt 

I ti Schneidezahn« 
22 obere 2 Eckzähne 
' 1-t Backenzäh 



12 Zähne 



IM' 

6 Schneidezähne 



20 untere 2 Eckzähne 

' 1 2 Backenzähne. 

Von der Beschaffenheit der Backenzähne in den lebenden Tapirn habe ich früher 

schon, bei Gelegenheit dir Beschreibung der Ueberrcste von Dinotherium Bavaricum Meyer 

(Nova Acta Acad. Leop., XVI. 2. 1833. S. 491) eine Auseinandersetzung gegeben; es wäre 

daher überflüssig, sie hier zu wiederholen, zumal im Verlaufe dieser Untersuchungen ich 

r Gelegenheit erhalten werde, die Charaktere der Tapir-Zähne hervorzuheben. 

Cuvier kannte keine fossile Tapir- Reste aus eigener Anschauung. Er führt zwar 
eine fossile Speciis auf, von der es sieh jedoch spater herausstellte, dass sie dem Genus 
Tapir gar nicht angehört. Wegen der dem Elephanten und Rhinoceros vergleichbaren Gri 
legte er (Cuvier, oss. foss. , 4. ed. III. p. 308) derSpecies den Namen Riesen-Tapir (Tapir 
i hei. Man kannte von ihr anfangs nur Backenzähne, denn Aehnlichkeit mit 
den Zähnen in Tapir. Lamantin und Kanguroo wohl an Tapir denken lies-;. Diese Aehn- 
lichkeit war indese mehr eine allgemeine, und es war eigentlich ein mit den Zähnen gefun- 
dener Radin-, der Cuvier bewog, die Reste einem Tapir beizulegen. Dieser Irrthum würde 
on dadurch vermieden worden seyn, wenn bedacht winden wäre, dass in Tapir die obern 
und untern Backenzähne wegen ihnr verschiedenen Bildung nicht wohl mit einander ver- 
hsell werden können, und dass bei ihm keine dreireihigen Zähne. Zähne mit drei Quer- 
kämmen, bestehen, was beides in dem für einen Tapir angesprochenen Fossilen Riesenthier 
der lall i-r. 1".- >oll sogar schon ("uvier ein Unterkiefer-Fragment vorgelegen haben , woran 
■ i hätte ersehen können . dass auch der vor den Backenzähnen liegende Tlieil des Kiefers 
anders beschaffen war als in Tapir. Erst als der vordere Theil des Unterkiefers bei Eppels- 
heun in Rbeinhessen vollständiger aufgefunden wurde, ward man den Irrthum gewahr. Statt 
Schneidezähne und 2 Eckzähne von gewöhnlicher Grösse, ergaben Bich für dieses vordere 
Ende nur ein Paar Schneidezähne wie in Kanguroo, die aber durch Grösse, Bowie dadurch 
auffielen, •: mit dem vordem Kieferende abwärts gebogen waren. Diese unter dem 

Riesen-Tapir begriffenen Reste gehörten daher einem eigenen, mit Tapir gar nicht ver- 
adten Thier an, das Raup Dinotherium nannte, und dessen Eigenthüralichkeiten 
durch die bald darauf durch v. Klipstein im Jahr 1836 erfolgte Auffindung des Schädels 
ht deutlich hervortraten. 



— 161 — 

Dieser Schädel wurde in Original den Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften 
und andern Gelehrten in Pari< znr Beurtheilung vorgelegt, worauf eine überwiegende Anzahl 
von Stimmen sich dahin aussprach, dass das Thier ein dem Dugong und Lamantin verwandtes 
Pflanzen-fressendes Cetacee gewesen, während aridere in ihm ein eigenes Pachydermen-artiges 
Landsäugethier erblickten, wofür auch ich es hielt. 

Erst in letzter Zeit ist die Frage von der eigentlichen Natur des Dinotherium ihrer 
Beantwortung näher gerückt, und zwar durch Solaro, der an einein im Französischen Depar- 
tement der obern Garonne gefundenen Hecken von diesem Thier Beutelknochen erkannte. 
Flienach wäre das Thier kein Tapir, auch kein Pflanzen-fressendes Cetacee oder Meersäuge- 
thier gewesen, sondern ein Landsäugethier, und zwar ein riesenmässiges Pachydermen-artiges 
Beutelthicr ; freilich ein auffallendes Ergebniss, das gleichwohl an Wahrscheinlichkeit gewinnt, 
wenn man bedenkt . dass das von Owen nach Zähnen und Kieferfragmenten unter den 
fossilen Wirbelthieren Australiens angenommene Dinotherium Austräte nach Auffindung voll- 
ständigerer Reste sieh auch als ein eigenthümliches Pachydermen-artiges Beutelthier, Diprotodon 
Australis , herausstellte. Auffallend ist dabei, dass nicht schon Owen auf den doch nahe 
gelegenen Gedanken geiieth, auch in dem Dinotherium der östlichen Erdhälfte, von dem die 
beiden Schneidezahne am vordem Ende des Unterkiefers und die Aehnlichkeit der Backen- 
zähne mit Kanguroo längst bekannt waren, ein ähnliches Beutelthier zu vermuthen. 

Kleinere Formen von Beutelthieren waren zuvor schon für das tertiäre Europa 
bekannt. Auch befremdet das fossile Vorkommen von Beutelthieren überhaupt in Europa 
jetzt weniger, wo namentlich durch C. v. Ettingshausen nachgewiesen ist, dass unsere 
Tertiär-Gebilde, welche mit den Dinotherien-Schichten ähnlichen Alters sind, sich durch 
Neuholländische Pflanzenfornien auszeichnen. 

Cuvier kannte, wie erwähnt, keine fossile Reste von Tapir; wohl aber erhielt er 
durch den Geheimenrath Schleiermacher zu Darmstadt eine Abbildung von einer zu Epp< 1*- 
heim gefundenen Unterkieferhälfte mit den vier letzten Backenzähnen von Tapir ( Tapirus 
priscus) zugeschickt, worin er das erloschene Genus Lophiodon , welches vor ihm Blainville 
Tapirotherium nannte, und zwar die mittlere Species von Issel (Cuvier, I.e. III. p. 350) oder 
Lophiodon Tapirotherium erblickte. Blainville ( Osteogr. , Palaeotherium, p. 184. Note 2) 
hält dieses Kieferfragment für dasselbe , welches Kaup einem Schweine beilegt , eine Ansicht, 
die keine Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Der Name Tapirus priscus erscheint zuerst in meinen „Palaeologica zur Geschichte 
der Erde und ihrer Geschöpfe", 1832. S. 89) auf Grund eines mir bei Ausarbeitung dieses 
Werkes von Herrn Dr. Kaup zur Benutzung mitgetheilten Verzeichnisses über die fossilen Wirbel. 
thiere aus dem Tertiär-Sande von Eppelsheim. Bald darauf veröffentlichte Kaup die Reste 
von dieser Species (oss. foss. de Darmstadt, 2. Ch. 1833. p. 1. t. 6) von der er vier frag- 






- 162 - 

inentarischo Unterkiefer-Hälften, ein Stück Oberkiefer und vereinzelte Zähne untersuchte. 
Die werthvoUsten Stücke jedoch wurden erat später zu Bppelaheim durch Professor von Klipstein 
(Jahrb. ftu* Mineral., is.;»'>. S. 694) gefunden; sie bestehen in der Gaumenseite des Schädels 
und in einem tast vollständigen Unterkiefer, beide noch a mit den Backenzähnen versehen. 
Ich werde diese Stücke im Verlaufe dieser Abhandlung genauer darzulegen haben. An der 
von Kaup (oss. foss. de Darmst., p. 2. t. 6. f. 1) veröffentlichen vollständigem Unterkieferhiilfte 
eines ausgewachsenen Thieres fehlt die vordere oder Symphysal-Strecka Die sechs Backen- 
zahne sind überliefert, der Zahnwechsel war beendigt, und sämmtliche Kronen zeigen Ab- 
nutzung. am stärksten die des dritten und vierten Zahns. Die Dimensionen der Zähne sind 
aus der am Schlüsse meiner Abhandlung gegebenen Tabelle unter Nr. IV ersichtlich. Die 
Kieferhöhe beträgt unter dem eisten Backenzahn 0,057, im lebenden Indischen Tapir 0,061, 
im Amerikanischen 0,065. Es sind zwei äussere Gefässmtindungen vorhanden , eine unter 
dem ersten Backenzahn, die andere in 0,011 Entfernung vor diesem Zahn; letztere ist in 
der Abbildung bei Kaup nicht angegeben. 

Vom < Oberkiefer macht Kaup (a. a. O. p. 3. t. 6. f. 1 — 8) nur ein Bruchstück mit 
den beiden ersten Milchbackenzähnen, über denen die Ersatzzähne liegen, bekannt, wobei 
er folgende Ausmessungen giebt: 





Tapirus 


priecus. 


T. Indici 




.Milchzähne. 


Ersatzzähne 




. Backenzahn Länge . 


. . . 0,018 


0,0185 


0,0195 


— Krcitc . 


. . . 0,0195 


0,0155 


n,0155 


— Länge . 


. . . 0,021 


0,020 


0,022 


— Breite . 


. . . 0,020 


0,0225 


0,025 



In 0,042 Entfernung vor dem ersten Backenzahn tritt die Alveole des Eckzahns auf, in 
T. Indiens miast diese Entfernung 0,050. Kaup kannte muh ein Paar vorletzte obere 
kenzähne, von denen er den einen veröffentlicht (1. c. p. 3. f. 4). Er sagt von ihm. 
daSS er in jeder Hinsicht dem bei Croizet und dobert (t. 12. f. 6) allgebildeten Zahn von 
T. Arvernensis gleiche, und ungefähr dieselben Dimensionen darbiete. 

Die Species wird Überhaupt als dem Tapirus Indiens nahe stehend bezeichnet; mit 

1. Arvernensis bestehe eine auffallende Aehnlichkeit , die Zähne seyen übereinstimmend 

formt, nur die Dimensionen der letzten untern Backenzähne seyen bo verschieden, dass 

man -ich genöthigt sehe, zwei Species anzunehmen, von denen T. prisCUS die g] Auch 

noch macht Kaup (Jahrb. rar Mineral., 1839, S. 816) darauf aufmerksam , dass 

T. priscui hat all Dimensionen der Backenzähne mit T. Arvernensis gemein habe, bis auf 

den letzten, der abweichend sich herausstelle, wobei die Frage aufgeworfen wird: ..Sollte 

wohl eine fehlerhafte Angabe von Seiten der Herren Croizet und Joberl seyn 



— 163 - 

Von dem zu Eppclsheim gefundenen Tapirus priscus unterscheidet Kaup (oss. foss. de 
Dannst. , 2. Ch. 183.3. p. 4) einen Tapirus antiquus, jedoch nur nach einem vorletzten 
Backenzahn der rechten Unterkieferhälfte, welcher im Jahr 1858 zu Bermersheim in Rheinhessen 
mit Dinotherium gefunden wurde. Diesen Zahn erklärt er später in seinen Beiträgen zur 
Kenntniss der Urweltlichen Säugethiere (5. H. 1861. S. 32. t. 5. f. 6) unter Beifügung 
einer Abbildung für den siebten oder letzten oberen Backenzahn , dem er allerdings 
entspricht. Seine Ausmessungen in Mm. werden mit demselben Zahn in anderen Species 
wie folgt zusammengestellt. 





Antiquus. 


Priscus. 


A 


rverneneie. 


America. 


Indicus 




. . . 35 


30 




27 


26 


30 


„ hinten 


. . . 28 


25 




22 


22 


20 


o 


30 


27 




2(5 


24 


27 



Der Zahn ist hienach wohl etwas grösser als in den damit verglichenen Species. Ich glauhu 
indess nicht, dass eine solche Abweichung in Grösse wie die vorliegende an einem ver- 
einzelten Zahn zur Annahme einer besondern Species berechtigt. Der Zahn rührt aus einem 
Gebilde her, das schon durch den Gehalt an Dinotherium sich als dasselbe wie das nur 
ungefähr fünf Viertelstunden entfernte Gebilde von Eppelsheim verräth ; und wenn die 
grössere Species wirklich bestünde , so würde auffallen , dass sie zu Eppelsheim , wo doch 
die Reste von Tapir keine Seltenheit sind , noch nicht vorgekommen. Bei Pachydermen 
namentlich gehören einzelne durch Grösse ausgezeichnete Individuen nicht immer einer 
eigenen Species an. 

Auch ßlainville (Osteogr. , fasc. 19. Tapir, p. 42. t. 5. 6) scheint an zwei Species 
zu Eppelsheim nicht zu glauben , da er Tapirus priscus und T. antiquus unter dem gemein- 
schaftlichen Namen „T. ancien" betrachtet und dabei des T. antiquus nicht weiter gedenkt. 
Er ist dabei der Ansicht , dass auch T. priscus in T. Arvernensis aufgehe ; und es gebe 
nur die einzige fossile Species, die er „Tapir d'Europe" zu nennen vorschlägt; 
worauf indess schon aus dem Grunde nicht eingegangen werden kann , weil Europa , Avie 
wir sehen werden , wirklich mehr als eine fossile Species Tapir aufzuweisen hat. 

Von Eppelsheim erwähnt Blainville (I.e.) einer an beiden Enden etwas verstümmelten 
rechten Unterkieferhälfte mit allen Backenzähnen von einem Thier, welches noch ein wenig 
grösser war als das, von dem der vollständige Oberkiefer in Klipstein's Sammlung Taf. XXV. 
herrührt, und daher wohl ein männliches Thier gewesen seyn dürfte. Auch der Kiefer- 
knochen ist im Vergleich zu dem in der Auvergne gefundenen etwas stärker, dagegen die 
Zähne denen in T. Arvernensis ganz ähnlich , oder sie zeigen von ihnen doch keine erhebliche 
Abweichung. Ausserdem besitzt die Sammlung zu Paris noch die Abgüsse von zwei 
andern Bruchstücken von Unterkiefern aus Eppelsheim, deren Zähne ebenfalls nicht vn- 
schieden sind. Es ist nur zu bedauern, dass in Blainville's Werk überhaupt keine Ausmes- 
Bungen gegeben werden , was genauere Vcrglcichungen unmöglich macht. 



- 1«4 — 

1>,i- Gebilde zu Eppelsheim besteht in einem losen, mehr oder weniger eisenschüs- 
ssen Alter durch folgende Wirbekhiere genauer bezeichnet wird : 
Chalicomye Jägeri Kaup. Macrotherium. 

Mastodon Arvernenäe Croiz. Job. Sus, mehrere Species, 

Rhinoceros inciaivua Cuv. Cfarcatherium N;mi Kaup. 

— S hleiermacheri Kaup. Palaeoroen \ minor Meyer. 

Chalicotherium. Cervus, mehrere Species. 

Anthracotherinm magnum Cut. Machaerodus cultridens. 

Bquua (Hippotheriam) primigenius Mimt. Hehrere andere Fleischfresser. 

Dinotherinm giganteum Knup. Arie. 

Nach Hörnes (Wiener Mittheilungen, 1848. IV. S. 83; Jahr!», für .Mineral., 1849. 
v 759) Bind Reste von Tapirus priseus, bestehend in dem ersten, sechsten und siebenten 
rechten oberen Backenzahn, und vom l nterkiefer in einem Eckzahn, dem ersten, zweiten 
dritten und fünften rechten und dem sechsten linken Backenzahn . mit Mastodon angustidens 
und Cervus in dir Braunkohle von Bribir bei Novi an der Croatischen Küste gefunden 
wurden. Herr Director Hörnes setzte mich durch gefällige Mittheilung dieser, in der K. K. 
Hof-Mineralien-Sammlung zu Wien befindlichen Stücke in den Stand, sie selbst untersuchen 
zu können. Auch ich halte sie für Tapirus priseus, und werde ihrer noch näher gedenken. 
Tapirus priseus wird ferner aus dem Eted crag in Suffolk angeführt (Owen, Quart. 
Journ. (ieolog. Soc. London, XII. Nr. 47. Aug. 185G. p. 222. f. 8. 9), und zwar nach einem 
unteren Backenzahn, der nach dem davon veröffentlichton Holzschnitt sehr gut zu dieser 
>I>ecies passt. Weniger deutlieh ist die Abbildung von einem fragmentarischen oberen 
Backenzahn, der auch mit denen in Tapirus priseus übereinstimmen soll. Die von Owen 
vorgenommene Untersuchung einer fünfzehnjährigen Ausheilte au fossilen Knochen aus dem 
Red crag in Suffolk hat ergeben, dass darunter dieselben Species wie zu Eppelsheim in dein 
Tertiar-Sande vorkommen: Tapirus priseus, Mastodon longirostris (angustidens) , Bhinoceros 
Schleiermacherij Sus paiaeochoerus uud Cervus dicranoceros , dabei auch ein Cetacee, welches 
laelben Alters seyn wird; während Zahne von Pferden und Reste von Cervus megaceros 
deutlich darthun, daas mit diesem lud crag auch Diluvium lagert, woraus letztere Reste 
herrühren. 

I>i' Benennung Tapirus Arvernensis für die in der Auvergne gefundenen Tapir- 
Reste rührt von < Yoizct und Joberf her (oS8. fo88. du l'uv-ded >önie , 1. L828. p. 161. I. 1. 

f. 1. '.'>. '>. t. 1l'. f. 1.5.6). Zuvor aber hatten schon Deveze und Bouiüet (la Montagne de 
r.oulade , 1827. p, 50. 77. t 6, f. 1. t. 7. f. 5 ) aus derselben Gegend ein Paar Unterkiefer. 
IV. bekannl gemacht, und einem Tapir beigelegt, von dem sie glaubten, dass er viel 

leiner gewesen als alle bekannte, was man nach den Abbildungen nicht vermuthen sollte, 

Croizel und Jobert beschreiben einen Ada- (p. 162. t. 2.1 l). den /weiten rechten oberen 
Schneidezahn (t 2. f. 8), welcher derselbe /.ahn ist, den Deveze und Bouülel (t 6. f. 8) für 



- 165 — 

den Schneidezahn eines Wiederkäuers halten , eine fragmentarische linke Unterkieferhälfte 
(t. 2. f. 5), deren Hinterheil bei Deveze und Bouillet (t. 6. f. 1) für ein vorderes Stück 
Kiefer von einem Pachyderni ausgegeben wird , eine fragmentarische Unterkieferhälfte von 
einem Jüngern Thier (t. 12. f. 4. 5) und einen oberen Backenzahn (p. 163. t. 12. f. 6). 
Der obere Backenzahn ergiebt 0,022 grösste Liinge und 0,025 grösste Breite; er entspricht 
daher gut den hintern Backenzähnen in dem von mir Taf. XXV. Fig. 1 abgebildeten Schädel 
von Eppelsheim , und auch die Zähne des linken Unterkiefers sind nach den Abbildungen 
nur unbedeutend kleiner als in den Kiefern von letzterem Fundorte. Croizet und Jobert 
fänden, dass die Species den lebenden ähnlich sey und unter diesen in Grösse sich der 
Indischen mehr nähere als der Amerikanischen. 

Bei seinen Untersuchungen über Tapir Arvernensis stand Blainville (Osteograph., fasc. 19. 
Tapir, p. 38. t. 5. 6) ein Theil der bei Croizet und Jobert abgebildeten Stücke zu Gebot ; 
ausserdem untersuchte er aus der Sammlung Bravard's die fast vollständige Gaumenseite mit 
allen Zähnen , auch den Eck- und Schneidezähnen , von einem alten Thier , wie an den stark 
abgenutzten Zähnen zu ersehen war, und einen fast volltändigen Unterkiefer, sodann noch 
aus der Sammlung des Grafen de Laizer einige Gliedmaasenknochen. Den Oberkiefer des 
alten Thiers (t. 6) fand er dem eines starken Amerikanischen Tapirs entsprechend, doch den 
Gaumenbogen verhältnissmässig ein wenig breiter als in letzterer Species, wodurch er sich 
mehr dem Indischen nähern würde, dagegen die Gegend der Schneidezähne oder die End- 
strecke etwas schmäler ; die Backenzähne , Eckzähne und Schneidezähne selbst in ihren 
Grössenverhältnissen wie in den lebenden Tapirn , und die Reihe der Backenzähe ein wenig 
kürzer. Die Länge vom Vorderrande der Schneidezahn-Alveolen bis zum Hinterrand des 
letzten Backenzahns ergab 0,209, wovon 0,127 auf die Backenzähne kommt, an dem Kopf 
eines Amerikanischen Tapirs von derselben Grösse 0,138. Die Zähne sollen im Allgemeinen 
ein wenig breiter und weniger viereckig, die innere Seite geringer als die äussere seyn. 

Im Unterkieler aus Bravard's Sammlung, sowie in dem bei Croizet und Jobert (t. 2. 
f. 5) abgebildeten Unterkiefer fand Blainville die Zähne nur ein wenig kleiner als in der 
lebenden Species; der Atlas bei Croizet und Jobert wird auch von ihm dem Tapir beige- 
zählt; die Gliedmaassenknochen würden sehr denen in den lebenden Tapirn gleichen und 
in den einzelnen Theilen bald zum Amerikanischen, bald zum Indischen hinneigen. 

Diese unter Tapirus Arvernensis begriffenen Reste rühren aus Alluvionen des Berges 
Perrier bei Issoire in der Auvergne her, wo sie unter vulkanischem Tuff in Gemeinschaft 
mit einer Menge Knochen anderer Säugethiere liegen, eine eigene Fauna bildend, welche 
durch den Mangel übereinstimmender Species von der Fauna in den Lacuster-Gebilden der 
Limagne eben so verschieden ist , wie von jener, welche ebenfalls in der Gegend von Issoire 
(Malbattu, Tour-de-Boulade etc.) Elephas, Hippopotamus major, Equus mit einer mit den 
diluvialen und den lebenden Pferden übereinstimmenden Zahnbildung, und andere Thiere 



— 166 - 

enthält Nach Gervais (Zool, Paleont, Franc., and in den Erläuterungen zu k.26— 28. p. 7) 
ist < 1 i • se Fauna folgendermaassen zusammengesetzt: 

Arotomvz Arvernenaia Brav. Ur.-u- Arvernenaia Crois. >'ol>. 

I doreoaia Crois, Cania, Borbonidua Brav. 

Arvioola. Lima Bravardi Pom. 

Lepus. Muatela Ardea Gerv. 

M itodon Arvernenaia Croiz. .lob. — (Patorius) Zorilloidea Gerv. 

Rhinoceroa elatna Croiz. Hyaena Arvernenaia Croiz. .lob. 

Tapirna Arvernenaia Croix. Job. — Perrieri Croiz. Job. 

ilatna Croiz. FeÜB Pardinenaie Croiz. dol>. 

Antilope? Borbonida Brav. — Arvernenaia Croiz. Job. 

i rvns, mehrere Speoiea, alle verschieden — breviroatri* Croiz .lob. 

von denen dea Diluviuma und den mio- — leptorhina Brav, 

cenen. — Issiodorensi< Croiz. Job. 

Sua Arvernenaia Croiz. Job. Machaerodua megantereon oder cultridena. 

Im einem von Marcel de Serres (M. de Serres , Dubrueil et Jeanjean, oss. humatiles 
cavernes de Lunel-Viel, 1839. p. 249) veröffentlichten Verzeichniss der fossilen Knochen 
dem meerischen Sande von .Montpellier werden l'eberreste von einem Tapirus minor Cuv. 
aufgeführt. Gervais überzeugte sich in Serres' Sammlung, dass diese Eleste wirklich von 
Tapir herrühren. Sie bestehen in zwei Kieferhälften, von denen die eine sechs Backenzähne 
enthalt, und unter den vereinzelten Zähnen findet sich auch ein oberer Backenzahn vor. 
Diese Reste brachte Gervais nach Paris, wo er sie Blainville vorlegte, der jedoch, statt 
• ine Beschreibung und Abbildung davon in seiner Osteographie zu geben und sich aber die 

auszusprechen, nur Beinen Dank für die .Mittheilung ausdrückt mit dem Bemerken, 
:i sehr interessant (Osteographie, Tapir, p. 19). 

Unter Tapirus minor Cuv. kann nicht wohl etwas anderes verstanden werden als 
Lophiodon Tapirotherium Cuvier, der dieses Thier anfangs petit Tapir fossile nannte, und 
ihm auch nach einer Abbildung die Reste von Tapirus priscus von Eppelsheira beige] 
hatte. Da nun Gervais und Blainville die Stücke von Montpellier aus eigener Anschauung 
für Tapir erklären, 80 würden sie zu T. priscus zu bringen seyn, und Tapirus minor Cuv. 
• nicht bestehen. Gervais veröffentlichte hierauf (ZooL Paleont Franc., 
1" ; i. 5) einen hinteren oberen Backenzahn (f. I) und eine rechte unter- 

kiefi i i. .'■ | von Montpellier, und führte sie auch wirklich, T. priscus und T. Arver- 

nensis nur tür eine und dieselbe Species haltend, unter letzterer Benennung auf. Mae 
werden in Gervais 1 Werk eben so weni ben als in dem von Blainville; man muse 

daher glauben, dass die Abbildungen mit um so grösserer Treue angefertigt sind. Halten 
wir uns an die Abbildungen, so stellt sieh heraus, dass die Reihe der sechs Backenzähne 
im Unterkiefer von Montpellier ungefähr um eine Backenzahnlänge kürzer ist, als inT. Aver- 

und T ' m nach den in Blainville's Werk aufgeführten Exemplaren . dabei 



1(57 — 



aber um wenigstens einen halben Zahn länger als in dem später darzulegenden Tapirus 
Helvetius von Eggingen Taf. XXVII. Fig. 3. 4, und auch etwas länger als im Unterkiefer 
von Otlimarsingen Taf. XXVIII. Fig. 4. 5, während die Zähne von der Hohen Rohne und 
aus Schwaben , welche ich unter T. Helvetius vorführen werde , zum Theil ähnliche Grösse 
zeigen, anderntheils aber kleiner sind. Der hintere obere Backenzahn von Montpellier 
kommt nach der Abbildung bei Gervais in Grösse mehr auf T. Helvetius heraus. Eine 
Unterscheidung der Reste von Montpellier von den in der Auvergne und zu Eppelsheim 
gefundenen war bisher nicht möglich. Sollten die Reste von Montpellier mit denen , welche 
ich unter Tapirus Helvetius begreife, zu einer Species zusammenfallen, so könnte diese 
Species keinesfalls die Benennung T. minor führen , da Cuvier sich zu deutlich darüber aus- 
gesprochen hat, was er unter letzterer Benennung verstanden wissen will. Ich glaube, dass 
die Reste von Montpellier sich mit denen von Tapirus Helvetius gar nicht vereinigen lassen 
und zwar aus zwei Gründen, die erstens in Abweichungen bestehen, die in der Beschaffen- 
heit der Reste liegen, und zweitens in dem ganz verschiedenen Alter der Gebilde, woraus 
sie herrühren. 

Unter den Abweichungen an den Resten selbst verdient auch die Lage des Gefäss- 
loches an der Aussenseite des Unterkiefers (foramen mentale) Berücksichtigung. An dem 
Kiefer von Montpellier befindet sich dieses Loch wie in Tapirus Arvernensis und T. priscus 
unter dem ersten Backenzahn , dagegen in den von mir unter Tapirus Helvetius begriffenen 
Kiefern in einiger Entfernung vor demselben. Der Kiefer von Eggingen (Taf. XXVII. 
Fig. 3. 4) besitzt wohl auch noch unter dem ersten Backenzahn ein solches Loch , das aber 
viel geringer als das davor auftretende ist. Kaup fand zwar auch an dem von ihm unter- 
suchten Unterkiefer von Tapirus priscus in einiger Entfernung vor den Backenzähnen noch 
ein Gefässloch , das aber übersehen wurde , in der Abbildung anzugeben und höchst wahr- 
scheinlich geringer seyn wird als das Loch unter der vordem Hälfte des ersten Backenzahns. 
In dem von mir untersuchten vollständigen Unterkiefer von T. priscus (Taf. XXVI. Fig. 1. 2) 
findet sich nur letzteres Loch vor. Ich glaube daher auch , dass der Kiefer von Montpellier 
eher dem T. Arvernensis oder T. priscus als dem T. Helvetius zuzurechnen seyn wird. 
Um das Alter des Gebildes beurtheilen zu können will ich nicht unterlassen, einen 
Ueberblick über die aus dem meerischen Sande von Montpellier bekannte Säugethier- Fauna 
zu geben. Diese besteht (Gervais, Zool. Paleont. Franc., in der Erläuterung zu t. 30) in 

Seumopitheeus Monspessulanus. Sus Provincialis. 

Castor (Chalicomys) sigmodus. Cervus australis. 

Mus sp. — Tolozani. 

Lepus loxodus. — Cuvieri. 

Mastodon brevirostris. Antilope recticornis (A. Cordieri). 

Khiuoceros Megarliinus. Ursus minutus. 

Tapirus minor. Mustela elongata. 

Palaeontogr. ,n»nd xv. *. 23 



- 16* — 

tfaebaerodm tl-Yli- maritima?). Hoploeetaa enrvidene. 

Felis ivon ilcr (irö.-.-e des Löwen). HaKtherium Serresi 

Felis Chriatoli. Delphinua <1>. delphu verwandt). 

II ,,.,., gp, Phyaeter antiquoa. 

Phoea maritima, Korqnalna bd. 

Phooa (P. vitulin.i verwandt). 

Die Ärmlichkeit, welche man /wischen den Species aus den anter dem vulkanischen 
Tuff beerenden Knochen-fahrenden Alluvionen und denen des meerischen Sandes von Mimt- 
peOier gefunden zu haben glaubte, fand Gervais bei Untersuchung der Reste beider Loca- 
litaten nicht bestätigt, wenn es sich auch nicht läugnen lässt , dass beide Ablagerungen 
plioeänen Alters sind, und durch den Gehalt ihrer Species sich von denen mioeäner Gebilde, 
wie von denen des Diluviums deutlich unterscheiden. 

Nach Blainville würde Buropa, wie wir gesehen Italien, nur eine fossile Species 

von Tapir r unter dem Namen des Europäischen (Tapir d'Europi Ben zu 

BD wünscht. Dieser Tapir, worin er die Reste von Tapirus Arvernetisis und T. priSCUS 

et, nähere sich in (irösse dem Amerikanischen, in seiner übrigen Beschaffenheit dein 

Indischen. Bei der Schwierigkeit jedoch , die Uebereinstimmung der unter diesen beiden 

Benennungen begriffenen fossilen Reste befriedigend nachzuweisen, sowie bei dem Mangel 

an Uebereinstimmung der an den betreffenden Localitäten mit den Tapir-Resten gefundenen 

cies fossiler Wirbelthiere überhaupt, schien es mir zweckmässiger mich einer solchen 

Vereinigung vorerst noch zu enthalten, und die Reste getrennt zu betrachten. 

Fielen auch Tapirus Arvernetisis und T. priscus wirklich zusammen, so würde Tapirus 
Eoropaeus doch schon aus dem Grunde keine passende Benennung abgeben, weil das tertiäre 
Kuropa onläugbar noch zwei andere Species aufzuweisen im Stande ist, von denen Blainville 
nicht- I' Existenz der einen dieser Species vermuthete ich früher schon aus ver- 

einzelten Zähnen, bis ich im Jahr 1840 durch den Taf. A'XYIII. Flg. 1 — 5 abgebildeten 
Schädel mit Unterkiefer aus der Molasse der Schweiz über sie Gewissheil erhielt; ichnannti 
Tapirus Helvetiua (Jahrb. für Mineral.. 1840. S. 584). Es ist dies eine klein»! ies, 

Iche auch Ouvier gänzlich unbekannt war. und auf die dessen Benennung Tapirus minor 
Anwendung Bndet Sie kommt, wie wir im Verlaufe dieser Schrift Behen werden, an 
breren Orten der Schweiz, sowie in Schwaben, dem Rheinischen Becken und in Ungarn 
den Anschein bat, nicht an solchen Stellen, wo die Reste anderer fossilen 
Tapir-Species gefunden werden. Die zweite neue Specii I mit Tapirus priscus in der 

Molaate von Ungarn, und wird als Tapirus Bungaricus unten näher dai 

1 1 ■ i ii Verlauf der Prüfung der über t rapir-Rest bestehenden Nachrichten 

. d wir einem Tapirus proavus Eichwald (Zoolog, specialis, III. p.853) auf «inen 
/ n und 2 1 /, Zoll breiten /ahn gegründet, der mit Mastoilon l'odolirug Eich- 

wald | Acad. Leopold., W II. -. S. 784. L 56. 57) zu Dinotherium proavum 



- 169 — 

Eichwald (I.e. S. 741. t. 60. f. 1 — 5) gehört, das von Dinotherium giganteum nicht ver- 
schieden seyn wird. 

Tapirus Mastodontoides Harlan (Fauna Americana , 1825. p. 294; — Medical and 
Physical Researches, 1825. p. 285) wird nach einem zu ßige- Bone-Lick in Kentucky mit 
Mastodon und anderen Resten gefundenen Zahn angenommen , der der erste Backenzahn 
des Tliiers seyn soll. Cooper (Amer. Monthly Journal of Geology, I. p. 163) erklärte ihn 
für den .Milchzahn des ersten Backenzahns von Mastodon maxitnus ; worauf Harlan bei einer 
Anwesenheit in Paris ihn nochmals einer Vergleichung unterwarf und fand, dass er dem 
eisten Backenzahn in Tapir entspricht. Er messe noch weniger als die Hälfte von dem 
entsprechenden Zahn in einen jungen Mastodon und unterscheide sich auch sonst von den 
Zähnen des Mastodon. Blainville (Osteogr., Tapir, p. 44) fand zwar keine Gelegenheit, bei 
der Anwesenheit Harlan's in Paris den Zahn zu sehen, setzt aber in die Kenntnisse Cooper's 
so viel Vertrauen, dass er sich dessen Ansicht gern anschliesst Von diesem Zahn giebt es weder 
eine genaue Beschreibung noch eine Abbildung. Leidy (Proc. Acad. nat. Sc. Philad., IV. 
1849 p. 180) führt Tapirus Mastodontoides Harl. als eine Synonyme von Tapirus Ameri- 
canus (fossilis) auf, er niuss daher überzeugt seyn, dass der Zahn wirklich von einem 
Tapir herrührt, dessen Species er sogar näher bezeichnet 

Noch ein anderes Zeuguiss scheint dafür zu sprechen , dass dem Amerikanischen 
Tapir in der Diluvialzeit eine nördlichere Verbreitung zugestanden habe. Es erwähnt 
nämlich Stüff (Inst, XIV. 1846. p. 396; — daraus in Jahrb. für Mineral., 1848. S. 127) 
vom Flusse Brassos bei San-Felipe in Texas des Ober- und Unterkiefers eines , wie gesagt 
wird, mit Tapirus Americanus ganz übereinstimmenden Thiers , die mit Pesten von Ochs, 
Elephant , Mastodon und Megatherium gefunden wurden. 

Ein ähnlicher Tapir wird auch von Land (Danske selsk. Afh. , IX. p. 197) als 
Tapirus äff. Americano unter den fossilen Resten der Knochen-führenden Höhlen des 
Thaies des Rio das Velhas in Südamerika namhaft gemacht , und von einer andern Species. 
Tapirus suinus (1. c. VIII. p. 290. t. 27. f. 1 — 4; IX. p. 198) ein Knochen abgebildet. 
der jedoch zur Annahme einer eigenen Species kaum hinreichen dürfte. 

Leidy (Proc. Aead. nat. Sc. Philad., VI. 1852. p. 148) führt aus einem Pliocen-Gebilde 
Nord-Amerika's, ebenfalls eine neue Species, Tapirus Haysi, auf, von der ich jedoch 
nicht wüsste, dass sie genauer dargelegt wäre. 

Unter Tapirus pusillus begreift Jäger (Nova Acta Leopold., XXII. 2. 1850. S. 854. 
t. 72. f. 46. 47) zwei Zähne aus dem Tertiär-Gebilde von Haslach , die gar nicht Tapir 
angehören werden; sie sind kleiner als der in demselben Gebilde vorkommende T. Helvetius. 
Die Abbildungen sind für eine Beurtheilung der Stücke zu schlecht. 

Es stellt endlich Pomel noch zwei Tapir-Species auf, deren Reste aber weder 

genauer beschrieben noch abgebildet vorliegen. Die eine Species bezeichnet er mit Tapirus 

23* 



— no - 

• legftne (GataL des Vert^bl - 'laus lc bassin superieur de la Loire, 1854. ji. M). 

worunter er. wie es Bcheint, die Reste versteht, welche, aas dem vulkanischen Gebilde der 
gend von l'uv stammend, Felix Robert, dem Tapirus Arvernensis beilegt, die aber von 
einem Thier herrühren würden, das ein Siebentel kleiner and dabei Bchlanker wäre. Die 
ander. Species, Tapirus Poirrieri Pomel (Bull. Soc. geol. France, L844. p. 368; — Catal. 
L854. p B4), aas einem Tertiär- Gebilde vonVaumas, wäre ein Viertel kleiner als T. Ar- 
vernensis mit schlankeren unteren Backenzähnen versehen, und mit weniger schlanken Glied- 
maassi n als T. elegans. 

Die Nachrichten, welche über die Auffindung von fossilen Tapir-Resten sonst vor- 
liegen, verdienen kaum eine Beachtung, leb will nur folgende hervorheben. 

So fährt Clifl (Trans. Geolog. Soc. London. _'. IL t. 39. f. 5. 5*) unter den fossilen 
Knochen aus dem Irawadi - Becken in Birmanien ein Stück von der Symphysis des Unterkiei 
eines kleineren Tapir auf, während dieses Stück gar nicht geeignet ist, das denn.-, von 
dem e> herrührt, erkennen zu lassen. Tapir-Zähne sind aus dieser Ablagerung nicht bekannt. 
Lockhart (Mein, de la Soc. Roy. des Sc. belles-lettres et arts (TOrleans, 1) gedenkt 
unter den Resten von Rhinoceros, Hirsch und Bieber aus einem Gebilde bei Orleans auch 
b os euneiforme, dass er einem Tapir oder einem ihm verwandten Thier beilej 

Fossile Reste von Tapir werden aus dem Arno-Thal und dem Gebilde von Cannstadt 
angeführt, aber nicht naher nachgewiesen. 

Aus der knochenführenden Höhle von Goffontaine gedenkt Schmerling i' 1 --. foss, de 
Liege, 1834. II. p. 140) eines Stücks von einem untern Backenzahn. l'.s wird davon 
sich nur mit Tapir vergleichen lasse, aber weder eine Abbildung noch 
uu ■■ I'" Schreibung gegeben. 

Auch will Giebel (Jahrb. t'. Mineral., 1849. S. *>7) einen Wirbel aus der Sundwicher 

Höhle einem Tapir beigelegt wissen; er stimme bis auf geringe Grössenunterschiede mit den 

lebenden Tupirn überein, und beweise das Vorkommen von Tapir in dieser Höhle und dem 

Diluvium Deutschland^ überhaupt; wohl ein schwacher Beweis für eine Bolche Behauptung. 

Es ergiebt sich nun aus unseren Betrachtungen , dass kaum mehr als drei fossile Species 

Genas Tapir bekannt waren, von denen die eine, dem diluvialen Amerika angehörend, 

i dem Amerikanischen Tapir nicht zu unterscheiden ist . dessen nördlichen Ausdehnung 

in früherer /• I daraus hervorgeht Die anderen fossilen Species gehören Europa an, wo 

im miocenen Alter der Tapir in einer kleineren, von den lebenden mehr verschiedenen Form, 

T. Helvetica Meyer, auttritt. Die fossilen Reste der mehr auf die lebenden 'Tapire heraus- 

imenden Species sind pliocen, thettweue mit miocener Beimengung, worauf der Sand von 

Bppelsheim mit Tapirus priscua Kaup scbliessen lässt , oder reiner pliocen, wie der meerische 

•1 von Montpellier, mehr noch • 1 i « - unter dem vulkanischen Tuff liegenden Alluvionen in 

der Aavergne mit Tapirus Arvernensis Croiz. Job., einer Species, mil welcher möglicher 1 



— 171 - 

weise T. priscus zusammenfällt. Der Tapir war daher in der zweiten Hälfte der Tertiär- 
Periode auch über den westlichen Theil der östlichen Erdhälfte verbreitet , von der er schon 
vor Entstehung des eigentlichen Diluviums verschwunden gewesen zu seyn scheint, während 
er auf dem östlichen Theil unserer Erdhälfte gegenwärtig noch lebt. 



Beschreibung der von mir untersuchten fossilen Reste von Tapirus. 

Tapirus priscus Kaup aus dem Saude toii Eppelsbeim. 

Unterkiefer. 

Der Taf. XXVI. Fig. 1 von oben und Fig. 2 von der linken Seite abgebildete 
Unterkiefer eines alten Thieres gehört zu den wichtigsten Stücken der v. Klipstein'schen 
Sammlung, das sich in Betreff der Vollständigkeit nur dem von Blainville (Osteogr., Tapir, 
p. 52. t. 6) bekannt gemachten Unterkiefer von Tapirus Arvernensis vergleichen lässt. 
An der linken Hälfte ist der Kronfortsatz und der äussere Theil vom Gelenkfortsatz weg- 
gebrochen. Ueberdies fehlten beiden Kieferhälften die Schneidezähne, der Eckzahn und der 
erste Backenzahn schon zur Zeit als der Unterkiefer von dem sandigen Gebilde aufgenom- 
men wurde. Der erste Backenzahn dürfte nach der Alveole zu urtheilen 0,022 Länge bei 
0,013 Breite gemessen habe; die Ausmessungen der übrigen sechs stark abgekauten Backen- 
zähne sind in der hinten folgenden Tabelle unter Nr. V enthalten. 

Bei der starken Abnutzung ist die Beschaffenheit der Zahnkronen schwer zu erkennen. 
In den vorderen Backenzähnen stellt sich d -r vordere , in den hinteren der hintere Ansatz 
etwas stärker entwickelt dar. Der zweite und dritte Zahn sind ungefähr gleich stark 
abgekaut, was auf ein fast gleichzeitiges Wechseln beider Zähne schliessen lässt. Die Quer- 
reihen fangen schon an zu einer gemeinschaftlichen Abnutzungsfläche zu verschmelzen. 
Diese Zähne waren in der vorderen Hälfte ein wenig schwächer als in der hinteren. Der 
vierte Zahn ist in der vorderen Hälfte kaum breiter als in der hinteren, er ist su stark 
abgekaut, dass die Krone nur eine einzige, von Schmelz umgebene und in der Mitte 



schwach eingezogene Fläche darbietet. Der fünfte Zahn ist gleich breit; durch Abnutzung 
sind beide Querreihen in der Mitte schon vereinigt, der vordere Ansatz ist der besser 
erhaltene, der vordere innere Haupthügel der höchste. Der Schmelz des sechsten oder 
letzten Backenzahns ist nur erst auf den äusseren Haupthügeln durchgenutzt. Der hintere 
Ansatz dieses Zahns ist hinten etwas gerundet. An diesem Zahn lässt sich die von mir 
in meiner Abhandlung über Dinotherium Bavaricum entwickelte Beschaffenheit der Tapir-Zähne 
noch deutlich erkennen ; auch bemerkt man an der vordem inneren Hauptspitze hinten einen 
etwas nach innen verlaufenden Lappen , der eine eigentümliche , bisweilen hinten etwas 
aufgestülpte Kante bezeichnet. 






- 172 — 

Die BackeDsahoreihe beginnt Gast _ UU in der Gegend des hinteren Endes der 
Symphysis, l'ie ganze Lunge des Unterkiefers misst kaum mehr als 0.35. wovon 0,084 auf 
die Symphysal-Strecke kommt. In dar den Eckzähnen entsprechenden Gegend ist di. - 

i, am breitesten und verschmälert sich hinterwärts bis auf 0,039; sie 
bildet auf der Oberseite eine deutliche Kinne, während die Unterseite gerundet i-t. Tür die 
mittlere Höhe dieser .Strecke erhält man 0,033. Du- Alveolen der Eck- und Schneidezähne 
1 so schlecht überliefert, dass sich nur noch erkennen lässt, d ker waren 

als letztere. Die zwisch n ihnen und den Backenzähnen liegende zahnlose Strecke mi 
0,0G Länge. Das sehr deutlich entwickelte Gefassloch an der (turamen mentale) 

ht der vordem Hälfte des ersten Backenzahns und gehurt noch der untern llüheii- 
hälfl - Kieferknochens an. Von einem zweiten davor liegenden Loche der Art habe ich 
nichts wahrgenommen. 

Die beiden Kieferhälften sind unter einem sehr Bpitzen Winkel fest mit einander ver- 
wachsen. Für die gegenseitige Entfernung des ersten Backenzahl - -ich innen 0,039 
annehmen; am letzten Backenzahn beträgt sie 0,077. In der Strecke der Baokenztthwi 
kalt man für die mittlere Stärke des Kiefers 0,037, für die mittlere Hohe an d .--on- 
0,059; am hinteren Ende des Kiel - iebl sich die Entfernung der beiden Hälften 
."ii einander aussen gemessen zu 0,176. Der durch Breite ausgezeichnete aufsteigende 
h vorn sehr gerade mit 0,149 Höhe bis zum Gelenkfortsats, die Höhe bis 
zum Kronfortsatz I h nicht angeben. Der hintere untere Winkel ist stumpf, und der 
i\ . and in der dem aufsteigenden Ast entsprechenden Gegend schwach concav, 
. und erst unter den vorderen Backenzähnen beginnt schwaches Aut- 
• gen. D hinteren inneren - Dtspricht dem Kronfbrtsatz und 
eich dem Niveau der Backenzähne. 

In diesem Unterkiefer ist die Länge der Backenzahn- Leihe der in T. Arven» 

.inville. 1. c. f. H) entweder gleich oder sie misst doch kaum mehr als letztere, in dem 

Eer von Montpellier (Gervais, 1. c. t. 5. f. 5) ist we um eine Zahnlänge kürzer; in 

I. Am - und T. Indicus missl Bie ungefähr eben so viel, und die Zahn sitzen 

keine auffallende Abweichungen. In T. Arvernensis und dem!. on Montpellier 

winde in der ZaJ i der Kiefer v. hoch und das foramen mentale nicht wie in 

1 . ; • r i - ädern der hinteren Hälfl kenzahns entsprechen ; für die 

Loch unter der vordem Zahnhälfte anj n; ich habe es 

r. Arn« . ud zwischen dem ersten und zweiten Backenzahn entsprechend und 

in T. Indi' • n und kleineren Loch bestehend gefunden, von denen 

Geg 1 vor dem ersten Blilchbackenzahn , 1 las einfach« Loch 

in T. ler vorderen Hälfte du kenzahns auftritt. 



— 173 — 

Un terk ieferhälfte von einem jungen Thier. 
Taf. XXVII. Fig. 1 stellt eine linke Unterkieferhälfte von aussen und Fig. 2 die 
Backenzähne von oben dar. Der an beiden Enden verstümmelte Kiefer ist für den Zahnwechsel 
des Thiers wichtig. Da dieses Stück sich in der erst später zu Stande gekommenen v. Klip- 
stein'schen Sammlung befindet, so kann es nicht wohl dasselbe seyn, von dem Cuvier sagt, 
dass ihm Schleiermacher eine Zeichnung mitgetheilt habe. Die vier vorhandenen Backenzähne 
bestehen in dem zweiten als Ersatzzahn , in dem dritten als Milchzahn , der bereits von dein 
unter ihm sichtbaren Ersatzzahn gehoben wird , und in dem vierten und fünften Zahn ; vom 
letzten Backenzahn, der im Innern des Kiefers liegen wird, ist noch nichts sichtbar; der 
erste Backenzahn ist weggebrochen. Die Richtigkeit dieser Deutung wird durch die Lage 
des foramen mentale bestätigt, und entspricht auch dem zuvor beschriebenen Kiefer. 

Schon aus dem Grade der Abnutzung der Kronen lässt sich auf die Reihenfolge , in 
welcher die Zähne auftreten , schliessen. Der erste gewaltsam weggebrochene Zahn war 
sicher der Ersatzzahn. Da der dritte Zahn sich auffallend stärker abgekaut darstellt als der 
zweite , so wird der zweite der Ersatzzahn und der dritte der Milchzahn seyn , dessen 
Ersatzzahn auch wirklich unter seinen Wurzeln liegt, und den Milchzahn bereits merklich 
gehoben hat. Der vierte und fünfte Zahn waren schon völlig entwickelt als der dritte noch 
nicht gewechselt hatte , und der letzte Zahn wird erst nach beendigtem Zahnwechsel auf- 
getreten seyn. Das äussere Kieferloch entspricht auch hier der vorderen Hiilfte des ersten 
Backenzahns und liegt in der unteren Höhenhälfte des Kiefers. In der zahnlosen Strecke 
davor habe ich kein zweites Gefässloch wahrgenommen. 

Die Länge der Krone des Ersatzzahns für den dritten Backenzahn ergiebt 0,0235. 
Die Ausmessungen der übrigen Zähne sind in der Tabelle unter Nr. VI aufgeführt. Der 
Milchzahn zeichnet sich von den Ersatzzähnen überhaupt durch grössere Länge, mehr noch 
durch geringere Breite aus. Auch lässt sich an diesem Kiefer erkennen, dass durchgängig 
die Zähne jüngerer Thiere etwas länger sind, schon aus dem Grund, weil sie noch nicht 
durch seitliche Abnutzung an Länge eingebüsst haben. Daraus erklärt sich manche Differenz. 
in den Zahlen, die leicht als Zeichen einer Species- Verschiedenheit gedeutet werden könnte. 
Der zweite Backenzahn ist in der vordem Hälfte, besonders nach dem vordem Ende 
hin , weniger breit als in der hinteren ; sein Vorderansatz ist gering und mehr auf die 
äussere Hälfte der Vorderseite beschränkt. Die von der vordem äusseren Hauptspitze zur 
Vorderseite ziehende Wulstkante läuft etwas gerader nach vorn als in den folgenden Zähnen. 
An den beiden vorderen Hauptspitzen bemerkt man hinten , deutlicher an der einen Haupt- 
spitze, eine Nebenspitzen-artige Erhöhung und an der Hinterseite des vordem Querkamms 
einige Wülstchen. Der Hinteransatz ist weniger stark als in den dahinter folgenden Zähnen, 
und von Unebenheiten an der Hinterseite macht sich ein mehr nach der äusseren Haupt- 
spitze gerichtetes Wülstchen bemerkbar. 



— 174 - 

Der dritte Backenzahn, ein Milchzahn, ist von gleicher Breite, er besteht sonst aus 
denselben TheOen, was auch für den vierten und fünften Zahn gilt, nur dass der äussere 
Kebenspitzcn-artigc Theil im vierten noch schwach und im fünften gar nicht mehr angedeutet 
ist; auch dehnt sich in diesen beiden Zähnen der Yorderansatz iiber die ganze Verderseitr 
aus und biegt noeb zur Aussenseitc um. Die Wülstchen auf der Bunterseite des Querkamms 
Miid deutlich entwickelt, auch der Hinteran.-utx ziemlich stark. Diese beiden Zähne sind 
überhaupt ein wahres Muster für die unteren Backenzähne des Tapirs ; die Theile, woraus 
sie bestehen, weiden aus den Abbildungen deutlich zu erkennen seyn. Beide Zähne sind 
in der vorderen Hälfte ein wenig breiter als in der hinteren. 

Das hintere Ende der Symphysis entsprach auch hier dem Anfang der Backenzalm- 
reihe. Der Kiefer hat. durch Druck gelitten und ist dabei flacher geworden; für seine 
mittlere Höhe erhält man 0,064 , für die Dicke 0,026. 

Erster unterer Backenzahn. 

Der Taf. XXVI. Fig. 3 von aussen und Fig. 4 von oben dargestellte Zahn ist der 
• rate Backenzahn der rechten Unterkieferhälfte und wie ich glaube ein Ersatzzahn . da er für 
einen Milchzahn etwas länger seyn nüisste. Diesen den beiden zuvor beschriebenen Kiefern 
fehlende Zahn, war ich erfreut, in der Sammlung zu Mainz anzutreffen. Für die kaum 
einer Abnutzung unterlegenen Krone erhält man 0,023 Länge, 0,014 Breite und 0,012 Höhe. 
Die Qnerkämme sind zu deutlichen Halbmonden entwickelt, wobei das Thal an der Aussen- 
seite geschlossen erscheint. Nach vorn verschmälert sich die Krone und endigt stumpf 
zugeschärft ; der hintere Schenkel beider Halbmonde erhebt sich aussen und innen zu einer 
-tumpfen Spitze. Ein Vorderansatz besteht nicht; der Hinteransatz bildet einen von der 
MS der inneren Ecke zur äusseren Spitze sich erhebenden, nicht sehr starken Wulst. 
Der Zahn besitzt zwei auf die vordere und hintere Hälfte sich vertheilende Wurzeln. 

Vordere Seh ädel hälft e. 

Dieser «richtige, bis zum hinteren Ende der Reihe der Backenzähne führende Schädel- 
• ••■iip!" im Jahr 1886 bald nach Auffindung des Schädels von Dinotherium zu Eppels- 
hehn mit dem von mir in einer späteren Abhandlung darzulegenden vollständigen Kopfe von 
Dorcatherium durch Professor von Klipstein ausgegraben (Jahrb. für Mineral., 1837. S. 694), 
der ihn mir zur Veröffentlichung aus semer Sammlung mitzutheilen die (Jute hatte. Er ist 
nur Tat. XXV. Fig. 1 von der Gaumenseite , Fig. 1 von oben, Flg. . r > von der rechten 
- fe dargestellt; Fig. 2 i-t die hintere Ansicht vom rechten letzten Schneidezahn und Fig. 3 

Ansicht vom linken Eckzahn. Ea i-t dies dieselbe Verstcinerim" welche Blaüv 

Villi I i'- 1-) unter dein vollständigen Kopfe von Tapirus prisCUS von Eppehv 

heim versteht, Von dem er einen, wie er selbst tagt, nicht gut ausgefallenen Abguss kannte. 



— 175 - 

was ihn jedoch nicht abhielt , davon eine verkleinerte Abbildung in sein grosses Werk (t. 6) 
aufzunehmen. Blainville findet grosse Uebereinstimmung zwischen diesem und einem ebenso 
unvollständigen Schädel in Bravard's Sammlung, nur dass ersterer etwas stärker ist und die 
Reihe der Backenzähne si'h bei ihm etwas mehr gebogen darstellt. 

Die rechte Reihe , aus sieben Backenzähnen bestehend, ist vollständig, an der linken 
ist der letzte Zahn weggebrochen. Die Ausmessungen der Backenzähne finden sich in der 
Tabelle unter Nr. VII angegeben. 

Der erste , zweite und etwa noch der dritte Backenzahn sind in der hinteren Hälfte, 
die vier darauffolgenden in der vorderen Hälfte der Krone am breitesten. Der erste Backen- 
zahn ist überhaupt kleiner und verschmälert sich mehr nach vorn. Er besteht eigentlich 
aus denselben Theilen, wie die darauf folgenden Zähne, was man beim ersten Anblick kaum 
vennuthen sollte. In diesem Zahn stellt die Aussenseite der Krone eine ebene Wand dar, 
auf der gleichwohl die beiden Haupthügel deutlich angedeutet sind. Der vordere Theil der 
Krone besteht aus drei kleineren, mit der äussern Hauptspitze zusammenhängenden Wülstchen, 
welche den Vorderansatz und den freilich sehr reducirten , mehr nach vorn gerichteten Quer- 
kaimn darstellen. Vom hintern Querkamm ist die innere Hauptspitze zwar deutlich ent- 
wickelt, aber eigentlich nicht mit der äussern Hauptspitze verbunden. Der stark entwickelte 
Hübel vor der hintern innern Hauptspitze entspricht dem im zweiten Backenzahn an der 
Innenseite auftretenden Basalhübel. Der Hinteransatz zieht als Basalwulst um die gerundete 
innere Ecke und verliert sich an der inneren Hauptspitze. 

Die Theile des zweiten Backenzahns sind deutlicher ausgebildet. Der vordere Quer- 
kannn ist zwar vollständig, aber etwas schräg nach hinten und innen gerichtet, und die 
beiden hinteren Hauptspitzen sind noch nicht vollständig durch den von der innern Spitze 
ausgehenden Querkamm verbunden. Der Vorderansatz ist aussen deutlich getrennt , was bei 
den Zähnen überhaupt weniger mit dem Hinteransatz der Fall ist. Der Basalhübel an der 
Innenseite lässt sich nicht verkennen. 

Die übrigen Backenzähne sind zwar von dem zweiten eigentlich nicht verschieden, 
gleichen sich aber doch mehr unter einander. Der im ersten Backenzahn kräftig entwickelte 
innere Basalhübel verschwindet fast im dritten Zahn und fehlt den folgenden. Der Vordcr- 
ansatz, der die innere Ecke kaum erreicht, ist an der äussern je weiter hinten /3er Zahn sitzt 
um so deutlicher getrennt, gequollen und zu einer Art Nebenspitze an der vordem äussern 
Ecke entwickelt. Der Hinteransatz, der überhaupt geringer ist, erreicht kaum'die innere Ecke, 
begiebt sich aber wulstartig um die äussere und endigt zwischen den beiden äusseren Haupt- 
spitzen mit einem Basalhübel. Die Querkämme werden in den weiter hinten sitzenden Zähnen 
immer deutlicher und höher; ihre Abnutzungsfläche ist schräg nach vorn gerichtet. Die vor- 
dere äussere Hauptspitze ist innen stark gekielt in Form eines sich ins Querthal herab 
begebenden Wulstes; der Wulst der hintern Hauptspitze ist weit schwächer. 

Palaeontogr., Bond XV. 4. 24 



— 176 - 

Dieser Schädel riilirt von einem völlig ausgewachsenen Thicr her; der Zahnwechsel 
war luii^-t vorüber und Beibat der lotete Backenzahn Bchon einige Zeit im Dienst; der vierte 
Backenzahn zeigt schwächere Abnutzung als der fünfte , wodurch er sich als Ersatzzahn 

\erräth. 

Die beiden Backenzahnreihen beschreiben eine nur schwache Biegung, divergiren aber 
um so starker hinterwärts; die gegenseitige Entfernung des ersten Backenzahns missl 0,0405, 
wofür man am vorletzten 0.074 erhält, was von der des letzten nicht viel verschieden 
wird. 

Die Backenzähne liegen von dem Eckzahn auf der rechten Seite 0,037, auf der linken 
0,041 entfernt; letztere Entfernung scheint durch Druck etwas vergrössert . dabei alter doch 
ursprünglich entere übertroffen zu haben. Die linke Hälfte besitzt noch ihren Eck/ahn ; in 
der rechten Hälfte ist seine Alveole mit Gestein ausgefüllt, sie mündet rund mit 0.009 Durch- 
messer. Die Krone ist kurz , spitz und durch die ebnere Innenseite etwas flach . dabei 
schräg nach vorn und innen gedreht, im Ganzen aber etwas nach aussen gerichtet, und 
ergebt 0.00!) Höhe bei 0,009 und 0,006 für die beiden Durchmesser. Die beiden Kanten 
sind scharf, und an der etwas nach hinten gerichteten Innenseite ist die Basis der Krone 
Bcbwacfa aufgetrieben. 

Die auf die Gegend zwischen den Eck- und Backenzähnen fallende, unten scharfrandige, 
BfhmMlstfl Strecke ergiebt 0,043 Breite, in der Gegend der Eckzähne erhält man 0,048, in 
der Gegend des letzten oder grösseren Schneidezahnes 0,0465. Zwischen den Eck- und 
Schneidezähnen, welche nur 0,005 von einander entfernt liegen, ist der Kiefer schwach eili- 
gen ; das vordere Ende geht flach gerundet zu. 

Von den Schneidezähnen, drei in jeder Kieferhälfte, ist nur der äussere oder letzte 
beiderseits vorhanden. Er zeichnet sich durch Grösse und Stärke von den andern aus Für 
seine fast runde Wurzel erhält man 0,013 Durchmesser, für die Krone an der Basis von 
vorn nach hinten ebenso viel, von aussen nach innen 0,0115; die Höhe beträgt 0,0165. Diese 
Krone deicht etwas dem Eckzahn, die vordere Hälfte ist gerundet und glatt, die hintere mehr 
eben, dabei aber mit einem nach der Basis hin sich verstärkenden Wulste versehen, der eine 
Abnutzungsfläche trügt (Fig. 2). Die äussere Kante ist auffallend schärfer als die innere. 
Von den vier übrigen Schneidezähnen sind nur die Alveolen überliefert, welche oval, von 
• gleicher Grösse und auffallend kleiner als der letzte Schneidezahn waren. Diese Alveolen 
q sich (regen der ausgebrochenen Ränder nicht messen. 

Das Gautnenloch scheint sieh weiter hinterwärts als der Beginn der Backcn/.almreihe 
zu ziehen; dehnte ea lieh nach vom bis zu den Schneidezähnen aus. so verschmälerte es 

In \"i den Eckzähnen An der breitesten Stelle maass die Ocffnung nicht über 0,015. 

Der hintere Gaumenbein-Einschnitt fällt in die Gegend der hinteren Hälfte des sechsten 
oder vorletzten Backenzahns und ist \on dem vordem Schädelende 0,199 entfernt; dabei 



— 177 — 

flach bogenförmig und ziemlich breit. Die Grenze des Gaumenbeines war schwer zu verfolgen, 
sein vorderes Ende scheint der Gegend zwischen dem vierten und fünften Backenzahne zu 
entsprechen. 

Der hintere Einschnitt am Jochbogen-Fortsatze des Oberkiefers entspricht der Gegend 
der vordem Hälfte des letzten Backenzahns, und liegt daher nur wenig weiter hinten, der 
vordere Augenhöhlen-Winkel der Gegend der vordem Hälfte des fünften Backenzahns, und 
das davor liegende Unteraugenhöhlenloch der Gegend der vordem Hälfte des vierten 
Backenzahns. 

Der Zwischenkiefer zieht auf der Oberseite bis in die dem Anfang der Backenzähne 
entsprechende Gegend zurück. Die Mittelnaht klafft ein wenig. Diese Stelle ist schwach 
kainmartig erhöht. Dahinter folgt die vorn spitz zugehende , im Ganzen stark erweiterte 
Nasengrube, die 0103 Breite ereicht. Die Beschaffenheit dieser Grube ist aus der Abbildun"' 
ersichtlich. Die vor den Backenzähnen liegende Strecke der Schnautze neigt sich schwach 
abwärts. Ihre Höhe beträgt vor dem ersten Backenzahn 0,043. In der Gegend des Joch- 
bogens erhält man 0,21 Schädelbreite. Die Knochen sind sehr mürbe, der Zahnschmelz fest 
und glänzend. 

In dem unter Tapirus Arvernensis begriffenen Schädel (Blainville, 1. c. t. 5. 6) ist 
die Reihe der Backenzähne gut eine halbe Zahnlänge kürzer, im lebenden T. Indicus von 
derselben Länge, wie in dem von mir untersuchten Schädel von T. priscus , in T. Americanus 
kommt sie der in T. Arvernensis gleich, in T. Pinchacus nach einem alten Thier bei Blain- 
ville ist sie eher noch kürzer. In der Beschaffenheit der Backenzähne bestehen kaum erheb- 
liche Abweichungen. Die Schädelbreite in der Gegend des letzten Backenzahns kommt, mit 
dem Jochbogen gemessen, auf die Strecke vom hintern Ende des letzten Backenzahns bis 
zum Hinterrande der Schneidezahn-Alveolen heraus ; in T. Indicus bleibt diese Strecke noch 
etwas hinter der Eckzahn-Alveole zurück, was zum Theil daher rühren mag, dass der 
Schädel von T. priscus durch den Vertikaldruck, dem er ausgesetzt war, und der namentlich 
auch auf die Jochbogen einwirkte, etwas an Breite zugenommen haben wird. In T. Indicus 
war jedenfalls die vor den Backenzähnen liegende Strecke länger als in T. priscus; T. Ar- 
vernensis verhält sich in dieser Hinsicht wie T. priscus. In den drei lebenden Species 
scheint überhaupt die vordere Schädelhälfte ein wenig schlanker und länger zu seyn, als in 
dem fossilen. 

Tapirus priscus Kaup aus der Jlolasse ron Ajnacskö. 

Die Molasse von Ajnacskö, südlich von Fülek, im Gömörer Comitat in Ungarn, birgt 
einen grossen Reichthura an fossilen Knochen, darunter Tapirus priscus und eine neue Species, 
Tapirus Hungaricus. Dem Herrn Director Hörries in Wien verdanke ich die Mittheilung 
zweier Tafeln, worauf von Tapirus priscus Zähne und Kiefer, welche in dieser Molasse ge- 
funden wurden und im National-Museum zu Pesth aufbewahrt werden, dargestellt sind. Diese 

24* 



- 178 — 

beiden Platten werden mit einem Text in Ungarischer Sprache von Dr. Jos Alex. Krenner 
im Ifagyarhoni Földtani-tareulat munkalatai, 111. Kötet (Abhandlungen der Ungarischen 

logischen Gesellschaft, III. Band) veröffentlicht werden. Um sie auch für Deutschland 
ränglich EU machen, ist mir gestattet worden, sie für meine Arbeit über die fossilen 
Tapirn zu benutzen, eine Gefälligkeit, die ich hiemit dankbar anerkenne. Die Gegenstände 
sind mit «renig Auslassungen auf Taf. XXXII wiedergegeben. 

j. 1 stellt einen fast vollständigen Unterkiefer von einem jungen Thier mit den 
Milch-Backenzähnen und den Milch-Eckzähnen verkleinert von neben dar; Fig. 2 dessen 
vordere Hälfte oder die tue Zähne führende Strecke in natürlicher Grosse von oben; 
die vier vordem Backenzähne sind entwickelt. Von einer linken Unterkieferhälfte, ebenfalls 
einem jungen Thier angehörig, sind die drei vordem Backenzähne Fig. 3 von der Kaufläche 
und Fi"-. 1 von aussen SU -eben. Der dritte von diesen Zähnen stimmt auch in Grösse mit 
dem Milchzahn in dem Kiefer von Eppelsheim Taf. XXVII. Flg. 1.2 überein. Unter dem zweiten 
Zahn befindet sich, wie Herr \^v. Krenner mir mittheilt, in einer Höhle der Ersatzzahn. 
Fig. 5 ist ein erster rechter und Fig. » ein hinterer linker unterer Backenzahn von iilteren 
Thieren , die ebenfalls in Grösse auf T. priscus herauskommen. Fig. 7. 8 ist ein rechter 
unterer Eckzahn , Fig. 9 ein Bruchstück aus der mittlem Gegend der linken Oberkieferhälfte 
mit drei Backenzähnen von der Kaufiäche, Fig. 10 von aussen; Fig. 11 ein mittlerer Zahn 
der rechten, Fig. 12, wie es scheint der letzte oder vorletzte Backenzahn ebenfalls der 
rechten Oberkieferhälfte, beide von der Kaufläche dargestellt. Schön erhalten ist ein Stück 
Zwischenkiefer, dass -ich Fig. 13 von vorn, Fig. 14 von hinten abgebildet findet; es ent- 
hält den ersten Zahn beider Hälften und den zweiten rechten , vom zweiten linken ist die 
Krone weggebrochen. An Fig. 14 lässt sich deutlich die hintere Anschwellung des Basal- 
wulstes erkeuen. Unter den in die Abbildungen nicht aufgenommenen Gegenständen befindet 
, ein Bruchstück aus der rechten Oberkieferhälfte mit dem Eckzahn, drei obere Eckzähne, 
von denen zwei Milchzähne seyn werden, und ein unterer Eckzahn, ein grösserer Eckzahn, 
der sehr gut dem hintern obern Eckzahn im Tapir-Schädel von Eppelsheim entpricht ; dann 
noch fünf Zähne eine- Castoriden, der an Chalicomys erinnert, doch wage ich nur auf 
Grund der Abbildungen keinen weiteren Ausspruch. Nur will ich bei dieser Gelegenheit 
darauf hinweisen, dass ich ähnliche Backenzähne früher schon aus der Braunkohle von 
Turnau in Steyermark bekannt gemacht habe, die mit einer von mir Emys Turnauei 
benannten Schildkröte und Doreatheriutn Naui gefunden wurden (l'alaeontogr., VI. S. 50. t. 8), 
und das«, zu Eppelsheim Tapirtu priscus mit Dorcatherium Naui und Chalicomys vorkommt. 
Auster diesen Resten in Pesth besitzt auch die K. K. Bof-Mineralierj*Sammlung su Wien 
Bebt von Tapirtu priscus aus Ajoaeskö, welche Herr Director Home«, die Gate hatte, 

mir sur Untersuchung zuzusenden. Darunter befindet sich der Taf. XXXI Fig. 2 von zwei Seiten 

dargestellte linke unter'' Eckzahn, der die grtfSSte Ähnlichkeit mit dem, wahrscheinlich aus 



- 179 — 

der andern Kieferhälfte herrührenden und von einem andern Individuum stammenden Eckzahn 
Taf. XXXII. Fig. 7. 8 des Pesther Museums zeigt. Das Wurzelende ist weggebrochen. Die 
cigenthiimlich flach conische, glatt beschmelzte Krone ist 0,0175 lang oder hoch, und misst 
von aussen nach innen 0,011, von vorn nach hinten 0,0125. Die Innenseite ist unmerklich 
ebener als die Aussenseite. Es bestehen zwei ziemlich scharfe, nicht schneidende diametrale 
Kanten , von denen die vordere die längere ist. Diese Kante stellt sich in Folge der durch 
das Zusammenliegen des Zahnes mit der Hinterseite des dritten oder hintern Schneidezahns 
eingetretenen Abnutzung stumpf dar. Es tritt nämlich in Tapir beim Schliessen des Maules 
der untere Eckzahn in die zwischen dem Eckzahn und den Schneidezähnen bestehende Lücke 
des Zwischenkiefers , wobei er sich mit dem hintern Schneidezahn reibt. Die Form der 
Krone geht durch allmähliche Verstärkung in die Wurzel über, die 0,014 Stärke erreicht. 
Die eigentümliche Form des Zahnes erinnert an einen untern Schneidezahn von Rhinoceros 
im kleinen. 

Die damit gefundenen Knochen gehören mehreren Individuen an. Bei ihrer grossen 
Aehnlichkeit mit den Knochen des lebenden Tapirs hielt ich es für überflüssig, sie abzubilden; 
ich will ihrer kurz gedenken. 

Rechter Calcaneus. Ganze Länge 0,094, ganze Breite in der unteren, mit dem 
Astragalus zusammenliegenden Hälfte 0,042; Länge des obern Theils oder Fortsatzes 0,0585. 
Am oberen Ende erhält man von aussen nach innen 0,0255, von vorn nach hinten 0,0345, 
in der schwächeren Gegend des Fortsatzes 0,016 und 0,031. 

Linker Astragalus. Breite der Rolle 0,039, am entgegengesetzten Ende 0,0405; 
Länge des Knochens innen 0,049, aussen 0,0575; Höhe der Rolle von vorn nach hinten 0,03. 

Zweiter rechter Mittelhandknochen. Ganze Länge 0,118; am obern Ende von 
aussen nach innen 0,026, von vorn nach hinten 0,021; am unteren Ende über dem 
Gelenkkopf 0,032 und 0,17; an der schwächeren Stelle unter dem oberen Ende 0,021 und 
0,01 1 ; von hier nimmt der Knochen abwärts allmählich etwas an Breite zu. 

Erstes seitliches Zehenglied. Länge 0,0295; hinten Höhe 0,021, Breite 0,021; vorn 
Höhe 0,014, Breite 0,016. Der Knochen zeichnet sich durch Kürze und Stärke aus. 

Zweites mittleres Zehenglied. Länge 0,018; Breite hinten 0,024, vorn 0,02; Höhe 
hinten 0,0135, vorn 0,01. 

Tapirus priscus Kaup aus der Braunkohle Ton Bribir in Croatien. 

Die Reste , welche ich aus Croatien von dieser Species vorzuführen habe , sind die- 
selben , die, wie oben (S. 164) erwähnt, auch Hörnes dem Tapirus priscus beilegt. Herr 
Director Hörnes hatte die Güte, mir diese Stücke aus der K. K. Hof-Mineralien-Sammlung 
in Wien mitzutheilen , und mich dadurch in den Stand zu setzen , mich von der richtigen 
Angabe der Species zu überzeugen Nach meiner Untersuchung sind es folgende Zähne. 



— 180 - 

I >io Spitze von einem unteren Ecksahn. Von einem andern untern Eckzahn ist nur 

die Wund vorhanden. 

Die Krone von einem oberen vorderen Schneidezahn, der ganz auf die in dem 
Museum zu Peatfa befindlichen Schneidezähne (Taf. XXXII. Fig. 13. 14) herauskommt. Die 
_ii 0,01 hohe Krone misst vmi aussen nach innen 0,009, von vorn nach hinten 0,007.") ; 
sie ist schwach napfförmig vertieft und vorn mit einem nur wenig stärkeren und höheren 
Hand versehen; hinten in der Mitte ist der Rand etwas verstärkt, und von da verlauft ein 
Kiel in die Vertiefung nach vorn gegen den Rand hin. 

Erster Backenzahn der rechten Unterkieferhälfte. Länge 0,0225, grösste Breite in 
der hintern Hälfte 0.0145. Aehnlich dem Taf. XXVI. Fig. 3. 4 von mir abgebildeten Braten 
Backenzahn von EppeL-heim . und nur dadurch unmerklich kleiner, dass er hinten stärker 
seitlich abgenutzt ist. Ganz derselbe Zahn , ebenso abgenutzt , von derselben Grösse und 
aus derselben Kieferhälfte befindet sich im Museum zu Pesth von Ajnacskö. 

Linker unterer Backenzahn , in Grösse dem vierten in dem Kiefer eines jungen TapiTUS 
• ( >riscus von Eppelaheim Taf. XXVII. Fig. 1. 2 entsprechend, nur auf der Krone und seitlich 
ziemlich stark abgenutzt. Länge 0,0205, Breite in beiden Hälften der Krone fast 0,01 75. 
Die Grösse entspricht ganz den Zähnen in den Unterkiefer des alten Tapirus priscus von 
Bppdsheim Tat. XXVI. Fig. 1. 2. 

Derselbe Zahn, nur weniger vollständig, aus der rechten Kieferhälfte. 

Ein unterer linker Backenzahn von derselben Breite, nur weniger abgenutzt, weshalb 
r weiter hinten gesessen haben wird. Die hintere Hälfte der Krone ist weggebrochen und 
der Zahn auch sonst beschädigt. Es wird der letzte oder vorletzte Backenzahn seyn. 

Dritter Backenzahn der linken Oberkieferhälfte. Er entspricht vollkommen diesem 

Zahn in dem Oberkiefer des Tapirus priscus von Eppelaheim Taf. XXV. Fig. 1. Wenn er un- 

leutend kürzer ist, so rührt dies daher, dass er von einem älteren Thier stammt und 

daher seitlich stärker abgenutzt ist, was eine Längenabnahme zur Folge haben musste. 

L.nge 0,0215, Breite 0,0255 in der vordem, 0,0265 in der hintern Hälfte. 

Sämmtliche Backenzähne scheinen von einem und demselben Individuum herzurühren. 
M..M iieh( ihnen an, dass sie in einem Braunkohlen Gebilde gefunden wurden. 

Tapirus Hungarirus JUjm aus der Jlolasso um Ajnarski'i. 
Ausser TapirUS priscus kommt, wie beseite erwähnt, in der IfolaSSe von Ajnacskö 

Jpecies von Tapir vor. denen Annahme auf einem vollständigen Schädel beruht, 
welchen im Auglist 1865 das K. K. Hol- Mineralien -< 'abinet /u Wien von Herrn Emil 
von Ebecsky, Comitats-Gerichtsrath für Gömör in Rima-SzombaJ in Ungarn, dar sich um 
Einsammlung der zu Ajnacskö so reichlich 6ndenden Venteinerungec grosses Verdienst 
erwirbt, erhielt. Dieses Prachtstuck hatte dar Directoi des K. K Eiof-Mioeralien*Cabinete, 



— 181 — 

Herr Dr. Hörnes, die Gefälligkeit, mir im October desselben Jahres zur genaueren [Jnter- 
suchung anzuvertrauen. 

Der Schädel ist in eine überaus feine, mit kleinen Glimmerblättchen untermengte, 
eisenreiche Molasse eingehüllt, die so fest ansitzt, dass sie von ihm nicht vollständig zu 
reinigen war. Doch auch in dem jetzigen Zustande ist die Versteinerung ein unschätzbares 
Stück; es ist der vollständigste Schädel, den man von einem fossilen Tapir kennt. 

Nach einer gefälligen Mittheilung des Herrn Professor Dr. Suess in Wien gehören die 
damit gefundenen Reste von Mastodon , dem von M. angustidens verschiedenen M. longirostris 
an, der zu Eppelsheim in Rheinhessen mit Tapirus priscus auftritt, unter welcher Benennung 
mir auch der Schädel von Ajnacskö zukam. Bei näherer Vergleichung fand ich aber, dass 
er weder mit dieser Species noch mit T. Helvetius vereinigt werden darf, weshalb ich ihn 
unter T. Hungaricus begriff. Später erst erfuhr ich , dass Herr v. Ebeczky diesen Schädel 
unter demselben Namen nach Wien gesendet hatte, ohne jedoch die Species zu begründen, 
was auch gar nicht möglich gewesen wäre , da die Schädel der beiden anderen tertiären 
Tapir-Species erst jetzt durch mich ausführlich veröffentlicht werden. 

Der Schädel von Tapirus Hungaricus, den ich Taf. XXIX von unten, Taf. XXX 
v on oben und Taf. XXXI. Fig. 1 von der linken Seite in natürlicher Grösse dargestellt habe, 
hat zwar durch Druck gelitten, er ist namentlich niedriger geworden, doch scheint er ur- 
sprüglich die Höhe der Schädel der lebenden Tapirn nicht ganz erreicht zu haben. Die 
Schneide- und Eckzähne sind weggebrochen. Die drei vorderen Backenzähne sind Ersatz- 
zähne und kaum abgenutzt , letzteres gilt auch für den fünften nnd sechsten Backenzahn 
der Reihe, der rechte sechste ist weggebrochen, der linke etwas beschädigt. Stärkere Ab- 
nutzung hat der vierte Zahn erfahren, der ein Ersatzzahn seyn wird. Vom letzten oder siebenten 
Backenzahn wird noch nichts wahrgenommen. Das Thier scheint gleichwohl seine volle 
Grösse erreicht zu haben. Die vorhandenen sechs Backenzähne bilden eine Reihe von 0,112 
Länge Der erste dieser Zähne ist 0,0175 lang und hinten 0,015 breit, der zweite, dritte 
und vierte aussen 0,0185 lang, dabei der zweite in der vordem und hintern Hälfte 0,0195 
breit, der dritte in der vordem Hälfte 0,0225, in der hintern 0,022, der vierte in der vor- 
dem Hälfte 0,021, in der hintern 0,019 breit. Der fünfte Zahn ist 0,019 laug, in der 
vordem Hälfte 0,023, in der hinteren 0,021 breit; der sechste Zahn 0,0205 lang, in der 
vordem Hälfte 0,024, in der hinteren 0,0215 breit. Die gegenseitige Entfernung des ersten 
Backenzahns beträgt 0,041, des sechsten 0,057. 

Für die Entfernung der Backenzähne vom vordem Ende der Schnautze erhält mau 
0,0815, von der Eckzahn-Alveole 0,047. Diese mit Gestein angefüllte Alveole besitzt eine 
kreisrunde Mündung von 0,007 Durchmesser. Entfernung des Eckzahns vom letzten Schneide- 
zahn 0,005. Von den sechs Schneidezähnen war der erste rechte ausgefallen , was daran 
erkannt wird, dass seine Alveole mit Gestein angefüllt ist. Die übrigen Schneidezähne sind 



- 182 — 

später erst am Band« ihrer Alveolen weggebrochen, deren rundliche Münduog fttr den ersten 

und zweiten Schneidezahn 0,006, für den dritten 0,01 Durchmesser ergiebt. Die Schnautze 
i-t sorn mehr gerundet, so dass der erste und zweite Schneidezahn über dein dritten voi- 
Steheo. Am dritten Schneidesahn erliiilt man fttr die Schnautze 0,041 Breite, an den Eek- 

nen 0,043, hinter denselben nur 0,034, worauf sich der Schädel allmählich verbreitert 
l>is zu den Backenzähnen zuerst mit OOncaven und hierauf mit convexeu Seiten. 

Die ganze Schädellänge ergiebt 0,383; die der Gegend des siebenten oder letzten 
Backenzahns entsprechende grösste Breite 0,1 78, in der der Finlenkungsstelle des Unterkiefers 
entsprechenden Gegend 0,158, in der oberen Hälfte des Hinterhaupts 0,059. Ganze Höhe 
dar hinten conves ausgeschnittenen Hinterhauptsgegend 0,0JH> ; mehr Höhe misst auch der 

lädel in .-einem jetzigen Zustande überhaupt nicht. Vüv die Länge des auf der Oberseite 
hinterwärts sieh zuspitzenden Zwischenkiefers erhält man 0,073 , für die Breite der Schnautze 
in der Gegend der hinteren oder grossen Schneide/.ahn-Alveole ",041, in der Gegend der 
Kckzahn-Alveolcn 0,0435, schmälste Stelle der Schnautze dahinter 0,0355. 

Der Schädel ist während des Versteinerns von oben gewaltsam eingedrückt; der vordere 
Theil der Schnautze und das Hinterhaupt blieben davon unberührt, auch hat das Profi] nur 
in sofern gelitten , als die vom Stirnbein gebildete obere Begrenzung der Augenhöhlen her- 
untergedrückt wurde. An der rechten Seite steht diese Begrenzung noch in einem bessern 
Zusammenhang mit dem Thräm nbein und auch dieses mit dem Jochbein; an der linken 

te dagegen hat der Vertikaldruck Trennung veranlasst. Von dem Unteraugenhöhlenloch 

HUT der untere Winkel überliefert Die nach vorn verlängerte Spitze der Nasenbeine ist 

-• in neuester Zeit weggebrochen. An dem gut überlieferten hinteren, breiteren Theil der 

_-•————' i halt man 0,0765 Breite; für die vom Stirnbein beschriebene Fläche beträgt sie 

Di Fläche spitzt sich hinterwärts zu einem stumpfen Kamm aus, der am hintern 

Bode sieh wieder etwas verbreitert. 

Die Knochenmasse ist dunkelbraun und fest, der Schädel schwer und mit demselben 

Itein ausgefüllt, das ihn aussen mit einer dünnen Kinde überzieht Die Grösse des 
Schädels kommt auf den des lebenden Tapirus Americanus und T. Pinchacus heraus, für 
T. Indicus wird der Schädel nur wenig grösser angegeben; der \<>n mir von dieser Species 
untersuchte Schädel im Senckenbergischen Museum ist jedoch nicht ganz so gross. In T. 
Bungaricus erinnert die grosse und breite Stärn-Scheitelbeinfiäche an T. Indicus und T. l'in- 
chacus, wobei sie sich aber hinterwärts oder auf dem dem Scheitelbein angehörigen Theil 
■o stark wie in T. Americanus verschmälert Doch besau der fossile Schädel das hohe 
kummurtig gewölbte Profil des letzteren nicht, sondern war offenbar wie in I. Indicus und 
T Pinchacus niedriger und oben mein- horizontal abgeplattet. Der obere Ausschult! des 
hinteren Schädelendes erinnert au T. Pinchacus. In T. Indiens würde der Baum iwischen 
1- in Eckzahn und den Backenzähnen etwai kurier seyn (0,0466), hierin kommt der fossile 



— 1*3 — 

Schädel mehr auf T. Pinchaoue und selbst auf T. Ainericanus heraus , doch ist er in dem 
von mir untersuchten Schädel letzterer Species aurfallend kürzer (0,039), noch kürzer in 
T. priscus, wo für die eine Kieferhälfte nur 0,037, für die andere 0,04 gefunden wurde. 
Gleichwohl beträgt in T. priscus und T. Ilungaricus die Entfernung zwischen den Eck- 
und Schneidezähnen übereinstimmend 0,005 , was gegen die lebenden Species auffallend 
gering ist; denn in T. Indiens misst sie 0,011, also mehr als noch einmal so viel, in 
T. Ainericanus 0,007. 

Die Unterscheidung der lebenden Tapir-Species unter einander nach Abweichungen 
im Skelet wollte sogar Cuvier nicht glücken. T. Ainericanus und T. Indicus fand er 
eigentlich nur in der Grösse der Backenzähne verschieden, ßlainville war nicht glücklicher. 
Wenn aber die Grössemmterschiede in den Backenzähnen zugleich mit Abweichungen im 
Schädel verbunden sind, so wird man mit grösserer Sicherheit auf eine eigene Spe scies 
schliessen dürfen. 

Es ist zu bedauern , dass vom Schädel aus Ungarn nicht auch die unteren Backen- 
zähne vorliegen. Der vierte obere Milchzahn soll in Tapir ungefähr dieselbe Form besitzen 
wie der erste der dahinter folgenden. In dem Schädel von T. Hungaricus haben die drei 
vordem Zähne gewechselt, der vierte, am stärksten abgenutzt, wird noch Milchzahn seyn. 
der siebente oder letzte war überhaupt noch nicht sichtbar. Hiedurch wird das Stadium 
der Entwicklung, worin das Thier sich befand, bezeichnet; es wäre sicherlich nicht grösser 
geworden , und auch seine Backenzähne hätten nicht grösser werden können. Die Abwei- 
chung in Grösse von den Backenzähnen der damit verglichenen Species ist zu beträchtlich, 
als dass sie nur einen geschlechtlichen oder sexuellen Grund haben könnte, wozu nun noch 
die Abweichungen in der Form der Zähne , sowie in der Lage des vordem Augenhöhlen- 
Winkels kommen , um genügenden Grund zu haben , den Schädel aus Ungarn einer eigenen 
Species beizulegen. 

Vergleicht man diesen Schädel -mit den fossilen Schädeln des Tapirus priscus und 
T. Helvetius , so wird man finden , dass er auffallend grösser als letzterer ist , aber die 
Grösse von ersterem nicht erreicht. Die Schnautze, die vor den Backenzähnen liegende 
Strecke , ist länger , dabei aber eben so breit als in T. Helvetius , der sich daher mit kürzerer 
und verhältnissmässig breiterer Schnautze darstellt. In T. Helvetius ist der Raum zwischen 
den Backenzähnen und dem Eckzahn kürzer , der Eckzahn grösser als im Schädel aus 
Ungarn, kaum kleiner als der davor sitzende hintere Schneidezahn ; die fünf vordem Backen- 
zähne nehmen kaum mehr Raum ein als die vier vordem im Schädel aus Ungarn. Die 
Stirn -Scheitelbeinplatte auf der Oberseite war verschieden geformt. Der vordere Schnautz- 
theil scheint in T. Helvetius nicht abwärts gebogen zu seyn, die Naht zwischen Oberkiefer 
und Zwischenkiefer verlief weniger steil und dabei länger hinterwärts , auch war die Schnautze 

PalMontogr., UanJ XV, 4. 25 



- 18* - 

etwas höher. Mit diesen Abweichungen war in T. Helvetias nothwendig ein anden s Profil 
verbanden, wie sich jetzt noch erkennen Läset. 

Der Schädel von T. priscus von Eppelsheim rührt von einem Thier her, 'las nach 
der Abnutzung der Zähne etwas älter war als das von dem der Schädel aus Ungarn 
sl mit, dessen Backenzahnreihe wegen geringer seitlicher Abnutzung eher etwas länger seyn 
sollte. Gleichwohl nehmen in letzterein Schädel die Bechs vorderen Backenzähne nur wenig 
mehr Baum ein als die fünf vorderen im Schädel von Eppelsheim. Die Backenzähne sind 
mit Ausnahme des ersten überhaupt mehr gerundet rechtwinkelig, im Schädel von T. priscus 
von Eppelsheim mehr gerundet trapezförmig, was recht auffallend am zweiten Backen- 
zahn hervortritt, dessen vordere Hälfte sich schräg nach innen abstumpft und daher viel 
weniger breit im Vergleich zur hinteren Hälfte als im Schädel aus Ungarn darstellt. 
unbeachtet beide Zähm Ersatzzähne sind. Im Schädel aus Ungarn stellt sieh gerade diet 
X i am reinsten quadratisch dar: vom vierten Backenzahn an nimmt die hintere Hälfte 
der Krone zwar auch an Ureite ab, aber lange nicht so auffallend als im Schädel von 
Eppelsheim. 

Die vor den Backenzähnen liegende Strecke der Schnautze besitzt in beiden Schädeln 

he hänge, und ist daher in dem Schädel aus Ungarn verhältnissmässig länger, dabei 
auch schmäler, besonders stärker seitlieh i gen, auch vorn schmäler gerundet, im 

lädel von Eppelsheim Btumpfer, auch der Raum zwischen den Hacken- und Eckzähnen 
ein wenig kürzer und <k-r dritte oder letzte Schneidezahn im Vergleich zum Eckzahn auffal- 
lend Btärker als in dem Schädel aus Ungarn. Dabei entspricht der vordere Augenhöhlen- 
winkel in letzterem Schädel der Gegend zwischen dem dritten und vierten Backenzahn oder 
doch dem Anfang des vierten, im Schade^ von Eppelsheim oder T. priscus dem fünften 
/.ahn. Die Lage, «reiche dieser Winkel zu den Backenzähnen einnimmt ist daher in 

•n Schädeln Behr verschieden. 

Tapiru', lelYetlai lejcr, ugeMleh >n ier lattue m ttkunlsgei. 

Zur Annahme dieser fossilen Tapir-Speciea Bah ich mich im Juni 1840 durch einen 
unvollständigen Schädel mit Unterkh führt, welchen Herr Professor Fleischer, damals 

in Aarau, die G I mir zur Untersuchung mitzutheilen. Diesen Schädel habe ich 

Tat XXYIII. Fig. 1 von unten, 1 ig. 2 von oben und Fig. ■"> von der rechten Seite, den 

Unterkiefer Fig. l von der rechten Seite und Fig. 5 von oben in natürlicher Grösse dar- 
teilt. Die Reste rührten aus einer alten, verwahrlosten Naturalien-Sammlung des Prälaten 

Adalbert vom Hochfurstlichen Stifte Muri im Canton Aargau her. Es befanden sich dabei 
h einige von Braunkohle und Molasse-Sandstcin umschlossene Knochen und Zähne von 

1 inatc M< : und 1,'hin iros, welche an die Reste aus der Braunkohle von Käpf- 



— 185 — 

nach am Züricher See erinnerten. Die Tapir-Reste waren von hartein , feinkörnigen , grau- 
lichen Molasse-Sandstein umschlossen. Der Fundort war nicht angegeben ; Fleischer glaubt, 
dass sie von Othmarsingen herrühren. Aus der Molasse letzterer Gegend kenne ich indess 
nur Cetaccen - Reste. 

Der Kopf scheint nach dein frischen Aussehen der Brüche vollständig zur Ablagerung 
gekommen zu seyn , was seine Beschädigung um so mehr bedauern lässt. Das hintere Drittel 
ist mit dem Jochbogen weggebrochen , die Kronen aller Zähne fehlen sicherlich auch erst 
seit der Auffindung der Versteinerung. Von der rechten Unterkieferhälfte ist wenig mehr als 
die die Backenzähne umfassende Strecke und von der linken nur die dem ersten und zweiten 
Backenzahn entsprechende Gegend überliefert; die Zahnkronen sind auch im Unterkiefer 
allerwärte gewaltsam entfernt. Diese Reste rühren von einem völlig ausgewachsenen Thier 
her; Milchzähne sind nicht vorhanden, und selbst der letzte Backenzahn musste ausgebildet 
gewesen se}'n. Der Mangel sämmtlicher Zahnkronen war bei dem vollständig gegebenen 
Zahnsystem kein Hinderniss, das Genus Tapirus zu erkennen. 

Die Länge, welche die Zähne in der Richtung von vorn nach hinten einnahmen, ist 
in der Tabelle unter Nr. IX. enthalten; vom sechsten und siebenten obern Backenzahn liess 
sich diese Länge nicht ermitteln. Auch konnte die Breite der Backenzähne wegen den 
fehlenden Kronen nicht genominen werden. Die Länge des von den fünf vordem obern 
Backenzähnen eingenommenen Raumes beträgt 0,077, in T. Indicus der Senckenbergiscln n 
Sammlung 0,112, in T. Americanus derselben Sammlung 0,088, in T. priscus 0,105, in 
T. Hungaricus 0,091; die auffallende Länge in T. Indicus kommt wenigstens theilweise auf 
Rechnung der Jugend des Thiers, von dem der Schädel herrührt. 

Die Unterkieferhöhe unter dem ersten Backenzahn misst 0,041, in T. Indicus 0,051, 
in T. Americanus 0,052, in T. priscus 0,05 ; im Oberkiefer misst die Länge des Raumes zwischen 
den Eck- und Backenzähnen 0,03, in T. Indicus 0,0465, in T. Americanus 0,039, in T. 

priscus 0,037 0,041, in T. Hungaricus 0,047; zwischen den Eck- und Schneidezähnen erhält 

man 0,006, in T. Indicus 0,011, in T. Americanus 0,007, in T. priscus 0,005 , in T. Hun- 
garicus 0,005; der Eckzahn misst von vorn nach hinten 0,01, von aussen nach innen 
0,007, in T. Indicus 0,01 und 0,008, in T. Americanus 0,0095 und 0,008; der letzte 
Schneidezalm , der auch hier wie in Tapirus überhaupt von den Schneidezähnen der grösste 
war, maass von vorn nach hinten 0,009 , von aussen nach innen 0,008, in T. Indicus 0,014 
und 0,135, in T. Americanus 0,0125 und 0,013, in T. priscus 0,0115 und 0,0115. Geringste 
Breite der zahnlosen Strecke der Schnautze 0,038, geringste Höhe derselben 0,0365, ganze 
Höhe des vorhandenen Theils des Schädels 0,0865, ganze vorhandene Länge 0,209. 

Diese fossile Species ist auffallend kleiner als alle bekannte lebende und fossile. 
Der im Unterkiefer von den Backenzähnen eingenommene Raum war ungefähr ein Drittel 
kleiner als in T. Indicus. 



25 



• 



— IN« — 

Dm foramen mentale kommt in die zahnloae Strecke vor den Backenzähnen zu lieg 
im Unterkiefer dea von mir untersuchten T. Amerieanus fand ich ea der Gegend swiachen 

dem ersten und zweiten Backenzahn entsprechend^ in T. Indicua liegt ein grosses Lioch 
vi.r dem ersten Milchbackenzahn und ein viel kleinerea zweites Loch unter der vordem 
Hüllte dea ersten Backenzahns, wo es auch in T. priscus auftritt; ea liegt daher in '1'. Hei- 
vetiua jedenfalls weiter vorn als in den anderes Arten. 

Daa Dnteraugenhöhlen-Looh (foramen infraorbitale) dagegen tritt, der Gegend zwi- 

i dem dritten und viertln Backenzahn entsprechend, am weitesten hinten Buf; in 

T« Indicua fand ich es in der Gegend zwischen dem zweiten und dritten und in T. Ameri- 

- in der Gegend über dem dritten Backenzahn, Aueh der vordere Augenhöhlenwinkel 

am weitesten hinten, indem er sieli nicht weiter vorn als die Gegend zwischen dem 

fünften un rten Backenzahn darstellt : in T. Indicua fand ich ihn über der vordem 

Hallte des vierten und in T. Amerieanus in der Gegend zwischen dem vierten und fünften 

ienzahn vor. Der hintere Gaumenbein-Einschnitt wird nicht weiter vorn als in den 

lebenden Tapii en haben. 

Ungeachtet mancher Annäherung zu T. Amerieanus, fehlte dem Schädel <lv fossilen 
ies dei stark ansteigende Gesichtswinkel und der hoch gewölbte Hinterkopf; er seh« int 
dabei eher noch platter und niedriger gewesen zu seyn als in den beiden andern lebenden 
Arten. Die Nasenbeine, deren Länge sieh nicht mehr angeben läset, die aber nicht so kurz 
waren wie in der Amerikanischen Art. und die gröaate Erhebung dea Schädels behaupteten 
ungefähr g Niveau. Die Stirnbeine waren auffallend schmal, dabei '1er Indischen 

Species ähnlicher als der Amerikanischen. 

Die Naht zwischen Oberkiefer und Zwischenkiefer läset sieh deutlich verfolgen, ist 
aber nicht so vollständig . dass man durch sie über das hintere linde des Zwischenkiefers 
auf der ( Oberseite hätte Aufechluss erlangen können. 

Auf (fr Gaum bildet der Schädel eine vertiefte Kinne. Die darin zwischen 

den Eckzähnen auftretende vordere Gaumenöffnung ist einfach, wahrscheinlich 0,035 lang, 

in der vordem Hälfte 0,006 breit, in der hintern, noch vor Beginn der Backenzähne 

.Hallte s.i sehmal, dass man glauben sollte, in dieser Gegend klaffe nur die Naht 

I > i • -c Oeffnung ist daher von der in T, priscus sehr verschieden, wo sie bis in die Gegend 

der vorderen Hälfte ■ n Backenzähne zurückführt und in ihrer hinteren Hallte breiter 

ls in der vorderen; in den lebenden Species endigt sie vor Beginn der Macken/ahne 

Die Masse, woraus die Knochen und Zahnwurzeln bestehen, i-t schwarz, schwer 

und ziemlich fest, den Knochen aus anderen Molasse - Sandsteinen und aus dem doch weit 

. n Keuper in ähnlich. 

I»i- G Schädels von Tapirua Helvetius wird sieh zu dem von T. priacui 

ungefähr v 7:9 verhalten baben. Di< Schnautze i-t verhältnisemässig noch breiter 



- 187 - 

als in letzterer Species, dabei aber zwischen den Backenzähnen und Eckzähnen deutlicher 
eingezogen , was besonders gegen die lebenden Tapirn auffällt. Der Eckzahn war im Ver- 
gleich zu den andern fossilen Species stärker, was einen sexuellen Grund haben könnte; 
das vordere Ende der Schnautze war stumpfer als in allen andern Species. Die Breite der 
Schnautze beträgt so viel als die grösste Entfernung der beiden Backenzahn- Reihen , in 
T. priscus auffallend weniger, da sieh das Verhältniss wie 3:5 ergiebt, was theils auf der 
geringeren Breite am vorderen Ende , theils aber auch auf der grösseren Entfernung der 
Backenzähne, zumal in der hinteren Gegend beruht. Darin, dass die Zahnreihe des Unter- 
kiefers gegen T. priscus um eine Kronenlänge kürzer ist, stimmte der Kiefer mit einem zu 
Eggingen von derselben Species gefundenen, den ich noch darlegen werde, überein , dann 
aber auch mit dem Kiefer von Montpellier, der aber, wie in T. priscus und T. Arverneii"i< 
das foramen mentale unter dem ersten Backenzahn liegen hat, während dasselbe in den 
Kiefern von Othmarsingen , und, wie wir sehen werden, von Eggingen und selbst von 
Waitzen in Ungarn übereinstimmend vor den Backenzähnen seine Stelle einnimmt. Der 
Kiefer von Eggingen besitzt noch ausserdem ein kleines Gefässloch unter der vordem Hälfte 
des ersten Backenzahns. Kaup fand zwar auch an dem von ihm untersuchten Unterkiefer 
von T. priscus in einiger Entfernung vor den Backenzähnen noch ein Gefässloch, das aber 
in der Abbildung nicht angegeben ist, und daher gering seyn wird gegen das Loch unter 
dem ersten Backenzahn , auf welches wohl das meiste Gewicht zu legen ist. Der auf- 
steigende Ast scheint sich hinter dein letzten Backenzahn schräger, weniger vertikal erhoben 
zu haben als in T. priscus und den lebenden Species. 

Tapirus Helvetius ffleyer aus der Braunkohle von Käpfnach. 

Aus der Braunkohle von Käpfnach bei Horgen am Züricher See erhielt ich im 
Julv 1850 von Herrn Professor Arnold Escher von der Linth eine der Sammlung in Zürich 
angehörige Versteinerung mitgetheilt, welche unverkennbar die vordere Hälfte eines noch 
mit dem Unterkiefer zusammenliegenden Schädels von Tapirus Helvetius darstellt. Nach den 
frischen Bauchflächen zu urtheilen , scheint der Kopf ganz zur Ablagerung gekommen zu 
seyn; was überliefert ist, wurde, wie dies in der Braunkohle gewöhnlich der Fall ist, zer- 
drückt und verschoben. Ich habe das von der linken Seite entblösste Stück Taf. XXVII. 
Fig. 6 dargestellt. Bei dem ersten oberen Backenzahn ist nicht zu übersehen , dass er 
der von aussen entblösste linke ist, die darauffolgenden Zähne aber der rechten Reihe 
angehören. Der über dem vierten mit der Krone vertikal aufgerichtete Zahn ist ein linker, 
die übrigen Zähne dieser Reihe sind weggebrochen. Der erste obere Backenzahn misst 
0,0125 Länge bei nur 0,004 Höhe, der zweite war wenigstens 0,0155 breit. Vom sechsten 
Backenzahn ist die Krone schon nicht mehr vollständig, vom siebenten oder letzten nur 



_ ls> _ 

noch dir vordere Theil der Krönt angedeutet. An dem ober dem vierten linken liegenden 
Backenzahn ergiebt sich 0,0215 Breite bei 0,00!' Höhe, was für die mittleren Backenzähne 
überhaupt wird gelten können. 

Von den unteren llaeken/ähnen misst die Krone des ersten 0,018, des zweiten, 
dritten und vierten je 0,016 Länge; die Länge des fünften betrug 0,012; vom sechsten ist 
nur ein anbedeutendes Stück, das dem vordem Ende angehört, überliefert. Die gl - 
Lance des sechsten Backenzahns wird daher rühren, dass er, wie auch der tiefen Stand 
.-einer Krone vermuthen läset, jünger und aus diesem Grund weniger seitlich abgenutzt ist 
als die davor sitzenden Zähne. So weit sich die Beschaffenheit der Kronen erkennen lässt, 
[spricht sie den Zähnen des Tapirs. Der Kopf ist so flach gedrückt, dass die beiden Unter- 
kieferhälften zusammen nur 0.02* Stärke ergeben, was die stärkste Gegend der ganzen 
Versteinerung zu seyn scheint. Da der untere Rand weggebrochen ist . bo lässt sich über 
die Höhe des Unterkiefers keine Angabe machen. 

Der in einiger Entfernung vor dem Unterkiefer liegende, fast nur in Abdruck b< 
hende Zahn wird ein unterer Eckzahn seyn . der vordere von den beiden darüberlieg bd< n 
Zahnender hintere Schneidezahn: weniger gewiss ist es, ob der dahinter folgende denselben 
- bneidezahn der andern Seite darstellt Das vordere Ende derSchnautze ist weggebrochen. 
Das Gebilde ist die schwarze, stark glänzende Kohle, welche Käpfhach auszeichnet 
Knochen und Zähne sind braunschwarz. 

Ueberrest verräth eher ein noch kleinere- Thier als der zuvor beschrie! 
Schädel, da die fünf vorderen unteren Backenzähne fast eine balbe Zahnkrone weniger Raum 
einnehmen als in letzterem und im Kiefer von 1 n, was im Kiefer von Käpfhach zum 

Theil daher rühren mag, dass die Zähne sehr zusammengedrängt erscheinen. Dagegen 
ht die ' der oberen Backenzähne den Angaben für T. Helvetius. 

Die Braunkohle von Käpfhach hat jetzt folgende Säugethiere geliefert: 
( balicomyi Jaegeri Kaup. Palaeomeryx mediaa Meyer. 

Maatodoo anguatident Cuv. — Scheuchzeri Meyer. 

Tapinu Helvetiua Me^ Oiygotherium Eacheri Meyer, 

Hyotherium medium Meyer. Trochictie carbonaria Meyer. 

Andere Schweina-artige Thiere Amphicyon intermedius M 

Microtheriura Renggeri Meyer. (oder hohe Bhonen?). 

.- luoatoj Mi 

T.i|iim. IMu-iiu* le/ei aus der BrauiiLnhlr mm Imlu-n Ithitnin. 

Bei den Beaten aus dieser Kohle war als Fundort angegeben: „vom hohen Rhonen* 
oder „Greit am hoben Rhonen" oder „von Sparen am hohen Rhenen", was schliessen lässt, 
das» am hohen Bhonen, Gemeinde Menzingen im Canton Zng, an verschiedenen Stellen 
unkohle abgi baut wird 



— 189 - 

Aus der Braunkohle vom hohen Rhonen erhielt ich im März 1859 von Professor 
Linth-Escher zwei Unterkiefer - Bruchstücke initgetheilt. Das eine derselben rührt aus der 
rechten Hälfte her und enthält den zweiten, dritten und vierten Hackenzahn, Taf. XXVII. Fig. 7 
von aussen, Fig. 8 von oben dargestellt. Der zweite Backenzahn ist 0,015 lang, in der 
vordem Hälfte 0,012, in der hintern 0,0135 breit; der dritte Backenzahn 0,0145 lang, in 
der vordem Hälfte 0,013, in der hintern 0,015 breit; vom vierten Zahn ist nur die vordere 
Hälfte überliefert und diese 0,014 breit. Die Krone des zweiten und dritten Zahns besteht 
aus zwei Paar Haupthügel, von denen das vordere Paar höher als das hintere und der 
vordere äussere Haupthügeln der höchste ist. Dabei ist der vordere Theil der Krone in diesen 
beiden Zähnen noch einmal so lang als der hintere. Die Hügel sind paarweise wie in den 
Tapir- Zähnen zu Querkämmen verbunden. Vorder- und Hinteransatz sind schwach ver- 
treten. Die vom vordem äusseren Hügel schräg abfallende Kante biegt an der äusseren 
Ecke um, und bildet einen starken wulstförmigen Ansatz an der Vorderseite. Im vierten 
und den folgenden Backenzähnen ist unter diesem Ansatz der Vorderansatz deutlich ent- 
wickelt, woher es rührt, dass diese Zähne, was für Tapir bezeichnend ist, mit zwei leisten- 
oder wulstförmigen Ansätzen verschen sind. Von der Spitze des vordem äussern Hügels 
zieht noch ein starker Wulst nach vorn und innen , ebenso von dem vordem innern Hii«el, 
wobei die beiden zu einer Querreihe verbundenen vordem Hügel vorn concav erscheinen. 
Die hintern Haupthügel senden hinten und vorn nach innen je einen Wulst, und sind 
dabei noch durch einen besondern Wulst verbunden , ebenfalls eine an der Vorderseite 
deutlich concav erseheinende Querreihe bildend. Auf der Hinterseite der vordem Querreihe 
bemerkt man noch ein Paar vertikale Wülstchen. Die Abnutzung durch die oberen Zähne 
geschieht hauptsächlich auf dem convexen Theil der Querreihen schräg hinterwärts. In 
dem vierten Zahn mit mehr rechtwinkliger Krone sind die Zahntheile deutlicher als Quer- 
reichen ausgebildet. 

Der Kiefer hat durch Druck gelitten. Unter dem dritten Backenzahn erhält man 
0,041 Höhe. Diese Zähne entsprechen sehr gut Tapirus Helvetius. Dasselbe gilt von einem 
Bruchstück der linken Unterkieferhälfte mit dem ersten und zweiten Backenzahn , das ich 
Taf. XXYIII. Fig. 6 von aussen und Fig. 7 von oben abgebildet habe. Vom ersten Backen- 
zahn ist die Krone grösstentheils weggebrochen; sie scheint kaum so lang als die des 
zweiten Backenzahns gewesen zu seyn , war auch hinten etwas schmäler als bei diesem und 
verschmälerte sich nach vorn auffallend. Die Krone des zweiten Backenzahns ergiebt 0,015 
Länge, vorn 0,012 Breite, hinten 0,0135. Sie ist beschaffen wie im zuvor beschriebenen 
zweiten Backenzahn , nur etwas mehr abgenutzt ; dieses Fragment wird daher von einem 
andern Individuum herrühren. Vor dem ersten Backenzahn fällt der Kiefer stark ab; der 
Unterrand ist beschädigt, daher die Kieferhöhe nicht zu ermitteln war; für die Stärke 
des Knochens erhält man hinter dem zweiten Backenzahn 0,017. 



— 190 - 

d Sparen am hohen Rhonen erhiell ich im July L850 von Professor Escher 

Linth XXVII. Fig. 9 von Bossen und Fig. L0 von oben abgebildete Brachstück 

hten Unterkieferhälfte mit drei stark abgenutzten Zähnen zur Untersuchung, welche 

der zweite, dritte und vierte Backenzahn zu Beyn Bcheinen. Auch iliese Zähne passen Behr 

zu Tapirus Helvetius. Der vordere von ihnen ergiebt 0,0135 Länge und 0,014 Breite, 

für den mittleren erhält man 0,015 Länge und Breite, für den hinteren 0,0177 und 0,0155. 

Die hintere Haltte der Kronen dieser Zähne isl gewöhnlich nicht ganz so breit als die 

vordere Der Kieler ergiebt 0,055 Höhe, vorn 0,018 Stärke, hinten 0,02 Di< anhängende 

Kühl' hwarz und stark glänzend. 

Für die übrigen Reste war Greil am hohen Rhonen angesehen. Ieh erhielt sie im 
April 1844 'rofessor Scher mitgetheilt Tat'. XXVIII. Fig. B Btellt ein Bruchstück aus 

der rechten Unterkieferhälfte mit dem letzten und vorletzten Backenzahn von aussen, 1 i. 
oben dar. Der Kieferknochen ist zerdrückt und sein unterer Rand rochen. 

/.ahne sind vollkommen ausgebildet, und es hatte schon die Abnutzung begonnen. 
letzte Backenzahn mi 2 • bei 0,016 Breite in der vordem und 0,014 in der 

hintern Hüllte. 1» ze des vorletzten Zahnes beträgt 0,019, die Breite 0,015 in der 

vordem und 0,014 in der hintern Haltte. Die Zähne sind zweireihig und ganz wie in 
Tapir gebildet Der Querkamm einer Reihe ist vorn sohwach concav, und die Abnutzun 
Bäche auf demselben fällt sanft hinterwärts. Die Beschaffenheit der Krone wird keiner 
ausführlichen Darlegung bedürfen, da sie bereits zur Genüge an andern Zähnen hervor- 
oben wurde. Nur darauf will ieh aufmerksam machen, dass die vordere Hauptspitze 
hinten einen au eine Nebenspitze erinnernden Theil besitzt, der bei stärkerer Abnutzt 
leicht d werden könnte. Auf der Rückseite des vordem Querkamms liegen zwei 

h zuspitzende Wülstchen mit der Andeutung eines dritten Wulstehens dazwisch 
Hinteransatz ist einfach und trägt hinten eine Andeutung von einem weit kleinem 
Ansatz. Vor dem Querthal bemerkt man bei dem vorletzten Zahn an der Aussenseite >in 
a< hi - Basalwülstchen. 

Dies« beiden Zahne sind etwas Btärker als im Unterkiefer von Eggingen (Tat. X.W II. 
;) und kommen mehr auf die im Kiefer von Montpellier heraus, was einen sexuellen 
G ind haben könnte; für Tapirus prißcua sind sie viel zu klein. 

Kin Bruchstück au- der linken l'nterkicferhälfte mit dem zweiten und dritten Backen« 

zahn halte- ieh Tat. .X.W II. Fig. 11 von aussen, 1 " i _i _ 12 von oluii und Fig. 18 von innen 
gebildet. Der zweite Backenzahn besitzt 0,017 Länge bei kaum 0,014 Breite in der hintern 
Haltte. Die l dritten Backenzahnt betrag! ebenfalls (>.<• 1 7 und die Breite in 

beiden Hälften 0,0145. Die Zahne Btimmen in Beschaffenheil mit den Euvor beschriebenen, 
nur dass im dritten Backenzahn die hintere innere Hauptspitze geringer ausgebildet ist 
Dei iweit Backenzahn verschmälert sieh etwas nach vorn, der Vorderansatz ist gering, die 



— 1!U - 

Querkäuime neigen zur Halbmondform hin , sie hängen aussen mehr zusammen , und beide 
vordere Hauptspitzen zeigen hinten den einer Nebenspitze ähnlichen Theil. Die Wurzeln sind 
ausgebildet und die Abnutzung auf den Kronen hatte begonnen. Der zweite Backenzahn 
ist vorn mit einer seitlichen Abnutzungsfläche versehen. Der Kieferknochen ist vertikal 
•gebrochen . wobei die Verschiebung der Zähne vor sich "ing. 

Die beiden Taf. XX VII. Fig. 14 — 16 von verschiedenen Seiten dargestellten Zähne 
der linken Oberkieferhälfte rühren offenbar von demselben Individuum her. dem diu zuvor 
beschriebenen unteren Zähne angehören, in deren Kieferknochen sie fest liiueingedrückt 
waren. Der grössere der beiden Zähne zeigt hinten keine Abnutzung, woraus indess nicht 
nothwendig folgt , dass es der letzte Backenzahn seyn müsse , ich halte ihn eher für den vor- 
vorletzten. Fig. 15 habe ich ihn von hinten und Fig. 1 6 von aussen abgebildet. Seine Krone 
ergiebt ausseu fast 0,021 Länge, in der vordem Hälfte fast 0,024 Breite. Die Bildung 
entspricht ganz Tapir. Der Zahn davor hat etwas durch Druck gelitten , weshalb sich seine 
Länge nicht genau angeben lässt. Für die Breite in der vordem Hälfte erhält man 0,»)225. 
Die Zähne entsprechen in Grösse dem vorvorletzten und vorletzten oberen Backenzahn in 
Tapirus Hungaricus (Taf. XXIX). Es wäre daher nicht unmöglich , dass diese Species auch 
in der Braunkohle am hohen Rhonen vorkäme. 

Dabei befand sich offenbar von einem jüngeren Individuum ein Bruchstück von der 
linken Unterkieferhälfte aus der Gegend des letzten Backenzahns, der noch vom Kiefer 
verborgen gehalten wird. 

Aus der Braunkohle vom hohen Rhonen sind nunmehr folgende Wirbelthiere bekannt: 

Chalicomys ininutus Meyer. Hyotherium Meissner! Meyer. 

Rliinoceros Goldfussi Kaup? Palaeomervx niedius Meyer? 

— incisivus Cuv.? — minor Meyer. 

Tapirus Helvetius Meyer. Ein Mustelide? 

Vielleicht kommt damit auch Tapirus Hungaricus vor. Nach Rütimeyer (Heer, sur 
le Climat etc. du pays tertiaire, parGaudin, 1861. p. 193. 194) wäre darin auch Lophiodon 
minimus Cuv. und Chalieotheriutn antiquum gefunden, die ich von da nicht keune; es wird 
ferner Amphicyon intermedius Meyer vom hohen Rhonen angeführt (Heer, 1. c. , p. 195). 
während mir die Reste, worauf diese Species beruht, als von Käpfnach stammend mit- 
getheilt wurden. 

Tajiirus Helvetius Jlejer aus den Tertiär-Gebilden von Eggiugen, Haslach, des Jllchelsberges bei Ihn. ron 
flesskireb, Heudorf, Willniaudiugeu, Hausen, Niederstotziugen, .tlonibacb-Budcnheim und Wiesbaden. 

Bei Eggingen unfern Ulm lassen sich zwei Tertiär-Schichten unterscheiden , ein harter, 
Süsswasser-Conchylien einschliessender Kalkstein mit Rliinoceros ininutus und einer grösseren 
Species, die Rh. incisivus seyn könnte, dann auch mit Anoplotherium commune und dem 

Pitenntogr., »onJ ST. *■ 26 



— 192 — 

Tapirus Helvetius, worunter ein dem Gebilde v/>n Haslach anffallend ähnlicher Mergel liegt, 
welcher eine Menge Reste von Säugethieren enthält, and zwar Sppcies, welche mit denen 
von Haftlach and Weisenau übereinstimmen, 

Früher schon fand ich in der Sammlang des Herrn Finanzrath Eser zu Stuttgart ein 
Paar untere Backenzähne aus dem obern harten Kalk bei Eggingen vor, die mir die 
Gegenwart des Tapirus Helvetius in diesem Gebilde wahrscheinlich machten : auaaer Zweifel 
wurde sie durch eine linke Unterkieferhälfte gesetzt, welche Herr Gutekunst im Februar 1863 
mir mittheilte. Diese wichtige Versteinerung habe ich Taf. XXVII. Fig. 3 von aussen, Fig. 
von oben and in Fig. 5 die Symphyeal-Strecke von unten abgebildet, und in dir Tabelle 
S. 200 habe ich unter Nr. X die Ausmessungen der Backenzähne gegeben. 

Die Zahne Bind ganz geformt wie in Tapir und entsprechen dabei Tapirus Helvetius. 
Die beiden, zur Bildung von Halbmonden hinneigenden Querkämme, woraus die Zahn- 
kronen hauptsächlich bestehen, tragen die Abnutzung auf dem hinteren Abfall. Der 
von <ler vorderen äusseren Hauptspitze ausgehende Wulst zieht sich fast über die ganz« 
Vorderseite, wobei wenigstens aussen noch ein besonderer Yordcransatz angedeutet ist. Aul 
der hinteren Seite der Querkämme verlaufen schwächere Wülste. Im dritten Backenzahn ist 
schon die hintere Hälfte der Krone merklich kleiner als die vordere, aus der der erste 
Backen/ahn grösstenteils besteht. In diesem Zahn ist der in den anderen Zahnen von der 
äusseren Hauptspitze nach innen umbiegende Wulst nach vorn gerichtet und bildet den 
schärter zugehenden vorderen Theil der Krone. 

Die Krone des dritten und vierten Zahns i>t stark beschädigt; der letzte Backenzahn 
i.-t mit der "Wurzel vollständig ausgebildet, was für ein ausgewachsenes Thicr zeugt, Unter 
den hinteren Backenzähnen ergiebt der Kiefer 0,043 Höhe bei 0,02 Dicke, unter dem ersten 
erhält man 0,047, unter den folgenden etwas mehr in Folge des Drucks. Die zahn! 
Strecke zwischen Backenzahn und Eckzahn misst gegen 0,03. Von Avn Eckzähnen linden 
sich nur die Wurzeln vor, welche von aussen nach innen 0,009 und \<\\ vorn nach hinten 
0,0105 Durchmesser liefern. 

Das hintere Ende der Symphysis entspricht der Gegend de- vordem Endes der 

Backenzahn reihe, unter der vorderen Hälfte di s ersten Backenzahns lieet in ungefähr halber 

löhe ein kleines und davor, der Mitte der zahnlosen Strecke entsprechend, ein 

grö foramen mentale. Die auf letzter l ad kommende schmälste Stelle ehr Sym- 

phyi iebt 0,0235 bei nur 0,028 Höhe. Beschädigung und Druck, welchen diese vordere 

end ausgesetzf war. lassen keine nähere Angaben zu. Der hintere Theil des Unterkiefers 

brochen, doch glaubt man noch zu erkennen, dass der aufsteigende Ast hinter 

den Backenzähnen weniger rechtwinkelig sieh erhoben habe. 

Bei den Backenzähnen der Eser'schen Sammlung von Tapirus Helvetius war der 
inbruch im Forchen Wald oberhalb E eben Der eine Zahn, den ich Taf. XXVI. 



- 193 — 

Fig. 11 von oben und Flg. 12 von aussen abgebildet habe, rührt aus der rechten Unter- 
kieferhälfte her; er misst 0,02 Länge, in der hintern Hälfte 0,0115 Breite, die in der 
etwas beschädigten vorderen Hälfte 0,013 betragen haben wird; für die Höhe erhält 
man 0,009. Seine schmälere, längere Form lässt einen Milchzahn vermuthen, die schräge 
Richtung der Wurzeln und der einfache hintere Ansatz einen letzten Backenzahn , wie denn 
auch hinten keine seitliche Abnutzung wahrgenommen wird. An der Hinterseite des vordem 
Querkammes liegen zwei deutliche Wülstchen. Die Krone trägt nur schwache Abnutzung. 
• Das andere Stück der Eser'schen Sammlung besteht nur in der Taf. XXVI. Fig. 13 
abgebildeten vordem Hälfte eines Backenzahns aus der rechten Unterkieferhälfte, möglicher 
Weise von einem weiter vorn gesessenen Zahn desselben Individuums. Die Breite dieser 
Hälfte, deren äusserer Hügel stark durchgenutzt ist, beträgt 0,0125. Der Schmelz ist 
bräunlich gelb. 

Ganz ähnliche Verhältnisse wie zu Eggingen werden an einer andern Stelle in der 
Gegend von Ulm angetroffen, zu Haslach , von wo ich aus der Sammlung des Herrn Finanz- 
rath Eser in Stuttgart ausser einigen Bruchstücken zwei vollständige Backenzähne , einen 
Eckzahn und einen Schneidezahn untersucht habe, die Tapirus Helvetius angehören. 

Aus der Ablagerung zu Haslach habe ich überhaupt Reste von folgenden fossilen 
Wirbelthieren untersucht : 

Crocodil. Hyotherium medium Meyer. 
Lacerte. — Meissneri Meyer. 

Pseudopus. Microtherinm Renggeri Meyer. 

Schlange. Palaeomervx minor Meyer. 
Viele Schildkröten. — medius Meyer. 

Frosch. Talpa. 

Titanomys Visenoviensis Meyer. Sorex? coniformie Meyer. 

Myoxus obtusangulus Meyer. Cordylodon Haslachensis Meyer. 

Myoxus? spec. Meyer. Oxygomphius frequens Meyer. 
Clialicomys Eseri Meyer. — simplieidens Meyer. 

Kleiner omnivorer Nager. Mustela? brevidens Meyer. 

Khinoceros. Palaeogale (Mustela) feeunda Meyer. 
Tapirus Helvetius Meyer. 

Hienach sind Jäger's (Acta Leopold. , XXII. 2. S. 817) Angaben über den Gehalt dieser 
Lokalität zu berichtigen. Eine grosse Aehnlichkeit mit Weisenau ist nicht zu verkennen; 
doch habe ich unter der Menge von Resten , welche mir von letzterer Gegend zu Gebot 
stand , keine Spur von Tapir angetreffen , der jedoch nicht weit davon , im Litorinellen-Kalke 
bei Wiesbaden und bei Monibach-Budenheim liegt. 

Von den Backenzähnen des Tapirs von Haslach habe ich den zweiten der linken Unter- 
kiefcrlüilfte Taf. XXVIII. Fig. 10 von aussen und Fig. 11 von oben abgebildet. Er stimmt 

26* 



— 194 — 

vollkommen mit dem Zahn vom hohen Rhonen Tat. XXVIII. Fig. ft. 7 überein. Die an 
beiden Enden stark seitlich abgenutzte Krone ergiebt 0,0165 Länge, in der vordem Hälfte 
0,01.°. Breite, in der hinteren fast 0,015. 

Der andere Backensahn rührt aus der rechten Unterkieferhälfte vielleicht von dem- 
selben Individuum her. Er ist ebenfalls an beiden Enden stark abgenutzt, und nüasl bei 
0,021 I.imgc in der vordem Hälfte 0,0155. in der hintern 0,014 Breite, wonach er weiter 
hinten sass. 

Jäger (Acta Leopold., XXII. 2 S. 853. t. 72. f. 45) gedenkt eines untern IVicken- 

zahns von riaalach, der EU Tapirus Helvetius gebüren wird. Waren die Abbildungen bei 

ger nur etwa.- erträglicher, so liesse sieb eine bestimmtere Angabe machen. Die beiden 

aus dieser Ablagerung von .läger (l.c S. s.54. t. 72. f. 46. 17) unter Tapirus pusillus 

begriffenen Zahne scheinen gar nicht von Tapir herzurühren. 

Den Eckzahn habe ich Tat'. XXVI. Fig. 5 7 von drei Seiten dargestellt, Die Bach 
einsehe, tt.ooo hohe Krone misst von vom nach hinten 0,009, von aussen nach innen 0,007. 
hintere Kante ist Dicht abgenutzt, dafür die vordere um so mehr, auch bemerkt man 
seitliche Abnutzung, wodurch es sich verräth, dass er vorn mit dem hintern Schneidezahn 
otgeg _ - '/teil Kiefers in Berührung stand Die cylindrische Wurzel ergiebt 0,008 
Durchmesser. l>i>- Auasenseite ist mehr gewölbt, die flachere Innenseite Bchwach gekielt. 
Derselbe Zahn findet sieh auch bei Jäger (l. c XXII. 2. S. 854. t. 72. I. 41 — 43) abgebildet. 
der ihn dem Tapirus priscus beilegt. Es fand sich vielleicht von demselben Individuum 
der Eckzahn «1er andern Kieferhälfte vor. 

Der Schneidezahn . den ich Tat'. XXVI. Fig. 8—10 von drei Seiten abgebildel habe. 
wird der erste, innere der rechten Unterkieferhälfte seyn. Die 0,01 hohe Krone ist ol 

""11 und an der Basis 0,0075 breit, und misst hier von vom muh hinten 0,0085. Oben 

it rii ziemlich scharf, hinten, wo sie wulstig eingefasst ist, schwach napffb'rmig vertieft, 
dabei in der Mitte am stärksten autgetrieben, die obere Hälfte der Bchwach gewölbten Vor- 
derseite Bchwach eingedrückt. Die flache Wurzel misst von aussen nach innen 0,006, von 
vorn uach hinten ",ni. Von den seitlichen Abnutzungsflächen i>t die innere die Btärkere. 
Derselbe Zahn ist bei Jäger (1. c. XXII. 2. S. 855. t. 72. i 38 1") abgebildet, der ihn 
dem Tapirus priscus lioilegt. 

Vor Ablieferung des Textes /.um Druck erhalte ich Doch von Herrn Wetzler in Günz- 
bürg ein in dem dichten, festen Süsswasser-Kalk des Blicheisberges bei Ulm gefundenes 
Bruchstück der rechten Unterkieferhälfte von Tapirus Helvetius mit zwei Backenzähnen mit- 
getheilt. Der hinten, der beiden Zähne i-t vollständig mit den Wurzeln ausgebildet, aui 
der 0,018 Länge ergebenden Krone -ehr wenig, seitlich Doch gar Dicht abgenutzt. 1 • 
icheint dir erst« von den hinteren Backenzähnen zu seyn. Der Zahn davor war ein im 
lasfallen begriffener Milchzahn, von dem mir der Abdruck der Wurzeln, welche die Höhe 



— 195 — 

der Krone des dahinter folgenden Zahns einnahmen, überliefert ist. Darunter erkennt man 
ein Stück von dem schon vollständig entwickelten Ersatzzahn. Die Zähne entsprechen voll- 
kommen denen in der Taf. XXVII. Fig. 3. 4 abgebildeten Unterkieferhälfte von Eggingen. 
Die Rohnerze von Messkirch , Altstadt und Heudorf können sicherlich als ein und 
dasselbe Gebilde zusammengefasst werden. Die Wirbelthierreste , welche ich aus diesem 
Rohnerz zu untersuchen Gelegenheit erhielt, stammen von folgenden Gattungen : 

Crocodil. Hyotherhun medium Meyer. 

Trionyx. l J alaeotherium medium Cuv. 

Macroobelys. Anchitherium Aurelianensc Meyer. 

Andere Schildkröten. Pachyodon mirabilis Meyer. 

Chalicomys? Haliauassa. 

Mastodou angustidens Cuv. Cervus lunatus Meyer? 

Dinotherium Bavaricum Meyer. Palaeotneryx. 

Ehinocerus incisivus Cuv? Dorcatherium VindoboDense Meyer. 

minutus Cuv. Harpagodon maximns Meyer. 

Tapirus Helvetius Meyer. Ein kleinerer Fleischfresser. 

Das Genus Tapirus verräth sich in diesem Gebilde ganz unverkennbar an der Taf. XXVIII. 
Fig. 14 von vorn und Fig. 15 von oben abgebildeten vorderen Hälfte eines hintern Racken- 
zahne der rechten Unterkieferhälfte , welche durch ihre 0,015 messende Rreite sich den 
grösseren unter Tapirus Helvetius begriffenen Zähnen anschliesst. Für T. priscus ist die 
Rreite zu gering. Die Krone ist von Abnutzung noch ganz unberührt geblieben, und giebt 
von der bereits öfter hervorgehobenen Reschaffenheit der Tapir-Zähne ein deutliches Rild. 
Auch ist der an eine Nebenspitze erinnernde Theil hinter der vordem innern Hauptspitze 
angedeutet. Wurzeln waren noch nicht entwickelt. 

Die Tapir-artig gebildeten Rackenzähne dieses Rohneizes sind lür Tapirus Helvetius 
nicht zu gross , sie würden im Hinblick auf die am hohen Rhonen und zu Willmandingen 
gefundenen obern Rackenzähne eher klein erscheinen, und können daher weder von T. priscus 
noch von T. Hungaricus herrühren. Der an der hinteren äusseren und der vordem inneren 
Ecke etwas beschädigte, Taf. XXVIII. Fig. 16 von der Käufliche abgebildete Zahn rührt 
aus der linken Oberkieferhälfte. Von vorn nach hinten erhält man 0,01 5, von aussen nach 
innen 0,0185. Aus der Abbildung wird ersichtlich seyn , dass die Krone ganz wie in Tapir 
gebildet war. 

Dasselbe gilt lür die Taf. XXVIII. Fig. 17 ebenfalls von der Kaufläche dargestellte 
äussere Hälfte eines Rackenzahns der rechten Oberkieferhälfte, die von vorn nach hinten 
0,0155 ergiebt; der hintere äussere Haupthügel ist wie in Tapir mit einem Rasalwulst 
umgeben. 

Ein ähnlicher Zahn ist der Taf. XXVII. Fig. 17 von der KauHäche abgebildete 
Backenzahn der linken Oberkieferhälfte, woran die vordere Seite weggebrochen ist, weshalb 



- 196 — 

all' li winn Länge nicht ZU mesw D war. Für die grüsstc Breite an der hintero Hälfte erhält 
man U.Ol 7. Die Wuraelbildung und Abnuteung hatten kaum begonnen. Dieser Zahn befindet 
sich in der Sammlung des Pursten von Forstenberg bu Donauöschingen , welche reich an 
mir von Herrn Dr. Rehmann mitgetheilten Ueberreeten von Messkirch i-t. 

Die Deberreste aus dem Bohnerzgebilde von Willmandingen verdanke ich der Mitthei- 
lung des Grafen Mandelsloh im Jahr 1846. Ich erkannte nur Pachydremen: Khinoeeros 
incisivuB Cuv.?, Rh. minutus, Byotherium medium Meyer?, Anchitherium Aurelianense 
Meyer?, Tapirua nnd Equua (Hippotherium) primigenius .Meyer. 

Die Aehnlichk« ir der oberen Backenzähne von Lophiodon mit Tapir ist so gross, 

ide Genera nach diesen Zähnen leichl verwechselt werden können. Bei genauerer Yer- 
gleichung wird man indess finden, dass die Hügel, woraus in den mittleren und hinteren 
Backenzähnen die Aussenseite besteht . in Tapir weniger hoch sind als in Lophiodon . dass 
der hintere dieser Hügel .-ich in Tapir gewöhnlich etwas verkümmert darstellt, dass diese 
Hügel auf der Innenseite gewöhnlich schräger und schärfer gekielt, in Lophiodon dagegen 
eine sanftere, geradere Wölbung /.eigen, dass ferner der vordere oder dritte Hügel der 
Aussenseite in Tapir nicht ganz so stark ist, sowie dass der vordere Ansatz etwas stärker 
und der hintere Ansatz anders gebildet ist als in Lophiodon. Unter Beachtung dieser Cha- 
raktere glaube ich . dass fünf, mir von Graf Mandelsloh mitgetheilte obere Backenzähne, 
von denen drei aus der linken und zwei aus der rechten Hälfte herrühren, von Tapir 
unen. Es sind mittlere und hintere Zähne , von denen die Kronen vorliegen. 

Die Form dieser Zähne von Willmandingen entspricht überhaupt ganz dem Typus der 
Tapir-Zahne. Der starke Vorderansatz bildet an der äusseren Ecke einen an eine starke 
Nebenspitze erinnernden Titeil ; die dritte Spitze der Aussenseite, die Querkämme , von denen 
der hintere gewöhnlich der kürzere ist, veranlassen an der Innenseite höhere Spitzen als an 
der Aussenseite, an der sie mit einander verbunden sind; die Innenseite der äusseren Spit 
i>t stark schräg gekielt, die hintere äussere Spitze gewöhnlich etwas verkümmert und in 
ihrer Gegend oder zwischen ihr und der davorliegenden Spitze die Basis wulstartig auf- 
trieben. Was Bonst noch üher diese Zähne zu Baffen wäre, tässl Bich leichl ans 
Abbildungen entnehmen. Der Schmelz ist weisslich, gelblich oder zieht etw 
ins Schwärzliche. 

dem Tat'. XXVII. Fig. L8 von der Kaufläche und Fig. 1!> von vorn abgebildeten 
kleinsten dieser Zahne, einem linken, ergiebl die Krone 0,019 Länge, in der vordem Hälfte 
0,081 Breite, für die man in der hintern 0,0175 erhält; ein ähnlicher rechter Zahn 
Fat. XXV1D 0,02 Länge, in der vordem Hälfte 0,028, in der hinteren 

1215 Breite; ungefähr dieseltx Län ebl auch der linke Zahn Taf. XXVIII. Fig. 20 bei 

fast gleichförmiger Breite von 0,023, während man an einem andern weiter hinton lenen 

link«:. Zahn 0,028 Länge und in der vorderen Hälfte nicht uutci 0,0285, in der hintern '».<»-' Breite 



- 197 — 

erhält. Die Krone des fünften Zahns Tal. XXVIII. Fig. 22, eines rechten, ist 0,0205 lang, 
in der vorderen Hälfte fast 0,02 , in der hinteren 0,019 breit. Diese Zähne sind für Tapirus 
priscus nicht gross genug, für T. Helvetius aber fast zu gross; sie erinnern zunächst an 
die Zähne Taf. XXVII. Fig. 14 — 16 aus der Braunkohle des hohen Rhonen in der Schweiz, 
und es wäre daher nicht unmöglich, dass sie mit diesen Zähnen zu Tapirus Hungaricus 
gehörten. 

Ich will hier zugleich darauf aufmerksam machen , dass Jäger (Fossile Säugethieiv 
Würtemberg's, S. 31) aus dem Bohnerz von Meldungen, Salmendingen etc. in Schwaben 
Zahnfragmente und vollständigere Zähne einer grösseren Art von Lophiodon , ferner von 
Lophiodon medius , L. minutus und L. minimus anführt, die sich in Khinoceros und 
Tapirus auflösen. Zu Rhinoceros gehört auch Jägers Lophiodon inolassicus (a. a. O. 
S. 9. t. 1. f. 36) aus der Molasse von Baltringcn. Der Tapir, welchen er anführt, wird 
derselbe seyn . von dem ich von Willmandigen Zähne untersucht habe. Hieher rechne ich 
die Zähne Taf. IV. Fig. 42 — 45 bei Jäger; es sind dies obere Backenzähne, welche nach 
den Abbildungen theils von derselben Grösse, theils ein wenig kleiner sind als die Zähm 
von Willmandingen. Dasselbe gilt wohl auch von den Zähnen Tat IV. Fig. 46. 47 bei 
Jäger, der nun noch aus dem Bohnerz von Neuhausen (S. 74) oberer Backenzähne der 
kleinen und ganz kleinen Art von Lophiodon gedenkt, die wohl auch Tapir angehören 
werden. 

Aus der Molasse von Hausen bei Pfullendorf an der Andelsbach habe ich die äussere 
Hälfte eines oberen Backenzahns untersucht, der von vorn nach hinten 0,0165 Länge ergab, 
und daher für Tapirus Helvetius, dein er auch sonst entsprechen würde, nicht zu gross 
wäre. Das im Ganzen geringfügige Stück hielt ich für überflüssig abzubilden. Unter den 
Resten aus dieser Molasse erkannte ich bereits 

Schildkröten. Anchitherium Aurelianense Meyer. 

Khinoceros. Cetaceen. 

Hyotherium Meissneri Meyer. Palaeomeryx. 

Tapirus Helvetius Meyer. Amphicyon interniedius Meyer. 

Unter den Gegenständen, welche Herr Apotheker Wetzler in Günzburg mir aus der 
Molasse von Niederstotzingen im Jahr 1849 mittheilte, befand sich der Taf. XXVII. Fig. 20 
von der Kaufläche und Fig. 21 von vorn abgebildete Backenzahn der rechten l nterkiefer- 
hälfte von 0,019 Länge und 0,013 Breite, der offenbar von Tapirus Helvetius herrührt. 
Die schmälere Form der Krone lässt auf einen Milchzahn schliessen. Die Wurzel war noch 
nicht ausgebildet, aber gleichwohl die Krone schon durch Abnutzung angegriffen. 

Das Gestein ist hellerer MolasseSandstein von mittelfeinem Korn und mit Conchvlien- 
T nimmer untermengt. Es enthält von Wirbelthieren ausser Tapirus Helvetius Fische des 
Meeres, Cetaceen, Crocodil, Trionyx , mehrere Emvdiden . Rhinoceros und Palaeomeryx 



— 19* — 

pygmaeus, and die Gegenstände zeichnen sich dadurch aus, dasa sie stark abgerieben und 
m zerfressen aussehen. 

Aus dem Mittel-Rheinischen Tertiär-Kalk von Mombach-Budenheim habe ich ein zum 
Abbilden nicht geeignetes Bruchstück aus der linken Oberkieferhälfte untersucht , das eben- 
falls Tapirus Helvctius angehört Nur vom letzten Backensahn ist die- noch nicht ganz aus 
der Alveole herausgetretene Krone überliefert, welche 0,017 Länge und vorn 0,019 Breite 
i-rgiebt. Die drei letzten Backenzähne nahmen (inen Kaum von 0,046 Lauge ein. 

In demselben Gestein habe noch Reste von folgenden Wirbelthieren erkannt: 

( rocodil. Hypotherium Meissner! Meyer. 

S( hildkröten. Paiaeomeryi pygm&eos. 
'1 Species Vögel. — minor oder Seheuchzeri. 

N;iger. Stephanodon Mombachensü Meyer. 

EUtinoceros. 1 oder i Speciea Fleischfresser. 

Endlich habe ich noch des Taf. XXVIII. Fig. 18 von der Kaufläche und Fig. 19 
von aussen abgebildeten zweiten Backenzahns der linken Oberkieferhälfte von Tapir-artiger 
Bildung aus einem ähnlichen Kalke, dem Litorinellen- oder 1I\ drobien-Kalke des Salzbach- 
Thals bei Wiesbaden zu gedenken, der für Tapirus Hclvetius etwas gross, für T. priscus 
aber nicht gross genug wäre und daher von T. Himgaricus herrühren könnte. Aber auch zu 
dieser Species will er nicht recht passen, weil er nicht quadratisch geformt, sondern seine 
vordere Haltte weniger breit als die hintere und der Vonleransatz aussen mehr nach Art 
einer Spitze entwickelt ist. Besser stimmt die Länge der Krone , die aber überhaupt weniger 
breit ist als in T. Hungaricus. Line deutliche vordere seitliche Abnutzungsfläche zeigt, dass 
der Zahn kein erster war. Der Hinteransatz zieht ebenfalls um die aussen Ecke. Zwischen 
den beiden Hauptspitzen ist die Krone deutlich eingezogen, und an dieser Stelle der Innen- 
seite liegt ein Basal-Hübelchen. Der vordere Querkamm ist deutlich von dem äussern Haupt- 
hügel getrennt und etwas schräg nach innen und hinten gestellt Die Wurzelbildung scheint 
noch nicht weit vorgeschritten gewesen zu se\ n , die Abnutzung auf der Krone hatte aber 
schon begonnen. Der ^tark glänzende Schmelz i-t schwarzbraun. Vielleicht i-t es ein 
Milchzahn. 

Die aus diesem Kalke sonst herrührenden Reste gehören folgenden Thieren an : 

Schildkröten. Microtheriam ßenggeri .Meyer. 

Paiaeomeryx pygmaeus. 
— minor Meyei 

Klii' Fleischte isi 

Eiyotherium Meissneri M>-\<-r 



— 11*9 — 

Tapirus HelTetius Meyer aus der Orauukohle ntn Waitiea in ln;arn. 

Ich habe nun noch des Vorkommens von Tapirus Helvetius in der Hraimkohle von 
W siitzen in Ungarn zu gedenken. Herr Director Hörnes hatte die Gefälligkeit, mir eine ihm 
von Herrn Professor Szabo in Pesth aus dieser Braunkohle mitgetheilte fragmentarische linke 
Unterkieferhälfte zur Untersuchung anzuvertrauen , welche offenbar von einem Thier dieser 
Species herrührt. Das anhängende Gebilde ist eine schwarze Braunkohle. Von dem Kiefer 
ist nur die die Backenzähne umfassende Strecke überliefert. Das vordere Ende und der auf- 
steigende Ast sind erst in neuester Zeit weggebrochen ; ebenso die Krone des ersten und 
fünften Backenzahns Der Kieferknochen litt während des Versteinerns stark durch Druck. 

Die Reihe der Backenzähne misst 0,1 Länge, unbedeutend weniger als die Reihe der 
Alveolen im Unterkiefer von Othmarsingen Taf. XXVIII. Fig. 4. 5. Die Alveole des ersten 
Backenzahns ergiebt 0,015 Länge, 0,01 Breite; die Krone wird etwas vorgestanden und daher 
länger gewesen seyn. An der Krone des zweiten Zahns erhält man 0,015 Länge und 
0,0145 Breite, an dem dritten 0,015 und 0,015, dem vierten 0,016 und 0,0135, der fünfte 
Zahn ist weggebrochen, an dem sechsten oder letzten erhält man fast 0,02, und 0,015 in 
der vordem, 0,012 in der hintern Hälfte, wo er daher merklich schmäler war. Der erste 
Backenzahn verjüngt sich nach vorn keilförmig, und gleicht dem im Kiefer von Othmarsingen. 
der zweite und dritte sind auch noch in der vordem Hälfte schmäler, der vierte in der 
vordem schon ein wenig breiter als in der hintern. Vom foramen mentale ist nicht mehr 
überliefert als im Kiefer von Othmarsingen , auch liegt es genau an derselben Stelle. Unter 
der Mitte des zweiten Backenzahns ergiebt der Kiefer aussen 0,046 Höhe. Im Kiefer aus 
Ungarn sind die Zähne nur stärker abgenutzt, sonst ganz übereinstimmend mit den Zähnen 
dieser Species aus der Braunkohle von Käpfnach und von Eggingen gebildet. Dieselbe 
Uebereinstimmung in Grösse und Beschaffenheit besteht auch mit den Zähnen aus der 
Braunkohle vom hohen Rhonen und von Haslach, so dass über die Idendität der Species an 
allen diesen Orten , sowie über ihre Selbstständigkeit kein Zweifel seyn kann. Ich habe es 
daher auch für überflüssig gehalten, von der Untei kieferhälfte von Waitzen eine Abbil- 
dung zu geben. 



PalMontogr., Bund XV. 4. 27 



— 200 - 





Tapirus 


Tapirus 


priscus 


von Kppelsheim, 


Tapirus 

1 Iunira- 


Tapiroa] 


lelvetius. 
















""^ 




. . 


Arverneo- 




. 






o 


Othmars. 


Kggingcn, 




™" Iudicu8 " 


sis, nach 


DachKaup. 


t. -2i.. f. LA 


t.27.f. 1.2. 


t 25. f. 1. 


neus, 


t. 28. 


t. 27. 




t (Ulla. 


Croiz.Job. 








t 29. 


f. 1-5. 


f. 3 — 5. 




1. IL 


IM. 


IV. 


V. 


VI 


VII. 


VIII. 


IX. 


X. 


Untere Backenzähne. 




















Läng« <i' Beute . 


0,122 — 


0,130 


0,137 


0,1335 


— 


— 


— 


0,108 


o,lo7 


1 Länge . 


( M <2 1 , ,.l ,2D.') 


0,022 


0,0235 


1 H l-> 


— 


— 


— 


0,0165 


0,017 


•■ Breite . . . 


0,014 0.014 


— 


— 


0,013 


— 


— 


— 


— 


0,01 


2. Länge . . 


0,0185 0,024 


0,020 


0,021 


0,021 


0,0245 


— 


— 


0,016 


O..U4 


n Breite . . . 


0,016 0,017 


— 


— 


0,017 


0,017 


— 


— 


— 


0,014 


3. Länge . . 


0,019 0,024 


0,021 


0,021 


0,0205 


0,022 


— 


— 


0,016 


o.olT 


Breite . . 


0,017 0,0175 


— 


— 


0,0190 


0,015 


— 


— 


— 


0,014 


4 Länge . 


0,0205 0,025 


0,021 


0,021 


0,021 


0,0225 


— 


— 


0,0175 


0,017 


n Breite . . . 


0,017 0.018 


— 


— 


0,016 


0,0165 


— 


— 


— 


0,013 


j. Länge . . 


l l,l 122 0,026 


0,022 


0,025 


, H £ t 


0,027 




— 


0,0175 


m.oi;. 


•• Breite . 


0,017 0,019 


— 


— 


0,0185 


0,019 


— 


— 


— 


0,014 


''>. Länge . . . 


1 1,1 82 


0,021 


0,026 


0,0265 


— 


— 




0,02 


0,019 


• Breite . . . 


0,017 


— 


— 


0,0190 


— 


— 


— 


— 


0,015 


Obere Backenzähne. 




















Lange de* Leihe . 


0,13 — 


— 


— 


— 


— 


0,157 


— 


— 


— 


1. Länge . 


0,016 0,0195 


— 


— 


— 


— 


0,020 


0,0175 


0,013 


— 


•• Breite . 


0,017 0,016 


— 


— 


— 


— 


0,018 


0,015 


— 


— 


1, I. ioge . . . 


0,017 0,022 


— 


— 


— 


— 


0,021 


o.ols;, 


0,014 


— 


Breite . . . 


0,021 0,025 


— 


— 


— 


— 


o.ol':; 


0,0195 


— 


— 


3. Länge . . . 


0,018 0,023 


— 


— 


— 


— 


0,0225 


0,0185 


0,0155 


— 


„ Breite . . . 


0,022 0,027 


— 


— 




— 


1 1,( 125 


0,0225 


— 


— 


1. Länge . . . 


0,0185 «»,0235 


— 


— 




— 


0,022 


o.olsf. 


0,0145 


— 


„ Breite . . . 


0,0225 0,0245 


— 


— 


— 


— 


0,026 


0,021 


— 


— 


5. Länge . . 


0,024 


— 






— 


0,023 


0,019 


0,0165 


— 


.. Breite . 


0,0235 0.025 


— 






— 


1 1 1 125 


0,023 


— 


— 


8. Lange . . . 


0,021 0,0255 


— 


— 


— 


— 


1 >,< »25 


( ».i 12« 15 


— 


— 


„ Breite . . . 


0,025 0,026 


— 


— 


— 


— 


0,0285 


0,024 


— 


— 


7. Länge . . . 


0.021 — 


— 


— 


— 


— 


0,025 


— 


— 


— 


Breite . . . 


• >,l >2?>ö — 


"~~ 


' 


" 


^~ 


0,0285 


— 


— 


— 



B e in c r k u Dge n. 

/.w I. II. Beide Schädel befinden sich im Museum der Senckenbergiachen Daturforaehendeo 

eDecbaft zu Frankfurt am Main I, Tapirus Americanui von • i i n-i 1 1 ausgewachsenen Thier; 11. T. Indiens 

von einem jüngere Thier, dessen hintere Backenzähne noch nicht völlig entwickelt waren. Die Zähne 

ron T. Indiens müssen schon aus dem Grund gegen T. Americanua länger erscheinen, weil sie, \<>n einem 

; ii tiir<Tn Thier herrührend, dun h seitliche Abnutzung noch keine Verkürzung erfahren haben. 

Zu III. Nach Uroizel .v Jobert. Bei dem 1. Backenzahn und 0,002 in Abaug gebracht, weil 
et in clcin zu Grund liegenden Kiefer ein Milchzahn i-i und in dieser Speciei der 1 Backenzahn als 
Milchzahn 0,002 länger iai :il- Lr-.ii//iilin. 

Zu V. \'<m einem alten Thier, 

/. \ 1 \'<hi einem jungen Thier, der dritte Backenzahn i-i ein Milchzahn 

Zu VII. VIII. IX Von Tb* i l.< •> Uten 



Individuelle Abweichungen 

bei 

Testudo antiqua und Emys Europaea. 

Vou 

H e r in a 11 u von Meyer. 
Taf. XXXIII — XXXV. 



Testudo autiqua. 

Unter den in der Ebene von Engen im Hegau vereinzelt auftretenden vulkanischen 
Tuff- und Phonöiith-Kuppen zeichnet sich Hohenhöven durch das Vorkommen von fossilen 
Schildkröten in einem Gyps-haltigen Tertiär-Gebilde aus, dessen Lagerungsverhältnisse durch 
v. Althaus (Mein. soc. bist. nat. de Strasbourg, I. D. p. 1), Schill (Jahrb. f. Mineral., 1857. 
S. 28), v. Fritsch (Jahrb. f. Mineral., 1865 . S. 651) u. a. genügend ermittelt sind. Dieser 
Gyps wurde erst im Jahr 1817 nach einem Bergstürze wahrgenommen. Auf weissen Jura 
liegt Molasse-Sandstein und Xagelflue , und darauf bunter Thon und Mergel mit dem Gyps, 
der Bänke bildet und auch sonst den Thon durchzieht. 

Die Schildkröten dieses Gebildes begreift Bronn (Nova Acta Leop. Carl., XV. 2. 1831. 
S. 201. t. 63. 64. f. 2. 3) unter Testudo antiqua. Ausser den Schildkröten habe ich noch 
Reste von Palaeomeryx medius, von P. Scheuchzeri, von einem Pflanzen-fressenden Nager, 
sowie ein Zehenglied von einem grossen Pachyderm untersucht; Bronn ( S. 205) gedenkt 
aus der Fürstenberidschen Sammlung eines sehr kleinen Bruchstückes vom Oberschädel eines 
Raubthieres von der Grösse des Marders, durch eine starke Mittelnaht auszeichnet, und 
Jäger (Nora Acta Leop.. XXII. 2) nimmt überdies ürsus?, Amphicvon, Palaeomeryx minimus, 

27* 



— 202 — 

Anoplotherum commune, A. graeile und Elephas prinügenius an, die jedoch der Bestätigung 
bedürfen. Dem Elephas legt er auch das von mir untersuchte Zehengüed bei, das aber 
von diesem 'Jenus nicht herrührt. Von Conchylien koimnt eine Helix vor, welche unter 
Helix bAF inaignk Schuld, begriffen wird. 

Die beiden in der Sammlung des Fürsten von Fürstenberg tu Donauöschingen be- 
findlichen Exemplare, worauf Broun Beine Untersuchungen über Testudo antiqua gründet, sind 
noch immer die besten, welche gefunden wurden. Weniger vollständige Exemplare Insassen 
Bergrath v. Alberti, Baron Althaus, Bronn selbst, Voltz oder «las Museum eu Strassburg, 
und l>r. Schill theilte mir ein sehr zerdrücktes Exemplar von U,136 Länge mit, woran die 
vordere Gegend des Rückenpanzers mit einem Stück Unterkiefer von Palaeomeryx medius 
zusammengedrückt war. In letzter Zeit waren überhaupt 9 — 10 mehr oder weniger voll- 
ständige Exemplare und überdies eine Anzahl vereinzelter Platten, namentlich Rippenplatten, 
gefunden. 

Wie die Untersuchungen Bronn's, bo beruhen auch die meinigen, welche entern zur 
in/.ung dienen sollen, hauptsächlich auf den beiden, mir von Herrn Ilofratli Rehmann mit- 
leilten Exemplaren der Sammlung zu Donauöschingen, die ich Tai'. XXXIII in natürlicher 
j bildet habe. Die Knochenplatten und Schuppen Bind auf die von mir für das Schild- 
kröten-Gehäuse angenommene Weise (Museum Senokenbergianum , II. 1837. S. 60) bezeichnet. 

Kücken- und Bauchpanzer sind gewöhnlich noch mit einander vereinigt. Der von dem 

lause umschlossene Kaum enthält Gesteinsmasse, nichts vom Skelet. Bei den durch 

Druck erlittenen Sprüngen Und Verschiebungen war es nicht so leicht, die Umrissform, sowie 

den Verlauf der Knochennähte und die von den Schuppen hinterlasseuen Grenzeindrücke zu 

titteln. In die Abbildung ist nur das, was wirklich vorhanden ist, aufgenommen. 

Die starke Rückenwölbung, das Zusammenfallen des Grenzeindruck 9 zwischen den 
•••ii- und Raudschuppen mir der Naht zwischen den Rippen- und Raudulatten , die ab- 
wechselnd keilförmige Gestall der meisten Rippenplatten, die abwechselnd grösser und kleiner 
-ich darstellenden Wirbelplatten, weniger ausschliesslich die Verbindung des Rückenpanzers 
mit dem Bauchpanzer durch Symphysis, sind -dlist von Cuvier anerkannte Kennzeichen des 
Genus Testudo, dem daher die fossile Schildkröte auch angehören wird. 

Die Knocheninasse zeigt sich im Bruche Bch mutzig fleischfarben, sie lässt sich wir 

• •in schneiden, und löst sich in Same unter Brausen auf. Aussen ist "sie weisslich, 
wobei öhnlich mit einer sehr dünnen Lage oder Haut von bräunlichem Eisenoxyd* 

Hydrat bedeckt i-t. 

K ii c k e n pa n/ e r. 
Wie in den meisten Schildkröten, »<> ist auch bei « 1 « - 1 vorliegenden fossilen der 
panzer i Tai. XXXIII. Fig. I) zusammengesetzt au- einem vordem und hintern nn- 



— 203 - 

paariget» Theil, zwischen denen die Reihe der Wirbelplatten, deren normale Zahl 8 ist, liegt, 
und aus zwei Reihen paarigen Platten, nämlich 8 Rippen- und 11 Randplatten je auf der 
rechten und linken Seite. An sämmtlichen von mir untersuchten Exemplaren war der 
Rand am vordem und hintern Ende beschädigt; es ist daher ungewiss, ob diese Stellen 
wirklich so beschaffen waren , wie sie sich bei Bronn angegeben finden. Der hintere un- 
paarige Theil bestand ohne Zweifel aus zwei stumpf dreieckigen, mir den Basalseiten zusammen- 
stossenden Stücken , einem vordem und einem hintern, welche grosser sind als die benach- 
barten Platten und denen in Testudo gleichen. In dem Exemplar Fig. 1 werden nur 
7 Wirbelplatten gezählt, was daher rührt, das die siebente und achte Platte zu einer einzigen 
verschmolzen sind, wovon man sich an dem linken Rand dieser Platte überzeugen kann, in 
dessen ungefähren Mitte bei x eine kleine stumpfwinkelige Ecke wahrgenommen wird, welche 
die achte Platte verrät!» , und an der bei normaler Elitwickelung das innere Ende der Naht 
zwischen der siebenten und achten Rippenplatte enden würde, das nur eiu wenig weiter 
vorn liegt. Solche und, wie wir sehen werden, noch beträchtlichere Abweichungen gehören 
zu den individuellen Erscheinungen, woran der Schildkröten-Panzer reich ist, und durch deren 
Nichtbeachtung besonders der Paläontolog leicht zu falschen Schlüssen verleitet wird. 

In der Schildkröte von Hohenböven ist die erste Wirbelplatte geformt wie gewöhnlich 
in Testudo und Emys im weitern Sinne, gerundet länglich viereckig; Bronn giebt sie zu 
lang, zu eckig und vorn mit einem Ausschnitt zur Aufnahme des unpaarigen Theils ver- 
sehen an, während sie schwach gerundet in diesen Theil eingreift. Die nächstfolgenden 
Wirbelplatten sind nach dem Typus von Testudo gebildet, indem die zweite und vierte, nach 
aussen überragend, achteckig, die dritte und fünfte gerundet viereckig wie die erste, nur 
etwas kürzer, sich darstellen, wenigstens in dem Exemplar Fig. 1, während in dem Exemplar 
Fig. 3 schon mit der vierten Wirbelplatte eine von Bronn übersehene denkwürdige Ab- 
weichung beginnt, welche darin besteht, dass von hier au in den Wirbelplatten statt des Typus 
von Testudo, wozu die Schildkröte gleichwohl gehört , der Typus von Emys -ich entwickelt 
linder, du sieh die folgenden Platten nicht abwechselnd schmäler und breiter, sondern -iimint- 
iich sechseckig darstellen. 

Die Rippenplatten sind deutlich keilförmig wie in Testudo, die geradzahligen (2,4.6) 
nach aussen oder nach den Randplatten hin, die ungeradzahligen (3.5.7) nach innen oder 
den Wirbelplatten hin sich verbreiternd, wobei das breitere Ende das doppelte vom schmä- 
lern messen kann. In dem Exemplar Fig. 3 sind die Rippenplatten nicht so stark keilförmig 
als in dem Exemplar Fig. 1. 

In Fig. 1 ist die gegenseitige Lage der Rippen- und Wirbelplatten nurmal. Es liegt 
nämlich die erste Rippenplatte der ersten und zweiten Wirbelplatte, die zweite Rippenplatte 
der zweiten Wirbelplatte, die dritte Rippenplatte der zweiten, dritten und vierten Wirbel- 
platte, die vierte Rippenplatte der vierten Wirbelplatte, die fünfte Rippenplatte der vierten 



— 204 — 

fünften und sechsten Wirbelplatte , < lio sechste Rippeiiplatte der sechsten und siebenten 
Wirbelplatte, die siebente Rippenplatte der (hier vereinigten) siebenten und achten Wirbel- 
platte und die achte Kippenplatte der achten 'Wirbelplatte an. In dem Exemplare Big* 3 
da^ schieht das Zusammenliegen der drei vorderen Kücken- und Wirbelplatten nach 

dem Typus von Testudo und von der vierten Wirbel- und Rippenplatte an nach dem Typ« 
von Emys. 

* 

Die gegenseitige Lage der Rippen- und Rand platten entspricht ganz Testudo; an 
der ersten Rippenplatte liegen die erste, zweite und dritte Randplatte, an der /weiten 
Rippenplatte die dritte, vierte und fünfte Randplatte, an der dritten Rippenplatte nur die 
fünfte Randplatte, an der vierten Rippenplatte muh die fünfte, sechste und siebente Rand- 
platte, an der fünften Rippenplatte nur die siebente Randplatte , an >Ut sechsten Rippenplatte 
noch die siebente, achte und neunte Randplatte, an der siebenten Rippenplatte nur die 
neunte Randplatte und an der achten Rippenplatte noch die neunte, zehnte und elfte Rand- 
platte. Auch durch die geradlinigere Art des Zusammenliegens der Rippen- und Randplatten 
bt die fossile Speciea mehr Testudo. 

In den Grenzeindrücken der Rücken- und Seitenscbuppen , sowie in der gegenseitigen 
Lage dieser Schuppen besteht Aehnlichkeit mit Testudo und Emys. Das Exemplar Fig. 3 
zeichnet sich dadurch aus, dass der Grenzeindruck zwischen der vierten Seiten- und fünften 
Rückenechuppe nicht wie in Fig. 1 durch die achte, sondern durch den hinteren Theil der 
siebenten Rippenplatte läutt. In der gegenseitigen Lage der Seitenschuppen und Rand- 
schuppen besteht Aehnlichkeit mit Testudo, und es lallt der Grenzeindruck zwischen beiden, 
wie in dieser, mit der Naht zwischen den Rippen- und Randplatten zusammen. 

In der fossilen Schildkröte grenzt, wie in Testudo, die erste Seitenschuppe an die 
te bis fünfte Randschuppe, die zweite Seitenschuppe an die fünfte, sechste und siebente 
Randschuppe, die dritte Seitenschuppe an die siebente, achte und neunte Randschuppe und 
die \ ierte Seitenscbuppe an die neunte, zehnte und eilte Randschuppe; die Raudschuppeu 
sind dabei ebenfalls Testudo entsprechend höher, und der Grenzeindruck zwischen ihnen und 
dei, ichuppen lallt, wie erwähnt, mit der Naht zwischen den Rand- \nu\ Rippenplatten 

zusammen, während im Typus von Emys dieser Eindruck in einiger Entfernung unter di 
Nabtauftritt, und der untere Rand des Rückenpaneers, dadurch dass er in der vordem Hälfte 
as herunterhängt, weniger horizontal gebildet ist. Bronn erkannte bereits die Aehnlichkeit 

der Anordnung der Schuppen mit Testudo, namentlich mit der typischen Testudo 'iraeca. 

hauptsächlich geleitet durch eine kleine, schmale, unpaarige Schuppe am vordem Ende /.\\\- 
• h dem ersten Paar Randschuppen, die indess, wie wir später bei Emys Europaea sehen 
rden, nicht maasgebend i>t. Die zwölfte Randschuppe i-t nicht wie in Emys und vielen 

andern Schildkröten paarig, sondern stellt wie in Testudo Überhaupt 'tue einfache gross« 

Rändachuppe am hintern Ende dar. 



— 205 — 

Die von den Grenzeindrücken umschriebenen .Schuppenfelder des Rückenpanzers sind 
nicht stark gewölbt, auch ohne Nabel oder Kiel; sie besitzen zwar deutliche, aber doch 
keine auffallende Streifung mehr oder weniger parallel ihrer Grenzen, gegen die hin sie stärker 
wird. 

Bauchpanzer. 

Der Kauchpanzer besteht wie in den meisten Schildkröten aus vier paarigen und 
einer unpaarigen Platte, und die Bedeckung geschieht durch sechs paarige Schuppen, deren 
Grenzeindrücke bei der fossilen Schildkröte deutlich überliefert sind. Die Platten und 
Schuppen sind Testudo ähnlich , auch in der kürzeren Beschaffenheit des vierten Platten- 
paares, sowie des dritten und sechsten Schuppenpaares, dann auch in der stärkeren Krüm- 
mung des Grenzeindrucks zwischen dem zweiten und dritten Schuppenpaar. 

Der Bauchpanzer ist wie in den typischen Arten von Testudo auf jeder Seite mir 
fünf Randplatten, der dritten bis siebenten, durch Symphysis verbunden. Die Naht zwischen 
der zweiten und dritten Bauchpanzer- Platte bildet die Fortsetzung der Naht zwischen der 
fünften und sechsten Randplatte des Rückenpanzers. 

Bei dem einen Exemplar ist das vordere Ende des Bauchpanzers mehr stumpf und 
in der Mitte mit einem kleinen Einschnitt versehen , der Grenzeindruck zwischen der ersten 
und zweiten Schuppe liegt vor der stumpfen Seitenecke des vordem Endes ; bei dem andern 
Exemplar ist das äusserste Ende geradliniger stumpf und der genannte Grenzeindruck lie^t 
hinter der stumpfen Seitenecke. Letzterer Fall findet sich bei Bronn (a. a. 0. t. 64, f. 3), 
ersterer bei mir Taf. XXXIII. Fig. 2 abgebildet; diese Fälle zeigen, dass auch hierin Ab- 
weichungen bei Individuen derselben Species auftreten können. Sicherlich aber ist der 
Bauchpanzer von T. antiqua nicht wie in T. tabulata und T. Graeca vorn concav , und in 
diesen beiden lebenden Species liegt der Grenzeindruck zwischen der ersten und zweiten 
Schuppe hinter der Ecke des vorderen Endes des Bauchpanzers. 

Das erste Schuppenpaar des Bauchpanzers endigt in T. antiqua vor der Mitte der 
unpaarigen Platte, in T. Graeca liegt es in der Mitte, in T. tabulata vor der unpaarigen 
Platte , die dabei - von ihm nicht erreicht wird ; auch diese Kennzeichen kommen , wie wir 
später sehen weiden, als individuelle Abweichungen vor. 

Die unpaarige Platte ist sechseckig, in dem von mir abgebildeten Exemplar (Fig. 3) 
ist die vordere Fcke mehr gerundet, bei Bronn (Fig. 3) zugespitzt, wie in T. tabulata; in 
T. Graeca ist diese Platte vorn abgestumpft und daher siebeneckig. Auch dieat Kenn- 
zeichen können indess zum Werth von blos individuellen Abweichungen herabsinken. 

In dieser und den damit verglichenen beiden lebenden Schildkröten berührt der (irenz- 
eindruck zwischen dem zweiten und dritten Schuppenpaar bei seiner starken Biegung nach 
hinten die unpaarige Platte nicht. Das vierte Schuppenpaar ist im Vergleich zu den beiden 
lebenden Arten in der Mittellinie etwas länger als in der äusseren Gegend. 



— 206 — 

Bei Bronn i>t der Bauchpanzer zu lang dargestellt, hinten in der Mitte zu spitz und 
tu bef eingeschnitten; auch das hintere Ende der letzten BauchpanzersPlatte ist zu spitz. In 
meiner Abbildung habe ich versucht . Form bnd Verhältnisse richtiger aufgefaast wieder- 
geben. Bauchpanzer und Rüokenpanzer verhalten sieh hienaeh in Länge wie 7:'.'. und 
des Bauchpanzers Breite su dessen Länge wie 5:7. ungefähr wie bei dem ßüokenpanzer. 
Der Banehpanzer war daher etwas kürzer als gewöhnlich in Testudo, und in Folge dessen 
die hintere Gegend an der Unterseite weniger knöchern bedeckt. 

studo anriqua scheint nicht auf den Gyps von Hohenhöven beschrankt; icli habe 
au> den diesem Gyps altersverwandten Molns.sc - Gebilden von Reisensberg, Landestrost, 
Günzburg und Heggbach ein/eine Platten untersucht, welche eine solche Aehnlirhkeit mit 
Schildkröte von Hohenhöven zeigen, dass man kaum bezweifeln möchte, dass sie der- 
selben S angehören. Auch eine von mir früher aus dem Süeswasser-Kalk von Georgen«- 

und (Fossile Zähne und Knochen von Georgensgmttnd , 1834. S. 121. t. 10. t. 
veröffentliche Platte könnte hieher gehören, uml die dritte rechte Rippenplatte darstellen. 
Das ansehnlichste Stück aber wurde mir im März 186(i von Herrn Wetzler aus dem 
bekannten Süsswasser-Kalk von Steinheim hei Ulm mitgetheilt. Dieses Stück habe ich 
Taf. XXXIV. Fig. 1 von hinten. Fig. 2 von der rechten Seite in natürlicher Grösse abgebildet 
und auch seine untere Bandlinie in Fig. '■'• beigefügt. Es umfassl die. nicht im mindesten durch 
Druck gelittenen hinteren zwei Fünftel eines ßüökenpanzers von ganz derselben tu-össe und 

Bildung wie in der Schildkröte von Hohenhöven. und besteht iu den beiden Stücken des 
hinteren unpaarigen Theils, dem sechsten, Siebenten und achten Paar Rippenplatten und dem 

achten bis eilten Paar Randplatten mit den diesen Platten zustehenden Grenzeindrüoken ; 
die dazu gehörigen Wirbelplatten sind weggebrochen. 

Die Länge der überlieferten Strecke ergiebt 0,092 , die in die Gegend zwischen der 
achten und neunten Randplatte lallende grösste Breite 0,154, was die grösste Breite des Panzers 
Überhaupt seyn wird. Kür die Höhe erhält man in der Gegend der sechsten Rippenplatte 0,11 ; 

der Panzer hatte aber hier seine grösste Höhe noch nicht erreicht, diese lag weiter vorn. 

von de,, beiden mit der Basis zusammenstossenden Platten des hinteren unpaarigen 
rheds scheint die etwas beschädigte vordere ein wenig länger gewesen su seyn als die hintere, 
tür die man 0,089 Länge erhält, bei 0,021 Breite am hinteren schwach ausgeschnittenen, 
und 0,047 Breite am vord em horizontal begrenzten Bade, Die vordere Platte ergiebt tast 
dieselben Breiten nur umgekehrt. Die hintere Platte ist ein wenig im dir gewölbt als die 

ordere und stbest aussen oder neben an die elfte Randplatte, die vordere Platte an die 
ts Rippenplatte und vorn an die nicht überlieferte letzte Wirbelplatte. 

von der achten Rippenplatts ist das obere Pude weggebroohen j sie wird 0,05 Länge 
und am oberil Ende halb so viel Breite als am untern, wo man O.O.V2 erhält, gemessen 



— -nn — 

haben. Sie wird von dem Grenzeindruck zwischen der vierten Seitenschuppe und fünften 
Rückenschuppe durchzogen , und auf ihr oberes Ende wird etwas vom Grenzeindruck zwischen 
letzterer und der vierten Rückenschuppe gekommen seyn Sie stösst an die zehnte und 
elfte Randplatte. 

Die siebente . am obern ( Ende etwas beschädigte Rippenplatte wird 0,062 lang 
gewesen seyn. Am obern Ende erhält man 0,015, am untern 0,0125 Breite; sie war daher 
eine schmälere, die sich aufwärts oder gegen die Wirbelplatten hin nur wenig verbreiterte. 
Sie stösst eigentlich nur an die neunte Randplatte. Oben wird sie vom Grenzeindrucke 
zwischen der vierten Seiten- und vierten Rückenschuppe durchzogen. 

Die sechste Rippenplatte verbreitert sich gegen die Randplatten hin , vorn erhält man 
0,081, hinten 0,065 Länge, am obern schwach gerundeten Ende 0,023, am untern 0.035 
Breite. Unten stiess sie an die neunte, an die achte und noch ein wenig an die nicht 
überlieferte siebente Randplatte. Sie wird in der ungefähren Mitte vom Grenzeindruck 
zwischen der dritten und vierten Seitenschuppe durchzogen und am obern Ende vom Grenz- 
eindruck zwischen diesen beiden Seitenschuppen einerseits und der vierten Rückenschuppe 
andererseits. Für die mittlere Stärke dieser Platte erhält man 0,005.* 

Die achte Randplatte ergiebt vorn 0,048 , hinten 0,0445 Höhe , oben 0,023 , unten 
0,029 Breite. Der Grenzeindruck zwischen der achten und neunten Randschuppe fällt mehr 
in die vordere Plattenhälfte. 

An der neunten Randplatte erhält man vorn 0,044, hinten 0,037 Höhe, oben 0,025, 
unten 0,026 Breite; der Grenzeindruck zwischen der neunten und zehnten Randschuppe fällt 
auch hier wieder mehr in die vordere Hälfte der Platte. 

Die zehnte Randplatte behauptet eine ungefähr gleichförmige Höhe von 0,035, bei 
einer oben 0,02 . unten 0,026 betragenden Breite. Der Grenzeindruck zwischen der zehnten 
und elften Randschuppe lallt nur ein wenig mehr in die vordere Hälfte. 

Die elfte Randplatte misst oben 0,014, unten 0,04 Länge, vorn 0,034 Höhe, hinten 
spitzt sie sich durch Abnahme nach der Oberseite hin aus. Der Grenzeindruck zwischen der 
elften und zwölften Randschuppe fällt in das vordere Drittel der unteren Länge. 

Die zwölfte Handschuppe ist unpaarig; sie ergiebt, bei 0,0395 Höhe, oben 0,049, 
unten 0,078 Breite oder so viel als die elfte, zehnte und neunte Randschuppe zusammen 
Breite messen. 

Die Grenzeindrüeke zwischen den Seiten- und Randschuppen fallen , wie bei Testudo. 
in die Naht zwischen den Rippen- und Randplatten, und der in dieselbe Zone fallende Grenz- 
cindruck zwischen der fünften Rücken- und zwölften Randschuppe in die Naht zwischen den 
beiden, den unpaarigen Theil zusammensetzenden Stücken. Diese Grenzeindrücke sind gegen 
Testudo antiqua von Hohenhoven auffallend stark, auch sind die Platten gegen die von 
letzterem Ort. welche deutliche Streifung zeigen, auffallend glatt, was von Abnutzung der 

Paluontogr . Band XV, 4. 28 



— 208 - 

i>bt-rtiache herrühren könnte, die an den Versteinerungen von Steinheim bisweilen vorkommt 
Dann i-t auch der Hinterrand dc< unpaarigen Theils Bohwach concav, in der Schildkröte 
von Hohenhöven eher convex. Da indeaa die Platten auf ganz dieselbe V\ italtel sind, 

auch die Grenzeindrücke denselben Verlauf nehmen, und da überdies die Grösse der Thiere 
und das Alter der Gebilde übereinstimmen, so wird man, berechtigt Beyn, so lange wenig- 
OS den Panaer von Steinheim der Testudo anthjua beizulegen, bis Merkmale aufgefunden 
Beyn werden, welche diese Vereinigung wieder aufzuheben verlangen. 

Zur näheren Bezeichnung des Alters des Süsswasser-Ealkes von Steinheim führe ich 
di< Wirbelthiere an, welche ich mit Ausnahme der Fische daraus untersucht habe. 

Lagomya (Myolagua) Meyeri Tschudi. Palaeomeryx minor Meyer, 

sfyoxus. — eminena .Meyer. 

Cricetua. Parasorex Booialie Meyer. 

Maatodon. Palaeomephitis Steinheimenais Ji _ 

Rhinoceroe minutua Cuv. Teatudo aqtiqua Bronn. 

Liatriodon splendene Meyer. ocjil 

\on den Platten aus den anderen Gebilden will ich nur erwähnen, dass ich von 
Landestrost und Heggbach Bandstücke des hinteren unpaarigen Theils von derselben Grösse 
untersucht habe, deren hinteres Ende in demselben Grad schwach convex war. als es sich 
in der Schildkröte von Steinheim schwach concav darstellt, und die daher mehr auf die 
Schildkröte von Hohenhöven herauskommen. Dasselbe ist bei einem solchen Kandstiick von 
Günzburg der Fall, das aber fast nur halb so gross ist. In allen diesen Schildkröten war 
die letzte Randschuppe übereinstimmend unpaarig. Bei Beisensberg und Heggbach verrät h 
sich diese Schildkröte auch durch die achte Bandplatte, die nur etwas grösser, deutlicher 
quer gestreift und mit einem weniger stark ausgeprägten Grenzeindruck als in der Schildkröte 
von Steinheim versehen ist, und daher auch hierin mehr auf die Schildkröte von Hohen- 
höven herauskommen würde. 

Im»» Europaea. 

Die individuellen Abweichungen, welche ich an dem Panzer der fossilen Testudo 
antiqua hervorzuheben hatte, erinnern mich an die Beobachtungen, welche ich vor bereits 
30 Jahren über eine Reihe ähnlicher Abweichungen an Panzern unserer lebenden BmVS 
Bnropaea , die aus den wohl der historischen Zeit angehörenden Torfmooren der Gegend 
von Frankfurt am Main und von Dürheim im Baden'scheii herrühren, angestellt habe. Bei 
ihrer Wichtigkeit für den Paläontologen verdienen sie wiederholt in Erinnerung gebracht 
zu werden. Sie beziehen sieh überdies auf Kennzeichen , von denen man noch immer glaubt. 
gewissen Genera und selbst ganzen Familien von Schildkröten ausschliesslich 

DStttnden, Während lie doch, wai man kaum lür möglieh gehalten hatte, in gar nicht mit 



— 200 — 

einander verwandten Schildkröten typisch rein entwickelt auftreten, und daher zu einer blos 
individuellen Bedeutung herabsinken können. Daher ist es auch zu entschuldigen , wenn 
man Individuen, welche diese Erscheinungen an sich tragen, in Species oder Genera gebracht 
hat , denen sie gar nicht angehören , oder sie für neue Genera oder Species zu erklären 
versucht war. 

Zwar habe ich mich über diese Abweichungen , wie gesagt , schon vor Jahrzehnten 
ausgesprochen, die Schrift aber, worin es geschah (Museum Senckenbergianum , II. 1837. 
S. 47. t. 5. 6) erlangte nur wenig Verbreitung, und es fehlten ihr auch die zur Erläuterung 
dienenden Abbildungen . welche ich daher hier nachzutragen nicht unterlassen will. 

In eben erwähnter Abhandlung (Museum Senckenbergianum, II. 1837. S. 62) habe 
ich aus dem Torfe von Enkheim bei Frankfurt einen sehr gut erhaltenen Rückenpanzer von 
Emys Europaea Tat V. Fig. 1 von unten mit dem Bauchpanzer, Fig. 2 von oben, Fig. 3 
den Bauchpanzer von innen und Fig. 4 die beiden Panzer zusammen im Profil in natürlicher 
Grösse mit allen Nähten zwischen den Platten und den Eindrücken der Schuppengrenzen 
dargestellt. Tat'. XXXV. Fig. 3 vorliegender Schrift giebt denselben Rückenpanzer von oben 
und Fig. 4 den dazugehörigen Bauchpanzer von unten in halber Grösse wieder. 

Der Rückenpanzer ist 0,15 lang, 0,124 breit und 0,06 hoch, mithin etwas länger 
als breit und kaum mehr als die halbe Breite hoch. Für den Bauchpanzer erhält man 
0,137 Länge und 0,089 Breite. Von dem Rande des Rückenpanzers steht vorn in der 
.Mitte eine kurze Stelle, eine kleine unpaarige Randschuppe tragend, vor, hinten ist der 
Band flach concav abgestumpft. 

Die Wirbelplatten entsprechen in Form der typischen Emys und demungeachtet die 
Rippenplatten nicht Emys, sondern ganz entschieden dem Typus von Testudo ; sie sind nicht 
parallelrandig, sondern keilförmig, indem die zweite, vierte und sechste nach dem Rande hin, 
die dritte und fünfte nach den Wirbelplatten hin sich verbreitern , wobei gleichwohl die 
Rippenplatten mit den Wirbelplatten und Randplatten wie in Emvs zusammenliegen, und daher 
auch sämmtlich an ihrem oberen oder inneren Ende Emys-artig zugeschnitten erscheinen. 

Der hintere Theil des innern Endes der fünften rechten und das innere Ende der 
achten linken Rippenplatte besteht je aus einem besonderen Knochenstück , welches bei der 
fünften Rippenplatte etwas in die sechste Wirbelplatte , und bei der achten Rippenplatte eher 
noch stärker in die achte Wirbelplatte eingreift. 

Ein kleinerer Rückenpanzer von Enkheim ergab 0,138 Länge, 0,112 Breite und 0,047 
Höhe. Es ist daran besonders die vordere unpaarige oder Nackenplatte bemerkenswerth, 
deren nur wenig vorstehender mittlerer Endtheil nicht gerundet, sondern sehr deutlich ein- 
geschnitten sich darstellt, wodurch der kleinen Randschuppc , welche diesen Theil bedeckte, 
ein gabelförmig gespaltenes Ansehen verliehen ward. Ich habe diese Platte im Museum 

28* 



— 210 — 

ickeiibergianum , Tal. V. Fig. 5 abgebildet Dieser Einschnitt in der lütte dea vor- 
dem Endes kommt öfter vor; ihn besitzen auch die Taf. XX.W . Fig. 1 and _ dar» 
»teilten Panzer von Dürrheim; während er anderen Exemplaren Belbsl aus demselben Torf 
lieh fehlt. 

Später erst erhielt ich au- dem Torfe von Enkbeira einen grösseren Rückenpanaer, 

der sieh besondere durah Breite auszeichnet, welch«' nicht viel von «1er Länge übertreffen 
wird. Ich habe ihn Taf. XXXV. Fig. 5 und den damit vorgefundenen Bauchpanzer Fig. 6 
in halber I largestellt Auch fand sich der Schädel dabei vor. Der Rückenpanaer 

ist theilweise noch mit den Schuppen bedeckt i welche) wie in der Lebenden Spec 
auf dunklem Grunde hell gefleckt sind. 

Bei Veranschlagung der Druckwirkung ergieht sich für die Länge des Panzers 0,156, 
tiir die Breite < >. l 17. Die kleine Convexität in der Mitte des Vorderrandes Bteht nicht vor. 
das hintere linde ist flach coneav. Wie in dem zuerst beschriebenen Panzer von Enkheim 
sind die Wirbelplatten Emys-artig, die Hippen Testudo-artig. Die hintere innere Ecke 
der fünften linken Kippenplatte besteht au> einem tiefer in die sechste Wirbelplatte ein- 
ifenden, überzähligen Knochenstüok , in der fünften rechten Rippenplatte sogar aus ewei 
solcher Stücke, einem innern, dem ein kleines - Stuck anliegt Die siebente Wirbel' 

platte zerfällt in zwei fast gleiche Hälften, einer rechten und einer linken, an die hinten 
ein grosses unpaariges, hinten spitz zugehendes Stück stösst, von dem es ungewiss gelassen 
werden muss . ob es noch zur siebenten oder schon zur achten Wirbelplatte gehört, die, 
wenn letzteres der lall seyn sollte, ausserdem noch aus vier paarweise geordneten, nicht 
ganz gleichen, mithin aus fünf Plattenstücken bestehen würde. 

Diese, man mochte es nennen Zersplitterung der hinteren Wirheiplatte war nicht 

ohne störenden Einfluss auf den Verlauf des Grenzeindruckes zwischen der vierten und 
fünften Rückenschuppe , der nicht allein kurzer ist und schräg verläuft, sondern auch einen 
stumpfen, mit der Spitze nach vorn gerichteten Winkel beschreibt, was natürlich auch auf die 
Form der beiden, in diesem Kindruck sieh begrenzenden Schuppen seyn musste. 

Der dazu gehörige Bauchpanzer (Fig. 6) ist kaum kürzer als der Rückenpanzer ; er 
ergieht 0,156 Länge hei 0,102 Breite in der mittlem Gegend, und stellt sich daher etwas 
schlanker als d^r Bauchpanzer der zuerst beschriebenen Schildkröte von Enkheim heran-. 
Zwischen diesen beiden Schildkröten bestehen aber noch andere Abweichungen, welche 
cht für Kennzeichen verschiedener Speoies gehalten werden konnten, und die ioh daher 
hervorheben will. In dem grösseren Bauchpanzer (Fig. 6) ist im Vergleich zum kleineren 
(Fig. i) das vordere Ende ehei schmäler und das hintere breiter, welches in letzterem 
Pansat deutlieh, in eraterem, der daher hinten stumpfer erscheint, not unmerklich ein 

tten sich darstellt Auffallender ist die Abweichung, welche die unpaarige Platte 



- 211 - 

darbietet, die in dein grösseren Panzer eine nach vorn spitz zugehende Bechseckige, im 
kleineren Panzer eine auffallend stumpfere , mehr achteckige Form darstellt , wobei die 
Grenzeindrüekc zwischen der ersten und zweiten Schuppe in dem grösseren Panzer mit dem 
vordem Drittel, in dem kleineren im Mittelpunkt der unpaarigen Platte endigen. Eine 
andere auffallende Abweichung besteht im Verlauf der Grenzeindrücke zwischen der fünften 
und sechsten Schuppe, welche in der kleineren Schildkröte spitzwinkelig nach vorn, in der 
grösseren mehr quer und schwach nach vorn gewölbt verlaufen, was zur Folge hat, dass in 
ersterer diese Eindrücke mit dem ersten Sechstel, in Letzterer mit dem ersten Drittel des 
vierten Plattenpaars endigen. Fände sich daher die unpaarige Platte von den beiden Schild- 
kröten vereinzelt, so würde man versucht sevn . sie verschiedenen Species beizulegen: 
dasselbe würde geschehen, wenn nur die vierte Bauchpanzer-Platte vorläge. 

Die übrigen von mir vorzuführenden Exemplare sind eine Auswahl der im Torf zu 
Dürrheim im Grossherzogthume Baden gefundenen Panzer derselben Schildkröten-Species. 
Einen der schönsten Kiiekenpauzer habe ich Fig. 8 in halber Grösse dargestellt. Aus der 
früher schon gegebenen Beschreibung (Mus. Senckenb.. II. S.63) hebe ich folgendes hervor. 
Länge 0,169. Breite 0,134, Höhe 0,065; von schön stumpf ovaler Form 
Vorder- und Hinterende gehen ein wenig über den Rand hinaus, was mit dem 
schmalen Randtheil , welcher in der Mitte des vordem Endes die kleine unpaarige Schuppe 
trägt, der Fall nicht ist: das hintere Ende ist deutlich spitz eingeschnitten. Die vier vor- 
deren Wirbelplatten sind von denen einer ächten Testudo nicht -zu unterscheiden, was auch 
für das innere Ende der drei vordem Kippenplatten beiderseits und der vierten und fünften 
rechten gilt, während die vierte und folgenden linken Emys-artig sich darstellen. Die Kippen- 
platten sonst sind mehr parallelseitig oder gleichbreit, wodurch sie an Emvs erinnern, doch 
ist das vierte und fünfte Paar keilförmig, und zwar umgekehrt wie in Testudo, indem das 
vierte Paar nach innen und das fünfte nach aussen sich verbreitert, worin dieser Panzer 
sogar auch von den anderen Exemplaren von Emys Europaea mit keilförmigen Kippenplatten 
abweicht. Die etwas kurz sich darstellende fünfte Wirbelplatte ist an der rechten Seite 
Testudo-, an der linken Emys-artig ausgebildet und besteht gleichwohl nur aus einem einzigen 
Knochen; die sechste Wirbelblatte ist Emys-artig ; zwischen ihr und der siebenten liegen ein 
Paar kürzere, in der Mitte sich nicht berührende, überzählige Knochen, von denen der 
rechte der grössere; sie greifen in eine mehr nach Art der achteckigen gebildeten Platte 
ein, welche die siebente, gewöhnlieh die kürzeste Platte wäre, und sich hier auch noch 
durch Grösse auszeichnen würde. Hierauf folgt die achte Wirbelplatte, sonst die längste, 
welche schmal war, und an der hinten etwas mehr links ein überzähliges Knochenstück 
liegt, das in sie und zugleich in die achte linke Rippenplatte und den hintern unpaarigen 
Theil eingreift. 



- 212 - 

Auch io den Hucken- und Seitenschuppen liegen Eigentümlichkeiten. Der Grenz* 
eindrack swischen der /weiten und dritten Rückenschuppe ist noksackf örmig , und >tatt 
die dritte Wirbelplatte in der Mitte oder * hinteren Hälfte zu durchlaufen, gehört er 

entlich dem hintern Ende der zweiten an; er befindet sieh wohl auf der dritten Rippen- 
platte, greift aber dabei auch zu beiden Seiten winkelförmig in die zweite ein, die er bei 
normaler Bildung ganz meidet. Selbst in Testudo durchzieht dieser Grenzeindruck aus- 
schliesslich die dritte Wirbelplatte , und es fällt diese Abweichung bei der Schildkröte aus dem 
Torf um bo mehr auf, da bei ihr gegen andere Exemplare die dritte Wirbelplatte doch ganz 
nach Art von Testudo gebildet ist. Her Grenzeindruck zwischen der dritten und vierten 
Rückenschuppe durchzieht, ohne Störung zu zeigen, nahe der .Mitte die hintere Hälfte 
vierten Rückenplatte, in der typischen Emys Europaea und Belbst in Testudo die hintere 
Haltte dir fünften, und lie^t daher um gut eine Wirbelplatte weiter vorn, wobei er von einer 
Wirbelplatte getragen wird, welche ganz mit den achteckigen in Testudo übereinstimmt, von 
denen keine einen solchen Grenzeindruck darbietet. Eine Folge der Lage dieses Grenz- 
eindrucks weiter vorn hätte nothwendig eine längere vierte Rückenschuppe seyn müssen, 
die auch wirklich besteht, aber nur in der linken Hälfte, während die rechte Haltte die j 

hnliche <in'i.-H einhält, mit einer unregelraässig trapezförmigen überzähligen Schuppe im 
. welche /wischen der vierten und fünften Rücken- und vierten Seitenschuppe aut- 
tritt; dabei durchzieht die linke Hälfte des Grenzeindruckes zwischen der vierten und fünften 
Rüchenschuppe die siebente und die rechte Hüllt, die sechste Wirbelplatte, 

Es i-t ferner hervorzuheben, dass der Grenzeindruck zwischen der zweiten und dritten 

benschuppe auf die dritte, dir Grenzeindruck zwischen dir dritten und vierten Seiten- 
schuppe auf die fünfte und der Grenzeindruck zwischen der vierten Seitenscbnppe und der 
fünfte Rückenschuppe auf die siebente Rippenplatte zu liegen kommt, während in Emys und 
wohnlich die vierte, sechste und achte Rippenplatten es sind, welche von besagten 
Grenzeindrücken durchzogen sieh darstellen, Die fünfte oder letzte Rückenechuppe lallt in 
Schildkröte von Dürrheim noch durch ungewöhnliche Breite auf. 

Die hintere Hälfte des Rückenpanzers scheint für solche l nregehnüssigkeiten beson- 
• empfänglich, die. sich noch auffallender an dem Fig. '•• in halber Grösse dargestellten 
Panzer von Dürrheun zu erkennen geben. Es derselbe Panzer, welchen ich früher 

schon (Mus. Senckenb., II. S. "'i. t. <;j veröffentlich! habe. 

An dieser schön ovalen Schildkröte erhält man 0,149 Länge, 0,118 Breite und 0,05 
Höh.. Der 'I heil in der Mitte des Vorderrandes, weicher die kleine Schuppe trug, stellt 
unmerklich vor, das hintere Ende i>i nur überaus schwach eingeschnitten. Die Wirbel- 
l>latten hinter dn- fünften smd verlorn Im Kaum, diu sie hinterliessen, verräth 

ne übrigen eine unregelmässig Bildung besassen . die auch auf du' 



— 213 — 

hintere unpaarige Platte überging. Das überzählige Plattenstück zwischen den beiden ersten 
Wirbelplatten und den beiden ersten linken Kippenplatten könnte man als eine Abtrennung 
der hinteren inneren Ecke von der ersten Rippenplatte deuten ; eben so auch das überzählige 
Plattenstück zwischen der dritten und vierten Wirbelplatte und dritten und vierten rechten 
Rippenplatte , und das überzählige Plattenstück zwischen der vierten und fünften Wirbel- 
platte und der vierten und fünften linken Rippenplatte. Die Unregelmässigkeiten lassen 
für die Platten überhaupt den typischen Charakter von Emys durchscheinen , nur dass die 
rechte wie die linke achte Rippenplatte sich nach innen ausspitzen und daher mit keiner 
Wirbelplatte eine Naht bilden konnten. Auch darin besteht eine Abweichung, dass die erste 
Rippenplatte noch an ein Stück von der vierten Randplatte stösst , wodurch zugleich die 
dritte Randplatte von dem in den anderen Exemplaren wahrzunehmenden Zusammenliegen 
mit der zweiten Rippenplatte gänzlich ausgeschlossen ist. Es liegen also hier an der ersten 
Rippenplatte vier , an der zweiten zwei Randplatten , während gewöhnlich auf je eine dieser 
Rippenplatten drei Randplatten kommen. 

Noch auffällender sind die Abweichungen, welche die Schuppen darbieten. Was in 
dem zuvorbeschriebenen Exemplar nur als ein überzähliges unregelmässiges Stück Schuppe 
erschien, tritt hier als eine wohl ausgebildete Rückenschuppe in die Reihe ein und hatte auch 
eine überzählige Seitenschuppe zur Folge; es finden sich dahier in dieser Schildkröte sechs 
Kücken- und fünf Seitenschuppen , statt fünf und vier, vor, und zwar in der linken Panzer- 
hälfte so regelmässig ausgebildet , dass man glauben sollte , dies wären die normalen Zahlen, 
was doch keineswegs der Fall ist. 

Der Grenzeindruck zwischen der ersten und zweiten Rückenschuppe zeigt den ge- 
wöhnlichen Verlauf. Der Grenzeindruck zwischen der zweiten und dritten Rückenschuppe 
kommt zwar auch auf die dritte Wirbelplatte, die linke Hälfte aber in deren Mitte, und mit 
der rechten zieht er schräg hinterwärts, die hintere Hälfte der Platte nicht verlassend. Der 
Grenzeindruck zwischen der dritten und vierten Rückenschuppe liegt statt in der hinteren 
Hälfte der fünften Wirbelplatte mit seiner kürzeren linken Hälfte im Niveau der Naht 
zwischen der vierten und fünften Wirbelplatte, und durchzieht mit der rechten Hälfte schräg 
letztere Platte bis zur Naht zwischen dieser und der sechsten Wirbelplatte, wodurch die 
rechte Hälfte der vierten Rückenschuppe sehr gedrückt erscheint. Gleichwohl läuft der 
Grenzeindruck zwischen der vierten und fünften Rückenschuppe wieder mehr quer; die 
Y\ irbelplatte, welche er durchzieht, ist nicht überliefert, es wird die achte seyn, wobei aber 
seine äusseren Theile nicht dem achten sondern dem siebenten Paar Rippenplatten zusteht. 
Der Grenzeindruck zwischen der fünften Rückenschuppe, welches die überzählige seyn wird, 
und der sechsten kommt auf das vordere Stück des hinteren unpaarigen Theils, den er 
schräg von der linken zur rechten hinterwärts durchzieht , wobei die linke Hälfte der fünften 
Schuppe fast nur halb so lang als die rechte ist. Die letzte Schuppe, hier die sechste, ge- 



— 214 - 

wohnlich aber die Fünfte, erscheint daher kurz, und durch die schräge vordere Begrenzung 
in «1er rechten Hälfte zusammengedrückt 

In den Grenaeindrücken zwischen den Seitenschuppen besteht nicht weniger Eigen- 

thüinlichkeit. Der Eindruck /.wischen der eisten und zweiten Seitenschuppe kommt BWBf 
auf die zweite Elippenplatte, aber nur rechts auf deren hintere Hallte, links auf die \ ordere. 
Zwischen der zweiten und dritten Seitenschuppe läuft dieser Eindruck links, statt durch die 
hintere Haltte der vierten Elippenplatte, durch die hintere Hüllte der dritten, rechts kommt 
/war richtig auf die vierte Elippenplatte, die er aber Bohräg durchzieht, so dass das 
Stück dieses Eindruckes in die Naht zwischen dieser und der fünften Elippenplatte 
fallt Der Grenzeindrack zwischen der dritten und vierten Seitenschuppe durchsieht links 
die hintere Haltte der fünften Elippenplatte, welche gewöhnlich mit einem solchen Kindruck 
nicht verachen ist. wie dies auch hier rechts der Fall ist. Dafür ist wenigstens die sechste 
linke Elippenplatte, welche einen solchen Eindruck tragen sollte, frei davon, indem der 
Grenzeindrnck zwischen der vierten und fünften Seitenschuppe an dieser Seite auf die Mitte 
der siebenten, gewöhnlich von einem solchen Eindruck befreiten Elippenplatte kommt: an 
der rechten Seite läuft dieser Eindruck durch die hintere Hallte der siebenten Rippenplatta 
Der Grenieindruck zwischen der fünften Seite und der Bechsten Rückenschuppe kommt links 
auf die achte Kippeiiplatte aul 'ähnliche Weise wie in den normalen Exemplaren, rechts aber au 

Elippenplatte, Bondern auf den hinteren unpaarigen TheiL Während, wie erwähnt. 
die linken huppen, ungeachtet der einen überzähligen, sehr regelmässig geformt sind. 

Bind dafür die rechten, etwa mit Ausnahme der beiden ersten, verzerrt, namentlich die 
dritte, und die fünfte zeichnet >ich durch Kleinheit aus. Für das Aultreten von überzählig 
Schuppen ist dies wohl einer der wichtigsten Panzer. 

Eil der überzähligen Rücken- und Seitenschuppen besteht darin, dass <li< 

n/.' indrücke zwischen je zwei Seitenschuppen nicht zu denselben Raodaohuppen wie in 
den gewöhnlichen Exemplaren führen. Die Abweichungen hierin, welche leicht heraus- 
zufinden sind, entsprechen denen im Exemplar Fig, 8, welches sich zwar auch durch eine 
Rückenschuppe auszeichnet, dii aber freilich noch unentwickelt ist; von einer 
erzähligen Seitenschuppe ist bei dieser Schildkröte gar nichts wahrgenommen, wiewohl 
ii. wie im Exemplar Fig. '.' , die dritte, fünfte und siebente Elippenplatte mit einem Gnu» 
Irnck zwischen den Seitenschuppen versehen ist, der in den gewöhnlichen Exemptarea dei 
n und achten Rippenplatte zusteht 
Der noch mit diesem Rückenpanzer Buaammenliegende Ehuchpanser ergiebt 0,121 
Längt und 0,088 Breite \u< unpaarige Platte gehl ähnlich dem Elauchpanaer Fig. 6 vom 
oketförmig ra, während d bintere Bälfte längsoval Bioh surundet. Die Greaa* 

dem srstea und zweiten Schuppenpaar tpiteen sieh hinterwärts mehr 



— 215 — 

gerundet, und zwar vor der Mitte der unpaarigen Platte auf derselben aus, und der 
Grenzeindruck zwischen dem fünften und sechsten oder letzten Schuppenpaar bildete 
keinen nach vorn gerichteten Winkel wie in Fig. 4, sondern läuft eher noch gerader quer 
als in Fig. 6, woher es auch rührt, dass das letzte Schuppenpaar verhältnissmässig kurz 
erscheint. Das hintere Ende des Panzers hält in Betreff des Einschnitts das Mittel zwischen 
den beiden eben<:enannten. 

Der Rückenpanzer Fig. 7, derselbe, den ich im Museum Senckenbergianum (S. 69) 
unter No. III aufgeführt habe, zeichnet sich durch eine schlankere, vorn und hinten schön 
gerundet ovale Form aus , welche in der vorderen Hälfte seitlich etwas eingezogen erscheint, 
was die Zierlichkeit erhöht. Man erhält 0,148 Länge, 0,105 Breite und 0,047 Höhe. Die 
mittlere Stelle am vordem Ende, welche die kleine unpaarige Schuppe trug, steht nicht vor, 
und das hintere Ende ist nur schwach eingeschnitten. Die Wirbelplatten sind nach Einys- 
Art gebildet. Von Störungen bemerkt man nur, dass von der Naht zwischen der fünften 
und sechsten Wirbelplatte die linke Hälfte weiter vorn, die rechte weiter hinten liegt; und 
von überzähligen Stücken greift hinten in die letzte Wirbelplatte ein längliches Plattenstück 
ein , das auf eine kürzere Strecke sich auch in den hinteren unpaarigen Theil begiebt. 

Die Rippenplatten sind nur an dem innern Ende, womit sie in die Wirbelplatten 
eingreifen, Emys-artig geformt, sonst aber so stark keilförmig, wie ich sie bei keiner Em\s 
kenne; es sind wie in Testudo die Platten zwei, vier, sechs, welche nach aussen, und die 
Platten drei, fünf, welche nach innen sich verbreitern, und zwar meist so stark, dass das 
breite Ende noch einmal soviel misst als das schmale. Eine Störung in dem normalen 
Zusammenliegen der Rippen- und Randplatten wird hiedurch nicht veranlasst. 

Zahl, Form und Vertheilung der Rücken-, Seiten- und Randschuppen wie in Emys. 

Der Bauchpanzer gehört zu den hinten gerader abgestumpften und misst 0,126 Länge 
bei 0,077 Breite. 

Der Fig. 2 in halber Grösse von oben dargestellte Rückenpanzer besitzt eine runder 
ovale und stumpfere Form , wobei er überhaupt kürzer und platter ist. Man erhält für ihn 
o,141 Länge, 0,113 Breite und 0,044 Höhe. Die Mitte des Vorderrandes steht nur wenig 
vor; der Theil, welcher die kleine unpaarige Schuppe trug, ist stark eingeschnitten, wie 
der vordere unpaarige Theil , den ich im Museum Senckenbergianum abgebildet habe (t. 5. f. 5) 
und dessen ich auch oben (S. 209) gedachte. Dagegen ist der Hinterrand nicht auffallend 
eingeschnitten. Man zählt nur sieben Wirbelplatten ; eine Platte ist daher nicht zur Entwickelung 
gelangt, und es wird dies die gewöhnlich kürzere, siebente seyn. Zwar greift zwischen der 
fünften und der ihr folgenden Wirbelplatte zu beiden Seiten ein Plattenstück ein, welche beiden 
Stücke jedoch weniger als die der Länge nach unterbrochenen Hälften einer normalen Wirbelplatte 
gedeutet werden können, weit eher als die hinteren, inneren, abgerundeten Ecken des fünften 

l'alaeontor., Band XV. 4. 29 



— 216 - 

Kippenplatten-Paars < v^l. Fig. 3). Die letzte Wirbelplatte ist mich hier die längste, und das 
mit ihr öfter verbundene überzählige Stück tritt, wie in Fig. 3. zwischen ihr. der achten linken 
Rippenplatte und dem hinteren unpaarigen Theil auf. Die Wirbelplatten sind im Games 
BmyB- artig beachaffen. Für sie wfire etwa noch hervorzuheben , dass die vierte an der 
S ite einen Fortsatz zwischen die dritte Wirbelplatte und dritte Rippenplatte ent- 
sendet, an eine ähnliche, jedoch weit schwächer gebildete bei der sechsten Wirbelplatte 
des Panzere Fig. 7 erinnernd. Die Rippenplatten sind nur schwach keilförmig; das siebente 
BT liegt vollständig mit der letzten Wirbelplatte zusammen. 

Der Verlauf der Eindrücke, welche die Grenzen der Schuppen bezeichnen , ist normal. 
Die häutigen Schuppen sind theilweise noch überliefert. 

Der Banchpanzer ergiebt 0,13 Fänge und 0,076 Breite. 

Ein merkwürdiger Panzer ist auch der Fig. 1 in halber Grösse dargestellte, auf den 
ich ebenfalls trüber Bchon die Aufmerksamkeit lenkte (Mus. Senck., II. S. 71), ohne jedoch 
von ihm eine Abbildimg gegeben zu haben. Das vordere Ende ist in der Mitte ähnlich 
hnitten wie in dem Panzer Fig. 2, und im Verlauf dieses Einschnitts erscheint die 
kleil i wohnlich unpaarige Schuppe paarig. Auch das hintere Ende ist kaum tiefer 
eingeschnitten, nur ist es ein wenig stumpfer. Für diesen Kückenpanzer erhält man 
0,14.2 Länge, 0,111 Breite und 0,045 Hohe. Wie Fig. 2 zählt er nur Bieben Wirbelplatten, 
welche überdies auffallend gebildet sind. 

Die erste Wirbelplatte greift vorn stumpfwinkelig in den unpaarigen Theil ein. und 
mit der grösseren hinteren Hälfte tief keilförmig in die folgende Wirbelplatte; es Btössl an 
sie nur die erste linke I tippenplatte, und zwar vorn mit einer kurzen Strecke. Die zweite 
Wirbelplatte ist nicht nur vorn gegabelt, sondern durch eine in der Fortsetzung des Einschnittes 
liegende Längsnaht in eine Bchmälere linke und in eine breitere rechte, sonst ähnliche 
rmte Bälfte getheilt An sie BtOSS( links der grÖSSte Theil der ersten und zweiten. 
rechts die erste, zweite und noch ein Theil von der dritten Kippenplatte. Die dritte Wir- 
belplatte ist eine kürzen/: sie liegt der vorhergebenden mehr geradlinig au. greift aber hinten, 

stumpfwinkelig in die folgende Wirbelplatte ein. An sie BtöSSl links ein Theil der zweiten 

und dritten und rechts die dritte Rippenplatte nur /.um Theil. Die vierte Wirbelplatte ist 
langer, und zwar geformt wie m Eines, dabei aber an den vorderen Ecken Stärker ab- 
gestumpft, und zur Aufnahme der Vorsitzenden Platte mit ausgeschnitten, in Vc.rd- rrande 

nahen i hintan bildet sie mit der folgenden Platte eine gerade Qnernaht; >li. Platte ist 

.iber nicht wie die zweite längSgetheilt An sie Btossen, wie in F.mys an die vierte Wirbel- 
platte der Reihe, befdaweiti die dritte und vierte Kippenplatte. Die folgende Wirbelplatte, 
- de- funlte wäre, ist noch kürzer als die dritte: ihr. • I Unterseite geht, ähnlich wie in 
der dritten, stumpfwinkelig zu. und die Platte stusst aussen beiderseits . wie die normale 



- 217 — 

fünfte Wirbelplatte, au die Rippenplatte 4 und 5 , freilich nur auf eine kurze Strecke. Die 
folgende Wirbelplatte gleicht in Länge und Form der vierten und dadurch der zweiten, dass 
sie der Länge nach durch eine Naht in zwei Hälften zerfällt. Vorn ist sie stark stumpf- 
winkelig ausgeschnitten. Zwischen ihr uund der dahinter folgenden letzten liegt auch nicht 
die mindeste Andeutung einer anderen Wirbelplatte, so dass sie daher den Raum der 
sechsten und siebenten einnimmt. Links liegen mit ihr die fünfte und sechste , rechts die 
fünfte , sechste und ein kleiner Theil von der siebenten Rippenplatte zusammen , wie dies 
in anderen Exemplaren bei der sechsten und siebenten Wirbelplatte zusammengenommen der 
Fall ist. Die letzte Wirbelplatte erreicht die Länge der zweiten nicht , sie ist nach der ersten 
die schmälste und verschmälert sich in der hinteren Hälfte noch mehr. An sie stösst links 
ein Theil der sechsten und die ganze siebente und achte Rippenplatte , rechts nur die 
siebente und achte , erstere nicht einmal ganz. Die zweite , dritte und sechste Rippenplatte 
ist deutlich nach Art von Testudo keilförmig. 

Die Art des Zusammenliegens der Rippen- mit den Randplatten ist normal ; was auch 
für die Zahl, Form und gegenseitige Lage der Rücken-, Seiten- und Randschuppen gilt, 
mit Ausnahme der Grenzeindrücke zwischen je zwei Rückenschuppen , deren abweichende 
Lage hauptsächlich in Zusammenhang mit den Abweichungen in den Rippenplatten stehen 
wird. Zwischen der ersten und zweiten Rückenschuppe führt der Grenzeindruck richtig durch 
die hintere Hälfte der ersten Wirbelplatte , zugleich aber durch die beiden Schenkel der 
Gabel, womit die zweite Wirbelplatte die erste hinten umschliesst ; die rechte Hälfte des 
Eindruckes beschreibt dabei einen nach hinten gerichteten Bogen. So kommt von dem 
Grenzeindruck zwischen der zweiten und dritten Rückenschuppe nur der mittlere Theil auf 
die dritte Wirbelplatte, die beiden Seiten mit einer ebenfalls starken Biegung hinterwärts 
auf die vierte. Gerader verläuft der Grenzeindruck zwischen der dritten und vierten Rückeu- 
schuppe ; in den normal gebildeten Exemplaren durchzieht er die hintere Hälfte der fünften 
Wirbelplatte, hier dagegen die vordere Hälfte der zwischen der letzten und der fünften 
liegenden Platte, welche dafür von einem Grenzeindruck frei ist. Der Grenzeindruck 
zwischen der vierten und fünften Rückenschuppe durchzieht richtig die letzte Wirbelplatte, 
und zwar mit einem stark nach vorn gerichteten Bogen. Die Grenzen der übrigen 
Schuppen verlaufen normal. 

In einem von mir nicht abgebildeten Panzer von 0,143 Länge, 0,115 Breite und 
0,048 Höhe ist die unpaarige Stelle vorn in der Mitte nicht, das hintere Ende aber ziemlich 
breit eingeschnitten Die Wirbelplatten zeigen in Zahl und Beschaffenheit keine Abweichung. 
Nur liegt zwischen der siebenten und achten oder letzten Wirbelplatte eine geringe über- 
zählige Platte, und zwischen der letzten Wirbelplatte, der letzten Rippenplatte und dem 
hinteren unpaarigen Theil eine grössere überzählige Platte, doch ohne dass dadurch auf- 
fallende Störungen veranlasst worden waren. Die Rippenplatten berühren sich mit parallelen 



- 218 — 

Seiten wie ein Emvs, und auch an den Schuppen wird keine Abweichung wahrgenommen; 
nur li;it 88 den Anschein , als ob die zweite Rückenschuppe der Länge nach zweitheilig 
gern i äre. 

Ich gedenke nun noch eines Rückenpanzers aus dem Torfe von Dürrheim, der, von 
einem jüngeren Thiere herrührend, 0,113 Länge, 0,099 Breite und 0,045 Höhe besitzt, 
woiui'-li man glauben sollte, dass die Jugend einen verhältnissmässig höher gewölbten Rücken 

be.-ässe als das ausgewachsene Thier. Der Panzer ist breit oval, vorn eher etwas coneav. 
Die acht Wirbelplatten, Emys-artig geformt, waren einander ähnlicher in Grösse. Zwischen 
der letzten Wirbelplatte und der siebenten und achten Rippenplatte tritt eine kleine über- 
zählige Platte auf, und die letzte Wirbelplatte war längs getheilt. Die Iüppenplatten zeigen 
parallele Seiten. Es besteht nur die geringe Abweichung, dass die Nähte zwischen der 
zweiten und dritten Rippenplatte und zwischen der vierten und fünften Randplatte in der- 
ii verlängerten Linie liegen, woher es auch rührt, dass die zweite Rippenplatte nur 
aal zwei statt auf drei Randplatten stösst. Die Schuppen bieten überhaupt keine Ab- 
weichung dar. 

Der 0,113 lange und 0,068 breite Bauchpanzer ist theilweise noch mit den häutigen 
Schuppen bedeckt. 

Nach dieser Auseinandersetzung kann daher in Emys Europaea, und /war in den 
lebenden wie in den aus dem Turf herrührenden Exemplaren , der auf die Mitte des vordem 
Endes kommende Theil , welcher zwischen dem ersten Paar Randschopperi eine kleine, Bchmale 
Schuppe trägt, vorn entweder gerundet oder mehr oder weniger tief eingeschnitten seyn. 
und dabei die gewöhnlich unpaarige Schuppe, wenn sie in der Längsmitte von einem 
Grenzeindruck durchzogen ist, paarig erscheinen. Auf diese Abweichungen haben ein 
Forscher geglaubt, Varietäten und selbst Species gründen zu Bollen, während s'u Bich bei 
einer und derselben Species nachweisen lassen, und hier weder mit dun Alter noch mit 
d.-in Geschlecht (sexus) in Verbindung stehen, Bondern rein individueller Natur sind. Am 
hinteren Ende des l'anz'-rs besteben Abweichungen m der Form und Stärke des Einschult- 
die im Ganzen nur gering sind. 

Eine grossere Zahl wirklicher Platten als. die normale habe ich nicht beobachtet, 
wohl aber eine geringere, namentlich bei den Wirbelplatten nur 7 statt 8 (Fig. l. 2), 

Das Auftreten überzähliger Platteostücke , welche keinen Anspruch auf eigentliche 
Platten haben, ist häufiger als man vertnuthet hatte. Diese Erscheinung wird einigermaassen 
daraus erklärt . da-- die Plattenbildung überhaupt in den Schildkröten nicht dem inneren 
Knocbenskelett angehört, sondern denn Hautskelett. Bei Sphargis oder der Ledcrschildkröte 
tritt diese Knochenbildung als ein aus polygonalen Stücken von unbestimmter Zahl zu- 
Munmei r, mit dem inneren Knochenskelet nicht verschmolzene) Panzer auf, In den 



— 219 — 

von mir bei Emys Europaea beobachteten Fällen begegnet man den überzähligen Stücken 
hauptsächlich zwischen den Wirbelplatten , so wie zwischen diesen und den Rippenplatten ; sie 
erscheinen also vorzugsweise in der Rückengegend und selbst hier meist in der hinteren 
Panzerhälfte. Auch verdient es Beachtung, dass ganz dieselben Fälle sich öfter Aviederholen. 
und einigen darunter eine gewisse Gesetzmässigkeit nicht abzusprechen ist, so dass man an 
Zufälligkeit bei dieser Erscheinung kaum glauben möchte. Es giebt Fälle , wo die über- 
zähligen Stücke sich als eine Abtrennung von benachbarten Platten betrachten lassen , die 
aber jedenfalls eine ursprüngliche ist und nicht erst später durch Einwirkung von äusserer 
Gewalt oder durch Krankheit veranlasst wurde. 

Häufig tritt ein überzähliges Knochenstück am hintern Ende der letzten Wirbelplatte 
auf, wo es entweder seitlich (Fig. 2. 3) oder mehr hinten (Fig. 8) liegt, und auch in diese 
Platte hinten in der Mitte eingreifen (Fig. 7) kann; auch kommt es vor, dass die letzte 
Wirbelplatte aus mehreren kleineren Platten zusammengesetzt ist (Fig. 5). 

Ueberzählige Plattenstiicke nur zwischen je zwei Wirbelplatten scheinen eben so selten, 
wie solche , die nur zwischen je zwei Rippenplatten liegen ; sie treten gewöhnlich zwischen 
je zwei Wirbel- und zwei Rippenplatten auf (Fig. 2. 3. 5. 8 rechts, 9), selten zwischen 
zwei Wirbelplatten und einer Rippenplatte ( Fig. 8 ) oder zwischen zwei Rippenplatten und 
einer andern überzähligen Platte (Fig. 5 rechts) ; und wohl zu den seltensten Fällen gehört 
es, dass eine Wirbelplatte aus einer Gruppe kleinerer Platten besteht (Fig. 5), welcher Fall 
von dem verschieden ist, wo Wirbelplatten aus zwei Hälften zusammengesetzt sind (Fig. 1). 

Ich habe noch hervorzuheben , dass die überzähligen Plattenstücke entweder nur ver- 
einzelt (Fig. 3. 7) oder abwechselnd an der rechten und der linken Seite (Fig. 9) , oder paarweise 
zugleich rechts und links (Fig. 2. 5. 8) wahrgenommen werden; ihr Auftreten zu mehreren 
befolgt daher eine gewisse Ordnung. Dass bei diesen Abnormitäten überhaupt eine an Gesetz- 
mässigkeit grenzende Ordnung besteht, wird auch deutlich au dein Fig. 1 dargestellten 
Panzer erkannt, wo unter den Wirbelplatten die geradzahligen die grössern und vorn tief 
ausgeschnitten sind , und von diesen die zweite und die sechste in zwei Hälften zerfallen, 
während die dazwischen liegenden aus einem Stück bestehen. 

Die auffallendste Erscheinung bei Platten ist wohl die, wo Wirbel- und Rippenplatten 
entweder zugleich, oder nur die eine oder die andere Plattenart, den Typus von Emys ver- 
läugnend, nach dem Typus einer ganz andern Familie, von Testudo, auftritt, ohne dass die 
Schildkröte sonst Zeichen an sich trüge , wonach sie in dieses Genus oder auch nur in 
eine andere Species von Emys zu bringen wäre. Auch diese Erscheinung, bei der man 
sagen könnte , die Natur spotte gleichsam unserer Systeme , ist , was man kaum glauben sollte, 
rein individuell. Für diese Abweichung bei den Wirbelplatten ist der Panzer Fig. 8 überaus 
bezeichnend. In ihm ist die vordere Hälfte der Reihe derselben ganz wie in Testudo ge- 
bildet, was auch für die an sie stossenden Enden der Rippenplatten gilt, während doch gerade 



— 220 — 

dieses Exemplar es ist , dessen Rippenplatten sonst am wenigsten an Testudo erinnern. 
Gerade in den Exemplaren , worin die Wirbelplattcn und das innere Ende der Rippenplattcn 
mit F.tnvs iilu -rcinstimmcn (Fig. 2. 3. 5. 7), sind die Kippenplatten sonst auf eine Weise 
keilförmig, wie sie kaum auffallender in einer ächten Testudo wahrgenommen werden. Wie 
in Testudo, so sind es die Rippenplatten 2. 4. 6 , welche nach aussen und 3.5, welche nach 
innen sich verbreitern ; nur im Panzer Fig. 8 liegt der umgekehrte Fall vor , indem die 
Platten 3 und 5 nrn-h aussen und 4 nach innen sich verbreitern, und es hat dies um so 
mehr aufgefallen, als es gerade der Panzer ist, dessen Wirbelplatten rein nach dem T\ pus 
von Testudo geformt sich darstellen. 

Bei den Schuppen sind Abweichungen im Ganzen seltener als bei den Platten ; die 
bedeutendste ist offenbar die , dass eine Rückenschuppe und eine Seitenschuppe mehr aut- 
tritt. Im Pan/er Fig. 8 erscheint nur erst die eine Hälfte von einer überzähligen Rocken- 
seboppe zwischen der vierten und fünften, die im Fig. 9 vollständig vorliegt, und von einer 
überzähligen rechten und linken Seitcnschuppe begleitet ist. In den meisten von mir unter- 
suchten Panzern werden die Grenzeindriicke zwischen den Seitenschuppen und zwischen der 
Seitanaohuppe und der letzten Rückenschuppe von den geradzahligen Rippenplatten 2. 4. 6. 8 
getragen; nur in den Panzern Fig. 8 und 9, und zwar in erstcrem von den Rippcnplattcn 2. 
3.5. 7 und in letzterem von denselben Platten und noch von der Platte 8 , wobei es auffällt. 
dass diese Erscheinung gerade bei den beiden Panzern mit überzähligen Schuppen sich ein- 
stellt, l'ie Wii beiplatten, auf welche der Grenzeindruck zwischen je zwei Rückenschuppen 
fällt, sind 1. 3. 5. 8 ; in dem Panzer Fig. 1 mit den eigenthiimlii lien Wirbelplatten ist 5 
von einem solchen Eindruck frei, der dafür auf die folgende, wohl die sechste Wirbet 
platte fiel. Im Panzer Fig. 8 mit der Andeutung einer überzähligen Rückenschuppc tragen 
diese Eindrücke die Wirbelplatten 1. 2. 4. (i oder 7, eine Abweichung . welche an dem 
Passer nicht wahrgenommen wird, der eine Rücken- und Seitensclmppe mehr zählt. 

Von der kleinen Schuppe am vordem Ende ist anzuführen , dass sie gewöhnlich ein- 
fach aultritt , dann auch paarig, eine rechte und linke Hälfte darbietend, und dass sie wohl 
auch ganz, fehlen kann. 

Wie schwer es bisweilen ist, die Bedeutung oder den Werth eines Kennseiebens her- 

aaszufinden , ergiebf sich auch aus Leidy's Untersuchungen über die Schildkröten aus dem 

Tcrtiar-Gcbildc von Xebrasca (Proceed. Acad. nat.Sc Philad. - Ancient Fauna nf NYhrasca, in 

Smithsosnaa «'ontrib. , VI. p. 108. t. 19 — 24; — in Owens Geolog. Survey of Wisconsin. 

•2. p. 567. t. 12). 

Diese Schildkröten vertheilt l.eidy anfangs iti eine Specfes Styl o s ay a und in vierSpeoi - 

l.im«.. später ma<-ht er ebenso viel Speoies, fünf, Testudo daraus und zulet/.t reveinigJ S1 

nammtli« h in <lie eine Speoies Tettudo Nebraacensjii Wenn auch die Annahme von 

nur sioet Speoies das richtigere SOyn mag, so fragt es sich doch, ob das Genus richtig u- 



- 221 — 

mittelt ist. In allen diesen Schildkröten kommen nach den Abbildungen die Wirbelplatten 
ganz entschieden auf Emys heraus , mit Ausnahme von Testudo Culbertsoni , wo die erste, 
zweite und dritte dem Typus von Testudo, die übrigen dagegen Emys folgen. Von' einer 
solchen Beschaffenheit scheint indess nur ein Individuum vorzuliegen, denn die Abbildungen 
in der Fauna von Nebrasca und bei Owen stellen offenbar dieselbe Versteinerung , in dem 
einen Werke durch den Spiegel, in dem andern nicht durch den Spiegel gezeichnet, dar. 
Die eigenthiimliche Bildung der Wirbelplatten in Testudo Culbertsoni wird daher nur eine 
individuelle Abweichung seyn , ganz ähnlich der, welche ich bei Testudo antiqua (Taf. XXXIII. 
Fig. 3) nachgewiesen habe. Es ergiebt sich alsdann , dass wir bei den unter Testudo Ne- 
brascensis vereinigten Schildkröten eine Wirbelplatten-Bildung wie in Emys , Emys Europaea 
als Typus betrachtet, anzunehmen haben. Die kleine überzählige Platte, welche Leidy bei 
Tcstudo Nebrascensis im engern Sinne zwischen der achten Wirbelplatte und dem hinteren 
unpaarigen Theil wahrgenommen , findet sich auch bei der unter Testudo Culbertsoni aus 
demselben Gebilde begriffenen Schildkröte angegeben, und es wird ihr keine weitere Bedeutung 
als die einer überzähligen Platte beizulegen seyn. 

Den typischen Emyden widersprechend, geschieht in diesen Schildkröten die Verbin- 
dung des Bauchpanzers mit dem Rückenpanzer durch Symphyse. Mehr noch gegen Emys 
spricht, dass wie in Testudo der Grenzeindruck zwischen den Seiten- und Randschuppen mit 
der Naht zwischen den Rippenplatten und den Randplatten zusammenfällt; die Rippenplatten 
neigen durch ihre abwechselnd keilförmige Gestalt mehr zu Testudo, was auch öfter als indivi- 
duelle Erscheinung bei Emys wahrgenommen wird; die Rippenplatten und Wirbelplatten liegen 
ganz wie in Emys zusammen; die Wölbung des Rückenpanzers ist für Testudo etwas schwach 

Bei einer solchen Beschaffenheit ist es allerdings schwer anzugeben, in welches Genus 
die Schildkröten von Nebrasca gehören ; leichter würde die Entscheidung seyn , wenn der 
Schädel und die Füsse gefunden wären. An diesen Formen überzeugt man sich wieder, mit 
wie wenig Sicherheit sich aus einzelnen Charakteren auf das ganze Thier schliessen lässt. 
Diese Schildkröten gehören wohl eben so wenig zu den typischen Emydiden als zu den typi- 
schen Testudiniden. 

Ohne den Umfang zu kennen, den die individuellen Abweichungen einnehmen, läuft 
man Gefahr, wie z. B. bei Emys Europaea, selbst vollständige Panzer einer andern Species, 
oder einem andern Genus beizulegen. Liegen nur einzelne Platten oder Panzer-Bruchstücke 
vor, so ist die Gefahr noch grösser, indem man leicht veranlasst werden kann , Stücke von 
einem und demselben Individuum mehreren Genera oder Species , selbst Schildkröten ver- 
schiedener Familien zuzuerkennen. Man wird hieraus ersehen , wie überaus wichtig das 
Studium der Individuen zumal für den Paläontologen ist , der es bei seinen Untersuchungen 
meist nur mit Bruchstücken zu thun hat. 



U e b e r 

fossile Eier und Federn. 

Von 

Hermann von Meye r. 
Taf. XXX VI— XXX VI II. 



Fossile Eier. 

Den Eiern ist erst in neuester Zeit eine wissenschaftliche Seite abgewonnen worden. 
Um das Studium der Oologie haben sich J. Fr. Naumann und Ludw. Thienemann besonders 
verdient gemacht, letzterer dadurch, dass er sich als Mittel der Unterscheidung der Krystal- 
lisation oder des Kernes der Oberfläche der Schale bediente. Thienemann glaubt im Stande 
zu seyn , an den Eiern die Species der Vögel zu erkennen , von denen sie herrühren. Er 
will gefunden haben, dass ächte Species sich hinlänglich durch ihre Eier von einander unter- 
scheiden ; und wo eine Verschiedenheit zwischen Eiern nicht aufzufinden ist, da hält er auch 
die Vögel, von denen sie herrühren, nicht für specifisch verschieden. Dieser Ansicht pflichtet 
L. Brehm nicht bei, und wohl mit Recht; denn es giebt lebende Vögel-Species, deren Eier 
in keinerlei Weise von einander verschieden sind. Ehr noch mögen die Eier bei Feststellung 
des Genus einigen Vortheil gewähren, doch ist auch hier Vorsicht nöthig, da die Erfahrung 
ergiebt, dass selbst gute Genera ähnliche Eier legen. Mit den Nestern verhält es 
ebenso. Aus der Art, wie das Nest gebaut ist, lässt sich nicht immer das Genus erkennen, 
und die Nester ähnlicher Species sind bisweilen auffallend verschieden. 

In dem Prachtwerke: „Die Eier der Europäischen Vögel nach der Natur gemalt von 
Fr. W. J. Bädeker, mit einer Beschreibung von L. Brehm und "W. Paessler", das sich auf 
die Eier Europäischer und in Europa acclimatisirter Vögel beschränkt, sind Form und Färbung 

P»laeonto»r., Bd. XV. .'.. 30 



- 224 - 

der Eier mit grosser Treue wiedergegeben ; um so mehr ist es daher zu bedauern, dass die 
genannte Kristallisation der Eierschale unberücksichtigt gelassen wurde. Die Abbildungen 

in diesem Werke sind ganz geeignet, sieh' zu überzeugen, mit wie wenig Sicherheit sieh aus 

• Inem Ei auf die Species oder das Genus schliessen lässt. 

Die Bestimmung der fossilen Eier ist ungleich schwerer als die der lebenden, schon 
18 dem Grande, weil dabei die Färbung und Krystallisation nicht immer zu Hülle genominen 

werden können. 

Die genaue Ermittelung des Vogels nach seinen Eiern wird auch noch durch die 
Abweichungen erschwert, welche die Eier einer und derselben Species unter einander dar- 
bieten. Es ist nur zu wahr, was das Sprichwort besagt, dass kein Ei dem andern gleicht. 
Selbst bei wilden Vögeln , wo der Einfluss der Domesticitiit wegfallt , können die Eier einer 
Species grösser und kleiner, stumpfer und spitzer und auch in der Färbung so sehr ver- 
schieden seyn , dass man Gefahr läuft, Eier derselben Species sogar verschiedenen Genera 
beizulegen. Die Bestimmung fossiler Eier, namentlich solcher, von denen man weiss, dass 
ihre Form verschiedenen Vögeln zusteht, ist daher selbst bei den besten Htilfsmitteln und 
den genauesten Kenntnissen selten ganz zuverlässig. 

In den Sammlungen, zumal den altern, begegnet man bisweilen Nestern, die mit den 
Eiern und dem befiederten Thier incrustirt sind. Es sind dies keine Versteinerungen, sondern 
Machwerke, welche ihre Entstehung kalkhaltigen Quellen verdanken , denen die Gegenstände 
eine Zeit lang ausgesetzt wurden. Es sind mir auch Eier initgetheilt worden , welche man 
• her für fossil halten könnte. Diese sind von den Eiern unserer Hühner, Gänse und Enten 
nicht verschieden ; sie bestehen nur in Steinkern , in der Ausfüllung des von der Schale 
umschlossen gewesenen Baumes. Die Masse ist ebenfalls aus kalkhaltigem Wasser abgesetzt, 
was an und für sich kein Beweis gegen die Fossilität der Eier wäre , fände man nicht bis- 
■ n an diesen künstlichen Steinkernen Andeutungen von den kleinen Löchern, die angebracht 
wurden, um die Eier auszublasen; auch kommt es vor, dass an solchen Steinkernen noch 
etwas von dem Papier haltet, womit eins der beiden Löcher vor dem Aussetzen der aus- 
geblasenen Eier in kalkhaltiges Wasser zugestopft war. 



I mi \oil \ <>i;<-lii IIIIK .l.i.i >I;iiii/.i l< rli;n -Ite. I. < II. 

Der auf einer grosseren wissenschaftlichen Expedition ins Innere von Australien ver- 
unglückte, fiir Naturwissenschaft sehrthätig gewesene Maler L. Becker aus Darmstadt gelaugte 
während -'Ines früheren Aufenthaltes zu Mainz in Besitz zweier fossilen Eier aus dem Lite- 
rinellen-Kal <■ der Gegend des benachbarten Weisenau, die er auch beschrieben und abgebildet 
l.ai (Jahrb. für Mineral., 1849, S. 69, t. 3). Bald nach ihrer Veröffentlichung hatte hYcker 



— 29 



220 



die Gefälligkeit, mir diese Eier mitzutheilen. Ich fand die Abbildungen nicht hinlänglich 
genau, namentlich zu spitz ausgefallen, was mich zu einer nochmaligen Veröffentlichung 
bestimmte, die nunmehr hier folgt. Es sind dies die ersten wirklichen Vogeleier aus dem 
Mainzer Tertiär-Becken, allerdings eine grosse Seltenheit. Dem Vernehmen nach sind sie in 
die Sammlung des Brittischen Museums zu London gekommen. 

Das grössere der beiden Eier, Taf. XXXVIII. Fig. 32, wurde bei Weisenau selbst 
gefunden. Es ist stumpf oval, von 0,049 Länge und 0,0355 Breite. Die Schale ist ge- 
sprungen , an der einen Seite eingedrückt und in der Nähe des spitzeren Endes mehr quer 
gebrochen. Es lässt sich schwer entscheiden, ob wirklich Schale oder nur Steinkern vorlie°t, 
und ob das unter der Lupe hervortretende Korn der Kristallisation der Schale angehört. 
Die Farbe, ein dunkleres Grau, ist nicht die ursprüngliche des Eies, sondern vom umgebenden 
Gestein veranlasst, und die Ausfüllung besteht in einem festeren gelblichen Kalkmergel. 

Dieses Ei vergleicht Becker (a. a. O. S. 69. t. 3. f. 1. 2) dem des Amerikanischen 
Wasserhuhns (Fulica Americana). Die stumpf ovale Form erinnert an die kleineren Eier 
unseres Haushuhns. Form und Grösse stimmen auch noch mit den Eiern anderer, sehr ver- 
schiedener Vögel überein ; so gleicht das fossile Ei z. B. dein im Bädeker'schen "Werke 
Taf. V. Fig. 3 rechts abgebildeten stumpferen Ei von Recurvirostra avocetta L., dem Ei des Avosett- 
Schnäblers ; dem kleineren der beiden in demselben Werke Taf. XXIX Fi"-. 3 abgebildeten 

' DO 

Ei von Lyrurus tertrix Swains. (Tetrao tertrix L.), dem Ei des Birkhuhns ; es erinnert selbst 
an gewisse Falken, doch scheint es eher von einem Tauben-, Hühner- oder Trappen-artigen 
Vogel als von einem Raubvogel herzurühren. Eine genauere Ermittelung des Vogels nach 
der allein der Untersuchung zugänglichen Form des Eies wird kaum gelingen. 

Das kleinere Ei , Taf. XXXVIII. Fig. 3 1 , fand sich in demselben Gebilde nicht weit 
von Weisenau, mehr gegen Laubenheim hin. Es ist auffallend kleiner und spitzer, 0,0215 
lang und 0,0155 breit. Es besteht nur aus dem Steinkern, der die Form des Eies sehr genau 
w iedergiebt. Das Gestein ist dasselbe wie bei dem vorigen Ei, nur dass es weniger Conchylien- 
Reste enthält. Nach dem spitzeren Ende des Eies hin findet sich späthiger Kalk ausgeschieden. 
Von der graulichen Rinde des zuvorbeschriebenen Eies wird nichts wahrgenommen. 

Nach Becker (a. a. O. S. 71. t. f. 4) nähert sich die Form mehr dem Ei des Goldammers 
(Emberiza citrinella L.). Ich finde das fossile Ei etwas spitzer als in dieser und in andern 
Emberiza- oder Ammer-Arten. Eben so gut passt es zu Picus minor L. , besser noch zu 
Schönicola pyrrhuloides Bonap. (Emberiza pyrrhuloides Pall.) , dem Sumpfammer; auch zu 
Aedonops tluviatilis Brehm , dem Fluss-Rohrsänger ; zu Chlorospiza chloris Bonap. (Loxia 
chloris L.), dem Grünfink; zu Pyrrhula vulgaris Briss. (Loxia vulgaris L.), dem Roth-Gimpel ; 
zu Loxia curvirostra L., dem Fichten-Kreuzschnabel; zu Laxicola stapazina Koch (Motacilla 
stapazina Gmel.), dem weisslichen Steinschmätzer; zu Erythacus rubecula Cuv. (Motacilla 
rubecula L. ) , dem gemeinen Rothkehlchen ; zu Acentor modularis Cuv. ( Motacilla 

30* 



- 226 - 

modularis L.), der Garten-Braunettc ; zu Dendronanthus arboreus Blyth (Alauda trivialis L.), 
dein Baum-Pieper; zu Anthus pratensis Bechst. (Alauda pretensis L.), dem Wiesen-Pieper; 
zu Anthus rufigularis Brehin, dem rothkehlfchen Pieper, und zu anderen Anthus-Arten ; woraus 
sieh auch für dieses kleinere fossile Ei die Unmöglichkeit einer scharfen Bestimmung des 
1 niius ergiebt. 

Nach Bonaparte's Ansicht (Compt. rend, XLIII. 1856. p. 775) würde das eine der beiden 
Eier von Weisenau, die er wohl nur aus Beckers unzulänglicher Veröffentlichung kennt, 
am meisten mit dem von Fulica übereinstimmen, das andere dem Cynchramus miliarius Bonap. 
*:ch nähern. Der Tertiär-Kalk von Weisenau ist eine der reichsten Fundgruben für fossile 
Rette* von Wirbelthieren, mit denen ich seit 1838 beschäftigt bin, und unter denen ich auch 
viele Vögel verschiedener Grösse und Art nachgewiesen habe, freilich nur nach vereinzelten 
Knochen, die bei der mangelhaften Kenntniss des Knochen-Skelets der lebenden Vögel auf 
die Gattung schwer zu bestimmen sind. Darunter werden die Vögel zu vermuthen seyn, 
von denen die demselben Kalke angehörigen Eier herrühren. 

Aehnliche Tertiär-Gebilde wie das zu Weisenau lieferten auch in Frankreich fossile 
Vögeleier. Aus dem tertiären Lacuster-Mergel der Limagne (Puy-de-Döme) gedenken de Laizer 
und Jobert (Ann. sc. nat., XV. p. 419, XVII. p. 91) wohlerhaltener Eier von Vögeln, von 
denen 15 Stück gefunden seyn sollen. In Gestalt und Grösse kämen sie auf die unserer 
Hausvögel heraus; sie besässen 0,05 — 0,08 Länge. Selbst die Schale habe sich .erhalten, 
liese sey hellgelb oder dunkelbraun, meist zerbrochen und mit demselben Gestein, wie das, 
worin die Eier liegen, angefüllt. Es fand ferner Croizet in diesem Mergel ein Ei , welches sich 
bei Gervais (Paleont. Zoolog. Franc., p. 236. t. 51. f. 6) abgebildet findet. Eine Beschreibung 
wird nicht versucht. Nach der freilich wenig genauen Abbildung erinnert dieses, wie es 
scheint, an beiden Enden beschädigte Ei durch die ziemlich regelmässig lang ovale Form a n 
Ana«, namentlich an Anas lüsca L. (Oidemia fusca Flem.) und an A. speetabilis L. (Soma- 
teria «peetabilis Leach). Die Eier der Enten-Species sind aber leicht Abweichungen in 
GrOea unterworfen und daher schwer zu unterscheiden. Nach der Abbildung wird das fossile 
Ei 0,073 Länge und 0,048 Breite besessen haben. 

Bei Gervais findet sich (f. 7) noch ein fast nur halb so grosses Ei aus dem Indusien- 
Kalke von Saint-Gcrand-le-Puv abgebildet. Ks wurde von Feignoux gesammelt, der fossile 
Bier von drei verschiedenen Species besitzen soll, für deren grössern Durchmesser 0,08, 
0,065 und 0,083 angegeben wird. Gervais vermuthet, dass diese Eier, wie die meisten 
Knochen au* diesen Gebilden, von Wasservögeln herrühren, welche in einem See lebten, 
I wi aa tl in dem Kalkgestcin. der die Eier umschliesst, überliefert wäre. Nach der 
Abbildung erhält man ftir das eine Ei 0,088 Länge. Ks soll das kleinste unter den drei 
II. wofür »s aber m gross dargestellt ist, was die Abbildungen wenig empfiehlt. 



- 227 - 

Die Form dieses Eies gehört zu den gewöhnlicheren ; soweit aus der Abbildung zu schliessen 
ist, besteht Aehnlichkeit mit Scolopax cinerea Güldenst. 

Aus den Tertiär-Gebilden der Gegend von Apt und von Aix in der Provence werden 
Bruchstücke von Eierschalen angeführt, die von Vögeln herrühren (Gervais, 1. c. p. 232). 

Auch im Knochen reichen Tertiär-Mergel des Tunnels von Lausanne sollen sich mehrere 
Eier von der Grösse eines Taubeneies gefunden haben (Gaudin in Bull. soc. Vaudoise des 
sc. nat., III. 1853. p. 281). 

Eier von Schildkröten aus dein Mainzer Tertlar-Becken. 

Bei der Seltenheit fossiler Eier von Wirbelthieren war die im Jahr 1860 erfolgte 
Auffindung einer ganzen Gruppe von Eiern in dem Tertiär-Kalk eines Steinbruches bei Zorn- 
heim, zwischen Oppenheim und Ingelheim unfern Mainz, ein eben so auffallendes als erfreu- 
liches Ereigniss. Im Juni besagten Jahres erhielt ich diese später von der Rheinischen 
naturforschenden Gesellschaft zu Mainz für ihre Sammlung angekaufte Gruppe von Herrn 
Dr. Gergens zur Untersuchung mitgetheilt. Wenigstens 14 Eier lagen im Gesteine dicht 
beisammen. Drei von ihnen waren noch von der Gesteinsmasse umschlossen, die herausgefallenen 
Hessen sich nicht alle in die im Gestein vorhandenen Eindrücke einpassen ; woraus mit Sicher- 
heit zu entnehmen war, dass die Zahl der Eier, welche die Gruppe bildeten, ursprünglich grösser 
gewesen seyn inusste , was auch noch dadurch wahrscheinlich wird , dass ein nicht mehr 
aufzufinden gewesenes Stück von der Gegend, über welche sich die Gruppe ausdehnte, weg- 
gebrochen ist. Es lässt sich daher nicht nur die Zahl der Eier, woraus die Gruppe bestand, 
sondern auch die Ausdehnung und Form der Gruppe nicht mehr genau angeben. Die Seite, 
von der ich die Abbildung Taf. XXXVII. Fig. 1 aufgefasst habe, ist die convexe der Gruppe, 
und daher wahrscheinlich diejenige, welche nach unten gekehrt war. Die Eier scheinen nicht 
zusammengeführt, sondern in eine flache Grube des ursprünglichen Gesteinschlammes von 
dem Thier beim Legen untergebracht worden zu seyn. Die zwischen den Eiern befindliche 
Masse ist dieselbe wie die des umgebenden Gesteins, ein schmutziges, gelblich weisses, kalkiges 
Gebilde , unter dessen Versteinerungen sich zwei Species Cerithium bemerkbar machen , von 
denen die eine mehr quer gestreift, die andere mit Querreihen kleiner Knötchen verziert 
erscheint. Eine genauere Bestimmung dieser Conchylien ist dadurch erschwert, dass sie nur 
als unvollständige Steinkerne vorliegen. 

Diese Eier bestehen ebenfalls nur in Steinkernen, in der Ausfüllung des von der Schale 
umschlossen gewesenen Raumes , sowie in dem Abdruck , den die Aussenseite der Schale 
hinterlassen hat. Die Schale selbst ist wohl längst entfernt, und zwar auf dieselbe Weise, 
wie die Entfernung der Schale bei den Conchylien vor sich ging. An den Stellen, wo der 
von der Schale eingenommene Raum sich noch verfolgen lässt, erkennt man, dass sie ziem- 
lich dick war. 



- 228 - 

Die Masse, woraus die .Meinkerne bestehen, ist dieselbe wie die des Gesteins, nur ein 
«taiff feiner and weicher, dabei nicht Rani ohne Conchyben-Reste, die sieh ebenfalls als Stein- 
kerne darstellen. Die OberHäche der Steinkerne kann, da sie der Abdruck von der Innen- 
seite der Schale ist. nichts von der sogenannten Kristallisation zeigen; die kleinen, mehr 
getrennt auftretenden Kalktheilehen auf dieser OberHäche sind keine Krvstallisation , sondern 
rühren von der i\linfnUnngnminftfl her. Sonst sehen die Steinkernc aus . als waren sie von 
'langen, wie sie Insekten-I.arven zu inachen pflegen, durchzogen, was von eingeschlossen 
gewesener Luft, von Flüssigkeit oder auch von den Tuberceln herrühren konnte, durch die 
sich die Innenwandung der Schildkröten-Eier auszeichnet ; letzteres wiire zugleich ein Beweis 
dafür, dass diese Kur wirklich von Schildkröten herrührten. Weniger deutlich tritt diese 
Beschaffenheit auf den Abdrücken von der Aussenscite der Schale hervor, die ebenfalls von 
der Krvstallisation nichts erkennen lässt 

Sämmtliche Eier haben durch Druck gelitten, dessen Grund in dein Zusammenziehen 
der Gesteinsmasse wahrend ihres Erhärtens zu suchen Beyn wird. Die Eier befanden sich 
in so naher Berührung, dass sie, wie die Steinkerne deutlich erkennen lassen, stellenweise 
eingedrückt oder geknickt wurden; die Schale bekam auch grössere Sprünge, und es wurden 
Schalenstücke verschoben. Diese Beschädigungen entstanden offenbar erst nach Aufnahme 
der Eier in die Gesteinsmasse. Sehr bezeichnend treten sie an den beiden Tai. XXXVII. Fig. 2. 3 
abgebildeten Eiern auf: es sind dies wohl dieselben, die in Holzschnitt einer kurzen Notiz 
beigi sftigt sind, welche Gergens fast gleichzeitig mit mir über den Fund veröffentlichte (Jahrb. 
für Mineral., 1866. S. 555. 558). Schon aus den Beschädigungen an diesen beiden Stein- 
kernen ergiebt sich, dass wir es mit wirklichen hartschaligen Eiern zu thun haben. 

Die Eier, welche am wenigsten gelitten haben, zeigen, dass sie ursprünglich voll- 
kommenkugelrund waren. Sie ergeben gewöhnlich 0,038 und nur selten 0,04 Durchmesser, 
und rühren sicherlich nur von einem und demselben Individuum her, das sie an derselben 
Sl !le abgelegt hat, wo sie gefunden wurden; die Stelle war ohne Zweifel sumpfig oder weiel 
schlammiges l'fer. 

Biet von der Form und Grösse wie die vorliegenden sind nur Schildkröten ei_ 
In den Emvs-artigcn Tliienn sind sie regelmässig oval, in den Tcstudo-artigcn mehr rund. 
Nach den Abbildungen, die in Agassi/.' Werk : Contributkraa to tbc natural bistory ofthe united 
State» of America, I. 1857, von Eiem lebender Schildkröten mitgetheilf werden, beaitsan Thalai 
eh< oana lit/.. (t. 7 f. 80), eine Chelonie oder tdeerscbildkröte, ferner Gypochelys 

l'.inminki Ag. (£ 27), eine Chelydra, Bowic l'latypcltis ferox Fitz. (f. l'l') und Aspidon< 
ipinifei Ag. it. 28), beide den Trionycididen angehörig, kugelrunde Eier. Das gegenseitige 
Gross. n, Verhältnis* , welches zwischen den Eiern dieser lebenden Species und dar fossilen 

besteht, habe i«h in Kreislinien Fig. 1 ersichtlich zu machen gesucht; a bezeichnet das 



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Ei von Platypeltis ferox, b von Aspidonectes spinifer, c von Gypochelys Temminki , d von 
der fossilen Schildkröte und e von Thalassochelys Caouana. 

Hienach Hesse sich aus der Form des Eies nicht einmal auf die Schildkröten-Familie 
mit Sicherheit schliessen. Wir sind daher genöthigt, andere Mittel aufzusuchen, um über die 
fossile Schildkröte weitere Aufschlüsse zu erlangen. 

Das Gebilde , worin bei Mainz die Eier lagen , ist nicht meerisch, und es ist daher 
auch nicht wahrscheinlich, dass die Eier von einer Chelonie oder Meerschildkröte herrühren, 
obgleich sie den Eiern der Thalassochelys selbst in Grösse am nächsten stehen. Eine Chelydra- 
artige Schildkröte scheint nach vereinzelten Resten, die ich von Weisenau untersucht habe, 
im tertiären Mainzer Becken vorzukommen , doch würde sie für die Eier zu klein seyn. 
Aehnliches gilt auch für die mehr nach dem Typus von Testudo gebildeten Schildkröten 
besagten Beckens, dagegen findet sich eine ziemlich grosse Trionyx-artige Schildkröte in dem 
Tertiär-Thon der gegen Hechtsheim hin liegenden Höhe bei Mainz, deren Reste ich schon im 
Jahr 1844 (Jahrb. für Mineral., 1844. S. 565) unter Aspidonectes (Trionyx) Gergensi begriffen 
habe, und es wäre daher möglich, dass die Eier von diesem Thiere herrührten. 

Ueber anderwärts aufgefundene tertiäre Schildkröten-Eier bestehen nur wenige Angaben, 
und selbst diese sind sehr ungenau. Bei Brunet (Bull. soc. geol. France, IX. 1838. p. 252) 
finden sich drei Eier aus dem tertiären Meerkalke des Beckens der Gironde als Schildkröten- 
Eier erwähnt, die in der Schule zu Layras aufbewahrt werden. Sie sollen nur wenig zer- 
brochen seyn und 2'/ 2 " Länge bei 1" Breite messen. Die grosse, auffallend lang ovale 
Form, die sie besitzen, würde zu einer Meerschildkröte wenig passen. 

Nur halb so gross, im Verhältniss nicht ganz so schmal, aber doch immer noch von 
schmaler Gestalt sind die Eier, welche aus dem tertiären Süsswassergebilde des Beckens von 
Castelnaudary Vögeln beigelegt wurden , die aber M. de Serres (Ann. sc. nat., 3. ser. II. 
p. 175. t. 12. f. 18) für Eier hält, die denen von Emys Europaea gleichen. Ihre Länge wird 
zu 0,025 bis 0,03 angegeben. Unter den damit gefundenen Resten werden auch Reste von 
Emys-artigen Schildkröten angegeben. Nach den Abbildungen, welche von zweien dieser Eier 
mitgetheilt werden, sind sie eigentlich nicht wie Schildkröten-Eier geformt ; sie sind regelmässig 
schmal oval, an den Enden stumpf und erinnern mehr an die für Schlangen-Eier ausgegebenen 
Körper der Gegend von Offenbach, welche wir nun näher betrachten wollen. 

Die sogenannten fossilen Sehlangen-Eier von Oflenbacu. 

Die erste Auffindung der unter dem Namen der Offenbacher oder Bieberer Schlangen- 
Eier bekannten Körper geschah durch Dr. Rössler in Hanau und Ober-Gerichtsdirector Witte 
aus Hannover in den Steinbrüchen, welche auf Litorinellen-Kalk des eine halbe Stunde von 
Offenbach an der Chaussee nach Seeligenstadt gelegenen Bieberer Berges nahe bei den Fei- 



- 230 - 

senkellern in Betrieb stehen. Kössler sammelte sie schon im Jahn 1843 in einer 1 — 2 Fus-< 
mächtigen Mergelschichte dieses Kaikos. Ich habe den Fundort öfter selbst begangen, und 
im Lauft der Zeit auch sonst Gelegenheit gefunden , gewiss gegen ein halbes Tausend von 
diesen Körpern zu untersuchen. Eine gewisse Formälmlichkeit mit den Eiern der Colubri- 
nen ist ihnen nicht abzusprechen. Man überliess sieh aber zu sehr dem ersten Eindrucke, 
den man für den richtigen hielt, und war beim Sammeln eigentlich nur bestrebt, schöne, 
regelmassig eiförmige Exemplare zu erlangen, was bei der Häufigkeit, in der diese Körper 
vorkommen, nicht schwer hielt. Die weniger rein ausgebildeten Formen wurden geflissentlich 
übersehen, während doch gerade diese es gewesen wären, an denen man sich hätte über- 
zeugen können, dass die herrschende Ansicht noch keineswegs hinlänglich begründet se\ . 
Mein Bestreben ging daher dahin , alle bei diesen Körpern vorkommende Formverschieden- 
heiten, kennen zu lernen, abzubilden und die Körper überhaupt einer genaueren Untersuchung 
zu unterwerfen. 

Diese Korper gehören vorzugsweise den weicheren Schichten von mergeliger oder 
Kreide artiger Beschaffenheit an ; sie finden sich aber auch bisweilen in dem festen Litori- 
nellen-Kalk. Im weicheren Gestein liegen sie lose, doch lassen sie sich auch aus dem festeren 
gewöhnlich ohne grosse Schwierigkeit herausnehmen. In den Fällen, wo dies nicht gelingt, 
brechen sie beim Zerschlagen des Gesteins auf, und gewähren alsdann den Anblick einer 
mit Kalkspath ausgekleideten Druse. 

Auf Taf. XXX\ III. Fig. 1—24 war ich bemüht, die wichtigsten Formen in natür- 
licher Grösse bildlich darzustellen. Die grössten Exemplare wie Fig. 1 besitzen 0,02") 5 
Länge und 0,0145 Breite, wofür man an den kleinsten (Fig. 2) kaum 0,018 und 0,011 erhält 
Es scheint ganz unbeachtet geblieben zu seyn, dass man eine regelmässige, symme- 
trische Bildung, wohl das erste Erfordcrniss bei Eiern, an diesen Korpern vergeblich sacht. 
Dieser Mangel kann nicht von dem Yersteinerungs-l'rozess, auch nicht vom Druck auf eine 
weiche Eierhülle hergeleitet werden. Dafür erinnern diese Körper weit eher an die in ver- 
schiedenen Gesteinen auftretenden Mandeln, Drusen oder Blasen. Bisweilen sind sie wohl 
schön oval wie Fig. 5 , und könnten dann eher für die Eier einer grossen Schnecke 
gelten ; aber auch solche Formen besitzen nur höchst selten die rundum regelmässige Aus- 
bildung wirklicher Eier. Eins der grössten und regelnlässigsten Exemplare habe ich Fig. 1 
dargestellt, am geringeren Ende ist es stumpfer gerundet, am stärkeren Ende spitzer und 
auch sonst fehlt es ihm an gleichförmiger Bildung. Fig. 2, eines der kleinsten und regel- 
massigsten Exemplare, liefert ebenfalls keinen vollkommenen kreisrunden Querschnitt, dabei 
WA ai mir einer schrägen Flüche an dem einen Ende versehen. Eine merkwürdige Ab- 
weichung bietet Fig. 3 dar. Hier erhebt sich das stärkere Ende zu einer stumpfen Warze. 
sonst ist das Exemplar gleichförmiger gerundet, dabei aber doch an der abgebildeten Seite 
etwas breiter als an der bei der Vierteldrehung sichtbaren. Dieselbe Abweichung habe ich 



— 231 - 

mehrmal beobachtet. Fig. 1 9 stellt ein Exemplar mit spitzerer, längerer Warze dar, wodurch 
es kürzer aussieht. Fig. 4 ist mehr walzenförmig, in der Mitte unmerklich eingezogen und 
an den Enden ungleichförmig stumpf. An Fig. 6 ist das eine Ende auffallend stumpf, der 
Körper etwas eingezogen, sonst aber gleichförmig gewölbt Fig. 7 gehört zu den regelmässi- 
geren Formen , trägt aber auf dem einem Ende eine kurze , spitze Warze. Fig. 8 steht 
zwischen walzenförmig und oval , in der Mitte ist der Körper schwach eingezogen , und das 
eine Ende ist stumpfer gewölbt als das andere. Fig. 9 ist in der Mitte unmerklich einge- 
zogen, an dem einem Ende stumpf gerundet, an dem andern spitzer, dabei auch sonst un- 
gleich gebildet und mit einer schräg gerichteten ebenen Fläche versehen. 

Diese eigenthiimliche Fläche kommt öfter vor» und zwar verschieden in Ausdehnung 
und Lage. Etwas rauh, ist sie gleichwohl so vollkommen und scharf begrenzt, dass sie 
sich eigentlich nur einer Krystallfläche vergleichen lässt. Von einer Beschädigung rührt sie 
nicht her, auch nicht von Druck; sie muss vielmehr, wie ich mich an den völlig von Ge- 
steinsmasse umschlossenen Exemplaren überzeugt zu haben glaube, mit dem Körper gleich- 
zeitig entstanden seyn. Dabei ist sie weder eine Bildungshemmung, noch dadurch veranlasst, 
dass über ihr Gestein gefehlt oder dass unter ihr ein der weiteren Ausbildung ungünstiges Ge- 
stein gelegen hätte. Ein äusserer Grund ihrer Entstehung war überhaupt nicht zu finden. 
Au der Stelle, wo die Fläche liegt, war der Körper nicht geöffnet, sondern beschaffen wie du- 
Aussenseite sonst. Noch habe ich zu erwähnen , dass ich diese Flächen im Ganzen selten und 
von ihnen nie mehr als eine an demselben Exemplar wahrgenommen habe. Man könnte wohl 
auf den Gedanken kommen, dass diese Fläche von der Luftblase im Ei, und ihre verschiedene 
Lage von der Lage herrührte, welche das Ei beim Versteinern eingenommen ; was indess schon 
deshalb nicht wohl möglich ist, weil die Fläche bei Körpern derselben Grösse in sehr ver- 
schiedener Ausdehnung auftritt. 

Bei Fig. 10 liegt die Fläche von dem Ende weiter entfernt, aber noch immer geneigt, 
das Exemplar kommt sonst durch seine regelmässig ovale Form auf Fig. 5 heraus. In den 
etwas stärkeren Exemplar Fig. 22 nimmt die Fläche kaum eine schräge Lage ein, besitzt aber 
grössere Ausdehnung. Auch in Fig. 15 ist die Fläche stärker entwickelt und liegt dem Ende 
näher; in Fig. 16 schneidet sie sogar das Ende oder den Scheitel; in letzterem, Exemplar das 
zu den weniger regelmässigen gehört, trägt die Fläche ein Paar Hübel. An dem mehr wal- 
zenförmigen Exemplar Fig. 17 tritt diese Fläche ganz seitlich auf, und an dem schön ovalen 
Fig. 18 bildet sie auf dem einen Ende eine fast gerade oder rechtwinkelig zur Längenaxv 
liegende Abstumpfung. Diese Fälle dürften genügen» um sich zu überzeugen, dass diese eigen- 
thümliche Fläche fähig ist, fast alle erdenkliche Lagen einzunehmen und in verschiedener, 
von ihrer Lage unabhängigen Ausdehnung aufzutreten. 

Fig. 11 und 12 habe ich noch zwei mehr ovale, nicht besonders regelmässig geformte 
Exemplare dargestellt. An Fig. 11 ist die eine Seite mehr gerade, ohne dass der Grund davon 

Paliveonlosr., Band XV. 5. 31 



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in der Gegenwart einer seitlichen Fläche läge, auch endigt dieses Exemplar ungleich; Fig. LS 
inet sich d ircfa eine mehr nach dein Ende bin liegende schwache Einschnürung aus. 

In Flg. 11 und 14 sind zwei Exemplare abgebildet, deren Mittheilung ich dein Herrn 
Director Greim in Offenbach verdanke. Sie rühren aus dem Litorinellen - Kalke von Oberrad 
zwischen Offenbach und Frankfurt her. Ersteres Exemplar ist deutlich oval, an dem einen 

Ende unvollkommen ausgebildet, und von der abgebildeten Seite gesehen breiter als von der 
v .ite. welche bei der Viertelsdrehung sichtbar wird. An letzterem Exemplar erkennt man deutlich, 
is c» Litorinellen enthalt; es ist schön oval, geht aber an dem einem Ende in einen schräg 
sitzenden, runden Knollen aus, der unregelmässig endigt. Dieser Knollen erinnert an eine bei 
Hühnereiern beobachtete Erscheinung, die darin besteht, daS8 das spitzere Ende mit einem 
Anhängsel von der Substanz des Kalküberzugs versehen ist, woraus man geschlossen hat. dass 
beim Legen das stumpfere Ende zuerst aus der Cloake gepresst wird (A. v. Nordmann , Bull. 

natur. Moscou, 1862. |i. 2(lU. t. 5. f. 2); doch ist dies nur eine entfernte Aehnliehkeit, 
welche weitere Folgerungen nicht gestattet. 

Inter den vielen von mir untersuchten Exemplaren fand ich nur zwei, dem Herrn 
Dr. Drescher gehörige, von denen sieh sagen lässt, dass Druck auf sie eingewirkt. 
Diese finden sieh Fig. 20 und 2 1 von zwei Suiten dargestellt. Sie wurden durch den Druck 
dein sie unterlagen. Sacher, wobei Sprung« entstanden . bieten aber nicht die mindeste Aehu- 
lichkeit mit gedrückten oder gesprungenen hart- oder weichschaligen Eiern dar; sie sind viel- 
mehr der Länge nach in zwei ungleiche Hälften gebrochen, und ihre Sprünge gleichen denen, 
welche entstehen, wenn auf eine späthige Hülle von einer gewissen Starke Druck, dem sie 
nicht zu widerstehen vermag, einwirkt. Fs ist dabei auffallend, dass Exemplare mit weit dünnerer 
Hindu durch Druck nichl gelitten haben. Rührten diese Körper von Eiern her. so müs8ten 
Bich bei ihrer Gl - öfter zerbrochen finden; so aber habe ich unter dem halben Tausend 
Exemplare die ich kenne, bis jetzt nur die beulen eben erwähnten gefunden, und selbst di 

auf eine bei Eiern nicht vorkommende Weise zerbrochen. 

Der Längendurchmesser dieser vollständig geschlossenen, mehr oder weniger elliptischen 
Korper erreicht kaum den doppelten Querdurchmesscr, Einige derselben /.eigen Neigung zum 
Walzenförmigen, es kommen auch deutliche Einschnürungen, Bowie andere, Bich öfter aufgani 
dieselbe Weise wiederholende Abänderungen vor, die unmöglich von späteren Kasseren oder 
mechanischen Einwirkungen hergeleitet werden können; sie tragen vielmehr das Gepräge in> 
Bprttnglicher Bildung an Bich, so dass sie gleichzeitig mit «1er Form überhaupt entstanden seyn 
etwa mit Ausnahme einzelner seltener Fälle, wo sich deutlich erkennen lässt, dass 

•:• Körpei schon gebildet war. Drink auf ihn eingewirkt hat, d<r seine Form veränderte, 

ch nicht in der Weist , w'v es bei Eiern geschieht, si< mögen hart oder weichschalig seyn« 
stell dabei schon aus unseren Untersuchungen über die äussere Form dieser Körper, 



dass sie Eier, wofür man sie gehalten, nicht seyn können, und wahrscheinlich gar nicht 
organischen Ursprungs sind. 

Unter den hunderten von Exemplaren die ich zu untersuchen Gelegenheit fand, 
selbst unter denen , welche noch im Gestein lagen , begegnete ich keinem einzigen, 
woran auch nur die leiseste Andeutung von einer Schale , Haut oder Hülle thierischer 
oder pflanzlicher Natur zu erkennen gewesen wäre. Der die Aussenseite bildende späthige Kalk 
kann unmöglich von versteinerter organischer Substanz, von der Hülle oder Schale eines Eies 
herrühren , sonst würde er nicht in Exemplaren derselben Grösse auffallende Abweichungen 
in Stärke und sonstiger Beschaffenheit darbieten. Hätte überhaupt eine organische Hülle 
bestanden , so würde , wie bei den Conchylien und anderen Versteinerungen dieses Gesteins, 
nicht die Hülle, sondern der von ihr eingenommene Raum, und zwar leer, überliefert seyn, 
was der Fall nicht ist. Eben so wenig stellt die Aussenseite der Körper den Abdruck von 
der Wandung eines Hohlraumes dar, da sie sich bei Exemplaren derselben Grösse in sehr ver- 
schiedenem Grad rauh zeigt, was entweder von einer mehr oder weniger starken Hinneigung 
des späthigen Kalkes zur Bildung deutlicherer Krystalle , oder daher rührt, dass der späthige 
Kalk bei seiner späteren Ausscheidung dem Korne des Gesteins oder dessen Conchylien wegen 
mangelnden Schutzes durch eine Zwischenlage nachgeben musste. 

Die Körper sind gewöhnlich fest und innen mit Krystallen von Kalkspath ausgeklei- 
det. Ich habe aber auch Exemplare untersucht, deren Form nur durch eine bisweilen 
überaus dünne Lage späthigen Kalkes im Litorin eilen- Mergel angedeutet war. Die Gesteins- 
masse erlitt dadurch nicht die mindeste Störung; sie durchzog den deutlich umschriebenen 
Körperraum ungehindert , als wenn der späthige Kalk gar nicht vorhanden wäre. Die soge- 
nannten fossilen Schlangen - Eier können daher unmöglich bei der Bildung des Gesteins von 
aussen in dasselbe aufgenommen worden seyn , es sind auch keine spätere Ausfüllungen 
eines in dem Gestein vorhanden gewesenen Hohlraumes , sondern müssen vielmehr durch 
Ausscheidung von späthigem Kalk in dein Gestein selbst entstanden seyn. Warum diese 
Ausscheidung eine so bestimmte und sich immer wiederholende Form annahm, ist eine 
andere, schwieriger zu beantwortende Frage, die wir noch besprechen werden. In den Fällen, 
wo die späthige Begrenzung stärker und das Gestein weicher ist, lassen sich die Körper 
aus dem Gesteine herausnehmen; und wenn sie mit Gestein ausgefüllt sind, so werden sie 
für beschädigte oder ausgegangene Schlangen - Eier gehalten, ohne jedoch zu bedenken, dass 
sich an ihnen ebensowenig eine Eierschale als eine Verletzung oder Oeffnung, durch welche 
die Gesteinsmasse hätte eindringen können, nachweisen lässt. Mehrere solcher ausgegangenen 
Schlangen -Eier habe ich auch von Rendel und Kleinkarbcn in der Wetterau untersucht. 

Es wurde behauptet, in den Steinbrüchen bei Offenbach hätte sich ein Exemplar 
gefunden mit einer Oeffnung an dem einem Ende, welche sich dem Flugloche eines Insekts 
vergleichen Hesse. Ich war daher sehr begierig dieses seltene Exemplar . welches zeit- 

31* 



— 234 — 

weise in der Sammlung der naturforschenden Gesellschaft zu Otf'enbach aufbewahrt wurde, 

nen zu Urnen. Herr 0. Böttger fand 88 Dicht selbst, sondern erhielt es von einem 

Arbeiter in den Steinbrüchen. Bei genauer Besichtigung überzeugte ich mich wohl vuii der 

genwart eines Loches, zugleich aber auch, dssfl dasselbe unläugbar nur erst nach Auffindung 

des Körpers seiner Späth iget! Kalkhülle, vermuthlich um dosen Werth zu erhöhen, beigebracht 

worden seyn konnte. 

Die späthige Lage oder Kinde der unter den Schlangen-Eiern begriffenen Körper scheint 
hienach nichts anderes als eine Krystallisations ■ Erscheinung , gleichsam der Boden oder 
Anfang zu sevn. worauf regelrechte gebildete Krystalle ruhen, die bei einer gewissen Stärke 
der Kinde auch nicht fehlen. Wir hatten also hier den Fall einer von der Peripherie, von 
der Wandung eines geschlossenen Raumes nach innen gerichteten Kristallbildung im Gegen« 
-atze zu der centralen Krvstallbildung , die von einem Mittelpunkt ausgeht, und bei welcher 
Kr\ stallkugeln oder sogenannte Kosen selbst mitten in einer Gesteinsmasse entstellen, wofür 
- Beispiel die Kugeln aus strahlig kiystaltisirtem <>yi>s im Tertiär- Thon bei Frankfurt sich 
Ruführerj lassen. 

In den unserer Betrachtung unterliegenden Körpern sind die Kalkspath -Krystalle nicht 
immer genau von der Wandung nach der Mitte gerichtet, sie können in einer Gegend stärker 
• titwickelt seyn als in der andern und sich auch durchkreuzen. Selten ist der Körper ganz 
mit Kalkspath ausgefüllt, gewöhnlich wird der übrige Kaum vollständig von reinerem 
Kalkmergel eingenommen; es wird dies der bei der Kristallbildung zurückgebliebene thonigere 
i heil des Gesteins seyn. Zur Entwickelung reiner Krystalle sind daher leere Räume 
nicht unumgänglich nöthig, und es wird durch diese Beobachtungen zugleich auch wahrschein- 
lich, dass der Kalk für die Krystalle dem Kalkmergel entnommen wurde. 

An den in diesen Körpern auftretenden Kalkspath-Krystallcn besitzen die Zuspitzungs- 
flächen bisweilen ein mattes, sammtartiges Aussehen, das sieh unter der Lupe in überaus 
leine, gedrängt stehende Fäden auflöst, die sich aus der Krystallfläche parallel der Kich- 
_■ der Axe des Krystalls gleich lang erheben. Diese laden, deren gegenseitige Ent- 
fernung nicht mehr beträgt als ihre Stärke, sind nicht aufgesetzt, sondern bilden eine 
unmittelbare Fortsetzung des Krystalls. Die Beschaffenheit ihrer Luden war nicht zu er- 
mitteln. Sic gehen bisweilen nur von einem Theil der Krystallfläche aus , der -~ie auch 
./. fehlen können, und es kommt sogar \or, dass sie mehr auf die vou der Endfläche 
bildeten Kanten beschränk! sind. Hieraus liesse sich auf bin periodisches Wachsen 
dieser Krystalle schliessen, zumal wenn man erwägt, dass einige derselben auf der 
\i. ■ , deutlicher fast auf dem Längenbruch, Parallelstreifen von der Höhe dei _■■- 

.nt. d Krystallfäden /> igt n. 

Zur Umschreibung der Eierform scheint Bpäthiger Kalk nicht unumgänglich erforder- 
lich, leb glaube mich üben i haben, dass si< auch durch KUenoxyd-Hydrat l •> -\ irkt 



- 235 — 

wird, in welchem Falle sie mehr einer Zeichnung gleicht, welche sich leicht durch die 
Farhe dieses Litorinellen-Hydrat verräth. Auch der Inhalt des auf diese Weise umschriebenen 
Raumes besteht in der ununterbrochenen und ungestörten Fortsetzung des Gesteins und 
nicht in einer später erfolgten Ausfüllung. 

Ein Paar Stücke aus dem weniger an Versteinerungen reichen mergeligen Litorinellen-Kalk 
von Oberrad und dem Lerchesberge bei Frankfurt am Main, welche Herr Dr. Gerlach mir mittheilte, 
sind geeignet, weitere Aufschlüsse über die Entstehung dieser Körper zu geben, weshalb ich 
sie nicht unerwähnt lassen darf. An dem Exemplar Fig. 14 von Oberrad hatte ich auf einen 
Knollen andern einen Ende aufmerksam zumachen; derselbe findet sich auch an dem Exemplar 
vom Lerchesberge Fig. 24, sogar mit einein zweiten Knollen, und an einer anderen Stelle des- 
selben Handstücks , Fig. 23 , bemerkt man noch eine Reihe von sieben kleineren Knollen der 
Art; am letzten ist das Gestein weggebrochen, so dass sich nicht angeben lässt, ob die Reihe 
mit ihm geschlossen war. Diese Knollen sind von ungefähr gleicher Grösse, gewöhnlich unmerklich 
länger als breit; sie berühren sich unvollkuininen eben oder endigen mehr rundlich. Die Aussen- 
seite stimmt mit den sogenannten Schlangen-Eiern aus demselben Gebilde überein, sie sind wie 
diese im Innern vom mnschliessenden Gestein nicht verschieden , lassen sich leicht aus dem 
Gestein herausheben und sind rundum mit einem sehr dünnen Anflug von Eisenoxyd-IIvdrat 
und schwarzen Dendriten bedeckt; von einem späthigen Ueberzuge wird nichts wahrgenommen. 
Mit diesen Formen kommen zugleich solche vor, die mit denen von OfTenbach vollkommen 
übereinstimmen. 

Wie wenig man berechtigt ist, diesen Körpern einen organischen Ursprung beizulegen, 
ergiebt auch daraus, dass sich die in ihre Grenzen fallenden Conchylien, wie Litorinellen, durch- 
schnitten darstellen, was nicht seyn könnte, wenn die Körper schon gebildet von der Gesteins- 
masse aufgenommen worden wäre. Unsere Untersuchungen führen daher immer mehr darauf 
hin, dass wir es gar nicht mit Einschlüssen zu thun haben, vielmehr mit später erst im Gestein 
selbst entstandenen, sich gleichsam aus ihm herausgebildeten Formen. 

Die gleich bei ihrem ersten Auftauchen herrschend gewordene Ansicht, wonach diese 
Körper Schlangen-Eier wären, fand eine Hauptstütze in Professor Blum (Jahrb. für Mineral., 
1849. S 673) zu Heidelberg. Aus der Uebereinstiminung in Grösse und Form schloss derselbe 
auf organischen Ursprung und sodann weiter auf Schlangen-Eier. Dieser Ansicht erweist sich 
das Ergebniss meiner Untersuchungen wenig günstig. Schon die grosse Menge, in der diese 
Körper vorkommen, hätte bei der Seltenheit wirklicher fossiler Eier autfallen und zu einer 
genaueren Untersuchung drängen sollen. Wenn bei den Eiern einer und derselben Species 
Abweichungen in Grösse vorkommen, so sind sie doch nicht von solchem Belang wie bei diesen 
Körpern, die sich gleichwohl nicht in verschiedene Species vertheilen lassen. Es hiesse die Eier- 
form verkennen . wollte man länger diese Körper den Eiern beizählen. Nichts berechtigt zur 
Annahme einer Eierhülle, selbst nicht der weicheren der Schlangen, und es fehlt überhaupt an 



- 2:tfi 

jedem Kennzeichen, welch« dafür spräche, dass die Körperförtn auch nur entfernt organischer 
Eatatehang wäre. 

In Betreff der Schlangen will ich daran erinnern, daaa in ihren Eiern, wie Rathke (Ent- 

wickehing der Natter, S. IV) bei der Natter (Colttber natrix) nachgewiesen, wenn sie gel< 
werden, die Entwickelung des Embryo schon ziemlich weil vorgeschritten ist, und sich bereits 
< in Paar Kiemenöffnungen erkennen lassen, während die OfFenbacher Schlangen-Eier gar kein«' 
organische Substanz beherbergt zu haben scheinen. Die Nattern und anderen Schlangen legen 
bekanntlich ihre Eier am liebsten in Pferdedttnger , in Haufen von dürrem Laub und selbst in 
hohle Bäume (Rathke, a. a. <>. S. 8); wie sollte es nun gekommen seyn, dass Schlangen-Eier sich 
in brackischem Litorinellen-Kalk linden. Wären diese Körper Eier, bo müssten sieh doch auch, 
besonders bei einer solchen Menge, Knochen von den Thieren, die sie gelebt, auffinden lassen. 
aber kennt man aus dem an diesen sogenannten Kiern so reichen Kalke von < »ftenbach 
keine Knochen, was um so mehr auffallen inuss, als man bei Schlangen auf eine grössere Menge 
fossiler Wirbel als Hier hätte rechnen dürfen. Auch hätte man bei ihrer besseren Ueber- 
lieferung eher Knochen als Eier erwarten sollen. Ich habe wohl fossile Knochen von Schlang 
desselben Altera in ziemlicher Anzahl im Mainzer I lecken nachgewiesen, aber auffallender Weis« 
gerade an Bolchen Stellen, wie zu Weisenau und Sochheim, von denen man <li. sogenannten 
Schlangen-Eier gar nicht oder doch nur sehr vereinzelt kennt. In der hegend von Wi :is< nau 
kommen, wie wir (S. 225) gesehen haben, zwar wirkliche Hier vor. die aber nicht von Schlau.:' I 
-Mildern von Vögeln und Schildkröten herrühren, und im Vergleich zu der in demselben Gebilde 
• nthaltenen Menge Vögel- und Schildkröten-Knochen nur äusserst sparsam gefunden werden. 

Es ist bekannt, da>> gewisse Thicre zur Lege- oder Brutzeit wandern. Wollte man 
annehmen, dass in der Tertiärzeit die Schlangen der Gegend von Mainz, wo ihre Knochen 
fanden werden, zeitweise gewandert wären, um ihre Eier in der Gegend von Offenbach zu 
legen, und nach Verrichtung di< ist - Geschäfts sich wieder in die Gegend von Mainz zurück- 
begeben hätten, bo würde man Gefahr laufen, sie], lächerlich zu machen. 

Gleichwohl haben nur wenig Stimmen gewagt, der herrschenden Ansicht, diese Körper 
seyen versteinerte Schlangen-Eier, entgegenzutreten. Bei Prüfung dieser Stimmen worden wir 
finden, dass das, wofür sie streiten, eben so wenig die Probe besteht. 

hat man diese Körper für Früchte oder Samenbehälter ausgegeben, womit jedoch 
keine Aehnlichkeit besteht. Eher noch könnten sie durch Insekten-Nester veranlasst seyn. Ei 
fand nämlich Jenzsch (Allgem Deutsche naturh. Xt,L r ., IL Dresden 1856. S 78; vgl. auch 
Wessel und Weher in meinen Palaeootographicis, IV S. 188) im Tracbyt-Tuff des Kehlsbrunneu 
im Siebengebirge, und in einer mit schwarzer Eide angefüllten, bis in den Lacuster-Kalk hinab* 
reichenden sogenannten Tasche zuBelleville im Pariser Becken eine gross« Anzahl regelmäs 
länglich runder, an dem einen Ende abgestumpfter Höhlungen, welche anfangs für Abdrücke 



- 237 - 

von Eicheln gehalten wurden, von denen es sich jedoch herausstellte, dass es Nester von lebenden 
Anthophoren (A. retusa Latr. und A. filipes Fabr.) waren, die in zweien solcher Körper wirklich 
auch angetroffen wurden. Die Innenwände sind vollständig glatt; die rauhe Aussenseite besteht 
aus Erde und Gesteinsstückchen, die mit Honig zusammengekittet sind. Dieselben Nester fand 
d'Orbigny öfter auch an anderen Stellen des Pariser Beckens , namentlich im Sande von 
Fontainebleau. Ich kenne diese Formen zwar nicht aus eigener Anschauung, weiss aber, dass 
die von mir untersuchten nicht wie Insekten-Nester beschaffen sind ; sie haben auch nicht die 
die Form einer Eichel, sondern sind oval ; sie bestehen nicht aus zusammengekitteter Erde und 
Gesteinsstückchen, sondern in einer Ausscheidung von krystaliinischem kohlensauren Kalk od< j r 
Eisenoxyd-Hydrat; sie sind nicht von aussen durch die Dammerde ins Gestein gerathen, sondern, 
wie sich immer deutlicher herausstellt, im Gestein selbst entstanden; auch enthalten sie keine 
Insekten wie die von Jenzsch beobachteten Formen, sondern entweder Kalkspath oder dasselbe 
Gestein, worin sie liegen. 

Witte (N. Hannov. Ztg., 29. Otbr. 1859, daraus im Jahrb. für Mineral., 1859. S. 863) 
hält diese Körper nunmehr für Schnecken-Eier, und findet sie dem Ei von ßuliinus ovatus aus 
Brasilien ausserordentlich ähnlich. Dasselbe gilt von einem aus Frankreich erhaltenen Ei, das 
man einer Schildkröte beigelegt hatte, und in einem Süsswasserkalke mit einer grossen Bulimus- 
Art, B. longaevus Serr. (B. laevo-longus Boub.), gefunden wurde. Mehrere der von mir aus 
der Gegend von Offenbach untersuchten Körper besitzen allerdings eine den Eiern grösserer 
Schnecken ähnliche Form ; doch stehen der Annahme von Schnecken-Eiern nicht allein die 
Gründe , welche ich gegen die Deutung dieser Körper als Eier überhaupt vorgebracht habe, 
sondern auch noch der Umstand entgegen , dass aus dem Mainzer Tertiär-Becken , wozu die 
Gegend von Offenbach gehört, ungeachtet dessen Conchylien schon so lange mit grösster Auf- 
merksamkeit gesammelt werden, noch keine Landschnecke bekannt ist, welche Eier von solcher 
Grösse hätte legen können, namentlich nicht aus der Gegend von Offenbach, wo diese Körper 
doch zu Hunderten vorkommen. 

Zuletzt vertrat Gergens (Jahrb. f. .Mineral., 1860. S. 555; 1861. S 670) die Ansicht, 
wonach diese Körper Coccons oder die mit Eiern angefüllten Hüllen von Blutigeln wären. Aber 
auch mit solchen Hüllen besteht keine Aehnlichkeit. Gergens ist es übrigens ebenfalls nicht 
gelungen, weder an den Exemplaren aus dem an Litorinellen ärmeren, festeren Kalk von Buden- 
heim bei Mainz, noch an denen, welche lose in einem mehr erdigen Kalke liegen, auch nur eine 
Spur von Schale wahrzunehmen. 

Die unter den fossilen Schlangen-Eiern begriffenen Körper schienen Anfangs auf die 
Gegend von Offenbach beschränkt. Später erst ergab es sich, dass sie auch häutig in einer 
der oberen Schichten des Litorinellen-Kalkes zu Mendel und Kkin-Karben in der Wetterao vor- 
kommen (Geolog. Karten des Mittelrheinischen geolog. Vereins, Section Offenbach von Ludwig, 



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1858. S. 34), von wo ich sie durch die Herren Kössler, Ludwig und Drescher mitgetheilt bekam. 
Sie gleichen den Offenbachern vollkommen. Ludwig gedenkt ihrer ferner aus demselben Gebilde 

von Hochstadt bei Hanau, und Greim fand sie im Litorinellen-Kalke von Oberrad; aus dem- 
selben Kalke der Gegend von Frankfurt kenne ich sie ferner vom Lerchesberge, von Bornheim. 
und sie Bollen auch hei Bommersheim gefunden worden seyn. In der Gegend von Mainz habe 
icli >ie aus den Brackwasserschishten von Hochheini gesehen, Gergens fand Bie in den Stein« 

brächen von Budenheim, eine halbe Stunde von Mainz, wo sie in einer an Litorinellen ärmeren 
Schichte des festen Kalkes verstreut liegen. Am reichsten daran ist immer noch die Gegend 
von Offenbach, von wo sie zu Hunderten in verschiedene Sammlungen übergegangen sind; und 
wenn sie von dort gewöhnlich glätter und schöner oval geformt erscheinen, so mag dies wohl 
zum Theil daher rühren , dass man bei ihrer Häufigkeit eine bessere Auswahl hatte, und dass 
das Gebilde, worin sie auftreten, mergeliger ist. als an den meisten andern Fundorten. 

Diese Körper Bind auch anderwärts nachgewiesen und nicht an das Alter der Formation 
gebunden. Herr Böttger theilte mir ein von den Offenbachern nicht zu unterscheidendes Exem- 
plar aus derselben Formation von Tuchoritz in Rohinen mit. Fred. E. Edwards gedenkt ihrer 
in seiner Arbeit, betitelt: ..a Monograph of the eocene Mollusca. Fosscl shells of the London 
< 'la\ •• (Palaeontographical society, 1852. p. 121; 1855. p. 122) unter Beifügung von Holz- 
schnitten , welche Exemplare aus dem Londoner Tlion von England darstellen. Fs sind 
ganz dieselben, lang elliptischen, an den Enden stumpf gerundeten, hohlen, mit Kalkspath 
ausgekleideten Formen, nur dass man sie für Coprolithe, für Samenbehälter, für Coccons 
von Insekten oder auch für Eier von Schildkröten ausgab. Sie messen von '/. bis 2 Zoll 
Lärme. Die grösseren (bei Edwards f. 2 — 5) werden für Eier von Süsswasser-Scliildkröten 
(Trionyx , Emy>) , die kleineren (f. 8 — 10) für Eier von Heliceen gehalten. Sieben Stück 
derselben, welche Edwards aus dem Tertiär-Kalke von Bembridge an Professor Sandberu 
schickte, habe ich selbst untersucht. Sie sind last von gleicher Grösse, ein wenig als 

jene von Offenbach, dabei sehr regelmässig oval, 0,027 lang und d.014 bis 0,015 dick. Einer 
dieser Korper liegt aufgebrochen in dem Gestein von ziemlich weicher Beschaffenheit und weiss- 
lieber Färbung ; er ist hohl und von dem Gestein eben bo wenig durch eine andere Substanz odei 
Zwischenlage getrennt als die Körper von Offenbach. Die Aussenscitc ist etwas rauher. 

Audi in den Tertiär-Gebilden Frankreich^ scheinen ähnliche Körper zu liegen. Viel- 
leicht gehören die Schildkröten-Eier aus dem Becken der Gironde und von Castelnaudan. 
deren ich oben ( x 229) /u erwähnen hatte, hieher. 

Aus diesen Untersuchungen ergiebt sich nunmehr, dass die sogenannten fossilen 
Schlangen-Eier von Offenbach nicht organischen Ursprungs sind. Diese Körper können un- 
möglich als ein fremder Gegenstand von der Gesteinsmassc aufgenommen worden. ,,der 
• von aussen in dieselbe gelangt ieyn ; sie sind vielmehr im Gestein selbst ent- 
standen und haben zieh darin weiter ausgebildet. Sie gehören ZU einer Klasse ungemein 



- 239 — 

wichtiger Erscheinungen, die unter dem Namen der Naturspiele, Steingebilde, Morpholithen 
oder Krystalloiden begriffen werden, und zu denen auch viele Concretionen , wie namentlich 
die fossilen Fusstapfen zu rechnen sind, aus denen man sich hat verleiten lassen, mit unbe- 
greiflicher Sicherheit auf die Existenz vorweltlicher Thiere zu schliessen, für die ein weiterer 
Nachweiss gar nicht zu erbringen ist. Alle diese Erscheinungen , von denen es wünschens- 
werth wäre , dass sie einer umfassenden wissenschaftlichen Behandlung unterworfen würden, 
verrathen die Gegenwart einer wirklichen vis plastica oder formativa, eines Bildungstriebes 
in der Natur, dem man in früheren Jahrhunderten irrthümlich die Entstehung der wirklichen 
Versteinerungen zugeschrieben hatte. Sie beruhen wenigstens theilweise auf gehemmter 
Krystallbildung, und bekunden jedenfalls eine unausgesetzte innere Thatigkeit der Gesteine, 
worauf ich in meinen Arbeiten (Palaeologica, 1832. S. 19. 120 und anderwärts) aufmerksam 
machen zu sollen mich um so mehr angetrieben fühlte, weil sie namentlich dem Palaeonto- 
logen zu kennen noth thut. Es entstehen nämlich bei dieser Thatigkeit Formen , welche 
organischen Gebilden so täuschend ähnlich sehen, dass man verleitet werden kann, sie, wie 
im vorliegenden Fall, für wirkliche Versteinerungen zu halten. Von den vielen Beispielen, 
welche dies auf das augenscheinlichste darthun, will ich hier nur noch einige hervorheben. 

Zwischen Frankfurt und Darmstadt trifft man auf ein dem Rothliegenden angehöriges, 
von Versteinerungen gänzlich freies Sandstein artiges Gebilde, welches aus einem Gemenge von 
krystallinischem oder späthigen Kalk und Thon besteht. Wird diesem Gestein durch Säure 
der kohlensaure Kalk entzogen , so hinterlässt es ein leicht zerfallendes Thon-Skelet von 
äusserster Zartheit. Die Oberfläche der längere Zeit den Einflüssen der Atmosphäre ausge- 
setzt gewesenen Stücke, so wie die Ablösungsflachen zeigen den umgekehrten Fall. Auf der 
Oberfläche ist der Thon, wie man es nennt, ausgewittert, wofür die fest gebliebenen späthigen 
Theile des Gesteins um so deutlicher hervortreten , und zwar in Formen von überraschender 
Aehnlichkeit mit organischen Körpern, mit denen sie doch sonst gar nichts gemein haben. 
Die Aehnlichkeit ist so gross, dass die Stücke mir als wirkliche Versteinerungen von Männern 
gebracht wurden, die sich mit Geologie und Paläontologie beschäftigen, und nicht wenig 
erstaunt waren, als ich mich alles Ernstes ihrer Ansicht abgeneigt zeigte und die vermeintlichen 
Versteinerungen für Steingebilde erklärte. 

Auf ausgewitterten Platten dieses Gesteines liegen Gebilde aus Mergel und späthigem 
Kalke, welche dieselbe überraschende Aehnlichkeit mit wirklichem Laubwerk darbieten, wie 
die schönen grossen metallischen Dendriten auf den Quarzgängen im Taunus-Schiefer. Damit 
kommen elliptische Formen vor, welche den Offenbacher Schlangen-Eiern selbst in Grösse 
ähnlich sehen, nur sind sie auf der Aussenseite mit deutlichen, durch Krystallbildung veranlassten 
und auch an Dendriten erinnernden Erhöhungen und Vertiefungen versehen, welche den Körpern 
das Ansehen von versteinerten Nusskernen , Fruchtzapfen oder Brombeeren geben. Diese 
Formen lassen sich bei stärkerem Verwittern des Gesteins herausheben , gewöhnlich aber sind 

Palaeontogr., Bd. XV. 5. 32 



— 240 - 

sie bis in eine gewisse Tiefe in das Gestein zu verfolgen , und wenn die Verwitterung nicht 
zu tief eingedrungen ist, so sieht man wie diese organische Formen nachahmenden Körper 
allmählich in das frische Gestein übergelien, in welchem das Auge keine Spur einer solchen 
Bildung zu entdecken vermag. 

Die regelmässige Kugelform steht organischen wie unorganischen Körpern zu ; sie findet 
sich auch, wie wir (S. 228) gesehen haben, bei den Eiern. Ein lehrreiches Beispiel von der 
Kugelform als Gesteins -Concretion theilt J. Hall (Geological Survey of Jowa , 1858. II. 1. 
p. 275. f. 38. 39) mit Er fand nämlich in dem thonigen Sandstein der Steinkohlen-Formation 
der Provinz Muscatine, Staat Jowa in der Nordamerikanischen Union, eine Menge Concretionen 
von der Grösse weniger Zoll bis zu 8 Fuss, die eine bewunderungswürdige regelmässige Kugel- 
form besassen , wobei nicht nur die Streifungslinien des sie umgebenden Gesteins, sondern 
sogar auch die fossilen Hölzer, welche der Sandstein umsohliesst , ungestört durch die Con- 
cretionen hindurchzogen, als wenn diese gar nicht vorhanden wären. Die Masse, woraus die 
Concretionen bestehen , unterscheidet sich von dem umgebenden Gestein nur dadurch , dass 
sie etwas mehr Kalk und Schwefeleisen enthält; in den kleineren Concretionen findet sich 
nicht selten ein Kern letzteren Minerals. Diese Kugeln haben daher wie die vermeintlichen 
Schlangen-Eier ihre Entstehung erst später in der Gesteinsmasse genommen. 

Es wäre sogar möglich , dass in diese Klasse von Erscheinung das Eozoon Daws. *) 
gehörte, das in neuester Zeit grosses Aufsehen erregt. Wollte man die Bedeutung des Namens 
auf Deutsch wiedergeben, so könnte man sagen, die Morgenröthe thierischer Bildung, das ur- 
anfängliche Thier. Zuerst wurde es im Urkalke des Gneisses von Canada, der unter der Be- 
nennung Laurentian-liocks begriffenen ältesten Formations-Gruppe Nordamerikas, von der 
man bisher geglaubt hatte, dass sie keine Versteinerung enthalte, azoisch sey , gefunden, bald 
darauf auch im Ophicalcit des Fundatnental-Gneisses der Brittischen Inseln und des Böhmisch- 
Bayerischen Waldgebirges. Das Eozoon wäre daher entschieden älter als die Frimordial-Fauna, 
das älteste Geschöpf der Erde, da seine Zeit noch weiter zurück liegen würde, als die, aua 
welcher die ältesten krystallinischen Schiefer herrühren. Logan erklärte es für ein organisches 
Gebilde, Dawson und Carpenter auf Grund mikroskopischer Untersuchungen für eine riosen- 
mäSi Itsitzende, wie die Koralle Stöcke oder Riffe bauende Foraminifere. Die kalkigen 

Septa fanden -ie unverändert, dagegen an die Stelle der Sarcode gewisse Silicate, wie Ser- 
pentin etc., getreten, die zugleich die Kammern, Zellen, Kanäle, Röhren und Verzweigungen 



*) Logan, Quart, .»..um. Geol, 8oc London, 18t». r .. No. 81. p. -15. - Dnwson, 1. c. p. 51. 
' 7. — Carpenter, I. c p. 59. t. 8. 9; L886. Nr. 87. p. 21!». — Bog ""d Rowey, 1 c. 18M. 
Nr. 87. p. 186 ». 14. 15 — Qfhnbel, Bttsongsb. d. Akn<1. d. Wuienioh. in München, ] t*t»«». I. 1. 
l f. 1-7. 



— 241 - 

ausfüllten. Dieser Ansicht schlössen sich auch unter den Deutschen die ausgezeichnetsten 
Foraminiferen-Kenner an. 

Mit grosser Entschiedenheit sind indess King und Rowey, ebenfalls auf Grund ausführlicher 
mikroskopischer Untersuchungen, gegen die herrschende Ansicht aufgetreten. Sie suchten 
nachzuweisen , dass die vermeintliche thierische Organisation in nichts anderem bestehe als in 
Krystallisations- Erscheinungen der im Ophit, zu dem die eozoischen Gesteine gehören, ent- 
haltenen Mineralien. 

Ich kenne das Eozoon nur erst aus den darüber erschienenen Arbeiten, bei deren 
Studium man sich von den Schwierigkeiten überzeugen kann, denen diese Untersuchungen unterliegen. 
Dawson gesteht sogar selbst, dass die Schliffe unter dem Mikroskop Krystallisations- und Con- 
cretions-Erscheinungen darbieten , die nicht mit der organischen Structur verwechselt werden 
dürfen. Der Serpentin zeige merkwürdige Structur-Varietäten , zumal wenn er mit Apatit, 
Pyroxen und andern Mineralien vorkomme. Das Vorkommen von Krystallisations- und Con- 
cretions-Erscheinungen wird also zugegeben und zugleich kein Hehl daraus gemacht, dass diese 
Erscheinungen mit der organischen Structur des Eozoon verwechselt werden können , wonach 
sie dieser doch wohl sehr ähnlich seyn müssen. Man denkt dabei unwillkührlich an die Mög- 
lichkeit, dass das, was für organische Structur gehalten wird, überhaupt nichts anderes sey als 
auch nur eine Krystallisations- oder Concretions-Erscheinung. 

Carpenter versucht indess zur Unterstützung seiner Ansicht die Structur des Eozoon 
in einem schematischen Bilde vorzuführen, das sicher zu ideal gehalten ist. Die Reste, worauf 
die Annahme des Eozoon beruht, bestehen nur in geringen Bruchstücken, über die wegen 
Mangel an Deutlichkeit geklagt wird , wovon man sich auch an den darüber vorhandenen Ab- 
bildungen überzeugen kann, nach denen man kaum glauben sollte, dass die Stücke von einem 
organischen Gebilde herrührten. Die Formgrenze zwischen einem organischen Gebilde und 
einer Krystallisations- oder Concretions-Erscheinung sind überhaupt keineswegs so genau er- 
mittelt, dass es möglich wäre, allein aus der Aehnlichkeit der Form auf die Natur des Körpers, 
ob er organischer oder mineralischer Natur sey, zu schliessen ; hiezu gehören sicherere Kenn- 
zeichen, die bis jetzt noch am Eozoon vermisst werden. Dazu, dass das Eozoon einer For- 
mation angehört, deren Alter noch über die bisher ältesten Versteinerungen führenden For- 
mationen hinausgeht, tritt noch der Umstand hinzu, dass es das einzige Geschöpf seiner Zeit 
seyn würde, da über die Existenz anderer gleichzeitiger Geschöpfe nur erst schwache Ver- 
muthungen vorliegen. Auch in dem Vorkommen des Eozoon als Versteinerung liegt etwas 
Auffallendes. In Gesellschaft von so vielen ausgezeichneten Mineralien sind noch keine Ver- 
steinerungen gefunden, die einfachere Gesteine vorziehen. Die Gegenwart des Eozoon scheint 
sogar in einer gewissen Abhängigkeit zu den Mineralien zu stehen , mit denen es zu- 
sammen vorkommt, und ohne die es sich wohl gar nicht darstellen würde. Man möchte 

32* 



— 242 - 

dalier glauben, das Eu/.oun sey nur eine unter gewissen Verhältnissen entstandene Furm dieser 
Mineralien. Vielleicht haben wir hier wieder einen von den Fällen vor uns, wo aus Aehn- 
lichkeits-Gründcn anorganische Formen für organische verkannt wurden. 



Eier von Vögeln ans ileui diluvialen C liarcn-Kalk bei Weimar. 

Im Thale der Um unfern Weimar liegt ein Charen-Kalk, dessen Entstehung sich 
nach seinen Einschlüssen auf ein diluviales Alter zurückführen lässt, und der noch fortwährend 
unter unseren Augen gebildet wird. Es ist hauptsächlich eine der Ohara hispida sehr iihn- 
liche Ohara . welche die Ausscheidung des Kalkes aus Kalk haltigem Wasser vermittelt. 

Leber dieses Gebilde hat bereits Herbst (Jahrb. f. Mineral., 1847. S. 811; 1853. 
S. 322. — Notizblatt des Vereins für Erdkunde etc. in Darmstadt, I. 1857/58. S. 131) 
näher berichtet. Von Säugethieren umschliesst es Reste von Blephas primigenius, Rhinoceros, 
l'rsus spelaeus, Hyaena spelaea, Wiederkäuer, worunter Bos primigenius, und Equus, 
auch habe ich daraus einen schönen Ueberrest von dem noch zusammenhängenden Skelet 
eines wohl bei nächtlicher Wanderung versunkenen , auf die lebende Species herauskommen- 
den Dachses (Meles vulgaris) veröffentlicht (Palaeontogr. , VII. S. 40. t. 7). Die Land- und 
3 -swasser-Conchylien scheinen, wie gewöhnlich in den Diluvial-Gebilden, lebenden Species 
anzugehören. 

In diesem Kalke fand sich im Jahr 1845 ein Vogelei, das durch Herbst (Jahrb. f. 
Mineral., 1847. s. 311) unter Zuziehung eines von Joh. Müller an Alex. v. Humboldt abge- 
Btatteten Berichtes veröffentlicht wurde. Herr Rath Herbst zu Weimar hatte die Güte, 
dasselbe Ei im November 1856 auch mir mitzutheilen , wodurch ich in den Stand gesetzt 
wurde, es Taf. XXXVIII. Fig. 25 und 26 von zwei Seiten in natürlicher Grösse genau abzubil- 
di n. Es besteht aus etwas mehr als der einen Längenhälfte, woran das eine Ende fehlt. 
Mehr als dieses Bruchstück war von der Gesteinsmasse nicht umschlossen. Vielleicht ist es 
ein Stück Schale von einem ausgebrüteten Ei. Das überlieferte Stück litt noch während 
des Versteinerns durch Druck, es erhielt Sprünge und Eindrücke, und wurde im Ganzen 
flacher, wie aus der Abbildung ersichtlich seyn wird. Die Schale ist vcrmuthlich erst bei 
der Gewinnung der Versteinerung theilweise weggebrochen unter Hinterlassung eines die Form 
d< 9 Eies sehr eut wiedersehenden Steinkernes. An der einen Seite liegt au! der Schale 
zerbröckelte Schale, < 1 i< • von demselben Ei herrühren wird. Die Zerbröckelang stammt augen- 
scheinlich aus der /.. ii vor der Auffindung des Eies. 

I - ist vom Li 0,1 Lftnge überliefert, die vollständig nicht unter «>.11> L'f in- ssen 

haben wird; lür die Breite erhalt man 0,077, wovon für Druckwirkung etwas in Abzug zu 

br'n. Die ursprüngliche Form war schlanker, als man nach der vollständiger ent- 

iten Seil üben sollte; sie scheint fast reg'-lnia-Nig o\;d gewesen zu seyn. IMc Schale 



- 243 — 

besitzt genau 0,001 Stärke. Aussen ist sie glatt, innen, wie Herbst richtig bemerkt, wenn 
man sie mit der Lupe betrachtet mit einer Lage von sehr feinkörnigem Oolith bedeckt. 
Diese Beschaffenheit gehört der Structur der Schale an. Die Farbe der Eier ist dieselbe 
wie die des Gesteins, ein schmutziges, etwas gelbliches Weiss. 

Bald darauf erhielt ich von Herrn Professor v. Seebach aus demselben Gebilde ein 
Stück von einem Ei mitgetheilt , das derselben Species angehört. Innen ist es ganz mit 
Kalkspath ausgefüllt, der aus sehr spitzen, zu einer schweren Masse innig zusammengefügten 
Rhomboedern zu bestehen scheint. An der festen Schale glaubt man einen Zusammenhang 
zwischen dem fein oolithischen Gefüge und der geringen Rauhigkeit der Oberfläche zu er- 
kennen. Die Kalkspath-Ausscheidung macht es wahrscheinlich , dass das Ei von dem dieses 
Stück herrührt, vollständig geschlossen zur Ablagerung gelangte. 

Herr Professor von Seebach theilte mir im Februar 1857 von derselben Species noch 
zwei unvollständige Eier mit. Von dem einen ist ungefähr so viel erhalten als vom Herbst'- 
schen Taf. XXXVIII. Fig. 25. 26, es ist aber noch mehr zerdrückt und gewährt daher auch 
keine weitere Aufschlüsse über Grösse und Form. Das andere Ei habe ich Fig. 27 abge- 
bildet , es scheint die spitzere Hälfte zu seyn und ist wichtig wegen der rein überlie- 
ferten Form. Für den kleineren Durchmesser lasst sich 0,0675 annehmen. Beide Eier, 
welche ganz den zuerst beschriebenen gleichen, werden von weicherem Chara-Kalk um- 
schlossen gehalten. 

Joh. Müller ist der Ansicht, dass das von ihm untersuchte Ei in Grösse, Form, 
sowie in Dicke der Schale am meisten mit den Eiern des Schwans übereinstimmt. „Doch 
ist, bemerkt er in seinem Berichte an Humboldt, die äussere Oberfläche des Schwanen - Eies 
nicht so glatt, sondern mehr porös als diejenige des fossilen Eies, während hinsichtlich der 
inneren Fläche der Schale das erste dem letzten gleicht. Jener Unterschied der äusseren 
Oberfläche der Schale verbietet, das Ei bestimmt für ein Schwanen-Ei zu halten. Die Eier 
der Casuare sind grösser, als das fossile Ei und sehr porös. Diejenigen des Pelekans mö- 
gen wohl von derselben Grösse seyn, doch besitzen auch diese eine sehr poröse und un- 
ebene Oberfläche. Eier des Megapodius schienen nicht viel kleiner zu seyn, und auch die- 
jenigen der Dioincdea und einiger grossen Grallae mögen wohl dieser Grösse gleichkommen," 
— doch haben solche zur Vergleichung nicht vorgelegen. 

Die Glätte der Oberfläche der Schale erinnert auch an die Eier von Reptilien. Die 
Eier der Schildkröten sind aber im Vergleich zu dem Thier, das sie legt, klein. Das Ei 
aus dem Ilm-Thale müsste in diesem Falle von einer Riesenschildkröte herrühren ; die Schild- 
kröten-Eier endigen stumpfer und sind zum Theil kugelförmig. Müller bemerkt ferner: 
„Auch besitzen die Schildkröten-Eier an ihrer innern Oberfläche, abweichend von jenem 
fossilen Ei, sehr grosse Tuberceln , welche es ganz ausser Zweifel setzen, dass jenes fossile 



- 244 - 

Ei uicht von einer Schildkröte stammt" Ich möchte hinzufügen, dass die ovalen Schild- 
kröten-Eier, welche hiebet allein in Betracht kommen, regelmässig oval sind, während das 
fossile Ei, wie bei Vogeleiern, nach dem .einen Ende hin etwas spitzer ausgeht als nach 
dem anderen. 

l>ie Eier der Krukodile sind an den Enden viel stumpfer und an den Seiten weniger 
convex; sie besitzen eine dickere Schale und sind viel kleiner, indem sie nur die Grösse der 
Eier der Gänse erreichen. 

Das Ergebniss meiner eigenen Untersuchungen geht ebenfalls darauf hinaus, dass diese 
Art Eier von einem Schwan herrühren werden, wofür auch die glatte, mit wenig sichtbaren 
Poren versehene Schale sprechen würde. Der Schwan ist auch bereits in anderen Gegenden 
für die Diluvial-Zeit nachgewiesen; Owen (Quart. Journ. Geolog. Soc, XII. Nr. 47. Aug« 
1856. p. 211. t. 3. f. 13) besehreiht ein vom lebenden wilden Schwan (Cygnus ferus) 
nicht zu unterscheidendes unteres Ende einer Tibia aus dem Diluvial-Gebilde in Essex , das 
mit Knochen von Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus etc. gefunden wurde, die- 
selbe Beschaffenheit wie diu damit vorkommenden Knochen von verschiedenen Säugethiereu 
besitzt und wirklich fossil seyn soll. 

Aus demselben Chaia-Kalke des llm-Thales untersuchte ich ferner fünf Eier, welche 
fast nur halb so gross als die zuvor beschriebenen waren, und schon der auffallenden Grössen- 
verschiedenheit wegen von einem anderen Yugel herrühren. Eins dieser Eier, der Herbst - 
schen Sammlung angehörig, habe ich Tai. XXXVIII. Fig. 30 abgebildet. Es ist von ihm 
mehr als eine Hälfte überliefert, was fehlt wird mit dem Gestein weggebroclicn seyn, 
da das Ei unversehrt zur Ablagerung gekommen seyn wird. Es liegt im weicheren Uhara- 
Kalke. Das Innere des nunmehr leeren Eies war mit noch weicherem Gestein angefüllt, das 
Uisfiel. Hei der Unmöglichkeit, das Ei, ohne es zu zertrümmern, vom Gestein zu befreien, 
habe ich die Abbildung nach einem mit gekneteter Brodkrume sehr gut gelungenen Abdrucke 
zu geben versucht. Der weggebrochene Theil des Eies ist der spitzere. Die grÖSSte Breit« 
belauft sich auf 0,044, die Länge wird nur wenig mehr betragen haben als bei dem Fig. 
abgebildeten Ei, die Dicke der Schale misst fast nur ein Drittel Millimeter. Aussen ist sie 
glatt, innen oulithartig, weit feiner als bei dem grossen Ei desselben Gebildes. Die Farbe 
■.uch hier wieder die de- Gesteins. 

Die andern vier Eier dieser Art besitzt Herr von Seebach. Drei davon kommen auf 
das eben beschriebene heraus, auch in Betreff der Grösse. Von einem derselben ist nur so 
viel als vom Heibtfschen überliefert. Auch an «liesein ist der spitzere Theil weggebruchen ; 
man sieht in den inneren Kaum des \'>n «reicherem I 'hara-Kalk umhüllten Eies. Die Kalk- 
Substana scheint erst nachdem die l'llanze das Ki umschlossen, abgesetzt worden zu seyn. 

: dem Boden des Eies befindet sich eins schräg gerichtete Lage festeren Ge st e i ns, welchem 
ichale fest aufliegen, was auch bei einem sweiten Seebach'schen Ezempuu 



- 245 — 

der Fall ist, das sich nicht ganz genau der Länge nach aufgebrochen darstellt. Der vor- 
handenen Hälfte kann nur wenig fehlen. Der Durchschnitt, den ich Fig. 29 davon ^ebe, 
stellt sich, da er nicht genau durch die Mitte geht, unmerklich schlanker oder spitzer dar; 
er misst 0,0625 Länge, 0,0425 Breite. Das Ei liegt in festem Chara-Kalke, dem ähnlich, 
welcher den von mir veröffentlichten Dachs umschliesst. Ein drittes Seebach'sches Exemplar 
gleicht dem Herbst'schen Fig. 30, und das vierte war eher ein wenig schlanker, als das, dessen 
Durchschnitt ich Fig. 29 gebe. Man könnte unter den Eiern dieser Grösse schlankere 
und weniger schlanke unterscheiden und dabei versucht werden, sie zweien Species zuzutheilen, 
wenn es nicht noch auffallendere Abweichungen in Form und Grösse unter den Eiern einer 
und derselben Vogel-Species gäbe. Die kleineren Eier erinnern an die einer Ente oder eines 
Hühner-artigen Vogels, zugleich auch an die des Auerhuhns (Tetrao urogallus). Form und 
Grösse bieten keine genügende Anhaltspunkte zur genauen Ermittelung des Genus dar. 

Unter den mir von Herrn v. Seebach mitgetheilten Gegenständen befand sich das in 
demselben Chara-Kalke zu Ehringsdorf, eine viertel Stunde von Weimar, gefundene, Taf. XXXVIII. 
Fig. 28 abgebildete Hakenschlüsselbein noch in Verbindung mit dem Schulterblatt. Am Haken- 
schlüsselbein ist das untere Ende, vom Schulterblatt noch mehr weggebrochen, an letzterem ist 
nicht einmal das Gelenkende vollständig. Das Hakenschlüsselbein erinnert, so weit es über- 
liefert ist, eher an eine Ente als an einen Hühner-artigen Vogel, und es wäre daher möglich, 
dass diese Knochen derselben Species angehörten, von der die kleineren Eier aus diesem Gebilde 
herrühren. 

Ein ähnliches Vorkommen könnte das im Drift von Fisherton bei Salisbury in England 
seyn. Nach Blackmore's Bestimmung fanden sich darin mit erloschenen diluvialen Sängethieren 
ein Oberschenkel und ein Hakenschlüsselbein von einer wilden Gans (Anas palustris?) und 
Schalenstücke zweier Eier, von denen das eine in Grösse dem Ei der wilden Gans, das andere 
dem der wilden Ente entsprechen würde. Beide für fossil ausgegebene Eier sollen hell reh- 
farbig gefleckt und theilweisc oberflächlich incrustirt (Quart. Journ. Geol. Soc. London, XX. 
1864. Nr. 79. p. 192) seyn. 



Eier ans «Irin diluvialen Kall» t n II von CamiMatt. 

Aus dem bekannten diluvialen Kalktuff von Cannstatt bei Stuttgart führt Seyffer (Wür- 
temb. naturw. Jahreshefte, I. 1845. S. 206) Eier an, die in Grösse und Form denen unseres 
Feldhuhns gleichen sollen. Auch gedenkt. Kraus (Amtlicher Bericht der Vers, der Deutschen 
Naturforscher in Nürnberg, S. 139. 140) unter den Vogelresten von Cannstatt der Eier, von 
denen er sagt, dass sie denen des Regenpfeifers (Charadrius cantianus) oder Ch. minor ziemlich 
ähnlich sehen. Letztere werden dieselben Eier seyn, welche Veiel aus dem Naturalien-Kabinet 
zu Stuttgart mit anderen Vogelresten unter dem Titel „Vogelreste aus dem Cannstatter Sauer- 



- 246 — 

wasserkalk für die XIII. Versammlung des Vereins für vaterländische Naturkunde" (scheint 
nicht in den Buchhandel gekommen) Fig. 6 abbildet Aus diesem Kalktuff hahe ich ein im 
Museum der Universität Bonn zu Poppclsdorf befindliches Ei untersucht, welches den Eiern 
dieser Vögel nicht entspricht, und sich überhaupt von allen mir bekannten Vögel-Eiern durch 
seine regelmässig ovale Form unterscheidet. Selbst die regelmässiger ovalen Eier von Vögeln 
sind immer an dem einen Ende etwas spitzer als an dem anderen. Deutlicher ist dies bei den 
Eiern von Raben und Krähen, auffallend bei Tringa, Scolopax , Charadrius u. a. der Fall ; 
während die Eier der Pelikane, der Störche, Schwäne, Taucher (Podiceps) und der Enten, selbst 
die Eier gewisser Falken, Geier und Adler regelmässiger oval sich darstellen. Keines die 
1 r kommt an Regelmässigkeit dem gleich, welches ich von Cannstatt untersucht und 
Taf. XXXVIII. Fig. 33 abgebildet habe. Seine vollkommen regelmässig stumpf ovale Form 
ergiebt 0,0305 Länge bei 0,0255 grösster Breite, die genau auf die Längenmitte kommt. Die 
Schale ist unversehrt, matt, eben und von schmutzig weisser Farbe. Gegen das Licht gehalten 
erkennt man , dass ein schräg liegendes Drittel des inneren Raumes hohl sein müsse. Das Ei 
von Accipiter nisus Fall. (Falco nisus L.), dem Finken-Sperber, ist eher noch etwas kürzer, 
doch nicht vollkommen regelmässig oval. Ich glaube daher, dass dieses Ei von Cannstatt eher von 
einer Schildkröte als von einem Vogel herrührt. In Grösse kommt es auf das Ei der Chelydra 
Serpentins Schweig. (Agassis, Contrib. of the nat. bist, of the United States of America, II. 
1857. t. 7. f. 25) heraus, das nur unmerklich spitzer oder länger ist. Auch wurden zu Cann- 
statt Knochen von Schildkröten gefunden, die Jäger (Amtlicher Bericht der Vers, der Deutschen 
Naturforscher zu Aachen, S. 257. — Wtirtemb. naturw. Jahreshefte, 3. Jahrg. S. 208) unter 
Eraya (Testudo) Canstadicnsis begreift. 

In dem Kalktuff zwischen Burg- und Gräfentonna , der wohl eben so diluvial ist wie 
der von Cannstatt, wurden zwei Exemplare von Emys Europaea gefunden, von denen das eine 
in den Besitz Lyells, das andere in das Herzogliche Naturalien-Kabinet zu Gotha gelangte. 
Nach dem, was Hellmann (l'etrefacten Thüringens, S. 4. t. 3. f. 7. 8) über letzteres Exemplar 
initthcilt , besteht dasselbe in Platten, die eine Gruppe von Eiern umgeben. Nach der etwas 
undeutlichen Abbildung zu urthcilen, scheint es in einem Conglomerat von Platten-Fragmenten 
und zum Theil aufgebrochenen Eiern zu bestehen. Die Eier sind von ungefähr derselben 
Grösse wie das. welches ich von Cannstatt untersucht habe, aber länger regelmässig oval und 
kommen mehr auf die Eier von Emys Europaea heraus. 



I <>ssile Federn. 

I Otsile Federn sind fast so selten als fossile Eier. Zwar fehlt es nicht an Nachrichten 
über fossile Federn, von denen aber die meisten bei genauer Untersuchung sah entweder auf 
keine wirkliche Federn, oder auf Federn die nicht fotsil sind beliehen. 



- 247 - 

Die älteste wirkliche und dabei wirklich fossile Feder ist erst in jüngster Zeit durch 
mich bekannt geworden (Palaeontogr., X. 1862. S. 53. t. 8. f. 3). Sie rührt aus dem dem 
oberen Jura angehörigen lithographischen Schiefer von Solenhofen her, und lässt sich in 
keinerlei Weise von den Federn der Vögel unterscheiden , was um so auffallender ist , da 
sie doch von keinem wirklichen Vogel stammt, wie die bald darauf erfolgte Auffinduno- des 
fast vollständigen Skelets, welches in das Brittische Museum gekommen ist , dargethan hat. 
Ich habe das Thier Archaeopteryx lithographica genannt und als einen ebenso eigenthüm- 
lichen Typus von Flugthieren wie Pterodactylus mit diesem zu den Reptilien , woran der 
lithographische Schiefer einen wahren Schatz besitzt, gestellt; während Owen (Philos. Trans. 
London, 1863. p. 33. t. 1. 2. f. 1. t. 3. f. 1. t. 4. f. 1. 7. 8.) es für den Prototypus der 
Vögel hält und diesen beizählt. 

Vor der Entdeckung des Archaeopteryx wusste man nicht anders, als dass Federn, 
wie die Vögel überhaupt, fossil am frühesten in Tertiär-Gebilden vorkommen. Für diluvial» 
Federn ist der nicht meerische, sogenannte Sauerwasser-Kalk von Cannstatt bei Stuttgart 
berühmt. Die Federn liegen hier mit Resten von Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinu- 
und andern diluvialen Säugethieren , sowie mit Conchylien , die den lebenden ähnlich sind, 
zusammen ; auch traf ich in der Sammlung des Herrn Dr. Veiel zu Cannstatt als grosse 
Seltenheit den Flügel einer Libelle, der in diesem Kalke gefunden wurde. Dieses Vorkommen 
von Federn zieht zwar Jäger (Fossile Säugethiere Würtemberg's, S. 129) in Zweifel, indem 
er glaubt, dass die Federn vom Monte Bolca grössere Aehnlichkeit mit Vogelfedern besitzen, 
als die von Cannstatt , bei denen unverkennbare Aehnlichkeit mit vegetabilischen Formen 
bestehe. Es gedenken jedoch auch Stahl (Correspondenzblatt des Würtemb. landwirthsch. 
Vereins, VI. S. 27), Seyffer (Würtemb. natura. Jahreshefte, 1. Jahrg. 1845. S. 206) und 
Krauss (Amtl. Bericht der Vers. d. Naturf. und Aerzte in Nürnberg, 1845. S. 139. 140) der 
Federn von Cannstatt, die auch in verschiedenen Sammlungen angetroffen werden. Die reichste 
Auswahl, wohl ein halbes Hundert, fand ich bei Dr. Veiel, der einige auf einer Tafel, welche 
die Aufschrift führt: „Vogel-Reste aus dem Cannstatter Sauerwasser-Kalk für die XIII. Ver- 
sammlung des Vereins für vaterländische Naturkunde", lithographiren liess. Diese Federn 
rühren zweifellos von Vögeln verschiedener Art her. 

Das Vorkommen von Federn in dem Kalke bei Cannstatt unterliegt daher keiner Fra°e 
Sie bestehen jedoch nicht mehr in den Federn selbst, sondern nur in den von ihnen ein- 
genommenen Räumen, die, ich möchte sagen mit galvanoplastischer Schärfe überliefert sind, 
so dass die eigentlichen Federn gar nicht vermisst werden. Man sieht den Federn . welche 
oft von namhafter Grösse sind, an, dass sie nass zur Ablagerung gelangt sevn müssen. 
Vermuthlich schwammen sie auf dem Wasser, als der darin enthaltene, äusserst fein zertheilte 
Kalk sich niederschlug und sie einhüllte. Die Auflösung und Entfernung der Feder-Substanz 
konnte erst eingetreten seyn , nachdem das Gestein , welches jetzt den scharf ausgeprägten 

Palaeontogr. , Bd. XV. 5. 33 



— 248 - 

Abdruck seist, völlig erhärtet war. Das Gestein gleicht einer Abänderung dos tertiären 
UtorineUen-Kalkes bei Frankfurt, deren Entstehung dank Con&rven vermittelt wurde, die 
noch tinden du Gestein durchziehenden fadenförmigen Gängen erkannt werden. Von Charen, 
welche bei der Bildung des diluvialen Kalkabsatzes im Ilin-Thale bei Weimar thätig waren, 
und noch jetzt solche Bildungen begünstigen, war an den von mir untersuchten Stücken von 
Cannstatt nichts zu erkennen. 

Zur Ermittelung einer Vogelgattung aus einzelnen Federn gebrieht es an den nüthigen 
Vorarbeiten, die wohl noch lange auf sich warten lassen weiden. Die Möglichkeit des Ge- 
lingen.-, den Vogel an vereinzelten Federn zu erkennen, möchte man kaum bezweifeln, wenn 
man z. B. die genauen Abbildungen sieht, welche Meves (Ann. Mag. nat. bist., 3. ser. III. 
1858. p. 304) von der ersten oder äusseren Schwanzfeder einiger Scolopax-Arten giebt. 
Bei den fossilen Federn müsste freilich auf die Farbe verzichtet werden, auf die in der 
• Ornithologie als Kennzeichen wühl überhaupt ein zu grosses Gewicht gelegt wird. Die L'n- 
Bicherheit solcher Bestimmungen wird indess schon daraus erkannt, dass aus einer echten Feder 
sich nicht einmal auf einen wirklichen Vogel schliessen lässt, wie wir so eben bei Archacop- 
teryx gesehen haben. 

Während diluviale fossile Federn eigentlich nur erst von Cannstatt mit Gewissheit 
vorliegen, sind die tertiären schon von mehreren Orten bekannt. Von einer in dem Bernstein 
der Baltischen Finne überlieferten Peder theilt Berendt (Die in Bernstein befindlichen Orga- 
nen Reste der Vorwelt, I. S. 50. t. 7. f. 29 -31) folgendes mit: ,,Das Bernsteinstück 
hat 1" im horizontalen Durchmesser, ist völlig weinklar und erhielt von mir die Form einer 
V /" dicken, flachen Scheibe, wodurch das Object also sehr deutlich ins Auge lallt. Der 
Kiel ist an der Spule und am Schaft verletzt, einige Aeste fehlen, andere sind eingeknickt, 
unverkürzt käme ohne Zweifel die doppelte Länge heraus. Ich glaube, dass es eine Axillar- 
1 • ler vom hinteren Rügelrande ist. da sie für eine Flaum- oder Deckfeder zu viel Rigidität 
»itzt. Da ich aus Form und Structur, in Ansehung der Familie des einstigen Trägers, 
nichts zu ermitteln vermochte, so legte ich das Original einigen bewährten Ornithologen 
ich habe mich aber vergebens um Belehrung bemüht." 

Ans dem an Fischen so reichen Tertiär-Gebilde des Monte Bolca veröffentlicht Faujas 
(Ann. Mus., III. p. 20. t . 1. f. l — 8) zwei Versteinerungen, welche er für Vogelfedern erklärt. 

Journ. de Phys. floreal, An 8. I. p. 884), der diese Versteinerungen in Verona sah, 
konnte sich \ < -n der Richtigkeit dieser Ansicht nicht Überzeugen, wogegen Cuvier (ose. foss., 
4. cd. \. p. 556), der sie öfter zu untersuchen Gelegenheil fand, bekennt, dass >'n von 
wirklichen Federn nicht zu unterscheiden •eyen. 

An den Flügelknochen und dem Schwänze des ersten in dem tertiären Knochen 
führenden Gypsc des Montmartre bei Paris entdeckten Vogels einübte Lamanon noch Federn 
wahrzunehmen, ron deren Gegenwart sich jedoch Cuvier (1. <•. p. 568. t. 164. L li nicht 



- 249 — 

überzeugen konnte. Es ist übrigens auffallend, dass bei der Häufigkeit und Vollständigkeit 
der Vögel in diesem Gebilde daraus noch keine Federn bekannt sind. Vielleicht ist es der 
Gypsgehalt, der ihrer Ueberlieferung nicht günstig war. 

Gleichwohl gedenkt aus einem Gebilde ähnlicher Natur, dem Insekten führenden Mergel 
von Aix in der Provence, schon Marcel de Serres (Geogn. des terrains tertiaires etc., p. 2G8) 
im Jahr 1829 der Abdrücke von Vogelfedern, welche später Coquand (Bull. soc. geolog. 
Franc., X. 1839. p. 77) mit dein Bemerken bestätigt, dass sie von kleinen Vögeln herzurühren 
scheinen. Blanchet (Bull. soc. Vaudoise, IV. Nr. 33. p. 60) besitzt von dort den Abdruck 
einer Vogelfeder; Gervais (Zoolog, et Paleont. Franc., p. 232) führt von Aix zwei Federn 
an, und es sollen sich deren auch in den Sammlungen zu Aix und zu Marseille vorfinden, 
wonach sie nicht gar selten wären. 

Aus dem Knochen führenden Mergel der Limagne gedenken Croizet und Bravard 
(Gervais, 1. c. p. 237) der Abdrücke von Federn. 

Aus dem Molasse-Mergel von Oeningen giebt Scheucbzer (Mus. diluv., p. 106; — 
Physica sac. , I. t. 53. f. 22) eine Versteinerung für „einen wohl ausgeklickten Schwanz 
oder Schwingfeder von einem Vogel" aus. Fortis (I.e. p. 334). der, wie wir gesehen haben, 
die Federn vom Monte Bolca in Zweifel zieht, glaubt auch hier nicht an die Möglichkeit 
einer Vogelfeder, sondern hält die Versteinerung für eine Sertularia, was sie nicht wohl seyn 
kann. Wirkliche Vogelfedern aus dem Mergel von Oeningen habe ich selbst untersucht und 
in meinem Werke: „Fossile Säugethiere, Vögel und Reptilien von Oeningen" (1845. S. 10. 
t. 1. f. 5. 6) veröffentlicht, dabei auch die frühern Angaben über Federn und Vögel aus 
diesem Gebilde besprochen. In Andreae's „Briefe aus der Schweiz" (1776. S. 56) ist von 
einer aus diesem Gebilde herrührenden Vogelfeder als von einem „ganz einzelnen Stück" 
die Rede. In Gmelin's Uebersetzung von Linnes Mineralsystem (III. S. 461) wird gesagt, 
Walch gedenke von Oeningen einer Spule, vermuthlich von einer Gänsefeder, mit einem 
Stück vom Bart und einer kleinen Vogelfeder mit der Spule auf einer versteinerten Muschel. 
Zuverlässiger habe ich eine Angabe bei Karg (Denkschr. d. Naturf. Schwabcn's, I. 1805. 
S. 26) gefunden, wonach in der Naturalien-Sammlung zu Meersburg der Abdruck einer kleinen 
Vogelfeder auf Oeninger Schiefer liegen soll. Diese Versteinerung ist mit der Meersburger 
Sammlung in die Grossherzogliche zu Carlsruhe übergegangen , aus der ich sie zur Unter- 
suchung erhielt. Ich habe sie in meinem Werk über Oeningen (S. 10. t. 1. f. 6) veröffent- 
licht. Sie stellt in den beiden Gegenplatten eine sogenannte Deck- oder Flaumfeder von 
guter Erhaltung dar. Die eine Seite der Fahne ist dunkler als die andere, was von der 
ursprünglichen Färbung der Feder herrühren könnte. Mit Hülfe der Lupe erkennt man an 
den Fäden der Fahne auch den Schaft mit den kurzen Seitenfasern ; der Kiel ist weniger 
deutlich überliefert. Unter den Insekten der früheren Meersburger Sammlung fand ich ferner 
von Oeningen die beiden Gegenplatten mit dem noch mit Federn versehenen Schädel eines 

33* 



- 250 - 

kleinen Vogels, den ich ebenfalls in meinem Werk übet Oeningen (S 11. t. 1. f. 5) ver- 
öffentlicht habe; eine genauen Bestimmung des Vogel« war Bebet In. i diesem Stück nicht 
■h. Endlich traf ich auch noch in. dem Tevler'schen Museum zu Ilaarlem aus diesem 
Gebilde eine Leder von it.os-j Länge. Dann gedenkt auch Heer (Urwelt der Schweiz, S. 408 
r. 11. f. S) einer scheinen Feder von Oeningen, deren Lahne etwa einen Zoll Breite gehabt 
d musste, und anderer Federn bei denen die Breite nur ein Paar Linien betrug. 

Aus dem Lhonolith-Tuff im Höhgau, dessen Ltlan/.en auch Heer mit denen Nun 
Oeningen übereinstimmen, theilte mir Herr Dr. Schill im .Mai 1861 eine Vogelfeder mit, die 
ich Tat. XXXVI. Fig. 12 abgebildet habe. Sie gleicht unter den fossilen Ledern am meisten 
der Leder Lig. 9 und den kleineren Fig. 5 und <> aus der Braunkohle von Kott auf derselben 
Tafel. Der Schaft lässt sieh deutlich unterscheiden. 1 >ie Länge, welche die Fäden zu beiden 
Seiten der Fahne besitzen, scheint kaum verschieden. Von der Spule ist nichts überliefert Die 
. ist wie das Gestein weisslich, an einigen Stellen der Oberflache schwärzlich braun, eine 
Färbung, die um -<> weniger ursprünglich der Feder zugestanden haben wird, als sie auch 
an den dabei befindlichen Blättern wahrgenommen wird. In der Nähe liegt die bereit.- ver- 
öffentlichte Flügeldecke von einem weiblichen Dytiseus avunculus Heyd. (Palaeontogr., X. 
S. Bl. t. 10. f. 89), dem eine zu Oeningen vorkommende Species nahe stellt. 

Es führt sodann noch Andrä (Abhandl. der Geologischen Keichsanstalt in Wien. 1855. 
II. S. Ui aU8 einem viele Bilanzen und einige Lisehe enthaltenden Tertiär-Gebilde ZU Sza- 
kadat und Thalheim in Siebenbürgen (ine fossile Vogelfeder an. 

Zu diesen tertiären Vorkommnissen von Ledern fütie ich das <l L -r Braunkohle von Itott 

hinzu. In der Sammlung der Universität Bonn zu RoppelBdorf und des Herrn Dr. (Crantz 

fand ich Stücke von dieser Braunkohle mit Ueberresten, welche sicherlich nicht von Pflanzen 

herrühren, für die man sie halten wollte, sondern wirkliche Ledern darstellen (Jahrb. für 

Mineral.. 1859. S. 725). An Sertularien, \ r on denen BelbstCuvier bekennt, dass ihreUnter- 

scheidung von den Vogelfedern nichl leicht Bey, kann bei einem Gebilde wie die Rheinische 

Braunkohle, das von aller meerischen Beimengung frei ist, nicht wohl gedacht werden. Diese 

Braunkohle scheint der üeberlieferung von Federn und zarteren organischen Theilen überhaupt 

günstig, linden sieh in ihr doch auch die zartesten Ltlanzentheile, SO wie der Kaum, welchen 

der weiche Körper kleinerer Wirbelthiere einnahm, soharf begrenzt und Bchwärzliob gefärbt; 

ja selbst vom Pelze der Nager sind, wie in dem Mergel von Oeningen, die feinsten Härchen 

: . - 1 j r • - t . Vögelknoehen sind freilich in dieser Braunkohle noch nicht gefunden« I 

■ ! wird jedooh nur worübergehend Beyn. Leim es wird Niemand bezweifeln wollen, 

zur Zeit als die Braunkohle sieh bildete, der Rheinischen Lamra Vögel ebenso gut 

standen baben, als gegenwärtig. Es liegen Übrigens aus nahe verwandten Braunkohlen, wie 

die der Rhön, Vögelknochen vor, die ich selbst untersucht habe. Wenn sich nun von Arn 

In in einem Bolchen Gebilde vorzugsweise die Federn und zwar vereinzelt linden. 90 erklärt 



- 251 - 

sieh dies leicht daraus, dass der Vogel weit mehr Federn als Knochen hat, und dass die Zahl 
seiner Federn noch durch das periodische Ausstossen und Wechseln (Mausern) des Gefieders 
vermehrt wird. Schon zu Lebzeiten des Thiers fehlt es daher nicht an vereinzelten Federn, die, 
von Wind und Wetter getrieben , oft fern vom Aufenthaltsort des Vogels zur Ablagerung ge- 
langen. Die Federn gleichen hierin den Blättern , die auch oft in der Braunkohle an Stellen 
angetroffen werden, wo sich die Stämme oder Aeste, denen sie entnommen sind, eben sowenig 
vorfinden wie die Knochen der Vögel, von denen die Federn herrühren. 

Die fossilen Federn von Iiott gleichen mehr schwärzlichen, bräunlichen und grünlichen 
Abdrücken. Diese Färbung wird auch hier nicht sowohl durch die ursprüngliche Färbung 
der Feder als durch die Braunkohle bedingt seyn, wie es bei dem Pelze der kleineren 
Säugethiere der Fall ist; während sich bei den Insekten desselben Gebildes, namentlich bei 
gewissen Käfern, bisweilen die ursprüngliche Färbung und selbst der Metallglanz erhalten hat. 

Am schwersten lässt sich bei diesen Federn aus der Braunkohle der Schaft und die 
Spule verfolgen, von deren Substanz nichts überliefert ist. Die von ihnen eingenommene 
Stelle erkennt man daran, dass sie unmerklich dunkler oder heller als die Fahne 
gefärbt ist. Den Federn sieht man an, dass sie nass zur Ablagerung gelangten. Die Fahne 
klafft hie und da, an anderen Stellen liegen Fäden über einander, oder sie sind in noch 
grossere Unordnung gerathen und wohl auch geknickt. Das Klaffen der Fahne hat theil- 
weise darin seinen Grund , dass die ursprünglich mehr oder weniger gewölbte Feder, jetzt 
glatt gedrückt sich darstellt. Für Federn sprechen bei diesen Versteinerungen endlich noch 
die verschiedenen Formen, in denen sie auftreten, und die mit den Formen wirklicher 
\ ogelfedcrn vollkommen übereinstimmen. 

Eine der schönsten und vollständigsten von diesen Federn aus der Braunkohle bei 
Kott habe ich Tat'. XXXVI. Fig. 2 abgebildet. Sie wurde mir von Herrn Dr. Krantz mit- 
getheilt und wird eine Steuer- oder Puiderfeder aus dem Schwänze seyn. Die Fäden, 
woraus die an einigen Stellen klaffende Fahne besteht, zeigen an beiden Seiten ungefähr 
gleiche Länge. Die Fahne war ziemlich spitz. An ihrer Basis erkennt man unter 1 leller- 
werden der Versteinerung Andeutungen eines feineren Flaumes und von der Spule, die 
nicht stark war. Die Farbe ist jetzt mehr bräunlich, ins Grünliche sich ziehend. Auf der 
einen Hälfte der Fahne liegt der Länge nach ein Stück Fahne , das nicht wohl von dieser 
Feder herrühren kann. 

Fig. 4 scheint die Spitze von einer ähnlichen Feder darzustellen. Die Fahne klafft 
an einigen Stellen; die Fäden, woraus sie besteht, sind straff, die Farbe bräunlich. 

Das Stück Fig. 1 der Krantz'schen Sammlung rührt von einer grössern Feder und 
wahrscheinlich auch von einer anderen Species her. Die Feder, von der nur das Endstück 
der Fahne vorliegt, wird eine Schwung- oder Schwingfeder des Flügels seyn; sie zeichnet 
sich durch Fäden von auffallend ungleicher Länge zu beiden Seiten des Schaftes aus. Die 



- 252 - 

längeren Fäden der einen Seite sind stark gebogen oder geknickt, die kürzeren der anderen 
Seite behaupten, mit Ausnahme des mehr nach der breiteren Seite hin gebogenen Endes, 
mehr ihre ursprüngliche Richtung. Die Farbe ist schwärzlich braun. Der durch unmerklich 
hellere Färbung angedeutete Schaft war ziemlich stark. Der Vogel scheint die Grösse 
unserer Gänse erreicht zu haben. 

Wegen der Stärke des Schaftes und der ungleichen Länge der 'Fäden zu beiden 
Seiten der Fahne möchte ich auch das Fig. 10 abgebildete Ende der Krantz'schen Samm- 
lung einer Schwungfeder beilegen. Der deutlich zu unterscheidende starke Schaft ist nur 
schwach gebogen, die Fahne noch gut geschlossen. * Die Färbung ist dunkel röthlich braun, 
ins dunkel Violette spielend , worin eine Andeutung von der ursprünglichen Färbung der 
Fahne zu liegen scheint. 

Die übrigen Federn werden mehr Deck- oder Flaumfedern darstellen. Die Fäden 
zu beiden Seiten der Fahne sind in Länge wenig verschieden. Fig. 9 liegt in einem mehr 
thonigen Gebilde mit ihrem zwar dünnen , aber gleichwohl deutlich zu erkennenden Schafte, 
gut erhalten. Die Feder endigt, ungeachtet, der langen Fäden der Fahne, stumpf. Von der 
Spule wird nichts erkannt. Gegen diese hin treten zartere Fäden auf. Die Fahne klafft hie 
und da. Diese Feder befindet sich in der Sammlung zu Poppeisdorf. 

Dasselbe ist mit den Federn Fig. 5 und 6 der Fall , welche der zuvor beschriebenen 
ähnlich sehen. Sie sind schwärzlich. Von der spitzeren Feder Fig. 6 konnte ich den Schaft 
deutlich unterscheiden, was mir an der anderen Feder nicht gelingen wollte. Letztere wird 
gegen die Spule hin, die von beiden Federn nicht vorliegt, sehr zart, mehr wollig. 

Zart war auch die kurze, rundliche Flaumfeder Fig. 7, deren Ende gegen die Spule 
hin weggebrochen ist. Sie liegt ebenfalls in der Sammlung zu Poppeisdorf. 

An der Flaumfeder Fig. 3 glaubt man deutlich zu erkennen , dass sie nass zur Ab- 
lagerung gelangte. Diese Feder war ungefähr so gross als die zuvor beschriebene, aber, 
wie es scheint, weniger zart. Sie liegt auf einem kleinen Leuciscus. Mit der deutlicher ins 
Grünliche stechenden Farbe gleicht sie der Feder Fig. 2. 

Die Feder Fig. 8 der Sammlung zu Poppeisdorf und die nur halb so grosse Feder 
Fig. 11 der Krantz'schen Sammlung werden ebenfalls Flaum- oder Deckfedern darstellen, 
deren Fahnen durch Nässe zusammengefaltet sind und sich mit den Enden mehr nach der 
einen Seite hin gezogen haben, wodurch sie schmäler erscheinen. An diesen beiden Federn 
lässt sich der Schaft nicht unterscheiden. 

Diese Federn weisen unstreitig auf mehrere Species Vögel in der Braunkohle von Rott 
hin, und zwar von der Grösse unserer Tauben bis zu der der Gänse. Eine genauere 
Bestimmung der Gattungen ist aus den bereits angegebenen Gründen zur Zeit nicht 
wohl möglich. 



Amphicyon? 
mit krankem Kieler, aus dem Tertiär -Kalk von Flörsheim. 

Von 

Hermaii 11 v on Meye r. 
Taf. XXXIX. 



Aus dem an ausgezeichnet gut erhaltenen Conchylien reichen Tertiär- Kalke von 
Flörsheim zwischen Frankfurt und Mainz, und zwar aus der wegen ihrer schönen Helix- 
Arten bekannten Schichte erhielt Herr Prediger Wolff im Herbst 1863 als Seltenheit eine 
Anzahl theilweise noch von dem Gestein umschlossener fossilen Knochen. Diese Knochen 
sind von einer solchen Härte , dass sie beim Anschlagen klingen ; sie sind nicht nur aussen, 
sondern durch die ganze .Masse hindurch dunkel schwarz, was von Eisenmangan herrühren 
wird. Die Knochen dieses Fundes gehören einem grossen Pachyderm und einem Fleisch- 
fresser an. Von dem Pachyderm liegt nur die innere Hälfte von der unteren Gelenkrolle eines 
rechten Oberarmes vor, der in Beschaffenheit und Grösse auf die Oberarm -Knochen von 
Rhinoceros (Rh. incisivus?) herauskommt, die ich aus der Mulasse von Buchberg in der Schweiz 
und aus dem Süsswasserkalk von Eggmgen bei Ulm kenne, und die ich auch unter den 
fossilen Tertiär-Knochen vorgefunden habe , welche die Brüder von Schlagintweit auf ihren 
Reisen in Indien und Hoch-Asien sammelten (Palaeontogr. , XV. S. 1). Am Knochen von 
Flörsheim ist die Gelenkrolle an der Innenseite 0,061 hoch, in derselben Gegend erhält man 
in der Richtung von vorn nach hinten 0,0815. 

AVichtiger jedenfalls sind die Knochen des Fleischfressers, der in Grösse näher dem 
Fuchs als dem Wulfe stand und an Amphicyon erinnert. Säinmtliche Reste rühren nur von 
einem einzigen Individuum her. Ein solches Zusammenliegen mehrerer Skelettheile von 
einem und demselben Säugethier ist für ein Gebilde des Mainzer Tertiär- Beckens, wozu 



— 254 — 

im gehört, kaum gekannt; Beibat vollständige vereinzelte Knochen sind selten, Hie 
Beste von Flörsheim bestehen in Wirbeln, worunter das Kreuzbein und Schwanzwirbel, welche 
ein Thier mit langem Schwänze verrathen; sie bestehen ferner in eleu beiden Oberarm-Knochen, 
den Gelenkköpfen der beiden Oberschenkel, einem Stück vom Becken, in Mittelhand- und Mittel- 
knochen, dem Erbsenbein, den Leiden Fersenbeinen und einem Stück Unterkiefer; vom 
Kopf bat sich sonst nichts vorgefunden. 

Aus der linken 1' n t e rk i e f e r h B 1 1 t e. Tai". XXXIX. Flg. 1-1. 

S bon beim ersten Anblick überrascht der Fig. 1 von aussen, Fig. ~2 von oben, Fig. 3 
von innen und Fig. 1 umrisslich von hinten dargestellte Knochen durch sein krankhaftes 
Aussehen. Das vordere Ende des Kiefers ist bis auf den hinteren Winkel seiner Eckzahn- 
Ali - brochen. Unmittelbar dahinter erkennt man eine 0,004 Durchmesser ergebende 
Alveole mit einem Wurzelstumpf. Schon diese Gegend ist von krankhafter Beschaffenheit. 
Etwas weiter hinten liegt eine deutlichere, aber ebenfalls krankhaft aussehende Alveole, 
die in 0,0225 Entfernung von der Eckzahn -Alveole endigt. Nach einer Lücke von 0,005 
folgt ein zweiwurzeliger Zahn, dessen beide Alveolen einen Raum von 0,013 Länge einnehmen. 
Die Krone ist weggebrochen, die Wurzeln stecken fest in den Alveolen, von denen die Btärkere 
hintere von aussen nach innen 0,005 ergiebt. Nach einer nur geringen Unterbrechung folgen, 
mit illt , die Alveolen eines zweiwurzeligen Zahnes, welche zusammen ü,01(i 
einnehmen; die grössere hintere Wurzel ergiebt 0,008 Länge bei 0,00ö Breite. Für 
d( n le isszahn würde der von diesen beiden Wurzeln eingenommene Raum zu klein seyn. 
Von dem unmittelbar dahinter folgenden Zahn ist nur das vordere Ende der Alveole mit einem 
k Wurzel erhalten, woraus sich über den Zahn selbst nichts entnehmen lässt. Der übrige 
Kiel' r ist weggebrochen. 

Dem einzigen mit der Krone überlieferten Zahn entspricht in ungefähr halber Ki< 
höhi- ein -'■: iiiiini. isslocb an der Aussenseile (Fig. 1). Hinter diesem Zahn ergiebt der 

Kiel ■ Höhe l"i 0,011 gegen den unteren Kieferrand hin fallende Dicke. 1 'er Stelle 

gleich hinter der ersten Alveole entsprechend, befindet sich über der Mitte der Kieferhöhe 
ein anderes, mehr nach vorn und oben mündendes Gefassloch. Die obere Hälfte des Kie- 
nochens erscheint unnatürlich (lach und dabei aussen Bchwach eingedrückt, namentlich in 
der interen G während die untere Haltte der Aussenseite eben 

unnatürlich angeschwollen ist, und in der dem hinten n Ah colend'aar entsprechenden Gegend 
dunh Bchwache Eindrücke und Hübelchen eher noch krankhalt er aussieht Am deutlichsten aber 
tritt der kranke Zustand des Knochens an der Innenseite (Fig '■'■) auf. Hier erkennt mau 
in ihr Gegend des vorhandenen und des ihm folgenden Zahnes in der unteren Höhenhälfte 
eine schmale, ins Innere des Kiefers führende Oeffnung und davor einen vertieften Punkt, voi 
dem ein läi Eindruck liegt, Alles dies befindet sich in einer Art Kinne, die hinterwärts 



— 255 - 

mit schwachen Unebenheiten fortsetzt. Die ganze Bildung erinnert an eine Cloake , eine 
während des Lebens des Thieres im Knochen entstandene Oeffhung zum Abfluss der Jauche, 
welche sich im Kiefer ansammelte. Ueber dieser kranken Gegend ist der Kiefer schwach 
gewölbt , unter ihr mehr eben ; vorn erkennt man eine schwache , aber gleichwohl deutliche, 
nach dem unteren Kieferrand auslaufende Streifung. Es liegen auch hinten ein Paar breitere, 
mehr aufwärts gerichtete, schwache Eindrücke, die ebenfalls dem krankhaften Zustande bei- 
zumessen seyn werden. Der ebenere obere Theil des Kieferknochens ist innen mehr gewölbt, 
der untere Theil umgekehrt aussen gewölbt, innen eben, wie es bei einem gesunden Unter- 
kiefer nicht wohl vorkommen kann. 

Der krankhafte Zustand dieses Kiefers ist daher nicht unbedeutend; er scheint duich 
eine gewaltsame äussere Einwirkung vielleicht durch einen Biss, der eine Zahnfistel zur Folge 
hatte, veranlasst. Die übrigen Theile vom Knochenskelet sind durchaus gesund. 

Krankhafte fossile Knochen gehören noch immer zu den Seltenheiten. Einer der 
frühesten Knochen der Art, die gefunden wurden, ist der bei Esper (1774) abgebildete 
Oberschenkel, dessen Beschaffenheit erst von Walther richtig beurtheilt wurde. Th. v. Söm- 
merring (Acta Acad. Leopold., XIV. 1. S. 1) veröffentlichte sodann einen jetzt im Brittischen 
Museum befindlichen Schädel von Hyaena spelaea aus der Muggendorfer Höhle mit einem ge- 
heilten Biss, der ihm von einer anderen Hyäne beigebracht wurde; worauf Walther (1825. 
Journal für Chirurgie und Augenheilkunde, VIII. 1) an Knochen von Höhlen -Bären die ge- 
wöhnlichen, durch äussere Einflüsse oder durch innere Krankheits- Ursachen veranlasste 
Knochen-Krankheiten, wie sie beim Menschen vorkommen, nachwies. Zais (1856) beschrieb, 
dies bestätigend, die im K. Naturalienkabinet zu Dresden befindlichen kranken fossilen Knochen ; 
Hart eine , wie angenommen wird , durch eine Waffe verletzte Rippe von Cervus Eurycerus, 
und M. de Serres, Dubrueil und Jean-Jean (Mem. du Mus., XVII. p. 312. 457. t. 25. f. 7) machten 
auf einen Schädel von Hyaena spelaea aus den Höhlen von Lunel-Vieil mit einer Wunde aufmerksam. 

Ich selbst habe früher schon mehrere hieher gehörige Fälle beobachtet , einen der 
wichtigsten an dem 1826 bei Mannheim in dem Diluvium des Rhein's gefundenen vollständigen 
Schädel von Bos (Bison) priscus, in dessen Stirnmitte ich eine durch äussere Verletzung ent- 
standene Knochenwunde entdeckte, die in einem in die Schädelhöhle führenden Loche bestand. 
Die Umgebung des Loches zeigt sich an einer Stelle durch Exostose erhöht und auch sonst 
krankhaft aufgetrieben ; von der Mündung des Loches zieht eine kleine Kinne herab ; was alles 
auf eine Cloaken-Bildung schliessen lässt (Acta Acad. Leopold., XVII S. 124. t. 8. f. 1. 4). 

Ein anderer von mir beobachteter Fall ist der, wo der rechte Oberschenkel eines 
Crocodils aus der tertiären Braunkohle von Rott im Siebengebirge mehr in der oberen Hälfte 
einen etwas schiefgehenden Bruch erlitt, der eine Verschiebung der beiden Knochenstücke 
und dadurch eine Verkürzung des Beines zur Folge hatte. Dieser vollständig geheilte Bruch 

Palaentopr., Bd. XV. 5. 34 



— 256 — 

Btcttt ein Schönes Präparat dar. An den Bruchenden der Knochen fand Auftreibung durch 
Erweiterung der Gefässe Btatt; die Calla«- und Osteophyten- Bildungen sind ausgezeichnet. 

Einen Fall von Anchylose aus der weit in der Geschichte der Erde zurückführenden 
Zeit dea .Muschelkalkes (Trias) habe ich in meinem "Werk über die Saurier des Muschelkalkes 
S. 123. t. G6. f. 7) beschrieben. Von einem kleinen Saurier aus dieser Formation von Chor- 
zow in Schlesien Bind die Gelenkenden zweier Zehenglieder unter geringer Verschiebung mit 
einander verwachsen, was einen entzündlichen Zustand des Gelenkes verräth. Ein Gegenstück 
hiezu besteht in einer Anchylose des mittleren l'aars Mittelhandknochen von einem grösseren 
Fleischfresser aus dem Tertiär - Gebilde von Weisenaa bei Mainz. Die beiden Knochen sind 
auf etwas mehr als die obere Längenbälfte mit einander verschmolzen, so da-- man auf eine 
Breborene Missbildung schliessen sollte; die oberen Gelenkflächen sind dabei normal entwickelt 
und deutlich getrennt; an der (Unterseite der beiden vereinigten Knochen zeigt sich jedoch 
krankhafte Bildung. Die getrennten Knochentheile , welche eine nur wenig geöffnete Gabel 
bilden, sind dabei vollkommen gesund. 

Die von mir noch nicht ausführlich veröffentlichten kranken fossilen Knochen werde 

ich bei einer anderen Gelegenheit mit Abbildungen genauer darlegen. Die Pathologie wird 

freilich durch sie nicht bereichert werden, sie bilden aber immerhin beachtenswerthe Belege für 

das Alter und die Beständigkeit der verschiedenen bei den Knochen vorkommenden Krank- 

- formen. 

Bei dem krankhaften Zustande des Kiefers von Flörsheim, ist es kaum möglich, das 
Zahnsystem und folglich auch das Genus, welchem diese Reste angehören, mit Sicherheit zu 
ermitteln. Wahre« beinlich gehört das Thier dem Kreis von Fleischfressern . wozu Amphi- 
cyon gerechnet wird, vielleicht diesem Genus selbst an. Von den Zahnkronen ist so gut wie 
nicht- überliefert In einem von mir aus der nachbarlichen Tertiär-Ablagerung Mm Weisenaa 
untersuchten, in Grösse von dem vorliegenden wenig verschiedenen Kieferfragmenl liegt die 
G faatmundung anter der vorderen Hallte des zweiten Backenzahns, der, wie der erste. zwei- 
wurzelig ist; die Entfernung dir Backenzähne von dem Eckzahn betrag etwa- mehr als bei 
dem Kiefer von Flörsheim. 

In einem Stück Unterkiefer eines kleineren von Gervais (Paleont. Franc., t. 28 f. 11) ver- 
öffentlichten Amphicyon liegt das Kieferloeh unter der hinteren Hälfte des zweiten vor dem 
Reisszahn Bitzenden Backenzahnes, der zweiwurzelig iBt. 

In den bei Cuvier (ose. foss., I. ed. t. 199) abgebildeten Unterkiefern vom Höhlen« 
Wolf befindd sich das hintere Loch bei dem einen (f. I) unter dem zweiten vor dem b'eiss- 
zalm sitzenden Zahn, bei dem anderen (f. 8) ein wenig weiter muh. und das vordere hoch 
in der Gegend zwischen dem ersten, einem einwurzeligen Zahn und dem zweiten Backenzahn 
der Reihe. Line ähnliche Vertheilung dieser Löcher oder GefMatmttndungen trifft man bei 



— 257 — 

dem Fuchs und Hund, freilich mit auffallenden Abweichungen selbst zwischen den Iieiden 
Hälften eines und desselben Kiefers, die so weit gehen können, dass das eine oder das andere 
der Löcher gänzlich fehlt. 

Unter Beachtung der bei Bestimmungen bisweilen einen guten Anhalt gewährenden 
Lage der äusseren Gefässmündungen am Unterkiefer scheint es daher, dass dem Reisszahne 
nur der mit etwas Wurzel versehene Anfang der Alveole am hinteren Bruchende des Kiefers 
angehört, und dass die davorliegende Strecke drei zweiwurzelige Zähne und einen einwur- 
zeligen am vorderen Ende umfasst. Die Alveolen des ersten zweiwurzeligen Zahnes sind 
krankhaft \ erwachsen , was namentlich für die vordere gilt. Das vordere Kieferloch würde 
alsdann der Gegend zwischen dem ersten und zweiten Backenzahn und das dahinter folgend*" 
Loch dem dritten Backenzahn der Reihe oder dem zweiten zweiwurzeligen Zahn entsprechen. 

Oberarm. 

Von den beiden Oberarmknochen liegt ungefähr die untere Hälfte vor. Fig. 5 stellt 
den rechten Oberarm von vorn, Fig. 6 von aussen, Fipr. 7 von innen, Fig. 8 von hinten, Fif. ( J 
die Gelenkrolle von unten und Fig. 10 den oberen Querschnitt des Knuchenkörpers in natür- 
liche 1 " Grösse dar. Die vorhandene Länge beträgt 0,097, die ganze Breite am unteren Ende 
0,041, die Breite der Gelenkrolle 0,029, die Höhe derselben in der äusseren Hälfte 0,0165, 
in der innern 0,02. Von der Convexität der äusseren Rollenhälfte ist durch eine schwache 
Furche ein kleiner äusserer Theil abgetrennt, wie gesagt nur schwach. Das Loch zum Durch- 
gang der Ellenbogen-Arterie ergiebt 0,01 Höhe und 0,004 Breite und ist daher geräumig. In 
der ungefähren Höhe dieses Loches liegt über der Gelenkrolle die Mündung eines feinen 
Gefässganges. Der innere Knorren ist stark entwickelt. Am ßruchende misst der unregel- 
mässig ovale Querschnitt des Knochenkörpers von aussen nach innen 0,016, von vorn nach 
hinten 0,018. Hinten ist über der Rolle der Knochen stark vertieft. 

Dieser Oberarm weicht von Canis durch die Gegenwart des über dem inneren Knochen 
liegenden Loches zum Durchgang der Ellenbogen-Arterie, sowie dadurch ab, dass er über der 
Gelenkrolle von keinem Loche durchsetzt wird. Fast ganz ähnliche Oberarmknochen kenne 
ich von Weisenau; andere aus letzterer Ablagerung sind unbedeutend kleiner. 

Ein unter Amphicyon? minor bei Blainville (Osteogr., IX. fasc. Subursus. t. 14) aus der 
Auvergne abgebildeter Oberarm ist kaum kleiner und auch sonst ähnlich , das dazu gehörige 
Fersenbein jedoch verschieden von dem zu Flörsheim gefundenen geformt und auch etwas 
grösser. Wie wenig aber es Blainville klar geworden ist, was man unter seinem Amphicyon? 
minor eigentlich zu verstehen habe, ergiebt sich daraus, dass er selbst sagt (p. 122), dass die 
von ihm unter dieser Benennung begriffenen Reste mehreren Species angehören. 

Der Oberarm des Taxotherium Parisiense (Blainv., IX. fasc. Subursus. t. 12) besitzt 
selbst an seinem unteren Ende, namentlich in der Gelenkrolle, grosse Aehnlichkeit, misst aber 

34* 



- 258 - 

nur zwei Drittel von dem von Flörsheim. Ein Fersenbein hei Bhiinville ist von derselben 
Grösse, aber nur von allgemeiner Achnlichkeit. Es scheinen daher auch wirklich die von 
r.lainvillc unter dieser Species begriffenen Knochen von verschiedenen Thieren herzurühren. 
Ampfaicyoq major (Blainv. 1. c. t. 15) ist fast noch einmal so gross, und der innere Knorren seines 
rarmea dehnt sich noch stärker nach innen aus; das Erbsenbein und Fersenbein sind genau 
noch einmal so gross, und was von der Mittelhand und dem Mittclfusse vorliegt, -deutet darauf 
hin. dass ihre Knochen noch kürzer waren als in dem Fleischfresser von Flörsheim, 

I" rbs e nbe in. 

Das Fi". 11 von zwei Seiten abgebildete linke Erbsenbein, sdeichsam die Ferse des 
Vorderfusse- . ergiebt 0,019 Länge und an dem Gelenkrande nach den beiden Richtungen 
0,013 und 0,0085. Dieses Ende schärft sich durch zwei ungleich grosse Gelenkflächen keil- 
förmig zu. Am oberen Ende erhält man nach den beiden sich kreuzenden Richtungen 0,009 
und 0,0115; in der -Mitte beträgt die Stärke des Knochens 0,0u7. Dieser Knochen ist dem 
in den < 'anMuli sehr ähnlich und dabei noch einmal so gross als in dem Fuchse. 

M i ttelh an dk no chen. 
Der Fie. 12 von vorn und Flg. 13. 14 von den beiden Seiten dargestellte Knochen 

CO o 

.-t ein mittlerer Mittelhandknochen, dessen Länge wegen mangelndem unteren Ende nicht zu 
messen war. Am oberen Ende ergiebt der Knochen von aussen nach innen vorn 0,01 , von 
vorn nach hinten 0,0135, wofür man am Bruchende 0,008 und 0,007 erhält. Vorn ist der 
Gelenkkopf etwas eingedrückt; dieses Ende verschmälert sich hinterwärts. 

Fersenbein. 

Für das Fig. 15 von vorn, Fig. 16 von innen und Fig. 17 von unten abgebildete linke 
rsenbein erhält man an der Innenseite 0,058 ganze Länge, oben von aussen nach innen 
015, von vorn nach hinten 0,018, unten 0,02 und 0,015, darüber mit dem inneren Flügel 

von aussen nach innen 0,0235. Der Knochen steht im Verhältnis zur Grosse des damit 
fandenen Oberarms und Erbsenbeins und ist fast noch einmal so gross als im Fachs. Einen 

fast ganz ähnlichen Knochen kenne ich aus der Tertiär-Ablagerung von Weisenaa bei Mainz. 

M ittel tu s s k n oc h e n. 

Der l'i.L'. l* \on vorn, Fig. 19 von innen und Fig. 20 von unten abgebildete Knochen 

der vollständige Mittelrassknochen der rechten äusseren /die. Mau erhall für seine rann 

Länge 0,065, oben von aussen nach innen 0,016, von vorn nach hinten 0,0115. unten 0,0 IS 

und 0,011, am Knochenkörper 0,008 und 0,007, Fr ist nur so lang wie im lebenden Focht, 



— 259 - 

dabei aber fast noch einmal so stark und auch ein wenig krümmer ; woraus sich ergiebt, dass 
das fossile Thier, welches sonst ungefähr noch einmal so gross war als der Fuchs, auffallend 
kürzere Füsse, oder vielmehr einen auffallend kürzeren Mittelfuss besass, da die Zehenglieder nach 
dem was von ihnen vorliegt, wieder im Verhältniss zu den übrigen Knochen stehen. Das erste 
Zehenglied ist halb so lang als der Mittelfussknochen, im Fuchs geht es gut dreimal in dessen Länge. 

Erstes Zehnglied. 

Dieses Fig. 21 von oben und Fig. 22 von unten sichtbare erste Zehenglied misst 0,033 
ganze Länge, vorn 0,01 Breite, 0,007 Höhe, hinten 0,013 und 0,01. Die Form ist für ein 
Raubthier sehr bezeichnend. 



Psephoderraa Änglicum, 
aus dem Bone bed in England. 

Von 

Hermann von Meyer. 
Taf. XL. Fig. 1 — 6. 



In meinen Palaeontographicis (VI. S. 246. t. 29) habe ich einen aus dem Dachsteinkalke 
bei Ruhpalding in den Bayer'schen Alpen herrührenden , der Sammlung der K. Bergwerks- 
und Salinen-Administration in München angehörigen, merkwürdigen Hauptpanzer veröffentlicht, 
der aus einer Menge polygonaler Knochenstücke besteht, deren Oberfläche an die Hautknochen 
der Crocodile erinnert, die jedoch unter Bildung von Nähten wie in den Schildkröten fest 
zusammengefügt sind. Ich vermuthete damals nicht, dass dieses eigenthümliche Thier, welches 
ich Psephoderma Alpinum nannte , eine weitere geologische Wichtigkeit erlangen würde. Aus 
einem Abdruck, welchen Herr Professor Curioni die Güte hatte, mir von seiner in den Mem. 
del R. Istituto Lombardo di Scienze etc., Bd. IX erschienenen Abhandlung über die Gegend von 
Besano zuzuschicken , ersehe ich nun , dass dieselbe Species von Psephoderma auch am süd- 
lichen Abfall der Alpen in einem Gebilde desselben geologischen Horizontes, nämlich dem 
Bone bed, vorkommt. Noch grösser aber war mein Erstaunen, als ich bald nachher von 
Herrn Charles Moore in Bath in England vereinzelte Hautknochen von Psephoderma mit- 
getheilt erhielt, welche sich mit dem zuerst im Bone bed Schwaben's entdeckten, zu den Säuge- 
thieren zählenden Microlestes und einer Menge Reste von anderen kleinen Wirbelthieren in 
dem von Ch. Moore (Quart. Journ. Geol. Soc. London, XVII. Novbr. 1861. Nr. 68. p. 513) 
bereits näher dargelegten, als Kalkausfüllung im Kohlenkalk auftretenden Bone bed (Rhäti- 
sches Conglomerat) seiner Gegend gefunden haben. 



— 262 — 

Als achtes Bone bed gehört das Gebilde in England demselben geologischen Horizont 
an, wie die Gebilde der beiden Abfälle der Alpen mit Psephoderma. ^ ährend ich aber an 
den von beiden Abfüllen der Alpen bekannten Resten dieses Thiers keine Abweichungen 
wahrnehmen kann, zeichnen sieh von diesen die in England gefundenen Platten durch geringere 
BSC, durch eine weniger regelmässige polygonale Form, durch weniger Grübchen auf der Ober- 
fläche, so wie dadurch aus, dass besonders die Platten der Randgegend weniger geradlinig 
Stumpfwinkelig geformt sind; sie verrathen daher eine andere Species, die ich zum Unter- 
schiede \'<>n der Alpinum Psephoderma Anglicum nennen möchte. Auf Altereverschiedenheit 
können diese Abweichungen nicht wohl beruhen, da die von mir aus dem Bone bed bei Bath 
in England untersuchten Platten von Individuen verschiedenen Alters herrühren. 

Die übrigen mir von Herrn Moore aus dem Bone bed England's zur Ansicht anvertrauten 
Reste bestehen in Wirbeln, Knöchelchen und Zähnchen , welche eine eigene Welt kleiner und 
sehr kleiner Thiere veruiuthen lassen, zu deren Entzifferung durch Auffindung vollständigerer 
Theile erst noch der Schlüssel geliefert werden muss. Unter den kleinen Wirbeln erinnern 
einige an die in meinem grösseren Werk über die fossilen Saurier des Muschelkalkes aus dem 
Muschelkalk von Chorzow in Oberschlesien (t. 57. f. 32. t. b\. f. 115) veröffentlichten Wirbel. 
Von grösseren Reptilien gleicht ein Halswirbel mehr Plesiosaurus als Nothosaurus, und wird 
daher jedenfalls von einem Macrotrachclen herrühren. Andere Zähne erinnern an Eabyrin- 
thodonten. 

Ich lasse nunmehr die Beschreibung der von mir aus dem Bone bed England's unter- 
teilten Platten von Psephoderma folgen. 

Der Hautknochen Taf. XL. Fig. <> misst nach den beiden sich kreuzenden Richtungen 
hin 0,038 und 0,03 ; er ist mehr viereckig, an der einen schmäleren Seite gerundet stumpfeckig, 
in der Mitte sehr schwach sattelförmig eingebogen, und nach der geraden Seite verdickt er 
sich bis auf 0,0085 ; die fein punktirte Oberfläche ist leicht radialstrahlig. 

Die kleinere Knochcnplatte Fig. 2 ist an zwei Seiten etwas beschädigt; es lässl sieh 
jedoch noch erkennen, dass sie sechseckig war. Mach den beiden Richtungen hin erhält man 
0,025 und n,022. Die Oberseite ist schwach eingedrückt und unregelmässig mit schwachen 
Grübchen besetzt An einer der längeren Seiten erhält man 0,007, an der entgegengesetzten 
• • nur O.oii-i:» Dicke. Die Ränder gleichen den Rändern der zusammenstossenden Platten 
in den Schildkröten. 

Eine noch kleinere Platte Fig. 3 scheint unregelmässig fünfeckig gewesen /.u se\n ; an 
dem spitz.' .Ten Ende ist sie beschädigt. Nach den beiden Richtungen hin erhalt man 0,02 
und 0,019, als Dicke überhaupt nur 0,0085. Die sehr scharf eingedrückte Oberfläche ist mit 
feinen Pünktchen und schwachen, radialstrahlig verthcilten Grübchen versehen, im Ganzen 
aber tob glätterer Beschaffenheit. 



- 263 — 

Fig. 4 stellt ungefähr die Hälfte von einer genabelten Platte dar, welche ziemlich regel- 
mässig sechseckig gewesen zu seyn scheint. Die Breite wird vollständig 0,029 gemessen 
haben, die Länge wohl etwas weniger, die Höhe oder Dicke mit dem Nabel 0,013. Der 
Nabel oder Kiel war glatt, die Platte sonst kurz radialstrahlig und mit kleinen Poren versehen, 
auch ein grösseres Grübchen war als Seltenheit vorhanden. 

Die Randplatte Fig. 1 passt in Stärke zur vorhergehenden Platte; sie ist rechtwinkelig 
gebogen und ergiebt 0,029 Länge, 0,0185 Höhe und an dem gerundet stumpfwinkeligen Theil 
der Oberseite 0,0145 Breite. Diese Seite ist stärker grubig, der Seitcntheil glätter und deutlicher 
strahlig von dem im Rande liegenden Ossificationspunkt ausgehend, den ein tieferes längliches 
Grübchen bezeichnet; zwischen ihm und dem einen Ende der Platte stellt sich der Rand 
stärker aufgetrieben dar. 

Die Randplatte Fig. 5 ergiebt 0,025 Länge, 0,016 Höhe. Der Theil der Platte, welcher 
auf die Oberseite kam, ist weggebrochen, der vorhandene Theil mehr gerundet stumpfwinkelig. 
Die Platte ist im Ganzen glätter und dünner. Das Ossificationscentrum liegt statt in einem 
vertieften Grübchen in einer horizontal verlaufenden Rinne, während nach der entgegengesetzten 
Richtung hin der Rand sich etwas aufgetrieben darstellt. Die Platte ist feinstrahlig und mit 
feinen Poren versehen. 

Diese Platten sind von hellerem Braun ; das Gebilde, welches sie umschloss, scheint 
mehr sandig oder thonig gewesen zu seyn. 



P»la«onto(rr., Bd. XV. i. 35 



Saurier 

aus dem Muschelkalke von Helgoland. 



Von 

Hermaun von Meyer. 



Taf. XL. Fig. 7. 



Wenn es auch noch nicht gelingen wollte, auf Helgoland den Muschelkalk anstehend 
zu finden , so liegen doch hinreichende Gründe vor , anzunehmen dass diese triasische For- 
mation besagte Insel bilden hilft (vgl. mein Werk über „die Saurier des Muschelkalkes 
etc." 1847 — 1855). Wiebel vermuthet, dass die Sohle der in der Gegend von Witen bestehen- 
den Klippe aus Muschelkalk zusammengesetzt sey, da das Meer Stücke Gestein mit Versteine- 
rungen des Muschelkalkes auswerfe; und Volger bemerkt, dass er Wirbelbogen von Plesiosau- 
rus (?) aus dem Muschelkalke der Insel besitze. 

Herr Lasard theilte mir im Jahr 1864 von Helgoland einen solchen Auswürfling des 
Meeres mit, welcher in einem abgerollten Gesteinsstück von 0,22 Länge und 0,125 Breite 
besteht. Das Gestein zeigt Aehnlichkeit mit dem thonigeren , grauen Muschelkalk gewisser 
Gegenden Deutschland's. Es uinschliesst Knochenreste, deren Beschaffenheit auf Muschel- 
kalk schliessen lässt. 

Die Ueberreste bestehen in einem Wirbel mit einem Stück von einer Rippe, in einem 
Oberarm und in einem Hakenschlüsselbein, die ich Taf. XL. Fig. 7 in derselben Lage 
abgebildet habe , welche sie im Gestein einnehmen. Andere dabei befindliche geringfügige 
Knochenstiicke habe ich unbeachtet gelassen. Es liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, 
dass alle diese jetzt nicht mehr zusammenhängenden Theile von einem und demselben Thiere 
herrühren , dessen Skelet sehr zerfallen war, als es zur Ablagerung gelangte. Die Beschä- 
digungen an den Knochen gehören späterer Zeit an. 

35* 



— 266 — 

Was mm zunächst den Wirbel betriff) . 80 stellt er sich als ein achter Blickenwirbel 
dar. V"ii vorn und etwas von der rechten Seite cntblösst , erkennt man, dass er durch 
Druck schwache Verschiebung erlitt. ' Für die Länge des Körpers ergiebt sieh 0,023, 
für die Breite seiner vordem Gelenkfläche 0,025 und für dir Höhe derselben fast »U>245. 
Die Gelenkfläche ist dabei rundlich, sehr tlach eoncav und in der Mitte eher wieder etwas 
convex; Die Gelenkflächen - Ränder sind durch 'ine Naht deutlich -«'trennt. Alle Portsätze 
gehören vollständig dem obern Bogen an, der dem Wirbel 0,055 ganze Höhe verleiht Ali 
den deutlich entwickelt gewesenen vorderen Gelenkfortsätzen ergiebt sich 0,021 Bogenbreite. 
Von den Quert'ortsätzen ist der rechte weggebrochen . der linke vom Gestein nicht zu ent- 
blössen gewesen; sie scheinen kurz oder doch nicht von auffallender Länge gewesen zu 

•i. Der obere Stachelfortsatz war niedrig, das Rückenmarks - Loch 0,008 hoch and 
0,0065 breit. Die ganze Beschaffenheit des Wirbels erinnert an die Wirbel von Notho- 
saurus aus dem Muschelkalk von Bayreuth, di«- jedoch viel höhere Stachelfortsätze besitaen; 

. niedrigerer Stachelfortsatz lässt an die meist kleinem Wirbel ans dem Muschelkalk 
(Saurier -Kalk) von Jena und änderet] Gegenden denken, und es verhält sich die Gröf 
- Wirbels zu den Rückenwirbeln des Nothosaurus inhabilis wie 2:3. 

Der Oberarm stellt den von aussen entblössten rechten dar. Er besitzt zwar mit 
dem (»berann von Nothosaurus inhabilis von Bayreuth (vgl. mein Werk: „Saurier des 
Muschelkalkes", t. -14. f. 1) Aehnlichkeit, seine Länge verhält sich aber zu der des letz- 
teren wie 2:5; sie misst 0,108 bei einer Breite, die am oberen Ende 0,023, am unteren 
0,081 und an der schmälsten Stelle in der ungefähren Mitte 0,0235 beträgt. Am meisten 
kommt er auf einen von mir aus dem Saurierdvalke von Jena (a. a. O. S. 103. t. 32. f. 8) 
veröffentlichten Oberarm heraus, der jedoch ohne von einem Jüngern Thier herzurühren nur 
0,087 Länge und an Breite am oberen Knde 0,0205, am untern (1,025 und an der schmälsten 
Melle 0,017 ergiebt. Der Knochen von Helgoland ist daher grösser, gleichförmiger breit und 
dabei das Loch über dem unteren Knde wie in dem damit verglichenen Oberarm von Jena sehr 
ländlich gelegen und nicht durch Grösse ausgezeichnet. 

In meinem Werke (S. 158. t. 44. f. 4) habe ich den unteren Theil eines im \'al Gorno 
der Lombardischen Alpen mit Conchylien des Muschelkalkes gefundenen < »beranncs von derselben 
Grösse abgebildet, der jedoch gegen die Mute sieb stärker verschmälert und eine andere li'u- 
gnng beschreibt, so das» an Identität der Species nicht wohl gedacht werden kann. Aebn- 
liches gilt Rhr einen ebenfalls seines oberen Endes beraubten Oberarm aus dem Muschelkalke 
von ChorzoK in Oberschlesien (a. a.0. S. 122. t. 55. f. 3). 

Aut einer von mir veröffentlichten Platte Saurier-Kalk von Bsperstett (a. a> 0. S. 107. 

i. .">•'.. I. ]), .leren Knochen Oral Münster unter Nothosaurus vcnustus begriffen hatte, die 
aber dem GenUS Nothosaurus nicht angehören werden, befindet sieb zwar kein Wirbel und kein 



- 267 — 

Hakenschlüsselbein , wohl aber ein Oberann von der Grösse des Helgolander, der sich von die. 
sein schon dadurch zur Genüge unterscheidet, dass ihm das randliche Loch über dem untern 
Ende fehlt , und dass die obere Knochenhäute gerader und auffallend schlanker ist , wodurch 
der untern Hälfte ein grösseres Uebergewicht verliehen wird als in dem Oberarm von 
Helgoland. An eine Uebereinstimmung der Species kann daher auch hier nicht ge- 
dacht werden. 

Das von innen entblösste Hakenschlüsselbein endlich kommt auf ein von mir (a. a. 
Ü. S. 101. t. 33. f. 1. 2) veröffentlichtes Hakenschlüsselbein aus dem Saurier- Kalk von 
Jena heraus , nur ergiebt das Helgolander etwas grössere Breite am innern Theil und an 
der schmälsten Stelle des Knochenkörpers , was jedoch individuell seyn könnte, so dass nach 
diesem einen Knochen zu urtheilen , es möglich wäre, dass die Reste von Helgoland einer 
zu Jena vorkommenden Species angehörten ; der Knochen gehört aber schon wegen seiner 
einfachem Form zu den weniger charakteristischen des Skelets , aus denen sich nicht mit 
Sicherheit auf die Species schliessen lässt. 

Die drei Knochen von Helgoland verhalten sich in Grösse zu den entsprechenden 
Theilen in Nothosaurus mirabilis, und zwar der Wirbel, wie wir gesehen haben, wie 2:3, 
der Oberarm wie 2 : 5 und das Hakenschlüsselbein fast wie 1:3. Der Grund dieser ab- 
weichenden Verhältnisse kann nicht wohl darin zu suchen seyn, dass die Knochen von Hel- 
goland von einem und demselben Thier, die des Nothosaurus mirabilis dagegen von mehre- 
ren Thieren herrühren ; beide Thiere waren nicht allein absolut in Grösse , sondern auch in 
den relativen Verhältnissen , worin bei ihnen die einzelnen Skelettheile zu einander standen, 
auf eine Weise verschieden , dass sie wohl zu derselben Familie , nämlich zu der der 
Macrotrachelen, aber nicht wohl in dasselbe Genus gehören können. Die Knochen von Hel- 
goland werden daher eben so wenig von Nothosaurus herrühren, als die aus dem Saurier- 
Kalke von Jena, welche damit verglichen wurden, mit denen sie übrigens grössere Aehnlich- 
keit als mit den Sauriern aus dem Muschelkalke von Bayreuth besitzen. 

In meinem Werke über die Saurier des Muschelkalkes , worin ich auf 70 Tafeln in 
Folio und Doppelfolio über 800 Saurier-Reste von verschiedeneu Seiten abgebildet habe, findet 
sich in der Schlussbetrachtung (S. 163) von mir angegeben, dass diese Reste über 24 ver- 
schiedene Genera von Reptilien verrathen. Zur Ermittelung der Zahl der Species fand ich 
den Oberarm wegen seines öftern Vorkommens, so wie aus dem Grunde am geeignetsten, weil 
es der Knochen ist, der bei den verschiedenen Species die auffallendsten Abweichungen darbietet. 
Ich habe über ein halbes Hundert Oberarmknochen untersucht und hievon 49 in meinem 
Werk abgebildet. Sie rühren von 41 — 42 verschiedenen Species her, die sämmtlich der 
Familie der Macrotrachelen angehören werden. Zu diesen Oberarmknochen kommt nunmehr 
der von mir so eben von Helgoland beschriebene als neu hinzu, so dass sich allein durch 

35* 



- 2*8 — 

diesen einen Knochen des Skeleta 49 — 43 Special Macrotrachclen nachweisen lassen. l>a je- 
doch nicht von allen Macrotrachelen der Oberarm vorliegt, so ist anzunehmen, dass die Zahl 
ihrer Sj n. -ies noch grösser war ; ich schätze sie auf üher 50. Rechnet man hiezu die nicht zu 
den Macrotrachelen gehörigen Saurier. so ergeben rieh nach der von mir vorgenommenen 
- .Lt/.iliiLT mehr als 80 Species Saurier in den triasischen Gebilden. So gross diese Summe 
erscheinen mag, so wird sie doch weniger auffallen, wenn man bedenkt, daea dieselbe sich 
auf den die ganze Trias umfassenden Zeitraum vertheilt , wobei die grössere Zahl dem 
Muschelkalke zufällt. 



Neue Fische und Krebse 

aus der 

Kreide von Westphalen. 

Von 

Dr W. von der Marck und Dr. Cl. Schlüter. 
Taf. XLI — XLIV. 

Einleitung. 

Die jüngsten Untersuchungen der Plattenkalke von Sendenhorst in den Jahren 1863 
und 1864 haben abermals eine Reihe neuer Gattungen und Arten von fossilen Fischen, 
Krebsen etc. ergeben , welche die Veranlassung zu nachfolgender Arbeit wurden. Zu- 
gleich wurden von einigen früher beschriebenen Arten Exemplare gefunden , deren Er- 
haltungszustand eine genauere Kenntniss derselben ermöglichte. Die dadurch nothwendig 
gewordenen Ergänzungen ihrer Diagnosen habe ich gleichfalls hier aufgenommen. Auch 
waren einige meiner Benennungen abzuändern, weil sie bereits vor Veröffentlichung meiner 
früheren Arbeit (Palaeontogr., 1863 XI. S. 1—83. t. 1 14; auch als Sonderabdruck er- 
schienen unter dem Titel: Fossile Fische, Krebse und Pflanzen aus dem Plattenkalke der 
jüngsten Kreide, 1863) von anderen Autoren vergeben waren. 

Charakteristisch für die Funde des Jahres 1863 ist die Zusammenhäufung zahlreicher 
Fossilreste , namentlich solcher von Fischen , auf einen verhältnissmässig kleinen Raum ; so 
enthielt z. B. eine Platte von 7 3 / 4 Quadratfuss die Abdrücke von 26 oft vollständigen Fischen 
und von 2 Krebsen. In vielen Fällen beeinträchtigt leider eine solche Zusammenhäufung 
wesentlich den guten Erhaltungszustand der einzelnen Individuen , da manche Reste sich 
überdecken, 

Palaeontogr., Bd. XV. 6. 36 



- 27U - 

In meiner früheren Arbeit über die Fische der jüngsten Kreide Westphalen's hatte 
ich auf die Aehnlichkeit hingewiesen, welche zwischen* ihnen und einigen Arten eoeäner 
- Monte Molen besteht. Ausser den Bolca-Fischen sind es vorzugsweise diejenigen 
{Libanon, welche in hohem Grad an unsere Westphälischen Kreide-Fische erinnern. Schon 
auf der Naturforscher- Versammlung zu Hannover im Herbst 18K5 (Amtlicher Bericht der 
4". Versammlung etc. in Hannover. 1866. S. 1 5 1 ) machte ich auf diese Aehnlichkeit auf- 
merksam; allein wahrhaft überrascht wurde ich durch die neuesten runde des Herrn A. 
Humbert, der die beiden bekannten Fundstätten der Libanon-Fische in der Nahe von Beirut, 
das Dort' Hake! und das Kloster Sahel-Alma , auf's neue durchforscht und das gesammelte 
Material gemeinschaftlich mit Herrn F. J. Pietet im verflossenen Jahre beschrieben hat 
uvelles n 'herein s but les poissons fossiles du Mont Liban, par F. J. Pietet et A Hutn- 
bert. I Den genannten Verfassern ist die Verwandtschaft der Libanon-Fische 

mit denen der Westphälischen Kreide ebensowenig entgangen; auch sie heben die Aehnlich- 
keit der Pictetfschen Gattung Eurypholis mit meiner Gattung Ischyrocephalus, sowie die An- 
näherung der Clupeoiden des Libanon an diejenigen der Westphälischen Kreide hervor, und 
n meinen Gattungen Leptosomus und Leptotrachelus neue Arten hinzugefügt. Nicht zu 
verkennen i-t ferner die Verwandtschaft zwischen Clupea Bottae P. II. und Sardinioides 
(Osmeroido) llonasterii Ag , so wie diejenige zwischen Scyllium Sahel-Alraae 1'. II. und 
meinem Palaeoscyllium Decheni. 

Vorliegende Arbeit wird durch weitere Belege die Verwandtschaft dieser beiden Faunen 
bes i indem namentlich der unten zu beschreibende Ischyrocephalus cataphractUB durch 
seiii 3 nschilder Bich noch enger an die Eurypholis- Arten anschliesst, und Brachyspondylus 

u in. an Clupea lata Ag. und Cl. sardinioides P. H. so wie Leptosomus elongatus m. 
noch mehr wie L. Guestphalicus an C. macrurus P. H. erinnert. 

Ich erhalte soeben noch von meinem Freunde Schlüter die Beschreibung eines in den 
Baumbergen aufgefundenen Fisches, den er Megapus Guestphalicus genannt hat Die 
Aehnlichkeit desselben mit deuwvon Pietet und Humbert beschriebenen Cheirjotb.ru Libanicus 
i-t illend, d nein Genus Megapus das Pictet-Humbert'sche Genus Cheiro- 

thrix als Bynonym b m d hat. 

dürfte diese Aehnlichkeil der Faunen zu «lern Schlüsse berechtigen, dass die 

chenden Schichten auch hinsichtlicfa ihre- geologischen Alters nicht sehr weil von 

einander entfernt stehen Nach den Lagerungsverhältnissen sowohl wie nach ihren paläon- 

ben Merkmalen gehören die fischreichen Schichten von Sendenhorel und der Baum- 

eu den jüngsten Gliedern der Kreidebildung. Bei Sendenhorsl bilden sie die 

Muldenmitte des Westphälischen Kreidebeckens, and sind dort nur von diluvialen und alluvialen 

Abi n bedeckt. Die Leitfossilien des oberen Senon, Belemnitella mucronata d'Orb., 



- 271 — 

Baculites anceps Lmk. , Inoceramus Cripsii Mant. , grosse Ammoniten etc. gehen nicht mit 
in die Fischschichten über ; ja durch die Aehnlichkeit der Fische , Krebse und Blätter mit 
solchen des Monte Bolca und anderer Localitäten von gleichem geologischen Alter erlaubte 
ich mich zu der Ansicht berechtigt , dass die Fischschichten von Sendenhorst und der 
Baumberge zwar noch den Kreidebildungen zuzuzählen seyen, aber doch schon die Verbindung 
der letzteren mit den ältesten Tertiär-Ablagerungen zu vermitteln scheinen. 

Pictet und Humbert dagegen sind für die Libanon-Fische der Ansicht, dass dieselben 
zwischen denen des Karst (untere Kreide) und denen der oberen Kreide ihren Platz finden 
müssen , was somit in der mittleren Kreide wäre. Die Fische , welche in der Nähe des 
Klosters Sahel-Alma vorkommen , sind die jüngeren , während die aus der Umgegend von 
Hakel die älteren sind. Letztere würden demnach zwischen Cenoman und Turon gehören. 

Heckel theilt diese Ansicht über das Alter, der Fische nicht, er kommt dagegen zu 
dem Schluss, den ich oben für die Fischschichten der Westphälischen Kreide gezogen habe; 
nämlich , dass die Libanon-Fische Aehnlichkeit besitzen mit denen der oberen Kreide und 
denen des Monte Bolca. Heckel glaubt sogar, die Aehnlichkeit mit den Fischen des Bolca 
sey vorherrschend. Bronn bringt in seiner Lethaea die Libanon-Fische ebenfalls zu den 
eocanen. 

Nur wenige Fische unserer jüngsten Westphälischen Kreide finden sich in ähnlichen 
Kreide-Ablagerungen des übrigen Deutschland^, Belgien's, Frankreich's, Englands, Schweden's 
etc. Mit Sicherheit ist es allein die Gattung Dercetis, dessen D. scutatus von Agassiz als 
aus der Westphälischen Kreide stammend angegeben wird. Andere Arten zeigen in ihrem 
Habitus wohl Aehnlichkeit, allein eine völlige Uebereinstimmung findet nicht statt Grösser 
schon ist die Aehnlichkeit unserer Kreide-Fische mit den eoeänen Bolca-Fischen ; aber auch 
hier besteht noch keine speeifische Uebereinstimmung , sondern nur Formähnlichkeit. Um 
so überraschender ist die Uebereinstimmung mancher unserer Gattungen mit denen aus den 
dein Räume nach so entfernt liegenden Fischschichten Syrien's, welche letztere sich überhaupt 
einer grösseren Verbreitung erfreuen. Ausser den genannten Fundorten Hakel und Sahel- 
Alma hat der Berg Carmel die Clupea brevissima Blainv. , die Umgegend von St. Jean 
dAcre dieselbe Art und Cl. Beurardi Blainv. geliefert. Williamson fand Cl. brevissima bei 
Gebel-Suneen und in der Nähe von Beirut ; Tchihatcheff entdeckte zu Makriko'i bei Con- 
stantinopel einige Fische, die Valenciennes für Libanon-Arten erkannte, nämlich : Eurypholis 
Boissieri Pict. , E. sulcidens Pict. , Clupea -brevissima Blainv. und Cyclobatis oligodac- 
tylus Egert. 

Unstreitig ist das paläontologische und geologische Interesse, welches seither die 
Fischschichten der oberen Westphälischen Kreide darboten, durch die Analogien mit den 
Fische führenden Ablagerungen Syrien's in hohem Grade gesteigert. Zu bedauern ist es, dass 

36* 



— 272 — 

die neueren Arbeiten der Herren Pietet und Humbert sich nicht auch über andere Versteinerungen 
ausdehnen ; namentlich wäre eine nähere Beschreibung der aufgefundenen Kruster sehr 
erwünscht gewesen. Sowohl Herr Humbert, wie vor ihm Herr Botta (Mein. MC GeoL de 
France. I. p. 185) haben Abdrücke verschiedener Kruster in der Nähe des Klosters Sahel- 
Alma gefunden. Gewiss würde es von grossem Interesse seyn, wenn auch zwischen diesen 
und den Krebsen aus der oberen Kreide Westphaleos Aehnlichkeiten nachzuweisen wären. 
Ausser einigen Foraminiferen . welche ich in dm weichen, Schwefelkies reichen, die 
eigentlichen Fischeführenden Plattenkalke bedeckenden Schichten gefunden habe , hatte die 
rmtrebunc von Sendelhorst seither nur Fische, Krebse und Pflanzenreste geliefert. Die Funde 
der letzten Jahre haben diesen Versteinerungen noch einige, leider weniger gut erhaltene, an- 
gereiht, welche Hassen angehören, deren Glieder seither noch keine Repräsentanten in jenen 
Schichten aufzuweisen hatten. Hoffentlich werde ich in nächster Zeit Gelegenheit finden, 
sie mit Abbildung näher zu beschreiben. Sie gehören vier verschiedenen Classen des Thier- 
reichs an, und sind : 

1. undeutliche Reste eines Seeigels; 

2. die festen Theile eines nackten Cephalopoden, den ich dein Wagner'schen Genus 
Plesioteuthis als P. arcuata eingereiht habe ; 

3. Abdrücke und in Schwefelkies verwandelte Theile eines Weichthieres „ das , nach 
den sich ötter wiederholenden Formen zu schliesscn, wohl zu den Acalephen gehört 
oder ihnen doch nahe gestanden haben muss; 

4. kleine Bruchstücke von Brvozoen. die der Gattung Flustra anzugehören scheinen. 

Am meisten bedauere ich , dass die Seeigelreste so undeutlich sind ; sie würden 
sich vielleicht am besten zu einer Vergleichung mit solchen, die aus der oberen Kreide oder 
aus alt-eocänen Ablagerungen sicher bestimmt sind, geeignet haben. 

Einige schon früher aufgefundene, aber noch nicht genauer beschriebene Fischr 
des Westphälischen Pläner lasse ich am Schlüsse dieser Abhandlung folgen. 

Fische. 

A. Fische aus der jüngsten Kreide von Sendenhorst und aus den Baumbergen. 

Ordnung: Telc«stei Müll 

Unterordnung: ACAM 1 1< »l'TKKI Müll. 

Wenn ich in meiner früh nn Arbeit sagen konnte, dass in der Zahl der Individuen 
die fossilen Stachelflosser aus der Umgebung von Sendenhorst den WeiehfloMern gleich stehen. 
•o habe ich diesen Ausspruch gegenüber den Funden der letzten Jahre zurückzunehmen. 



— 273 — 

Auf hundert Weichflosser , die im Sommer 1863 in den Steinbrüchen der Bauerschaft 
Bracht gefunden wurden , kamen kaum zwei Stachelflosser. 

Familie : S^camipennes Cuv. 

Platycormus oblong us v. d. M. 

1S63. Fische etc. der jüngsten Kreide Westphalen's, (Palaeontogr. XI) S. 21. t. 1. f. 7. 

Von diesem Fische sind in neuester Zeit zwei Exemplare aufgefunden, die an Grösse 
die früher bekannt gewesenen bei weitem übertreffen und in dieser Hinsicht dem Platycor- 
mus (Beryx Ag.) Germanus nicht nachstehen. Die Totallänge dieser Exemplare beträgt von 
der Maulspitze bis zum Schwanzflossenende 8, 5 Zoll. Die grösste Höhe des Rumpfes , von 
dem Beginn der Rückenflosse bis zur Mitte zwischen der Afterflosse und den Bauchflossen 
beträgt 3, s Zoll. Wie bei den kleineren Exemplaren, bleibt jedoch das Verhältniss der 
grössten Rumpfhöhe zur Totallänge, ausschliesslich der Flossen, wie 1 : 2. 

Die Bauchhöhle ist bei diesen grossen Individuen ebenso hoch wie bei P. Germanns, 
auch finden sich wie bei diesem in der Nackengegend strahlenlose Träger , endlich sind die 
Schuppen beider Arten gleich gross. Dagegen weicht in Zahl und Vertheilung an Rücken- 
und After- Flossenstrahlen von der bei P. Germanus beobachteten ab, und giebt mit der 
grösseren Kö.-perlänge , bei übereinstimmender Körperhöhe , gute Unterscheidungsmerkmale 
für beide Arten. Wie es bei den früher beschriebenen kleineren Exemplaren des P. oblon- 
gus der Fall war, so haben auch die vorliegenden grösseren in der Rückenflosse und in 
den Afterflossen weniger Dorn- und mehr gegliederte Strahlen. Die Rückenflosse hat, ausser 
zwei ganz kleinen , noch 3 stärkere , gerade Dornstrahlen , die kaum die halbe Höhe der 
ersten gegliederten Strahlen erreichen. Letzterer zählt man 27 — 28. Die Afterflosse hat 
2 — 3 kurze, kräftige Dorn- und 22 weiche Strahlen. 

Fundort: die Steinbrüche in der Bauerschaft Bracht bei Sendenhorst. 

Familie : Gobioidei. 

Gattung: Megapus Schlüter. 

C leir othrix Pictet et Humbert. 

Durch die zuvorkommende Güte des Berjjoeschworenen F. von Dücker erhielt ich einen 
fossilen Fisch, welcher von dem Bergeleven Rudolph Heger in einem der zahlreichen Stein- 
brüche, der westlich von Münster in Westphalen gelegenen Baumberge aufgefunden worden 
ist. Obgleich die Art der Erhaltung des fraglichen Fossils nicht vollkommen ist, so lehrte 
doch schon die erste oberflächliche Betrachtung, dass der hier vorliegende Fischrest keiner 
der zahlreichen Arten angehöre , welche den Baumbergen seit langer Zeit grossen Ruf ver- 



— 274 - 

schafften; es ergab Bich vielmehr bald, dass er durch besondere Eigentümlichkeiten und 
vorzugsweise durch die stark in die Augen fallende Entwicklung der Bauchflossen unter 
allen lebenden und fossilen Fischen sich auszeichne und einen neuen Typus darstelle. 

Charakter der Gattung. Körner schmal, verlängert; eine Rückenflosse, unmittelbar 
am Nacken beginnend, aus kräftigen Strahlen gebildet; Bauchflosse bestehend aus sehr lan- 
gen Strahlen, von V. Körperlänge; Brustflosse vor den Bauchflossen, dicht an dem Kopfe, 
kleiner, Afterflosse hinten, von ähnlicher Entwicklung; Schwanzflosse gross, gabelspaltig ; alle 
flössen ohne Dornstrahlen, alle Strahlen ungegliedert; sechs Kiemenstrahlen. Verhältnisa 
der _ q Körperhöhe zur Totallänge (ohne Flossen) etwa wie 1 : 6 oder 1 : 7. 

Megapus Guestphalicus Schlot Tat'. XL1II. Fig. 5. 

Was zunächst die Erhaltungsart unseres Fossils angeht, so bietet der Körper in nicht 
vollkommen deutlich begrenztem Omriss die schwach convexe linke Seite dar , welche durch 
braune Färbung von der schmutzig gelbgrauen Farbe des umgebenden Gesteins gehoben 
lirl. l»i- Körperdecke ist nicht erhalten. Die Substanz der Flossenstrahlen, Wirbel- 
tsätze, Rippen und Fragmente der Schädelknochen sind theilweise conservirt Der 
Kopf zeigt noch Reste einzelner Knochen und Kiemenstrahlen. Von den Brust-, Bauch-, 
After-Flossen erhält man ein genügend deutliches Bild. Von der Schwanz - Flosse ist nur 
die obere Hälfte ganz erhalten; von der Rückenflosse nur der der Basis zunächst gelegene Theil, 
die obere Partie ist abgebrochen. 

Schreibung der Art l>ic allgemeine Körperform unseres Fisches ist sehr schlank. 
Die Gesammtlänge des noch erhaltenen Restes, an dem der Vordertheil des Kopfes fehlt 
beträgt 118 mm. Die grösste Breite, d. i. der Abstand des Rückens von der Bauchseite, 
liegt, wenn sie auch nicht genau angegeben werden kann, unter der Nackenflosse und betrügt 
etwa 17 mm.; nach hinten, bis zur Afterflosse nimmt Bie nur wenig ab, so dass man hier 
noch 12 mm. erhält, an der Schwanzwurzel i - nur noch 7 mm. 

Der Kopl ist derjenige Theil des Körpers, von dessen ursprünglichen Gestall am 
trierigsten eine Vorstellung ZU gewinnen ist. Der erhaltene Theil hat noch eine Länge 
von 1 ii mm., am Hintertheil eine Breite von 1 ."> mm., am abgebrochenen Vordertheile noch 
mm. \\ Clin das hier frei hervortretende Hauptstirnbein , wie es Boheint, oben unverletzt 
ist, bo lallt der Kopf vom Nacken mit dem (nicht deutlich umgrenzten) Hinterhauptsbeine 
ziemlich steil ab. Von den übrigen Theilen des Kopfes ist nichts mit einiger Deutlichkeit 
zuerkennen, als die Kiemenstrahlen. Sie sind lang und gebogen. Ich meine deren sechs 
zu erkennen, doch ist die Zahl nicht mit vollkommener Sicherheil zu ermitteln. 

Die Wirbelsäule ist nicht erkennbar, es ergibt Bich aber aus den stellenweise sichtbaren 
Fortsätzen, 'la~* die Wirbel kurz waren und ihre Zahl gross, sich auf etwa 60 stellt, indem 
etwa 18 mm. lange Partie II Wirbelfortsätzi bii 



— 275 — 

Die Rückenflosse zeigt vollkommen deutlich 13 Strahlen, welche von vorn nach hinten 
an Stärke und Lange abnehmen. Noch mehr dem Kopfe genähert war unzweifelhaft ein 
14. und wahrscheinlich noch ein 15. Flossenstrahl vorhanden, wie aus kleinen noch an- 
haftenden Fragmenten geschlossen werden muss. Die Lange dieser Flosse ist nicht zu er- 
mitteln, da sie durch unglücklichen Bruch des Gesteines abgeschnitten ist. Ganz besondere 
Beachtung verdient noch die Stellung der Flosse, indem sie unmittelbar hinter dem Kopfe 
beginnt. 

Die Schwanzflosse ist tief gegabelt. Die obere Hälfte derselben , welche allein in ihrer 
ganzen Ausdehnung erhalten und bloss gelegt ist, hat 1. kleine und 5 grosse ungetheilte 
Strahlen, sowie 5 getheilte Strahlen. Ihr längster Strahl misst 26 mm. Für die Afterflosse 
ergeben sich 12 ungetheilte Strahlen. 

Was die paarigen Flossen betrifft, so liegen die Bauchflossen sehr nach vorn gerückt, 
ungefähr an der dem Ilalbirungspunkte der Rückenflosse entsprechenden Stelle. Man zählt 
deutlich 13 Flossenstrahlen, welche sämmtlich durch ausserordentliche Länge ausgezeichnet 
sind. Der erste Strahl ist der kräftigste und war wahrscheinlich ungetheilt. Am Ende der 
acht folgenden bemerkt man deutlich die Theilung; bei den vier hinteren gestattet die Erhal- 
tung kein bestimmtes Urtheil. Die Spitzen der vier ersten Strahlen sind mit dem Gestein ab- 
gebrochen, der fünfte Strahl lässt sich bis auf eine Länge von 37 mm. verfolgen. 

Die Brustflossen beginnen unmittelbar hinter den Spitzen der Kiemenstrahlen und sind 
höher gelegen als die Bauchflossen. Sie haben eine Länge von 16 mm. und enthielten viel- 
leicht 15 ungetheilte Strahlen. 

Geologisches Vorkommen. Es wurde bisher nur ein einziges Exemplar in den obersten 
Schichten des Senon der Baumberge in Westphalen beobachtet und wird dieses in unserer 
Sammlung aufbewahrt. 

Bemerkung. So eben erhalte ich die Nouvelles recherches sur les Poisson fossiles 
du Mont Liban par F. J. Pictet et Alois Humbert, Geneve chez Georg, 1866. In diesem 
Werke wird S. 51 53. Taf. 5. Fig. 1 ein Fischunter der Bezeichnung Cheirothrix Libanicus 
beschrieben, der autfallend an unseren Megapus erinnert. Er wird charakterisirt als schmal, 
verlängert; Kopf nach vorn verjüngt; Rückenflosse am Nacken beginnend, aus langen Strahlen 
gebildet ; paarige Flossen vorn nahe zusammengelegen ; die hintere besteht aus sehr langen 
artikulirten Strahlen ; Wirbel zahlreich, ungefähr 60. Der wesentlichste Unterschied zwischen 
dem Libanon -Fisch und dem Westphälischen Vorkommen liegt der Beschreibung zufolge 
darin , dass Pictet und Humbert die grössere der paarigen Flossen für die Brustflosse , die 
kleinere für die Bauchflosse erklären, und zwar, wie es scheint, hauptsächlich aus dem Grunde, 
weil sie für die entgegengesetzte Annahme keine Analogie kennen und nicht sehen, welchen 
reellen Nutzen so grosse Bauchflossen haben könnten. Ich muss gestehen, dass beide Punkte 
für mich keine Gründe sind. Den letzten betreffend , befinden wir uns öfter in der Lage, 



— 276 - 

den Nutzen eines Organs nicht ermessen zu können, und auch über den ersten Punkt kann 
man mit Recht geltend machen, dass wir für manche Erscheinung keine Analogie kennen, so 
dass es überflüssig ist, an die vi ■rliältnissmässig ebenfalls grosse BauchflosBe von Trachypterus 
spinolae zu erinnern. Allerdings muss ich anerkennen, dass das Exemplar vom Libanon 
minder gut erhalten ist als das unsrige, dennoch meine ich, dass auch dort die grosse Flosse 
als Bauchflosse anzusprechen sey. Sollte sich diese Ansicht als richtig bewähren und das West- 
phälische und das Libanon-Vorkommen in ein und derselben Gattung zusammen zu fassen sevn, 
so dürfte diese Gattung dennoch nicht den Namen Cheirothrix tragen, da dieser Name eine 
directe Unwahrheit enthielte, indem wohl die Brustflosse, in keinem Fall aber die Bauchflosse 
mit der Hand (jffi'p) verglichen werden kann. Die Bauchflosse entspricht den hinteren Extre- 
mitäten, daher die von uns gewählte Bezeichnung Megapus. 

Unterordnung: PHYSOSTO.MI Müll. 
Familie : sin roidki Ag. 

Zu dieser Familie glaube ich einen Fisch bringen zu müssen, der statt der Schuppen 
eine Bedeckung von Schildern, wenigstens auf der Überseite des Körpers trägt, und dessen 
Rückenflosse gleich hinter dem Nacken beginnt. Ob eine Fettflosse vorhanden war, ist nicht 
deutlich ersichtlich; die zwei am besten erhaltenen Exemplare zeigen an der der Afterflosse 
gegenüberliegenden Stelle des Rückens eine geringe Protubcranz ; allein eine eigentliche Fett- 
flosse ist nicht erkennbar. Ebensowenig lässt sich die Gegenwart oder Abwesenheit eines 
Helms in der Gegend des Hinterkopfes und Nackens feststellen. An einem der vorliegenden 
Exemplare bemerkt mann allerdings weissliche, zerdrückte Knochenstückchen, doch sind diese 
mit Sicherheit nicht zu deuten. Unser Fisch würde vielleicht in die Nähe der Gattungen 
Aspredo L. und Doras Lacep. zu bringen seyn. Da er indess keiner derselben in allen Be- 
ziehungen entspricht, so möchte ich daher eine neue 

Gattung: Telepholis v. d. M. 
aufstellen. 

Fische von massiger Grösse und Bchlankem Bau. Ihre grösste Höhe erreichen sie 
vor der Rückenflosse, von wo dieselbe bis zur Schwanzflosse stetig abnimmt Rückenflosse 
dem Kopfe genähert und den verhältnissmassig grossen Bauchflossen gegenüberliegend. 
Schwanzflosse wenig ausgeschweift. Die Afterflosse liegt demjenigen Thcile des Kücki nj 
genüber, welcher die- .Mitte zwischen Kücken- und Schwanzflosse bildet. Die zwei ersten 
ungetheilten Strahlen der Bauchflossen sind langer als die folgenden getheilten, legen sich 
nicht enge an diese letzteren an, sind zwar kräftig, aber doch weich und fein gegliedert 
Brachstücke von h Kiemenhautstrahlen erkennbar. Mehrere Reihen Schilder, welche die 

Oberseite des Fisches vom Nacken bis zum Schwänze bedecken und in der Gegend der 



- 277 - 

Rückenflosse am stärksten sind. Sie zeigen in der Mitte zitzenförmige Erhöhungen. Die 
Unterseite des Fisches scheint eine weiche Bedeckung gehabt zu haben. 

Telepholis acrocephalus v. d. M. Taf. XLIII. tig. 6. 7. 

Der Fisch, der mir in drei mehr oder minder gut erhaltenen, sich gegenseitig er- 
gänzenden Exemplaren vorliegt, hat eine Länge von 5 Zoll 2 Linien, ausschliesslich der 
Schwanzflosse. Seine grösste Höhe beträgt zwischen Rückenflosse und Kopf 1 Zoll 1 Linie, 
die sich vor der Schwanzflosse bis auf 5 Linien vermindert. 

Der spitze Kopf ist mindestens 1 Zoll 6 Linien lang. Seine einzelnen Theile sind 
schlecht erhalten ; Zähne nicht erkennbar. Die Augen waren klein. Die Anzahl der Wirbel. 
die kräftig und mit feiner Längsstreifung versehen sind, beträgt 36 bis 38, von denen 20 
dem Schwänze angehören. Die einzelnen Wirbel besitzen in der Bauchgegend eine Höhe 
von nicht ganz 2 Linien bei einer Länge von einer starken Linie. Die Apophysen der 
Schwanzwirbel sind massig ; die Häinapophysen werden nach dem Bauche zu allmählig kürzer. 
Rippen sind nicht erkennbar. Zwischen den Neurapophysen der Bauchwirbel bemerkt man 
feine Gräte. 

Die Rückenflosse besteht aus zwei zarten ungetheilten und 12 getheilten, bis 8 Linien 
langen Strahlen, die sich, wie diejenigen der Afterflosse auf breite, dreieckige Träger stützen. 
Ob eine Fettflosse vorhanden war, ist, wie bereits bemerkt, nicht mit Sicherheit festzustellen. 
Die Schwanzflosse besteht in ihrem oberen Lappen aus 7 kurzen aber breiten und 2 langen 
ungetheilten, sowie aus 8 getheilten Strahlen, denen für den unteren Lappen 7 — 8 getheilte, 
2 grosse und 4 kleine ungetheilte folgen. Sie ist weich und wenig ausgeschnitten ; ihre 
längsten Strahlen sind 1 Zoll, diejenigen der Mi^te 9 Linien lang. Die Afterflosse hat einen 
kleineren und einen grösseren zarten, ungetheilten und 7 getheilte Strahlen, deren längster 
6,5 Linien misst. Die Bauchflossen haben 2 lange ungetheilte, aber fein gegliederte Strahlen 
von 16,5 Linien Länge, denen 6 getheilte von einem Zoll Länge folgen; sie sind verhältnis- 
mässig sehr gross und auf breite Beckenknochen eingelenkt. Die Brustflossen sind nur an 
einem Exemplar und auch an diesem mangelhaft erhalten, doch erkennt man, dass der erste 
ungetheilte Strahl jeder Flosse bedeutend kräftiger wie die 12 (?) folgenden getheilten war. 

Fundort: Die Plattenkalke der Bauerschaft Bracht. 

Familie : Cyi-hinoidei Ag. 
Rhabdo lepis cret accus v. d. M. 
(1863. Fische etc. der jüngsten Kreide Westphalens, [Palaeontogr. XL] p. 26. t. 12. f. 1.) 

Da der Gattungsname : „Rhabdolepis" bereits von Troschel für ein Ganoiden-Genu> 
vergeben ist, so sehe ich mich genöthigt, die von mir gewählte Benennung zurückzunehmen 

rontogr., Bd. XV. 6. 37 



- 278 — 

und dafür den Namen „Holcolepis" aufzustellen. Der am oben angegebenen Orte abgebildete 
und beschriebene lisch würde mithin künftig die Benennung 

Eiolcolepis cretaceus v. d. M 

tragen. 

Gattung: Dactylopogon v. d. M. 

Von diesem Fische ist nur sin einziges Exemplar gefunden, jedoch .dücklicherweise 
von so ausgezeichneter Erhaltung, dasa es alle wesentlichen Theile erkennen lässt. Die 
Gründe, welche mich veranlasst haben, den Fisch den Cyprinoideen einzureihen, Bind folgende : 

1. Der Oberkiefer erscheint ganz vom Zwischenkiefer gebildet. 

>. Der Unterkiefer erreicht nicht die Länge des Oberkiefers. 

.-'). Die Zähne müssen sehr klein gewesen sein, da sie keine Spuren hinterlassen 
haben. 

i. Die ersten ungetheilten Strahlen der Flossen sind sehr kräftig. 

Hierzu kommt, dass die Körperform lebhaft an unsere Barbe — Barbus Huviatilis C. — 
erinnert; Bartfäden sind jedoch nicht erkennbar. Dagegen besitzt unser Fisch ein anderes, 
höchst charakteristisches Merkmal, nämlich sein erster, ungeteilter Brnstflossenstrahl ist feiu 
gliedert und doppell ><> lang, als der folgende getheilte Strahl. Eine ähnliche Form der 
Brustflosse findet sich bei der kleinen, nur 7 1 / Zoll langen Barbe, welche von Kühl und 
van Hasselt im Flusse Pe'bak auf Java beobachtet und von Cuvier und Valenciennes (Hist. 
nat. de poissons, XVI. p. 2«».S) als Barbus setigerus beschrieben ist. B. Betigerus hat aller- 
dings auch -ehr verlängerte, iingetheilte Bauchflossenstrahlen, was bei unserem Fisch nicht 
der Fall ist; doch stimmen beide darin wieder überein, dass die Rückenflosse ziemlich weit 
nach hinten liegt. Die Form der Schwanzflosse hat unser Dactylopogon wieder mit Barbus 
ßuviatilis gemein. 



- 



Demnach würde ich die Diagnose der Gattung Dactylopogon folgendermassen 

-'eilen : 

Körpei verlängert, sehr regelmässig. Die Kopflänge ist gleich der grössten Rumpf- 
höbe; weder entere noch letztere erreicht den vierten Theil der ganzen Körperlänge, die 
Schwanzflosse ausgeschlossen. Kopfknochen grubig und gestreift. Kückenflosse in der Mitte 
des Kückens. Die Afterflosse beginnt an der dem Ende der Rückenflosse gegenüberliegenden 
■Melk ■!'.- Schwanzes. Die mächtige Schwanzflosst ist tief ausgeschnitten. Die BnuchHossen 
.11 wenig vor der dem ersten Rückenflossenstrahl gegenüberliegenden Stelle des 
Bauche*. Brustflossen -In entwickelt; ihr erster ungetheüter und schart gegliederter Strahl 
ist doppelt so lang, als der folgende getheilte. CycloibVSchuppen von massiger Grosse 



- 279 - 

Dacty lopogon grandis, v. d. M. Taf. XLI. Fig. 1. 

Die Totallänge des Fisches mit der Schwanzflosse beträgt 1 7 Zoll, von denen 3 Zoll 
4 Linien auf den Kopf und ebensoviel auf die Schwanzflosse kommen. Die grösste Höhe 
des Rumpfes beträgt ohne Flossin 3 Zoll 3 Linien und vermindert sich vor Beginn der 
Schwanzflosse auf 1 1 / 2 Zoll. 

Der kurze, etwas stumpfe Kopf, der eine Maximalhöhe von t Zoll 2 Linien erreicht, 
zeigt stark-grubig-gestreifte Knochentheile, wie solche , in allerdings noch höherem Grade, 
wohl bei Sciänoiden und Accipenserinen, nicht aber bei Cyprinoideen vorzukommen pflegen. 
Namentlich das Stirnbein, das Hinterhauptbein und der Vorderdeckel, weniger das Operculum, 
sind hierdurch ausgezeichnet. Die Augenhöhle ist ziemlich gross. Der Unterkiefer erreicht 
nicht die Länge des Oberkiefers, welcher, wie bereits erwähnt, fast ganz vom Zwischenkiefer 
gebildet zu seyn scheint. Zähne sind nicht erkennbar. Mindestens 12 Kiemenhautstrahlen. 

Die Zahl der Wirbel beträgt 72 , von denen 32 dem Schwänze angehören. Die 
hintersten Schwanzwirbel streben dem oberen Schwanzflossenlappen zu und setzen sich dahin 
durch starke Stützbeinchen fort. Die einzelnen Wirbel erreichen in der Bauchsesend eine 
Höhe von 8 und eine Länge von 2 Linien. Die Apophysen der Schwanzwirbel sind sehr 
kräftig, die der Bauchwirbel zarter aber ziemlich lang, und nehmen in der Nackengegend 
noch an Stärke erheblich zu. Die Kippen sind massig lang. Kurz vor dem Beginn der 
Afterflosse bemerkt man einige vom Ende des Mastdarms herrührende Eindrücke. Die Aus- 
dehnung des letzteren erscheint hiernach nicht bedeutend und da auch die Zähne nur sehr 
klein gewesen seyn können, so darf man wohl schliessen, dass die Nahrung des vorliegenden 
Fisches vorzugsweise aus Vegetabilien und ganz kleinen Thierchen bestanden haben müsse. 

Die Rückenflosse liegt ziemlich in der Mitte des ganzen Körpers und der Bauchgegend 
zwischen Afterflosse und Bauchflossen gegenüber. Die Entfernung ihres ersten Strahls von 
der Maulspitze kommt der Entfernung ihres letzten Strahls vom Schwanzflossenende gleich. 
Sie besteht aus 5 kleinen und einem grossen ungetheilten und aus 18 getheilten Strahlen, 
deren längster 2 Zoll misst; ihre Strahlenträger sind von massiger Stärke und Länge. — 
Die grosse Schwanzflosse, deren Lappen eine Breite von 1 Zoll 8 Linien besitzen, hat in 
ihrer oberen Hälfte 14 kleine und einen grossen ungetheilten nebst 8 getheilten Strahlen, 
denen sich für die untere Hälfte 9 — 10 getheilte, 1 grosser und 7 kleine ungetheilte an 
schliessen. Die Afterflosse besteht aus 4 kleinen, 1 grossen ungetheilten und 19 getheilten 
Strahlen, deren längster 1 Zoll 6 Linien misst; ihre Stützbeinchen sind sehr kräftig. Die 
Bauchflossen bestehen jede aus einem ungetheilten und 6 getheilten Strahlen. Die grossen 
Brustflossen besitzen einen ungetheilten , in den letzten zwei Dritttheilen seiner Länge sehr 
fein gegliederten, 4 Zoll 3 Linien langen Strahl, während der nächstfolgende getheilte Strahl, 
deren jede Flosse überhaupt 14 besitzt, nur 1 Zoll 9 Linien lang ist. 

Die Schuppen sind verhältnissmässig klein , so dass man in der Bauchgegend in 

37* 



- 280 - 

vertikaler Richtung 44 Reihen zählt Es Bind Oycloidschuppen, deren Andrücke indess durch 
die eigentümliche Kreuzung derselben mit den Ripr> u . Apophysen und Stützbeinchen tra- 
pezoidale Fonnen bewirken, die beim .ersten Anblick an Ganoidschuppen erinnern. Ausser 
diesen Schoppen, die eine Mittellinie nicht unterscheiden lassen, bemerkt man kurz vor Beginn 
der kleinen Sehwanztlossenstrahlen sowohl an <ler Ober- wie an der Unterseite des Fisches 
einen rast zolllangen, in der .Mitte, wo derselbe die grösste Breite zeigt, gegen zwei Linien 
breiten, glatten Eindruck, der von einem Btachelähnlichen Körper herrühren inuss. An einer 
x - lle ist noch ein kalkiges Stückchen dieses Körpers erhalten. 
Fundort : Die Plattenkalke der Bauerschaft Bracht 

Familie : Charai ihi Müll. 

Schon in der Einleitung habe ich auf die Aehnlichkeit der Pictet'schen Gattung Eury» 
pholis mit meinem Genus Ischyrocephalus aufmerksam gemacht. Ausser der kräftigen Be- 
waffnung mit angleich grossen Zahnen, den starkgestreiften Unterkiefer- und Deckelknochen 
/'•igen beide Gattungen radial gestreute prädorsale Rückenschilder. Die neuen Funde haben 
weiteres Material zur Bestätigung dieser Aehnlichkeit geliefert, indem der unten zu beschreibende 
I. cataphractus auch zwei Reihen jener eigentümlichen Schilder erkennen liisst, die Pictet 
und Humbert als Gattungs-Charakter für Eurypholis autgestellt haben. Wenn es mir bis jetzt 
noch nicht gelungen ist. bei den übrigen Arten der Gattung Ischyrocephalus ähnliche Seiten- 
Bchilder aufzufinden, so will ich damit die Möglichkeit ihrer Existenz nicht in Abrede stellen. 
Die seither gefundenen Exemplare derselben sind hinsichtlich ihrer Bedeckung nicht gut 
erhalten, SO dass man den Abdruck der Seitenlinie nur alä linienlange einfache Striche 
wahrnimmt 

Bietet (Traite de Balaeontol., 2. ed. II. p. 213) bringt das Genus Eurypholis, ebenso 
wie die Genera Dercetis Ag., Plintophorus Günth., Sauroramphus Heckel und meine Gattungen 
Lejitotrachelus, Belargorhynchus und Ischyrocephalus in eine neue Familie, der er den Namen 
Hoplopleurides beilegt. Die Hoplopleuriden besitzen keine eigentlichen Schuppen, sondern 
haben auf dein Rücken und den Seiten Reihen von Schildern, oft ihrer fünf. Ihr Kopf ist 
meistens verlängert und mit scharfen, aber ungleichen, Zähnen bewaffnet; ihre Kopfknochen 
Bind oft grubig und körnig. Die Familie der Hoplopleuriden gehört nach Bietet zu den 
Knochenfischen, während seither die meisten ihrer Gattungen, namentlich Dercetis und Satire» 
ramphus der Ganoiden, bei denen knöcherne und knorpelige Skeletttheile vorkommen, zuge. 
rechnet wurden. Audi meine Gattungen Leptotrachelus und Pelargorhynchas hatte ich den 
Ganoiden sugetheilt; allerdings als eine besondere, zwischen denSauroiden und Accipenserinen 
stehende Ordnung, der ich den Namen Dercetiformes gegeben, und der ich auch die Gattung 
Dercetis Ag. zuzahlen möchte. Für diese Familie „Dercetiformes" würde ich folgend« Kena> 
aen sJs massgebend vorschlagen: 



- 281 - 

Kürperform sehr verlängert; Kopf spitz; Ober- und Unterkiefer schnabelförmig ver- 
längert. Statt der Schuppen mehrere Reihen von grösseren Schildern, zwischen denen auch 
kleinere vorkommen können. Flossenstellung die der abdominalen Weichflosser. 

Zu dieser Familie dürften, ausser den bereits oben genannten, auch die Grattungen 
Blochius Volta, Aspidorhynchus Ag., Belonostomus Ag., Belonorhynchus Bronn, vielleicht auch 
rthinellus Ag., Palaeorhynchus Ag. und Sauroramphus Heckel zu bringen seyn. 

Die Gründe, welche Pictet und Humbert für die Entfernung der Gattungen Dercetis, 
Sauroramphus, Leptotrachelus und Pelargorhynchus aus der Ordnung der Ganoideen und für 
deren Einreihung zu den Teleostiern anführen, können mich auch heute noch nicht bestimmen, 
meine frühere Ansicht aufzugeben. Auch ich habe versucht, die mikroskopische Structur der 
Wirbel und Kopfknochen von Pelargorhynchus bei der Entscheidung dieser Frage zu benutzen ; 
jedoch ohne Erfolg, da die leichte Zerreibbarkeit dieser Knochen die Herstellung eines scharfen 
Schliffes nicht zuliess. Allein auch abgesehen von der mechanischen Schwierigkeit dürfte 
ilem mikroskopischen Resultate in diesem Falle keine endgültige Entscheidung der Frage 
einzuräumen seyn, da in der Ordnung der Ganoiden gleichzeitig knöcherne und knorpelige 
Hartgebilde vorkommen. 

Für meine Gattung Ischyrocephalus ist übrigens die Zugehörigkeit zur Ordnung der 
Teleostier unzweifelhaft. Die mehrfach beobachtete Existenz einer dorsalen Fettflosse halte 
ich für wichtig genug, sie, wenigstens vorläufig noch, in der Familie der Characinen zu 
belassen. 

Gattung : I seh yroeephalus v. d. M. 

Die von mir angeführten Gattungscharaktere sind den neuesten Funden zufolge dahin 
zu ändern, dass die Zahl der Kiemenhautstsahlen von 12 auf 16 zu erhöhen ist Die unten 
folgenden neuen Arten Hessen zahlreiche Zähnchen auf den Kiemenbogen erkennen. 

Ischyrocephalus cataphractus v. d. M. Taf. XLII. Fig. 3. XLIII. Fig. 8. 

Die Totallänge des Fisches beträgt ohne die Schwanzflosse 5 Zoll 9 Linien, wovon 
L Zoll 10 Linien auf den Kopf kommen. Die grösste Höhe beträgt 1 Zoll 2 Linien, die vor 
Beginn der Schwanzflosse sich bis auf 3 Linien vermindert. Das Maul ist weit gespalten ; der 
Unterkiefer scheint den Oberkiefer an Länge ein wenig zu übertreffen. Ersterer ist kräftig, 
mit tiefen Längsfurchen versehen und mit zahlreichen Zähnen verschiedener Grösse besetzt, 
Der grösste Zahn von 2'/ 2 Linien Länge sitzt beinahe an der Spitze des Unterkiefers; ihm 
folgen in fast gleichen Zwischenräumen 8 10 bis 1 Linie lange Zähne, zwischen denen je 
3 — 5 kleine, nur eine halbe Linie lange, gestellt sind. Der Zwischenkiefer ist nicht sehr gross 
und mit kleinen Zähnen bewaffnet. An der Grenze des Zwischen- und Oberkiefers befinden 
sich einige grössere, bis 2 Linien lange Zähne. Ausser diesen sieht man noch zahlreiche, 



— Mi — 

eine halbe bis eine Linie lange Zahne auf den Kiemenbogen. Von den übrigen Theilen de* 
K o ps o s erkennt man 1 *> Kiemenhautstrahl« n und einige stark radial gestreifte Deckelstüeke, 
-•»wie die ziemlich gpoaM Augenhöhle. . Von Nackensehildern sind nur undeutliche Spuren 
erkennbar. Die Zahl der Wirbel betragt 4. L von denen 20 Schwanawirbel sind; die Apophv- 
sind massig stark; die Rippen lang. Zahlreiche Gräte 

Die Rückenflosse bat einen nngethefltea und 18 getheilto, bis 11 Zoll lange Strahlen. 
Eint- FettfloflM i>t nicht erkennbar. Die Schwanzflosse, deren Ende nicht vollständig erhalten 
-'cht in ihrem oberen Lappen aus 9 kleinen und 1 grossen ungethcilten, sowie aus 
8 — 9 getheilten Strahlen, denen sich für die untere Haltte der Flosse 8 getheilte, 1 gr> 
und 12 kleine ungetheilte anschliesscn Die grosseren ungethcilten Strahlen dieser Fl» 
sind, wie bei I. gracilis, von ansehnlicher Bre'te. Die Afterflosse ist nicht gut erhalten, doch 
moas sie mindestens 25 Strahlen gehabt haben. Die Bauchflossen bestehen aus je 1 unge- 
thcilten und 7 getheilten, nur 5 Linien langen Strahlen. Die Brustflossen haben je 15 -16 
S< Kien von höchstens 10 Linien Lange. 

Die Seiten des Fisches Bind mit -J Reihen starker, herzförmiger Schilder besetst Jede 
• km/ vor der Schwanzflosse mit einem grossen, apontonfönnigen, zugespitzten, bis 
5 Linien langen Schilde, welches in einem Falle, wo die Substanz des Schildes selbst ver- 
schwunden ist, Feine Randkerben u 

Fundort: die Plattenkalk. Bauerschaft Bracht. 

byroeephalus intermedius v. d. M. Taf. XLIII. Fig. 1. 

Di' ich, der hinsichtlich seiner Grösse zwischen I. macropterus und I. gracilis 

die hält, ist seither nur in einem einzigen, leider unvollständigen, Lxemplare getün- 

den. Von dem Kopfe fehlt der vordere Theil mit den so charakteristischen Zähnen, und 
der Rumpf ist ebenfalls nur bis zum Ende der Kückenflosse erhalten. Im ersten Augenblick 
erinnert der Fisch sehr an 1. macropterus, doch weichen die Zahlenverhältnisse der Flossen- 

li ab. 

Böhe des Kopfes betrügt 2,5 /oll and di< Rumpfhöhe 3 Zoll. Von 

TL K kennt man das grosse Operculum , ferner 16 Kiemenhautstrahlen und 

ihnen l — Einzeln) Wirbel in der Bau d beai 

eine 1 IL und Lange von 2,5 Linien und zeigen 1 Apophysen, Hippen und 

lind lang und kräftig, < >l>. rhalb der Baachfloasen liegt Doch der Kalkphosphat-hali 
Inhalt des Dan schilder Bind nicht erkennbar. 

Di' h vorn, wie bei den Übrigen Arten; si< besteht aus 

:'■ kleinen 1 a und h getheilten, bis '1 Zoll ,'•> Linien 1;,' Strahles, 

den nkt sind und sieb auf ähnlich verstärkte Köpfe der Interap • 

ph; ii/.cii. Die Banebfloaaen Bind seht groas; jetk deraelben besteht aus einem 



— 283 — 

ungeteilten und 11 getheilten Strahlen, die doppelt so lang sind, wie bei I. gracüis, ja 
sogar fast länger, wie bei I. macropterus. Ihre Länge beträgt l l / 2 Zoll. Die eine sichtbare 
Brustflosse ist 2 Zoll 3 Linien lang und hat 1 ungetheilten und 14 getheilte Strahlen. 

Man erkennt nur Cyeloidschuppen von 2 l / 2 Linien Höhe. Von den Schuppen der 
Seitenlinie sind undeutliche Eindrücke zurückgeblieben. 

Fundort : die Plattenkalke der ßauerschaft Bracht. 

Familie : (Jlupeoidei Cuv. 

Unter den neuen Funden der Umgegend von Sendenhorst befinden sich « 1 i t - Bruch- 
stücke eines Fisches, den man zu keiner der bekannten Arten bringen kann. Das vorhandene 
Material stellt Abdruck und Gegendruck des Rumpfes dar, an dem leider Kopf und Nacken- 
gegend fehlen. Er gehört unzweifelhaft den abdominalen Weichflosscrn an . doch ist die 
Familie, der er zuzuzählen ist, nicht ohne Zweifel festzustellen. Vergleicht man diese Küste 
mit ähnlichen aus der Umgegend von Sendenhorst so dürften ihnen die Gattungen Sardinius 
und Sardinioides noch am nächsten stehen , doch lassen sie sich nicht vollständig mit den- 
selben vereinigen. 

Unter den Fischen des Libanon nähern sich dem in Kede stehenden einige Clupea- 
Arten, namentlich Cl. lata Ag. und Cl. sardinioides Pict. Da nun keine vollständige Ueber- 
einstimmung, weder mit den übrigen westphälischen Kreiderischen noch mit denen des Liba- 
non stattfindet, so habe ich geglaubt, den vorliegenden als eigene Gattung davon trennen 
zu müssen. 

Gattung: Brachy spondylus v. d. M. 

Körperforni, soweit sie bekannt, ziemlich schlank. KikkenHosse sehr nach vorn ge- 
rückt. Schwanzflosse nicht sehr tief ausgeschnitten. Afterflosse massig gross; sie liegt der 
Mitte zwischen Rücken- und Schwanzflosse gegenüber. Bauchflossen ziemlich gross, dem 
Ende der Rückenflosse gegenüberliegend. Wirbel zahlreich, kurz, kräftig, ohne sichtbare 
Streifung. Cyeloidschuppen von massiger Grösse; in vertikaler Richtung sind in der Bauch- 
gegend 8 — H Reihen nachweisbar. 

Brachy spondylus cretaceus v. d. M. Taf. XL1I1. Fig. 2. 

Die. Totallänge des Fisches wird ohne die Schwanzflosse , aber unter Hinzurechnung 
der muthmasslichen Kopflänge gegen 6 Zoll betragen haben. Die Entfernung der Anhef- 
tungsstelle der Brustflossen von dein Beginn der Schwanzflosse beträgt 3 Zoll 6 Linien, die 
höchste Rumpfhöhe 1 Zoll 3 Linien, die bis zur Schwanzflosse auf 7 Linien fällt. Die An- 
zahl der Wirbel muss bedeutend gewesen seyn, da man allein gegen 23 Schwanzwirbel zählt, 
während die Gattung Sardinius deren nur 20. Sardinioides sogar nur 15—1 ti hat ; dabei sind 



- 284 - 

die Wirbel weniger lang und nicht gestreift. Die Apophysen der Schwanzwirl» 1 sind kurz 
und kräftig. Rippe-n und Gräte sind nicht erkennbar, weshalb man auch diesen Fisch nicht 
mit Sicherheit zur Gattung Clupea bringen kann. 

Die Rückenflosse, von der man nur 7 getheilte Strahlen erkennt, lag sehr nach vorn. 
so dass die ersten Strahlen derselben weit vor der dem Beginn der Bauehflosscn gegenüber- 
liegendem Stelle des Kückens eingefügt waren. Die Schwanzflosse besteht in ihrer oberen 
Haltte MM 8 kleinen, einem grossen ungeteilten und !» getheilten Strahlen; in der unteren 
Haltte zahlt man 5 kleine, einen grossen ungetheilten und 8 9 getheilte Strahlen. Die 
Afterflosse hat einen starken ungetheilten, aber gegliederten und 8 — 9 getheilte Strahlen. 
Die Baochflossen haben ebenfalls jede einen starken, ungetheilten, ungegliederten und 8 '■> 
äderte Strahlen. Die Brustflossen haben nur undeutliche Spuren hinterlassen. 
Fundort: die Plattenkalke der Baucrsehatt Bracht. 

Gattung : Sardinius v. d. M. 

Diese Gattung, welche mit dem ihr nahe verwandten Genus Sardinioides bei weitem 
am zahlreichsten in unserer oberen Kreide vertreten ist . hat auch jetzt wieder eine neue Art 
geliefert 

Als Gattungscharakter ist noch hervorzuheben, dass ausser den Brustflossen, auch di. 
Afterflosse viel mehr entwickelt ist. wie bei der Gattung Sardinioides. Die Anzahl der After- 
flossenstrahlen beträgt zwischen 16 und 18. 

Sardinius robustus v. d. M. Tat. XLII. Fig. 2. 

Von diesem Fische ist nur der Schwanz, dieser aber in einem prachtvollen Doppel- 
abdruck. vorhanden. Die Lage und Strahlenverhältnisse der Afterflosse, die Gestalt dei 
Schwanzflosse und die Bauart der Wirbel lassen keinen Zweite! darüber, dass der vorliegend. 
Fisch der Gattung Sardinius angehört. 

Dil- ScbwanEwirbel , die indess nicht einmal säramtlich vorliegen, erreichen eine Höht 
von 3 und eim Läng von -.- r > Linien. Sie sind mit starken Längsstreifen versehen und 
tragen sehr kräftige, massig lange Apophysen 

Die Afterflosse bat 1 -2 kleine und einen grossen ungetheilten sowie 16 getheilb 

ihlen, denn grösste ein-- Länge von 13 Linien erreichen. Die Schwansflosse besteht in 

ihrem oberen TbeDe aus 8 kleinen, einem grossen ungetheilten und 8 getheilten Strahlen, 

denen in der unteren Häl theilte, era grosser und 8 kleine nngetheilte folgen. Di< 

ingetheüten Schwanzflossenstrahlen erreichen eine Länge von 3 Zoll 2 Linien und ihr. 

Sprl len 1 Zoll auseinander. Di.- mittleren Sohwang fl o ssenstra hlen sind 18 Linie« lang 

Fandort: Di« Plattenkalk der Bauerschafl Bracht. 



- 283 - 

Gattung : Sardinioides v. d. M. 

Die Herren Pictet und Huinbert (I. c. p. 78) halten die Abtrennung der Gattung Sar- 
dinioides von der Agassiz'schen Gattung Osmeroides für nicht gerechtfertigt, und scheinen die 
Beibehaltung des älteren Gattungs-Namens richtiger zu finden. Auch die Funde des Jahres 
1863 lieferten einige hundert Exemplare von Sardinius- und Sardinioides-Arten, die ich sämmt- 
lich genau auf das Vorhandenseyn oder das Fehlen einer Fettflosse untersucht habe ; allein 
bei keinem einzigen zeigte sich eine Spur derselben. Diese Bestätigung meiner früheren 
Beobachtung dürfte die Abtrennung des Agassi/.'schen Osmerus Cordieri von der Gattung Os- 
merus Art. wol rechtfertigen. Die Agassi /.'sehe Gattung Osmeroides hat in der oberen Kreide 
Westphalens zwei Repräsentanten: Os. Monasterii Ag. und Os. microcephalus Ag. Beide 
besitzen unter sieh, wie mit den ebendaselbst vorkommenden Sardinius- resp. Osmerus- Arten 
grosse Aehnlichkeit. Total abweichend dagegen ist ihre Form von derjenigen des Osmeroides 
Lewesiensis , welche Art Agassiz bei Aufstellung seiner Gattung Osmeroides zu Grunde legt. 
Osmeroides Lewesiensis ist ein gegen 18 Zoll langer Fisch mit flachem Kopf, der im Ob» r- 
kiefer grosse, auseinanderstehende und im Unterkiefer kleine Bürsten -Zahne ; der ferner zahl- 
reiche Kieinenhautstrahlen, breite Brustflossen und ganz abweichend gestaltete Schuppen be- 
sitzt. Die beiden oben genannten Arten aus der oberen Kreide Westphalens sind massig 
gross, ohne flachen Kopf, durchweg mit feinen Bürstenzähnehen versehen. Sie haben nur 
6 Kieinenhautstrahlen, und Brustflossen, die von sehr massiger Grösse gewesen sein müssen. 
da sie nur Spuren ihrer Anheftungsstelle hinterlassen haben. Eine Fettflosse habe ich, wie 
erwähnt, trotz angestrengten Suchens nie gefunden. Die Schuppen, deren in der Bauchgegend 
in vertikaler Richtung 9 — 11 Reihen zu erkennen sind, sind lein concentrisch gestreift, an 
ihrem freien Ende gerundet, aber ohne alle radialen Falten. Diese Abweichungen bestimmten 
mich, die beiden westphälischen Arten von der Agassiz'schen Gattung Osmeroides abzutrennen 
und sie ihrer Verwandtschaft mit den Sardinius- Arten wegen, als eine neue Gattung Sar- 
diniuides aufzustellen, der ich später einige weitere Arten zugesellen konnte. Osmeroides 
megapterus Biet, würde ohne Zweifel auch eher zu meiner Gattung Sardinioides . wie zu der 
Gattung Osmeroides gehören, wie die Herren Bietet und Humbert selbst zugeben. 

Bemerkung zu Sardinioides Monasterii Ag. 

Auf Taf. VII. meiner früheren Abhandlung über die Fische der jüngsten Kreide West- 
phalens habe ich unter Fig. 10 einen Fisch abgebildet, den ich für ein jugendliches Exem- 
plar von Sardinioides Monasterii Ag. angesehen habe. Mit diesem hat ein bei Bietet und 
Huinbert (1. c. t. 7. f. ft) abgebildeter und beschriebener Libanon - Fisch, Clupea Bottae, die 
grösste Aehnlichkeit. Namentlich stimmt die mit Fig. . r i bezeichnete Restauration fast vollständig 
mit meinem oben bezeichneten Fische überein. l>a aber meinem Exemplar die für die Gattung 
Clupea charakteristischen Sternalrippen fehlen und dasselbe andererseits durch eine Reihe 

ralaeont.^r., Bd. XV. 6 38 



- 286 — 

von Zwischenstuten mit der typischen Form von Sardinioid. s M.na>terii vorbanden ist. so 
bin ich genöthigt . tiir meinen Fisch die ältere Benennung beizubehalten. 

:tung: Leptosomua v. d. M. 

Die neueren Funde haben auch hier eine Aenderung der aufgestellten Gattungs- 
charaktere nothwendig a ht 

I 'ie Gattung Leptosomua enthält kleine, schmale Fische mit meistens dünner Schwans- 
wurzel. Die Anzahl der Wirbel. 33 — 43, ist grösser wie bei der Gattung Sardinioi ; 
«reiche 27—30, und etwas kleiner, wie bei der Gattung Sardinius, welche hi< 4."> Wirbel 
hat. Sechs Kiemenhautstrahlen. Das Verhältniss der Schwanzwurzelhöhe zur Totallänge 
der Wirbelsäu': - ir letztere nicht durch die Deckelstöcke de» Kopfes verdeckt sind 

bei Leptosomus = 1:8— 
Sai - — 1 : I 

Sardinioides = 1 : •">. 
Das Verhältniss der Rnckenflossenlänge zur Entfernung -:en Rückenflos- ■ 

- bis vom ersten Schwanzflossenstrahl 

ist bei Leptos ie = 1 : 4.5. 

Sardinius — 1:2.5 — 3, 
Sardinioides = 1:2,! 
Diese abweichenden Zahlenverhältnisse bedingen selbstredend eine ganz abweichende 
. rm. 

Leptosomns elongatus v. d. M. Tat. XLIII. Fig. 3. 

'/. . _ o x bwansflose v :ne grbsste Höhe bc 

Linien. Die Entfernung des letzten Rückenflossenstrahls vom Schwanzfioesenstrabl 

inderthalbmal so \ - wie die Entfernung des ersten Rückenflossenstrahls von der 
.Upitze. wahrend diese Entfernungen bei L. Guestphahcus tast gleich gross - I. Die 
Anzahl der Wirbel betr . . von denen 2" Schwanswirbel sind. 

Dil Ruck* einem kleinem und einem grossen ungetbeilten und 

Strahlen. Die Schwanzflosse hat bei gut erhaltenen Exemplaren in jeder Hälfte 

-deine. 1 . gel Uten un Strahlen. Die Afterflosse hat 2 kleine, 

.'.-ilten und 12 getheilte Strahle] s Schwanzflosse mehr 

bei L. Guestphahcus. Die Bauchflossen bestehen aus einem recht kräftigen un- 

getheilten Strahlen. I »ie Brust 1 sind undeutlich, docli sind mii 

- f rahlen zu unterscheid« 

Dk Schu] 1 Cycloidschuppen. I 1 Seil tällt mit dei Wirbelsäule /u- 

mcn und erhebt sich nur in 

Fundorl Hauenkalke der Bauerschaft Bracht. 



— 287 — 

Microcoelia granulata v. d. M. Tat. XLIII. Fi<*. 9. 

Besser erhaltene Exemplare machen es mir zur Pflicht, einige meiner früheren Mir 
theilungen über diesen Fisch zu berichtigen. 

Die Zahl der Kiemenhautstrahlen hatte ich früher zu drei angegeben ; an dein oben 
abgebildeten Exemplare zählt man deren deutlich 4. Die Rückenflosse ist ganz ähnlich 
baut, wie die Afterflosse. Erstere besteht aus 3 kleinen und 2 grossen ungeteilten , ferner 
aus 6 grossen und 18 kleinen getheilten Strahlen, die sieh , wie die dev Afterflosse bis nahe 
zur Schwanzflosse erstrecken. Die Schwanzflosse hat in ihrem oberen Lappen 5 kleine 
1 grossen ungeteilten , sowie 8 getheilte Strahlen , denen nach unten wieder 8 getheilte, 

I grosser und 3 kleine ungetheilte folgen. Die Afterflosse hat i kleine. 1 grossen ungeteilten 
und 23 bis 24 getheilte Strahlen, deren letzte 16 bedeutend kleiner als die vordersten sind. 

Von den Schuppen liegen sowohl deutliche Abdrücke . wie auch die Substanz vor. 
Die frühere Angabe hinsichtlich der Körnelung derselben beruht auf Täuschung. Dergleichen 
kleine rundliche Erhabenheiten habe ich in neuester Zeit auf vielen Theilen der verschiedensten 
Fische der Plattenkalke von Sendenhorst wahrgenommen , auch auf anerkannt ganz glatten 
Cycloidschuppen. Ich möchte sie für eine spätere, warzenförmige, incrustationsähnliche 
Bildung halten. 

Die Schuppen-Abdrucke der Microcoelia zeichnen sich, namentlich in der Bauchgegend, 
durch kräftige radiale Sculptur aus. 

Gattung: Derinato ptychus v. d. M. 

Ein neuer abdominaler Weichflosser , den ich mit grosser Wahrscheinlichkeit zur 
Familie der Clupeoiden bringe, dessen untere, sägeartig gefaltene Bauchkante sogar an die 
Gattung Clupea erinnert. Leider sind weder die Rippen, noch ist das Verhältniss des 
Zwischenkiefers zum Oberkiefer deutlich erkennbar und somit eine nähere Yergleichung un- 
möglich gemacht. 

Ein schlanker Fisch, dessen Körperhöhe sich überall ziemlich gleich bleibt und nur 
kurz vor dem Beginn der Bauchflosse abnimmt. Die Rückenflosse liegt den Bauchflossen 
gegenüber; ihr erster Strahl ist ebensoweit von der Maulspitze entfernt, wie ihr letzter Strahl 
von den ersten kleinen Schwanzflossenstrahlen. Schwanzflosse massig ausgeschnitten. After- 
flosse ziemlich weit nach hinten gerückt. Die ganze Länge des Fisches ist durch eine Reihe 
von mindestens 50 vertikalen Falten (?) ausgezeichnet. 

D ermatopty ch us in acroph t h al mus v. d. M Taf. XLIII. Fig. 4. 

Die Totallänge des Fisches beträgt von der Maulspitze bis zum Beginn der Schwanz- 
flosse 4 Zoll 10 Linien , von denen 1 Zoll 4 Linien auf den Kopf kommen. Letzterer ist 

II Linien hoch; die grösste Höhe des Rumpfes betrügt 11,5 Linien. Der Kopf erscheint 

' 38* 



- 2H8 - 

durch den ausgebreiteten und zerdrückten Zwischenkiefer vewerrt; von seinen Theilen erkennt 
man das Operculum , Vorder- und Hinterdeckel, die grosse Augenhöhle mit dem Keilbein und 
5 — tf Kiemenhautstrahlen. 

Die Wirbelsäule hat einen undeutlichen Abdruck hinterlassen; einzelne Wirbel, Rippen 
und Gräte sind nicht erkennbar und von den Apophysen der Schwanzwirbel bemerkl man nur 
geringe Eindrucke. 

I»:e Rückenflosse besteht aus 3 kleinen, 1 grossen ungetheilten und 10 getheilten 
ihlen. deren längster 11 Linien misst. Hie Schwanzflosse hat in ihrer oberen Hälfte 19 
kleine, 1 grossen ungetheilten und i) getheilte Strahlen, denen für die* untere Hüllte i) ge- 
lte. I . und 9 kleine unget-heilte folgen. Die Afterflosse ist nicht vollständig er- 
halten, man zahlt •"> ungetheilte und mindestens 5 getheilte, bis 5,5 Linien lange Strahlen. 
Die Bauchflossen bestehen aus 1 ungetheilten und G getheilten Strahlen. Von den Brust- 
ur die Anheftungsstelle erkennbar. 
Weder Schuppen noch deren Abdrücke sind erhalten. 

Fundort: die Plattenkalke der Bauerschaft Bracht. 

Keiner bekannten Familie angehörend. 
Bemerkung zu Echidn oeephalus Troscheli v. d. M. 1863. Fische etc. der 
jüiiL'stcn Kreide Westphalens (Palaeontogr., XI. S. 55. t. 8. f. 1). 

Ein kürzlich aufgefundenes, leider kopfloses, Exemplar dieses Fisches zeigt einige 
Charaktere, die den früher aufgefundenen mangelten. 

Die Rückenflosse besteht aus 1 ungetheilten und 8 getheilten, bis 10 Linien langen 
ihlen. Keines der früher gefundenen Exemplare, weder diejenigen des F. Troscheli, noch 
he von F. tenuicaudus, zeigte irgend Spuren von Schuppen, so dass ich vermutbete, 
seien überhaupt nicht vorhanden gewesen. Diese Vermuthung glaubte ich dadurch unter- 
stützt, dass an mehreren Exemplaren eine gleichförmig - bräunlich gefärbte, Bonsl structurlose 
Hülle als Ueberbleibsel einer nackten Haut vorzukommen schien. Das oben erwähnte Bn h. 
stüek lässt aber in der Schwanzgegend ovale, mit gleichförmigem, weissen Schmelz überzogene 
S lilder erkennen, die eine Länge m>ii 0,5 Linien und eine Hübe von 0,3 Linien besitzen. 
Di( Oberfläche derselben ist glatt, ohne jede Zeichnung; sie berühren sich gegenseitig nicht 
und sind wol e itheils in Hautfalten eingebettet gewesen. In der Bauchgegend bemerkl 

man di S bilder nicht, obgleich dort der braungefärbte Hau! | an vielen Stellen gut 

erhalten ist. I D nimmt man an zwei anderen Exemplaren eine gegl D <lie bräunliche 

Haut scharf abgegrenzte, breite, Bchwarze Linie wahr, welche, vor den Bauchflossi n beginnend, 
h bis zur Afterfli kt 



- 289 - 

Ordnung: Elasmolirauchii Bonap. 
ünterabtheilung: PLAGIOSTOMI Müll. 
Familie: Squalidae; Sippe: Scillia Müll. 
Gattung: Palaeoscyllium v. d. M. 
Nach Queenstedt (Petrefactenk. 2. Aufl. 1865. S. 212) hat auch Wagner (Berichte der 
Münchener Akad., 18G3. IX. S. 289) einen anderthalb Fuss langen Hai aus den Solenhofener 
Schiefern unter dem Gattungsnamen „Palaeoscyllium" beschrieben. Da ich indess den von mir 
ebenso benannten Fisch bereits im Jahre 1860 auf der Pfingstversammlung des naturhistorischen 
Vereins für Rheinland -Westphalen zu Iserlohn vorgezeigt, beschrieben und benannt hatte, 
auch diese Mittheilung durch die in demselben Jahre erschienenen Verhandlungen des Vereins 
pubHcirt worden ist, so glaube ich im Rechte zu seyn , wenn icli den damals von mir gewähl- 
ten Namen beibehalte. 

In der Knileitung habe ich schon darauf aufmerksam gemacht, dass auch die neueste 
Arbeit über die Libanon - Fische einen Hai aufführt, welcher derselben Familie angehört, der 
das in der Umgehend von Sendenhorst aufgefundene Palaeoscvlliuin Decheni eingereiht 
habe. Das Scyllium Sahel-Alrnae vom Libanon ist allerdings bedeutend kleiner als unser 
Hai. Es ist bei einer Maximalhöhe von 12 Millimeter nur 10 Centimeter lang, während 
Palaeoscyllium Decheni 43 Centimeter lang und bis 5 Centimeter hoch ist; allein die That- 
sache, dass dieselbe Unterabtheilung der Haie ihre Repräsentanten sowohl im Libanon wie in 
der jüngsten Kreide Westphalens autzuweisen hat, verdient volle Berücksichtigung. Die vom 
Grafen Münster beschriebene, wahrscheinlich von Becks in den Baumbergen zwischen Coesfeld 
und Münster gefundene! Thyellina angusta gehört ebenfalls derselben Unterabtheilung, der 
der Scyllien , an. 

B. Fische des west j) h äli sehe n Pläners. 

Seither waren wir gewohnt, die jüngsten Kreide- Ablagerungen der Umgebung von 
Sendenhorst, sowie die der Baumberge bei Münster als die einzigen Fundorte vollständig 
erhaltener Exemplare weetphälischer Kreidefische zu betrachten, wenn gleich ein/eine 1 heile 
derselben, wie Zähne, Wirbel etc. vom Neocomien und Gault an aufwärts bis in die oberen 
Senon-Bildungen nicht gerade seltene Erscheinungen sind. In neuerer Zeit hat sich das Fund- 
gebiet vollständiger Fischversteinerungen auch bei uns erweitert. Im Sommer des Jahres 
1859 wurde in dem Pläner mit eingelagertem Grünsand nahe bei Dortmund ein höchst 
interessanter Fund gemacht. Beim Bau der von Dortmund nach Bochum ruhrenden Ei.-en- 
bahn sollte nämlich ein seither zum Fundament eines provisorischen Wärterhauses benutzter 
Plänerblock , welcher ohne Zweifel aus dem Sehachte der Zeche Dorstfeld und wahrscheinlich 
aus dem zwischen den beiden Grünsand-Schichten liegenden Pläner stammte, zerschlagen wer- 
den, als dem gerade vorübergehenden Grubendirector Pilgriin von Dortmund ein biosgelegter 



8M - 

\ - bkopf in dii ' g Bei Pilgrim liess mit aller Sorgfalt die umherliegenden Stücke Bammeln 
un. g - die imstande gestatteten, den Fisch wieder zusammen. So i-t die 

. - e und interessantere Hälfte desselben glücklich gerettet, doch Fehlt immer noch ein 
bedeutender Tlieil des Rumpfes und die Schwanzfloss 

Sehen wir uns unter den bekannten fossilen Kreidefischen anderer Gegenden nach 
einem ahnlichen um, BO 18t nicht zu verkennen, dass der von A. ssiz in -einer Familie 

der Haleooiden untergebrachte, als Halec Sternbergii beschriebene, im Pläner - Sandstein 
Junekoldin im Königgrätzer Kreise Böhmens gefundene Fisch sofort durch seine grosse Aehn- 
lichkeit auffüllt Di« ---.-, die Form des Kopfes sein Verhältniss zum Rumpfe, die machtig 

Flossenstrahlen und starken Stützbeinchen der Rückenflosse, die grosse Augenhöhle, das tief- 
•altene Maul mit den Verhältnis g kleinen Zähnen finden Bich sowohl bei dem böhmi" 

n. wie heim westphälischen Fische. Abweichend ist freilich <\^v erste, leider allein erh 
tene Strahl der Brustflosse des böhmischen Fisches, welcher den ersten Rückenflossenstrahlen 
entsprechend stark gewesen Beyn muss, während bei unserem Fisch die Brustflossenstrahlen 
von sehr massiger Stärke waren. Von den Bauchflossen ist hei Halec Sternbergii kei 
Spur vorbanden. Eine weitere Aehnlichkeit bietet der Fundort. Reuse (Versteinerungen der 
:. Kreideformation, •_'. Abth. S. 118) spricht -ich zwar folgendermassen über die 
5l llung des Pläner- Sandsteins von Jungkoldin aus: „Ich zählte den Planer-Sandstein früh 
der oberen, kalkigen Gruppe der Kreideformation, dem Pläner, zu. wozu mich besonn. - 

gel charakteristischer l'etretacte und die Ueberein-timmuiig mehrerer mit denen des 
Plänerkalks bewog. Ein genaueres Studium der darüber liegenden Schichten aber — des 
Dermergels, — welchen ich jetzt ohne alles Zögern dem Gault parallelisiren muss, bat mich 
überzeugt, dass der Planer -Sandstein für das oberste Glied der unteren Bandigen Kreide- 
_ ippe, des lower greensand, angesehen werden muss. Vergleicht man jedoch die in jenen. 
Planer- in vorkommenden häutigsten Versteinerungen mit denjenigen uns« len 

Turonien Angehörenden, Plan • findet man, dass beide folgende, sehr bezeichnen« 

ineinsam besitzen: 

Klytia Leachi Rss Inoceramus mytiloides Uant. 

Nautilus simplez Sow. Pinna decusaata Gold£ 

Nautilus tw. Lima multicostata Geh 

Ammonites peramplus Sow. 

dem nennt Reuss noch au- dem Pläner-Sandstein den Ammonites rhotoms 

ler allerdings bisher noch nicht in der Umgebung von Dortmund, aber doch un- 

'. let Westphälischen Turonien wiesen i-t. Hie übrigen obei 



•) Lima multicostata Gein findet neb sogar ooeh hoher; nämlich in den Quadrateasehiehten 
S Ibtheilung; m b. B. in den Sandsteinen und Knattern rom Annaberge bei Eiauern, 



- 291 - 

nannten Petrefacten kommen aber mit Ausnahme der Klytia Leachi in denjenigen Schichten 
vor, aus welchen unser Fisch stammt; namentlich erscheint Inocerainus mytiloides in grosser 
Menge, und ist hier eigentliche Leitmuschel. Klytia Leachi kommt in Westphalen in den 
subsenonen Quadratenschichten vor. Aus diesem Verhalten kann denn auch eine Aehnlichkeit 
hinsichtlich des Vorkommens nicht wol abgeläugnet werden. 

Ordnung : Teleostei Müll. 

Unterordnung: ANACANTHINI Müll. 

Familie : Gadoidei Cuv. 

Gattung : A r c h a e o g a d u s v. d. M. 

Unser Westphälischer Fisch ist, wenigstens in seinem vorderen Theile, besser erhalten, 
als der Böhmische, und lässt die Reste dreier Flossen, die ganz nahe am Kopfe angeheftet 
sind . erkennen. Die beiden mit a und b bezeichneten möchte ich für Bauchflossen halten, 
besonders weil die Anheftungsstelle der Flosse a unter den hinteren Deckelstücken liegt und 
erst bemerkbar wird, wenn man ein Stück des Petrefacts heraushebt. Ihrer grossen Aehnlich- 
keit wegen halte ich auch die mit b bezeichnete für die zweite Bauchflosse. Die mit c und d 
bezeichneten Strahlenreste würden der einen Bauchflosse angehören. Hiernach würde der 
Fisch den Kehlflossern zuzuzählen seyn und glaube ich, ihn weiter den Gadoideen unterordnen 
zu müssen, wenn gleich grosse Schwierigkeiten in der Bestimmung der Familie und Gattung 
dadurch entstehen, dass nur der Kopf und der vordere Theil des Rumpfes erhalten sind, so 
dass man über Zahl und Grössenverhältnisse der Rückenflossen keine Gewissheit erlan- 
gen kann. 

Der verhältnissmässig grosse Kopf, die grossen Augenhöhlen , die kleinen Zähnchen 
des Unterkiefers, die starken Wirbel, die kräftigen Strahlen der Rückenflosse und ihre breiten 
vorderen Stützbeinchen sprechen für eine Verwandtschaft mit lebenden Repräsentanten der Ga- 
doideen. Abweichend ist die Bezahnung des Oberkiefers. An unserem Petrefact sind die 
Zähne selbst abgebrochen, allein wenn dieselben den stehengebliebenen Zahnbasen entsprechen, 
so müssen sie erheblich grösser gewesen seyn als bei den lebenden Gadus- Arten. Auch die 
Unterkieferknochen und die Deckelstücke sind kräftiger. 

Archaeogadus Guestphalicus v. d. M. Tat. XLII. Fig. 1. 

Das vorliegende Bruchstück dieses Fisches ist 14 Zoll 9 Linien lang, wovon 6 Zoll 
auf den Kopf kommen. Die Höhe des Kopfes beträgt 3 Zoll 9 Linien. Die Augenhöhlen 
haben einen Zoll im Durchmesser. Die Maulspalte reicht bis unter die Mitte der Augen. Der 
Unterkiefer ist 3 Zoll lang, mit kleinen, eine halbe Linie langen und hakenförmig gebogenen 
Zahnen besetzt. Der Oberkiefer enthält kräftige Zähne, deren Basen einen Durchmesser von 



292 — 

bis ".75 Linien I D< Zwischenkiefer hat Bürstenzähnchen. Das Stirnbein ist 

bi> zum Nasenbein abgeplattet; seine Breite b 9 Linien. Kiemenhautstrahlen sind niclit 

deutlieh erkennbar. Diu Wirbel sind 5 «Linien lang und 4 Linien hoch; ihre Apophysen sind 
schlank, ein wenig nach hinten gekrümmt und besitzen bei - Zoll Länge nur eine Starke von 
0,3 Linie. Es sind nur < 1 i ■ - oberen erhalten. 

Die Rückenflosse, denn, wie bemerkt, nur eine Bichtbar i>t . beginnt in einer Entl 
nung von .';..') Zoll hinter «lern Kopfe und lässt 7 Strahlen erkennen. Ihre ersten Strahlen 
Bind i l'i- 3 Linien dick, aber leider 2 Zoll oberhalb ihrer Anheftungsstelle abgebrochen. 
Di x itzbeinchen der eisten Strahlen sind 1,5 Zoll lang und 9 Linien breit und am Hände 
kamnifönnig -gezackt. Die folgenden fünf Stützbeinchen haben bei einer Lange von 10 bis 11 
Linien ebenfalls eine Breite von '2 bis 2,5 Linien. Die weiter folgenden sind erheblich schmaler. 
After und Schwanzflosse fehlen. Von den Strahlen der sohlecht erhaltenen Brustflossen las« 
Bich über 1*» erkennen. Ihre Länge inuss über 4 Zoll betragen haben; eine Theilung dersell 
ist nicht sichtbar. Unter "der vor den Brustflossen liegen die Bauchflossen (a und b der Ab- 
bildung), deren jede mindestens 1" Strahlen enthält, die sieh auf eine Länge von _ l 
9 Linien verfolgen lassen. 

v huppen Bind nicht bemerkbar. 

Inung: PHYSOSTOM1 Müll. 
Familie: Clcpkoidei Cuv. 
Gattung: Elopopsis Beckel. 

Von einem zweiten Knochenfisch aus der Turon-Abtheilung dei Westphälischen Kreidi 
i*t seither ebenfalls nur ein einziges Exemplar, und zwar allein der Kopl mit einem kleinen 
Stücke des Rumpfes gefunden. Die Fundstelle desselben ist die sogenannte „harte, w< 
Kreide" von Wessum bei Ahaus (Reg.-Bez. Münster), die bekanntlich durch eine vom Pläner 
des übrigen Westphalens etwas abweichende Fauna charakterisirt ist. Wessum und Gl 

I zwei in der Nähe des Kreisorts Ahaus liegende, den Paläontologen durch die Arbeitet 
der Herren A und I'. Römer, Becks und Elosius bekannt gewordene Ortschaften, die dui 
ihren Reicbtbum an wqblerhaltenen Petrefacten berühmt Bind Galerites albo-galerus Lara., 
atula Becksii A. Rom., Rhynchonella Mantelliana d'Orb., Terebratula plicatilis rai 
minor Br., Inoceramus Lamarckii Mant. und Zahne von Oxyrrhina Mantuüi Ag. linden stiel 
in zahlreichen Exemplaren. 

D.is vorliegende Bruchstück zeigt keine Spur von irgend einer Verdrückung, und macht 
den Eindruck, all <>b der Kopl im Kacken mit Bcharfem Hiebe vom Rumpl getrennt, dam 
vollständig ausgeleert und wieder mit Plänerbrei vollgefüllt wäre Dei Kopl selbst isl 



— 293 - 

5,3 Zoll lang. Die Höhe der Rumpfes beträgt an der Bruchstelle 5 Zoll 9 Linien . seine 
Dicke 4 Zoll 9 Linien, so dass sein Querschnitt breit oval erscheint. Der Bauch ist sehr 
gerundet. Versucht man nach diesen Daten die Form des Rumpfes zu ergänzen, so dürfte 
die Totallänge des Fisches leicht 2,5 bis 3 Fuss betragen haben. 

Auch zu diesem Fisch hat die Böhmische Kreide ein Seitenstück geliefert, wenn auch 
zwischen beiden keine specifische Zusammengehörigkeit nachweisbar ist. 

A. E. Reuss beschreibt in seiner Abhandlung „Neue Fischreste aus dem Böhmischen 
Pläner" (Separat- Abdruck aus den Denkschriften der mathematisch- naturwissenschaftlichen 
Klasse der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien XIII. S. 7. 39) unter dem Namen 
Elopopsis Heckeli einen auf Taf. III. abgebildeten Fisch, welcher 1854 im Planer des weissen 
Berges bei Prag gefunden und von dem Hofrath von Sacher-Masoch dem Museum in Prag 
geschenkt wurde. Reuss hat diesen Fisch, nach seiner Aehnlichkeit mit dem von Heckel 
aufgestellten Genus Elopopsis, von welchem mehrere Arten in den zur Kreide-Formation 
gehörenden schwarzen Kalkschiefern von Comen im Karst-Gebirge aufgefunden sind , eben- 
falls zu der genannten Gattung gebracht. Die Gründe, die Reuss dazu veranlasst haben, 
treffen grösstentheils auch für unsern Fisch zu ; namentlich die spitze, dreieckige Gestalt des 
Kopfes, die grosse Mauispalte, das starke Gebiss, die zahlreichen Kiemenhautstrahlen, der 
grosse Kiemendeckel, die ansehnliche Augenhöhle, die Ueberstimmung in der Anhettungsstelle 
der Brustflossen und die grossen Cycloid-Schuppen. Dahingegen lässt sich nicht verkennen, 
dass sowohl die lebenden Elops-Arten, wie auch die Heckel'sche Gattung Elopopsis einen, 
wenn auch nicht scharfkantigen, doch wenigstens stark zusammengedrückten Bauch besitzen ; 
während dieses Verhalten bei dem vorliegenden Fisch gewiss nicht, und auch bei Elopopsis 
Heckeli Rss wahrscheinlich nicht stattfindet. Leider fehlen den beiden letztgenannten 
Fischen die Bauch- und sämmtliche unpaarigen Flossen, wodurch eine weitere Vergleichung, 
namentlich hinsichtlich der platten Schwanzflossenstrahlen unmöglich wird. 

Dass der vorliegende Fisch übrigens nicht mit dem oben beschriebenen Archaeogadus 
Guestphalicus, mit dem er in fast gleichalten Schichten vorkommt, vereinigt werden darf, geht 
aus der ganz abweichenden Bezahnung, sowie aus dem Mangel jugularer Bauchflossen hervor. 

Elopopsis Ziegleri v. d. M. Taf. XLI. Fig 2—4. 

Mit diesem Namen habe ich unsern Fisch nach seinem, um die Fossilreste der west- 
phälischen Kreide verdienten Entdecker, Herrn Kreisrichter Ziegler in Ahaus, benannt, in 
dessen Besitz sich das einzige, seither aufgefundene Exemplar befindet. Fig. 1 gebe ich von 
diesem Kopf die Ansicht von oben, Fig. 2 im Profil in natürlicher Grösse, Fig. 3 den Durch- 
schnitt in der Nackengegend in halber Grösse. 

Diese Art unterscheidet sich durch ihre Bezahnung von dem nahestehenden Elopopsis 
Heckeli Rss. Der Unterkiefer hat nämlich nicht besonders dicht gestellte, aber sehr kräftige 

PtUcontogr, Bd. XV. «. 3'J 



- 294 - 

Zahm-, die ein längliches Dreieck bilden, deren groeste an der Basis 2 Linien breü und 
dabei 3,3 Linien hoch sind. Der Oberkiefer bal dagegen an Beinern hinteren Ende /.ahl- 
reiche, aber nur 0,5 bis 0,7 Linien hohe Zähnchen. Nach vorn zu werden sie noch weit 
kleiner und erscheinen als gesägter Kieferrand, Am Zwischenkiefer Bind keine Zahn« erkenn- 
bar. Die Maulspalte ist 3,75 Zoll lang und reicht bis hinter die Augenhöhle. Erkennbar 
sind ferner das Stirnbein, Scheitelbein, Riechbein, die Kiemendeckel und zahlreiche Kiemen- 
hautstrahlen, denn über 12 vorhanden gewesen seyn müssen. 

I >ic Anheftungsstelle der Brustflossen liegt von der Maulspitze 6,5 Zoll entfernt und 
las-t Bruchstücke von mindestens 7 Strahlen erkennen. Wahrscheinlich sind deren aber 
zahlreichere vorhanden gewesen. 

Die Schuppen sind Ms 9 Linien hoch und fein concentrisch gestreift. 

Crnstaceen. 

3 itdem ich vor mehreren Jahren eine Anzahl fossiler Kruster beschrieb*), sind von 

schiedenen Seiten, in England, Frankreich, Süddeutschland, namhafte Beitrage liir 
Kunde versteinerter Krebse geliefert worden.**) Auch das damals behandelte norddeutsche 
iet hat inzwischen manches Neue geliefert und unsere Kenntniss über das Vorkommen 
dieser Thierclasse sowohl nach geognosti8cher wie nach zoologischer Seite erweitert. Ls 

konnten in jener Arbeit nur aus Senon- und Cenoman-Schichten Arten namhaft gemacht 
werden; die vorliegende Mittheilung bietet ausser aus dein Senon auch Formen dar au- dem 
Turon, dem Gault und demNeocom. Für unsere erste Arbeit lagen nur makrure Decapoden 
vor. di< enthält sowohl neue Arten dieser Section. wie aueb Brachyuren, und 

ausser diesen der Ordnung der Dekapoden angehörigen Formen sind die Malakostraceen 
auch durch die Ordnung der Stomatopoden vertreten. 

Bevor die neuen Arten beschrieben werden, mögen noch ein paar Worte über 
einige schon ältere Species Platz linden. 



*) Die Makruren Dekapoden der Senon- und Uenoman-BUdungen Westphalens \<>n Clemens 
Schlüter. Z itsohi der deutschen geologischen Gesellschaft. I.sii2, S 702- 741'- t. 11- 14 

**) Uppel , Paläontologische Mittheilungen ans den Museum de- königl bayr Staates (meisi 
Krebse). 1862. 

Bell, Crnstacea "i de- gaull and Greensand. ( Palaeontogr. bog i 1862. 

Herrn. .. \|. i. Tertiäre Dekapoden aus den Alpen, von Oeningen und dem Taunus, (Palaeon* 
pbiea, X.i l - 

A. Milne Edwards, Monographie des Crustace* fossiles de In GunUle de- CaooeViena (Ann. 

:.-i. /.'.,.]. i. Will. XX. i 
Fischer-Benzon , lieber das relative Alter des FaxSe-Kalke« und [ibei <li<- in demselben vor- 
enden Anomuren und Brachyuren, mit G Tafeln, 4". Kiel [886. 



— 295 — 

Nymphaeops Coesfeldiensis (Schlüter 1. c. S. 728. t. 13. f. 3. (5) 
lag bisher nur aus den Baumbergen in mehreren Exemplaren vor, nunmehr hat sicli die 
Art auch in der Nähe von Aachen gezeigt. In einem gelblichen kalkig-thonigen Gestein 
eingeschlossen, wird das einzige bekannte Exemplar jener Gegend in dem paläontologischen 
Museum zu Bonn aufbewahrt. Die noch unbekannten Theile der Extremitäten sind auch an 
diesem Stücke nicht erhalten. 

In der erwähnten Arbeit habe ich einen in den senonen , sandigen Gesteinen von 
Dülmen in Westphalen vorkommenden Krebs mit Astacus longimanus Sow. auf Grund der 
mir einzig bekannten rohen Abbildung bei König (Icon. sect. tab. 18, fig. 2l ; 9) nicht ohne 
Bedenken identificirt (1. c. S. 723), indem mir die Original-Abhandlung Sowerbys (Zool. Journ. 
II. p. 493, t. 17, f. 1, 2) nicht zugänglich war. Nachdem nun die Sowerby'sche Art durch 
Bell (fossil malacostracous Crustacea, p. 26 t. 6) eine neue Darstellung erfahren hat, ergibt 
sich , dass die westphälische Art von der englischen sehr verschieden ist. Indem ich auf 
meine Beschreibung verweise, bezeichne ich dieselbe jetzt als Hoploparia macrodac- 
tyla. Bell gedenkt in seiner Beschreibung der Hoploparia longimana nicht der Abbildung 
bei König. Es muss deshalb vennuthet werden , dass er der Bestimmung von König seine 
Zustimmung versagt. 

Enoploclytia Leachi (Mantel sp. , Geolog, of Süss. t. 29, 30) hat sich in den 
senonen Mergeln bei Coesfeld in Westphalen gefunden. Das vorliegende Exemplar ist vom 
zweiten Abdominalsegmente bis zur Basis der Finger der Vorderfüsse gut erhalten. Am 
Cephalothorax endet die schräg nach vorn geneigte, mehrfach gebogene Branchialfurche am 
unteren Saume der Schale, die Nuchalfurche dagegen biegt sich, bevor sie den Saum erreicht, 
mit starker Krümmung um, und verliert sich am Vorderrande der Schale. Die Kiemenregion 
der Schale ist mit kleinen runden Höckern dicht besetzt. Auf der zwischen den beiden 
Furchen belegenen Partie des Brustpanzers erheben sich zwischen den weniger gedrängt 
stehenden kleinen Höckern zahlreiche grössere; auf der vorderen, von der Nuchalfurche be- 
grenzten Region sind sowohl die grösseren als die kleineren Höcker weniger zahlreich. 
Der nach unten geneigte Stirnschnabel trägt jederseits vier Dornen und in der Mitte einen 
runden Kiel, welcher an jeder Seite von einer Furche begleitet wird. Bemeikenswerth ist 
das Mundfeld. Es wird durch eine Furche halbirt, welche vor dem Mundsaum endet. Die 
beiden Hälften sind etwas convex und tragen an den Seitenflächen kleine Höcker. Unter 
dem Epistom liegen die Mandibulen und ein Fragment des hinteren grossen Kaufusses. Von 
den Thoraxfüssen ist das vordere grosse Paar am besten erhalten. Man erkennt das lange 
Femur, die kurze Tibia und die mit spitzen Dornen bewaffnete, etwa doppelt so lange als 
hohe, seitlich gerundete Hand. Die Finger sind abgebrochen. Der Querschnitt ergibt, dass 
sie einen kreisförmigen Umfang hatten. Unter dem schmalen Stirnschnabel treten die Augen 
hervor. Von den inneren Antennen bemerkt man nur eine Andeutung. Die äusseren An- 

39* 



- 29fi — 

kennen und gebaut wie bei den lebenden Astacinen , doch erreicben die Basalglieder nicht 

die Spitze des Stirnschnabcls. Die Palpenschuppe ist zerstört. Ueber die Abdominalsegmente 
ist noch zu bemerken, dass die Schienen derselben in ähnlicher Weise mit Höckern verziert 
waren, wie der Gephalothoraz und die Scheeren. Auch von den Kiemen zeigen Bich Reste. 
Wie bei den lebenden Astacinen scheinen jederseits sechs vorhanden zu Beyn-. Maasse: 

Geaammtlänge des Brustpanzers 80 mm., davon 1 1 mm. der Stirnschnabel, 

Höhe des Brust[>an/ers 30 ,, 

Länge de- Femur .... 32 ,, 

Länge der Hand 30 ,, 

Höhe der Hand 17 ,, 

Ifeyeria ornata,*) seit lange bekannt aus dein Speeton clay Yorkshire's, von 
Bredenbeck und vom Oster walde, hat sich nun auch im Teutoburgei Walde gezeigt. In 
der fiegend von Bielefeld und ganz insbesondere bei Oerlinghausen und bei Borgholzhausi D 
hali.- ich zahlreiche Exemplare dieses charakteristischen Krusters beobachtet. Sie liegen hier 
meist in Knollen eingeschlossen in dem "eibbraunen Sandsteine der unteren Kreide. Rudi- 



- 



Hunte der langen Gangfüsse linden sieh gar nicht selten. Alle tragen am Unterrande zahl- 
reiche feine Dornen. Dies gilt auch von dem grosses Kaurusse. Nur die Endigung der 
Fasse hat noch nicht constatirt werden können. Geognostisch ist dieser Fund von besondenm 
Interesse, indem die ausgezeichnete Form des Krebses verbunden mit dem häufigen Vor- 
kommen, ihn für die Parallelisirung der betreffenden Schichten besonders geeignet macht. 

Glyphaea cretacea? (M'Coy, Ann. nat. bist., 1854. p. 118. t. 4. i. 2. Bell, 
io~> inalac. <'ru~t.. p. 37. t. 11. f. 11 13.) In demselben Lager mit Meyeria ornata fand 
Bich bei Oerlinghausen der Cephalothorax eines Krebses, welcher durch steile Nuchalfürche, 
schräge doppelte Branchialfurche , sieben vom Niederlande sich erstreckende Kiele und last 
glatte i'.') Schale au hnet ist. Die Kiele der englischen Art sind mit Knötchen verziert, 

von denen an unserem Exemplar keine Spur wahrzunehmen ist. Vielleicht liegt diese Ver- 
zierung nur an der Oberfläche der Schale und ist au dem vorliegenden Stückt' mit der 
•orten Schale verloren • n. 

!'.• Schreibung neu« t Arten : 



*) A etao u i ornatau l'liill. Geol. Vi>rk. t. .'}. f.2. Glyphaea ornata Rom., Nord. Kreid. 1. 16, t l'I 

'ia omaU M'Coy, Ann Nat II'-'. 1849, |>. 388. \f'..iia nriiiila Kell. FoM malaOOlt, OrtMl 

i. ;•. t. 9— i«». 



— 297 — 

Crustacea malacostraca. 

1. Ordnung : Decapoda. 

a. Sect. BRACHYURA. 

Gattung: Necrocarcinus Bell 1862. 

Necrocarcinus senonensis Schlüt. Taf. XLIV. Fig. 3 



O' 



Der Schild ergibt 30 mm. Länge, 32 mm. Breite und 9 mm. Hühe ; Stirnbreite 
13 mm.; Hinterrand 16 mm. Breite. Der Schild suborbicular, nach hinten verschmälert; 



die grösste Breite liegt etwas vor der Mitte der Länge. Die Wölbung des Schildes ist 
ziemlich stark. Die Augenhöhle ist fast 5 mm. breit. An der Oberseite tritt die Schale 
derselben ringförmig hervor und erhebt sich an der rechten und linken Seite dornartig. 
Durch zwei , 1 bis 2 mm. tiefe Einschnitte wird diese Partie in mehrere Lappen zerlegt. 
Der Stirnschnabel ist schmal, nach innen geneigt, konnte aber nicht ganz blossgelegt werden. 
Der Vorder- und Seitenrand ist ziemlich scharf, mit einzelnen Zähnchen besetzt. Die Rücken- 
regionen sind von den Kiemengegenden durch flache Vertiefungen geschieden ; ebenso die 
letzteren von den nicht getrennten Magen- und Leberregionen Die ganze Schale ist mit 
zahlreichen scharfen Höckern geziert, von denen sich zunächst 12 in drei Längsreihen ordnen. 
In der Mittellinie des Rückens liegen vier, etwas in der Längsrichtung ausgedehnte Höcker 
in der Genital- und Herzgegend, die hintere Lebergegend frei lassend. Der vorderste dieser 
Höcker ist der kleinste, der zweite und vierte ein wenig grösser als der dritte. Die beiden 
seitlichen Höckerreihen liegen zwischen dem äusseren Orbitaldorn und dem Ende des hinteren 
Randsaums der Schale. Der Zwischenraum zwischen den einzelnen Höckern ist grösser, als 
bei der inneren Reihe; der vordere rückt mehr zum Stirnrande hin und der hintere ist dem 
Hinterrande sehr genähert. Die Höcker dieser zwei Reihen nehmen von vorn nach hinten 
an Grösse zu ; die drei grösseren liegen auf der Kiemenregion. Zwischen diesen Reihen 
treten noch zwei einzelne Höcker hervor zur Rechten und Linken des vorderen Höckers der 
Mittelreihe. Sie bezeichnen die Stelle der grossen vorderen Magensäcke. Ausserdem sind 
auf jeder äusseren Seite noch zwei kleine runde Höcker vorhanden. Der hintere liegt neben 
dem ersten Höcker der äusseren Reihe, der zweite ganz nach vorn gerückt. Sie verzieren 
die vordere Leberregion. Die Zähnchen des Vorder- und Seitenrandes der Schale sind nicht 
deutlich erhalten. 

Der Cephalothorax zeigt auch symmetrisch vertheilte zellenförmige Rauhigkeiten, 
welche die Haftstellen der Kaumuskeln und anderer innerer Theile bezeichnen. 

Unser Krebs hat grosse Aehnlichkeit mit der Abbildung einer Krabbe, welche Mantel 
(Geol. Süss., t. 29. f. 7. 8. 14) gab und die er (Med. Cr., p. 534) Arcania Bucklandi nannte. 
Bell identiticirte dieses Englische Vorkommen mit der in Frankreich beschriebenen Orithya 
Bechei Deslongch. (Mein. Soc. Lin. Norm., V. p. 40. t. 1. f. 7 9) und gab (Foss malac. 



m 

ernst., II. p. 20. r. -l. f. l 8) (.'ine genauere Darstellung, woraus die gänzliche Verschieden- 
heit jenes Ernsten von unserer Art erhellet. 

Vorkommen. Ich fand das einzige Exemplar in der Nahe von Lemförde in einem 
freiliegenden Gesteinsstücke. Die Beschaffenheit des Gesteines läset nicht zweifeln, dass es 
den Schichten der Hügel von Salden) und Lemförde, welch dem oberen Senon mit Belenv 
nitella roucronata angehören, entstamme. Das Original ruht in meiner Sammlung. 

D C> O 

Necrocarcinus Woodward i Bell? 

l).t> paläontologische Museum der Universität zu Bonn bewahrt die Scheere einer 
Krabbe aus der Gegend von Bochum in Westphalen. Der Gesteinsbeschaffenheit nach ist 

es unzweifelhaft, dass diese Scheere den hellen lockeren Mergeln des unteren Turon jener 
Gi send entstamme 

Die Hand, fast ein Quadrat, hat eine Länge und Breite von D> mm. Die Unterseite 
ist fast geradlinig, die Oberseite am Hinterrande gerundet. Die Dicke der Sand misst 8 mm 
Der Index 7 mm., der Pollex 11 mm. Die ganze Oberfliiche der Hand ist mit zahlreichen 
runden Tuberkeln besetzt, welche l / a bis : '/ 4 mm, Durchmesser haben und etwa \ l L mm, 
von einander entfernt sind. 

Die angegebenen Dimensionen sowohl, wie die Verzierung der Hand stimmen recht 
wohl überein mit einer Scheere. welche Bell (Foss. malacost. Crust., t. 5. t. 1) abbildet und 
fraglich zu Necr. Woodw. Btellt. Wir sind nicht in der Lage, zur Lösung dieses Zweifels 
etwas beitragen zu können. 



■- 



Gattung: l'a 1 B e o c oryst es , Edwards, Bell. 
Palaeocorystes Laevis Schlüt. Taf. XLIY. Fig. 2. 

Cattiana ss a antiqua /.. Th. 

In dem, dem Pläner eingelagerten Grünsande der Timmeregge bei Hüter, unfern der 
Strasse nach Osnabrück, welcher nach dem Vorkommen von Micraster Leskei zu urtheilen, 
wahrscheinlich eine Aequivalent-ßildung der nördlich vom Qarze entwickelten Scaphiten- 
Schichten bildet, findet eich nicht selten der Cephalothorax eines kleinen Krusters, der hiei 
näher zu 1" trachten sein wird. 

Alle gesammelten Exemplare differiren uur ein Geringes in der Grösse. Der grösst* 
Schild hat • - 1 r > < - Läng« von 28 mm., Beine grösste Breite etwas vor dei Mitte beträgt 15 nun. 
da* Sinterende mistt Dur 11 mm., mithin ist der Brustpoazer ungefähr doppelt so laue als 
br it. Nach hinten verschmälert sieb die Schale sehr allmählich, nach vorn rascher, wobei 
der Stirnrand noch eine Breite von 1" mm. hat. In der Längsrichtung ist die Schale nur 
schwach gewölbt, quer dagegen stark gebogen« Der Vorderrand wird durch vier wenig ; 



— 299 - 

Einschnitte in fünf Lappen getheilt. Der Mittellappen ist der breiteste, er ist gewöhnlich 
zerstört, doch glaube ich an einem Exemplar wahrzunehmen, dass er sich stumpf zuspitze, 
wodurch in der Mittellinie ein dreieckiges Rostrum gebildet wird. Die zu beiden Seiten 
zunächst sich anschliessenden Lappen sind abgestumpft, jeder der beiden äusseren Lappen ist 
dagegen zu einem spitzen Zahn ausgezogen. Ausserdem ist der vordere Seitenrand jederseits 
mit zwei Dornen versehen, von denen der hintere mit der grössten Breite der Schale zusammen- 
fällt. Im übrigen ist der ganze Thorax vollkommen glatt, keinerlei Erhöhungen oder Ver- 
tiefungen zeigend. Dennoch machen sich verschiedene Regionen, theils durch die Farbe, 
theils durch die Struktur in der Schale bemerklich. So werden an einem besonders «mt er- 
haltenen Exemplare die beiden vorderen Lebergegenden auf der sonst helleren Schale durch 
dunkele unregelmässig aufgeprägte Flecke angezeigt. Ebenso wird die Grenze der Kiemen- 
region durch eine gekrümmte dunkele Linie angegeben. Die Fortsetzung dieser Linie bildet 
die seitliche Grenze der Herzregion. Ausserdem erkennt man unter der Lupe durchscheinende 
zellenartige Anheftungsstellen für Muskeln. Vorn Abdomen, von den Antennen etc. ist nichts 
überliefert worden. Das Einzige, was von unserem Kruster noch bekannt ist, sind die kräftigen 
Vorderfüsse, welche an zwei Exemplaren erhalten sind. Die Scheeren, flach und breit, sind 
so gebildet, dass die Finger einen rechten Winkel mit der Achse der Scheere bilden. Der 
bewegliche Finger ist sichelförmig. Die Scheeren sind glatt, doch hat sich unter dem unbe- 
weglichen Finger ein grösserer und ein kleinerer Dorn biossiegen lassen. Am Innenrande der 
Finger bemerkt man einige feine Oeffhungen zum Durchtritt für Borsten, wie solche auch bei 
lebenden Corystiden vorhanden sind. (Vgl. z. B. Desmarest, consid. gen. s. 1. c. des Crust. 
t. 3. f. 2. 2 a.) Der Bau dieser Füsse ist so, dass die flach gegeneinandergekehrten Scheeren 
mit dein Stirnschnabel ungefähr in derselben Ebene liegen. Es mag hier daran erinnert 
werden, dass beim Männchen des lebenden Corystes dentatus die Vorderfüsse ausserordentlich 
lang sind, während die Scheerenfüsse des Weibehens nur etwa ein Drittel von der Länge 
jener erreichen Weitere Erfunde müssen lehren, ob bei den fossilen ein ähnliches Verhältniss 
statthat. In diesem Falle würden jene beiden Exemplare für weibliche Thiere anzusprechen 
seyn. Von allen beschriebenen Palaeocorystiden ist unsere Art sehr verschieden. Dagegen 
besitzen die allein bekannten beiden Theile, der Schild und die Vorderfüsse, eine ausser- 
ordentliche Aehnlichke.it mit einem lebenden Krebse, und zwar mit Raninoides, den Desmarest 
(cons. gen. s. 1. c. des Crust. p. 140. t. 19. f. 2) darstellt. Ueber die weiteren Verwandtschafts- 
verhältnisse wird sich erst bei vollständigeren Erfunden urtheilen lassen. Dass dies bald ge- 
schehen werde, steht zu erwarten, da die Art keineswegs selten ist. 

Ich zweifle nicht daran, dass unser Kruster bereits früher eine Darstellung erfahren 
hat, indem ich an der aus verschiedenen Stücken zusammengesetzten Abbildung der Callia- 
nassa antiqua Otto bei Geinitz (Quader, t. 2t f. 2. 3) den Thorax von Palaeocorystes laevis 
wieder zu erkennen glaube Uebrigens sieht man, dass Geinitz selbst schon Zweifel über die 



- 300 

Zugehörigkeit liegte, indem er der Erklärung der betreffenden Tafel zufügte: „das Kücken- 
schild, welches wahrscheinlich zu dieser Art gehört, ist hinzugefügt worden " Es ist um so 
wflnachenswerther, dass der Verfasser .seihst Veranlassung nehme, Bich von Neuem über die 
Sache anssosprechen, als seine Abbildung durch Copien *) eine immer grössere Verbreitung 
B rinnt und Bronn, der sehr richtig sah, dass dieser Kopfbrustschild unmöglich einer echten 
Calianast gehören könne, sieh sogar gezwungen sah. daraufhin seine Gattung Ifesostvlus 
zu errichten. (Schlüter. Ma.-r. Dec., in Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellseh 1862. S. 719.) 

l>er Untersuchung lagen 5 Exemplare zu Grunde, welche alle dem Grünsaride des 
oberen Turon aus der Nähe von Hüter angehören. Ich glaube noch ein Stück besessen zu 
haben, welches aus dem gleichalterigen Grünsande an der Südgrenae des West phänischen 
Beckens stammte, habe es aber tür die gegenwärtige Arbeit nicht wieder auffinden können. 

Originale in meiner Sammlung und ein Exemplar im Museum zu Poppeisdorf. 

b. S ct. MACRURA. 

1. Familie: I. - w 
Gattung: Eurvcarpus Schlüt. 

l>ie Plattenkalke von Sendenhorst haben neben neuen Fischen auch einen neuen La 
sehwanzigeii Kruster geliefert. Die Erhaltung des einzigen bis jetzt aufgefundenen Exemplareel 
ist .so ungünstig, dass man von vielen der wichtigsten Theile kein Bild erhalt, gleich wob 
erscheint es unzweifelhaft, dass ein neuer Typus vorliegt, durch den die Familie der Locustinen 
um ein merkwürdig) a ' ■ schlecht vermehrt wird. 

Charakter der Gattung. Cephalothorax gross, lang (und breit?); Abdomen kürzer. 
Thoraxt üsse lang; die hinteren Paare länger als der Leib des Thieres , monodactvl. Das 
vordere Paar sein- kräftig , CarpuB gabelförmig endend, Endglied sehr klein, hakenförmig. 
Hinterer KauhiBS gl — Aeussere Antennen mit kräftigen Basalgliedern; innere Antennen 
langen Btabförmigen Grundgliedern gebildet. 

Eurycarpua nanodaetylus Schlüt. Taf. XLIV. Fig. 1. 

Beschreibung der Art. Die Schale missl vom Stirnrande bis zum tiefen, für die Auf- 
nahme des Abdotn stimmten Einschnitte • r >- mm Da dieselbe völlig platt credrückt und 

Ol c 

lerbroehen ist, so lii-->t rieb die ursprüngliche Gestalt nicht mein- ergründen. lb<- 
l-r- it • des Cephalothorax betragt in diesem Zustande Sl mm. Wie einzelne noch anhaftende 
erkennen lassen, war die Schale stark. 1 » i « • hintere Partie des Pansen ist durch 
iichialfurehe abgeschieden. Aut der Mittellinie des Kückens ist sie *> mm vom Hinterrande 



~- bei Brau und Bö r, Leth. geogn. •> Aufl. t 88, b. i. iL' and bei A. Mute- Edward*, 

- . Podopth. foaa. i 1 1. I. .' .' \. 



— 301 — 

entfernt. Sie verläuft mit flacher Neigung nach vorn. Vielleicht waren auch vorn noch seit- 
liche Furchen vorhanden. 

Das nach hinten zu sich etwas verjüngende Abdomen hat 42 mm. Länge. Eine 
Schwimmflosse ist nicht erhalten, eben so wenig sind weitere Details erkennbar. 

Was die Thoraxfüsse betrifft , so zeigen die vier hinteren Paare einen gleichen Bau. 
Bei einer grössten Breite von 4 mm. erreicht der allein muthmasslich in ganzer Erstreckung 
erhaltene hinterste Gangfuss eine Länge von 108 mm., d. h. er ist erheblich länger als der 
Leib des Thieres. Die ungewöhnliche Länge dieser Füsse beruht hauptsächlich in der ausser- 
ordentlichen Entwicklung des Femur, dessen Länge die des Cephalothorax übertrifft. Die 
Gelenkstellen der vorderen Glieder sind in Folge der schlechten Erhaltung, ausserordentlich 
schwer zu erkennen. Vielleicht beginnt das Endglied beim Buchstaben a in der Zeichnung, 
vielleicht ist es aber auch noch kürzer. Ich glaube nicht zu irren , wenn ich das Endglied 
als nicht mit Scheeren versehen , als fingerförmig bezeichne. Auffallend ist die Länge des 
vorletzten Gliedes beim drittletzten Thoraxfüsse, und doch kann ich trotz wiederholter Be- 
trachtung des Originals hier keine andere Auffassung gewinnen. 

Ueber dem Vordertheile des Krebses tritt ein sehr kräftig gebautes Fusspaar hervor, 
dessen Glieder, mit Ausschluss der hinteren ziemlich gut erhalten sind. Vom Femur ist 
nichts mehr zu erkennen. Tibia und Carpus sind ungefähr von gleicher Länge , das erste 
Glied scheint aber etwas breiter als das letzte zu seyn. Beide tragen an den Seitenrändern 
mehrere spitze Dornen, die namentlich an den vorderen Ecken hervorragen. An der Hand 
ist der Vorderrand schwalbenschwanzartig ausgebuchtet. In diesem Ausschnitte liegt das 
äusserst kleine Endglied des Fusses, der hakenförmig gebogene Finger der Scheere. Ausser 
diesen Gangfüssen liegen auch noch Trümmer des linken hinteren Kaufusses (b) auf 
der Platte. 

Die Antennen zeigen grosse Verwandtschaft mit denjenigen der Palinuren. Die Basalia 
der äusseren Antennen nehmen fast die ganze Breite des Stirnrandes ein. Ihre Stärke beträgt 
7 — 8 mm. Es sind nur die Basalglieder erhalten, die Gelenke derselben aber nicht deutlich 
erkennbar. 

Zwischen diesen kräftigen äusseren Antennen liegen die schlanken stabformigen Grund- 
glieder der inneren Antennen , welche wenigstens die Länge der Vorderlüsse erreichen*. 
Zweifelhaft ist , wo das erste und zweite Glied aneinanderstossen ; es scheint an der Stelle, 
wo in der Abbildung der Buchstabe c hingesetzt ist. 

Unter der Voraussetzung, dass die Deutung der starken Vorderlüsse und des Kau- 
fusses richtig ist, muss unser Kruster den Locustinen zugesellt werden. Geologisches Vor- 
kommen. Das in der Sammlung des Herrn Dr. von der Marck in Hamm befindliche Origi- 
nal - Exemplar entstammt den jüngsten Schichten der oberen senonen Kreide und wurde bei 
Sendenhorst in Westphalen aufgefunden. 

Patanotogr., Bd. XV 6 40 



— 302 — 

2. Familie: Astacina. 
Gattung : A s t a c u s Fbr. 



.- 



Astacus politus Schlüt. Taf. XLIV. Fig. 4. 5. 

Cephalothorax dieses kleinen vorliegenden Krusters glatt, mit tief eingedrückter 
Nackenfurche. Die Furche, auf dem Rücken geradlinig, den Schild nahezu halbirend , läuft 
an den Seiten zum Vorderrande, indem sie zuerst eine Biegung nach vorn , dann weiter un. 
ten Dach hinten macht und endlich nach vorn hin verläuft. Die vorderste Partie mit dem 
Stirnschnabel ist verloren. In der Mittellinie des Rückens erhebt sich vorn ein kleiner 
scharfer Kiel, durch zwei Einsenkungcn schwach gezähnt. Seitlieh tiefer daneben zwei 
schwache kielartige Vorsprünge angedeutet. Wie es scheint, erhebt sich auch unter den 
Augen die Wangenpartie zu einem Dorne. 

Von den Abdominalsegmenten sind das zweite bis sechste von fast gleicher Gröfi 
Die Epimereo seitlich gerundet und unten ausgebuchtet, so dass am hinteren Ende eine 
Zacke entsteht. Das erste Segment klein, das siebente verlängert und unten abgerundet. Wie 
der Cephalothorax ist auch die Decke des Abdomens glatt, weder granulirt, noch punktirt 

Die Schwimmflosse ist gross, aus krustigen, unten längsgestreiften zugerundeten 

Blättern gebildet. Die äussere Platte der seitlichen Schwansanhänge besteht aus zwei, durch 
eine deutliche Naht geschiedenen Stücken. Ebenso konnte sich das Endglied des Hinterleibes, 
das Mittelstück der Schwimmflosse, einknicken. 

Von den Gangnissen ist das erste Paar gross und kräftig, die vier hinteren Paare 

S' lir viel zarter. Die Endigungen der Füsse unbekannt. — Auch die grossen hinteren Kau- 
füsse sind erhalten; Bie treten zwischen den grossen VorderfÜSSen hervor. 

Obwol die vordere Partie abgebrochen und verloren ist, so nimmt man doch im 
Querbruche wahr, das- starke äussere Fühler nebst Schuppe, und kleinere innere Fühler 
vorhanden waren. 

Wenngleich man unter den fossilen Krebsen unserer lebenden Astaeinen .sehr nahe 
stehenden Formen kennt, wie schon die Bezeichnungen Palaeastacus , Paeudoastaeus und 
Astaende- darthun, SO waren doch an dein vorliegendem ErUStsr keine Merkmale zu ent- 
decken, die nÖtbigten, ihn von der Gattung Astacus Selbst zu trennen. Diese Peberein- 
stimmung erstreckt sich selbst auf die Eigentümlichkeit des Mittellappens der Schwanzflosse. 

Bekanntlich ist derselbe nur bei den Astaeinen im engeren Sinne, d. h. bei den Fluss- 
krel • (mitten; bei den lebenden Seekrebsen besteht dies Endglied des Hinterleibes 

nur aus einem Stücke. 



— 303 - 

Vorkommen. Der in einer Thoneisenstein-Niere eingeschlossene Krebs wurde in der 
unteren Kreide bei Ochtrup gefunden. Das Original in meiner Sammlung. 

Gattung: Enoploclytia M'Coy. 
Enoploclytia paucispina Schlüt. Taf. XLIV. Fig. 6. 

Krebs ziemlich gross; Cephalothorax (wenigstens zum Theil) mit feinen Granulen 
bedeckt. Die vorderen Thorax füsse endigen mit grossen, kräftigen Scheeren, deren gekrümmte, 
zugescharrte, nur mit . wenigen gedrängt stehenden Zähnen bewaffnete Finger die Länge der 
Hand etwas übertreffen. Die Breite der Hand beträgt drei Viertel ihrer Länge. Die Ober- 
fläche der Scheere ist mit unbedeutenden Rauhigkeiten versehen. Auf der Hand erheben 
sich fünf Höcker. Femur (b) der Vorderfüsse glatt, Tibia (a) an der vorderen Seite etwas 
granulirt. Die vier hinteren Thoraxfüsse flach, glatt. 

Die Art liegt nur in einem sehr fragmentären Exemplare vor. Nur eine Scheere ist 
ziemlich vollkommen erhalten, wie aus der Abbildung erhellet. Von der zugehörigen Tibia (a) 
und vom Femur (b) sind nur fragmentäre Eindrücke auf der Platte vorhanden. Auch vom 
Cephalothorax (c) bemerkt man am Rande der Gesteinsplatte nur ein kleines Bruchstück. 
Die vier hinteren flachen und breiten Gangfüsse konnten theilweise offen gedeckt werden. 
Drei dieser Füsse treten unter dem Femur, der vierte unter dem Cephalothorax hervor. 

Enopl. paucispina wurde vom Professor Hosius in Münster im Kreidemergel bei Legden 
gefunden und ruht in dessen Sammlung. Nach meinen Beobachtungen bilden diese Mergel 
die obersten Schichten derjenigen senonen Kreide, als deren Leitfossil Belemnitella quadrata 
gilt. Es ist dies der erste Krebs, welcher in diesen Bänken entdeckt wurde. 

Berichtigung. 

In meiner früheren Arbeit hatte ich unter den Krebsen eine neue Dekapoden-Gattung 
Euryurus benannt. Dieser Name war bereits von Koch in Nürnberg (Monatsber. der 
Akad. d. Wissensch. in Berlin, 1864. S. 624) für eine Section des Genus Polydesmus, Farn. 
Myriapoda, vergeben, ich sehe mich daher genöthigt, einen anderen Gattungsnamen zu 
wählen und schlage dafür „Gampsurus" vor. 

Euryurus dubius v. d. M. (Fische, Krebse etc. der jüngsten Kreide Westphalens. 
1863. Palaeontogr. XL S. 76. t. 14. f. 7) würde hiernach künftig als 

Gampsurus dubius v. d. M. 
aufzuführen seyn. 

II. Stomatopoda. 
Gattung: Squilla Fabr. 
So zahlreich die Squillen auch den heutigen Ocean bewohnen, so gehören die fossilen 
doch so sehr zu den Seltenheiten, dass bis heute erst eine einzige fossile Squilla beschrieben 

40« 



- 804 - 

wurde. Diese „Squilla antiqua" wurde vom Graten Münster in den tertiären Schichten des 
Monte Bolca bei Verona gefunden' und im fünften Hefte seiner Beiträge zur Petrcfactcnkunde 
(t. 9. f. 11. S. 76) abgebildet und -beschrieben. Unter diesen Umstünden verdient ein neues 
Vorkommen um so mehr Beachtung, als es in einem älteren Gebirge, in der Kreideformation, 
entdeckt wurde. 

Squilla cretacea Schliit. Tat. XXIV. Fig. 7. 

Der ganze Krebs hat ohne Geissein eine Länge von 41 mm.; hiervon kommen aul 
den Schild 11 mm. Die Breite desselben beträgt 10 — 11 mm. Die ersten Segmente haben 
eine Breite von etwa 5,5 mm. ; die hinteren etwa 7 mm. Der Thorax des platt gedrückten 
Krusters ist tast quadratisch, mit bogenförmigen Seiten, hinten mit einem Einschnitt für die 
Aufnahme des ersten Segmentes versehen. Die mittlere Partie des Schildes etwa ein Drittel 
der ganzen Breite einnehmend , ist durch zwei Längsfurchen begrenzt ; zugleich ist der 
hintere Theil dieses Mittelfeldes durch zwei gekrümmte, in der Mittellinie zusammenstossende 
Furchen , welche sich in den Seitenfeldern verlieren , abgetrennt. Im übrigen besitzt der 
Thorax weder Längsleisten , noch sonstige Ornamente. Die Leibessegtnente sind nur un- 
deutlicfa erhalten, doch ist ersichtlich, dass auch sie glatt, ohne irgend welchen Schmuck 
waren. Das vorletzte Segment tragt einen undeutlichen blattförmigen Anhang. — Von den 
Füssen ist nichts erhalten, als das zweite Paar der Kieferfüsse, welches, wie bei allen 
Squillen, sehr verlängert und kräftig, zum Ergreifen und Festhalten des Raubes diente. An 
dem katnmförmig gezähnten Endgliede dieses GreifFusses zähle ich 8 oder 9 spitze Zähm hen. 
Von den Antennen sind drei Glieder der rechten inneren Antennen sichtbar. Das untere 
(dicd fallt durch seine Stärke auf. Die äusseren Antennen zeigen noch geringere Spuren. 
Dass ein an den linken Stirnrand sich anlehnendes Blättchen der Schuppe des äusseren 
Fühlers angehöre, ist zu bezweifeln, kann aber in dieser fragmentärcn Form nicht sicher 
gedeutet werden. 

Vorkommen. Das einzige Exemplar wurde in den Plattenkalken von Sendenhorst 
gefunden und ruht in der Sammlung des Herrn Dr. von der Marck in Hamm. 



Inhalts-Verzeichniss. 

Bei Aufstellung dieses Inhalts- Verzeichnisses haben wir uns erlaubt, den einzelnen Abschnitten 
jedesmal den Namen desjenigen beizufügen, der sie verfasst hat, was dadurch <*erechtferti<n erscheinen 
dürfte, dass jeder von uns in wiederholten Fällen auf eigene frühere Arbeiten über denselben Gegenstand 
Bezug zu nehmen Veranlassung hatte 

Schlüter, v. d. Marck. 



F i s ch e. 

A. Fisohe aus der jüngsten Kreide von Sendenborst 
und aus den Baumbergen. 

Ordnung: Teleostei. 

Unterordnung: Acanthopteri. 

Familie: Squamipennes (Notiz von v. d. Marck). 

Platycormus oblongus v. d. M. 
Familie: Gobioidei (bearb. von Schlüter). 

Megapus Guestphalicus Schlüt. 

Unterordnung: Physostomi (bearb. von von 
der Marck). 
Familie : S i 1 u r o i d e i. 

Telepholis acrocephalus v. d. M. 
Familie: Cyprinoidei. 

Holcolepis (Rhabdolepis) cretaceus v. d. M. 

Dactylopogon grandis v. d. M. 
Familie : Characini. 

Ischyrocephalus cataphractus v. d. M. 

I. intermedius v. d. M. 
Familie: Clupeoidei. 

Brachyspondylus cretaceus v. d. M. 

Sardinius robustus v. d. M. 

Sardinioides gen. 

S. Monasterii v. d. M. 

Leptosomus gen. 

L. elongatus v. d. M. 

Microcoelia granulata v. d. M. 

Dermatoptychus macropbthalmus v. d. M. 
Familie : unbestimmt. 

Echidnocephalus Troscheli v. d. M. 

Ordnung: Elasmobranchii Bonap. (Notiz 
von v. d. Marck). 

Unterordnung: Plagiostomi Müll. 
Familie: Squalidae Müll. 
Palaeoscyllium v. d M. 



B. Fische aus dem Pläner Westpbalens. 
Ordnung: Teleostei (von v. d. Marck). 
Unterordnung: Anacanthini Müll. 
Familie: Gadoidei. 

Archaeogadus Guestphalicus v. d. M. 
Unterordnung: Physostomi Müll. 
Familie: Clupeoidei Cuv. 

Elopopsis Ziegleri v. d. M. 

Krebse. 

Ordnung: Decapoda. 

Unterordnung: Brachyura (von Schlüter). 

Necrocarcinus senonensis Schlüt. 
N. Woodwardi Bell? 
Palaeocorystes laevis Schlüt. 

Unterordnung: Macroura. 

Familie: Locustina (von Schlüter). 

Eurycarpus nanodactylus Schlüt. 
Familie: Thalassina (von Schlüter). 

Meyeria ornata M'Coy. 

Glyphaea cretacea (?) M'Coy. 
Familie: Astacina (von Schlüter). 

Nymphaeops Coesfeldiensis Schlüt. 

Hoploparia macrodactyla Schlüt. 

Enoploclytia Leachi Sow. 

E. paucispina Schlüt. 

Astacus politus Schlüt. 
Familie: unbestimmt (Notiz von v. d. Marck). 

Gampsurus (Euryurus) dubius v. d. M. 

Ordnung: Stomatopoda. 

Familie: Unipeltata Latr. (von Schlüter). 
Squilla cretacea Schlüt. 



Register. 



Acalles learus Heyd. 150. 
Acanthopteri Müll. 272. 
Agabus reductus Heycl. 133. 
Amphicyon? 253. 
Anacanthini Müll. 291. 
Anax Buchi. 92. 
Anomala tumulata Heyd. 138. 
„ primigenia Heyd. 138. 
Thetis Heyd. 139. 
Anthophagus Giebeli Heyd. 136. 
Aphodius Krantzi Heyd. 138. 
Apion primordiale Heyd. 146. 
Archaeogadus v. d. M. 291. 

„ Guestphalicus v. d. 

M. 291. 
Astacina 302. 
Astacus Fbr. 302. 

„ politus Schlüt. 302. 

Bolitophagus vetustus Heyd. 143. 
Brachymycterus nov. genus Heyd. 
146. 
„ curculionoides 

Heyd. 146. 
Brachyspondylus v. d. M. 283. 
„ cretaceus v. d. M. 283. 
Brachyura. 297. 
Byrrhus exanimatus Heyd. 137. 

Callianassa antiqua z. Th. 298. 
Camelopardalis? 29. 
Ceutorhynchus funeratus Heyd. 151 



Chalcosaurus Rossicus. 124. 
Characini Müll. 280. 
Chelydra Decbeni. 41. 
Choragus tertiarius Heyd. 145. 
Cis Krantzi Heyd. 142. 
Cleirothrix Pictet et Humbert. 273. 
Clupeoidei Cut. 283. 292. 
Coceinella (Sospita) Haagi Heyd. 
153. 

„ Krantzi Heyd. 154. 

„ bituminosa Heyd. 155. 

„ fossilis Heyd. 155. 

Crocodil. 10. 24. 26. 
Crustaeeen. 294. 
Crustacea malaeostraca. 297. 
Cyprinoidei Ag. 277. 

Dactylopogon v. d. M. 278. 

„ grandisv. d. M. 279. 

Decapoda. 297. 

Dermato ptychus v. d. M. 287. 
„ macrophthalmus v. d. M. 
287. 
Dinotherium. 4. 14. 25. 28. 
Dipteren-Larve. 157. 

Echidnocephalus Trocheli v. d. M. 

288. 
Eier, fossile. 224. 

„ von Vögeln aus dem Mainzer 
Tertiär-Becken. 224. 



Eier von Schildkröten aus dem 

Mainzer Tertiär-Becken. 227. 

„ die sog. fossilen Schlangen- 

von Offenbach. 229. 
„ von Vögeln aus dem dilu- 
vialen Charen-Kalk bei Wei- 
mar. 242. 
„ aus dem diluvialen Kalktuff 
von Cannstadt. 245. 
Elasmobranchei Bonap. 289. 
Elephas. 27. 
Elopopsis Heckel. 292. 

Ziegleri. v. d. M. 293. 
Emys Europaea. 201. 208. 
Enoploclytia Leachi Mantell. 295. 
M'Coy. 303. 
„ paucispina Schlüter. 

303. 
Equiis primigenus Meyer. 17. 29. 
Eurycarpus Schlüt. 300. 

„ nanodactylus Schlüt. 

300. 
Eurychirus (Otiorhynchus) indu- 

ratus Heyd. 147. 
Euryurus dubius v. d. M. 303. 

Federn, fossile. 246. 
Fische des westphälischen Pläners. 
289. 

Gadoidei Cuv. 291. 

Gampsurus dubius v. d. M. 303 



- 30M 



üobioidei. 273. 

üonocophalum (Opatruni) pristi- 

nuni Heyd. 142. 
(ilyphaea crctacea? M'Coy. 296. 

Harpalus abolitus Heyd. 132. 
1 l.terophlcbia dislocata Weetw. 62. 
Ilulcolepis cretaceus v. d.M. 278. 
Homoeosaurus Maximiliani. 49. 
Hydra fossile Heyd. 156. 
Hvdruus Neptunus Hcyd. 133. 
Hylobius anti<|uus Hcyd. 147. 

Ischyroceplialu? v. d. M. 280. 

,, cataphractus v. d. 

M. 280. 
„ intermedius v. d. 

ML 2*2. 
Isophlebia Hager. 68. 

„ Asphasia Hager. 70. 

„ Helle Hager. 7ii. 

Labidostomis Pyrrha Heyd. 152. 
Laceobius excitatus Hcyd. 133. 
Lamia petrifieata Hcyd. 152. 
Larinai Bronni Heyd. 148. 

Lasia primitiva Hcyd. 155. 
Leptosonius v. d. M. 286. 

„ elongatus v.d. M. 2X6. 

Lina sociata Heyd. 153. 
Locuatina. 3"" 
Lucernaria elegans Hcyd. lf>ti. 

Macrura 800. 

Im. 13. 25. 
,, Pcrimensis Falc. 5. 

M igdaBnoa protogeniosHeyd. 149. 
Deucalionis Hcyd. 149. 
M. _' 1 1 ■ u - Schlüter. 273. 

,, Qnettphalicai Schlüter. 
.'74. 
Mi. opoüunni di«Hiniilis Falc. 

Cautl. 7. 22. 
M-;. eril 'ni:i'.i( .Wacus) I'liill 29'">. 

Microooelia grenulata. 887 

Mi> rot ooa a reteratam Heyd 1 18 



Muscidites deperditus. 157. 
Mvlabris deflorata. 144. 
Myodjtes Mcyeri Hcyd. 144. 

Nanophyes .Tapctus Hcyd 151. 
Necrocarcinus Bell. 297. 

,, senonensis Schlüt. 

297. 
„ Woodwardi Bell t 

298. 
Ncuroptera. 58. 

Nvinpliacops Coesfeldiensis Schlüt. 
295. 

üebthebius Plutonis Heyd. 134. 
Oryporus Vulcanus Heyd. 135. 

Pachyderm. 8. 

l'alaeocorystcs Edwards Bell. 898. 
„ lacvis Schlüt. 298. 

Palaeoscyllinm v. d. M. 289. 
Pelobius Cretzschmari Heyd. 132. 
Pentodon Bcllenophon Hcyd. 1.'!'.». 
Philunthus biuiiuinosus Heyd. 135. 
Philydrus? morticinus Heyd. 134. 
Phyeoatomi Müll. 276. 292. 
Plagiodera aovata Heyd. 153. 
Plagiostonü Müll. 889. 
Platycormus oblongus v. d. M. 273. 
Platydeiua Geinitzj Heyd. 143. 
Polypen. 15(5. 

PBephoderma Anglicuin. 261. 
I'iinus primordialie Hcyd. 141. 

K. j.tilien. 97. 

EUiabdolepie crctaccus v. d. M. 277. 
Khinoccro8. 14. 29. 
Rhinocyllus iniprolus Hcyd. 149. 
Khynchites Hageni Heyd. 145. 
„ orcinuM Hcyd. 145. 

Siuiithcriiim Schlagiimveili Mcycr. 

15. 
SardinioidcH MonaHtcril Ag. 285. 
Sardinioa v. d. M. 884 

robaataa v. d. M. 284. 



Saurier. 865. 

Schildkröten. 88. 

Scillia Müll. 889. 

Seniculus Hcyd. (nov.geaoa). 137. 
,, scaphiüidcs Heyd. 137. 

Siluroidei Ag. 276. 

Sitones vcnustulns Heyd. 147. 

Sphenophorua proluviosus Heyd. 
151. 

Squalidac. 289. 

Squainipennes Cuv. 273. 

Squilla Fabr. 303. 

„ cretacca Schlüt. 304. 

Staphilinue (larva). 136. 

Stenophlcbia Hagen. 7'.'. 

„ Amphitricc Hagen. 83 

,, uequalis Hagen. 86. 

„ Phryne Hagen. 91. 

Stenus Scribai Heyd. 135. 

Stomatopoda. 303. 

Sunius demersus Heyd. 135. 

Tachyporus aepultua Hcyd. 134. 
Tapirus. 159. 

„ priseua Kaup. 177. IT;*. 

,, Hungarieua Meyer, I** 1 

,. Hetvetius Meyer. IM. 

187. 18*. 191. 199 

Tarsophlebia Hagen. 48. 

„ exiinia 1 lagen. 65, 

Telcostei Müll. 272. 
Tclepholis v. d. M. 27(i. 

acrorcphalus v. d, M. 
277. 
Telephon« carbonarius Heyd. 140. 
„ ezaaotaratua Heyd 1 in. 
„ oadaotu 1 tayd. i 1 1 
Brodioi Heyd, 141. 
Teatudo antiqaa. 201. 
Trioostel Müll. 891. 
Iychiui Manderatjernai Heyd, 150. 

Wiederkäuer. 10 84. 81. 

XvletiniteH tumbioola Heyd. 142. 



Verzeichniss 

der Abbildungen mit Hinweisung auf den Text. 



Taf. I-VIII. 

Fossile Wirbelthiere aus Indien und Hoch- 
Asien. 1. 
Taf. IX. 

(Jhelydro Decheni Meyer. 41. 
Taf. X. 

Homoeosaurus Maxiniilliani Meyer. 49. 
Taf. XI. 

Fig. 1. Isophlebia Helle Hagen. 76. 
2 — 4. Stenophlebia aequalis Hagen. 86 
5. „ Phryne Hagen. 91. 

Taf. XII. 

Fig. 1 — 6. 11. Tarsophlebia eximia Hagen 65. 
7 — 9. Heterophlebia dislocata Westw. 62. 
10. Tarsophiepia Westwoodi Gieb. spec. 65. 
12. Isophlebia Aspasia Hagen. 70. 
Taf. XIII. 

Fig. 1. Stenophlebia Amphitrile Hagen, 83. 
2. Anax Ruchi Hagen. 92. 
Taf. XIV. 

Fig. 1 — 3. Isophlebia Aspasia Hagen. 70. 
Taf. XV -XXI. 

Reptilien aus dem Kupfer-Sandstein des Ural. 97. 
Taf. XXII. 

Fig 1. Harpalus abolitus Heyd. 132. 

2. Pelobius Cretzschmari Heyd. 132. 

3. Laccobius excitatus Heyd. 133. 

4. Agabus reductus Heyd. 133. 

5. Hydrous Neptunus Heyd. 133. 

P>luonlogr., Bd. XV. 6. 



18 



6. 7. Philhydrus? morticinus Heyd. 134. 
8. 9. Ochthebius Plutonis Heyd. 134. 

10. Tachyporus sepulus Heyd. 134. 

11. Philonthus bituminosus Heyd. 135. 

12. Sunius demersus Heyd. 135. 

13. Stenus Scribai Heyd. 135. 

14. Oxyporus Vulcanus Heyd 135. 

15. Anthophagus Giebeli Heyd. 136. 

16. Staphylinus (larva). 136. 

17. Seniaulus seaphioides Heyd. 137. 
19. Anomala primigenia Heyd. 138. 

Telephorus caducus Heyn 141. 
Xyletinites tumbicola Heyd. 142. 
Platydema Geinitzi Heyd. 143. 
Bolitophagus vetustus Heyd. 143. 

24. Aphodius Krantzi Heyd. 138 

25. Telephorus Brodiei Heyd. 141. 

26. Cis Krantzi Heyd. 142. 
(ionocephalum ( Opatruru ) pristinum 
Heyd 142. 
Microzoum veteratura Heyd. 143. 

29. Myodites Meyeri Heyd. 144. 
Taf XXIII." 

Fig. 1. Pentodon Bellerophon Heyd. 139. 
2. Telephorus carbonarius Heyd. 140. 



20 
21. 
22. 
23. 



27. 



28. 



3. ,, ezauctaratua Heyd. 

4. Ptinus primordialis Heyd. 141. 
5 Mylabris deHorata Heyd. 144. 
6. Rhynchites Hageni Heyd. 145. 

41 



140. 






— 810 - 



7. Bbynehites oroinus Heyd. 145. 
- Chorsgoa tertiarioa Ilevd. 145. 
\pimi primordiale Ilevd. 14<*. 
In Sitonea renuatulus Heyd 117. 
11. 12. Hylobis antiquus Heyd. 1 17. 
13—1 ."». Brachymycterus ouroulionoides Heyd. 140. 
16.17. Eurychirus C Otiorhynehoa ) induratus 

Heyd. 147. 
\6. 19. Anomale tumulala Heyd. 13*. 

20. Luoernaria ele gana Heyd. 156. 

21. Hydra foseiHa Heyd 166. 

28 Muscidites deperditus Heyd. 157. 

Tal. XXIV. 

Fig. 1 Larinua Bronni llevd 148. 

l'. Rhinocj Um- improltu Heyd. 149. 

3. Magdalinus protogeoioa Heyd. 141'. 

4. „ Deucalionia Heyd. 14 ( J. 

5. Tychiua Manderarjernai Heyd. 160. 
■;. Aoallea learua Ilevd. 150. 

7. Ceutorhyachua funeratue Heyd. 151. 

6. Nanophyea Japetua. 151. 

9. Sphenophoi us priduvinMis Ilevd. 151. 

10. Lamia petrificata Heyd. 152. 

11. Labidoatomia Pyrrha Heyd. 152, 

12. Anomala Thetia Heyd. 1 3i». 
18. Lina aociata Heyd. 152. 

11 Plagiodera novata Heyd. 152. 
15. 16. Soapka Haagi Heyd. 152. 

17. Cocoinella Krantzi Heyd. 151. 
IM. 19. .. bituminoaa Heyd. 155. 

20. „ foasilia Heyd. 155. 

21. Laaia primitive Heyd. 155. 

22 Byrrhua exanimatua Heyd. 187. 

Taf. XXV. 

Tapiru« priaoua Kaup. 171. 

Tal. XXVI XXVIII. 

Tapirua Helvetiua Meyer 184. 



Taf. XXIX - XXXI. 

Tapirua Hungaricus Meyer. 180. 
Taf. XXX11. 

Tapirua priscus ICaup. 17b. 
Taf. XXXI II— XXXV 

Teatudo aatiqoa Bronn. 201. 
Fat XXXVI. 

Fossile Federn. 223. 
Tat. XXXVII-XXX1X. 

Fossile Eier. 223. 
Taf. XL. 

I'ijr 1 -6. Peephoderma AngUcnm Meyer. 262. 
7. Saurier aus dem Muschelkalk von 
Helgoland. 265. 
Tai. XL1. 

Fig. 1. Dactylopogon grandis v. d. M. 279. 
2-4. Elopopsia Ziegleri v. d. M. 298. 
Taf. XL1I. 

Fig. 1. Archaeogadua Gnestphalioua v. d. M. 291, 

2. Sardinius robustua v. d. M. 289 

3. Iaohyrocephnlos oataphi actus v. d. M. 281. 
Tal. XLIII. 

Fig. 1. [aohyrocephalus intermedius v. d. M. 282, 

2. Braobyspondyluj oretaceus v. d. M. 28 I. 

3. Leptosomus elongatus \. d. M. 286 

1. Dermatoptyohus maorophthalmus v, d, M. 

287. 

5. Megapua Questphalioue Sohlüt 271 

6, 7. Telepholia acrocephalus v, d. M. 277. 

8. [achyrocephalus cataphractus v. d, M. 28 1 

9, Microcoelia granulata v. d. M. l'>7. 
Taf. XI. IV. 

I- ig 1. Eurycarpua nanodactylua Schlüt 800. 

2. Palaeoooryrtee laevia Schliit 298 

8, Necrocarcinui -• L iM>ii.ii>i-- SohlUt, 897 
4.5. Aataoua politua Schlül 802. 

6. Enoploolytia paucispins Sohlüt -<^''< 

7. Squilla creiaeea Sehliit. 304. 




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1—6. II. Tarsophlebia cximia Hagen. 1—9, Heterophlebi» dislocata Westw. 
in. Tarsophlebia Westwoodi Gieb. spec. — 12. Isophlebia Aspasia Hagen. 



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I. Stenophlebia Amphitrite Hagen. — 2. Anax Buchi Hagen. 



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I. Harpalus abolitus Heyd. — 2. Pelobius Cretzschmari Heyd. - 3. Laccobins excitatus Heyd. — 4. Agabus reductus Heyd. 

5. Bydrous Neptunus Heyd. — 6. 7. Philhydrus? morticinus Heyd — 8. 9. Ochthebius Plutonis Heyd. — 

10. Tachyporos sepultus Heyd. — II. Philonthus bituminosus Heyd. — 12. Sunius dermersus Heyd. - 

13. Stenus Scribai Heyd. — 14. Oxyporus Vulcanus Heyd. — 15. Anthophagus Giebeli Heyd. — 

16. Staphylinus (larva). — 17. Seniaulus scaphioides Heyd. — 18. 19. Anomala primigenia Heyd. — 

20. Telephorus caducus Heyd. — 21. Xyletinites tumbicola Heyd. — 22. Platydema Geinitzi Heyd. — 

23. Bolitophagus vetustus Heyd. — 24. Aphodius Krantzi Heyd. — 25. Telephorus Brodiei Heyd. — 

26. Cis Krantzi Heyd. — 27. Gonocepbalum (Opatrum) pristinum Heyd. — 

28. Microzoum veteratum Heyd. — 29. Myodites Meyeri Heyd. 



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1. Pentodon Bellerophon Heyd. — 2. Telephone carbonarius Heyd. — 3. T. exauctaratua Heyd. — 
4. Ptinus primordial Heyd. - 5. Mylabris deflorata Heyd. - 6. Rhynchites Hageni Heyd. - 7. R. orcinus Heyd. - 
8. Choragus tertiarius Heyd. - !). Apion primordiale Heyd. - 1 0. Sitones venustulus Heyd. - 1 1. 12. Hylobis antiquus Heyd. - 
13. 14 15. Brachymycterus cnrculionoidea Heyd. — Iß. 17. Eurychirus (Otiorhynchus) induratus Heyd. — 
18. 19. Anomala tumulata Heyd. - 20. Lucernaria elegans Heyd. - 21 Hydra fossilis Heyd. — 

22. Muscidites deperditus Heyd. 



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Tat. XXIV. 




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I. Larinus Bronni Heyd. — 2. Rhinocyllus improlus Heyd. — 3. Magdalinus protogenius Heyd. — 4. M. Deucalionis Heyd. 

5. Tychius Manderstjernai Heyd. - 6. Acalles Icarus Heyd. - 7. Ceutorhynchus ftiDeratus Heyd. — 8. Nanophyes Japetus. 

9. Sphenophorus proluviosus Heyd. — 10. Lamia petrificata Heyd. — 11. Labidostomis Pyrrha Heyd. — 

12. Anomala Thetis Heyd. — 13. Lina sociata Heyd. — 14. Plagiodera novata Heyd. — 

15. ifi. Sospita Haagi Heyd. — 17. Coccinella Krantzi Heyd. — 18. 19. C. bituminosa Heyd. — 

20. C. fossilis Heyd. — 21. Lasia primitiva Heyd. — 22. Byrrhus exanimatus Heyd. 



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